Hamburger Forschungen zur Kunstgeschichte
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Herausgegeben von:
Universität Hamburg
In Nähe auf Distanz wird der Bedeutungswandel von Fotografien und Videos im Zeitalter des Internets untersucht. Die Beiträge widmen sich exemplarisch u.a. den Selfie-Protesten, Bildern des Arabischen Frühlings, des Israelisch-Palästinensischen Konflikts, der Gezi-Park-Proteste, des Syrienkriegs sowie der Bildpolitik des "Islamischen Staats". Deren Potenziale, auch über weite Distanzen hinweg affektiv und kommunikativ wirksam zu werden und politische Handlungen auszulösen, werden kritisch analysiert. Der hier reflektierte Bildbegriff basiert auf digitaler Übertragung und ist von permanenten Bildmodifikationen durch Datentransfers und Postproduktionen geprägt.
Der Rahmen ist in der Kunstgeschichte mittlerweile mehr als die Einfassung eines Bildwerks: Ins Zentrum des Interesses ist gerückt, dass rahmende Strukturen Wahrnehmung steuern, Kommunikationsstrukturen etablieren und damit auch konzeptuelle frames erzeugen.
Ausgehend von diesem Verständnis des Rahmens als multifunktionales Element, versammelt der Band Fallstudien aus Architektur, Malerei und Skulptur, die das funktionale, ästhetische und reflexive Potential von Rahmungen erörtern. Die einzelnen Beiträge umspannen den Zeitraum zwischen dem 4. und dem 18. Jahrhundert und zeigen, dass der durch das Zusammenwirken von Form, Struktur und Inhalt gebildete frame ein epochen- und medienunabhängiges künstlerisches Konzept darstellt.
Wie definierte sich im päpstlichen Rom der Spielraum, in dem Frauen wie Artemisia Gentileschi oder Giovanna Garzoni künstlerisch agieren konnten? Andere Frauen, wie Christina von Schweden, sammelten Kunst oder hinterließen Spuren in Ausstattungs- und Bauprojekten. Der Band untersucht Phänomene und Repräsentationen von Weiblichkeit zwischen 1580 und 1700 und stellt zur Diskussion, wie Weiblichkeit in unterschiedlichen Kontexten modelliert wurde.
Die Erinnerung an das Reich der mittelalterlichen Könige und Kaiser nahm in der nationalsozialistischen Geschichts- und Kulturpolitik eine herausragende Stellung ein. Das Reich Karls des Großen und die Jahrhunderte der „deutschen Kaiserzeit“, die Zeit der Ottonen, Salier und Staufer, galten als erste Phase „deutscher Größe“ und als Vorwegnahme und historische Rechtfertigung des von den Nationalsozialisten angestrebten „großgermanischen Reiches“. Von dieser völkisch-nationalistischen Deutung des Mittelalters, deren Wurzeln bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen, blieb auch die Sicht auf die mittelalterliche Kunst nicht unbeeinflusst. Im Mittelalter wurde der Anfang „deutscher Kunst“ gesucht, in der mittelalterlichen Kunst sah man einen frühen Ausdruck des deutschen Nationalcharakters, und entsprechend konnte sie sowohl als Vorbild für eine neu zu schaffende, nationale und „volksverbundene“ Kunst in Anspruch genommen als auch gegen die „Entartungen“ der modernen Kunst ins Feld geführt werden. Im Zentrum der Publikation steht die Praxis der Mittelalter-Kunstgeschichte im Nationalsozialismus, ihre Vorgeschichte und unmittelbare Folge. Es geht um eine Analyse der Gegenstände, Begriffe, Methoden und Deutungsmuster, mit denen mediävistische Kunstgeschichte im Nationalsozialismus operierte. Ein zweiter Themenschwerpunkt liegt auf der Popularisierung des Mittelalterbildes in Schrifttum, Film und Veranstaltungen.
Was verbindet Hammer, Pinsel und Geige? Werkzeuge und Instrumente vermitteln zwischen menschlichem Körper und Materie. So genießen diese Objekte eine genuine Gemeinsamkeit, und doch gründet gerade in der Differenz beider Begriffe die abendländische Unterscheidung zwischen handwerklichen und künstlerischen bzw. musikalischen oder wissenschaftlichen Tätigkeiten. Die Beiträge des achten Bandes der Hamburger Forschungen zur Kunstgeschichte nehmen Werkzeuge und Instrumente aus einer kunsthistorischen Perspektive und im interdisziplinären Dialog in den Blick. Das Augenmerk liegt gleichermaßen auf den Techniken ihrer Handhabung, ihrer Diskursivierung in Kritik und Theorie sowie ihrer Darstellung im Bild. Mit Beiträgen von: Gotlind Birkle, Martine Clouzot, Philippe Cordez, Gottfried Korff, Matthias Krüger, François Lamy, Katja Müller-Helle, Ulrich Pfisterer, Albrecht Pohlmann, François Poplin, Julia Ann Saviello, Monika Wagner.
Mit den neuesten Entwicklungen der Bio-Art verwirklicht sich scheinbar ein Jahrtausende alter Menschheitstraum - der Traum vom Künstler als zweitem Gott und Schöpfer eines eigenen, belebten Universums. Erstmals treten heute KünstlerInnen mit dem Anspruch auf, tatsächliche, genetisch veränderte Lebewesen nach ihren Vorstellungen als Kunstwerke zu erschaffen. Eingelöst scheint, was zuvor als unerreichbarer Fluchtpunkt künstlerischen Strebens, als Beschreibungsmetapher, Modellvorstellung und Qualitätskriterium für Kunst galt, daß nämlich Kunstwerke ‚Lebewesen' sind oder sich doch am besten durch Konzepte erfassen lassen, die dem Bereich biologischer Lebensvorgänge enstammen. Die Fragen nach der visuellen Umsetzung von Theorien und Topoi des ‚lebenden Kunstwerks' in ihrer historischen Entwicklung bestimmen dieses Buch: In welchen Formen vollzieht sich der künstlerischer ‚Belebungs'-Akt? Wie wird das ‚Leben' nicht nur an die Bildwerke heran-, sondern hineingetragen? Wo liegen die Bedingtheiten der Artefakte und mit welchen Mitteln werden sie versuchsweise überschritten? Schließlich: Wie verändert sich auf Seiten des Betrachters die Wahrnehmung eines derart die Grenzen von Kunst und Leben in Frage stellenden Objekts? In jedem Fall erfolgt eine solche visuelle Aktualisierung von ‚Lebendigkeit' im Kunstwerk stets in Verbindung mit geschlechtsspezifischen Konzeptualisierungen des ‚Lebens': In den Vorstellungen über die Kreativität des Künstlers/der Künstlerin und der Wirkung des Kunstwerks werden biologische Prozesse, gendering und künstlerische Schöpfung aufeinander projiziert.
Politik, Gesellschaft und Kultur fußen als wesentliche Lebensbereiche auf individuellen, kollektiven, mithin abstrakten Ideen. In ihrer Zeit und darüber hinaus entwickeln sie soziopolitische Relevanz und sind in Handlungen und Objekten nachvollziehbar. Am Beispiel patriotischer Kunst und Kunstbetrachtung, kulturwissenschaftlicher Methodik als gesellschaftlicher Praxis und der Konstruktion von Traditionslinien innerhalb politischer Umbrüche werden in diesem Band Prozesse und Ereignisse nachvollzogen, durch die theoretische Konstrukte sichtbar werden. Die Autor/innen fragen danach, welches politische Potenzial durch Visualität entsteht und welche kulturellen Zugänge damit verbunden sind. Sie verfolgen verschiedene Ansätze, um Übersetzungsprozesse, die Transformation der Idee und ihre Nutzbarkeit sichtbar zu machen.
- Mit Beispielen aus dem späten 19. Jahrhundert, der Zeit des Nationalsozialismus und der DDR