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Vision und Strategieentwicklung der Österreichischen Nationalbibliothek

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Veröffentlicht/Copyright: 11. April 2018

Zusammenfassung

Die Strategie 2017–2021 der Österreichischen Nationalbibliothek orientiert sich an ihrer Vision 2025, mit der 2012 erstmals die längerfristigen Zukunftsperspektiven der Bibliothek einer breiten Öffentlichkeit präsentiert wurden. Die Ausarbeitung der Strategie erfolgte durch thematische Arbeitsgruppen, die konkrete Ziele und Maßnahmen entwickelten. Sowohl der Prozess der Strategieentwicklung, als auch die daraus resultierenden Projekte werden ausführlich erläutert.

Abstract

The strategy 2017–2021 of the Austrian National Library is based on the Vision 2025, the long-term future perspectives of the library that were presented to the public in 2012. The strategy was developed in thematic working groups that defined specific objectives and measures. Both the process of strategy development and the resulting projects are explained in detail.

1 Einleitung

Die Österreichische Nationalbibliothek ist seit 2002 als vollrechtsfähige Institution aus der unmittelbaren Bundesverwaltung ausgegliedert und agiert als autonomes Unternehmen. Ihre Grundlage als zentrale Archivbibliothek des Landes ist dabei der im Bundesmuseen-Gesetz bzw. der Bibliotheksordnung festgelegte generelle gesetzliche Auftrag. Als Unternehmen unterliegt die Bibliothek den Grundsätzen der Betriebswirtschaftslehre und somit können auch die Prinzipien des strategischen Managements und der Strategieentwicklung angewandt werden. Steinsieck stellt dazu fest, dass „das strategische Management die Aufgabe hat, die Unternehmensziele festzulegen, Strategien mit Zwischenzielen zu deren Erreichung zu entwickeln, diese zu implementieren und zu kontrollieren“.[1]

In einer Zeit, in der sich die gesellschaftlichen und technologischen Rahmenbedingungen für Bibliotheken rasch verändern, kommt der strategischen Planung eine eminente Bedeutung zu. Es gilt, eingeübte Wege und übernommene Aufgaben permanent zu hinterfragen und für neue Entwicklungen offen zu sein. Welche Funktion haben Bibliotheken in der Wissensgesellschaft von morgen? Welche aktuellen Entwicklungen müssen sie heute schon aufgreifen, um den Anforderungen ihrer Benutzer auch in Zukunft gerecht zu werden? In der Österreichischen Nationalnationalbibliothek hat daher die Strategieentwicklung und -umsetzung seit Jahren einen hohen Stellenwert.

Im vorliegenden Artikel werden sowohl der Prozess der Strategieentwicklung, als auch die daraus resultierenden Projekte ausführlich erläutert.

2 Vision 2025

Im Herbst 2012 stellte die Österreichische Nationalbibliothek unter dem Titel Vision 2025 – Wissen für die Welt von morgen[2] ihre langfristigen Zukunftsperspektiven der Öffentlichkeit vor. Mit dieser visionären Positionsbestimmung setzte die Bibliothek einen wichtigen Schritt, um ihr Selbstverständnis und ihre Aufgaben in der Wissensgesellschaft von morgen zu reflektieren und ihre Entwicklungspotentiale darzustellen.

Die Festlegung ihres zukünftigen Weges orientiert sich an klar formulierten Werten, denen die Österreichische Nationalbibliothek als eine der zentralen Gedächtnisinstitutionen dieses Landes und als nationales Symbol für eine offene, demokratische Gesellschaft verpflichtet ist. Folgende grundlegenden gesellschaftlichen Werte bilden den Ausgangspunkt der Vision 2025:

  1. Freier Zugang zum Wissen: Wissen muss für alle zugänglich sein: Bibliotheken können ihre gesellschaftliche Aufgabe nur erfüllen, wenn sie einen offenen und niederschwelligen Zugang zu dem von ihnen bewahrten Wissen ermöglichen.

  2. Innovation: Neues entsteht immer auf der Basis des vorhandenen Wissens. Die Österreichische Nationalbibliothek versucht, Innovationen in allen Richtungen zu fördern bzw. selbst umzusetzen.

  3. Bildung: Die Österreichische Nationalbibliothek versteht sich als vielfältige Bildungsinstitution. Nur auf der Grundlage gebildeter, kritischer Staatsbürger ist Demokratie möglich.

  4. Verantwortung: Die Österreichische Nationalbibliothek ist dafür verantwortlich, das ihr anvertraute Erbe langfristig und möglichst umfassend zu bewahren. Dies ist Grundlage für Wissensfortschritt, kulturelle Identität und auch die Möglichkeit, unsere Zukunft aktiv zu gestalten.

Der im Bundesmuseen-Gesetz ausgesprochene gesetzliche Auftrag an die Österreichische Nationalbibliothek bezieht sich auf den „Ausbau, die wissenschaftliche Bearbeitung und Erschließung, die Bereitstellung und langfristige Erhaltung sowie die Verwaltung des ihr [...] überlassenen oder von ihr erworbenen Sammlungsgutes“.[3] Zusammen mit den oben genannten Werten lassen sich daraus die fünf Leitlinien der Vision 2025 ableiten, die als grundlegende Orientierungspunkte für die zukünftige strategische Weiterentwicklung der Bibliothek fungieren:

  1. Unsere Bestände sind digitalisiert.

  2. Bis 2025 wird ein großer Teil des Buchbestands der Österreichischen Nationalbibliothek digital zugänglich und damit weltweit frei online abrufbar sein. Die Textdokumente sind weitgehend durch Volltexte erschlossen. Nach Maßgabe der rechtlichen Möglichkeiten stellt die Bibliothek ihre digitalen Inhalte uneingeschränkt zur Verfügung. Die digitalen Bestände sollen über eine einheitliche, benutzerfreundliche Plattform zugänglich gemacht werden. Auch eine Nutzung auf mobilen Endgeräten und über andere Kanäle ist möglich. Neben den wichtigsten Beständen werden auch weitere Serviceleistungen online angeboten.

  3. Wir sammeln und sichern Wissen in jeder Form.

  4. 2025 liegt der Schwerpunkt der Sammlungspolitik der Österreichischen Nationalbibliothek im Online-Bereich, da der Großteil der Publikationen digital erscheint. Gleichzeitig wird durch Erwerbungen sichergestellt, dass die Sammlungen auch 2025 ihre herausragende Funktion in der Bewahrung des kulturellen Erbes Österreichs und Europas erfüllen. Die langfristige Erhaltung der digitalen und physischen Bestände wird durch Maßnahmen im Bereich der digitalen Langzeitarchivierung sowie durch die konsequente Umsetzung des Restaurierungsmasterplans gewährleistet.

  5. Der Zugang zu unserem Wissen ist einfacher.

  6. Die Bestände der Österreichischen Nationalbibliothek sind 2025 in einem einheitlichen Nachweissystem erfasst, das auch einen direkten Zugriff auf die digitalen („born digital“) und digitalisierten Inhalte ermöglicht. Durch Datenanreicherung (wie Verknüpfung mit Geo-Daten) werden die Bestände besser nutzbar und die Präzision von Suchmaschinen steigt. Metadaten werden als „Open Data“ in standardisierter Form zur allgemeinen Nutzung zur Verfügung gestellt.

  7. Durch uns ist Forschung vielfältiger und effektiver.

  8. Die Österreichische Nationalbibliothek macht ihre digitalisierten Bestände über standardisierte Datenschnittstellen zugänglich und ermöglicht es so Forschern, etwa aus den Digitalen Geisteswissenschaften, direkt mit den Daten weiter zu arbeiten. Auf Basis einer virtuellen Forschungsplattform können Forschern auf ihre jeweiligen Bedürfnisse zugeschnittene Leistungen angeboten werden. Editions- und Erschließungsprojekte sind meist mit einer Digitalisierung der Originaldokumente verbunden und werden in internationaler Zusammenarbeit im Rahmen von Forschungsinfrastrukturen durchgeführt. Bucheditionen sind weitgehend durch Hybrideditionen und digitale Editionen abgelöst.

  9. Wir bereichern das kulturelle und gesellschaftliche Leben.

  10. Die Österreichische Nationalbibliothek ist mit ihren digitalen Services, Lesesälen, den Museen und Ausstellungen ein Garant für die Vermittlung des reichhaltigen kulturellen Erbes. Die Bibliothek fördert die größtmögliche Partizipation und Interaktion der Benutzer mit den digitalen Inhalten und stellt Ressourcen zur Verfügung, die Nutzerbeteiligung ermöglichen.

  11. Genauso wichtig ist die Bibliothek als sozialer realer Ort. In den musealen Bereichen werden Bestände mit Ausstellungsaktivitäten vernetzt. Zudem werden Veranstaltungen und Vermittlungsmaßnahmen weiter ausgebaut, wobei ein besonderer Schwerpunkt in der Kulturvermittlung für Schulen liegt.

Der hier aufgezeigte Weg in die Zukunft entspricht auch dem Leitbild der Österreichischen Nationalbibliothek als dienstleistungsorientiertem Informations- und Forschungszentrum, als herausragender Gedächtnisinstitution des Landes und als vielfältigem Bildungs- und Kulturzentrum.

3 Von der Vision zur Strategie

Die Vision 2025 dient als Basis für den gesamten Strategieentwicklungsprozess der Österreichischen Nationalbibliothek. Mit den Strategieplänen werden diese ambitionierten Leitlinien schrittweise in konkrete Ziele und Maßnahmen umgesetzt. Was sind die thematischen Schwerpunkte, mit denen sich die Österreichische Nationalbibliothek in ihren strategischen Zielsetzungen im Detail befasst?

2016 ging die letzte fünfjährige Strategieperiode der Österreichischen Nationalbibliothek zu Ende. Eine ganze Reihe zukunftsweisender Themen wurden zwischen 2012 und 2016 erfolgreich umgesetzt, darunter etwa die Volltextsuche für digitalisierte Bestände, Online-Tools für die Informationsservices wie Ask a Librarian oder der Live Chat sowie die erstmalige Präsenz der Bibliothek in sozialen Netzwerken.[4]

Welche Fragestellungen sollten nun die folgenden fünf Jahre bestimmen? Zuerst wurden selbstverständlich die Erfahrungen aus der Vorperiode reflektiert. Es war das Ziel, bestmöglich auf den Strategieplan 2012–2016 aufzubauen und Erkenntnisse und Themen aus dieser Periode aufzugreifen. Natürlich musste diesbezüglich auch geprüft werden, ob nach fünf Jahren die Ausrichtung noch stimmte. Besonders in technischen Belangen stellen sich fünf Jahre als langer Zeithorizont dar, in dem man auf geänderte Rahmenbedingungen reagieren muss. Somit war es einerseits das Ziel der nächsten Strategieperiode ab 2017, laufende Initiativen voranzutreiben und andererseits aktuelle und zukunftsweisende Themen einzubringen.

Was sind die Aufgaben bei der Bestandsdigitalisierung im Anschluss an das große Google-Kooperationsprojekt Austrian Books Online? Welche Weichenstellungen – etwa im österreichischen Mediengesetz – sind notwendig, damit die Österreichische Nationalbibliothek Information in allen heute aktuellen Formen wie z. B. E-Books und E-Papers langfristig sichern kann? Welche neuen Formen der Vermittlung stehen Bibliotheken heute offen? Die zukunftsweisende Präsentation von Beständen, Nutzerpartizipation und Digitale Geisteswissenschaften sind einige der Entwicklungen, die von der Österreichischen Nationalbibliothek in den nächsten Jahren aufgegriffen werden. Diese und eine ganze Reihe weiterer Themen sind Teil der Strategie 2017–2021. Die Österreichische Nationalbibliothek kommt damit der Umsetzung ihrer Vision 2025 um einige wichtige Schritte näher.

4 Prozess der Strategieentwicklung

Laut Steinsieck soll systematische Strategieentwicklung als

„ein Prozess verstanden werden, der geeignet ist, eine schriftlich fixierte Strategie entstehen zu lassen, die zeitlich befristet ist, konkrete Zielsetzungen beinhaltet und nach außen kommuniziert wird. Damit wird der Begriff einerseits abgegrenzt gegenüber Prozessen zur Formulierung von Leitbildern, die in der Regel keine zeitliche Befristung aufweisen, und andererseits auch gegenüber allgemeinem ‚strategischen Handeln‘ der Bibliotheksleitung.“[5]

Die Herangehensweise der Österreichischen Nationalbibliothek entspricht dieser Definition und wird anhand der aktuellen Strategieperiode näher beschrieben.

Grundsätzlich beginnt der Strategieentwicklungsprozess im Herbst des vorletzten Jahres der laufenden Periode und somit über ein Jahr vor Beginn der neuen Periode, d. h., die Planung für die Umsetzung ab 2017 startete bereits im Herbst 2015. Aufgrund der raschen Veränderungen der technologischen Rahmenbedingungen wurde angedacht, die Periodendauer von fünf auf drei Jahre zu verkürzen. Allerdings zeigte sich bald, dass die Fülle an Ideen und Vorhaben den kürzeren Zeitrahmen sprengen würde. Somit wurde als Zeithorizont erneut die bewährte Dauer von fünf Jahren und der Zeitraum 2017–2021 definiert.

Am Beginn der Strategieentwicklung steht die Themenfindung, die in einem Brainstorming mit Geschäftsführung, Arbeitsgruppen-Leitern aus der laufenden Strategieperiode und ausgewählten Führungskräften gestartet wird. Ein von der Geschäftsführung mit der Koordination betrauter Mitarbeiter nimmt die aktuellen Fragestellungen auf, strukturiert diese und erarbeitet einen Vorschlag für die Zusammensetzung der einzelnen Strategie-Arbeitsgruppen. Bereits in dieser ersten Phase der Strategieentwicklung ist die breite Beteiligung von Experten des Hauses ein wichtiger Aspekt. Grundsätzlich werden alle Mitarbeiter ermutigt, ihr Fachwissen und ihre Ideen für die Zukunft der Österreichischen Nationalbibliothek einzubringen.

Für die Strategieperiode 2017–2021 wurden elf Arbeitsgruppen mit ca. 50 Experten aus unterschiedlichen Bereichen des Hauses eingesetzt. Für jede Arbeitsgruppe wird ein Leiter ernannt, die Teammitglieder werden von dem Strategie-Koordinator oder dem Arbeitsgruppen-Leiter nominiert bzw. es gibt in einigen Bereichen auch Aufrufe zur freiwilligen Beteiligung. Da zahlreiche Arbeitsgruppen technische Aspekte beinhalten, sind Mitarbeiter von IT-Abteilung und/oder Digitaler Bibliothek in den meisten Teams vertreten.

Die intensive Zusammenarbeit in neu zusammengestellten Arbeitsgruppen, die binnen kurzer Zeit und zusätzlich zu ihren Linienaufgaben produktiv arbeiten müssen, stellt eine große Herausforderung an alle Beteiligten dar. Neben der Möglichkeit zur Mitgestaltung (intrinsische Motivation!) bieten die Arbeitsgruppen den Nutzen der Vernetzung mit Kollegen und die Chance zur Profilierung.

Um die Koordination zwischen den einzelnen Arbeitsgruppen sicherzustellen, finden regelmäßige Arbeitsgruppen-Leiter-Meetings statt, bei denen Fortschritte, wechselseitige Abhängigkeiten und offene Fragen behandelt werden.

Der Ablauf der Strategieentwicklung nahm wie eingangs beschrieben über ein Jahr in Anspruch:

  1. Der Strategieentwicklungsprozess für die Periode 2017–2021 begann im Herbst 2015 mit Themenfindung und Zusammensetzung der Arbeitsgruppen.

  2. In einer intensiven Konzeptionsphase im ersten Halbjahr 2016 arbeiteten die Experten in den Arbeitsgruppen an zahlreichen Vorschlägen für konkrete Umsetzungsmaßnahmen. Bis Ende April 2016 legten alle Arbeitsgruppen ihre Zwischenberichte vor, die mit der Geschäftsführung diskutiert und abgestimmt wurden.

  3. Im weiteren Verlauf der Strategieentwicklung wurden die Konzepte verfeinert und konkrete Zeit- und Ressourcenpläne definiert. Die Endberichte konnten im Juni 2016 der Geschäftsführung übergeben werden und dienten als wichtige Basis für die heranrückende Budgetplanung im Herbst.

  4. Bevor eine endgültige Entscheidung über die Umsetzung der Maßnahmen und die dafür notwendigen Gesamtressourcen getroffen werden konnte, erfolgten über den Sommer mehrere Anpassungsrunden, bei denen Budgets, Personalbedarf und Leistungsumfang laufend adaptiert wurden.

  5. Das akkordierte Gesamtpaket wurde schließlich im September 2016 im Rahmen einer zweitägigen, externen Strategie-Klausur präsentiert und von der Geschäftsführung abgesegnet. An der Veranstaltung nahmen neben der Geschäftsführung und Mitgliedern aus den Strategie-Arbeitsgruppen auch Führungskräfte des Hauses aus anderen Bereichen teil. Die Klausur wurde durch ein externes Moderationsteam unterstützt.

  6. Natürlich ist die Bekanntmachung der Strategie ein wichtiges Element des gesamten Prozesses. Alle Mitarbeiter der Österreichischen Nationalbibliothek wurden zu einer Informations-Veranstaltung eingeladen, bei der die Vorhaben kurz vorgestellt wurden. Die rege Teilnahme und Diskussion im Anschluss zeigte das große Interesse der Mitarbeiter und die hohe Identifikation mit den Zielsetzungen.

  7. Mit Jahresbeginn 2017 wurde schließlich die Umsetzung der geplanten Maßnahmen begonnen und die strategischen Ziele 2017–2021 in Form einer Broschüre der Öffentlichkeit präsentiert.[6]

  8. Die Projektfortschritte und die Umsetzung der Maßnahmen werden jährlich im Zuge der Budget- und Zielgespräche mit der Geschäftsführung erörtert und gegebenenfalls die Projektpläne angepasst. Zur Halbzeit der Strategieperiode, d. h. etwa Mitte 2019, ist eine Zwischenevaluierung der Strategie 2017–2021 geplant, um Fortschritte, Ausrichtung und Rahmenbedingungen zu überprüfen und die Planung bei Bedarf anzupassen.

5 Strategie 2017–2021

Die thematischen Schwerpunkte der Arbeitsgruppen und daraus resultierende Projekte in den kommenden fünf Jahren sind:

5.1 IT-Infrastruktur

Ziel ist der Ersatz der vorhandenen FlexPod-Infrastruktur durch eine Hyper-Converged-Architektur und der Ersatz der Bearbeiter-Terminals durch eine Virtual Desktop Infrastructure (VDI). Dadurch werden Serverarchitektur und Thinclients auf den letzten Stand der Technik gebracht und eine bedarfsgemäße und verlässliche Infrastruktur für virtuelle Maschinen und VDI implementiert.

5.2 Aleph-Nachfolgesystem ALMA

Im Rahmen der Weiterentwicklung internationaler Standards (Cloud Computing, vermehrte Produktion von „born digital“ Publikationen) stellt der Österreichische Bibliothekenverbund auf neue Technologien um und implementiert das Bibliotheksverwaltungssystem ALMA. Die Österreichische Nationalbibliothek nimmt an dieser Entwicklung teil und wird – nach umfangreichen technischen und bibliothekarischen Vorbereitungen sowie intensiven Schulungsmaßnahmen – Anfang 2018 auf dieses neue Bibliotheksverwaltungssystem umsteigen.

5.3 Applikationen

Nach einer Evaluierung der unterschiedlichen IT-Applikationen der Österreichischen Nationalbibliothek wurde als Ziel die Vereinheitlichung der Software-Architektur sowie die Bearbeitung aller Sammlungsbestände in einem einheitlichen System definiert. Dadurch sollen erhöhte Datensicherheit und verbesserte Nutzungsmöglichkeiten der Bestände für Leser erreicht werden.

5.4 Digitalisierung

Die Portale ANNO (AustriaN Newspapers Online) und ALEX (historische Rechtstexte online) werden jährlich um rund eine Million Seiten erweitert. ALEX soll textlich durchsuchbar gemacht werden. Ebenfalls geplant ist es, die in den letzten Jahren im Rahmen der Schutzdigitalisierung gescannten Bücher für die Volltextsuche aufzubereiten. Die Österreichische Nationalbibliothek wird ein Konzept zur Digitalisierung von Bildmaterial auf unterschiedlichem Trägermaterial (wie beispielsweise Glasplattennegativen) erstellen und mit der Umsetzung beginnen. Die Digitalisierung von Papyrusbeständen im Rahmen des Forschungsprojektes der Mellon-Foundation wird fortgesetzt.

5.5 Austrian Books Online

Im Rahmen von Austrian Books Online, der seit 2011 laufenden Public-Private-Partnership mit Google, wird der gesamte urheberrechtsfreie historische Buchbestand der Österreichischen Nationalbibliothek – etwa 600 000 Bände – digitalisiert. Die Digitalisierung von rund 500 000 Werken, darunter jene aus dem Prunksaal, ist bereits umgesetzt, 2018 wird das gesamte Projekt abgeschlossen sein.

Alle Werke sind im Volltext kostenfrei über die Digitale Bibliothek sowie über Google Books zugänglich und werden in Zukunft auch über eine Datenschnittstelle für Projekte aus den Digitalen Geisteswissenschaften verfügbar sein.

5.6 Portale/Visualisierung

Der erste Schritt ist die Einrichtung eines zentralen digitalen Repositorys zur Verwaltung und Bereitstellung aller digitalen Objekte der Österreichischen Nationalbibliothek. Benutzer werden in Zukunft über einen zentralen Einstiegspunkt auf alle digitalen Inhalte der Österreichischen Nationalbibliothek zugreifen können, unabhängig davon, um welchen Medientyp (z. B. Bilder, Ton-Dokumente, Bücher) es sich handelt und aus welcher Sammlung die Objekte stammen. Der bestehende Digitale Lesesaal wird in der Folge durch ein neues Portal abgelöst, das einen zeitgemäßen Zugang zu allen Digitalisaten ermöglicht, inklusive Suchmöglichkeiten und Präsentation von thematischen Sammlungen. Auch die Portale AKON (Ansichtskarten Online), ANNO und ALEX werden auf Basis dieses zentralen Repositorys neu implementiert.

5.7 Kataloge/Bearbeitung

Die Zielsetzungen in diesem Bereich umfassen zwei Projekte: Im Kartenprojekt werden rund 9 200 Datensätze zu unselbstständigen („versteckten“) Karten in Codices und historischen Druckschriften bearbeitet und in den Online-Bibliothekskatalog überführt. Beim Projekt Item-Erstellung werden Fortsetzungswerke in der Kartensammlung und der Musiksammlung der Österreichischen Nationalbibliothek, deren Ausgaben noch nicht einzeln im Online-Katalog aufgeführt sind (insgesamt 23 180 Bände), bearbeitet.

5.8 Schnittstelle Bestandsaufbau und Bearbeitung/Digitale Bibliothek

Um den Änderungen der Publikationskultur Rechnung zu tragen, hat die Österreichische Nationalbibliothek bereits im Jahr 2009 eine wichtige Novelle des Mediengesetzes zur Sammlung von Online-Medien erwirkt. Die Ablieferungspflicht gilt allerdings vorrangig für gedruckte Ausgaben. Die Österreichische Nationalbibliothek setzt sich für eine Ausdehnung der Pflichtablieferung auf E-Publikationen ein und befindet sich diesbezüglich bereits in Verhandlungen mit wichtigen Stakeholdern.

Um die zu erwartenden großen Mengen digitaler Publikationen bewältigen zu können, werden entsprechende Prozesse und Werkzeuge konzipiert. Ziel ist einerseits eine möglichst effiziente Abwicklung der Ablieferung durch Verlage bzw. Aggregatoren, andererseits die Sicherstellung der weiterhin hohen Qualität der Erschließung zur Auffindbarkeit und Nutzung der Publikationen durch Leser.

5.9 Linked Open Data

Hauptziel ist es, eine für alle Sammlungsbereiche der Österreichischen Nationalbibliothek einheitliche Linked-Data-Plattform aufzubauen, die es ermöglicht, Daten und Bestände einfach in Beziehung zueinander zu setzen und schon bestehende Beziehungen sicht- und abfragbar zu machen. Die Plattform soll die aufbereiteten Daten über Downloads zur Verfügung stellen und interaktive und explorative Abfragemöglichkeiten entwickeln.

5.10 Digital Humanities

Die Österreichische Nationalbibliothek möchte die Zusammenarbeit mit Forschern aus dem Feld der Digitalen Geisteswissenschaften (Digital Humanities) intensivieren. Geplant ist eine Plattform für Digitale Editionen, die für zukünftige Editionsprojekte verwendet werden und die Nachhaltigkeit und verbesserte Nutzbarkeit der Digitalen Editionen sicherstellen soll. Als Plattform für die innovative Weiternutzung digitaler Datenbestände für wissenschaftliche, aber auch für kreative und künstlerische Projekte werden Library Labs entwickelt. Zu verschiedenen Themen werden Hackathons veranstaltet und die innovativsten und kreativsten Projekte prämiert.

5.11 Crowdsourcing

Die Österreichische Nationalbibliothek wird Crowdsourcing-Projekte mit ausgewählten Bildbeständen durchführen. Hierfür wird eine Crowdsourcing-Plattform entwickelt. Geplante Crowdsourcing-Projekte sind z. B. die Georeferenzierung von Bildmaterial, die Identifikation von Personen und Orten auf Bildern sowie die Korrektur von automatisiert vergebenen Metadaten.

Darüber hinaus gibt es weitere hausübergreifende Themenfelder (z. B. Aus- und Fortbildung), die in dauerhaft eingerichteten Arbeitsgruppen organisiert sind und parallel zur Strategie 2017–2021 ihre Aktivitäten planen und ausführen.

6 Fazit

Strategieplanung wird in einer Zeit rascher dynamischer Veränderungen immer wichtiger. Auch Bibliotheken müssen sich laufend an technische Entwicklungen anpassen, neue Aufgaben übernehmen und Chancen ergreifen, wollen sie ihren Platz als Informations- und Bildungszentren in der modernen Wissensgesellschaft behaupten und ihre Zukunft aktiv gestalten. Der aufwendige und ambitionierte Strategieentwicklungsprozess der Österreichischen Nationalbibliothek zeigt, welch hohen Stellenwert die strategische Planung in der Bibliothek einnimmt.

Mit dem Abschluss der Strategieperiode 2012–2016 und der Festlegung der strategischen Zielsetzungen für 2017–2021 wurden weitere bedeutende Schritte zur Konkretisierung und Umsetzung jener generellen Leitlinien gemacht, die die Österreichische Nationalbibliothek in ihrer Vision 2025 vorgelegt hat.

Aktuelle Themen und Initiativen wurden aufgegriffen, um die Stellung der Österreichischen Nationalbibliothek als zentrales Informations-, Bildungs- und Forschungszentrum und nationale Gedächtnisinstitution weiter auszubauen.

Über den Autor / die Autorin

Mag. Michaela Mayr

Literaturverzeichnis

Bundesmuseen-Gesetz (2002): Bundesmuseen-Gesetz. Verfügbar unter https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=20001728.Suche in Google Scholar

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Steinsieck, Andreas (2013): Strategieentwicklung als Methode modernen Bibliotheksmanagements – ein internationaler Überblick. In: Perspektive Bibliothek, 2 (2), 104–28. https://doi.org/10.11588/pb.2013.2.11245.Suche in Google Scholar

Online erschienen: 2018-4-11
Erschienen im Druck: 2018-4-4

© 2018 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

Artikel in diesem Heft

  1. Titelseiten
  2. Inhaltsfahne
  3. Monika Cremer zum 75. Geburtstag
  4. Open Access, Open Data und die digitale Transformation
  5. Open Access: Wissenschaft, Verlage und Bibliotheken in der digitalen Transformation des Publikationswesens
  6. Open Access und Open Data – Wo stehen wir?
  7. The Dutch Approach to Achieving Open Access
  8. An der Schwelle zur Transformation: „alte“ und „neue“ Lizenzmodelle im Überblick
  9. Zukunftsgestalter in Bibliotheken 2017 Preisträger
  10. Der Integrierte Katalog der Mediathek der Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel
  11. Wissen kommt von Machen
  12. Zukunftsgestalter in Bibliotheken 2017 Weitere Projekte
  13. Informationskompetenz online: Mit lebendigen Webinaren neue Zielgruppen individuell ansprechen
  14. Know how to do better Know-how
  15. Bibliothek im Wandel: Die (Weiter-)Entwicklung der Bereichsbibliothek Medizin der SUB Göttingen als Lern-, Arbeits- und Kommunikationsort von 2013 bis heute
  16. Vornweg statt hinterher
  17. Publikationsunterstützung an der Universität Graz: Themen, Zielgruppen, Formate
  18. Weitere Beiträge
  19. Vision und Strategieentwicklung der Österreichischen Nationalbibliothek
  20. Berta Zuckerkandl – Netzwerkerin der Wiener Moderne: Über die Sammlungen Emile Zuckerkandl an der Österreichischen Nationalbibliothek
  21. Neue Online-Aktivitäten der Österreichischen Nationalbibliothek
  22. Aktuelle Entwicklungen an den österreichischen Bibliotheken 2016
  23. Die Habsburg-Lothringische Familien-Fideikommissbibliothek vom Tod Kaiser Franz I. 1835 bis zu ihrer Eingliederung in die Nationalbibliothek der Republik Österreich 1921
  24. Bibliographische Übersichten
  25. Zeitungen in Bibliotheken
  26. Rezensionen
  27. Graham Jefcoate (Ed.) (2017): A Catalogue of English Books Printed before 1801 Held by the University Library at Göttingen. Comp. by Gusti Grote and Sabine Eschenburg. With the assistance of Günter Kükenshöner. Part 4 (Acquisitions and Archival Records), Vol. 1 (Books printed before 1701. Books printed between 1701 and 1800: A–E), Vol. 2 (Books printed between 1701 and 1800: F–Z). Hildesheim, Zürich, New York: Olms-Weidmann.
  28. Sven Kuttner und Peter Vodosek (Hrsg.): Volksbibliothekare im Nationalsozialismus. Handlungsspielräume, Kontinuitäten, Deutungsmuster. Wiesbaden: Harrassowitz Verlag, 2017 (= Wolfenbütteler Schriften zur Geschichte des Buchwesens, Band 50), 324 Seiten, 74 €
Heruntergeladen am 16.4.2026 von https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/bfp-2018-0016/html
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