Corpus Papyrorum Raineri
-
Herausgegeben von:
Generaldirektion der Österreichischen Nationalbibliothek
Die Papyrussammlung in Wien ist die größte Sammlung dieser Art in der Welt. In der Österreichischen Nationalbibliothek werden ca. 180 000 Papyri aufbewahrt, die in den Sprachen Griechisch, Ägyptisch, Koptisch, Arabisch, Hebräisch, Lateinisch, Demotisch und Pahlevi beschrieben sind und aus der Zeit vom 2. Jahrtausend vor Christus bis zum 15. Jahrhundert nach Christus stammen. Die Sammeltätigkeit geht auf Erzherzog Rainer, den Neffen des Kaisers Franz Josef I, zurück.
Mit der Reihe CPR werden die Bestände der Papyrussammlung erschlossen: Editionen der einzelnen Dokumente werden ergänzt durch Einführung, Übersetzung, kritischen Apparat oder ausführlichen Kommentar.
Fachgebiete
Der vorliegende Band enthält die Edition, die Übersetzung und den linguistischen und historischen Kommentar zu 13 bisher unpublizierten, arabischen Briefen aus der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien. Diese geben einen breiten Einblick in die Sozial- und Wirtschaftsgeschichte Ägyptens vom 8. bis zum 10. Jahrhundert.
Unter anderem zeigen die Briefe die starke Verhandlungsposition von Ammen, enthalten den diskreten Hinweis eines Beamten an seinen Kollegen, eine liegengebliebene Angelegenheit endlich zu erledigen, beschreiben die Flucht eines Bauern in die Hauptstadt al-Fusṭāṭ, eine sich abzeichnende Erbstreitigkeit zwischen Brüdern, einen gewalttätigen Zwischenfall in einem Dorf sowie schließlich einen Boykott von Christen.
Die äußeren Beschreibungen folgen der Münchner Formaltypologie. Der Band schließt mit einem ausführlichen Glossar und einem allgemeinen Index.
639 dringt der arabische Commandeur Amr ibn al-As in Ägypten ein und erobert innerhalb von 2 Jahren das gesamte Land. Der Übergang zum neuen politischen, sozialen, religiösen und kulturellen System erfolgt jedoch über einen längeren Zeitraum. Lange bleiben das Christentum die Religion der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung und Griechisch die am häufigsten geschriebene Verwaltungssprache.
Der Band beinhaltet die kommentierte Edition und Übersetzung von 62 griechischen Papyrustexten aus dem Senouthios-Archiv. Diese Briefe zwischen hohen Beamten des Hermopolites aus den allerersten Jahren nach der arabischen Eroberung Ägyptens stellen das bedeutendste dokumentarische Quellenkonvolut dieses historischen Wendepunktes dar. Sie veranschaulichen das Zusammenleben und die Interaktion zwischen ex-byzantinischer Verwaltung, ägyptischer Bevölkerung und Arabern und wie aus dieser Interaktion eine neue institutionelle, soziale, kulturelle und wirtschaftliche Realität entsteht.
Durch die Bereitstellung neuer direkter und ungefilterter Informationen stellt der Band einen wesentlichen Beitrag zu einem besseren Verständnis und einer fundierten Rekonstruktion dieser historischen Übergangsphase dar.
L’archivio di Senouthios anystes (c. 643–644) rappresenta il più grosso gruppo di documenti conservato per gli anni immediatamente successivi alla conquista araba d’Egitto. I 62 testi editi (testo greco, traduzione, commento, introduzione generale e indici) documentano i cambiamenti portati dalla conquista, le relazioni tra popolazione cristiana d’Egitto e arabi, e come questa interazione dia vita a una nuova realtà sociale e amministrativa.
This book has a double purpose: to edit, using papyri in the Austrian National Library, a municipal archive of Hermoupolis Magna known only by the handwritten transcriptions of C. Wessely in 1905 (Stud. Pal. V) without translation or commentary; and to reveal, using this firsthand source from an Egyptian metropolis with close ties to the emperor Gallienus, the contrasted situation between 264 and 268, just before his assassination.
This papyrus (3rd century BC) contains c. 200 incipits (first lines) of Greek epigrams with a numeral at the end of each line that gives the number of lines of the complete epigram; most of them had 4 lines. Of these, only one has been ascribed to a known poet (Asklepiades), but it is by no means clear that all of them were his. Their publication, greatly aided by multispectral photography, is a very welcome addition to Hellenistic poetry.
Die arabische Papyrologie ist in den letzten Jahren verstärkt in den Fokus der Arabistik gerückt, da die Dokumente Informationen zu Bereichen der islamisch-arabischen Kultur-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte liefern, wie sie so in literarischen Quellen nicht greifbar sind. Die Erschließung der Bestände ist allerdings nach wie vor gering.
Mit diesem Band werden die Bestände der Papyrussammlung der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien weiter erschlossen. Es handelt sich um 18 überwiegend vollständige Briefe auf Papier, die aus dem 10.–16. Jahrhundert n. Chr. stammen. Sie betreffen den privaten, geschäftlichen und amtlichen Bereich und bieten so einen guten Querschnitt durch die Epistolographie der ägyptischen Mittelschicht der damaligen Zeit.
Jedem Stück ist eine Einleitung vorangestellt, in der auf das Verhältnis von Schreiber und Adressat, den Inhalt des Schreibens einschließlich der Realien und die orthographischen und sprachlichen Besonderheiten eingegangen wird. Auf Text und Übersetzung folgt jeweils ein ausführlicher Kommentar, der insbesondere auch der Analyse der Phraseologie dient. Sprache und Inhalt der Stücke werden durch fünf Indices, darunter ein ausführliches Glossar, erschlossen.
Der Band enthält 21 dokumentarische und 2 literarische Texte aus der Wiener Papyrussammlung. Es sind Privat- bzw. Geschäftsbriefe, Listen, Bestellungen, eine Pachturkunde, eine Quittung, Verträge, eine Zeugenaussage und zwei Homelien. Mit großer Wahrscheinlichkeit kommen die meisten der hier edierten Urkunden aus dem Hermopolites, eine vermutlich aus Achmim und zwei aus der Region um Aphrodito. Die Sprache dieser Zeugnisse ist Saidisch. Die Schriftträger sind Papyrus, Papier und Ostraka.
Der Band beinhaltet die Edition von 32 griechischen Papyrustexten, mit Kommentar und Übersetzung, aus dem kürzlich identifizierten Senouthios-Archiv. Es handelt sich um die Korrespondenz zwischen hohen Beamten des Hermopolites in den allerersten Jahren nach der arabischen Eroberung Ägyptens. Die Texte - das bedeutendste dokumentarische Quellenvolut dieses historischen Wendepunkts - geben Einblick in den Übergang von der Spätantike in die arabische Welt. Die in diesem Band veröffentlichten Briefe betreffen insbesondere Requisitionen für den Bau der neuen ägyptischen Hauptstadt al-Fustat ("Alt-Kairo") und erhellen sonst kaum dokumentierte Aspekte wie die Beziehung zwischen Christen und Muslimen oder die Reaktionen der Bevölkerung auf die Forderungen der neuen Herrscher unmittelbar nach der arabischen Landnahme.
Ein zweiter Band befindet sich in Vorbereitung.
Die hier vorgelegten demotischen Urkunden aus dem Fayumort Soknopaiu Nesos gewähren Einblicke in das ökonomische, religiöse und private Leben der Dorfbewohner während der zweiten Hälfte der Ptolemäerzeit. Die Dokumente, die sich heute sämtlich in der Wiener Papyrussammlung der Nationalbibliothek befinden, betreffen Immobilienverkäufe, Übertragungen von Tempeleinkünften sowie die Bestimmungen zwischen Brautleuten bei einer Eheschließung. Alle Quellen sind in Umschrift und Übersetzung wiedergegeben und mit einem Kommentar versehen. Ausführliche Indizes erschliessen den Textband. Im Tafelteil werden alle Urkunden in Originalgröße abgebildet.
Der vorliegende Band widmet sich dem späthieratischen Papyrus Wien Aeg 8426, einer Tempelhandschrift aus römischer Zeit, die eine Reihe von magischen Sprüchen und Ritualen zum Schutze des Königs verzeichnet. Neben einer ausführlichen Einleitung und einer philologisch exakten Aufbereitung des ägyptischen Manuskripts bietet diese Erstpublikation außerdem eine Fülle paralleler Textstellen, die eine zeitliche wie inhaltliche Einordnung der auf diesem Papyrus kollationierten Sprüche ermöglichen soll. Durch die zahlreichen mythologischen Anspielungen und die variierenden Amulettformen ist diese Handschrift nicht nur für Ägyptologen, sondern auch für Religionswissenschaftler von größtem Interesse. Eine Paläographie, ein Glossar und eine umfangreiche Bibliographie runden diesen sehr übersichtlich gestalteten Band ab.
Der Band stellt 46 bisher noch unveröffentlichte arabische Rechtsurkunden vor, die auf Papyrus, Papier oder Pergament geschrieben sind. Der Inhalt reicht von Eheverträgen über Kauf- und Arbeitsverträge bis hin zu Schuldscheinen, Bürgschaften und Quittungen. Die älteste vorgelegte Urkunde stammt aus dem späten 8. Jh. n. Chr., die jüngste von 1482. Formen und Varianten der Abfassungen dieser Stücke geben einen lehrreichen Einblick in die Rechtsentwicklung vom Byzantinischen bis in das Mamlukische Ägypten. Dieser Band soll ein Zeichen setzen für die geplante intensive Aufarbeitung der arabischen Bestände der Papyrussammlung Erzherzog Rainer in der Österreichischen Nationalbibliothek.
Die Monographie ist eine kommentierte Ausgabe von 35 bisher unveröffentlichten griechischen Papyrusbriefen aus der Papyrussammlung der Österreichischen Nationalbibliothek. Die Editionen folgen dem bewährten Schema des Corpus Papyrorum Raineri: Formalbeschreibung, Textedition mit kritischem Apparat, Übersetzung, Gesamtdeutung des Textes und Zeilenkommentar. Die Briefe stammen aus dem römischen, byzantinischen und früharabischen Ägypten (2.-7. Jh. n. Chr.). Sie bieten nicht nur dem Papyrologen, sondern auch dem Klassischen Philologen, dem Sprachwissenschaftler, dem Lexikographen, dem Paläographen, dem Althistoriker, dem Rechtshistoriker und dem Byzantinisten vielfältige Informationen zur Entwicklung der spätantiken Epistolographie und der griechischen Sprache über einen Zeitraum von etwa fünfhundert Jahren. Außerdem beleuchten die neuen Texte diverse Aspekte der Sozial-, Wirtschafts- und Verwaltungsgeschichte der ausgehenden Antike im östlichen Mittelmeerraum.