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Il fuoco del cielo nella terra degli uomini

La fisica ›sacra‹ di un elemento dantesco
  • Marcello Ciccuto EMAIL logo
Veröffentlicht/Copyright: 3. November 2020
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Riassunto

Dante widmet der Beschreibung von Naturphänomenen große Sorgfalt: ganz gleich, ob es um die Bewegung der Sterne oder um die Mondflecken, um geologische Formationen oder das Verhalten von Tieren, die Bewegungen der Erdkugel oder die vielfältigen Phänomene des Lichts geht.

Der Dichter, der seinen Blick auf die irdische Physik richtet, legt großen Wert auf die Kenntnis und Beschreibung des mundus elementatum – dies bereits in den Rime petrose, um nur ein Beispiel zu nennen. Nur scheinbar ist diese Welt von jeder sakralen oder himmlischen Perspektive deutlich abgeschieden (man denke nur an die Themen des Schattens oder des Winters, die alle Elemente der Physik miteinzubeziehen scheinen, oder an gewisse Stellen in Inferno XXIV und XXVI, wo die Bedeutung von Zeichen, die vom Himmel kommen, zwar bestätigt wird, diese aber zugleich so gelesen werden, als seien sie auf die irdische Welt projiziert); in Wirklichkeit trägt sie die Bedeutungen einer höheren, ›sakralen‹ Ebene fast immer schon vom Anfang an in sich. Das beste Beispiel dafür ist der berühmte Vergleich des villanello in Inferno XXVI, wo die Zeichen und Elemente der physischen Natur auf eine Lesart zugerichtet werden, die eher eine jenseitige Hoffnung ausdrückt denn menschliche Schläue. Die menschliche Kondition selbst, eingeschränkt auf begrenzte, ›niedere‹ Werte, erfährt in Dantes Reflexion eine regelrechte Umwertung: Einmal dort, wo es um den Unterschiede zwischen Machen und Erschaffen geht, einmal in der Diskussion über die Mondflecken, wo sich die bezwingende Vorstellung einer Sakralität, die – gut augustinisch – allen menschlichen Dingen innewohnt, einen Weg bahnt. Dieser Umstand wird an vielen Stellen der Commedia deutlich, an denen die Erscheinungsform des Feuers stets ein irdisches Vergleichsmoment mit sich führt. Bis am Ende alles seine deutlichste Auflösung in Beatrices Gesang erfährt, der den ganzen Kosmos in einer Perspektive erfasst, die sich endlich von der Höhe in die Tiefe richtet, um dann in einen Tanz der Sterne zu münden und in die Affirmation eines Feuers und eines Leuchtens, die ›anders‹ sind als die physischen Phänomene, auch wenn sie immer noch umgeben sind von einem Rest Nostalgie für das Menschliche, das nicht weniger werden wird, nicht einmal in der visio ultima des paradiesischen Feuers.


Note

Ho letto questo testo, in una forma ridotta, a Potsdam, nell’ambito delle giornate dedicate al Convegno annuale della Deutsche Dante-Gesellschaft (»Die vier Elemente und ihre Kodierung in Dantes ›Commedia‹«), il 27 ottobre 2019. Lo ripropongo corredato di un minimo di note, mantenendo di quella presentazione anche il tono discorsivo.


Online erschienen: 2020-11-03
Erschienen im Druck: 2020-09-23

© 2020 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

Artikel in diesem Heft

  1. Frontmatter
  2. Frontmatter
  3. Die vier Elemente und ihre Kodierung in Dantes Commedia
  4. Feuer und Flamme
  5. »Aus Liebe zur Wahrheit«
  6. »...l’aere ne tremesse.«
  7. Vom »aer perso« zum »giallo de la rosa sempiterna«: Farbabstufungen von Luft und Erde in der ›Landschaft‹ der Commedia
  8. Il fuoco del cielo nella terra degli uomini
  9. Lectura Dantis: Paradiso VII
  10. Dante à Strasbourg – Studien zum Witte-Archiv in Strasbourg
  11. Einleitung zum Schwerpunkt Dante à Strasbourg – Studien zum Witte-Archiv in Strasbourg
  12. Liebt Dante Gemma?
  13. Philosophiefeindlichkeit und konservatives Denken: Karl Wittes Dante
  14. Die deutsche Dante-Forschung und die italienische ›historische Schule‹: ein Briefwechsel zwischen Karl Witte und Alessandro D’Ancona
  15. Zwischen D’Ancona und Witte: Novati und die Edition der Briefe Dantes
  16. Ein früher Beginn: Karl Witte und Dantes Brief an die Kardinäle
  17. Dante verstehen und missverstehen: zu Karl Wittes Danteinterpretation
  18. Rezensionen
  19. Alessandro Benucci, Poétique de la lumière dans l’Enfer et le Purgatoire de Dante, Limoges, Éditions Lambert-Lucas 2017, 240 S.
  20. Ruedi Imbach, Minima mediaevalia. Saggi di filosofia medievale, Roma, Aracne 2019 (Flumen Sapientiae; 10), 356 S.
  21. Stephanie Heimgartner und Monika Schmitz-Emans (Hrsg.), Komparatistische Perspektiven auf Dantes ›Divina Commedia‹. Lektüren, Transformationen und Visualisierungen, Berlin/Boston, De Gruyter 2017, 383 S.
  22. Judith Kasper, Der traumatisierte Raum. Insistenz, Inschrift, Montage bei Freud, Levi, Kertész, Sebald und Dante, Berlin/Boston, De Gruyter 2016, 294 S.
  23. Bibliographie
  24. Deutsche Dante-Bibliographie 2019
Heruntergeladen am 10.1.2026 von https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/dante-2020-0006/pdf
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