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Adressatenorientierung als Rahmen für das Schreiben von Texten in Leichter Sprache

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Published/Copyright: February 18, 2026
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Lebende Sprachen
From the journal Lebende Sprachen

Abstract

In this article, we show how our model of target audience orientation can be used for writing texts in Plain Language. The model describes target audience orientation as a text quality feature that encompasses the dimensions of comprehensibility, attractiveness and honesty. Of course, texts in Plain Language – like texts in general – should be understood by their target audience. However, texts that are orientated towards their target audience are also read (further) with pleasure (they are attractive) and are ultimately useful (they are honest). This ideal can be approached by keeping the target audience of a text in mind, considering general writing practice and paying attention to the coherence of texts.

Abstract

In diesem Beitrag zeigen wir, wie unser Modell der Adressatenorientierung für das Schreiben von Texten in Leichter Sprache genutzt werden kann. Das Modell beschreibt Adressatenorientierung als Textqualitätsmerkmal, das die Dimensionen Verständlichkeit, Attraktivität und Redlichkeit umfasst. Natürlich sollen Texte in Leichter Sprache – wie Texte schlechthin – von ihren Adressaten verstanden werden. Adressatenorientierte Texte werden aber überdies gern (weiter-)gelesen (sie sind attraktiv) und sind schließlich ihrem Adressaten nützlich (sie sind redlich). Diesem Ideal nähert man sich an, indem man sich die Zielgruppe eines Textes genau vor Augen führt, die allgemeine Schriftpraxis im Blick behält sowie die Geschlossenheit von Texten beachtet.

1 Einleitung

Leichte Sprache (LS) ist maßgeblich von der Behindertenrechtsbewegung entwickelt worden. Die Perspektive auf eine spezifische Personengruppe zeigt sich im Text als Adressatenorientierung oder -angemessenheit. Adressatenorientierung kann folglich als primäres Qualitätsmerkmal für Texte in Leichter Sprache betrachtet werden. Nimmt man Beschreibungen von Leichter Sprache und Empfehlungen für Textgestaltung in Leichter Sprache in den Blick, gewinnt man allerdings den Eindruck, das zentrale – oder einzige – Qualitätsmerkmal für Texte in Leichter Sprache wäre Verständlichkeit. Verständlichkeit ist unseres Erachtens aber nur eine Dimension von Adressatenorientierung. Erst mit zwei weiteren Dimensionen, nämlich jener der Attraktivität und jener der Redlichkeit, wird man den Bedürfnissen einer Zielgruppe umfassend gerecht. Wir haben im Rahmen unserer Auseinandersetzung mit der Qualität von Schreibratgebern für die Hochschule (vgl. Burkhalter/Rieder 2022) ein Modell der Adressatenorientierung entwickelt, das diese drei Dimensionen erfasst und sie in Kriterien für die Textbewertung sowie -gestaltung aufgliedert. Das Modell ist für Sachtexte gedacht und weiterentwickelt worden. In diesem Beitrag möchten wir unser adaptiertes Modell der Adressatenorientierung vorstellen und zeigen, wie es die Produktion und Evaluation von Texten in LS unterstützen kann.

2 Was ist das Ziel Leichter Sprache?

Ziel Leichter Sprache ist der selbstbestimmte und selbstgesteuerte Zugang zu Information für Leserinnen und Leser, die bei allgemein- oder fachsprachlichen Texten an sprachliche oder kognitive Grenzen stoßen (cf. dazu auch die Beiträge von Mayr et al. und Felici/Portioli in diesem Themenheft). Die Zielgruppen für LS sind einerseits Menschen mit Lernschwierigkeiten, Demenz oder geistigen Behinderungen, andererseits Deutsch- oder Schriftsprachlernende, insbesondere Migrantinnen und Migranten, die niederschwellig Zugang zu relevanten Informationen in den deutschsprachigen Ankunftsländern erhalten sollen. Dass die Ausrichtung auf diese beiden Gruppen einen Angemessenheitskonflikt auslösen kann, ist evident. In der Praxis wird darauf auch mit weiteren Abstufungen, z. B. entlang dem Europäischen Referenzrahmen für Sprachen, oder der Unterscheidung von LS und Einfacher Sprache, reagiert (vgl. capito.eu).

Bredel/Maaß (2016a:139f.) fassen die beiden genannten Zielgruppen als die „primären Adressat(inn)en“ von LS zusammen, sie charakterisieren sie als Personen, die „Probleme mit der sprachlichen und/oder referenziellen Komplexität von Texten haben“ (2016a:140). Sie erläutern ausführlich die unterschiedlichen Bedarfe der Subgruppen und Individuen in diesem Personenkreis. Von diesen unterscheiden sie die „sekundären Adressat(inn)en“ und „Mittler“. Letztere sind Expertinnen und Experten, insbesondere in der öffentlichen Verwaltung, die Sachverhalte, Bescheide oder dergleichen allen Personen vertraut machen müssen und dafür, nicht zuletzt im Rahmen von Gesprächen mit primären Adressatinnen und Adressaten, denen u. U. der Zugriff auf Schriftsprache zur Gänze verwehrt ist, ein entsprechendes Textangebot nutzen (vgl. Bredel/Maaß 2016 a:175). Sekundär sind Leserinnen und Leser, denen Texte in LS zufällig begegnen oder die sie als Alternative nutzen, obwohl sie nicht primär zur Zielgruppe zählen. Da Texte in LS auf diese Leserschaft „häufig sehr befremdlich“ wirken, empfehlen Bredel/Maaß (2016b:41), eine Erläuterung voranzustellen, die auf Form und Funktion von LS hinweist, den Text in LS also zu kontextualisieren. Auf diesen Aspekt werden wir später unter dem Stichwort des Wirkungsbewusstseins (Abschnitt 4.4) noch näher eingehen.

Ziel Leichter Sprache ist also verständliche Kommunikation für ihre primären Zielgruppen. Dieses Anliegen wiederholt sich in den Erläuterungen der verschiedenen Regelwerke:

Netzwerk Leichte Sprache: Leichte Sprache bedeutet „Verständlichkeit in einer ansonsten schwer verständlichen Welt.“ (Webseite Netzwerk)

Capito: „Leichte Sprache ist eine einfache Version der Standardsprache und macht Informationen leichter verständlich.“ (Webseite Capito)

Inclusion Europe: „Europäische Regeln, wie man Informationen leicht lesbar und leicht verständlich macht“ (Webseite Inclusion Europe)

Und auch die Forschungsstelle Leichte Sprache Hildesheim verweist indirekt auf dieses Anliegen, indem sie LS als „verständlichkeitsoptimierte“ Varietät bezeichnet: „Unser Ziel ist es, einen Beitrag zur Erforschung und Etablierung der Leichten Sprache und weiterer verständlichkeitsoptimierter Varianten des Deutschen zu leisten [...]“. (Webseite Forschungsstelle Hildesheim)

In der (professionalisierten) Praxis wird das Erreichen dieses Ziels empirisch mithilfe von sog. Prüfgruppen überwacht: Adressatinnen und Adressaten der Texte prüfen in moderierten Runden deren Verständlichkeit. „Nur sie können sagen, ob ein Text leicht genug ist“, heißt es oft zur Begründung einer Prüfgruppennotwendigkeit (BMAS 2014:21). Diese Praxis wird von Bredel/Maaß (2016a:175f.) aus mehreren Gründen hinterfragt: Die Prüfung erfolgt meist nur mit Personen, die sich mit ähnlichen Verstehensbarrieren konfrontiert sehen, was viele andere Zielgruppen ausschließt; die Texte werden satzweise geprüft, d. h. globale Textkohärenz möglichweise nicht hergestellt; in der Moderation wird häufig vorgelesen, sodass das eigentliche Ziel der selbstgesteuerten Textrezeption gar nicht evaluiert wird. Zugleich steigern Prüferinnen und Prüfer, die häufig Mitglied einer solchen Gruppe sind, unter Umständen ihre Sprach- und Lesekompetenz und verlieren so ihre repräsentative Kraft. Bredel/Maaß (2016a:179f.) stellen diesem Konzept der Qualitätssicherung Erkenntnisse der Verständlichkeits- und Leseforschung gegenüber: Sie sind überzeugt, „auf der Basis von theoretisch und empirisch gedeckten Erkenntnissen generalisierungsfähige Aussagen darüber machen zu können, wann ein Text Verständlichkeits- und damit Verstehenskriterien genügt.“ Ob über Prüfgruppen oder akademisch-analytische Herangehensweise – die Qualität von Texten in LS wird an ihrer Verständlichkeit bemessen.

Wir sind der Ansicht, dass barrierefreie Kommunikation – wie Kommunikation schlechthin – den Adressaten ganzheitlich ansprechen soll. Verständlichkeit ist natürlich ein relevanter Bestandteil der Adressatenorientierung. Unseres Erachtens werden Adressatenorientierung und Verständlichkeit aber allzu leichtfertig gleichgesetzt. Auch die Qualität von Texten in LS wird nach Bock (2024a) allzu leichtfertig auf Verständlichkeit reduziert. Bock argumentiert mit der Metanorm der Angemessenheit (vgl. Niehr 2017) und hält fest: „Nicht alles, was angemessen ist, ist maximal einfach oder leicht verständlich.“ (2024a:52) Für die Analyse von LS-Texten benennt sie fünf Faktoren der Angemessenheit, darunter die uns hier interessierende Dimension der Adressatenorientierung, bei Bock (2015, 2018, 2024a) „adressatenbezogen“. Bei genauer Betrachtung ist dieser Faktor wiederum beinahe identisch mit dem Konzept der Verständlichkeit. Wir hingegen vertreten mit unserem Modell, das wir im Folgenden erläutern, die Position, dass Adressatenorientierung über Verständlichkeit hinausgeht – und so mancher verstandene Text nicht ausreichend adressatenorientiert ist.

„Geglückte Kommunikation (Erfolg/Misserfolg) kann man erst am Ende eines Kommunikationsaktes feststellen“, betont Gutermuth (2020:85), daher könne „man die Verständlichkeit eines Textes im vorliegenden Fall erst beurteilen, wenn der Rezipient den Lesevorgang abgeschlossen hat und das Gelesene, die zu vermittelnde Information, inhaltlich adäquat repräsentiert.“ (ebd. 85) Verstehen ist also immer leser- und situationsabhängig, Textverständlichkeit keine absolute Größe. Abgesehen davon betrachten wir (angestrebte) Verständlichkeit als notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung für Adressatenorientierung. U. E. sind am Adressaten orientierte Texte für diesen überdies attraktiv und nützlich. Im Folgenden werden wir diskutieren, ob Texte in LS „nur verständlich“ oder umfassend adressatenorientiert sind. Die Verständlichkeit der untersuchten Textbeispiele werden wir dabei nur am Rande betrachten. Mit einer Ausnahme sind alle Beispiele mit einem der folgenden Gütesiegel gekennzeichnet: Inclusion Europe, Netzwerk Leichte Sprache, Forschungsstelle Leichte Sprache, Capito. Die Gütesiegel garantieren eine professionelle, auf Erfahrungswissen und/oder wissenschaftlichen Erkenntnissen basierende Gestaltung dieser Texte. Wir betrachten deren kognitive Zugänglichkeit daher als (weitgehend) gegeben und fokussieren in der Anwendung unseres im nächsten Abschnitt erläuterten Modells der Adressatenorientierung auf die Dimensionen der Attraktivität und der Nützlichkeit.

3 Was ist Adressatenorientierung?

Adressatenorientierung ist die umfassende Ausrichtung auf den Adressaten. In Bezug auf Texte ist Adressatenorientierung zunächst ein Rahmen für das Schreiben, eine Einstellung auf die Zielgruppe, die sowohl die Planung als auch die Formulierung eines Textes beeinflusst. Adressatenorientierung ist zugleich eine Qualität von Texten. Man kann auf allen Ebenen eines Textes, vom Wort bis zum Satz, vom Textaufbau bis zum Layout, evaluieren, ob dieser auf die Zielgruppe angepasst, ihr angemessen ist. Gelungene Adressatenorientierung ist folglich ein Qualitätsmerkmal von Texten. Neben diesem bestehen weitere, adressatenunabhängige Textqualitätsmerkmale, etwa Sprach- und Sachrichtigkeit. Wir verstehen Adressatenorientierung als Bündel jener Textmerkmale, die anzupassen sind, wenn der Adressat oder die Adressatin sich ändert. Dabei ist zu betonen, dass insbesondere expressive, aber auch poetisch-ästhetische Texte sich durch ein spezifisches Verhältnis zu ihren Leserinnen und Lesern auszeichnen. So ist z. B. Verständlichkeit kein primäres Gütesiegel für hermetische Lyrik, und zwischen vertrauten Personen können persönliche Texte Idealformen annehmen, die sich allgemeinen Textqualitätsbeschreibungen entziehen. Man kann beispielsweise keine grundsätzlichen Aussagen darüber machen, an welchen Textschräubchen zu drehen wäre, damit ein Entschuldigungsschreiben der Person X einer bestimmten Zielperson Y angemessen ist. Unser Modell ist daher primär auf Sachtexte ausgerichtet. Wir haben das Modell zunächst für die kritische Bewertung von Schreibratgebern für die Hochschule entwickelt (vgl. Burkhalter/Rieder 2022) und nun weiter ausdifferenziert. Abbildung 1 zeigt das überarbeitete Modell.

Abb. 1 
Modell der Adressatenorientierung
Abb. 1

Modell der Adressatenorientierung

Wir differenzieren Adressatenorientierung in drei Dimensionen.

Verständlichkeit: Ein Text soll von seiner Zielgruppe verstanden werden. Diese Dimension betrifft sowohl die inhaltliche als auch die sprachlich-textuelle Ausgestaltung eines Textes. Ausrichtungen in dieser Dimension zielen auf die kognitive Ebene der Leserinnen und Leser.

Attraktivität: Ein Text soll von seiner Zielgruppe gerne (weiter-)gelesen werden. Diese Dimension betrifft sowohl die sinnliche Gestaltung bzw. mediale Anreicherung eines Textes als auch die sprachliche und kommunikative Angemessenheit, also die Ausgestaltung von Rollen und die Wahl des sprachlichen Registers. Anpassungen in dieser Dimension zielen auf die emotionale Ebene der Leserinnen und Leser.

Redlichkeit: Ein Text soll seiner Zielgruppe nützlich sein. Diese Dimension betrifft die ethische Ebene des Schreibens; Anpassungen im Text erfolgen auf der Basis ethischer Überlegungen der Autorin oder des Autors, die/der sich der Textwirkung bewusst ist, den Textzweck im Auge behält und der Sache, die im Text verhandelt wird, gerecht wird. Letzteres kann bedeuten, dass ein Text auch unangenehme Aspekte eines Themas anspricht, die der Zielgruppe nicht bekannt waren, deren Kenntnis der Zielgruppe aber nützlich ist.

Alle drei Dimensionen greifen ineinander, lassen sich aber analytisch isoliert beschreiben, was u. E. eine Voraussetzung für die Verständigung über die Adressatenorientierung eines (entstehenden) Textes ist. Der Blick auch auf die Attraktivität und die Redlichkeit steht im Dienst der über die Verständlichkeit hinausgehenden Bedürfnisse von Leserinnen und Lesern. Damit bietet unser Modell einen geeigneten Rahmen für das Schreiben insbesondere von Texten, für die Adressatenorientierung oberstes Qualitätskriterium ist.

Dass die drei Dimensionen unseres Modells nicht disjunkt sind, ist nicht zuletzt dem Umstand geschuldet, dass schon das Konzept der Textverständlichkeit für sich genommen nicht geschlossen ist. Bereits in der klassischen Rhetorik waren Verstehen und Verständlichkeit ein Thema und werden seit nunmehr vielen Jahrhunderten „weitergeführt, allerdings nicht kontinuierlich und kumulativ, sondern in zahlreichen und verzweigten Forschungslinien“, die „kaum noch zu überblicken“ sind (Ballstaedt 2019:9). Es ist davon auszugehen, dass einige der Aspekte, die wir den Dimensionen Attraktivität und Redlichkeit zuordnen, in anderen Konzepten unter dem Stichwort der Verständlichkeit subsummiert werden. Wir denken etwa an motivierende Sprachmittel, zum Beispiel „die Exemplifizierung und Illustrierung von Sachverhalten anhand von Beispielen, die der Erfahrungswelt der Adressatenwelt entstammen“ (Göpferich 2019:294). In unserem Modell betrifft die Dimension Verständlichkeit ausschließlich die kognitive Ebene, also aus der Schreiberperspektive ein Angebot für eine erleichterte Entschlüsselung des Textes.

4 Anwendung des Modells auf Produktion und Evaluation von Texten in Leichter Sprache

Im Folgenden erläutern wir an ausgewählten Beispielen, wie die Dimensionen unseres Modells helfen können, Texte in LS umfassend adressatenorientiert zu gestalten. Texte in LS werden meist aus Texten in Allgemeinsprache übertragen. Es werden aber auch Texte von Grund auf in LS erstellt. Für unsere Überlegungen spielen diese unterschiedlichen Produktionsweisen keine Rolle. Wer einen Text schreibt, muss sich auf die Zielgruppe einstellen. Das gilt auch für die Übertragung oder Übersetzung von Texten in LS: Die Zielgruppe des Ausgangstextes war eine andere, d. h. der Übersetzer bzw. die Übersetzerin hat zwar nur eingeschränkte Handlungsfreiheit in Bezug auf Inhalt und Textfunktion, muss sich aber in punkto Adressatenorientierung verhalten wie ein Autor oder eine Autorin von Texten, die neu geschrieben werden. Daher betrachten wir unser Modell als Rahmen für das Schreiben von Texten, auch solchen in LS, egal ob diese auf Basis eines anderen Textes oder ohne eine entsprechende Vorlage entstehen. Wir spannen diesen Rahmen nun entlang der vier Eckpfeiler unseres Modells auf:

  1. Überleg dir genau, wer deine Zielgruppe ist, und stell sie dir gut vor!

  2. Schreib so, dass deine Zielgruppe den Text versteht!

  3. Schreib so, dass deine Zielgruppe den Text (weiter-)lesen möchte!

  4. Schreib so, dass deine Zielgruppe dem Text vertrauen kann!

4.1 Stell dir deine Zielgruppe gut vor!

Unser Modell kann der Analyse und Bewertung von Texten hinsichtlich des Qualitätskriteriums Adressatenorientierung dienen, es soll aber zunächst das Schreiben guter Texte unterstützen. So wird z. B. Verstehen zwar letztlich erst in der Rekonstruktion der Textbedeutung durch den Leser realisiert (oder auch nicht), muss aber vom Sender angestrebt werden, wenn wir es als „Ergebnis einer Kooperation zwischen Absender und Adressat“ (Ballstaedt 2019:10) auffassen. Im Schreibprozess lässt sich Adressatenorientierung also nicht herstellen, aber anlegen. So banal Adressatenorientierung als Intention des Textproduzenten auch scheinen mag, wird sie doch oft neben Sachrichtigkeit und Sprachrichtigkeit vergessen. Der Imperativ in unserem Modell stellt diese Aufgabe hingegen an erste Stelle. Auch Bredel/Maaß geben in ihrem Ratgeber eine entsprechende Empfehlung: „Klären Sie vor der Übersetzung, wer die Adressat(inn)en Ihres Texts sind.“ (2016b:168) Aber diese Empfehlung kommt erst in Kapitel 8, „Strategien zur Gestaltung der Textebene“, zur Sprache. Zuvor hat man sich im Ratgeber bereits mit Wörtern und Sätzen befasst. In der konkreten Textarbeit sind selbstredend Wort-, Satz- und Textebene aufeinander zu beziehen und keine Übersetzerin/kein Übersetzer für LS wird erst im letzten Arbeitsschritt an die Leser/innen denken – dennoch scheint uns die ausdrückliche Empfehlung am Anfang des Schreibprozesses relevant. Dies deshalb, weil sich von dieser Vorstellung oder Einstellung gerade keine eindeutigen Lösungen ableiten lassen. Das Bewusstsein für konkrete Leserinnen und Leser entzieht uns letztlich die Gewissheit, alles richtig zu machen, selbst wenn sämtliche Regeln für eine Textsorte oder Schreibaufgabe eingehalten werden. Denn Menschen sind unterschiedlich. Wir können nie ganz sicher sein, ob sich Gemeintes und Verstandenes decken. Der Imperativ „Stell dir deine Zielgruppe gut vor!“ bleibt also auch eine Mahnung daran, beim Schreiben stets über Regelwerke hinaus zu denken und das eigene Vorstellungs- und Einfühlungsvermögen zu nutzen.

Beim Schreiben oder Übersetzen von Texten in LS bedingt diese Haltung Demut gegenüber der großen Aufgabe, einer doch recht heterogenen Leserschaft gerecht zu werden. In Kapitel 5 ihres Grundlagenwerks zur LS erörtern Bredel/Maaß (2016a:139–180) ausführlich diese Schwierigkeit.

Am Beispiel einer Rezeptsammlung (Bundesvereinigung Lebenshilfe e.V.) wollen wir deutlich machen, was gemeint ist: Die Rezeptkarten, die über mehrere Jahre in verschiedenen Ausgaben des „Magazins“, einer Beilage der „Lebenshilfe-Zeitung“ in LS, zum Ausschneiden erschienen sind, sind ansprechend gestaltet. Die Regeln von Inclusion Europe sind eingehalten; die erwünschte Verständlichkeit ist durch Prüfgruppen empirisch getestet worden.

Die Sammlung umfasst neun Rezepte. In fünf dieser neun Rezepte muss man Eigelb und Eiweiß voneinander trennen. Diese Instruktion wird sprachlich ganz unterschiedlich realisiert:

  1. „2 Eier aufschlagen, die beiden Ei-Gelbe in einer kleinen Schale mit einem Pinsel verquirlen“ (o. S. [2])

  2. „1 Ei aufschlagen und trennen, das Ei-Gelb in einer Tasse verrühren (das Ei-Weiß bleibt übrig)“ (o. S. [8])

  3. „3 Eier aufschlagen, die halben Eierschalen hin und her bewegen und so das Ei-Gelb vom Ei-Weiß trennen“ (o. S. [10])

  4. „Die 2 Eier aufschlagen und nach Ei-Gelb und Ei-Weiß trennen“ (o. S. [15])

  5. „5 Eier in Ei-Gelb und Ei-Weiß trennen“ (o. S. [19])

Neben jeder dieser Anleitungen ist ein Foto platziert. Jenes zu Anleitung 2 zeigt allerdings nicht das Trennen von Eiweiß und Eigelb, sondern das getrennte Ei. Anleitung 3 ist sachlich falsch. Wir erkennen, dass man sich den Adressaten nicht vorgestellt hat, denn sonst wären die Instruktionen konsistent. Entweder geht man davon aus, dass er weiß, wie man ein Ei trennt – oder nicht. Wenn er es weiß, genügt Anleitung 5. Wenn der Sender davon ausgeht, dass der Empfänger Eier trennen kann, aber eine explizite Anleitung doch benötigt, sind die Anleitungen 2 und 4 geeignet (aufschlagen und trennen), bevorzugt mit einem Bild, das das Trennen, also die Schalenhälften in den Händen einer Person zeigt. Geht man aber davon aus, dass der Empfänger nicht weiß, wie man ein Ei trennt, muss man es ihm nachvollziehbar sagen oder/und mit einer Bildfolge vorführen. Das wird in keinem der Rezepte gemacht.

Ebenfalls uneinheitlich ist die Angabe der Maßeinheit Gramm: Einmal wird die Abkürzung g in einer Legende aufgelöst, einmal wird das Wort Gramm unkommentiert verwendet, einmal wird das Wort Gramm verwendet und weiter unten darauf hingewiesen, dass es zu g abgekürzt wird usw. Stellte man sich den Adressaten dieser Rezepte allerdings vor, dann müsste man zu einer konsistenten Lösung kommen. Wir dürfen also davon ausgehen, dass hier unserer Einladung „Überleg dir genau, wer deine Zielgruppe ist, und stell sie dir sehr gut vor!“ nicht Folge geleistet wurde.

4.2 Schreib so, dass deine Zielgruppe den Text versteht!

Unsere Auffassung von Verständlichkeit bezieht sich auf die Passung von Inhalt, Sprache und Textgestaltung mit dem Adressaten. Die inhaltliche und sprachliche Passung ist auch zentrales Anliegen von LS: Es geht um die Reduktion von Komplexität und Kompliziertheit (vgl. Lutz 2015; Lutz 2017) für eine Zielgruppe, die durch komplexe und komplizierte Strukturen überfordert ist. Diese kognitive Zugänglichkeit wird, wie bereits erwähnt, empirisch überprüft. Wir sehen die inhaltliche und sprachliche Passung in den Regelwerken gut bedacht, die textuelle allerdings vernachlässigt. So dienen etwa Textmuster der Verständlichkeit. Diese sind in den Regelwerken der LS allerdings kaum ein Thema. So stellt Bock (2024) in einem Vergleich fachsprachlicher Texte mit Texten in LS fest:

Eine Besonderheit im Vergleich zu nicht-‚leichten‘ (Fach-)Texten besteht in der – fehlenden – Markierung der Textsorte, und zwar sowohl mit Blick auf die sprachlichen als auch auf die nichtsprachlichen Textmerkmale. ‚Leichte Sprache‘ als ‚Ganzes‘ weist zwar wiedererkennbare sprachliche und visuelle Charakteristika auf, allerdings unterscheiden sich diese typischerweise nicht bzw. kaum in Abhängigkeit von der Textsorte und ihrer Funktion. Sicherlich ist der Wortschatz bis zu einem gewissen Grad themenabhängig, aber insbesondere die Merkmale auf Textebene variieren kaum.

(Bock 2024:360)

Erstens ist also die Schriftpraxis für das Textverstehen von zentraler Bedeutung, können doch „konventionell gestaltete Textsorten sogar ohne ausreichende Lesekompetenzen visuell erkannt werden“ (Bock/Fix 2017:137). Zweitens darf man die Relevanz der Textkohärenz für das Verstehen nicht unterschätzen – Verständlichkeit ist ja ein Merkmal von (ganzen) Texten, nicht nur von Wörtern und Sätzen. Im Folgenden zeigen wir zwei Beispiele aus Broschüren über Sport, die mit dem Label „Inclusion Europe“ gekennzeichnet sind. Wir wissen wohl, dass die so zertifizierten Texte geprüft wurden, die Prüferinnen und Prüfer sind auch namentlich genannt, und damit von Prüfgruppen verstanden wurden. Dennoch ist u. E. in den beiden Beispielen die Verständlichkeit nicht gegeben.

Neue Dinge lernen durch den Sport

Sport ist mehr als Bewegung.

Und Sport ist mehr als nur Sport machen.

Kinder und Jugendliche lernen zum Beispiel gutes Miteinander.

Erwachsene lernen neue Dinge durch ihre ehrenamtliche Arbeit.

Alle lernen neue Dinge dazu.

Das hilft auch so im Leben.

Das passiert durch den Sport.

Das passiert durch das Mitmachen im Verein.

Der DOBS und alle Sport-Vereine sagen:

Der einzelne Mensch ist wichtig.

Jeder Mensch soll sich gut weiterentwickeln können.

Die Menschen lernen ihr Leben lang dazu.

(DOSB o. J.:23; Hervorh. im Text von uns)

Das Wort ‚Sport‘ wird im wörtlichen und im übertragenen Sinne verwendet: Einmal ist Bewegung gemeint, einmal soziale Ressource. Diese beiden Auffassungen werden im Text durcheinandergewirbelt. Um zu verstehen, was wohl gemeint ist, ist eine beachtliche Kohärenzherstellungsleistung vonnöten, die auch uns Lesegewohnten einiges abverlangt. Hier wird eine komplexe Sache so sehr vereinfacht, dass ein kausaler Zusammenhang von Sport und Wohlergehen kaum erkennbar ist. In diesem Textbeispiel führen die Eingriffe im Sinne der LS zu einer Verschlechterung der Textverständlichkeit.

Das zweite Beispiel stammt aus einer Broschüre der österreichischen sozialdemokratischen Partei. Auch in diesem Beispiel wird das Thema Sport mit zu vielen anderen Anliegen (Gemeinschaft, Fairness, Menschenwürde) überfrachtet.

Sport bringt die Menschen zusammen

Die Menschen kommen beim Sport zusammen.

Sie müssen zusammen-arbeiten zum Gewinnen.

Zum Beispiel beim Fußball.

Alle müssen sich an die gleichen Regeln halten.

Alle müssen fair miteinander umgehen.

Und ohne Diskriminierung.

Das Wort Diskriminierung kommt aus der lateinischen Sprache.

Diskriminierung heißt:

Menschen behandeln andere Menschen schlechter.

Weil die anderen Menschen aus einer Minder-heit sind.

Im Sport müssen alle zusammen-halten, damit sie gewinnen.

Sport ist gut für die Gemein-schaft.

Die SPÖ will mehr Sport-Projekte,

wo Menschen zusammenkommen.

Gegen Gewalt im Sport.

Damit alle gleich behandelt werden.

Für Menschen mit Behinderungen.

(SPÖ o. J.:7; Hervorh. im Text von uns)

Hier fallen (mindestens) vier Punkte ins Auge: Erstens werden Sport und wettkampforientierter Mannschaftssport offenbar gleichgesetzt. Beim Joggen, Schwimmen, Pilates, Yoga, Jazztanz, Konditionstraining u. a. m. geht es ja kaum ums Gewinnen, und beim Fechten, Boxen, Judo, wo es zwar Gewinner und Verlierer gibt, gibt es keine Mannschaften. Zweitens wird am Beispiel der Worterklärung von ‚Diskriminierung‘ deutlich, welcher Schaden durch das Unterdrücken von in normalen Texten üblicher Mehrschichtigkeit entsteht. Diese Ausführungen gehören auf eine andere Textebene. Das könnte man z. B. mit geeigneten (konventionalisierten) typografischen Mitteln wie einem Kasten, durch Einrücken, eine andere Schrift o. ä. markieren. Diesen „Text“ könnte man in einer Einführungsveranstaltung zur Textlinguistik gewinnbringend einsetzen: Was hier vorliegt, ist zwar kohäsiv, aber nicht kohärent. Drittens fällt die „Gewalt“ in der drittuntersten Zeile wie vom Himmel in den Text. Eben war noch von fairem Miteinander, von Gemeinschaftlichkeit und Freude die Rede, und plötzlich geht es um Gewalt. Dieser Umstand erschwert die Kohärenzleistung, die jeder Leser, jede Leserin eines Textes erbringen muss – vielleicht verunmöglicht er sie sogar. Und viertens kann die Nähe von „Gewalt“ (drittletzte Zeile) und „gleich behandelt werden“ (zweitletzte Zeile) sprachkompetenten Mitlesenden nachgerade zur Satire werden (im Sinne von: Alle sollen die gleiche oder gleich viel Gewalt erfahren), die primären Adressaten jedenfalls verwirren. Wenn auch jedes Wort und jeder Satz für sich genommen verständlich ist, so muss doch festgestellt werden, dass die textuelle Ebene beim Schreiben dieser Textbeispiele vernachlässigt wurde.

4.3 Schreib so, dass deine Zielgruppe den Text (weiter-)lesen möchte!

Zur Attraktivität eines Textes zählen u. E. sein optisches Erscheinungsbild sowie seine Ausstattung und mediale Anreicherung. Dazu kommen anregende Sprachmittel und schließlich eine einladende kommunikative Ansprache, die sich im Wesentlichen aus einem angemessenen Rollenverständnis des Verfassers für sich und den Leser ergibt.

Nun ist die Attraktivität eines Textes keine absolute Größe: Was als ästhetisch oder schön empfunden wird, ist abhängig vom Zeitgeschmack, von der Kultur und natürlich auch vom individuellen ästhetischen Empfinden. Daraus folgt aber keineswegs, dass Attraktivität eine beliebige Größe sei; vielmehr kann man sich über Attraktivität intersubjektiv verständigen. Dafür braucht man Beschreibungskriterien. Auf der Basis einer „Erwartungserwartung“ (Sanders 2007:39) lässt sich formulieren, welche Kriterien für die Attraktivierung eines Textes heranzuziehen sind. Beim Schreiben – auch von Texten in LS – ist zu überlegen, welche optischen, haptischen und sprachlichen Erwartungen und welches Selbstverständnis ein Adressat hat.

Die Frage der Ausstattung eines Textprodukts (Format, Papierqualität, Bindung usw.) ist nicht zielgruppenunabhängig. Gerade für die Zielgruppen von LS sind möglicherweise auch haptisch-taktile Barrieren zu bedenken oder z. B. Faltungen von Foldern, die einen Wechsel von Leserichtungen nach sich ziehen, zu vermeiden. Dasselbe gilt für mediale Anreicherungen, z. B. mit QR-Codes, bei denen zielgruppenspezifische mediale Kompetenzen zu berücksichtigen sind. Der optische Gesamteindruck lässt einen Text auf den ersten Blick attraktiv oder unattraktiv erscheinen. Zum Gesamteindruck zählen die Makrotypografie (Seitenformat und Layout, also Satzspiegel, Raumverteilung, Textgliederung, Listen- und Absatzformatierung) und Mikrotypografie (Schriftart, Schriftgröße, Schriftschnitt, Schriftauszeichnung und Zeilenformatierung). Den optischen Eindruck prägen außerdem Farbgestaltung, Bilder und Grafiken.

Bilder spielen für die Attraktivität von Texten eine große Rolle. Bilder bzw. visuelle Veranschaulichungen von Inhalten werden auch in LS-Texten verwendet. Für deren Einsatz haben Bredel/Maaß (2016b:179) folgende „goldene Regel“ formuliert:

Verwenden Sie Bilder mit einer klaren Aussage und eindeutigem Text-Bild-Bezug, die die Leser(innen) beim Verstehen des Texts unterstützen.

Auf rein dekorative Bilder soll verzichtet werden, Bilder sollen der Verständlichkeit dienen.

Wir stellen zur Diskussion, ob Bilder nicht auch der Attraktivität dienen sollten. Dafür ist u. E. neben dieser „goldenen Regel“ noch etwas anderes zu berücksichtigen: Würde man das Bild grundsätzlich auch in einem allgemeinsprachlichen Text verwenden? Entspricht es zeitgemäßen Sehgewohnheiten und ist es altersgerecht? Bei Bildern in LS-Texten handelt es sich meist um kolorierte Strichbilder, also um sehr reduzierte Bilder, die zudem freigestellt, also ohne Hintergrund sind. Dies wirkt rasch naiv oder zu plakativ.

Auch die auffällige Wiederholung von Bildersets, z. B. der Illustrationen aus dem Lebenshilfe-Shop Bremen, kann achtlos und damit wenig attraktiv wirken. Zwar sind diese Zeichnungen für sich genommen ansprechend und durchaus für Erwachsene gedacht, aber in der Wiederholung verlieren sie, auch aufgrund ihrer stilistisch geringen Varianz, an Attraktivität und wirken plötzlich beliebig. So sind beispielsweise die Broschüren in LS für die Bundestagswahl in Deutschland 2025 der CDU/CSU, SPD und von Bündnis 90/Die Grünen alle mit den Bildern von Stefan Albers aus der Bremer Bilderkartei illustriert. Für das Thema „erneuerbare Energie“ haben sogar alle dasselbe Bild gewählt, obwohl die Darstellung nur zweimal eine Entsprechung im Text hat („Solar-Anlagen“, „Solar-Zellen“):

Abb. 2 
Klimapolitik CDU/CSU in CDU/CSU (2025:10)
Abb. 2

Klimapolitik CDU/CSU in CDU/CSU (2025:10)

Abb. 3 
Klimapolitik SPD in SPD (2025b: o. S. [6])
Abb. 3

Klimapolitik SPD in SPD (2025b: o. S. [6])

Abb. 4 
Klimapolitik Bündnis 90/Die Grünen in Bündnis 90/Die Grünen (2025:6)
Abb. 4

Klimapolitik Bündnis 90/Die Grünen in Bündnis 90/Die Grünen (2025:6)

Die FDP setzt stilistisch ähnliche Bilder einer anderen Zeichnerin ein, zeigt diese dafür wiederholt, manche sogar mehrfach auf derselben Seite.

Abb. 5 
Freie Demokraten/FDP (2025:9)
Abb. 5

Freie Demokraten/FDP (2025:9)

Diese Homogenisierung der Bilderwelt fördert zwar „den Aufbau von Intertextualitätsrelationen im Hinblick auf das Leichte-Sprache-Textuniversum“ (Bredel/Maaß 2016 a:506), verzichtet zugleich aber auf das Potenzial der Textattraktivierung durch überraschende Visualisierungen. Kritisch zu überprüfen wäre auch das Zusammenspiel von Text und Bild. Die o. g. „goldene Regel“ fordert einen eindeutigen Text-Bild-Bezug. Nach Ballstaedt (2012:139) kann die Beziehung von Bild und Text kongruent, komplementär oder elaborativ sein. Kongruent bedeutet, dass Text und Bild dasselbe aussagen. Komplementär heißt, dass die Information sich aus Text und Bild zusammensetzt, dass also beide Elemente etwas Eigenständiges zur Gesamtinformation beitragen. Elaborative Text-Bild-Beziehungen setzen Vorwissen voraus. Diese drei Beziehungstypen erfordern unterschiedliche kognitive Verarbeitungsprozesse. Wir sehen in Abbildung 5, dass alle Bilder mit dem Text kongruent gedacht sind, denn sie spiegeln die blau hervorgehobenen Wörter. Dies zielt auf die niedrigste Verarbeitungsstufe. Allerdings ist zu hinterfragen, ob die Kombination von Menschengruppe und Adler nicht zu viel Vorwissen über das deutsche Bundeswappen voraussetzt, um als Repräsentation von „Bundesregierung“ gelesen werden zu können. Die Geldscheine hingegen sind unterkomplex; der Begriff BAföG kann damit nicht annähernd erfasst werden. Für dieses Akronym und den damit bezeichneten Gegenstand ist kein Bild denkbar. Wir sind der Ansicht, dass damit elaborative Text-Bild-Beziehungen vorliegen, die Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen überfordern. Darüber hinaus ist festzuhalten, dass die Darstellung kein Text-Bild-Ganzes ergibt. Alle Zeichnungen befinden sich auf derselben Vertikalen; abgesehen von der Zeilenhöhe und der Farbmarkierung gibt es keine visuelle Verbindung der Bilder zu den entsprechenden Stellen im Text. Zudem sind die Zeichnungen zwar konkret, werden aber wie Symbole eingestreut: Menschen, Tablets und Geldscheine sind gleich groß. Irritierenderweise kommt den Bildern durch die eben beschriebenen Umstände faktisch dekorativer Status zu, der nach LS-Regeln zu vermeiden wäre.

Grundsätzlich ist nicht einzusehen, warum auf rein dekorative Bilder verzichtet werden soll. Nach Ballstaedt vermitteln „[n]ichtdarstellende Bilder [...] als Dekoration ein ästhetisches Erlebnis und sind für den ersten Eindruck wichtig“ (2012:40). Ballstaedt befasst sich mit den vielfältigen Funktionen von Visualisierung in Sachtexten. Er spricht auch der unterhaltenden und entspannenden Funktion von Bildern Berechtigung zu – Texte in LS sind auch Sachtexte. Sofern die Visualisierung der Verständlichkeit nicht zuwiderläuft, kann sie auch für diese Zielgruppe ästhetisch ansprechend, unterhaltend und entspannend sein. Dafür müsste allerdings mehr Augenmerk auf die ästhetische, nicht bloß funktionale Qualität der Bilder gelegt werden. Möglicherweise ist der Rückgriff auf Bilder, die auch an anderen Orten zu sehen sind, eine Option zur Attraktivierung. So zeigt etwa das Titelblatt einer Broschüre des Deutschen Olympischen Sportbunds zu „Inklusion und Sport“ Trimmy, das Maskottchen des DOSB, im Rollstuhl. Das Maskottchen wird mit unterschiedlichen Sportgeräten, in verschiedenen Bewegungsarten, aber auch als Symbolfigur, z. B. als Weihnachtsmann oder mit Blumenstrauß, zum Download für Sportvereine zur Verfügung gestellt. Sportinteressierten in Deutschland dürfte das Maskottchen daher in verschiedenen Kontexten begegnen. Zusätzlich zum Anschluss an Bildwelten außerhalb von Texten in LS möchten wir auf die Domänenspezifik von Bildtypen hinweisen. So erinnern die Bilder in LS-Texten u. a. stark an Bilder in Fremdsprachenlehrmitteln (auch für Erwachsene), also an die Illustration von didaktischen Textsorten. Dort scheinen sie weitgehend unmarkiert zu sein; Abbildungen in z. B. DaF-/DaZ-Lehrmitteln „sind eben so“; sie fallen weder positiv noch negativ auf. Es leuchtet aber nicht ein, warum diese im didaktischen Kontext übliche Illustration auf Texte in allen anderen Kommunikationsdomänen übertragen werden sollten.

Neben visuellen und haptischen Merkmalen lässt sich über den sprachlichen Stil Attraktivität erzeugen. Die Regeln für LS laufen auf den ersten Blick sprachlich-stilistischen Mitteln, die als attraktivierend gelten, zuwider: Maximale Explizitheit, lexikalische und syntaktische Einfachheit, Verzicht auf Registerwechsel sowie Sprachspiele, Synonyme, Metaphern und Mehrdeutigkeit. Bredel/Maaß (2016a:519) halten fest: „Versteht man Ästhetik insgesamt als ein Experimentieren mit Sprache, ist die Realisierung der poetischen Sprachfunktion (Jakobson) mit Leichter Sprache konstitutiv unerreichbar“. In den letzten Jahren erscheinen vermehrt auch literarische Texte in einfacher, teilweise sogar Leichter Sprache, in denen sich durchaus „[g]enuin literarästhetische Merkmale [...] identifizierten [lassen]“ (Hennig/Jacob 2022:119). Auch wenn die Verständlichkeitsregeln für LS die Gestaltung stilistischer Attraktivität deutlich einschränken, soll beim Schreiben auf diese Dimension der Adressatenorientierung nicht ganz vergessen werden: Auch Leserinnen und Leser von LS haben ein ästhetisches Empfinden und lassen sich nicht gerne von einem Text langweilen.

Ein Positivbeispiel soll zeigen, wie sprachliche Mittel innerhalb der Grenzen stark normierter LS attraktiv eingesetzt werden können.

Im schon einmal zitierten Rezeptheft der Lebenshilfe Deutschland findet sich ein Rezept für Tiramisu. Darin wird der Name der Süßspeise wie folgt erklärt:

Abb. 6 
Tiramisu (Bundesvereinigung Lebenshilfe o. J.: o. S. [9])
Abb. 6

Tiramisu (Bundesvereinigung Lebenshilfe o. J.: o. S. [9])

Hier wird die Narration – eine Minigeschichte – als attraktives Sprachmittel eingesetzt: Das Dessert kommt aus Italien und macht gute Laune. Dies zu wissen, ist für das Zubereiten der Süßspeise nicht nötig, aber es macht das Rezept interessanter. Zweitens wird auf das Sprachspiel „Zieh mich hoch!“ nicht verzichtet. Die Aufforderung ist nicht wörtlich zu nehmen, und das wird erklärt. Drittens wird ein Parallelismus formuliert, und zwar aus Imperativen: „Zieh“ / „Iss“ / „Probieren Sie“! Diese Formulierung führt zu einer angenehmen Leichtigkeit. Der Imperativ scheint als unkomplizierter Modus zu gelten, denn er wird in den Regelwerken nicht problematisiert, und er wird hier mit ästhetischem Gewinn eingesetzt.

Als dritten Aspekt für die Attraktivität eines Textes haben wir im Modell ein angemessenes Rollenverhalten ausgewiesen. Dieses zeigt sich sprachlich in den Dimensionen Adressierung und Höflichkeit. Adressaten können neutral, aber auch mit markierten Rollen angesprochen werden, z. B. aus der Perspektive einer Autorität, der Fürsorge oder des Kumpels. Das Nähe-Distanz-Verhältnis kann angemessen oder unangemessen gestaltet werden. Immer dann, wenn Texte aus einer Machtdistanz herausgeschrieben werden – der Sender ist wissend und dem Empfänger überlegen –, besteht die Gefahr, dass die dem Adressaten zugewiesene Rolle den Text für diesen unattraktiv macht.

In LS-Texten werden Leserinnen und Leser häufig direkt angesprochen. Dadurch stellt sich die Frage der höflichen Anrede anders als in allgemeinsprachlichen Informationstexten. Duzen oder siezen? Unangemessenes Duzen verstößt gegen die Gebote der Höflichkeit, halten Bredel/Maaß (2016a:508) fest. Es würde naheliegen, im Tiramisu-Rezept zu duzen, weil die Erläuterung der Namensübersetzung ein Du enthält („und du bekommst gute Laune!“) und dies typografisch nicht abgehoben ist. Dennoch wird auf das höfliche Sie gewechselt. Im SPD-Wahlprogramm in LS hingegen fällt das Du auf. Bei den Grünen gibt es keine Anrede. FDP und CDU/CSU siezen in ihren Wahlprogrammen ihre Adressaten. Ist aber das Du in der Wahlbroschüre der SPD unhöflich? Diese Frage ist zu verneinen, da auch in der Langversion des Wahlprogramms der SPD für die Bundestagswahl 2025 geduzt wird. Der Slogan für die Wahl lautete: „Mehr für Dich. Besser für Deutschland.“ In der LS-Version lautet das folgendermaßen: „Die SPD macht Politik für dich.“ Das legere „Du“ ist angemessen, da es in beiden Versionen des Programms eingesetzt wird. Aber einen kleinen Unterschied gibt es doch: Das Anredepronomen „du“ kann man nach Amtlichem Regelwerk korrekt groß- oder kleinschreiben. Während sich die Parteistrategen im Slogan und der allgemeinsprachlichen Version für die Großschreibung entschieden haben, setzen sie in der LS-Version auf die Kleinschreibung. Orthografisch sind beide Lösungen korrekt, stilistisch aber gibt es einen feinen Unterschied: Die Großschreibung wirkt etwas distanzierter und altmodischer, weil sie vor allem gegenüber Adressaten genutzt wird, die vor der Rechtschreibreform im Schreiben sozialisiert wurden. Aber sie ist nicht höflicher.

Wer schreibt, nimmt seinem Adressaten gegenüber eine Rolle ein: als Erklärer, Anweiser, Tröster, Ratgeber, Informant, Erzähler, Beschreiber usw. Und er weist zugleich dem Adressaten eine Rolle zu: als Ratsuchender, Anzuleitender, zu Unterhaltender, zu Informierender, zu Lobender usw. Je mehr diese kommunikativen Rollen in einem asymmetrischen Verhältnis zueinanderstehen, desto stärker ist beim Schreiben auf ausgleichende sprachliche Mittel zu achten, um niemanden zu brüskieren. In LS-Texten kommen meist zwei Aspekte der hierarchischen Überlegenheit zusammen: Die Texte werden von Menschen, die die sogenannte schwere Sprache beherrschen, verfasst oder übersetzt, und ein großer Teil der Texte sind Informations-, Anleitungs- oder Beratungstexte. Die Sender verfügen also gegenüber den Adressaten über höhere Sprachkompetenz und einen Wissensvorsprung. Sie müssen daher besonders aufmerksam für gesichtsbedrohende Wirkungen sein. Das Modell der Face-Threatening-Acts (gesichtsbedrohende Handlungen) nach Brown/Levinson 1987 ist grundsätzlich „sprecherorientiert“ (vgl. Ehrhardt 2018:288), was hier passt, denn auch wir richten den Blick auf die Seite der Produktion. Face-Threatening-Acts können das Ansehen („Gesicht“ bei Brown/Levinson) eines Adressaten bedrohen, und zwar indem dessen Handlungsfreiheit eingeschränkt oder sein Selbstbild ignoriert bzw. abgewertet wird. Ratschläge und Anleitungen, sogar Erklärungen können vom Adressaten als Bedrohungen des Selbst bzw. der Selbstbestimmtheit wahrgenommen werden. In der Allgemeinsprache wird dieser Gefahr mit Mitteln der sprachlichen Höflichkeit begegnet. Viele dieser Mittel zeichnen sich durch Indirektheit aus, die in der LS zu vermeiden ist. Wie also können Schreiber ihre Rolle so gestalten, dass Leser und Leserinnen der LS-Texte sich höflich und wertschätzend angesprochen fühlen?

Bredel/Maaß (2016a:509) empfehlen, die direkte Kommunikation sogar noch zu verstärken und „explizit Kooperation mit dem Gesprächspartner“ zu demonstrieren. Nach der Durchsicht vieler LS-Texte sind wir zur Einschätzung gelangt, dass bei den Schreibern und Übersetzerinnen dieser Texte ein hohes Bewusstsein für Nähe/Distanz und Gefälle zwischen Sender und Empfänger besteht. Das ist ein Unterschied zum Befund, zu dem wir nach der Analyse der Schreibratgeber gelangt sind: Autoren treten dort paternalistisch oder unangemessen kumpelhaft auf (vgl. Burkhalter/Rieder 2022:131–135).

4.4 Schreib so, dass deine Zielgruppe dem Text vertrauen kann!

Den drei Aspekten der Redlichkeit in unserem Modell (assoziationsbewusst, zweckgerecht, sachgerecht) sollte man beim Verfassen von Texten in LS besondere Aufmerksamkeit zukommen lassen. Wir möchten an dieser Stelle daran erinnern, dass wir unser Adressatenorientierungsmodell mit Blick auf Schreibratgeber für die Hochschule entwickelt haben. Dort thematisieren wir das Wort „Redlichkeit“ und seine Herkunft und führen weiter aus, dass sich Redlichkeit darin zeigen könne, dass ein Text seinem Adressaten nicht nur nicht schadet, sondern nützt – diese redliche Haltung gegenüber dem Adressaten gilt es in Texten in LS erst recht einzunehmen.

Die beiden ersten Aspekte der Redlichkeit, das Bewusstsein für Assoziationen und den Textzweck, sind gewissermaßen Klippen, die es zu umschiffen gilt: Es sind dies mögliche unerwünschte „Nebenwirkungen“ eines Textes sowie der Umstand, dass das Gesagte (das Geschriebene) oft nicht dem Gemeinten entspricht, worauf die Erkenntnisse der linguistischen Pragmatik hinweisen. In beiden Fällen ist es wichtig, dass man die sekundären Adressaten im Blick hat respektive die Texte gewissermaßen durch deren Brille liest, um z. B. eine möglicherweise unerwünschte Bedeutung, die durch die Kohärenzleistung von deutschkompetenten Leserinnen und Lesern entstehen kann, nicht entstehen zu lassen. Diese beiden ersten Punkte ließen sich unter dem Titel „Wirkungsbewusstsein“ zusammenfassen, bei beiden geht es darum, der Zielgruppe nicht zu schaden, indem die Textwirkung bedacht wird. Die beiden Aspekte sind aber sowohl theoretisch als auch praktisch – beim Schreiben – auf verschiedenen Ebenen angesiedelt. Assoziationsbewusst ist ein Schreiber oder eine Schreiberin dann, wenn er oder sie Assoziationen, die den Interessen der Zielgruppe entgegenwirken könnten, vermeidet. Zweckgerecht bedeutet, dass das mit einem Text oder einzelnen Aussagen im Text Beabsichtigte möglichst zweifelsfrei realisiert wird. Der dritte Aspekt der Redlichkeit betrifft die Sachgerechtigkeit: Sie zeigt sich darin, „dass der Inhalt über den von der Leserin erwarteten hinausgeht – ein adressatenorientierter Text bedenkt seinen Gegenstand umfassend und gründlich und darf in Folge auch horizonterweiternde Erwartungen nicht bloß er-, sondern sogar übererfüllen.“ (Burkhalter/Rieder 2022:122–123). Erfüllt ein Text diesen Aspekt, ist er nicht nur nicht schädlich, sondern überdies nützlich.

Texte in LS sollen als solche gekennzeichnet sein, was sie von den Texten in sogenannter schwerer Sprache unterscheidet. Es lässt sich nicht von der Hand weisen, dass diese gewollte Unterscheidung resp. ihre Erkennbarkeit diskriminierend ist, stammt doch das Wort ‚diskriminieren‘ vom lateinischen ‚discriminare‘ ab, was ‚trennen, absondern‘ bedeutet. Texte in LS sind betont „anders“ und damit immer im Spannungsfeld zwischen (beabsichtigter) Inklusion und (womöglich bewirkter) Exklusion ihrer Adressaten. Das „Exklusionspotenzial“ (Bock/Fix 2017:145) von LS lässt sich nicht wegdiskutieren. Es wäre nun im Dienste der Redlichkeit, danach zu fragen,

wovon Assoziationen und Zuschreibungen dieser [stigmatisierenden; die Verf.] Art genau hervorgerufen werden: von bestimmten sprachlichen und typografischen Mitteln oder ihrem spezifischen Zusammenspiel, das eben dazu führt, dass den Texten in der Wahrnehmung wenig Sozialprestige zugeschrieben wird (übrigens auch seitens der Adressaten selbst). (Bock/Fix 2017:144–145)

Wenn man mit unserem Modell auch die Nützlichkeit eines (zu schreibenden) Textes für die Zielgruppe im Blick hat, dann wird man versuchen, dieses Exklusionspotenzial möglichst gering zu halten. Gelingen kann das u. E. dadurch, dass der Einsatz von sprachlichen und Gestaltungsmitteln stets mit jenen abgeglichen wird, die in einem vergleichbaren allgemeinsprachlichen Text zum Einsatz kämen, sofern dadurch nicht die Verständlichkeit beeinträchtigt wird. Texte in LS sollten sich u. E. nicht auf den ersten Blick von Texten in sogenannter schwerer Sprache unterscheiden. Eine solche Ähnlichkeit stünde im Dienste der Inklusion. In einem Kochbuch in LS sollten also nicht mehr Personen im Rollstuhl abgebildet sein, als dies in einem vergleichbaren Kochbuch in Allgemeinsprache auch der Fall ist.

Wir haben bereits darauf hingewiesen, dass Texte in LS keine ausgebaute Texthaftigkeit aufweisen, was mit Blick auf ihre Wirkung problematisch sein kann. Deutschkompetente Mitlesende erbringen beim Lesen – auch ohne es zu wollen – eine Kohärenzleistung, wie wir an folgendem Beispiel bereits gesehen haben:

Gegen Gewalt im Sport.

Damit alle gleich behandelt werden.

Gewalt (etwas Schlechtes) und Gleichbehandlung (etwas Gutes oder zumindest gut Gemeintes) stehen in einer Nähe zueinander, die eine unredliche Lesart („Alle sollen die gleiche oder gleich viel Gewalt erfahren“) zumindest nicht ausschließt.

Eine vergleichbare Wirkung kann auch durch das unbedachte Nebeneinanderstellen von Bildern entstehen (Stichwort: Bildlesen). Die unten abgebildete Abbildung soll „Minderheiten in Deutschland“ repräsentieren, wozu z. B. „Menschen mit dunkler Haut-Farbe“, „Menschen mit einer anderen Sprache“, „Jüdische Menschen“, „Menschen, die sich nicht als Frau oder Mann fühlen“ zählen (SPD 2025 b: o. S. [11]). Die Nebeneinanderstellung von fünf queeren Personen (eine davon dunkelhäutig) und einer Synagoge ist im am wenigsten schlechten Falle einfach gedankenlos; sie kann aber auch antisemitisch gelesen werden (im Sinne von: „Wer in die Synagoge geht, ist queer.“) – oder hat man sich einfach nicht getraut, einen Juden oder eine Jüdin wiedererkennbar (also mit stereotypen Merkmalen) zu zeichnen? Diese Frage zeigt die Absurdität der Visualisierung von „Minderheiten in Deutschland“. Im Übrigen kann unter keinem Titel behauptet werden, dass diese Abbildung gesellschaftliche Minderheiten repräsentiert.

Abb. 7 
Minderheiten in Deutschland (SPD 2025 b: o. S. [11])
Abb. 7

Minderheiten in Deutschland (SPD 2025 b: o. S. [11])

Die Juxtaposition von Bild- und/oder Text-Elementen kann zu einer, wenn vielleicht auch nicht beabsichtigten, so doch nicht zu verhindernden Lesart führen und damit die Anliegen eines Textes lächerlich machen. Texte mit einer ausgebauten Texthaftigkeit, in denen nicht eine bloße Juxtaposition, sondern vielmehr eine Komposition von Bild- und/oder Text-Elementen vorliegt, könnte solch diskriminierenden Lesarten entgegenwirken.

Gleiches gilt für sprachliche Kompositionen. Beispielsweise ergibt sich die Bedeutung von Komposita, an denen die deutsche Sprache so reich ist, keineswegs aus der Summe ihrer Einzelelemente, wie man etwa an den Beispielen ‚Junggeselle‘, ‚Weißwein‘ oder ‚bärbeißig‘ sieht. Aus diesem Grund halten wir die Schreibung von Komposita mit Bindestrich (Beispiele in diesem Artikel: ‚Minder-heit‘, ‚Voll-Macht‘, ‚Rassel-Atmung‘) für fragwürdig. Sie führt, wie auch Bredel/Maaß (2016a:337) festhalten, zu einer „Dekomposition“ der Wörter, die Lesende „zu Fehlinterpretationen verleitet“. Die Autorinnen empfehlen daher den Mediopunkt als Alternative zum Bindestrich: Dieser „zeigt die Wortfuge an, ohne den Wortkörper vollständig zu zerstören.“ (ebd.) Mit dem Mediopunkt wird die wortinnere Kleinschreibung beibehalten, was die Zusammengehörigkeit der Wortteile visuell unterstützt: ‚Voll·macht‘, ‚Rassel·atmung‘. Aber auch diese Form der Zerlegung komplexer Wortstrukturen muss insbesondere bei intransparenten Wortbildungen überlegt werden (‚bär·beißig‘, ‚Jung·geselle’), worauf auch Wellmann (2021) hinweist. Sie hat in einer Pilotstudie mit Eyetracking gezeigt, dass der Mediopunkt gegenüber dem Bindestrich sowohl die Fixationszeiten verkürzt als auch das Verstehen erleichtert. Für hoch lexikalisierte oder metaphorische Komposita werde die Trennung aber „‚gefährlicher‘“ (ebd. 40).

Um zu illustrieren, was wir mit Zweckgerechtigkeit meinen, wollen wir kurz auf die linguistische Pragmatik eingehen, denn diese beschäftigt sich mit der Handlungskraft von Sprache. Wir sind der Auffassung, dass den Erkenntnissen der Pragmatik im Kontext der LS umfassende Beschäftigung zukommen sollte. Hier können wir das Phänomen lediglich streifen; dafür beziehen wir uns auf die Sprechakttheorie nach Austin (1975) und Searle (1983). Unter Illokution versteht man bekanntlich die Absicht einer Äußerung. Sie bildet zusammen mit der Lokution (der Äußerung selbst) und der Perlokution (der Wirkung) einen Sprechakt. Die Illokution wird nur in Ausnahmefällen explizit gemacht. In den meisten Fällen bleibt sie unausgesprochen. Sprachkompetente (illokutionsfähige) Sprachverwender wissen das, und sie leiten die Sprachhandlung aus Kontextinformationen ab. Die Sprechakttheorie unterscheidet verschiedene Sprechakttypen. Im Zusammenhang mit der LS für primär relevant erachten wir die informativen (prototypisch: Feststellungen), die direktiven (prototypisch: Aufforderungen) und die kommissiven (prototypisch: Versprechen) Sprechakte. Da die Illokution meist implizit bleibt, kann die Interpretation von Äußerungen als Handlungen gerade bei der Zielgruppe von LS zu Missverständnissen führen. Illokutionen explizit zu machen, betrachten wir daher als redlich: Der Aussagezweck wird transparent und ein Missverständnis vermieden. Wir sehen das in folgendem Beispiel aus einer Wahlbroschüre:

Bitte wähle am 23. Februar die SPD.

Die SPD macht gute Politik für dich.

(SPD 2025 b: o. S. [14])

Der Sprechakt der Aufforderung ist explizit. Im Langprogramm dieser Broschüre gibt es keine Wahlaufforderung, sondern das oben schon zitierte Versprechen: „Mehr für Dich. Besser für Deutschland.“ Das ist natürlich dennoch ein direktiver Sprechakt, also eine Aufforderung, nur eben eine implizite. Derlei ist in der Allgemeinsprache üblich und wird deshalb von Sprachkompetenten richtig interpretiert. Was möglicherweise jedoch irritiert, ist, was auf dieses Versprechen folgt: Hier wird dem Leser nämlich fürs Lesen gedankt: „Fast 26.000 Wörter. 4 große Kapitel. 24 Wahlkampf-Themen. Danke fürs Zeitnehmen und Lesen.“ (SPD 2025 a:65) Dieser Dank ist u. E. herablassend und damit unhöflich – die vereinfachte Version in LS ist hier nicht nur redlich, sondern auch höflich.

Das folgende Beispiel zeigt eine Verkürzung im Sinne von LS, die zwar zu einem expliziten Sprechakt führt. Dies ist aber wohl nicht intendiert, denn die Äußerung ist kaum an ihrem Zweck orientiert. Wir bezeichnen sie daher als unredlich: Auf einem Flugblatt über gesunde Ernährung werden Lebensmittel aufgezählt, die „dein Körper braucht“ (Special Olympics Schweiz). Unten auf der Seite steht dann:

Wenn ich diese Lebens-Mittel esse, bleibe ich gesund.

Abgesehen davon, dass hier ein ungünstiger Perspektivenwechsel vorliegt – „dein Körper“, „Wenn ich (...) esse“ – und dass dieser Satz sachlich falsch ist – auch Leute, die sich gesund ernähren, können erkranken –, liegt hier, wie gesagt, eine allzu verkürzte Formulierung vor, die nicht informativ, sondern kommissiv ist: Der Text verspricht uns, dass wir bei richtiger Ernährung gesund bleiben. Dass der Sprechakt im Gewande einer informativen Formulierung auftritt und nicht mit „wir versprechen“ oder einer ähnlichen Phrase eingeleitet wird, ändert nichts daran. Von sprachkompetenten Leserinnen und Lesern ist zu erwarten, dass sie diesem Versprechen keinen Glauben schenken, für die LS-Zielgruppe aber ist nicht auszuschließen, dass sie das Versprechen wörtlich nimmt.

Sprachliche Vereinfachung in einem LS-Text für junge Menschen, die zu einer alternativen Interpretation geradezu einlud, löste 2022 sogar einen kleinen Skandal aus. Auf dem mittlerweile abgeschalteten Regenbogenportal des Bundesministeriums für Familie, Jugend, Frauen und Senioren (Berlin) wurde über Pubertätsblocker informiert. Vorauszuschicken ist, dass dieser Text kein Label trägt, also nicht nach den üblichen Standards für LS erstellt oder übersetzt wurde. Hier interessiert uns aber nicht die Verständlichkeit, die Ziel der Qualitätsprüfungen ist, sondern das Problem der impliziten Illokution. Im Text stehen folgende Sätze: „Bist du noch sehr jung? Und bist du noch nicht in der Pubertät? Dann kannst du Pubertäts-Blocker nehmen.“ Gedacht war die Aussage wohl als Information über eine Option, gelesen wurde sie von der medialen Öffentlichkeit und besorgten Eltern aber als Empfehlung.

Dieses Beispiel führt uns außerdem zum dritten Aspekt der Redlichkeit: Ein redlicher Text wird der Sache gerecht, die er behandelt. Im Informationstext über Pubertätsblocker wird aber unterschlagen, dass diese enorme Nebenwirkungen haben. Der Text listet einfach verschiedene Möglichkeiten auf, wie medizinisch auf Transsexualität reagiert werden kann. Er ist nicht falsch, er ist auch nicht unverständlich, aber er ist unvollständig – und damit unredlich.

Ein positives Beispiel für „horizonterweiternde“ Darstellung eines Gegenstands liegt mit einer Broschüre zum Thema Sterben vor. Auch dieses Thema ist heikel und die Gefahr der Banalisierung ist groß. Die Broschüre umfasst 22 Seiten und wurde von der deutschen Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie e. V. herausgegeben. Abgesehen von der stereotypen LS-Bildwelt unterscheidet sich die Broschüre kaum von einschlägigen Broschüren in sogenannter schwerer Sprache. So informiert sie über das Sterben, Palliativpflege, Sterbebegleitung, wichtige Dokumente rund um das Sterben sowie Vorstellungen vom Leben nach dem Tod. Die Bezeichnungen „Palliativpflege“ und „Sterbebegleitung“ werden nicht genannt, aber die Begriffe kommen durchaus vor und werden in LS ausgeführt.

Wir halten diese Broschüre deshalb für sachgerecht, weil ihr Inhalt im Wesentlichen einschlägigen Broschüren in Allgemeinsprache entspricht. Anders als in Texten in Allgemeinsprache ist die Gewichtung der Inhalte. Das sieht man insbesondere an der Ausführlichkeit des Glossars (an der großen Zahl der erklärten Wörter und an der Länge der Erklärungen). Dies entspricht dem, was wir mit Redlichkeit meinen: Die sachliche Richtigkeit steht nicht zur Debatte (sie ist ein vom Adressaten unabhängiges Textqualitätsmerkmal), aber je nach Adressat müssen eben gewisse Dinge ausführlicher thematisiert und andere verkürzt oder gar weggelassen werden. Wir vermuten, dass die Wörter „Biografie“, „Hospiz“, „Lebens-Qualität“, „Sterbe-Begleitung“, „Urne“ und „Voll-Macht“ in einem vergleichbaren Text in Allgemeinsprache nicht vorkommen würden. Hier sind sie aber angebracht. Folgende medizinische Fachwörter wären wohl auch in allgemeinsprachlichen Texten zu erwarten: „palliativ“, „Palliative Care“, „Palliativ Station“, „PEG-Sonde“, „Rassel-Atmung“, „Schmerz-Assessment“, „Symptom-Kontrolle“.

Analog zu Texten in sogenannter schwerer Sprache werden hier (redlicherweise) die Dokumente benannt, die für eine selbstbestimmte Gestaltung des Lebensendes relevant sind (in der in Deutschland üblichen Terminologie: Patienten-Verfügung, Voll-Macht, Betreuungs-Verfügung). Die Explizitheit dieser Ausführungen ist insgesamt würdevoll. Mutig finden wir zudem, den Begriff ‚Trauer‘ zu thematisieren.

5 Fazit

Im vorliegenden Aufsatz haben wir versucht zu zeigen, dass Adressatenorientierung mehr ist als Verständlichkeit und dass Texte in LS eine umfassende Adressatenorientierung verdienen. Wir haben Beispiele gezeigt, die verständlich, attraktiv und redlich sind, aber auch Beispiele, bei denen gerade die Fokussierung auf Verständlichkeit die Attraktivität und/oder die Redlichkeit eines Textes mindern. Zugegebenermaßen können die Dimensionen der Attraktivität und der Redlichkeit in einen gewissen Widerspruch zum höchsten Ziel von LS, Verstehen zu ermöglichen, geraten. Dennoch sollten auch diese Aspekte beim Schreiben von oder Übersetzen in LS Berücksichtigung finden.

Das Schreiben adressatenorientierter Texte ist eine höchst anspruchsvolle Aufgabe. Dabei sind viele Einzelaspekte zu bedenken, was sich in der Fülle von Tipps, die z. B. Ursula Bredel und Christiane Maaß in ihren Büchern zur LS Schreiberinnen und Schreibern an die Hand geben, widerspiegelt. Eine besondere Herausforderung besteht darin, diese Einzelaspekte in ein stimmiges Verhältnis zueinander zu bringen. Auch wir haben im vorliegenden Aufsatz viele Details herausgegriffen. Unsere Ausführungen dazu möchten wir in drei Leitgedanken bündeln, die eine Orientierung für adressatenorientiertes Schreiben in LS geben mögen.

Erstens: Orientieren Sie sich an der allgemeinen Schriftpraxis! Auch wenn der „Aufbau von Intertextualitätsrelationen im Hinblick auf das Leichte-Sprache-Textuniversum“ (Bredel/Maaß 2016 a:506) Vorteile haben mag – Stichwort Wiedererkennbarkeit –, sind wir der Meinung, dass der Nachteil der Segregation nicht unterschätzt werden darf. Darum empfehlen wir im Sinne der Inklusion, stets zu hinterfragen, ob Abweichungen von der Gestaltung des Textpendants in Allgemeinsprache wirklich nötig sind. Die Frage „Würde ich das für andere Erwachsene genauso schreiben oder darstellen?“ kann eine diskriminierende Wirkung verhindern helfen.

Zweitens: Achten Sie auf die Geschlossenheit von Texten! Außerhalb des LS-Universums gilt globale Kohärenz als höchstes Textqualitätskriterium. Es ist nicht einzusehen, dass diese in LS-Texten häufig zugunsten lokal begrenzter Kohärenz und (scheinbarer) Vereindeutigung geopfert wird. Eine Bewegung von Satz zu Satz, wie sie in LS-Texten mehrheitlich vollzogen wird, würde man bei allgemeinsprachlichen Texten geradezu vermeiden – die genannte Frage kann vielleicht helfen, in Bezug auf textuelle Geschlossenheit eine bessere Balance zu finden.

Drittens: Überlegen Sie sich genau, wer Ihre Zielgruppe ist! Dieser Imperativ ist eine Mahnung daran, beim Schreiben stets über Regelwerke hinaus zu denken und das eigene Vorstellungs- und Einfühlungsvermögen zu nutzen. Der Imperativ bezieht sich auf alle drei Dimensionen des Modells. Vorstellung und Einfühlung zielen also nicht nur auf die Frage „Werden die Adressatinnen und Adressaten den Text verstehen?“, sondern auch auf die Fragen „Werden sie den Text lesen mögen?“ und „Wird ihnen der Text nützlich sein?“.

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Online erschienen: 2026-02-18

© 2026 bei den Autorinnen und Autoren, publiziert von Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

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Downloaded on 4.5.2026 from https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/les-2026-0004/html?lang=en
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