Reformbedarf im deutschen Gesundheitssystem aus Sicht der Bevölkerung
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Claus Wendt
, Elias NaumannClaus Wendt ist Professor für Soziologie der Gesundheit und des Gesundheitssystems an der Universität Siegen undExternal Fellow am Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung, MZES. 2008-2009 war er Harkness/BoschFellow of Health Policy & Practice an der Harvard School of Public Health und J. F. KennedyFellow am Center for European Studies, Harvard. Seine Forschungsschwerpunkte sind Institutionentheorie, Vergleichende Wohlfahrtsstaatsanalyse und Vergleichende Gesundheits- und Gesundheitssystemforschung. and Julia KlitzkeElias Naumann istPostdoc am Sonderforschungsbereich 884 „Political Economy of Reforms“ der Universität Mannheim. In seiner Dissertation untersuchte er das Thema „The Dynamics of Welfare Attitudes in Times of Welfare State Retrenchment“. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Vergleichende Wohlfahrtstaatsforschung insbesondere zu Renten- und Gesundheitssystemen, die Erklärung individueller Einstellungen zum Wohlfahrtstaat sowie experimentelle Methoden in den Sozialwissenschaften undsurvey methodology .Julia Klitzke ist Doktorandin am Sonderforschungsbereich 884 „Political Economy of Reforms“ der Universität Mannheim. In ihrer Dissertation untersucht sie die Rolle von Interessenorganisationen in sozialpolitischen Reformprozessen. Ihre Forschungsschwerpunkte am Sonderforschungsbereich sind die Durchführung und Auswertung von Experteninterviews zu Reformen der Gesundheits- und Rentenpolitik im internationalen Vergleich.
Abstract
In diesem Beitrag werden die Eistellungen der Bevölkerung zu Reformen im deutschen Gesundheitssystem untersucht. Als Datengrundlage dient das German Internet Panel von 2013. Unter den Befragten ist ein breiter Konsens zu erkennen, dass der Staat eine umfassende, solidarisch finanzierte Gesundheitsversorgunggewährleisten solle. Etwa die Hälfe der Unfrageteilnehmerfordert, mehr Geld für die Gesundheitsversorgung auszugeben. Nur eine Minderheit spricht sich für Kostensenkungen aus. Etwa ein Drittel der Befragten wäre bereit, für Verbesserungen der Gesundheitsversorgung einen größeren privaten Anteil als bisher zu leisten. Auch wenn in früheren Umfragen noch nie eine so hohe Bereitschaft für steigende Gesundheitsausgaben gemessen werden konnte, stößt diese an Grenzen. Die Erhöhung von Krankenversicherungsbeiträgen wie auch die Einschränkung medizinischer Leistungen werden von vielen Befragten abgelehnt. Geringer sind die Widerstände gegen Steuererhöhungen.
Über die Autoren
Claus Wendt ist Professor für Soziologie der Gesundheit und des Gesundheitssystems an der Universität Siegen und External Fellow am Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung, MZES. 2008-2009 war er Harkness/Bosch Fellow of Health Policy & Practice an der Harvard School of Public Health und J. F. Kennedy Fellow am Center for European Studies, Harvard. Seine Forschungsschwerpunkte sind Institutionentheorie, Vergleichende Wohlfahrtsstaatsanalyse und Vergleichende Gesundheits- und Gesundheitssystemforschung.
Elias Naumann ist Postdoc am Sonderforschungsbereich 884 „Political Economy of Reforms“ der Universität Mannheim. In seiner Dissertation untersuchte er das Thema „The Dynamics of Welfare Attitudes in Times of Welfare State Retrenchment“. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Vergleichende Wohlfahrtstaatsforschung insbesondere zu Renten- und Gesundheitssystemen, die Erklärung individueller Einstellungen zum Wohlfahrtstaat sowie experimentelle Methoden in den Sozialwissenschaften und survey methodology.
Julia Klitzke ist Doktorandin am Sonderforschungsbereich 884 „Political Economy of Reforms“ der Universität Mannheim. In ihrer Dissertation untersucht sie die Rolle von Interessenorganisationen in sozialpolitischen Reformprozessen. Ihre Forschungsschwerpunkte am Sonderforschungsbereich sind die Durchführung und Auswertung von Experteninterviews zu Reformen der Gesundheits- und Rentenpolitik im internationalen Vergleich.
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