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Die Buchpublikationen der „Academic Communities“ in Dänemark und den Niederlanden: Rückschlüsse für globale Publikationsstrategien

Teil 2 des Beitrags
  • Arno Tausch EMAIL logo
Published/Copyright: May 13, 2020
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Abstract

Unser Aufsatz hat zahlreiche Kriterien entwickelt, mit denen die Bibliometrie und Szientometrie des auf akademische Bücher spezialisierten Verlagswesens betrieben werden kann. Wir testen den Einfluss von Messgrößen, wie sie auf Grund von Altmetrics, Entlehnungsstatistiken, Libcitation nach OCLC Worldcat und anderen Unionskatalogen in Industrie- und Entwicklungsländern, subjektivem Ranking durch academic communities und Zitierungen im Book Citation Index gewonnen werden können. 57 global operierende Buchverlage, über die sämtliche Daten vorhanden sind, stehen dabei im Mittelpunkt. All diese Daten haben eine Relevanz für die Publikationsstrategie-Beratung der Wissenschaft durch die Bibliotheksdienste im 21. Jahrhundert. Die Innovation dieses Aufsatzes besteht vor allem in der Verwendung von neuen Daten über die Publikationspräferenz zweier renommierter akademischer communities in Europa, nämlich Dänemark (landesweit) und von der Reichsuniversität Groningen in den Niederlanden in der multivariaten Analyse. Unsere Auswertungen zeigen, dass sowohl Ansätze, die auf die Zitierungen im Book Citation Index oder auf Größen der Libcitation (globale Verbreitung im OCLC Worldcat) ausschließlichen Wert legen, die komplexe Realität des heutigen internationalen Publikationswesens nicht erfassen. Nirgends haben Daten des Book Citation Index oder Libcitation (globale Verbreitung im OCLC Worldcat) jene überragende Bedeutung für die Publikationsentscheidungen der dänischen und niederländischen Wissenschaftler, wie bisherige Prototheorien des globalen Publikationswesens bisher annahmen. Bei den dänischen Wissenschaftlern scheint der Faktor „size and high quality“ der ausschlaggebende zu sein. Für Groningen kommt als determinierender Faktor noch die international anerkannte Verlagsqualität hinzu. Vergleiche unserer Ergebnisse mit den landesweiten subjektiven Verlagseinschätzungen der einzigen Wissenschaftscommunity, wo solche Daten erhoben wurden (Spanien) bestätigen unsere multivariaten Ergebnisse.

Abstract

The paper presents a number of criteria developed to conduct bibliometrical and scientometrical research in the publishing sector specialising in academic books. The influence of various parameters was tested, recovered on the basis of altmetrics, borrowing statistics, Libcitation according to OCLC Worldcat and other union catalogues in industrialised and developing countries, subjective rankings within academic communities and citations by the Book Citation Index. The focus lies on 57 globally operating book publishers providing all existing data. These data are an important resource for publication strategy advice to scientists offered by libraries in the 21st century. New aspects are introduced by fresh data on the publication preferences of two European academic communities, i. e. Denmark (nationwide) and the University of Groningen in the Netherlands in a multivariate analysis. The results show that approaches based on the relevance of being cited in the Book Citation Index or on the parameters of Libcitation (globally circulated by OCLC Worldcat) are incapable to adequately capture the complex realities of today’s international publishing industry. The paramount importance of the Book Citation Index data or Libcitation data assumed by most prototheories on the global publication industry could not be verified for publication choices of Danish and Dutch scientists. Danish scientists seem to favour the factor “size and high quality”, while at Groningen the determining factor “internationally recognised quality of publisher” also plays a critical role. Comparing these findings with a nationwide subjective evaluation of quality publishers by the only scientific community collecting such data (Spain), confirms our multivariate results.

10 Diskussion der Ergebnisse

Hier liefern wir unseren Leserinnen und Lesern die folgenden Aufstellungen über die Faktorenladungen, die jeweils mehr als 10 Prozent der Varianz der einzelnen Variablen des Modells erklären.

10.1 International anerkannte Verlagsqualität

Typischerweise wird ein Verlag, auf den diese Kriterien zutreffen, nicht nur sein „bestes“ Buch, sondern eine ganze Palette von Spitzenprodukten auf verschiedenen Märkten platzieren können. Die japanische Bibliotheksgemeinschaft ist – wie Japan selbst – Teil der westlichen Kultur, gehört aber auch sehr tief ihrer eigenen japanischen Kultur an und registriert minutiös genau Entwicklungen auf dem internationalen Wissenschaftsmarkt.[1] Auch eine hohe Verlagspräsenz in Skandinavien – hier erfasst durch Schweden – ist für ein derartiges Verlagsunternehmen selbstverständlich.[2] Ein solcher Verlag wird relativ häufig in der internationalen Buchproduktion – wie sie sehr selektiv vom Dokumentationssystem Questia erfasst wird[3] – zitiert werden. Die Relation mit dem Book Citation Index von Clarivate Analytics[4] ist weit schwächer als die mit den Zitierungen in Questia, weil Questia nur die etabliertesten Verlage und deren Buchproduktion im Volltext erfasst. Der Verlag wird auch in englischsprachigen Entwicklungsländern wie Indien ein starkes Echo finden, in den englischsprachigen neuen Medien wie Wikipedia hoch im Kurs sein, und auch die erfasste subjektive Meinung von Wissenschaftlern über Verlage, wie wir sie heute z. B. vom Wissenschaftskonsortium SENSE in den Niederlanden kennen, wird entsprechend hoch sein. In den von Questia erfassten Top-Journalen des Wissenschaftsbetriebs wird der Verlag oft zitiert werden, und auch bei neueren, auf Libcitation beruhenden Qualitätskriterien, welche die Dichte der Präsenz der Bücher auf dem Weltmarkt misst, wird der meist große bis sehr große Verlag entsprechend gut gereiht sein. Die nach diesem Kriterium 10 führenden globalen Verlage sind Oxford University Press, Cambridge University Press, Routledge, University of Chicago Press, Elsevier, Springer, Princeton University Press, MIT Press, Yale University Press und University of California Press. Die Nachzügler bei diesem Indikator sind WIT Press, Ateneo de Manila University, Wageningen Academic, IWA Publishing, L’Harmattan, Catena Verlag, Nottingham University Press, ASM Press, Equinox und Resources for the Future.

Tab. 10:

International anerkannte Verlagsqualität.

Internationally recognized publisher quality

Japanese NACSIS 200th library outreach (books only)

0,936

Number of references about the company in books – Questia

0,883

Japanese NACSIS top library outreach (books only)

0,836

Items in the IndCat (India) Union catalog

0,835

Swedish LIBRIS top library outreach

0,803

Wikipedia monthly downloads, English, last year

0,779

Number of references about the company in scholarly journals – Questia

0,753

Sense Quality Indicator for multivariate analysis

0,720

Swedish LIBRIS 50th library outreach

0,714

Number of books

0,592

Book (last 5 years) with the highest global library circulation rate

0,515

Book (last 5 years) with the 50th highest global library circulation rate

0,453

Average citations – books in the Clarivate Analytics (formerly Thomson-Reuters) book citation index

0,402

Continuity of performance – top 50 books (last 5 years)

0,342

10.2 Hohe globale Bibliotheksreichweite

Dieser Faktor, der für University of Illinois Press, Johns Hopkins University Press, University of North Carolina Press, University of California Press, University of Washington Press, World Scientific and Engineering, Princeton University Press, MIT Press, John Benjamins und IOS Press besonders typisch ist, kombiniert eine hohe Präsenz seiner Gesamtproduktion und seiner Spitzentitel auf den von OCLC Worldcat erfassten globalen Bibliotheksmarkt der Welt. Auch auf den hier erfassten Teilmärkten wie Skandinavien und Japan wird der Verlag gut präsent sein, und seine Produkte werden in den von Questia erfassten Büchern häufig zitiert sein. Die subjektiven Bewertungen durch Wissenschafts-Communities wie dem SENSE-Indikator wird relativ hoch sein. Eine relativ schwache Performance bei diesem Faktor haben die 10 Verlage Catena Verlag, Nottingham University Press, Resources for the Future, Ateneo de Manila University, Wageningen Academic, WIT Press, (UCB) University of British Columbia Press, L’Harmattan, Earthscan Publications Ltd. und Edward Elgar.

Tab. 11:

Hohe globale Bibliotheksreichweite.

High global library outreach

Book (last 5 years) with the 50th highest global library circulation rate

0,901

Book (last 5 years) with the highest global library circulation rate

0,801

Percentage of titles with a circulation of more than 500

0,759

Continuity of performance – top 50 books (last 5 years)

0,725

Percentage of titles with a circulation of less than 50

–0,663

Swedish LIBRIS 50th library outreach

0,635

Sense Quality Indicator for multivariate analysis

0,407

Number of references about the company in books – Questia

0,379

Swedish LIBRIS top library outreach

0,354

Japanese NACSIS 200th library outreach (books only)

0,321

10.3 Globaler Meinungsführer

Verlagen wie World Bank, Oxford University Press, Routledge, Springer, Cambridge University Press, Brill, Kluwer Academic Publishers, Elsevier, Palgrave Macmillan und Princeton University Press ist es auch gelungen, in Journalen wie Newsweek oder Time zu reüssieren; und die Produkte dieses Verlages dürfen in den Bibliotheken der Bretton-Woods-Institutionen (Weltbank und Internationaler Währungsfonds) nicht fehlen. In den internationalen Top-Journalen und Zeitungen werden ihre Bücher immer wieder erwähnt, und auch Indikatoren des Bibliotheksverbreitungsgrades auf Teilmärkten der internationalen Bibliothekslandschaft, wie Indien, Schweden und Japan zeigen, dass die Produkte dieser meist großen Unternehmen international gut aufgenommen werden. Auch das Echo in den Büchern, die von der internationalen Top-Konkurrenz produziert wurden, wird beträchtlich sein. Die Kontinuität des Erfolgs wird nicht nur einzelne Spitzenprodukte betreffen, sondern die Breite des Verlagsangebots. Die Nachzügler bei diesem Indikator sind WIT Press, Earthscan Publications Ltd., ASM Press, Nottingham University Press, IWA Publishing, Catena Verlag, Resources for the Future, Wilfrid Laurier University Press, Channel View Publications und (UCB) University of British Columbia Press.

Tab. 12:

Globaler Meinungsführer.

Global opinion leader

Number of references about the company in magazines – Questia

0,971

Items in World Bank / IMF JOLIS library catalogue Washington (books only)

0,970

Number of references about the company in scholarly journals – Questia

0,831

Number of references about the company in newspapers – Questia

0,775

Items in the IndCat (India) Union catalog

0,447

Swedish LIBRIS top library outreach

0,376

Number of books

0,373

Continuity of performance – top 50 books (last 5 years)

0,370

Japanese NACSIS 200th library outreach (books only)

0,369

Swedish LIBRIS 50th library outreach

0,365

Number of references about the company in books – Questia

0,322

Japanese NACSIS top library outreach (books only)

0,321

10.4 Größe des Verlags und hohe Qualität

Insbesondere die Verlagsunternehmen Springer, Routledge, Elsevier, Oxford University Press, World Bank, De Gruyter, Kluwer Academic Publishers, IEEE, Cambridge University Press und Brill kombinieren eine Strategie von quantitativer Expansion und hoher Qualität. Ihre quantitative Präsenz ist auch auf der Ebene der politischen und administrativen Entscheidungsträger der Europäischen Union beträchtlich, und ihnen ist es mit ihrer quantitativen Expansion auch gelungen, in führenden Zeitungen und sonstigen Printmedien der Welt Aufmerksamkeit zu erhalten. Auf Teilmärkten des globalen Wissenschaftsbetriebs – wie Indien, Japan, und Schweden – wird der Verlag erfolgreich sein. Auch in den heutigen neuen alternativen Medien, wie Wikipedia, wird die Produktion des Verlags entsprechend positiv wahrgenommen. Am unteren Ende der Skala, die vor allem auch mit der Größe der Angebotspalette zu tun hat, rangieren Wilfrid Laurier University Press, University of Chicago Press, ASM Press, Yale University Press, University of North Carolina Press, Duke University Press, University of California Press, Earthscan Publications Ltd., Edinburgh University Press und University of New Mexico Press. Durch die finanziellen Restriktionen der letzten Dekaden haben gerade die University Press-Unternehmen ihre Publikationsangebote an die scholarly community zurückfahren müssen, und gerade für europäische Wissenschaftler wird es deshalb sehr schwer sein, bei ihnen zu publizieren.

Tab. 13:

Größe des Verlags und hohe Qualität.

Size and high quality

Number of books

0,916

Items in ECLAS catalogue Brussels

0,889

Number of references about the company in newspapers – Questia

0,793

Items in the IndCat (India) Union catalog

0,568

Japanese NACSIS 200th library outreach (books only)

0,546

Swedish LIBRIS 50th library outreach

0,522

Swedish LIBRIS top library outreach

0,440

Japanese NACSIS top library outreach (books only)

0,409

Continuity of performance – top 50 books (last 5 years)

0,394

Number of references about the company in scholarly journals – Questia

0,372

Number of references about the company in magazines – Questia

0,335

Wikipedia monthly downloads, English, last year

0,328

Book (last 5 years) with the 50th highest global library circulation rate

0,323

10.5 DK / NL-Faktor

Die Superstars bei der relativen Präferenz der academic community in Dänemark und den Niederlanden sind Routledge, Brill, Edward Elgar, Palgrave Macmillan, Springer, Kluwer Academic Publishers, Cambridge University Press, MIT Press, John Benjamins und Rodopi. Kein einziger unserer sonstigen Indikatoren hat aber eine Faktorenladung auf diesem Faktor, die höher als 10 Prozent wäre. Das heißt nichts mehr und nichts weniger, als dass die Zusammenhänge relativ schwach sind, und dass die relative Präferenz der academic community in Dänemark und den Niederlanden in der Zukunft durch weitere Indikatoren noch besser erklärt werden könnte. Die räumliche und kulturelle Nähe zu niederländischen und britischen Verlagsunternehmen dürfte hier ein Faktor sein. Eine besonders schwache Position bei diesem Faktor nehmen die Verlagsunternehmen IEEE, Elsevier,[5] CRC Press, Island Press, L’Harmattan, Oxford University Press, Nova Science Publishers, Wiley-Blackwell, World Bank und WIT Press ein.

Tab. 14:

DK / NL-Faktor.

DK / NL factor

Residual DK

0,915

Residual NL

0,892

10.6 Durchschnittliche Zitate

Der Buch-Zitate-Faktor, der sich sowohl durch Daten basierend auf Clarivate Analytics als auch Questia bestätigt, zeigt an, wie stark die Produkte eines Verlages in anderen Büchern zitiert werden. Die offensichtlich besonders aufmerksam solche Entwicklungen verfolgenden Bibliothekare in Japan sind diejenigen, die in ihrem Kaufverhalten von Büchern auf solche Entwicklungen besonders deutlich reagieren. Je besser der Zitationsfaktor, desto mehr Bibliotheken in Japan kaufen die Produkte dieses Verlags. Unsere Daten legen allgemein nahe, dass der Zitationsfaktor einfach nicht überbewertet werden darf, wenn wir vom Erfolg einer Publikation sprechen wollen. Freilich ist zu bedenken, dass die „Zitateweltmeister“ Kluwer Academic Publishers, Princeton University Press, Catena Verlag, Oxford University Press, CRC Press, World Bank, Resources for the Future, MIT Press, Elsevier und Cambridge University Press ihren Autoren eben ein besonders hohes Echo in der scholarly community zu garantieren scheinen. Nachzügler sind hier University of New Mexico Press, IEEE, Duke University Press, L’Harmattan, Brill, Earthscan Publications Ltd., Edinburgh University Press, Transaction Publishing, Wilfrid Laurier University Press und Wiley-Blackwell.

Tab. 15:

Durchschnittliche Zitate.

Average citations

Average citations – books and book chapters

0,913

Average citations – books in the Clarivate Analytics (formerly Thomson-Reuters) book citation index

0,909

Japanese NACSIS 200th library outreach (books only)

0,409

Japanese NACSIS top library outreach (books only)

0,390

Number of references about the company in books – Questia

0,318

10.7 Hohes Ansehen in der globalen Top-Wissenschaftsgemeinschaft

Der letzte der hier diskutierten Faktoren betrifft insbesondere die Aufmerksamkeit, die die Produkte eines Verlages an der „Nobelpreisfabrik“ in Harvard erhalten haben. Der einzigartige Indikator, der allerdings nur nach der alten Harvard HOLLIS-Katalog-Version zu erheben war, ließ berechnen, wieviel Prozent der in Harvard vorhandenen Bücher eines Verlages tatsächlich entlehnt waren, das heißt, welche Aufmerksamkeit sie an der führenden Universität der Welt im Lehr- und Forschungsbetrieb wirklich erfahren haben. Das wie ein Seismograph genau auf solche Dinge reagierende Bibliothekssystem Japans und auch Schwedens registriert solche forschungsstrategisch wichtige Aufmerksamkeit für die Produkte eines Verlags offensichtlich sehr genau, und interessant ist auch, dass die Verkaufs- und Verbreitungszahlen an den globalen Bibliotheken relativ breit gestreut sein dürften und nicht nach ein paar Spitzenprodukten einbrechen. Nachzügler bei diesem Indikator sind Wilfrid Laurier University Press, WIT Press, Resources for the Future, Wageningen Academic, University of New Mexico Press, Nottingham University Press, Woodhead Publishing, ASM Press, Yale University Press und University of Chicago Press, womit diese Liste auch die alten Harvard-Rivalen in Yale und Chicago mit einschließt.[6]

Tab. 16:

Hohes Ansehen in der globalen Top-Wissenschaftsgemeinschaft.

High standing in the global top scholarly community

Harvard HOLLIS ratio of books checked out per total holdings (books only)

0,878

Japanese NACSIS top library outreach (books only)

0,577

Continuity of performance – top 50 books (last 5 years)

0,515

Book (last 5 years) with the 50th highest global library circulation rate

0,344

Swedish LIBRIS top library outreach

0,327

11 Faktorenkorrelationen

Im Folgenden analysieren wir nun zum besseren Verständnis der komplexen Welt des globalisierten heutigen Publikations- und Verlagswesens auch die in der Tabelle 9 aufgelisteten Faktorenkorrelationen[7]. Unsere Auswertungen zeigen, dass sowohl Ansätze, die auf die Zitierungen im Books Citation Index oder auf Maßen der Libcitation (globale Verbreitung im OCLC Worldcat) ausschließlich Wert legen, die komplexe Realität des heutigen internationalen Publikationswesens nicht erfassen. Nirgends haben Zitierungen im Books Citation Index oder Libcitation jene überragende Bedeutung, wie bisherige Prototheorien des globalen Publikationswesens bisher annahmen. Die Korrelationen der Faktoren lauten im Einzelnen:

Tab. 17:

Analyse der Faktorenkorrelationen.

Internationally recognized publisher quality (international anerkannte Verlagsqualität)

Size and high quality

0,414

Global opinion leader

0,362

High global library outreach

0,342

Average citations

0,310

High standing in the global top scholarly community

0,207

DK / NL factor

0,075

High global library outreach (hohe globale Bibliotheksreichweite)

Internationally recognized publisher quality

0,342

High standing in the global top scholarly community

0,127

Size and high quality

0,103

Global opinion leader

0,077

DK / NL factor

0,060

Average citations

0,035

Global opinion leader (globaler Meinungsführer)

Size and high quality

0,429

Internationally recognized publisher quality

0,362

Average citations

0,243

High standing in the global top scholarly community

0,128

DK / NL factor

0,124

High global library outreach

0,077

Size and high quality (Größe des Verlags und hohe Qualität)

Global opinion leader

0,429

Internationally recognized publisher quality

0,414

High standing in the global top scholarly community

0,288

Average citations

0,196

DK / NL factor

0,146

High global library outreach

0,103

DK/NL factor (DK / NL-Faktor)

Size and high quality

0,146

Global opinion leader

0,124

Internationally recognized publisher quality

0,075

High global library outreach

0,060

Average citations

0,017

High standing in the global top scholarly community

–0,052

Average citations (durchschnittliche Zitate)

Internationally recognized publisher quality

0,310

High standing in the global top scholarly community

0,253

Global opinion leader

0,243

Size and high quality

0,196

High global library outreach

0,035

DK / NL factor

0,017

High standing in the global top scholarly community (hohes Ansehen in der globalen Top-Wissenschaftsgemeinschaft)

Size and high quality

0,288

Average citations

0,253

Internationally recognized publisher quality

0,207

Global opinion leader

0,128

High global library outreach

0,127

DK / NL factor

–0,052

12 Implikationen für die academic community

Die Abbildungen 6 und 7 analysieren noch einmal die Zusammenhänge der Variablen „Publikationspräferenz in Dänemark“ und „Publikationspräferenz in den Niederlanden (Groningen)“ mit den in der Tabelle 7 dargestellten Faktoren[8]. Abbildung 6 zeigt die Ergebnisse für Dänemark.

Abb. 6: Der Einfluss der nachgewiesenen Faktoren auf die Publikationspräferenz in Dänemark.
Abb. 6:

Der Einfluss der nachgewiesenen Faktoren auf die Publikationspräferenz in Dänemark.

Bei den dänischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern scheint der Faktor „size and high quality“ noch der ausschlaggebende zu sein. Abbildung 7 zeigt die Ergebnisse für die academic community in Groningen:

Abb. 7: Der Einfluss der nachgewiesenen Fakoren auf die Publikationspräferenz in Groningen, Niederlande.
Abb. 7:

Der Einfluss der nachgewiesenen Fakoren auf die Publikationspräferenz in Groningen, Niederlande.

Für die Forscherinnen und Forscher in Groningen kommt als weiterer determinierender Faktor noch die international anerkannte Verlagsqualität hinzu. In beiden communities kann hingegen die auf Grund des Book Citation Index erhobene durchschnittliche Zitierungsintensität als Publikationsentscheidungskriterium so gut wie verworfen werden.[9]

Tabelle 18 zeigt das Gesamtergebnis des Verlagsrankings unserer Untersuchung inklusive der Nutzung der hier vorgestellten dänischen und niederländischen Datenbank. Den Konventionen der Faktorenanalyse entsprechend gewichteten wir die Messwerte der Faktoren mit den in der Tabelle 6[10] aufgelisteten „Eigenwerten“ der Untersuchung.[11] Für die 10 Spitzenreiter

  • Oxford University Press

  • Routledge

  • Springer

  • Cambridge University Press

  • World Bank

  • Princeton University Press

  • MIT Press

  • Elsevier

  • University of Chicago Press

  • University of California Press

gilt eine besonders hohe Kumulierung nicht nur der vorzüglichen Gesamtergebnisse, sondern auch hohe Perzentil-Werte bei der Leistung bei den einzelnen Faktoren der Untersuchung. Der Bibliotheksdienst europäischer Forschungseinrichtungen kann guten Gewissens dem wissenschaftlichen Personal diese Verlage für Publikationsprojekte ans Herz legen.

Tab. 18:

Gesamtergebnis der Untersuchung – Ranking der internationalen Verlage inklusive der Publikationspräferenzen in Dänemark und den Niederlanden.

Rang

Verlag

Overall Quality Indicator

Percentile performance

1

Oxford University Press

39,04

 1,96

2

Routledge

28,48

 3,92

3

Springer

27,85

 5,88

4

Cambridge University Press

27,54

 7,84

5

World Bank

16,04

 9,80

6

Princeton University Press

15,93

11,76

7

MIT Press

13,66

13,73

8

Elsevier

12,91

15,69

9

University of Chicago Press

11,33

17,65

10

University of California Press

10,48

19,61

11

CRC Press

10,39

21,57

12

Brill

 9,26

23,53

13

Yale University Press

 7,87

25,49

14

Johns Hopkins University Press

 7,60

27,45

15

De Gruyter

 7,14

29,41

16

Kluwer Academic Publishers

 6,11

31,37

17

University of North Carolina Press

 5,33

33,33

18

Palgrave Macmillan

 5,31

35,29

19

University of Illinois Press

 3,85

37,25

20

Wiley-Blackwell

 1,23

39,22

21

John Benjamins

 0,26

41,18

22

University of Pennsylvania Press

–0,31

43,14

23

World Scientific and Engineering

–0,38

45,10

24

University of Washington Press

 –0,85

 47,06

25

Duke University Press

 –2,61

 49,02

26

Rodopi

 –3,04

 50,98

27

IOS Press

 –3,25

 52,94

28

Edward Elgar

 –3,61

 54,90

29

Island Press

 –4,69

 56,86

30

Nova Science Publishers

 –5,79

 58,82

31

University of New Mexico Press

 –5,98

 60,78

32

IEEE

 –7,21

 62,75

33

Karger

 –7,97

 64,71

34

Edinburgh University Press

 –8,41

 66,67

35

CABI

 –8,63

 68,63

36

Transaction Publishing

 –9,09

 70,59

37

Equinox

–10,26

 72,55

38

Woodhead Publishing

–10,49

 74,51

39

ASM Press

–10,91

 76,47

40

Channel View Publications

–11,22

 78,43

41

(UCB) University of British Columbia Press

–11,52

 80,39

42

Earthscan Publications Ltd.

–11,71

 82,35

43

IWA Publishing

–11,76

 84,31

44

Catena Verlag

–12,12

 86,27

45

Wilfrid Laurier University Press

–12,45

 88,24

46

Resources for the Future

–13,76

 90,20

47

Wageningen Academic

–14,82

 92,16

48

L’Harmattan

–14,93

 94,12

49

Ateneo de Manila University

–15,76

 96,08

50

Nottingham University Press

–16,76

 98,04

51

WIT Press

–17,35

100,00

Tab. 19:

Die Perzentil-Performance der Verlage entlang der 7 Qualitätsindikatoren.

Internationally recognized publisher quality

High global library outreach

Global opinion leader

Size and high quality

DK / NL factor

Average citations

High standing in the global top scholarly community

Durchschnittlicher Perzentilwert

Routledge

 5,882

49,020

 5,882

3,922

 1,961

41,176

 9,804

16,807

Springer

11,765

37,255

 7,843

1,961

 9,804

27,451

23,529

17,087

MIT Press

15,686

15,686

21,569

41,176

15,686

15,686

13,725

19,888

Cambridge University Press

 3,922

60,784

 9,804

17,647

13,725

19,608

29,412

22,129

Kluwer Academic Publishers

47,059

54,902

13,725

13,725

11,765

 1,961

25,490

24,090

De Gruyter

29,412

29,412

45,098

11,765

37,255

29,412

 5,882

26,891

Elsevier

 9,804

45,098

15,686

5,882

98,039

17,647

3,922

28,011

Palgrave Macmillan

23,529

47,059

17,647

23,529

 7,843

68,627

15,686

29,132

Brill

37,255

33,333

11,765

19,608

 3,922

92,157

 7,843

29,412

Oxford University Press

 1,961

52,941

 3,922

7,843

90,196

 7,843

45,098

29,972

World Bank

39,216

56,863

 1,961

9,804

84,314

11,765

21,569

32,213

Princeton University Press

13,725

13,725

19,608

60,784

76,471

 3,922

54,902

34,734

CRC Press

25,490

39,216

52,941

21,569

96,078

 9,804

1,961

35,294

John Benjamins

54,902

17,647

70,588

29,412

17,647

31,373

33,333

36,415

Johns Hopkins University Press

21,569

 3,922

35,294

64,706

27,451

60,784

41,176

36,415

World Scientific and Engineering

64,706

11,765

56,863

27,451

52,941

45,098

11,765

38,655

University of California Press

19,608

 7,843

23,529

88,235

35,294

21,569

80,392

39,496

Rodopi

74,510

27,451

37,255

35,294

19,608

58,824

37,255

41,457

University of North Carolina Press

31,373

 5,882

33,333

92,157

31,373

23,529

74,510

41,737

University of Washington Press

56,863

 9,804

41,176

50,980

29,412

62,745

50,980

43,137

University of Illinois Press

43,137

 1,961

31,373

76,471

39,216

49,020

78,431

45,658

Equinox

84,314

80,392

25,490

43,137

21,569

33,333

39,216

46,779

Edward Elgar

45,098

82,353

43,137

47,059

 5,882

52,941

56,863

47,619

Wiley-Blackwell

27,451

43,137

49,020

25,490

86,275

82,353

19,608

47,619

IOS Press

70,588

19,608

68,627

33,333

25,490

66,667

52,941

48,179

Yale University Press

17,647

23,529

27,451

94,118

60,784

50,980

84,314

51,261

University of Pennsylvania Press

35,294

41,176

66,667

78,431

70,588

25,490

66,667

54,902

Karger

50,980

76,471

50,980

45,098

66,667

54,902

43,137

55,462

Duke University Press

33,333

58,824

29,412

90,196

56,863

96,078

27,451

56,022

University of Chicago Press

 7,843

35,294

39,216

98,039

54,902

76,471

82,353

56,303

IEEE

41,176

62,745

47,059

15,686

100,000

98,039

31,373

56,583

Catena Verlag

90,196

100,000

90,196

62,745

41,176

 5,882

17,647

58,263

CABI

52,941

78,431

76,471

52,941

33,333

47,059

70,588

58,824

Nova Science Publishers

80,392

25,490

64,706

37,255

88,235

70,588

62,745

61,345

Transaction Publishing

58,824

72,549

60,784

56,863

49,020

86,275

49,020

61,905

Island Press

60,784

31,373

74,510

39,216

94,118

74,510

64,706

62,745

Edinburgh University Press

49,020

70,588

78,431

84,314

23,529

88,235

72,549

66,667

Ateneo de Manila University

98,039

94,118

62,745

54,902

50,980

78,431

35,294

67,787

IWA Publishing

94,118

66,667

92,157

68,627

47,059

43,137

68,627

68,627

Wageningen Academic

96,078

92,157

72,549

49,020

45,098

39,216

94,118

69,748

(UCB) University of British Columbia Press

68,627

88,235

82,353

58,824

80,392

35,294

76,471

70,028

Woodhead Publishing

78,431

64,706

80,392

66,667

58,824

56,863

88,235

70,588

Channel View Publications

76,471

74,510

84,314

70,588

78,431

64,706

47,059

70,868

University of New Mexico Press

66,667

21,569

58,824

82,353

74,510

100,000

92,157

70,868

L’Harmattan

92,157

86,275

54,902

31,373

92,157

94,118

58,824

72,829

Resources for the Future

82,353

96,078

88,235

80,392

72,549

13,725

96,078

75,630

Earthscan Publications Ltd.

62,745

84,314

98,039

86,275

64,706

90,196

60,784

78,151

ASM Press

86,275

50,980

96,078

96,078

68,627

72,549

86,275

79,552

Nottingham University Press

88,235

98,039

94,118

72,549

43,137

80,392

90,196

80,952

Wilfrid Laurier University Press

72,549

68,627

86,275

100,000

62,745

84,314

100,000

82,073

WIT Press

100,000

90,196

100,000

74,510

82,353

37,255

98,039

83,193

13 Implikationen für künftige bibliometrische und szientometrische Untersuchungen

In unserem theoretischen Überblick hatten wir festgestellt, dass in der Literatur heute folgende Ansätze für das Ranking wissenschaftlicher Produkte en vogue sind:

  • Altmetrics,

  • Entlehnungsstatistiken,

  • Libcitation nach OCLC Worldcat,

  • Subjektives Ranking durch academic communities,

  • Zitierungen.

In unserem Aufsatz haben wir nun Daten über die Publikationspräferenz zweier renommierter akademischer communities herangezogen, um zu einer neuen Beurteilung der Sachlage zu gelangen. So standen insgesamt folgende Indikatoren zur Debatte:

  • Altmetrics: Wikipedia monthly downloads, English, last year,

  • Daten über Publikationsverhalten: Dänemark,

  • Daten über Publikationsverhalten: Niederlande (Groningen),

  • Entlehnungsstatistiken: Harvard HOLLIS ratio of books checked out per total holdings (books only),

  • Libcitation nach OCLC Worldcat: Percentage of titles with a global circulation of more than 500,

  • Subjektives Ranking durch academic communities: Sense Quality Indicator,

  • Zitierungen: average citations – books and book chapters.

In Tabelle 20 zeigen wir für die 57 hier untersuchten großen akademischen Verlage die bivariaten Korrelationen zwischen den Hauptindikatoren der wichtigsten hier zur Sprache gekommenen Ansätze, in Tabelle 21 zeigen wir die Korrelationen dieser Ansätze mit dem Echo dieser Verlage im Informationssystem Questia, welches das Spitzensegment der globalen Meinung im Bereich publizierter Bücher, akademischer Zeitschriften, Magazinen wie Time und Newsweek sowie globale Zeitungen erfasst.

Dabei zeigt sich, dass sowohl die Altmetrics-Daten, wie sie in den monatlichen Abrufstatistiken eines Verlages bei Wikipedia zum Ausdruck kommen, als auch die subjektiven Einschätzungen z. B. durch das niederländische Wissenschaftskonsortium SENSE, vielmehr von den durch Questia erhobenen Daten beeinflusst werden als die bisher in der Literatur genannten oder von ihr inspirierten Indikatoren.

13
13

14 Vergleich mit den Implikationen aus der Verlagseinschätzung durch die spanische akademische Community

In diesem Aufsatz hatten wir schon erwähnt, dass es unter den academic communities in einzelnen Disziplinen und in einzelnen Ländern – so in den Niederlanden,[12] in Norwegen[13] und Spanien[14] – subjektiv erstellte Listen über das Ranking von Verlagen gibt. Immerhin basiert sie auf einer Gesamtumfrage unter der universitär „beamteten“ Wissenschaftscommunity des Landes und unterwirft 258 Verlagsunternehmen einem Ranking, das auf einem mathematischen Verfahren der Auswertung der Frage beruht, wo ein/e Wissenschaftler/in am liebsten publizieren möchte. Tabelle 22 und Abbildung 8 vergleichen die Ergebnisse unserer Untersuchung mit den spanischen Daten für die Verlage, die auch in unserer Untersuchung aufscheinen.

Tab. 22:

Das spanische Umfrage-Ranking und die Ergebnisse unserer Untersuchung.

Rang

Verlag

Spanisches Umfrage-Ranking

Overall Quality Indicator unserer Untersuchung

Perzentilleistung nach dem spanischen Umfrage-Ranking

1

Cambridge University Press

86,800

27,535

3,333

2

Oxford University Press

82,950

39,037

6,667

3

Routledge (Francis & Taylor Group)

45,950

28,476

10,000

4

Springer

33,060

27,851

13,333

5

Elsevier

28,210

12,911

16,667

6

De Gruyter

22,380

7,144

20,000

7

John Benjamins

18,700

0,257

23,333

8

Kluwer

17,060

6,112

26,667

9

Brill

14,590

9,257

30,000

10

MIT Press

12,600

13,660

33,333

11

University of Chicago Press

8,780

11,334

36,667

12

Princeton University Press

7,010

15,933

40,000

13

Edward Elgar

6,800

–3,612

43,333

14

Rodopi

5,910

–3,037

46,667

15

John Wiley

5,630

1,233

50,000

16

Palgrave

5,060

5,312

53,333

17

Yale University Press

4,640

7,872

56,667

18

L´Harmattan

3,820

–14,930

60,000

19

University of California Press

2,590

10,483

63,333

20

Duke University Press

1,170

–2,613

66,667

21

Nova Science Publishers

1,040

–5,786

70,000

22

Johns Hopkins University Press

1,030

7,601

73,333

23

CRC Press

0,671

10,390

76,667

24

Edinburgh University Press

0,571

–8,412

80,000

25

Cabi

0,451

–8,632

83,333

26

World Scientific Publishing

0,324

–0,376

86,667

27

Earthscan

0,305

–11,708

90,000

28

Wilfrid Laurier Up

0,107

–12,446

93,333

29

Catena Verlag

0,106

–12,125

96,667

30

Wit Press

0,106

–17,348

100,000

Das spanische Ranking und das Endergebnis unserer Untersuchung haben mehr als 60 Prozent der Varianz gemeinsam. Populär kann also gesagt werden, dass das spanische Ranking und unser Ranking zu zwei Dritteln deckungsgleich sind.

Abb. 8: Der Korrelationszusammenhang zwischen der Einschätzung eines Verlags durch die spanische wissenschaftliche Community und dem Endergebnis unserer Untersuchung (Tabelle 18).
Abb. 8:

Der Korrelationszusammenhang zwischen der Einschätzung eines Verlags durch die spanische wissenschaftliche Community und dem Endergebnis unserer Untersuchung (Tabelle 18).

In diesem Aufsatz hatten wir erwähnt, dass wir natürlich nicht den Inhalt der Gespräche über künftige Publikationen, welche die academic community während der Kaffeepausen internationaler Konferenzen führt, messen können. Aber eine kleine Reise in die akademische Welt Spaniens, wo erstmals auf dem Globus eine methodisch gut abgesicherte Umfrage unter der gesamten wissenschaftlichen community durchgeführt wurde, bei welchem Verlag sie am liebsten publizieren würde, ist uns mit den Daten unserer Analyse erlaubt, und wir brauchen nicht eine der schönen Konferenzen – von der Universidad de Cádiz im Süden bis zur Universidad de Deusto im Baskenland im Norden – besuchen, um zu wissen, dass die spanische wissenschaftliche community von einer Erzählung bei Cambridge University Press sehr beeindruckt sein wird, aber leider auf eine Erwähnung einer Buchpublikation bei L´Harmattan, University of California Press, Duke University Press, Nova Science Publishers oder Johns Hopkins University Press schon eher mit gelangweiltem Achselzucken reagieren dürfte. Unsere „forensische Bibliometrie“ zeigt uns auch in Tabelle 23, mit welchen objektiven Messgrößen des internationalen Verlagswesens das Ansehen eines Verlages im EU-Land Spanien statistisch stärker zusammenhängt und welche Messgrößen einen geringen oder sogar einen negativen Einfluss haben.

Gut bei der spanischen wissenschaftlichen Community dazustehen, bedeutet für einen Verlag vor allem, dass er auch in Entwicklungsländern (hier Indien) stark präsent sein muss und damit ein weltweites gutes Vertriebssystem hat. Nicht die Zitate an sich sind entscheidend, sondern Zitierungen in den führendsten Fachzeitschriften, Magazinen, und Büchern. Wenn die internationalen Institutionen die Produkte des Verlages wahrnehmen, ist dies von großem Nutzen. Auch die Bibliothekswelt in führenden Industrienationen, wie Japan oder Schweden, nehmen dann die Produkte dieses Verlages war und sind seinem Ansehen unter der wissenschaftlichen Community dienlich. Das Echo eines Verlages in neuen Medien wie Wikipedia wird das Ranking durch die spanische academic community gut reflektieren.

Libcitation und Zitationsdaten, wie sie die Bibliometrie und Szientometrie in den letzten Jahren sehr intensiv beschäftigte, haben hingegen auf das Ansehen unter der spanischen Wissenschaftscommunity einen geringeren bis sogar negativen Einfluss. Interessant ist auch zu bemerken, dass das erwähnte subjektive niederländische Ranking des SENSE-Konsortiums, das vor allem im Bereich der Ökologie Forschung koordiniert,[15] mit dem spanischen Gesamtranking nicht deckungsgleich ist. Auch eine Megaperformance eines Verlages im Bereich der globalen Zirkulation ist in der spanischen Community offensichtlich von keiner (großen) Relevanz für das Ansehen eines Verlages.

14
14

15 Implikationen für den Bibliotheksdienst der Zukunft

Unser Aufsatz hat zahlreiche Kriterien entwickelt, mit denen in Zukunft die Bibliometrie und Szientometrie des auf akademische Bücher spezialisierten Verlagswesens betrieben werden kann. Wir testeten den Einfluss von Messgrößen, wie sie auf Grund von Altmetrics, Entlehnungsstatistiken, Libcitation nach OCLC Worldcat und anderen Unionskatalogen in Industrie- und Entwicklungsländern, subjektives Ranking durch academic communities und Zitierungen im Book Citation Index, gewonnen werden können, auf das Ranking von 57 global operierenden Buchverlagen, über die sämtliche Daten vorhanden sind. In unserem Aufsatz haben wir auch Daten über die Publikationspräferenz zweier renommierter akademischer communities in Europa, nämlich Dänemark (landesweit) und die Reichsuniversität Groningen in den Niederlanden herangezogen, um zu einer neuen Beurteilung der Sachlage zu gelangen. Wir berechneten die multivariaten Einflüsse der einzelnen Indikatoren untereinander und auf das Publikationsverhalten in Dänemark und den Niederlanden.

Unsere Auswertungen zeigten somit, dass sowohl Ansätze, die auf die Zitierungen im Book Citation Index oder auf Maßen der Libcitation (globale Verbreitung im OCLC Worldcat) ausschließlich Wert legen, die komplexe Realität des heutigen internationalen Publikationswesens einfach nicht mehr erfassen. Nirgends haben Zitierungen im Book Citation Index oder Libcitation jene überragende Bedeutung, wie bisherige Prototheorien des globalen Publikationswesens bisher annahmen. Bei den dänischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern scheint der Faktor „size and high quality“ der ausschlaggebende zu sein. Für die Forscherinnen und Forscher in Groningen kommt als determinierender Faktor ihrer Publikationspräferenzen noch die international anerkannte Verlagsqualität als weiterer determinierender Faktor ihrer hinzu. In beiden communities kann hingegen die auf Grund des Book Citation Index erhobene durchschnittliche Zitierungsintensität als Publikationsentscheidungskriterium so gut wie verworfen werden.

Für die 10 Spitzenreiter unseres durch Faktorenanalyse gewonnenen Rankings:

  • Oxford University Press

  • Routledge

  • Springer

  • Cambridge University Press

  • World Bank

  • Princeton University Press

  • MIT Press

  • Elsevier

  • University of Chicago Press

  • University of California Press

gilt eine besonders hohe Kumulierung nicht nur der vorzüglichen Gesamtergebnisse, sondern auch hohe Perzentil-Werte bei der Leistung bei den einzelnen Faktoren der Untersuchung. Der Bibliotheksdienst europäischer Forschungseinrichtungen kann guten Gewissens dem wissenschaftlichen Personal diese Verlage für künftige Publikationsprojekte ans Herz legen.

Freilich gilt auch, dass eine gute alte Tätigkeit des Bibliotheksdienstes – die Auswertung dessen, was die führenden Zeitungen und Magazine, Fachzeitschriften der Welt, sowie Bücher der großen Verlage für die Forschungstätigkeit der Fakultäten zu sagen haben – weiter Wichtigkeit hat. Zitate über Verlage in der Neuen Zürcher Zeitung, Le Monde oder New York Times abzuklopfen, ist eben doch sinnvoller als Wikipedia oder Facebook auf Hinweise zu durchkämmen, wenn man wissen will, was Wissenschaftler über Verlage vermutlich denken.

In einem schönen Zitat von Howard White et al. kommt die notwendige Wertschätzung zum Ausdruck, die seitens der Fakultäten für die Bibliotheken bei der Entwicklung von Publikationsstrategien im 21. Jahrhundert bestehen sollte:

We anticipate the cry, ‚But librarians aren’t like citers; they don’t know anything!‘ It is true that librarians rarely make new knowledge claims and are seldom considered the peers of the scientists and scholars who do. Nevertheless, what they acquire […] involves the wide cultural literacy that is at the heart of librarianship.[16]

Diese Literacy könnte ohne das Hinhören auf die Bibliotheksdienste im 21. Jahrhundert verlorengehen.


Article Note

Universitätsdozent Dr. Arno Tausch (Universität Innsbruck und Corvinus University, Budapest) ist Politikwissenschaftler und Ökonom. Teil 1 des Beitrags erschien in Heft 03–04/2020.


Published Online: 2020-05-13
Published in Print: 2020-05-26

© 2020 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

Downloaded on 7.1.2026 from https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/bd-2020-0058/html
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