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GOTHA.digital – Portal für übergreifende Sammlungsforschung

  • Hendrikje Carius

    Dr. Hendrikje Carius

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    and Susanne Rückert

    Susanne Rückert

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Published/Copyright: September 6, 2023
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Zusammenfassung

Seit April 2023 steht am Sammlungs- und Forschungsstandort Gotha die Plattform GOTHA.digital zur Verfügung. Das integrierte digitale Portal bietet einen Such-, Präsentations- und Forschungsraum für die Gothaer Sammlungen. Es vereint Daten, Objekte und Sammlungen in digitaler Form und erleichtert damit die umfassende Erforschung des historischen Zusammenhangsmaterials, das heute in verschiedenen Institutionen bewahrt wird. In diesem Beitrag wird das Projekt zum Aufbau des Portals sowie seine Komponenten, technischen Grundlagen und zukünftige Perspektiven vorgestellt.

Abstract

In April 2023, the integrated platform GOTHA.digital was launched by the Gotha Collection and Research Centre, providing a new site to present, search and do research in various collections in Gotha. In a combination of data, objects, and collections in digital form, the platform facilitates comprehensive research of the historical contextual materials across different institutions. This article describes the portal’s development and introduces its components, technical foundations and future perspectives.

1 Zur Gothaer Sammlungslandschaft

Der Gothaer Friedenstein bewahrt herausragende Sammlungen in ihrem historisch überlieferten Sammlungszusammenhang. Mit seinen Handschriften, Archivalien, historischen Drucken, Karten und musealen Objekten bietet er ein eindrucksvolles Sammlungsensemble europäischer Hof-, Gelehrten- und Wissenskultur. Dazu gehören die zwischen 1640 und 1825 zusammengetragenen Sammlungen des Herzogtums Sachsen-Gotha-Altenburg sowie die bis 1945 in Gotha gesammelten Bestände des Herzoghauses Sachsen-Coburg und Gotha. Hinzu kommt das Firmenarchiv des im 19. und frühen 20. Jahrhundert weltweit führenden kartographisch-geographischen Fachverlags Justus Perthes Gotha. Die universell ausgerichteten herzoglichen Sammlungen, die aus der Praxis höfischer Repräsentation und Gelehrsamkeit erwachsen sind, stehen in multiplen Sinnzusammenhängen und Referenzbezügen zueinander.

Die historischen Materialien sind in situ bewahrt. Sie werden heute von verschiedenen Institutionen betreut: die zur Universität Erfurt gehörende Forschungsbibliothek Gotha, das Landesarchiv Thüringen – Staatsarchiv Gotha und die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha. Mit dem Forschungskolleg Transkulturelle Studien / Sammlung Perthes und dem Forschungszentrum Gotha tragen zudem weitere wissenschaftliche Einrichtungen der Universität Erfurt zur Erforschung und Vermittlung der Gothaer Sammlungen bei.

Der skizzierte historisch-genetische Zusammenhang ist heute nicht mehr ohne weiteres nachvollziehbar: Die genannten Institutionen erfassen und präsentieren ihre Erschließungsdaten, Objekte und Sammlungen aktuell in über 20 unterschiedlichen themen- und materialspezifischen Datenbanken und Portalen. Dies macht sammlungsübergreifendes Forschen mit dem Material, mithin die Rekonstruktion der Objekte und Sammlungen in ihren historischen Überlieferungskontexten, oft sehr aufwändig.

Mit GOTHA.digital steht seit April 2023 am Standort Gotha erstmals ein integrierter digitaler Such-, Präsentations- und Forschungsraum für Wissenschaft und Öffentlichkeit zur Verfügung (vgl. Abbildung 1).[1] Damit ist ein wichtiger Schritt zur Sichtbarmachung, globalen Zugänglichkeit, Vernetzung und Erforschung der Gothaer Sammlungen gelungen. Der folgende Beitrag stellt das Projekt zum Aufbau von GOTHA.digital als Gateway für die Gothaer Sammlungen vor, beschreibt exemplarisch Forschungspotenziale der Sammlungsvernetzung und skizziert abschließend Herausforderungen und weitere Entwicklungsperspektiven.

Abb. 1: GOTHA.digital als integrierter digitaler Such-, Präsentations- und Forschungsraum.
Abb. 1:

GOTHA.digital als integrierter digitaler Such-, Präsentations- und Forschungsraum.

2 Die Entwicklung von GOTHA.digital: Projekt und Partner (2020–2023)

GOTHA.digital ist Ergebnis eines interdisziplinären, spartenübergreifenden Projekts der Sammlungs- und Wissenschaftseinrichtungen des Forschungsstandorts Gotha. Das vom Thüringer Wissenschaftsministerium von 2020 bis 2022 geförderte Projekt wurde von der Forschungsbibliothek Gotha initiiert und gemeinsam mit dem Forschungskolleg Transkulturelle Studien / Sammlung Perthes, dem Forschungszentrum Gotha und der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha sowie der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena (ThULB) und der Verbundzentrale des GBV in Göttingen (VZG) als den technisch-informationswissenschaftlichen Partnern realisiert. Die Digitalisierungsaktivitäten der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha im Rahmen des Projekts „Gotha transdigital 2027“, das von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung gefördert wird, haben das Projekt während der Laufzeit flankiert und führen es weiter.

Das Ziel von GOTHA.digital ist es, die Gothaer Sammlungen digital zusammenzuführen, zu vernetzen und übergreifend recherchierbar zu machen. Damit soll ein erster Einstieg für die sammlungsübergreifende Forschung und in die Forschungsaktivitäten rund um diese Sammlungen ermöglicht werden. Zugleich präsentiert die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha über das Portal ihre Online-Sammlung. Als Metaportal macht es Sammlungszusammenhänge sichtbar und unterstützt die Erschließung, Rekonstruktion und Erforschung von historischem Zusammenhangsmaterial in seinen jeweiligen Provenienzkontexten. GOTHA.digital soll neue Sichtweisen auf die Sammlungen und Bestände eröffnen und dynamische, explorative Zugänge für neue Forschungsfragen und -perspektiven schaffen. Dazu gehört auch die strategische Verknüpfung der Gothaer Sammlungen mit Formaten der digitalen Wissenschaftskommunikation. Das Portal ist dem Open-Science-Gedanken verpflichtet und orientiert sich an den FAIR-[2] und CARE-Prinzipien[3]. Es richtet sich in erster Linie an Wissenschaftler*innen, Forschende, Lehrende, Studierende, Nutzer*innen aus den Gothaer Institutionen, Vertreter*innen von GLAM-Einrichtungen sowie Wissenschafts- und Kulturinteressierte.

Am Aufbau von GOTHA.digital sind die Gothaer Einrichtungen und ihre externen Projektpartner in unterschiedlicher Form beteiligt: Die inhaltliche Konzeption der Plattform in der ersten Projektphase erfolgte durch die Forschungsbibliothek Gotha – in enger Abstimmung mit allen Gothaer Partnern – gemeinsam mit der ThULB und der VZG. Für die zweite Projektphase ab Oktober 2021 konnte eine an der ThULB angesiedelte Koordinierungsstelle beim Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft eingeworben werden. Seitdem arbeitet ein Koordinationsteam aus der ThULB, der Forschungsbibliothek Gotha und der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha zusammen. Neben konzeptionellen Aufgaben obliegt dem Team die Koordination, Evaluation und Anpassung aller laufenden Prozesse sowie die Kommunikation mit den Partnerinstitutionen. Alle größeren inhaltlich-redaktionellen Arbeiten werden gemeinsam abgestimmt und in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Expert*innen der beteiligten Partner realisiert. In ihrer koordinierenden Rolle fungiert die ThULB als Schnittstelle zwischen den Akteuren aus den bestandshaltenden Einrichtungen, Forschung, Informationsinfrastrukturen und IT. Die Koordinierungsstelle stimmt alle Aktivitäten zwischen den Beteiligten ab und übernimmt bei Bedarf die spartenübergreifende Kommunikation zwischen den Partnern.

Die bestandshaltenden Einrichtungen erarbeiten die sammlungsbezogenen Portalinhalte und stellen die Daten aus den von ihnen genutzten Datenbanksystemen zur Verfügung. Damit verbunden sind umfangreiche Normierungs- und Clearingaufgaben in diesen Primärsystemen. Einige der von den Partnern als Primärsysteme genutzten Repositorien wurden von der ThULB entwickelt (siehe Kapitel 5) und im Rahmen ihrer Serviceangebote als Landesbibliothek des Freistaats Thüringen bereitgestellt. Auch aus diesem Grund fungiert die IT-Infrastruktur der ThULB als wichtiger Knotenpunkt im Projekt GOTHA.digital und darüber hinaus.

Das Forschungszentrum Gotha und seit 2021 auch das Forschungskolleg Transkulturelle Studien / Sammlung Perthes beteiligen sich mit ihren Forschungsperspektiven und forschungsorientierten Bedarfen an GOTHA.digital und bringen Vorschläge zur Weiterentwicklung und Anpassung aus den jeweiligen Fachcommunities ein. Darüber hinaus präsentieren beide Einrichtungen ihre Projekte, Portale und Formate der Wissenschaftskommunikation in GOTHA.digital, die im Rahmen der wissenschaftlichen Beschäftigung mit den Gothaer Sammlungen realisiert werden.

Die VZG hat in der Realisierungsphase die Gestaltung des Portals übernommen. Die technische Umsetzung mit dem auf Solr basierenden Suchindex erfolgte durch JustOrange – Agentur für Informationsästhetik. Die Agentur zeichnet für die Integration der Datenbankinformationen und die Implementierung aller technischen Elemente verantwortlich.

3 GOTHA.digital im Überblick: Komponenten und Funktionalitäten

Das Portal basiert auf drei Komponenten, die auf die Sammlungen des Standorts Gotha ausgerichtet sind: einem Discovery-System für alle Gothaer Sammlungen mit institutions- und sammlungsübergreifender Websuche, kuratierten Sammlungszugängen im Sinne des Wissenstransfers und einem modularen, digitalen Forschungsraum.

Das Discovery-System ist das Kernstück von GOTHA.digital mit einer datenbankübergreifenden Suche auf Basis der Solr-Technologie. Die vernetzte, facettierte Suchfunktion ermöglicht die Recherche nach Daten und Objekten aus derzeit neun Datenbanken der drei sammlungshaltenden Einrichtungen und ihrer Partner. Dazu gehört auch die Forschungsliteratur aus der Forschungsbibliothek Gotha und der Universitätsbibliothek Erfurt. Durch die laufenden Erschließungs- und Digitalisierungsaktivitäten der bestandshaltenden Gothaer Institutionen wird sich die Anzahl der Datensätze in den kommenden Jahren kontinuierlich erhöhen.

Mit kuratierten Sammlungszugängen zielt GOTHA.digital über die Websuche hinaus auf die Kontextualisierung von Objekten und profilbildenden Sammlungen. So bieten die kuratierten Sammlungseinblicke[4] Informationen zu den Sammlungen und Objektgeschichten, die mit den sammlungsbezogenen Projekten und digitalen Angeboten verknüpft werden. Die Einblicke sollen zum Erkunden einladen und Impulse für eine weitere Auseinandersetzung mit den Sammlungen geben. Dies gilt auch für die digitalen Ausstellungen.[5] Das von der Forschungsbibliothek Gotha konzipierte und seit 2021 veröffentlichte Ausstellungsmodul wurde in GOTHA.digital integriert, so dass die Plattform im Rahmen des Portals nachgenutzt werden kann. Auch Ausstellungen anderer Plattformen können hier präsentiert werden. Begleitend zum Aufbau von GOTHA.digital wurde die wechselvolle Geschichte der numismatischen Sammlungen mit Methoden des Storytellings exemplarisch aufbereitet. Ergebnis ist die Web-App „Geprägte Geschichte. Das Münzkabinett Gotha“[6], die in neun Episoden historisches Münzwissen und aktuelle Methoden der Münzerschließung und -digitalisierung vermittelt.

Der digitale Forschungsraum soll die orts- und zeitunabhängige Forschung mit dem Material unterstützen. Er ist modular konzipiert und besteht derzeit aus Informationen zu den Forschungsaktivitäten, Portalangeboten und verschiedenen Funktionalitäten zur Forschung mit den Objekten und Sammlungen. Die Projektübersicht macht die Vielfalt der Erschließungs-, Forschungs-, Digitalisierungs- und Digital-Humanities-Projekte der am Portal beteiligten Partner gebündelt sichtbar. Diese Zusammenführung der Forschungsaktivitäten und Projekte aller Einrichtungen erleichtert die Recherche für Interessierte und generiert Synergiepotenziale für die sammlungsbezogene Vernetzung der Aktivitäten am Standort Gotha. Die aus den Projekten hervorgegangenen sammlungs- und themenspezifischen Portale sind im Gotha.lab zugänglich. Weitere Ausbaustufen von GOTHA.digital sind geplant, um kollaborative und partizipative Formate in der Arbeit mit den Sammlungen zu ermöglichen. Angebote wie digitale Editionen, explorative Sammlungsvisualisierungen, die Bereitstellung ausgewählter Datensets für experimentelle Projekte mit Objekten und Sammlungen oder auch Anwendungen aus Kulturhackathons können hier perspektivisch integriert werden.

Die Funktionalitäten umfassen im Bereich der Objektanzeige z. B. die durch die Normdatenverlinkung mögliche Nutzung des GND-Beacons, der verlinkte Inhalte kontextualisiert und Online-Ressourcen mit weiterführenden Informationen anzeigt. Ebenfalls integriert ist der GND Explorer, das Anzeige- und Recherchetool für die GND, das semantische Netze sichtbar macht.[7]

Für die Objektansicht werden aktuell mit Blick auf die unterschiedlichen Zielgruppen zwei Viewer-Technologien verwendet: Die Erstansicht erfolgt über einen portalspezifischen Viewer mit Annotationsmöglichkeit. Auf einer zweiten Ebene kann der forschungsorientierte IIIF-Viewer Mirador mit performanter Zoomfunktion und der Möglichkeit zur repositorienübergreifenden synoptischen Bild- und Textanalyse genutzt werden. Die beiden Viewer sollen zukünftig zusammengeführt werden, um den IIIF-Viewer als Forschungswerkzeug mit Möglichkeiten der Bildmanipulation und verschiedenen Annotations-Use-Cases auszubauen. Objektverknüpfungen, granulare Exportmöglichkeiten und die dauerhafte Speicherung der Merkliste, das Erstellen, Teilen und Kommentieren eigener Kollektionen sind zentrale Funktionalitäten, die noch ausgebaut bzw. entwickelt und implementiert werden.

4 Sammlungsvernetzung am Beispiel der orientalischen Sammlung

Die Potenziale von GOTHA.digital für die Sammlungsvernetzung lassen sich exemplarisch am Beispiel der orientalischen Sammlung nachvollziehen: Die bedeutende Sammlung geht auf Erwerbungen des Naturforschers Ulrich Jasper Seetzen (1767–1811) um 1800 zurück, die heute in den bestandshaltenden Einrichtungen Gothas bewahrt werden.[8] Während seiner von den Gothaer Herzögen finanzierten Reise in den Vorderen Orient trug er über 2.700 orientalische Handschriften, 3.500 Antiquitäten und naturkundliche Objekte zusammen. Die Sammlung wird mit der fortschreitenden Erschließung, Digitalisierung und Präsentation der mit ihr verbundenen Daten, Objekte und Wissensressourcen ganz neu sicht- und nutzbar (vgl. Abbildung 2): Zu den musealen Objekten[9] und Handschriften, darunter UNESCO-Weltdokumentenerbe aus der Forschungsbibliothek Gotha, kommen Archivalien wie Seetzens Erwerbungsliste hinzu, von denen direkte Verbindungen zu den digitalen Objekten gezogen werden können.

In der Forschungsbibliothek Gotha finden sich zudem Reise- und Lebenszeugnisse Seetzens. Die Viewertechnologie ermöglicht es, die digitalen Objekte vergleichend zu analysieren und mit Annotationen zu versehen. Darüber hinaus ist die Sekundärliteratur zu Seetzen aus der Forschungsbibliothek Gotha und der Universitätsbibliothek Erfurt recherchierbar. Verknüpfungen ergeben sich auch über die in GOTHA.digital dargestellten sammlungsbezogenen Forschungsaktivitäten der Partner.

Abb. 2: Sammlungsvernetzung der orientalischen Sammlung.
Abb. 2:

Sammlungsvernetzung der orientalischen Sammlung.

Durch einen kuratierten thematischen Zugang können die mit der orientalischen Sammlung verbundenen Daten und Objekte der einzelnen Gothaer Einrichtungen übergreifend recherchiert werden. Diese Re- bzw. Neukontextualisierung gilt es jedoch von methodischen Reflexionsprozessen zu begleiten, zumal es sich letztlich auch um die Konstruktion neuer Zusammenhänge und Wissenspräsentationen handelt. Ein ausdifferenziertes, transparentes Angebot an Objektverknüpfungen (z. B. über Provenienzen, Schlagworte) ist wichtig für die semantische Datenvernetzung über die Erfassungssysteme hinweg, wofür allerdings eine weitere interoperable Anreicherung der Datensätze in den Datenbanken und Portalen erforderlich ist. Durch eine differenzierte Sichtbarmachung von Zusammenhängen und Kontexten, die Ermöglichung zufälliger Entdeckungen im Sinne von Serendipity sowie weitere Formen der Wissensaneignung wird letztlich ein dynamisch vernetzter Wissensraum für die Sammlungsforschung generiert, der im Idealfall auch zu neuen Assoziationen und innovativen Forschungsfragen inspiriert und zugleich im Sinne einer digitalen Quellenkritik reflektiert werden muss.

5 Datenintegration und IT-Infrastruktur

Die Integration der Daten in den Solr-Index von GOTHA.digital war einer der zeitintensivsten Arbeitsschwerpunkte im Projekt. Voraussetzung für das automatisierte Harvesting der Daten aus den verschiedenen Primärsystemen sind funktionierende Schnittstellen. Dies gilt für fast alle der folgenden materialspezifischen Datenbanken (mit Ausnahme der Museumsdatenbank Imdas), in denen die sammlungshaltenden Einrichtungen Gothas ihre Daten und Objekte erfassen:

  • Digitales Archiv des Landesarchivs Thüringen

  • Digitale Bibliothek Thüringen (DBT) als Open-Access-Repositorium

  • Digitale Historische Bibliothek Erfurt / Gotha (DHB)

  • Imdas (Museumsdatenbank)

  • K10plus

  • Kalliope (nationaler Verbundkatalog für Nachlässe und Autographen)

  • Journals@UrMEL (Periodikaportal)

  • Qalamos (Portal für orientalische Handschriften)

  • RISM (internationale Datenbank für Musikhandschriften und -drucke)

Die Integration der Daten aus den genannten Datenbanken erforderte intensive konzeptionelle Vorarbeiten sowie Kontrollen und Anpassungen für das Mapping und Harmonisieren der Daten, zum einen in den Datenbanken und Portalen, vor allem aber auch beim Aufbau der Harvester und der Indexstruktur. Darüber hinaus sind für einen integrierten Suchraum u. a. die abgestimmte Verwendung von Normdaten, kontrollierten Vokabularen und wissenschaftlichen Thesauri sowie ein einheitliches Facettenkonzept unabdingbar, die kontinuierliche Abstimmungsprozesse zwischen den Einrichtungen benötigen.

Angesichts der heterogenen Datenlage sowie der unterschiedlichen Nutzungsansätze von GOTHA.digital als Metaportal und zugleich als Online-Sammlung der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha wurde das Datenmodell zwar in den für die Vernetzung relevanten Kategorien vereinheitlicht, die Anwendung eines gemeinsamen Datenmodells jedoch zurückgestellt. Für die Daten aus der Forschungsbibliothek Gotha werden einheitliche Minimaldatensets angeboten und für vertiefte Informationen auf die Datenquellen verlinkt. Die Stiftung verfolgt aufgrund der stiftungsspezifischen Ausgangslage eine andere Strategie und veröffentlicht ihre Daten mit möglichst umfangreichen Metadaten. Da die Museumsdatenbank Imdas keine Präsentationsoberfläche für Nutzer*innen anbietet, werden die Objektdaten der Stiftung daher nun erstmals teilweise in GOTHA.digital präsentiert.

Die von der ThULB bereitgestellten Repositorien (Digitales Archiv, DBT, DHB, Journals@UrMEL) werden regelmäßig aktualisiert und an entstandene Bedarfe angepasst, um den Datenabruf weiterhin optimal zu gewährleisten. So wurden beispielsweise im Fall von Journals@UrMEL Anpassungen an der Schnittstelle vorgenommen, um den Zugriff auf den Bestand der Forschungsbibliothek Gotha zu erleichtern. Neben diesen Datenspeichern übernimmt die Jenaer Einrichtung vor allem auch die Speicherung und das Hosting der Plattform GOTHA.digital auf ihren Servern. In Kooperation zwischen ThULB, Stiftung Schloss Friedenstein Gotha und BSZ wurde erstmals ein Workflow für die Bereitstellung der Museumsdaten entwickelt, der nun das Ausspielen der Daten mit ihren hochauflösenden Digitalisaten über die Schnittstelle des DAM-Systems der ThULB ermöglicht. Mit dieser technischen Lösung ist es der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha ab sofort möglich, die Daten für alle gewünschten Präsentationen abzuholen und zu adressieren.

Der Index wird, wie bereits erläutert, mit den laufenden und künftigen Erschließungs- und Digitalisierungsaktivitäten in allen Einrichtungen kontinuierlich erweitert. Aktuell wird die Einbindung des vom Forschungszentrum Gotha entwickelten und betreuten Factgrid[10], der Wikibase-Plattform für historische Daten, in GOTHA.digital ausgelotet. Außerdem sollen auch die Handschriften der Forschungsbibliothek Gotha, die in dem im Aufbau befindlichen nationalen Handschriftenportal für mittelalterliche und frühneuzeitliche Buchhandschriften[11] erfasst werden, künftig ebenfalls in GOTHA.digital integriert und zugänglich gemacht werden.

Abb. 3: Datenintegration.
Abb. 3:

Datenintegration.

Der redaktionelle Bereich von GOTHA.digital basiert auf dem CMS Typo3 und ermöglicht den Projektpartnern das eigenständige Bearbeiten und Neuanlegen von Seiteninhalten. Über diesen Bereich werden auch die Nutzerregistrierung und das Rechtemanagement gesteuert.

6 Herausforderungen und Perspektiven

Kooperative digitale Forschungsinfrastrukturen sind sowohl technische als auch soziale Ökosysteme, mit der Stakeholder und diversifizierte Fachcommunities oft unterschiedliche Perspektiven verbinden und somit auch divergierende Erwartungen herantragen.[12] Um den Bedürfnissen aller Akteur*innen gerecht zu werden, sind daher intensive Aushandlungs- und Abstimmungsprozesse erforderlich. Zudem muss den dynamischen Entwicklungen im digitalen Bereich und sich ändernden technisch-organisatorischen Rahmenbedingungen Rechnung getragen werden. All dies trifft auch für den Aufbau von GOTHA.digital zu, an dem verschiedene Institutionen mit unterschiedlichen Logiken und Interessen beteiligt sind. Parallel zum Aufbau der Infrastruktur konnte somit auch ein Grundstein für die zukünftigen Arbeits- und Kommunikationsstrukturen zwischen allen Akteuren gelegt und das digitale Zusammenwachsen befördert werden.

Wenn GOTHA.digital der Nukleus für die weitere gemeinsame Erschließung und Präsentation der Sammlungen des Friedenstein bildet und die Sammlungen als Forschungsinfrastruktur nachhaltig etabliert und produktiv gemacht werden sollen, ist die Ausrichtung auf ein gemeinsames Forschungsprofil unabdingbar. Dauerhafte Herausforderungen werden dabei der heterogene Stand der Erschließung, Digitalisierung und Standardisierung in Archiv, Bibliothek und Museum sein. Hier bedarf es einer sukzessiven Harmonisierung der Erschließungsstände und gemeinsamer Erschließungsstrategien, um das Potenzial des Digitalen nutzen zu können. Dies betrifft z. B. Nutzungsszenarien der Digital Humanities, insbesondere Formen der Daten- und Sammlungsvernetzungen und -visualisierung. Dazu sind synergetisch angelegte Pilotprojekte und Fallstudien zu sammlungsspezifischen Nutzungsszenarien angedacht.

Die Erweiterung der Wissensbasis durch weitere Datenintegrationen, der Ausbau der Funktionalitäten (z. B. Export, Viewer, Objektverknüpfungen, Schnittstellen) oder die Umsetzung der Mehrsprachigkeit im Portal sind weitere konkrete Aufgaben der nächsten Zeit. Insgesamt gilt es, das Portalangebot weiter nutzerorientiert auszurichten. Grundlage dafür bietet eine umfassende Evaluation der Betaversion, die u. a. im Rahmen eines Workshops mit den Mitarbeiter*innen aller Einrichtungen im April 2023 durchgeführt wurde. GOTHA.digital soll perspektivisch als Forschungs- und Experimentalraum im Sinne eines GLAM Labs modular weiter ausgebaut werden.[13] Partizipative Projekte mit Citizen Scientists, Angebote für kreative Datenexperimente und hybrid gedachte Angebote zum Transfer der Sammlungen in Wissenschaft und Gesellschaft können sich anlagern.

Wichtig für eine forschungsorientierte Weiterentwicklung wird nicht zuletzt der enge Dialog mit den jeweiligen Fachcommunities sowie die Kooperation mit Referenzsammlungen und -infrastrukturen wie Kulthura[14] oder mit dem Masterstudiengang „Sammlungsbezogene Wissens- und Kulturgeschichte“ der Universität Erfurt und einzelnen Konsortien der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (z. B. NFDI4Culture, NFDI4Memory, NFDI4Objects) sein.

Über die Autoren

Dr. Hendrikje Carius

Dr. Hendrikje Carius

Susanne Rückert

Susanne Rückert

Online erschienen: 2023-09-06
Erschienen im Druck: 2023-09-04

© 2023 bei den Autoren, publiziert von De Gruyter.

Dieses Werk ist lizensiert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.

Downloaded on 10.1.2026 from https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/bd-2023-0067/html
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