Zusammenfassung
Den Ausgangspunkt dieses Beitrags stellt die weitreichende Vernachlässigung von Liebe als Thema in der wissenschaftlichen Religionspädagogik dar. In einem ersten Schritt wird diese Vernachlässigung im Blick auf Veröffentlichungen im Bereich der wissenschaftlichen Religionspädagogik aufgezeigt, was zu einem widersprüchlichen Bild führt. Denn die theologische Grundlage der christlichen Religionspädagogik wird oft so beschrieben, dass sie die Erwartung weckt, dass Liebe im Zentrum des christlichen Verständnisses von Erziehung und Bildung steht (Liebe Gottes, Nächstenliebe, Feindesliebe, Selbstliebe). In einem zweiten Schritt werden Schulbücher und Unterrichtsmaterialien für den Religionsunterricht untersucht, um der These nachzugehen, dass die Praxis des Religionsunterrichts stärker dazu tendiert als die wissenschaftliche Religionspädagogik, Liebe als ein Zentralthema anzusehen. Diese These wird darüber hinaus vor dem Hintergrund empirischer Befunde im Blick auf das Interesse von Schüler:innen an Themen, die sich auf Liebe beziehen, diskutiert. Am Ende werden mögliche Gründe für die Spannung zwischen der Vernachlässigung von Liebe im wissenschaftlich-religionspädagogischen Diskurs und dem praktischen Interesse an diesem Thema vorgeschlagen.
Abstract
This article takes the far-reaching neglect of love as a topic in academic religious education as its starting point. In an initial step, this lack is demonstrated via consideration of publications in the field of academic religious education, which leads to a contradictory picture. The theological basis of Christian religious education has often been described in ways which would lead one to expect that love should be at the core of any Christian understanding of education (loving God, loving the other, loving one’s enemies, loving oneself). In a second step, textbooks for pupils as well as materials for instructors are analyzed in order to test the hypothesis that the practice of religious education has been much more inclined to make love one of its core topics than has been the case in academic discourse. This hypothesis will be further discussed against the background of empirical research results concerning the interest of the pupils in topics related to love. In conclusion, possible reasons for the tension between the absence of love in academic religious education discourses and the practical interest in this topic are suggested.
© 2022 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston
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- Henrik Simojoki, Friedrich Schweitzer, Julia Henningsen, Jana-Raissa Mautz: Professionalisierung des Religionslehrerberufs. Analysen im Schnittfeld von Lehrerbildung, Professionswissen und Professionspolitik (Religionspädagogik in pluraler Gesellschaft 28), Paderborn: Brill/Ferdinand Schöningh 2021, 619 S., € 99,00.
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- Patrick Grasser: Religion inklusiv unterrichten. Praxisreflexionen kirchlicher Religionslehrkräfte an Inklusionsschulen (Religionspädagogik innovativ 40), Stuttgart: Kohlhammer 2021, 300 S., 49,00 €.
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- Dominik Helbling & Ulrich Riegel (Hg.): Wirksamer Religions(kunde)unterricht (Unterrichtsqualität: Perspektiven von Expertinnen und Experten 15), Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren 2021, 214 S., € 19,80.
- Benny Grey Schuster: Das Osterlachen. Darstellung der Kulturgeschichte und Theologie des Osterlachens sowie ein Essay über die kulturelle, kirchliche und theologische Verwandlung des Lachens. Aus dem Dänischen übersetzt von Eberhard Harbsmeier, 2019, Hamburg: Igel Verlag, 428 S., 44.00 €.
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