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Wirtschaftspolitik aus Sicht ökonomischer Laien

Zum Zielkonflikt zwischen ökonomischer Vernunft und Wählerpräferenzen
  • Dominik Enste EMAIL logo , Rebecca Gabel , Benedict Lorbacher , Johannes Müller , Jennifer Potthoff and Barbara Natalie Unger
Published/Copyright: November 6, 2025

Zusammenfassung

Wirtschaftspolitische Entscheidungen stehen oft in einem Spannungsfeld zwischen ökonomischer Rationalität und gesellschaftlicher Akzeptanz. Während ökonomische Experten wirtschaftspolitische Maßnahmen vor allem auf Basis von theoretischen Modellen und Effizienzkriterien bewerten, prägen intuitive Fairnesswahrnehmungen und kognitive Verzerrungen zumeist die Sichtweise der Bevölkerung. Auf Basis einer quotenrepräsentativen Bevölkerungsumfrage in Deutschland analysieren Dominik Enste, Rebecca Gabel, Benedict Lorbacher, Johannes Müller, Jennifer Potthoff und Barbara Natalie Unger die Ursachen und Auswirkungen dieser Divergenz im Hinblick auf zentrale Politikfelder. Wie die Umfrage zeigt, stößt in der Klimapolitik ein CO2-Preis selbst in Verbindung mit sozialen Ausgleichsmechanismen bei der Bevölkerung auf Widerstand. Ähnliches gilt für Reformen des Rentensystems oder für den Umgang mit Strukturwandel und Subventionen. Um die Akzeptanz wirtschaftspolitischer Maßnahmen zu erhöhen, sollte die Politikberatung daher verhaltens- und laienökonomische Erkenntnisse stärker berücksichtigen als bisher.

JEL Classification: D90; D63; D78

1 Die Laienökonomie und ihre Bedeutung für wirtschaftspolitische Entscheidungen

Populistische wirtschaftspolitische Maßnahmen wie die Zölle und Handelsbarrieren im Rahmen der „America-First“-Agenda des amerikanischen Präsidenten Donald Trump sind Ausdruck eines Denkens, das auf intuitiven, aber verzerrten Vorstellungen über wirtschaftliche Zusammenhänge beruht. Ökonomen mögen aufgrund ihrer Theorien zwar die langfristigen Vorteile internationaler Arbeitsteilung, Freihandelsabkommen und freier Märkte betonen – etwa in Form von Effizienzgewinnen, sinkenden Preisen und wachsendem Wohlstand (vgl. Geißendörfer et al. 2025). Doch sowohl die Politik als auch die Öffentlichkeit nehmen den Außenhandel vielfach als ein Nullsummenspiel wahr, in dem das eigene Land verliert, wenn andere Länder profitieren. Die schlichte Rhetorik, die sich mit protektionistischen Handlungen wie Trumps Zöllen verbindet, zeugt vom Verkennen der mit globaler Arbeitsteilung möglichen Wohlfahrtsgewinne und von einem Ausblenden komplexer ökonomischer Zusammenhänge zugunsten eines emotional aufgeladenen „Freund-Feind-Denkens“. Im Ergebnis opfert man auf diese Weise langfristiges Wirtschaftswachstum für kurzfristige eigene Gewinne.[1]

Auch Maßnahmen wie die Mietpreisbremse stoßen in der Bevölkerung häufig auf große Zustimmung, da sie kurzfristig eine finanzielle Entlastung versprechen. Dabei zeigen ökonomische Analysen klar, zu welchen unerwünschten Nebenwirkungen eine Mietpreisbremse führen kann, beispielsweise zu Angebotsverknappung, sinkender Investitionsbereitschaft im Wohnungsbau und zunehmender Wohnungsnot. Diese Beispiele veranschaulichen das Spannungsfeld zwischen der auf langfristige, nachhaltige Entwicklungen zielenden ökonomischen Rationalität und einer von kurzfristigen Effekten, Narrativen und Heuristiken geprägten öffentliche Debatte.

Derartige Spannungen zwischen wirtschaftlicher Expertise, öffentlicher Wahrnehmung und politischen Entscheidungen zeigen sich auf vielen Politikfeldern, zum Beispiel in den Vorschlägen zur Gestaltung des Strukturwandels durch Künstliche Intelligenz (KI), zur vor dem Hintergrund des demografischen Wandels dringend erforderlichen Reform des Rentensystems oder auch zum Klimaschutz. Effiziente und ressourcenschonende Lösungsansätze stoßen dann auf Ablehnung; stattdessen werden teure Ausgabenprogramme gefordert und beschlossen. Für Ökonomen, die sich auch als Berater für die Wirtschaftspolitik engagieren, sind dies frustrierende Erfahrungen.

Das Auseinanderfallen der Ansichten von Ökonomen, Politik und Öffentlichkeit ist kein Zufall, sondern lässt sich mit Hilfe verhaltensökonomischer Ansätze erklären, die in der Laienökonomik systematisch auf die Wirtschaftspolitik angewandt werden. In diesem Forschungsfeld wird untersucht, wie Personen ohne fundiertes volkswirtschaftliches Wissen wirtschaftliche Zusammenhänge und politische Entscheidungen wahrnehmen und welche Konsequenzen dies für die Gesellschaft hat. Als solche ökonomischen Laien[2] gelten Menschen, die weder eine längere formale ökonomische Ausbildung noch ein wirtschaftswissenschaftliches Studium abgeschlossen haben (Enste, Haferkamp und Fetchenhauer 2009). In Ermangelung einer solchen Ausbildung beruhen ihre Überzeugungen oft auf Bauchgefühl, unterliegen kognitiven Verzerrungen (Biases) und lassen sich allenfalls auf vereinfachte Modelle oder fehlerhafte Annahmen zurückführen, die zwar auf den ersten Blick plausibel erscheinen mögen, dem akademischen Wissensstand jedoch zuwiderlaufen oder mit ihm konkurrieren.[3] Die Analyse baut außerdem auf der Verhaltensökonomik auf, einem Feld, auf dem relevante kognitive Verzerrungen wie der Status-quo-Bias oder die Verlustaversion umfassend untersucht worden sind (Kahneman, Knetsch und Thaler 1991). Hier liegt der Schwerpunkt auf einer breiten Erfassung der Ansichten von Laien über wirtschaftspolitische Maßnahmen, ohne dass die dahinter liegenden Fairnessvorstellungen mit erhoben sind. Stattdessen wird untersucht, welche Faktoren laienökonomische Entscheidungen wie stark beeinflussen.

Die Laienökonomie hat große Relevanz, weil in demokratischen Ländern die Wählerinnen und Wähler im Wege der regelmäßigen Wahlen von Parteien und Politikern auch über die (Wirtschafts-)Politik ihres Landes abstimmen. Wie die Wähler verfügen nur wenige Politiker über einen (betriebs- oder volks-)wirtschaftlichen Hintergrund: Lediglich 18,7 Prozent der Abgeordneten des vergangenen (20.) Bundestages haben ein wirtschaftswissenschaftliches Studium abgeschlossen (Betriebswirtschaft, Finanzwissenschaft, Personalmanagement, internationales Management, Tourismuswirtschaft, Verwaltungswissenschaften, Volkswirtschaft oder Wirtschaftswissenschaften; vgl. Holzapfel 2024). Auch sie sind daher als Laien im Sinne der hier geltenden Definition zu erfassen. Wenn die Angehörigen dieser beiden Gruppen ökonomische Zusammenhänge verzerrt wahrnehmen, kann dies zu politischen Entscheidungen führen, die (langfristig) nicht im besten Interesse der Gesellschaft liegen.

Das Problem ist selbst dann nicht notwendigerweise gelöst, wenn Politiker (beispielsweise durch die Beratung durch Ökonomen) wissen, welche wirtschaftspolitischen Maßnahmen aus ökonomischer Sicht sinnvoll sind. Denn wirtschaftlich effiziente Maßnahmen sind oft wenig „attraktiv“ – sie sind komplex und nur langfristig zu verwirklichen, und sie bedingen häufig einen als Verlust wahrgenommenen Abschied von Routinen. Solche Maßnahmen zu ergreifen, bringt für Politiker die Gefahr mit sich, in der breiten Öffentlichkeit auf Widerstand zu stoßen, an Beliebtheit zu verlieren oder nicht wiedergewählt zu werden. Diese strukturellen Spannungen schlagen sich auch international in der Bewertung der Wirtschaftspolitik durch ökonomische Experten nieder. So fällt in West- und Osteuropa die Einschätzung der aktuellen Wirtschaftspolitik deutlich negativer aus als in anderen Weltregionen. Während Fachleute in Asien, Afrika und Ozeanien insgesamt optimistischer sind, beurteilen sie in großen Teilen Europas die Politik kritisch. Das deutet auf politische Entscheidungen hin, die einen falschen Fokus gesetzt und daher negative Folgen für die Qualität der Wirtschaftspolitik des Landes haben (Gründler et al. 2023a).

Das Ziel der Laienökonomik besteht darin, Erklärungsansätze und Handlungsempfehlungen dafür abzuleiten, wie die Kluft zwischen ökonomischer Rationalität, intuitiven Gerechtigkeitsvorstellungen und Forderungen aus der Bevölkerung überwunden werden kann. So soll erreicht werden, dass notwendige und ökonomisch effiziente Maßnahmen nicht pauschal auf Widerstand stoßen, sondern von Politikern und Wählern verstanden werden. Für die Regierung ist dies entscheidend, um politische Strategien entwickeln zu können, die im besten Interesse des Landes liegen und politisch tragfähig sind – ohne dass sie zwischen ihrer Wiederwahl und dem langfristigen Gemeinwohl abwägen muss.

Vor diesem Hintergrund untersuchen wir in der vorliegenden Studie auf Basis einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage, wie ökonomische Laien in Deutschland zentrale wirtschaftspolitische Maßnahmen auf unterschiedlichen Politikfeldern bewerten, und erklären unter Bezugnahme auf weitere Literatur, welche Faktoren diese Einschätzungen prägen. Während in früheren Arbeiten zur Laienökonomik häufig einzelne Themenbereiche isoliert betrachtet wurden oder der Fokus auf Gerechtigkeitsvorstellungen lag, liefert unsere Untersuchung einen vergleichenden Überblick über Einschätzungen auf mehreren zentralen Politikfeldern – darunter Sozialpolitik, Rentenpolitik, Subventionspolitik, Klimapolitik und Arbeitsmarktpolitik. Sie erweitert den Forschungsstand nicht nur aufgrund ihres politikfeldübergreifenden Ansatzes, sondern auch dadurch, dass wir neben den Meinungsbildern auch demografische, sozioökonomische und politische Einflussgrößen systematisch analysieren. Damit werden sowohl verbreitete Muster laienökonomischer Wahrnehmungen als auch die dahinterliegenden Mechanismen sichtbar.

In Abschnitt 2 ordnen wir unsere Studie in den Kontext der Literatur ein und benennen zentrale Heuristiken und Biases, die in ökonomischen Bewertungen durch Laien zum Tragen kommen. Dazu gehören kognitive Verzerrungen, fehlende Expertise, Einfluss von Narrativen, unterschiedliche ethische Grundhaltungen sowie Fairnessüberlegungen. In Abschnitt 3 stellen wir auf Basis einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage die wirtschaftspolitischen Einschätzungen von ökonomischen Laien auf ausgewählten relevanten Politikfeldern wie Sozialpolitik, Rentenpolitik, Subventionen, Klimapolitik und Arbeitsmarktpolitik vor. In Abschnitt 4 erörtern wir daraus abzuleitende Politikempfehlungen, bevor wir in Abschnitt 5 die zentralen Ergebnisse zusammenfassen und einordnen.

2 Einordnung und theoretische Grundlagen

2.1 Ökonomische Laien: Systematische Verzerrungen und Heuristiken

Ökonomische Entscheidungen von Laien beruhen oft nicht auf theoretisch fundierten Modellen, sondern auf alltagspraktischen Erfahrungen, moralischen Überzeugungen und Narrativen. Während die Laienökonomik in der Tradition der Economic Psychology und der mikroökonomisch basierten Verhaltensökonomik (Enste, Haferkamp und Fetchenhauer 2009 und Haferkamp et al. 2009) unter anderem die psychologischen Einflussfaktoren in den Blick nimmt, veranschaulichen subjektive Modelle über die Makroökonomie (makro-basierte Verhaltensökonomik), ob und inwiefern Haushalte systematisch andere Wahrnehmungen und Begründungen zum Beispiel für inflationäre Entwicklungen oder Arbeitslosigkeit entwickeln (Andre et al. 2022, 2024). Darauf aufbauend lassen sich Erklärungsmodelle ableiten, die zeigen, warum und wann die selektive Wahrnehmung auch für rationale Akteure sinnvoll sein kann (Maćkowiak, Matějka und Wiederholt 2023).

Der wesentliche Unterschied zwischen ökonomischen Laien und Experten besteht im Grad ihrer fachlichen Expertise. Während ökonomische Experten über umfassendes Wissen über ökonomische Theorien, Modelle und empirische Zusammenhänge verfügen, interpretieren Laien wirtschaftspolitische Themen vorwiegend anhand alltagsnaher Erfahrungen, medial vermittelter Narrative und vereinfachter Ursache-Wirkungs-Zuschreibungen (Andre et al. 2022). Laien (und damit Wähler und Wählerinnen) greifen häufig auf intuitive Heuristiken und kognitive Schemata zurück, die unter Unsicherheit schnelle, wenngleich nicht immer zutreffende Einschätzungen ermöglichen (Kahneman 2012). Im Zusammenhang mit wirtschaftspolitischen Fragen bedeutet dies, dass Laien oft andere Prioritäten setzen als Experten, und dass sie wirtschaftspolitische Maßnahmen gemäß subjektiver Plausibilität statt ökonomischer Effizienz bewerten (Reisch und Sunstein 2016 sowie Kahan 2017). Verkürzte, plausible Erklärungen finden schnell Verbreitung über die sozialen Medien und verfestigen das Denken in einfachen Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen, welche die Komplexität und Zweitrundeneffekte wirtschaftlicher Maßnahmen ignorieren.

Wie Caplan (2007) betont, fördern die Anreizstrukturen der Politik die Verbreitung ökonomisch verzerrter Überzeugungen: Da der Einfluss der einzelnen Wählerstimme gering ist, entstehen individuell auch kaum Kosten, wenn man an falschen oder vereinfachenden wirtschaftspolitischen Ansichten festhält. Das führt zu einem „rational irrationalen“ Verhalten: Es ist rational, irrationale Meinungen zu vertreten, wenn es psychologisch angenehm ist und wenn daraus keine unmittelbaren negativen Konsequenzen drohen. Dies führt dann zum Beispiel zum Beibehalten einer Voreingenommenheit gegenüber allem Ausländischen oder gegenüber Märkten (Anti-foreign-Bias oder Anti-market-Bias). Und das trägt wieder dazu bei, dass sich populäre, aber ökonomisch nicht tragfähige Positionen politisch durchsetzen können.

Mit Blick auf den Außenhandel beispielsweise führt dies dazu, dass der Widerstand gegen Freihandel häufig psychologisch motiviert ist: Viele Menschen bewerten protektionistische Maßnahmen intuitiv als gerechter oder sicherer als eine Liberalisierung des Handels, weil sie direkt sichtbare nationale Arbeitsplätze zu schützen scheinen, während die langfristigen, stärker streuenden Vorteile des Freihandels weniger intuitiv erfassbar sind (Kemp 2007). Dass Handelsabkommen grundsätzlich besser sind als Protektionismus, zeigt indes gerade die aktuelle Debatte im Zollstreit zwischen den Vereinigten Staaten und Europa (Christen et al. 2025). Auch die Mehrheit der Ökonomen (72 Prozent) zieht Freihandelsabkommen vor (Geißendörfer 2025). Allerdings können protektionistische Forderungen individuell durchaus rational sein, wenn zum Beispiel der eigene Arbeitsplatz akut bedroht ist (Enste und Lorbacher 2025).

Die hohe Relevanz subjektiver Fairnessurteile prägt insbesondere die Bewertung wirtschaftspolitischer Reformen. Maßnahmen, die bestimmte Gruppen benachteiligen oder mit Verlusten verbunden sind, werden häufig abgelehnt, selbst wenn sie aus gesamtwirtschaftlicher Perspektive sinnvoll wären (Baron 1995 und Enste, Haferkamp und Fetchenhauer 2009). Dahinter stehen psychologische Tendenzen wie die Bevorzugung des bestehenden Zustands und die Vermeidung von Veränderungen, selbst wenn Letztere langfristig vorteilhaft sein könnten (Status-quo-Bias), die stärkere Gewichtung von Verlusten bei gleich hohen Gewinnen (Verlustaversion) und die stärkere emotionale Reaktion auf individuell identifizierbares Leid gegenüber jenem einer anonymen Gruppe oder auch gegenüber einer abstrakten statistischen Zahl (Samuelson und Zeckhauser 1988, Jenni und Loewenstein 1997 sowie Kahneman und Tversky 1979). Diese kognitiven Verzerrungen erschweren die politische Kommunikation wirtschaftlicher Reformen erheblich. Gesellschaftliche Akzeptanz scheitert oft daran, dass kurzfristige Kosten sichtbar sind, während langfristige Vorteile unsicher oder schwer vermittelbar bleiben. Die ökonomische Bewertung durch Laien ist damit nicht nur von mangelnder Expertise geprägt, sondern ergibt sich in einem komplexen Zusammenspiel von normativen Vorstellungen, kognitiven Vereinfachungen und emotionalen Reaktionen. Wie sich diese Faktoren konkret in den Bewertungen niederschlagen, untersuchen wir im Folgenden anhand von Umfrageergebnissen zu wirtschaftspolitischen Maßnahmen.

Trotz ihrer Fachkenntnisse sind auch ökonomische Experten nicht frei von kognitiven Verzerrungen. Studien zeigen, dass auch sie unter bestimmten Bedingungen – beispielsweise unter Zeitdruck, in komplexen Problemlagen oder mit Blick auf politisch aufgeladene Themen – auf Heuristiken zurückgreifen, die ihre Urteile beeinflussen können (Tversky und Kahneman 1974 sowie Tetlock 2005). Gleichwohl sind sie durch ihre Ausbildung, ihre methodischen Standards und ihren fachlich eingeübten Umgang mit Unsicherheit typischerweise besser in der Lage, systematische Fehlerquellen zu erkennen und zu korrigieren (Andre 2022). Insgesamt zeigen empirische Vergleiche, dass Experten deutlich konsistentere und stärker evidenzbasierte wirtschaftspolitische Bewertungen vornehmen als Laien (Blinder und Krueger 2004 sowie Sapienza und Zingales 2013).

2.2 Unterschiedliche Ethik- und Fairness-Konzepte

Dass sich die Meinungen von Ökonomen und Laien systematisch unterscheiden, hat auch etwas mit den ethischen Konzepten zu tun, auf denen ihre Entscheidungen basieren. Ökonomen neigen dazu, utilitaristische Prinzipien anzuwenden (Enste, Haferkamp und Fetchenhauer 2009). Die utilitaristische Ethik bewertet Handlungen ausschließlich anhand ihrer Konsequenzen. Zentral ist dabei das Prinzip des größtmöglichen Nutzens für die größtmögliche Anzahl von Menschen (Enste und Potthoff 2020). Effizienz wird hier oft mit Fairness gleichgesetzt. Im ökonomischen Denken spielt diese Sichtweise eine große Rolle. Ein klassisches Beispiel ist Adam Smiths Erkenntnis, dass individuelles Gewinnstreben in einer Marktwirtschaft häufig zu gesellschaftlich vorteilhaften Ergebnissen führt. Im Zusammenhang mit wirtschaftspolitischen Maßnahmen des Staates kann aus dieser Sichtweise analog folgen, dass die Maßnahmen gerechtfertigt sind, wenn sie gesamtgesellschaftlich positive Effekte zeitigen, selbst wenn einzelne Gruppen kurzfristig Nachteile erfahren (Enste 2015).

Anders als ökonomische Experten betrachten viele Laien ethische Fragen aus einer deontologischen Perspektive (Enste, Haferkamp und Fetchenhauer 2009). Der Fokus der deontologischen Ethik liegt nicht auf den Konsequenzen einer Handlung, sondern auf den ihr zugrundeliegenden Motiven. Sie gilt als moralisch richtig, wenn sie bestimmten normativen Prinzipien entspricht – unabhängig von ihrem tatsächlichen Ausgang (Enste und Potthoff 2020). Dies wird auch in empirischen Studien aus der Moralpsychologie belegt, die zeigen, dass Menschen moralische Urteile oft intuitiv fällen und dabei eher auf verinnerlichte Regeln oder emotionale Reaktionen zurückgreifen, als dass sie verschiedene Handlungskonsequenzen systematisch und rational abwägen. Dies kommt unter anderem in typischen moralischen Dilemmata zum Tragen – zum Beispiel angesichts des sogenannten Trolley-Problems, welches das Dilemma beschreibt, ob man bereit ist, einen Menschen zu opfern, um fünf Menschenleben zu retten (Foot 1967). Viele Versuchspersonen lehnen aktives Handeln (wie zum Beispiel eine Weiche umzustellen, um Menschen zu retten und dabei ein Menschenleben zu opfern) ab, obwohl dies zu einem höheren Gesamtnutzen führen würde.

Solche Befunde verdeutlichen, dass utilitaristisches Denken, wie es in der Ökonomik verbreitet ist, keine allgemein geteilte Grundlage moralischer Urteilsbildung darstellt (Sheskin und Baumard 2016). Vielmehr ist deontologisches Denken gesellschaftlich tief verankert. Es bildet die Grundlage des deutschen Rechtssystems, beeinflusst die Erziehung von Kindern und spielt in vielen Religionen eine zentrale Rolle. Besonders wichtig ist hierbei das Prinzip der Fairness. Eine Maßnahme wird als gerecht empfunden, wenn sie moralischen Regeln folgt, selbst wenn sie ökonomisch ineffizient ist. Dies erklärt beispielsweise, warum viele Menschen in Deutschland eine stärkere Umverteilung als moralisch geboten ansehen, obwohl nur wenige Länder unter den OECD-Staaten eine stärkere Umverteilung durch staatliche Abgaben und Transfers erreichen und obwohl sie das Wirtschaftswachstum potenziell hemmt (Niehues 2019).

Ethische Überzeugungen beeinflussen wirtschaftliche Entscheidungen und wirtschaftspolitische Bewertungen in vielen Fällen somit stärker als rationale Abwägungen. Der moralische Fokus auf wahrgenommener Fairness ist a priori aller Ehren wert, doch er kann systematische Verzerrungen verursachen, wenn emotionale Reaktionen und subjektive Gerechtigkeitsvorstellungen die vertiefte und kritische Auseinandersetzung mit wirtschaftlichen Zusammenhängen überlagern. Das kann dazu führen, dass Maßnahmen bevorzugt werden, die intuitiv fair erscheinen, selbst wenn sie langfristig negative Folgen haben. In experimentellen Untersuchungen zeigt sich immer wieder, dass viele Menschen bereit sind, auf Effizienzgewinne zu verzichten, wenn sie dafür ein als gerecht empfundenes Ergebnis erzielen können. So bevorzugen sie gleichmäßige Verteilungen selbst dann, wenn eine ungleiche Verteilung insgesamt einen höheren Gesamtnutzen erbringen würde (Fehr, Naef und Schmidt 2006).

Dieser Zielkonflikt zwischen Effizienz und Gerechtigkeit zeigt sich sowohl auf individueller Ebene als auch im Kontext demokratischer Mehrheitsentscheidungen. Bürger gewichten Fairnessurteile häufig höher als wirtschaftliche Rationalität, selbst wenn ihnen die Effizienzverluste bewusst sind (Bolton und Ockenfels 2003). Dabei ist allerdings entscheidend, wie die Ungleichheit zustande kommt. Empirische Studien zeigen, dass Ungleichheit stärker toleriert wird, wenn der ihrem Entstehen zugrunde liegende Wettbewerbsprozess und die Rahmenbedingungen insgesamt als gerecht wahrgenommen werden. Wenn beispielsweise angenommen wird, dass individuelle Leistung oder Anstrengung über das Ergebnis entscheidet, steigt die gesellschaftliche Akzeptanz ungleicher Verteilungen deutlich. In Ländern mit stark leistungsorientierter Gerechtigkeitsvorstellung – beispielsweise in den Vereinigten Staaten – ist die Toleranz gegenüber Einkommensungleichheit deshalb größer als in manch anderen Gesellschaften (Alesina und Angeletos 2005).

Für die Bewertung wirtschaftspolitischer Maßnahmen bedeutet das, dass nicht nur die Verteilungsergebnisse, sondern vor allem die Legitimität des Prozesses eine zentrale Rolle für die Akzeptanz spielt (Verfahrensgerechtigkeit). Auch für Deutschland zeigt sich, dass die Menschen nicht Ergebnisgerechtigkeit bevorzugen (also jene Verteilung, die sich nach Arbeitseinsatz und Leistung ergibt), sondern dass vielmehr Regel- und Chancengerechtigkeit (als Voraussetzungen für das Wirtschaften und Arbeiten) entscheidend für ein als gerecht empfundenes System sind. Ungleiche Ergebnisse werden akzeptiert, wenn die zugrunde liegenden Regeln als gerecht wahrgenommen werden (Enste, Gabel und Potthoff 2025). Auch mit Blick auf wirtschaftspolitische Maßnahmen zeigt sich, dass Bewertungen von Laien nicht primär auf dem Ziel einer Maximierung des kollektiven Nutzens beruhen, sondern stark von ihrem moralischen Kompass geprägt sind, insbesondere wenn sie mit der Verteilung von Ressourcen oder der Bewertung staatlicher Eingriffe konfrontiert werden (Meier et al. 2023).

3 Wirtschaftspolitik aus Sicht ökonomischer Laien

Wirtschaftspolitische Maßnahmen beeinflussen das Leben aller Bürger stark – doch nicht alle bewerten diese Maßnahmen gleich, wie Andre et al. (2022, 2024) anhand von umfangreichen Daten amerikanischer Haushalte gezeigt haben. Je nach individueller Betroffenheit, politischer Präferenz, medialer Prägung, vorherrschenden Narrativen und ökonomischem Vorwissen variiert die Wahrnehmung der Gerechtigkeit und Legitimität solcher Maßnahmen erheblich. Unklar ist jedoch bislang, wie stark die Zustimmung auf wesentlichen Politikfeldern auseinanderklafft und in welchem Umfang die Präferenzen der Wählerschaft mit sozio-ökonomischen Charakteristika korreliert. In dieser Studie untersuchen wir, wie stark Alter, Einkommen, Geschlecht, Wohnort und ökonomische Sorgen die Zustimmung von ökonomischen Laien zu wirtschaftspolitischen Maßnahmen beeinflussen. Wir analysieren dies auf zentralen Politikfeldern wie der Verteilungspolitik, der Rentenpolitik, der Förderung struktureller Anpassungen, der Klimapolitik und der Regulierung des Arbeitsmarktes. Zum Vergleich nennen wir zudem Positionen von Ökonomen auf Basis von Theorien und stellen diese den Ansichten von Laien gegenüber. So lassen sich Ursachen politischer Akzeptanzprobleme und Reformresistenzen aufspüren.

3.1 Methodik

Die Befragung (N = 3.267) wurde im Online-Access Panel von Bilendi & respondi im Dezember 2024 durchgeführt und nach den Merkmalen Einkommen, Wohnort nach Bundesland und Geschlecht/Alter (Kreuzquote) repräsentativ gemäß der Verteilung im Mikrozensus quotiert. Auftraggeber der Erhebung war die Stiftung Familienunternehmen. Weitere Details sind im Länderindex Gerechtigkeit 2025 dokumentiert (Enste, Gabel und Potthoff 2025). Bei diesem Panel ist es möglich, dass sich verstärkt Befragte einbringen, die ihre Meinung zu bestimmten Themen in Umfragen platzieren möchten. Bei den folgenden Ergebnissen gilt es somit stärker als im Fall von Zufallsstichproben eine mögliche Selektivität im Antwortverhalten der Befragten zu beachten. Um die Robustheit der im vorliegenden Bericht dokumentierten Einstellungen zu untersuchen, wurden die Berechnungen jeweils auch mit unterschiedlichen Anpassungsgewichten durchgeführt, die beispielsweise die Verteilung der Schulabschlüsse berücksichtigen. Die Verwendung dieser unterschiedlichen Anpassungsgewichte führt zu keinen substanziellen Abweichungen von den dargestellten Ergebnissen. Da die Einstellungen der Befragungsteilnehmer in den Teilgruppen jedoch möglicherweise ein selektives Abbild der jeweiligen Grundgesamtheiten bieten, ist unklar, ob eine Hochgewichtung spezifischer Merkmale etwaige Selektivitäten in unbeobachteten Eigenschaften korrigieren kann (Fladmoe und Bergh 2022). Wir weisen die Endergebnisse hier deshalb ungewichtet aus.

Um ergänzend zu den Ergebnissen aller befragten Laien zu erklären, welche sozioökonomischen und demografischen Variablen mit den Zustimmungswerten zu den einzelnen Maßnahmen korrelieren, schätzen wir einige Regressionsmodelle. Konkret werden Linear-probability-Modelle (LPM) verwendet, die die Schätzmethode der kleinsten Quadrate nutzen. Die Struktur des Regressionsmodells wird durch die folgende Gleichung verdeutlicht:

. (1)

Als abhängige Variable wird immer eine binäre Variable für die Zustimmung zu der entsprechenden Maßnahme verwendet. Diese nimmt den Wert 1 an, wenn die befragte Person der abgefragten Reform zustimmt („stimme zu“ oder „stimme voll und ganz zu“) und den Wert 0, wenn die Person der Maßnahme gegenüber neutral ist oder diese ablehnt („teils/teils“, „stimme nicht zu“, oder „stimme überhaupt nicht zu“). Die berechneten Regressionskoeffizienten des LPM sind somit als marginale Effekte einer Zunahme der entsprechenden erklärenden Variable um eine Einheit auf die Zustimmungswahrscheinlichkeit der entsprechenden Intervention zu interpretieren. Als unabhängige Variablen werden verschiedene sozioökonomische und demografische Kennzahlen herangezogen. Konkret werden hier die folgenden Variablen verwendet:

  • ist eine Dummy-Variable dafür, ob sich die befragte Person Sorgen um die eigene wirtschaftliche Situation macht. Sie nimmt den Wert 1 an, wenn die befragte Person angibt, sich „große“ oder „einige“ Sorgen um die eigene wirtschaftliche Situation zu machen, und den Wert 0, wenn die Person angibt, sich „keine“ Sorgen um die eigene wirtschaftliche Situation zu machen.

  • Die Variable gibt das Alter der befragten Person an. Das Alter wurde auf Basis des angegebenen Geburtsjahres berechnet. Da die Befragung im Zeitraum vom 10. bis zum 18. Dezember 2024 durchgeführt wurde, besteht die Möglichkeit, dass das Alter der Befragten um ein Jahr höher angenommen wird, als es tatsächlich nach Geburtsdatum der Fall ist. Da der Zeitraum für ein Auftreten dieses Fehlers allerdings sehr klein ist (der Fehler kann nur bei Geburtsdaten zwischen dem 10. und 18. Dezember auftreten), kann der Einfluss dieses Fehlers vernachlässigt werden. Um die errechneten Koeffizienten leichter interpretierbar zu machen, wird das Alter jeder Person durch 10 dividiert. Somit ist der Koeffizient als Einfluss eines Anstiegs des Alters um 10 Jahre zu lesen.

  • Die Variable beschreibt das Einkommen der Befragten. Hier handelt es sich um eine gruppierte Einkommensverteilung in Schritten von 500 Euro. Ein Wert von 2.500 beispielsweise steht für die Einkommensgruppe von 2.000 bis 2.500 Euro. Die Werte der Einkommensverteilung werden durch 1.000 dividiert, um die Koeffizienten leichter interpretierbar zu machen. Somit sind die Koeffizienten als marginale Effekte eines Anstiegs des monatlichen Nettoeinkommens um 1.000 Euro zu verstehen.

  • ist eine Dummy-Variable für das Geschlecht der befragten Person. Diese nimmt den Wert 1 an, wenn die befragte Person angibt, männlich zu sein, und den Wert 0, wenn die befragte Person angibt, weiblich oder divers zu sein.

  • gibt den höchsten erreichten Schulabschluss der Befragten an. Wenn die Befragten keinen Schulabschluss haben, nimmt die Variable den Wert 2 an. Bei einem Hauptschulabschluss den Wert 3, bei einem Realschulabschluss den Wert 4 und wenn die Befragten das Abitur erreicht haben, den Wert 5. Personen, die angeben, sich noch in schulischer Ausbildung zu befinden, werden in der Analyse nicht berücksichtigt, da die Anzahl der Beobachtungen zu gering ist (N = 6).

  • ist eine Dummy-Variable für den Wohnort der befragten Personen. Diese hat den Wert 1, wenn die befragte Person angibt, in einem ostdeutschen Bundesland zu leben, und den Wert 0, wenn die Befragten angeben, in einem westdeutschen Bundesland zu leben.

Ein typisches Problem bei LPMs ist, dass die Streuung der Fehlerwerte nicht konstant ist. Dieses Phänomen der Heteroskedastizität verstößt gegen eine zentrale Gauß-Markov-Annahme. Um trotzdem verlässliche Standardfehler und p-Werte zu erhalten, verwenden wir daher die HC3-Methode nach MacKinnon und White (1985). Diese Methode wird unter anderem in einer Simulationsstudie von Long und Ervin (2000) ausdrücklich empfohlen.

3.2 Transferleistungen und Sozialausgaben

Inwiefern unterscheiden sich die Ansichten von Ökonomen und Laien mit Blick auf die Sozialpolitik? Abbildung 1 zeigt den prozentualen Anteil der Befragten, die verschiedenen sozialpolitischen Maßnahmen zustimmen oder „voll und ganz“ zustimmen (durchschnittliche Zustimmungsrate). Eine große Mehrheit (66 Prozent) der befragten ökonomischen Laien unterstützt die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns von 15 Euro pro Stunde. Nach dem Ökonomenpanel von ifo und F.A.Z. hingegen ist die Mehrheit der befragten Ökonomen (56 Prozent) der Meinung, dass die Einführung des flächendeckenden Mindestlohns in Deutschland 2015 ein wirtschaftspolitischer Fehler war (vgl. Geißendörfer et al. 2025). Auch in früheren Befragungen äußerten sich Ökonomen bereits skeptischer, vor allem wenn es um die staatliche Festsetzung des Mindestlohns ging (Fuest 2025, ifo und F.A.Z. 2021, Gründler et al. 2023b sowie Enste, Haferkamp und Fetchenhauer 2009).

Die breite Zustimmung unter Laien lässt sich unter anderem durch die Fairnessheuristik erklären, da der Mindestlohn intuitiv als Ausdruck von Gerechtigkeit wahrgenommen wird. Aus Sicht der neoklassischen Theorie kann sich ein zu hoher Mindestlohn negativ auf die Beschäftigung auswirken, insbesondere in Niedriglohnbranchen. Eine deutliche Erhöhung des Mindestlohns könnte die Arbeitsnachfrage dämpfen, die Preise steigen lassen und negative Beschäftigungseffekte verursachen, vor allem bei internationalem Wettbewerb. Dies liegt daran, dass Unternehmen dann möglicherweise weniger Arbeitskräfte einstellen, um die gestiegenen Lohnkosten zu kompensieren. Besonders in Niedriglohnbranchen und -regionen könnten hohe Mindestlöhne daher zu Beschäftigungsverlusten führen (Lesch und Schröder 2023).

Die EU-Kommission hat eingeräumt, dass bei sehr starken Erhöhungen des Mindestlohns spürbare Beschäftigungseinbußen möglich sind (Europäische Kommission 2020). Ein höherer Mindestlohn könnte laut Ökonomen außerdem zu Reallokationseffekten führen, bei denen weniger produktive Unternehmen durch produktivere ersetzt werden. Dies könnte zwar die Gesamtbeschäftigung stabil halten, aber zu einer Verschiebung der Arbeitsplätze führen, die nicht alle Arbeitnehmer auffangen können (Schröder 2021). Die Auswirkungen eines Mindestlohns hängen jedoch stark von der Marktstruktur und von weiteren institutionellen Rahmenbedingungen wie dem Kündigungsschutz ab. In einem Monopson, in dem ein Arbeitgeber eine dominante Stellung innehat, könnte ein Mindestlohn positive Effekte haben. In einem wettbewerbsintensiven Markt hingegen könnte er Arbeitslosigkeit verursachen. Um die Balance zwischen fairen Löhnen und der Erhaltung von Arbeitsplätzen zu gewährleisten, erfolgen Mindestlohnanpassungen deshalb in einem sorgfältigen Abwägungsprozess – auch bezüglich möglicher positiver Nachfrageimpulse (Lesch und Schröder 2023).

Die Forderung, dass Bedürftige, aber nicht aufenthaltsberechtigte Personen keine oder nur geringe Transferleistungen erhalten sollten, stößt ebenfalls auf relativ starke Zustimmung ökonomischer Laien: 66,12 Prozent finden dies richtig. Dass Laien oft aus einer national orientierten Perspektive handeln und Ausländern weniger Unterstützung gewähren wollen, mag – neben Fairnessüberlegungen und der Hoffnung auf zielgerichtete Anreize zur arbeitswilligen Zuwanderung – auf den „Anti-foreign-Bias“ (Caplan 2007) zurückgehen. Mit diesem Bias lässt sich auch eine intuitive Skepsis gegenüber ausländischen Handelspartnern erklären, wobei wirtschaftliche Interaktionen mit anderen Nationen oftmals als potenzielle Bedrohung wahrgenommen werden.

Auch die Maßnahme, Bürgergeld ohne Bedürftigkeitsprüfung für alle zugänglich zu machen, wird mehrheitlich abgelehnt beziehungsweise erhält eine sehr niedrige Zustimmungsrate von 17 Prozent in der allgemeinen Bevölkerung. Eine Mehrheit von 55 Prozent der Ökonomen lehnte eine Erhöhung des Bürgergelds ab und viele Ökonomen stehen der Einführung eines Bürgergeldes ohne Bedürftigkeitsprüfung ebenfalls überwiegend kritisch gegenüber (Gründler et al. 2023b). Enste (2024) verdeutlicht mit Daten eines amerikanischen Experiments, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen weder die Lebenszufriedenheit noch die Gesundheit der Empfänger signifikant verbessert und zudem keine positiven Effekte auf Investitionen in Aus- und Weiterbildung hat. Demnach ist das Konzept kostspielig und bringt selbst für Bedürftige kaum einen Nutzen. Auch andere Studien weisen die pauschale Auszahlung von Sozialleistungen ohne Bedürftigkeitsprüfung als problematisch aus (vgl. Doll 2024).

Abbildung 1: Sozialpolitische Maßnahmen – Zustimmungsrate (in Prozent)
Anmerkung: N= 3.267. Prozentualer Anteil der Befragten, die mit „stimme voll und ganz zu“ oder „stimme zu“ abgestimmt haben.

Quelle: eigene Berechnungen
Abbildung 1:

Sozialpolitische Maßnahmen – Zustimmungsrate (in Prozent)

Anmerkung: N= 3.267. Prozentualer Anteil der Befragten, die mit „stimme voll und ganz zu“ oder „stimme zu“ abgestimmt haben.

Quelle: eigene Berechnungen

Unterschiede zwischen Ökonomen und Laien ergeben sich wiederum bei der Frage, wie Sozial- und Infrastrukturausgaben gegeneinander abgewogen beziehungsweise priorisiert werden sollen. Die Möglichkeit, für die Finanzierung zum Beispiel der nationalen Sicherheit Einsparungen in anderen Bereichen vorzunehmen, findet unter Ökonomen breite Zustimmung: 36 Prozent der Teilnehmenden am Ökonomenpanel halten diesen Vorschlag für geeignet, 29 Prozent bewerten ihn sogar als sehr geeignet (ifo und F.A.Z. 2025). Die allgemeine Bevölkerung lehnt Umschichtungen von Sozialausgaben hin zu Investitionen eher ab (Zustimmungsrate: 35,57 Prozent). Rund die Hälfte der Befragten im Ökonomenpanel hingegen fordert Einsparungen zum Beispiel bei Rente und Sozialausgaben (ifo und F.A.Z. 2023). Der Unterschied in der Bewertung dieser Maßnahme liegt vor allem darin, dass Ökonomen tendenziell die langfristigen Wachstums- und Produktivitätseffekte von Infrastrukturinvestitionen betonen, während Sozialausgaben als konsumtive, kurzfristig wirkende Maßnahmen gelten. Die Bevölkerung hingegen lehnt Kürzungen eher aus kurzfristigen Gerechtigkeitsüberlegungen ab. Zusätzlich wirken kognitive Verzerrungen wie die Verlustaversion und der Status-quo-Bias (vgl. Kapitel 2.1).

Wie unterscheiden sich die Einstellungen innerhalb der Gruppe von Laien und welche Merkmale spielen dabei eine Rolle? Tabelle 1 dokumentiert die Korrelationen zwischen den Zustimmungsraten der einzelnen sozialpolitischen Maßnahmen und verschiedenen individuellen und demografischen Variablen. Berechnet wurden diese mit Hilfe des in 3.1 beschriebenen Modells. Die Koeffizienten sind somit als marginale Effekte auf die Zustimmungswahrscheinlichkeit zu interpretieren. Betrachtet man die Werte für die Wahrscheinlichkeit einer Zustimmung zu Sozialkürzungen im Hinblick auf die Finanzierung von Infrastrukturinvestitionen, fällt vor allem der Einfluss des Einkommens auf. So steigt die Wahrscheinlichkeit einer Zustimmung zu dieser Maßnahme um 5,16 Prozentpunkte bei einem Anstieg des monatlichen Nettoeinkommens um 1.000 Euro.

Für die Zustimmung zu der Aussage, dass Personen ohne Aufenthaltsberechtigung keine Sozialleistungen erhalten sollten, spielen offenbar besonders Sorgen um die individuelle wirtschaftliche Situation eine wichtige Rolle, ebenso wie die Schulbildung: Wenn eine befragte Person sich wirtschaftliche Sorgen macht, steigt die Zustimmungswahrscheinlichkeit um 7,78 Prozentpunkte. Die Schulbildung korreliert negativ mit der Zustimmungswahrscheinlichkeit. Wenn der Schulabschluss eine Kategorie höher liegt, sinkt die Zustimmungswahrscheinlichkeit um 6,57 Prozentpunkte.

Tabelle 1:

Determinanten der Zustimmung zu sozialpolitischen Maßnahmen – marginale Effekte auf Zustimmungswahrscheinlichkeiten

  

transfer- und sozialpolitische Modelle

(1) Sozialkürzungen für Infrastruktur

(2) Transfers an Nicht-Aufenthaltsberechtigte

(3) Mindestlohn von 15€

(4) bedingungsloses Bürgergeld

wirtschaftliche Sorgen

 0,0242

 0,0778***

 0,0022

 0,0452***

(0,0207)

(0,0204)

(0,0205)

(0,0148)

Alter

–0,0257***

 0,0185***

–0,0033

–0,0417***

(0,0052)

(0,0053)

(0,0052)

(0,0041)

monatliches Nettoeinkommen

 0,0516***

 0,0314***

–0,0230***

–0,0013

(0,0054)

(0,0055)

(0,0055)

(0,0043)

männliches Geschlecht

 0,0328**

 0,0176

–0,1012***

 0,0506***

(0,0165)

(0,0165)

(0,0165)

(0,0128)

Schulabschluss

–0,0157

–0,0657***

–0,0025

 0,0197*

(0,0125)

(0,0130)

(0,0126)

(0,0103)

Wohnort in Ostdeutschland

–0,0109

 0,0383*

–0,0613***

–0,0128

  

(0,0229)

(0,0226)

(0,0237)

(0,0175)

Anz. Beob.

3.261

3.261

3.261

3.261

***p < 0,01; **p < 0,05; *p < 0,1

Quelle: eigene Berechnungen

Für die Akzeptanz einer Mindestlohnerhöhung auf 15 Euro sind nach unseren Ergebnissen besonders die durch den Wohnort bedingte Prägung und das Geschlecht entscheidend. So stimmen die männlichen Befragten mit einer um 10,12 Prozentpunkte höheren Wahrscheinlichkeit dieser Maßnahme zu als die weiblichen, während sich die Zustimmungswahrscheinlichkeit bei Menschen aus Ostdeutschland um 6,13 Prozentpunkte reduziert.

Einem bedingungslosen Bürgergeld stimmen vor allem Menschen mit wirtschaftlichen Sorgen, Männer und jüngere Menschen zu. So erhöht sich die Zustimmungswahrscheinlichkeit bei Befragten mit wirtschaftlichen Sorgen um 4,52 Prozentpunkte und bei Männern um 5,06 Prozentpunkte, während sich die Zustimmungswahrscheinlichkeit bei einem 10 Jahre höheren Alter um 4,17 Prozentpunkte reduziert.

3.3 Rentenpolitik

Auch die Rentenpolitik ist ein hoch umstrittenes Politikfeld, da sie sowohl die wirtschaftliche Tragfähigkeit als auch die soziale Gerechtigkeit berührt. Obwohl die demografische Entwicklung und Finanzierungsprobleme eine Reform des Rentensystems erforderlich machen, stoßen Reformvorschläge seit Jahrzehnten in der Bevölkerung auf Skepsis (Enste, Haferkamp und Fetchenhauer 2009 sowie Diermeier und Schüler 2023). Abbildung 2 zeigt den prozentualen Anteil der Befragten, die verschiedenen rentenpolitischen Maßnahmen (voll und ganz) zustimmen (durchschnittliche Zustimmungsrate). Die Zustimmung zu rentenpolitischen Reformvorschlägen fällt insgesamt eher gering aus: Der Maßnahme, das Renteneintrittsalter entsprechend der höheren Lebenserwartung anzuheben, stimmt weniger als jeder vierte Befragte (24 Prozent) zu. Diese geringe Zustimmung könnte darauf hindeuten, dass viele Befragte eine längere Lebensarbeitszeit ablehnen oder Bedenken hinsichtlich der physischen und psychischen Belastungen durch einen späteren Renteneintritt hegen.

Ökonomen hingegen argumentieren, dass die Kopplung der Regelaltersgrenze an die steigende Lebenserwartung ein sinnvoller Schritt wäre, um das Rentensystem resilient gegenüber demografischen Veränderungen zu machen. Ohne eine Anpassung des Renteneintrittsalters müssten entweder die Beitragssätze erheblich steigen oder das Rentenniveau müsste sinken, damit die Finanzierung des Rentensystems gewährleistet ist (ifo und F.A.Z. 2025). Zudem argumentieren Ökonomen, dass eine längere Lebensarbeitszeit auch die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit steigern kann, da die Menschen länger produktiv bleiben und somit zur Wirtschaftsleistung beitragen (Enste, Werding und Hensen 2023). Eine Studie von Potthoff und Schüler (2024) lässt zudem erkennen, dass ein früher Erwerbsausstieg nicht unbedingt glücklich macht. Denn Menschen, die nach Erreichen der Regelaltersgrenze weiterarbeiten, sind besonders zufrieden mit ihrem Leben – im Durchschnitt erreichen sie sogar leicht höhere Zufriedenheitswerte als Rentner. Begleitende Maßnahmen wie berufsbegleitende Qualifizierung und die Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind jedoch notwendig, um die Menschen zu befähigen, länger im Arbeitsleben zu verbleiben (Kochskämper 2019). Auch wenn die Menschen diese Zusammenhänge erkennen, so zeigen Diermeier und Schüler (2023) basierend auf einer Bevölkerungsumfrage, bevorzugen sie eine nicht systemimmanente Lösung (Steuerfinanzierung, Ausweitung der Beitragszahler).

Abbildung 2: Rentenpolitische Maßnahmen – Zustimmungsrate (in Prozent)
Anmerkung: N= 3.267. Prozentualer Anteil der Befragten, die mit „stimme voll und ganz zu“ oder „stimme zu“ abgestimmt haben.

Quelle: eigene Berechnungen
Abbildung 2:

Rentenpolitische Maßnahmen – Zustimmungsrate (in Prozent)

Anmerkung: N= 3.267. Prozentualer Anteil der Befragten, die mit „stimme voll und ganz zu“ oder „stimme zu“ abgestimmt haben.

Quelle: eigene Berechnungen

Die Maßnahme, die Rentenzahlungen künftig langsamer steigen zu lassen als die Löhne, erfährt noch weniger Zustimmung in der allgemeinen Bevölkerung. Nur 16,87 Prozent der Befragten befürworten diesen Vorschlag. Dies zeigt, dass ein großer Teil der Bevölkerung Rentenkürzungen oder eine Entkopplung der Rentenanpassung von der allgemeinen Lohnentwicklung skeptisch sieht – unter anderem aus Sorge um den Lebensstandard im Alter. Auch die Flexibilität der Beitragssätze zur gesetzlichen Rentenversicherung trifft auf geringe Zustimmung. Nur 23,05 Prozent der Befragten sind dafür, die Beitragssätze nicht auf dem aktuellen Niveau einzufrieren.

Ökonomen hingegen sehen keine nachhaltige Finanzierbarkeit des Rentensystems ohne eine Erhöhung der Beitragssätze und positionieren sich daher klar gegen ein Einfrieren der aktuellen Beitragssätze (Pimpertz 2024, Blum et al. 2018 sowie ifo und F.A.Z. 2021, 2025). Sie plädieren mehrheitlich dafür, das Rentenzugangsalter zu erhöhen. Viele befürworten auch ergänzende alternative Arten der Altersvorsorge (betriebliche Altersvorsorge, Aktienrente etc.) aufgrund des belasteten Rentensystems durch den demografischen Wandel (Enste und Potthoff 2024).

Diese Ergebnisse zeigen, dass Reformen im Bereich der Rentenpolitik grundsätzlich auf breite gesellschaftliche Skepsis stoßen, was unter anderem durch die empirisch vielfach bestätigte Aversion gegenüber Veränderungen (Status-quo-Bias) erklärt werden kann (Kapitel 2.1). Während ökonomische Argumente häufig eine Anpassung des Renteneintrittsalters und der Beitragssätze an demografische Veränderungen fordern, steht die allgemeine Bevölkerung diesen Maßnahmen eher kritisch gegenüber. Aus ökonomischer Perspektive werden diese Maßnahmen jedoch als Instrumente zur Sicherung der finanziellen Stabilität der Rentenversicherung betrachtet (Pimpertz 2024). Sie können dazu beitragen, den Druck auf die Beitragssätze zu verringern und die Rentenversicherung an demografische Herausforderungen anzupassen, ohne die Beitragszahler unverhältnismäßig zu belasten. Der Widerstand gegen eine verzögerte Rentenanpassung und steigende Beitragssätze könnte auf Unsicherheiten bezüglich der langfristigen Finanzierbarkeit der Rente und der persönlichen Betroffenheit zurückzuführen sein. Wer bereits viele Jahre in das System eingezahlt hat, empfindet abrupte Änderungen unter Umständen als ungerecht. Dies verdeutlicht, dass für rentenpolitische Reformen nicht nur ökonomische Notwendigkeiten zu berücksichtigen sind, sondern dass es auch auf soziale Akzeptanz zu zielen gilt, damit sie langfristig wirksam sein können.

Tabelle 2:

Determinanten rentenpolitischer Maßnahmen – marginale Effekte auf Zustimmungswahrscheinlichkeiten

  

  

rentenpolitische Modelle

(1)

Rentenbeiträge einfrieren

(2)

Rentenzahlungen sollten langsamer steigen als Löhne

(3)

höheres Renteneintrittsalter

wirtschaftliche Sorgen

–0,0109

 0,0284*

–0,0508***

(0,0181)

(0,0151)

(0,0188)

Alter

 0,0133***

–0,0620***

–0,0054

(0,0047)

(0,0040)

(0,0049)

monatliches Nettoeinkommen

–0,0041

 0,0186***

 0,0228***

(0,0049)

(0,0043)

(0,0050)

männliches Geschlecht

–0,0123

 0,0815***

 0,1253***

(0,0149)

(0,0123)

(0,0146)

Schulabschluss

 0,0110

 0,0318***

 0,0705***

(0,0116)

(0,0089)

(0,0112)

Wohnort in Ostdeutschland

–0,0491**

–0,0329**

–0,0909***

  

(0,0198)

(0,0161)

(0,0181)

Anz. Beob.

3.261

3.261

3.261

***p < 0,01; **p < 0,05; *p < 0,1

Quelle: eigene Berechnungen

Auch auf diesem Politikfeld stellt sich die Frage, wie sich die Einstellungen innerhalb der Gruppe der Laien unterscheiden und welche Merkmale dabei entscheidend sind. In Tabelle 2 ist die Korrelation der Zustimmung zu den verschiedenen rentenpolitischen Maßnahmen mit einigen individuellen und demografischen Variablen aufgelistet. Zwischen der Zustimmung zum Einfrieren der Rentenbeiträge und dem Wohnort in Ostdeutschland ist eine negative Korrelation festzustellen: Im Osten stimmen die Befragten einem Einfrieren der Rentenbeiträge mit einer um 4,91 Prozentpunkte geringeren Wahrscheinlichkeit zu als im Westen.

Bei der Zustimmung zu einem langsameren Anstieg der Rentenbeiträge als der Löhne fallen besonders zwei Korrelationen auf. Zum einen nimmt sie offenbar mit dem Alter ab. So sinkt die Zustimmungswahrscheinlichkeit mit einem Anstieg des Alters um 10 Jahre um 6,20 Prozent. Zum anderen stimmen besonders Männer diesem Vorschlag zu; ihre Zustimmungswahrscheinlichkeit liegt 8,15 Prozentpunkte höher als jene von Frauen. Betrachtet man die Korrelationen der Zustimmungswerte zu einem höheren Renteneintrittsalter, fallen deutlichere Unterschiede zwischen den Gruppen auf. Es zeigt sich, dass auch hier Männer mit größerer Wahrscheinlichkeit einem höheren Renteneintrittsalter zustimmen als Frauen, und mit einer höheren Schulbildung nimmt auch die Zustimmung zu einem späteren Renteneintritt zu.

3.4 Strukturwandel und Subventionen

Im aktuellen Strukturwandel Deutschlands spielen Subventionen für in- und ausländische Unternehmen eine zentrale Rolle. Die Bundesregierung setzt erhebliche finanzielle Mittel ein, um Investitionen zu fördern und den Industriestandort Deutschland zu stärken. Im Zusammenhang mit der Diskussion über die Balance zwischen der Vertretung nationaler Interessen und der Anziehung ausländischer Investitionen stellt sich die Frage, wie verschiedene standortpolitische Maßnahmen bewertet werden.

Abbildung 3: Standortpolitische Maßnahmen – Zustimmungsrate (in Prozent)
Anmerkung: N= 3.267. Prozentualer Anteil der Befragten, die mit „stimme voll und ganz zu“ oder „stimme zu“ abgestimmt haben. (2), (3), (4) und (5) beziehen sich auf Tabelle 3. 

Quelle: eigene Berechnungen
Abbildung 3:

Standortpolitische Maßnahmen – Zustimmungsrate (in Prozent)

Anmerkung: N= 3.267. Prozentualer Anteil der Befragten, die mit „stimme voll und ganz zu“ oder „stimme zu“ abgestimmt haben. (2), (3), (4) und (5) beziehen sich auf Tabelle 3.

Quelle: eigene Berechnungen

Am meisten Zustimmung erhält die Aussage, dass es gerecht sei, wenn ein Arbeitsplatz in Deutschland verloren geht, solange dafür fünf neue Arbeitsplätze im Inland geschaffen werden – mehr als jeder Zweite (54,89 Prozent) teilt diese Ansicht. Ähnlich hoch ist die Zustimmung zur Aussage, dass der Verlust eines Arbeitsplatzes akzeptabel sei, sofern im Gegenzug ein neuer Arbeitsplatz in Deutschland entsteht. Dies befürwortet knapp jeder Zweite (46,79 Prozent). Deutlich geringer fällt die Zustimmung für die Idee aus, dass der Verlust eines Arbeitsplatzes in Deutschland gerechtfertigt sei, wenn dafür ein neuer Arbeitsplatz im Ausland geschaffen wird – weniger als jeder Fünfte (19,50 Prozent) stimmt dem noch zu. Noch weniger Verständnis findet sich für die Vorstellung, dass es legitim wäre, wenn ein Arbeitsplatz in Deutschland verloren geht und dafür fünf neue Stellen im Ausland entstehen. Dass diese Ansicht nicht einmal jeder zehnte (9,64 Prozent) Befragte vertritt, lässt sich durch „Parochialismus“ erklären, eine Art etwas engstirniger Heimatliebe. Menschen tendieren dazu, den Verlust von Arbeitsplätzen im eigenen Land als besonders schmerzhaft wahrzunehmen, selbst wenn neue Arbeitsplätze im Ausland dies (über)kompensieren. Zudem wirken hier kognitive Verzerrungen wie Verlustaversion und der Status-quo-Bias, die es schwieriger machen, Veränderungen in der Gesellschaft oder Wirtschaft zu akzeptieren. Menschen neigen dazu, den aktuellen Zustand zu bevorzugen, und sehen die möglichen negativen Folgen von Veränderungen wie durch Arbeitsplatzverlagerungen stärker als die positiven Aspekte. Das erschwert es, neue Entwicklungen oder notwendige Veränderungen wie durch den Strukturwandel anzunehmen. Diese Unterschiede lassen sich auch nicht mehr mit der möglichen Vermutung erklären, dass Industriearbeitsplätze zugunsten von Dienstleistungsjobs verloren gingen.

Mehr als zwei Drittel der Befragten stimmen der Forderung zu, dass der Staat nur dann Unternehmen mit Subventionen unterstützen sollte, wenn diese ausschließlich in Deutschland produzieren. Dieses implizite Misstrauen gegenüber globaler Arbeitsteilung und ausländischen Produktionsstandorten liegt im Anti-foreign-Bias (Caplan 2007) begründet und ist demnach Ausdruck „parochialen“ Denkens, nach dem staatliche Unterstützung primär der eigenen nationalen Gemeinschaft zugutekommen soll. Die Zustimmungsrate ist beachtlich hoch, wenn man bedenkt, dass nahezu kein Ökonom diese Aussage treffen würde. Im Vergleich zu Laien betonen Ökonomen eher die Notwendigkeit, sich kontinuierlich an den wirtschaftlichen Wandel anzupassen, um langfristig Wohlstand zu sichern (Hüther, Enste und Potthoff 2023).

Ökonomen sehen die Entstehung neuer Arbeitsplätze als Teil eines dynamischen Wirtschaftsprozesses, in dem der Verlust von Arbeitsplätzen nicht zwangsläufig negativ zu werten ist. So beschreibt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (Slovic 2007) den Strukturwandel als Prozess, bei dem kontinuierlich Arbeitsplätze entstehen und verschwinden, indem sich die Wirtschaft an neue Gegebenheiten anpasst. Aus ökonomischer Sicht ist es viel wichtiger, dass durch Strukturwandel und wirtschaftliche Anpassungen mehr oder produktivere Arbeitsplätze entstehen, was langfristig zu einer effizienten Nutzung von Ressourcen und einem höheren Beschäftigungsniveau führen kann. Die Diskrepanz zwischen dieser ökonomischen Sichtweise und der Wahrnehmung in der Bevölkerung liegt oft darin begründet, dass viele Menschen vor allem die direkten, negativen Auswirkungen von Arbeitsplatzverlusten wahrnehmen und vermeiden möchten. Die menschliche Neigung, Entscheidungen zu vermeiden, die Einzelnen Schaden zufügen könnten, wird als „Do-no-harm-Heuristik“ bezeichnet (Baron 1995). Verstärkt werden die Unterschiede zudem durch die „Fixed-pie-Annahme“ (Bazerman 1993), nach der es nur eine begrenzte Anzahl von Arbeitsplätzen gibt, sodass ein Gewinn im Ausland automatisch als ein Verlust im Inland empfunden wird. Ökonomen hingegen betrachten die gesamtwirtschaftlichen Effekte und sehen mögliche Vorzüge wie komparative Kostenvorteile und langfristiges Wachstum.

Tabelle 3:

Determinanten strukturpolitischer Maßnahmen – marginale Effekte auf Zustimmungswahrscheinlichkeiten

strukturpolitische Modelle

(1)

Subventionen nur für Inlands-produzenten

(2)

ein Arbeitsplatz Deutschland

(3)

ein Arbeitsplatz im Ausland

(4)

fünf Arbeitsplätze in Deutschland

(5)

fünf Arbeitsplätze im Ausland

wirtschaftliche Sorgen

 0,0677***

–0,0006

 0,0026

–0,0743*

 0,0054

(0,0197)

(0,0445)

(0,0324)

(0,0405)

(0,0252)

Alter

 0,0504***

 0,0088

–0,0504***

–0,0074

–0,0398***

(0,0052)

(0,0113)

(0,0086)

(0,0106)

(0,0065)

monatliches Nettoeinkommen

 0,0109**

–0,0015

–0,0151

 0,0133

 0,0154**

(0,0053)

(0,0121)

(0,0092)

(0,0111)

(0,0073)

männliches Geschlecht

–0,0190

 0,0748**

 0,0684**

 0,1014***

 0,0584***

(0,0160)

(0,0362)

(0,0282)

(0,0341)

(0,0192)

Schulabschluss

–0,0372***

 0,0262

 0,0258

 0,0484*

–0,0028

(0,0123)

(0,0279)

(0,0218)

(0,0267)

(0,0145)

Wohnort in Ostdeutschland

 0,0155

–0,0413

–0,0126

–0,0258

 0,0015

  

(0,0218)

(0,0516)

(0,0371)

(0,0483)

(0,0266)

Anz. Beob.

3.261

777

797

848

839

***p < 0,01; **p < 0,05; *p < 0,1

Quelle: eigene Berechnungen

In Tabelle 3 sind die Korrelationen der demografischen und individuellen Variablen mit den Zustimmungswerten der Laien zu den verschiedenen strukturpolitischen Maßnahmen und Entwicklungen dargestellt. Es fällt auf, dass die Zustimmung zu Subventionen an ausschließlich im Inland produzierende Unternehmen vor allem mit der Schulbildung und den individuellen wirtschaftlichen Sorgen korreliert. Während ein höherer Grad der Schulbildung die Zustimmung drosselt, scheint eine Zunahme an wirtschaftlichen Sorgen eher zu mehr Zustimmung zu führen.

In der Akzeptanz eines Wegfalls von Arbeitsplätzen in Deutschland bei im Ausgleich dafür neu entstehenden Arbeitsplätzen im Aus- oder Inland sind einige Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu beobachten. Über alle vier Aussagen hinweg ist es wahrscheinlicher, dass Männer zustimmen, als Frauen. Für die Akzeptanz einer Maßnahme, infolge derer Arbeitsplätze in Deutschland verloren gehen und ins Ausland abwandern, spielt offenbar das Alter eine wichtige Rolle. Die Zustimmung nimmt hier mit steigendem Alter ab. Wenn ein Arbeitsplatz wegfällt und fünf Arbeitsplätze in Deutschland neu entstehen, ist die Zustimmung geringer, wenn sich die befragte Person um die eigene wirtschaftliche Situation sorgt. Für die Akzeptanz des Verlustes eines Arbeitsplatzes in Deutschland und der gleichzeitigen Neuentstehung von fünf Arbeitsplätzen im Ausland spielt das Einkommen offenbar eine Rolle. So steigt die Zustimmung zu dieser Aussage mit steigendem Einkommen der Befragten (Tabelle 3).

Abbildung 4: Klimapolitische Maßnahmen – Zustimmungsrate (in Prozent)
Anmerkung: N= 3.267. Prozentualer Anteil der Befragten, die mit „stimme voll und ganz zu“ oder „stimme zu“ abgestimmt haben.

Quelle: eigene Berechnungen
Abbildung 4:

Klimapolitische Maßnahmen – Zustimmungsrate (in Prozent)

Anmerkung: N= 3.267. Prozentualer Anteil der Befragten, die mit „stimme voll und ganz zu“ oder „stimme zu“ abgestimmt haben.

Quelle: eigene Berechnungen

3.5 Klimapolitik

Unterschiede zwischen den Ansichten von Lehrbuchökonomik und ökonomischen Laien ergeben sich auch im Zusammenhang mit klimapolitischen Maßnahmen. Ein aktuelles Beispiel für Diskussionspotenzial liefert das Thema CO₂-Bepreisung – ein wirtschaftspolitisches Instrument, das Unternehmen für CO₂-Emissionen eine Gebühr zahlen lässt und so Anreize zur Reduzierung von Treibhausgasen schafft. Wenn die Unternehmen infolgedessen mehr Kosten haben, steigen auch die Verbraucherpreise. Als Mittel, soziale Härten zu mildern und den Übergang zu einer klimafreundlicheren Wirtschaft abzufedern, ist ein sogenanntes Klimageld für die Rückverteilung von Einnahmen aus der CO₂-Bepreisung an die Bevölkerung in der Diskussion. Ökonomen befürworten vor anderen Maßnahmen für mehr Steuereinnahmen eine stärkere CO₂-Bepreisung (Gründler et al. 2023b), idealerweise in Kombination mit einem solchen Klimageld, das soziale Härten abfedern soll (Beznoska und Hentze 2024). In der Bevölkerung findet eine solche Maßnahmenkombination hingegen nur bei etwa jedem Dritten (35,04 Prozent) Zustimmung (Abbildung 5).

Noch geringer ist die Akzeptanz einer reinen Erhöhung des CO₂-Preises ohne soziale Ausgleichszahlungen – hier stimmen lediglich 31,24 Prozent der Befragten ökonomischen Laien (voll und ganz) zu. Ein Grund für diese ablehnende Haltung könnte die Verlustaversion sein, die es Laien erschwert, die potenziellen langfristigen Vorteile einer CO₂-Bepreisung zu erkennen, während sie die sofort wahrgenommenen Kosten in Form höherer Preise als Verlust empfinden. Diese Diskrepanz lässt sich unter anderem dadurch erklären, dass Ökonomen verstärkt auf marktwirtschaftliche Anreize und Effizienz setzen. Ein höherer CO₂-Preis sorgt gemäß ihrer Erkenntnis dafür, dass klimaschädliches Verhalten teurer wird, was Unternehmen und Verbrauchern einen Anreiz gibt, emissionsarme Alternativen zu wählen (Bardt 2024).

Die Bevölkerung hingegen betrachtet Klimaschutzmaßnahmen oft stärker aus einer sozialen Perspektive: Viele Menschen fürchten steigende Kosten für Energie und Mobilität und lehnen Maßnahmen ab, die ihre finanzielle Belastung unmittelbar erhöhen könnten. Hinzu kommt der Wunsch, den Status quo beizubehalten. Veränderungen, insbesondere wenn sie mit zusätzlichen Kosten verbunden sind, stoßen oft auf Widerstand. Darüber hinaus spielt die Kurzfristigkeit der Auswirkungen eine entscheidende Rolle: Während Ökonomen langfristige Anreize für klimafreundliches Verhalten und Investitionen in grüne Technologien in den Vordergrund stellen, erlebt die Bevölkerung zunächst nur die direkten Kostensteigerungen. Die positiven Effekte – wie sinkende Emissionen oder technologische Innovationen – sind dagegen abstrakt und treten erst mit Verzögerung ein. Die Verhaltenstendenz, kurzfristige über langfristige Gewinne zu stellen, wird „Present-Bias“ genannt (Enste und Potthoff 2021).

Tabelle 4:

Determinanten klima- und arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen – marginale Effekte auf Zustimmungswahrscheinlichkeiten

  

  

klimapolitische Maßnahmen

arbeitsmarktpolitische Maßnahmen

(1)

CO2-Preis erhöhen ohne Klimageld

(2)

CO2-Preis erhöhen mit Klimageld

(3) Höchstlohn

(4)

Arbeitseinkommen sollte höher sein als Sozialleistungen

wirtschaftliche Sorgen

–0,0932***

–0,0434

 0,0952***

 0,0079

(0,0286)

(0,0291)

(0,0201)

(0,0130)

Alter

–0,0237***

–0,0147**

 0,0412***

 0,0316***

(0,0073)

(0,0074)

(0,0051)

(0,0037)

monatliches Nettoeinkommen

 0,0062

 0,0015

–0,0196***

 0,0174***

(0,0076)

(0,0079)

(0,0054)

(0,0036)

männliches Geschlecht

–0,0087

 0,0447*

–0,0222

–0,0296***

(0,0226)

(0,0235)

(0,0159)

(0,0108)

Schulabschluss

 0,0941***

 0,0609***

–0,0002

 0,0272***

(0,0172)

(0,0184)

(0,0120)

(0,0090)

Wohnort in Ostdeutschland

–0,1707***

–0,0651**

 0,0303

–0,0055

  

(0,0267)

(0,0319)

(0,0214)

(0,0150)

Anz. Beob.

1.619

1.642

3.261

3.261

***p < 0,01; **p < 0,05; *p < 0,1

Quelle: eigene Berechnungen

Die Spalten 1 und 2 aus Tabelle 4 machen den Einfluss eines Klimageldes auf die Akzeptanz eines Anstiegs des CO2-Preises deutlich. Wenn es einen Ausgleich durch ein Klimageld gibt, wirken sich die wirtschaftlichen Sorgen der Befragten weniger stark aus. Unter männlichen Befragten steigert das Klimageld die Zustimmungswahrscheinlichkeit deutlich. Auch korreliert bei einem vorgeschlagenen Klimageld die Akzeptanz des CO2-Preises weniger stark mit dem Bildungsgrad der Befragten. Die Zustimmung in Ostdeutschland zu einer Erhöhung des CO2-Preises steigt ebenfalls in Verbindung mit dem Klimageld an. All dies sind Indizien dafür, dass ein Klimageld die Akzeptanz von steigenden CO2-Preisen in der breiten Bevölkerung erhöhen kann, auch wenn die Zustimmungswerte selber nur um rund 10 Prozent steigen (von 31 auf 35 Prozent).

3.6 Arbeitsmarktpolitik

Unterschiede in der Bewertung von Maßnahmen zeigen sich auch im Hinblick auf die Arbeitsmarktpolitik. Abbildung 5 zeigt den prozentualen Anteil der Befragten, die verschiedenen arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen (voll und ganz) zustimmen (durchschnittliche Zustimmungsrate). Eine deutliche Mehrheit (88,8 Prozent) unterstützt die Forderung, dass Erwerbstätige höhere Einkommen erzielen sollten als Bezieher sozialer Transfers wie des Bürgergeldes. Diese Haltung entspricht dem Prinzip der Leistungsgerechtigkeit, demzufolge sich Arbeit finanziell lohnen muss. Ökonomen haben eine ähnliche Haltung zu diesem Thema und weisen darauf hin, dass hohe Transferleistungen negative Anreize für die Arbeitsaufnahme schaffen können, insbesondere wenn der Einkommensunterschied zwischen Erwerbsarbeit und Sozialleistungen gering ist (Enste, Fetchenhauer und Riesen 2008). Laut Ökonomenpanel (ifo und F.A.Z. 2025) befürwortet eine Mehrheit der Befragten die Reform des Bürgergeldes zur Grundsicherung für Arbeitssuchende, wie im Koalitionsvertrag vereinbart (CDU, CSU und SPD 2025). Eine ausgewogene Gestaltung der Transferleistungen im Hinblick auf Lohnabstand und sozialer Absicherung ist dabei notwendig.

Zwar befürwortet eine Mehrheit das Prinzip der Leistungsgerechtigkeit, empfindet aber die Managergehälter offensichtlich als nicht hinreichend leistungsbezogen. Die Mehrzahl der Befragten (69,3 Prozent) stimmt einer gesetzlichen Höchstgrenze für Managergehälter („Höchstlohn“) deshalb zu. Dies deutet auf ein verbreitetes Unbehagen gegenüber großen Gehaltsunterschieden hin, möglicherweise verstärkt durch die Fairnessheuristik, die bei der Bewertung von Gehaltsunterschieden oft auf Gerechtigkeit und Gleichbehandlung achten lässt. Ökonomen sehen die Begrenzung von Managergehälter indes kritisch, da sie den Marktmechanismus in der Entlohnung von Führungskräften einschränkt und potenziell negative Anreize zu Leistung und Innovation setzt. Eine experimentelle Studie ergibt, dass eine Deckelung der Managergehälter zu ungewollten Entscheidungen führt und die Risikobereitschaft von Managern mindert, was ökonomisch kontraproduktiv sein kann (Kreilkamp et al. 2021). Solche Eingriffe können außerdem die Fähigkeit von Unternehmen schmälern, talentierte Führungskräfte zu gewinnen und zu halten. Managergehälter sind in der Regel durch internationale Konkurrenz, Unternehmenserfolg und individuelle Leistungsindikatoren bestimmt, sodass eine regulatorische Begrenzung unerwünschte Nebenwirkungen wie eine Abwanderung hochqualifizierter Führungskräfte nach sich ziehen könnte (Göx 2008).

Abbildung 5: Arbeitsmarktpolitische Maßnahmen – Zustimmungsrate (in Prozent)
Anmerkung: N= 3.267. Prozentualer Anteil der Befragten, die mit „stimme voll und ganz zu“ oder „stimme zu“ abgestimmt haben.

Quelle: eigene Berechnungen
Abbildung 5:

Arbeitsmarktpolitische Maßnahmen – Zustimmungsrate (in Prozent)

Anmerkung: N= 3.267. Prozentualer Anteil der Befragten, die mit „stimme voll und ganz zu“ oder „stimme zu“ abgestimmt haben.

Quelle: eigene Berechnungen

Die Spalte 3 in Tabelle 4 macht deutlich, dass die Zustimmung zur Forderung eines Höchstlohns stark mit den individuellen wirtschaftlichen Sorgen korreliert. So zeigt die Gruppe der Befragten, die sich Sorgen um ihre wirtschaftliche Situation machen, eine um 9,52 Prozentpunkte höhere Zustimmung zu einem Höchstlohn. Hintergrund könnte der Fixed-pie-Bias (Wirtschaft als Nullsummenspiel) sein, demzufolge das Einkommen des einen Menschen das Einkommen des anderen verringert. Ökonomische Theorien sind hingegen auf mögliche Wachstumseffekte fokussiert, die sich ergeben können, wenn hohe Löhne die besten Forscher, Manager und Leistungsträger anlocken. In der Zustimmung zur Aussage, dass Arbeitseinkommen höher sein sollten als Sozialleistungen, zeigt sich eine signifikant positive Korrelation mit höherem Schulabschluss und Alter. Unterschiede zeigen sich bei dieser Aussage im Hinblick auf das Geschlecht der befragten Personen. So stimmen Männer mit einer um 2,96 Prozentpunkte geringeren Wahrscheinlichkeit dieser Aussage zu als Frauen.

4 Diskussion und Implikationen für die Politik

Wirtschaftspolitische Entscheidungen stehen oft im Spannungsfeld zwischen der Langfristperspektive theoretischer ökonomischer Modelle und den intuitiven Gerechtigkeitsvorstellungen der Bevölkerung (vgl. Kapitel 3). Während ökonomische Laien beispielsweise eine Erhöhung des Mindestlohns als Maßnahme zur Armutsbekämpfung und sozialen Gerechtigkeit befürworten, sagen ökonomische Modelle bei zu hohem Mindestlohn negative Beschäftigungseffekte voraus, insbesondere in Niedriglohnbranchen. Hier zeigt sich ein klassischer Zielkonflikt zwischen sozialer Absicherung und Arbeitsmarkteffizienz, der differenzierte Abwägungen notwendig macht. Eine mögliche wirtschaftspolitische Empfehlung wäre daher, statt auf Mindestlohnerhöhungen eher auf eine Kombination aus Lohnzuschüssen und steuerlichen Entlastungen sowohl für untere Einkommensgruppen als auch für kleine Unternehmen (um Beschäftigungsverluste zu minimieren) zu setzen. Durch die Einrichtung der Mindestlohnkomission ist ein Weg für eine sorgfältige, unparteiische Abwägung geschaffen worden. Dennoch versuchen Vertreter der Politik, mit konkreten Zahlen (Mindestlohn 15 Euro) Einfluss zu nehmen und Wählerstimmen zu gewinnen – auch im Koalitionsvertrag (CDU, CSU und SPD 2025).

Ein weiteres Beispiel für die Diskrepanz zwischen ökonomischer Theorie und laienökonomischer Perspektive findet sich in der Rentenpolitik, wo langfristige wirtschaftliche Stabilitätsziele auf kurzfristige soziale Härten treffen. Eine politische Empfehlung könnte darin bestehen, flexible Übergangsmodelle mit Teilrenten und Anreizen für längeres Arbeiten zu schaffen, um sowohl die Nachhaltigkeit des Rentensystems als auch die soziale Akzeptanz der Reformen zu gewährleisten. Ebenfalls nützlich könnten Weiterbildungsprogramme für ältere Arbeitnehmer und ein stärkere Hinwendung zur kapitalgedeckten Altersvorsorge sein, um die Finanzierungsbasis des Rentensystems zu verbreitern und die Abhängigkeit von umlagefinanzierten Modellen zu reduzieren.

Auch bezüglich der Zusammensetzung der Sozial- und Infrastrukturausgaben zeigt sich ein grundlegender Zielkonflikt: Während eine Mehrheit der Ökonomen Investitionen in die Infrastruktur als produktivitätssteigernd betrachtet und dafür Kürzungen im Sozialbereich unter Umständen in Kauf nehmen würde, lehnt die allgemeine Bevölkerung solche Kürzungen ab, da sie die soziale Sicherheit gefährdet sieht. Eine Strategie könnte sein, einen Ausgleich zwischen diesen beiden Perspektiven zu finden, indem man Investitionen in die Infrastruktur mit Maßnahmen kombiniert, die für soziale Ausgewogenheit sorgen. So könnten Projekte zur Verbesserung der Infrastruktur gleichzeitig soziale Vorteile bieten, wie den Ausbau von Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen. Effizienzsteigerungen im Sozialsektor durch stärkere Digitalisierung und Bedürftigkeitsprüfungen könnten zudem finanzielle Spielräume für notwenige Zukunftsinvestitionen schaffen. So ließe sich die Produktivität steigern und zugleich der soziale Zusammenhalt bewahren.

Was Strukturwandel und Subventionen angeht, sind langfristig wirtschaftliche Anpassungen und zum Beispiel eine Förderung von Ausrüstungsinvestitionen durch eine degressive Abschreibung von 30 Prozent für Ökonomen richtig (ifo und F.A.Z. 2025), um den Strukturwandel zu unterstützen. Um die Akzeptanz des Strukturwandels zu erhöhen, könnte die Politik auf Übergangsstrategien und Qualifizierungsprogramme setzen, um betroffene Arbeitnehmer früh auf neue Beschäftigungsfelder vorzubereiten. Insbesondere Regionen, die stark von einem einzelnen Industriezweig abhängig sind, benötigen maßgeschneiderte Transformationsstrategien, die neben der Qualifizierung auch Investitionsanreize für neue Wirtschaftszweige umfassen.

Besonders kontrovers ist die Klimapolitik. Hier gilt es langfristige wirtschaftliche und ökologische Ziele mit kurzfristigen sozialen Belangen in Einklang zu bringen. Eine Politikempfehlung könnte darin bestehen, den CO₂-Preis schrittweise zu erhöhen, flankiert von Ausgleichszahlungen für einkommensschwache Haushalte und mehr Investitionen in klimafreundliche Technologien, um so den Transformationsprozess wirtschaftlich tragfähig und auch sozialverträglich zu gestalten. Ein technologieoffener Ansatz, der marktwirtschaftliche Anreize für Innovationen setzt, könnte dabei effektiver sein als starre ordnungspolitische Vorgaben. Steuerliche Anreize für private Investitionen in klimafreundliche Technologien könnten den Wandel hin zu einer klimaneutralen Wirtschaft beschleunigen, ohne Unternehmen und Bürger übermäßig zu belasten.

Darüber hinaus bleibt die Aufgabe, durch eine Förderung ökonomischer Bildung mehr Kongruenz zwischen den wirtschaftspolitischen Präferenzen von Vertretern der Wissenschaft und der Bevölkerung zu erreichen. Eine verbesserte ökonomische Grundbildung – zum Beispiel durch Integration wirtschaftlicher Themen in den Schulunterricht, öffentlich zugängliche Informationsformate oder Weiterbildungsangebote für verschiedene Zielgruppen – könnte der allgemeinen Bevölkerung helfen, ökonomische Zusammenhänge, Zielkonflikte und unbeabsichtigte Nebenwirkungen wirtschaftspolitischer Maßnahmen besser zu verstehen. So ließen sich realistischere Erwartungen fördern und die gesellschaftliche Debatte sachlicher gestalten. Ökonomische Bildung wäre somit nicht nur ein Mittel zur individuellen Kompetenzstärkung, sondern auch ein wichtiger Beitrag zur Qualität demokratischer Entscheidungsprozesse. Allerdings zeigt die Analyse von Haferkamp et al. (2009), dass selbst Lehrer und Journalisten mit ökonomischer Aus- und Weiterbildung in der Tendenz wie Laien urteilen. Erst nach durchschnittlich acht Jahren wirtschaftswissenschaftlicher Ausbildung ergeben sich aus ökonomischer Sicht rationale Urteile. Dabei zeigen die Analysen möglicher Determinanten laienökonomischer Bewertungen vielfach eine gewisse individuelle Rationalität, je nach vermuteter Betroffenheit oder individuellen Gegebenheiten wie Alter, wirtschaftliche Sorgen oder Einkommen.

5 Politikberatung verhaltensökonomisch fundieren

Die Beispiele verdeutlichen, dass wirtschaftspolitische Maßnahmen nicht nur auf Effizienz und Nachhaltigkeit ausgerichtet sein sollten, sondern auch die gesellschaftliche Akzeptanz berücksichtigen müssen. Die Politik ist gewissermaßen gezwungen, Prioritäten zu setzen und da, wo ökonomische Rationalität und Wählerpräferenzen divergieren, eine Balance zu finden. Aktuelle wirtschaftspolitische Debatten beispielsweise um die Haushaltskonsolidierung, den Industriestrompreis oder Subventionen für klimafreundliche Technologien führen vor Augen, wie schwierig diese Ausbalancierung ist. Einerseits bestehen ökonomisch unabweisbare Notwendigkeiten wie die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland, andererseits gibt es gesellschaftliche Forderungen nach sozialer Absicherung und ökologischer Transformation.

Diese Herausforderungen werden durch die zunehmende Erkenntnis verstärkt, dass die klassischen ökonomischen Theorien, die von rational handelnden Individuen ausgehen, die Komplexität menschlicher Entscheidungen nur unzureichend abbilden. Ökonomische Laien bewerten Wirtschaftliches teilweise anders als Experten, was sich zum einen durch das unterschiedliche Maß an ökonomischer Expertise erklären lässt, die den Gruppen zugrunde liegt. Zum anderen spielen auch kognitive Verzerrungen und soziale Präferenzen eine zentrale Rolle im Entscheidungsverhalten und fordern eine Erweiterung der klassischen ökonomischen Modelle basierend auf der mikro- und makrobasierten Verhaltensökonomik (Kapitel 2). Die Verhaltensökonomik, die psychologische Faktoren stärker berücksichtigt, liefert in diesem Zusammenhang wertvolle Erkenntnisse, die eine Entwicklung realitätsnäherer Modelle ermöglichen und das tatsächliche Entscheidungsverhalten von Individuen besser abbilden (Andre et al. 2022, 2024). Brücken zwischen ökonomischen Prinzipien und realem menschlichen Entscheidungsverhalten zu schlagen und die Akzeptanz wirtschaftspolitischer Maßnahmen in der Gesellschaft zu erhöhen, ist zugleich eine wichtige Aufgabe der Politikberatung.

Um nachhaltige und in die Praxis umsetzbare Lösungen zu entwickeln, die Erfolg haben können, sollten Politikansätze daher nicht nur wissenschaftlich fundierte Modelle, sondern auch Wahrnehmung und Präferenzen der Bevölkerung berücksichtigen. Es ist zudem essenziell, wirtschaftspolitisch klar zu kommunizieren, damit Reformen verständlich werden und sowohl das Vertrauen gegenüber politischen Maßnahmen sowie die Reformbereitschaft wachsen. Dabei kann eine transparente und partizipative Entscheidungsfindung helfen, Widerstände abzubauen und die Legitimität wirtschaftspolitischer Maßnahmen zu untermauern.

Danksagung

Wir bedanken uns bei zwei anonymen Gutachtern/Gutachterinnen und den Herausgebern für sehr wertvolle Impulse, die zur klareren Fokussierung des Artikels geführt sowie die Analyse und Bewertung der Ergebnisse bereichert haben. Die Umfrage wurde finanziert von der Stiftung Familienunternehmen, München.

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Online erschienen: 2025-11-06
Erschienen im Druck: 2025-12-18

© 2025 bei den Autorinnen und Autoren, publiziert von Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

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