Arbeiten für das Gemeinwohl? Eine internationale Literaturumschau
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Andreas Pfeuffer
, Berthold VogelAndreas Pfeuffer , geboren 1967, ist Soziologe, Historiker, Latinist und wissenschaftlicher Übersetzer. Nach Tätigkeiten an den Universitäten Neuchâtel und Konstanz sowie als Sekretär für transnationale Kooperation beim Landesbezirk Baden-Württemberg des Deutschen Gewerkschaftsbundes arbeitete er bis Dezember 2013 als wissenschaftlicher Mitarbeiter in dem am Hamburger Institut für Sozialforschung angesiedelten Projekt „Im Dienste öffentlicher Güter. Akteure, Institutionen, Praktiken“. Er promoviert an der Universität Kassel zu einem krankenhaussoziologischen Thema. Jüngste Publikation:Die Ökonomien des medizinischen Kodierens. Kodierfachkräfte im Spannungsfeld zwischen medizinisch-pflegerischen und betriebswirtschaftlichen Ansprüchen (im Erscheinen). and Sascha WiegrefeBerthold Vogel ist Soziologe am Hamburger Institut für Sozialforschung und seit 2011 Direktor des Soziologischen Forschungsinstituts (SOFI) an der Georg-August-Universität Göttingen. Er lehrt im Fachbereich „Gesellschaftswissenschaften“ an der Universität Kassel und ist seit 2008 Lehrbeauftragter für Soziologie an der Universität St. Gallen. Seine Arbeitsschwerpunkte sind die Politische Soziologie sozialer Ungleichheit, der Wandel der Arbeitswelt und die Theorie und Empirie des Wohlfahrtsstaates. Aktuelle Buchveröffentlichungen:Ein halbes Leben. Biographische Zeugnisse aus einer Arbeitswelt im Umbruch (Konstanz 2010) sowieDemografie und Demokratie. Zur Politisierung des Wohlfahrtsstaates (mit Jens Kersten und Claudia Neu, Hamburg 2012).Sascha Wiegrefe , geboren 1986, ist Soziologe und forscht am Soziologischen Forschungsinstitut an der Georg-August-Universität Göttingen aktuell zum Wandel von Arbeit. Während seines Studiums war er u. a. als studentische Hilfskraft am Hamburger Institut für Sozialforschung im DFG-Projekt „Im Dienste öffentlicher Güter. Akteure, Institutionen, Praktiken“ (2010 bis 2013) tätig. Jüngste Publikationen: „Wer verwaltet öffentliche Güter? – Deutungsmuster kommunaler Führungskräfte“, in: Jörg Flecker; Franz Schultheis; Berthold Vogel (Hg.):Im Dienste öffentlicher Güter. Metamorphosen der Arbeit aus der Sicht der Beschäftigten (im Erscheinen).
Abstract
Erfordert die Tätigkeit im öffentlichen Dienst eine besondere Motivation? Teilen die Beschäftigten im Staatssektor ein spezifisches Arbeitsethos? Diese Fragen beschäftigen die Soziologie seit langem. Der Beitrag greift diese Fragen im Rahmen einer internationalen Literaturübersicht auf. Als Ausgangspunkt dienen die grundlegenden Überlegungen zu Werthaltungen der Staatsbediensteten, die wir in den Texten von Max Weber, Robert K. Merton oder Niklas Luhmann und Renate Mayntz finden. Davon ausgehend wenden sich die Autoren aktuellen internationalen Debatten um die quantitative Messung der Public Service Motivation zu. Darüber hinaus werden ethnographisch angelegte Ansätze aus dem französischen Kontext vorgestellt, die den „praktischen Sinn“ öffentlicher Dienstleister in der Interaktion mit dem Publikum zum Gegenstand machen und damit einen alternativen empirischen Zugang zur Thematik eröffnen. Der Beitrag endet mit einigen Überlegungen zur Bedeutung der Gemeinwohlorientierung der Staatsdiener im Kontext fiskalischer Knappheit und veränderter Arbeits- und Karrierebedingungen im öffentlichen Sektor.
Über die Autoren
Andreas Pfeuffer, geboren 1967, ist Soziologe, Historiker, Latinist und wissenschaftlicher Übersetzer. Nach Tätigkeiten an den Universitäten Neuchâtel und Konstanz sowie als Sekretär für transnationale Kooperation beim Landesbezirk Baden-Württemberg des Deutschen Gewerkschaftsbundes arbeitete er bis Dezember 2013 als wissenschaftlicher Mitarbeiter in dem am Hamburger Institut für Sozialforschung angesiedelten Projekt „Im Dienste öffentlicher Güter. Akteure, Institutionen, Praktiken“. Er promoviert an der Universität Kassel zu einem krankenhaussoziologischen Thema. Jüngste Publikation: Die Ökonomien des medizinischen Kodierens. Kodierfachkräfte im Spannungsfeld zwischen medizinisch-pflegerischen und betriebswirtschaftlichen Ansprüchen (im Erscheinen).
Berthold Vogel ist Soziologe am Hamburger Institut für Sozialforschung und seit 2011 Direktor des Soziologischen Forschungsinstituts (SOFI) an der Georg-August-Universität Göttingen. Er lehrt im Fachbereich „Gesellschaftswissenschaften“ an der Universität Kassel und ist seit 2008 Lehrbeauftragter für Soziologie an der Universität St. Gallen. Seine Arbeitsschwerpunkte sind die Politische Soziologie sozialer Ungleichheit, der Wandel der Arbeitswelt und die Theorie und Empirie des Wohlfahrtsstaates. Aktuelle Buchveröffentlichungen: Ein halbes Leben. Biographische Zeugnisse aus einer Arbeitswelt im Umbruch (Konstanz 2010) sowie Demografie und Demokratie. Zur Politisierung des Wohlfahrtsstaates (mit Jens Kersten und Claudia Neu, Hamburg 2012).
Sascha Wiegrefe, geboren 1986, ist Soziologe und forscht am Soziologischen Forschungsinstitut an der Georg-August-Universität Göttingen aktuell zum Wandel von Arbeit. Während seines Studiums war er u. a. als studentische Hilfskraft am Hamburger Institut für Sozialforschung im DFG-Projekt „Im Dienste öffentlicher Güter. Akteure, Institutionen, Praktiken“ (2010 bis 2013) tätig. Jüngste Publikationen: „Wer verwaltet öffentliche Güter? – Deutungsmuster kommunaler Führungskräfte“, in: Jörg Flecker; Franz Schultheis; Berthold Vogel (Hg.): Im Dienste öffentlicher Güter. Metamorphosen der Arbeit aus der Sicht der Beschäftigten (im Erscheinen).
Literaturverzeichnis
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