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Vernetzte Abstandsregelung von Fahrzeugkolonnen

  • Prof. Dr.-Ing. Jan Lunze ist Leiter des Lehrstuhls für Automatisierungstechnik und Prozessinformatik der Ruhr-Universität Bochum. Arbeitsgebiete: vernetzte Regelungen, hybride dynamische Systeme, fehlertolerante Steuerungen, ereignisdiskrete Systeme.

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Published/Copyright: November 30, 2019

Zusammenfassung

Der Beitrag gibt eine Übersicht über Methoden zur Strukturierung und zum Entwurf vernetzter Abstandsregler von Fahrzeugkolonnen. Aus fünf Güteforderungen an das Gesamtsystem werden vier Entwurfsforderungen abgeleitet, die individuell an allen beteiligten Fahrzeugen zu erfüllen sind. Wenn die durch ein Verzögerungsmaß charakterisierte Eigenschaft der geregelten Fahrzeuge nicht zum Zeitabstandskoeffizienten aus den Güteforderungen passt, müssen die Fahrzeugregler über ein Kommunikationsnetz miteinander in Verbindung treten. Die dafür notwendige Kommunikationsstruktur kann auf systematischem Wege abgeleitet werden.

Abstract

The paper gives a survey of the methods for structuring and designing networked distance controllers of vehicle platoons. Starting with five specifications for the overall platoon, it derives four design objectives that are related to the individual vehicles and have to be satisfied when designing the vehicle controller. If the vehicles react too slowly on a changing velocity of its predecessor, which is characterised by a delay measure, the vehicle controllers have to be connected by a communication network the structure of which can be obtained by a systematic method described in the paper.

1 Entwurfsaufgabe und Regelungsstrukturen

1.1 Fahrzeugkolonnen als Multiagentensysteme

Die Abstandsregelung von Fahrzeugkolonnen wird seit vielen Jahren aus zwei Gründen intensiv untersucht. Einerseits bietet sie ein interessantes Anwendungsfeld für die methodische Forschung, wie die frühen Arbeiten [8], [16] zur optimalen Zustandsrückführung oder [1], [9] zur dezentralen Regelung zeigen. In den letzten Jahren sind neue Ergebnisse aus der Theorie der Multiagentensysteme hinzugekommen [14]. Betrachtet man die Abstandsregelung von Fahrzeugen als ein Synchronisationsproblem, so wird offensichtlich, dass die Beschränkung der Theorie auf asymptotische Synchronisation für die Anwendung nicht ausreicht, weil für die Garantie der Kollisionsfreiheit zusätzliche Güteforderungen an das Übergangsverhalten zu erfüllen sind.

Andererseits ist die Abstandsregelung mit oder ohne Kommunikation zu den benachbarten Fahrzeugen ein wichtiges Anwendungsgebiet, mit dem sich die Fahrzeugindustrie und angeschlossene Entwicklungsabteilungen nicht nur theoretisch [15], [20], sondern auch experimentell [17], [19], [22] beschäftigen.

Dieser Übersichtsbeitrag fasst die in den letzten Jahren erarbeiteten methodischen Grundlagen zusammen und zeigt, wie die Struktur der Regelung und die Entwurfskriterien systematisch aus den Forderungen an das Verhalten der Fahrzeugkolonne abgeleitet werden können. Dabei werden Verbindungen zwischen den bisher in Einzelveröffentlichungen beschriebenen Ergebnissen hergestellt, aber für die Beweise der Hauptergebnisse auf die Originalquellen verwiesen.

Die theoretische und die anwendungsorientierte Herangehensweise unterscheiden sich grundlegend, auch wenn sie in ihren wichtigsten Ergebnissen übereinstimmen. Die praktisch orientierten Arbeiten beginnen mit Annahmen über die Fahrzeugmodelle und leiten daraus mögliche Reglerstrukturen und Entwurfsvorgehen ab. Ihre Ergebnisse sind damit unter den Modellannahmen unmittelbar praktisch einsetzbar, aber man darf keine übergreifenden, strukturellen Aussagen darüber erwarten, wie Abstandsregelungen im Allgemeinen aufgebaut werden sollen und welche Eigenschaften der geregelten Fahrzeuge dabei wichtig sind.

Der in den letzten Jahren entwickelte Multiagentenansatz andererseits fasst die Fahrzeugkolonne als ein vernetztes Regelungssystem auf, das bestimmte Güteforderungen erfüllen soll, und leitet daraus die gewünschten Fahrzeugeigenschaften und die für die Einhaltung der Güteforderungen notwendigen Kopplungsstrukturen ab. Dieser in der englischsprachigen Literatur als network thinking [14] bezeichnete Weg wird in dieser Übersichtsarbeit herausgestellt. Im Unterschied zu den anwendungsorientierten Arbeiten führt er auf einen direkten Zusammenhang zwischen den Eigenschaften der Einzelfahrzeuge und der kollektiven Dynamik der Fahrzeuge in der Kolonne und zeigt somit, unter welchen Bedingungen die betrachteten Güteforderungen eingehalten werden können. Wie dies dann unter Berücksichtigung der praktischen Randbedingungen für das jeweilige Fahrzeug realisiert wird, bleibt zunächst offen und zeigt den Gestaltungsspielraum für die Fahrzeugregelung, der in diesem Beitrag mit drei Reglerstrukturen umrissen wird.

Abb. 1 Fahrzeugkolonne mit dezentraler Abstandsregelung.
Abb. 1

Fahrzeugkolonne mit dezentraler Abstandsregelung.

Die Entwurfsfreiheiten werden maßgebend durch die Kommunikationsstruktur der Regelung bestimmt, wobei die im ersten Teil dieses Beitrags behandelte dezentrale Abstandsregelung dem gegenwärtigen Stand der Technik entspricht, während die im zweiten Teil dargestellte vernetzte Regelung mit der Einführung einer Fahrzeug-zu-Fahrzeug-Kommunikation in den nächsten Jahren möglich wird. Entsprechend Bild 1 müssen sich die Fahrzeugregler Ci, (i=0,1,...,N) gegenwärtig auf Informationen beschränken, die lokal am Fahrzeug Pi gemessen werden können, wobei die im Bild eingetragene Kopplung der Fahrzeuge über die Geschwindigkeiten vi(t) aus physikalischen Gründen auftritt. Die Fahrzeuge zusammen mit ihren lokalen Reglern sind mit V¯i bezeichnet und beim Führungsfahrzeug beginnend durchnummeriert. si(t) stellt die Fahrzeugposition und di(t) den Abstand des i–ten vom (i1)–ten Fahrzeug dar. Aus Sicht des Gesamtsystems arbeiten die Regler dezentral und sie werden in der Literatur als adaptive cruise controllers (ACC) bezeichnet. Das Attribut „adaptiv“ bezieht sich hier entgegen der üblichen Nomenklatur auf die Anpassung der Abstandssollwerte an die Fahrzeuggeschwindigkeit entsprechend der später eingeführten Güteforderung (R3) und nicht auf eine Veränderung der Reglerparameter.

Da in den nächsten Jahren mit der Einführung funkbasierter Kommunikationsnetze zwischen den Fahrzeugen gerechnet wird, wird in der Literatur seit einiger Zeit intensiv über Erweiterungen der bisherigen dezentralen Regler zu vernetzten Reglern nachgedacht, die als cooperative adaptive cruise controllers (CACC) bezeichnet werden (Bild 2). Die Kooperation wird möglich durch die Übertragung wichtiger Informationen zwischen direkt oder indirekt benachbarten Fahrzeugen, wobei der Informationsübertragung von vorausfahrenden auf nachfolgende Fahrzeuge besondere Bedeutung zukommt. Mit Hilfe der zusätzlichen Informationen soll eine vorausschauende Fahrweise realisiert werden, durch die Kollisionen garantiert vermieden werden.

Abb. 2 Fahrzeugkolonne mit kooperativer Abstandsregelung.
Abb. 2

Fahrzeugkolonne mit kooperativer Abstandsregelung.

Aus methodischer wie aus anwendungsorientierter Sicht ergeben sich aus diesem Vergleich mehrere wichtige Fragen:

  1. Welche Eigenschaften müssen die geregelten Fahrzeuge haben, damit die Fahrzeugkolonne mit der verwendeten Kopplungsstruktur die Güteforderungen einhält?

  2. Unter welchen Bedingungen braucht man die Fahrzeug-zu-Fahrzeug-Kommunikation?

  3. Wenn ein Kommunikationsnetzwerk zur Verfügung steht, zwischen welchen Fahrzeugen sollen Verbindungen aufgebaut werden und was soll darüber übertragen werden?

Dieser Übersichtsbeitrag wird diese Fragen beantworten und damit auch den in der jeweiligen Situation notwendigen technischen Aufwand zeigen.

1.2 Güteforderungen

Die Regelungsaufgabe ist für ACC und CACC dieselbe: Gesucht sind lokale Regler Ci und gegebenenfalls ein Kommunikationsnetz Aˆ, so dass die Geschwindigkeit vi(t) des eigenen Fahrzeugs der Geschwindigkeit der vorausfahrenden Fahrzeuge angepasst und der Fahrzeugabstand di(t)=si1(t)si(t) auf einen vorgegebenen Sollwert diref(t) gebracht wird. Das Führungsfahrzeug P0 gibt die Sollgeschwindigkeit v0(t) vor.

Die Güteforderungen für die hier betrachtete Regelung beziehen sich auf fünf Eigenschaften der Fahrzeuge in der Kolonne:

  1. Asymptotische Stabilität: Bei der dezentralen Regelung und bei vernetzten Regelungen mit zyklenfreier Kommunikationsstruktur ist diese Forderung genau dann erfüllt, wenn alle lokalen Regelkreise stabil sind.

  2. Asymptotische Sollwertfolge: Sämtliche Fahrzeuge sollen sich stationär mit derselben Geschwindigkeit v0 bewegen:

    (1)limt|vi(t)v0|=0,i=1,2,...,N.
  3. Zeitabstand: Der mit der Geschwindigkeit vi(t) ansteigende Sollabstand

    (2)diref=αi+βivi(t)

    soll bei konstanter Geschwindigkeit v0 asymptotisch erreicht werden:

    (3)limt|di(t)diref(t)|=0,i=1,2,...,N.

    Dabei beschreibt βi den in Sekunden gemessenen Zeitabstand des i–ten vom (i1)–ten Fahrzeug und αi den in Metern gemessenen Sicherheitsabstand in der stehenden Kolonne.

  4. Einhalten eines Sicherheitsabstands: Bei beliebigem Geschwindigkeitsprofil v0(t)0 des Führungsfahrzeugs sollen die Fahrzeuge stets einen Mindestabstand einhalten:

    (4)di(t)αi,t0,i=1,2,...,N.
  5. Kontinuierliche Progression: Die Fahrzeuge sollen sich mit nichtnegativer Geschwindigkeit bewegen:

    (5)vi(t)0,t0,i=0,1,...,N.
Diese Liste von Güteforderungen zeigt, dass die Abstandsregelung von Fahrzeugen im Prinzip ein Synchronisationsproblem lösen soll, das in der Literatur zu Multiagentensystemen ausführlich untersucht worden ist [14]. Die dort erarbeiteten Ergebnisse beziehen sich jedoch nur auf die asymptotische Synchronisation entsprechend Gl. (1), während für den hier untersuchten Anwendungsfall wichtige weitere Forderungen an die vernetzte Regelung gestellt werden und folglich die Theorie anwendungsorientiert erweitert werden muss.

Alle nachfolgenden Untersuchungen gehen davon aus, dass die geregelten Fahrzeuge V¯i, (i=0,1,...,N) entsprechend (R1) asymptotisch stabil sind.

1.3 Vorgehensweise

Die Aufgabe, eine dezentrale oder vernetzte Abstandsregelung zu entwerfen, die die im Abschnitt 1.2 aufgeführten Güteforderungen erfüllt, ist aus zwei Gründen schwierig. Erstens betreffen die genannten Güteforderungen die Fahrzeugkolonne als Ganzes. Eine direkte Überprüfung der angeführten Bedingungen ist unmöglich, weil die Fahrzeugkolonnen in der Praxis beliebige Länge haben können und Fahrzeuge mit unterschiedlichen Eigenschaften in beliebiger Reihenfolge fahren können. Hier erweist sich der Ansatz, Fahrzeugkolonnen als Multiagentensysteme aufzufassen und die an das Gesamtsystem gestellten Güteforderungen schrittweise als Entwurfsforderungen für die Teilsysteme und als Bedingungen an die Kopplungsstruktur umzuformen, als ein effizienter Lösungsweg. Wenn die geregelten Fahrzeuge die im Abschnitt 3.4 angegebenen Eigenschaften besitzen, ist die Kollisionsfreiheit einer ansonsten beliebig zusammengesetzten Fahrzeugkolonne gesichert.

Die zweite Schwierigkeit der hier betrachteten Regelungsaufgabe entsteht aus den Ungleichungsforderungen (4) und (5) an das geregelte Gesamtsystem. Es ist generell problematisch, fest eingestellte Regler zu strukturieren und zu parametrieren, mit denen das Verhalten des Regelkreises Ungleichungen für ausgewählte Signale erfüllt und dies, wie in dem hier betrachteten Fall, für eine beliebige Eingangsgröße vref(t)0. Für die Lösung dieses Problems liegt der Schlüssel in der Wahl der Modellstruktur nach Bild 3, bei der nicht die Position der Fahrzeuge, sondern deren Geschwindigkeit als Koppelgröße verwendet wird. Wenn man für die Teilsysteme dieses Blockschaltbilds wie im Abschn. 3.3 fordert, dass sie für eine beliebige nichtnegative Koppeleingangsgröße mit einer nichtnegativen Koppelausgangsgröße reagieren, also extern positives Verhalten aufweisen, kann man die Einhaltung der beiden Ungleichungen beweisen. Die angegebene Kopplungsstruktur der Fahrzeugmodelle hat übrigens keine Konsequenzen auf die Signale, die eine vernetzte Regelung über das Kommunikationsnetz überträgt.

1.4 Literatur

Erste Arbeiten zur Abstandsregelung von Fahrzeugkolonnen in den 1960-iger Jahren führten auf zentrale Regler [8], [16], die zur damaligen Zeit aufgrund der fehlenden Kommunikationsmöglichkeiten nicht realisierbar waren und heute nicht eingesetzt werden, weil sie schwer an eine sich verändernde Zusammensetzung der Kolonne angepasst werden können. Die meisten späteren Untersuchungen bezogen sich deshalb auf dezentrale Regelungen, bei denen die lokalen Regler nur auf die am jeweiligen Fahrzeug messbaren Größen zugreifen [1], [9].

Um die Kollisionsfreiheit der Fahrzeugkolonne zu sichern, wurde in [28] der Begriff der Kolonnenstabilität eingeführt und in zahlreichen Arbeiten, darunter [2], [3], [23], [24], [27], untersucht. Die Kolonnenstabilität fordert, dass sich die Amplitude von sinusförmigen Geschwindigkeits- oder Abstandsänderungen entlang der Fahrzeugkolonne nicht vergrößert. Bereits in [2], [21] wurde aber an Simulationsstudien gezeigt, dass die Kolonnenstabilität nicht ausreicht, um die Kollisionsfreiheit entsprechend der Forderung (R4) zu sichern. Später wurde in [26] bewiesen, dass bei typischen Fahrzeugmodellen mit Doppelintegratordynamik die Forderung nach Kolonnenstabilität durch dezentrale Regler gar nicht eingehalten werden kann, wenn man einen konstanten Fahrzeugabstand vorschreibt. Diese und ähnliche Forderungen sind allerdings erfüllbar, wenn man Informationen von vorausfahrenden Fahrzeugen erhält, beispielsweise die Geschwindigkeit v0(t) des Führungsfahrzeugs [7], [26], oder wenn man die Struktur einer kooperativen Regelung beliebig vorgeben kann [6], [15], [19], [20]. In diesem Zusammenhang wurden auch vernetzte Regelungen betrachtet, bei denen die Kommunikationsrichtung in und entgegen der Fahrtrichtung verläuft [5].

Die insgesamt sehr umfangreiche Literatur zur Dynamik von Fahrzeugkolonnen und zum Entwurf von Abstandsregelungen weist darauf hin, dass Fahrzeugkolonnen trotz ihrer einfachen Aufbaus als Reihenschaltung einzelner Fahrzeuge eine komplexe Dynamik besitzen können. Hinzu kommen die im letzten Abschnitt erläuterten Entwurfsschwierigkeiten durch Ungleichungsbedingungen, die die Abstandsregelung zu einem über mehrere Jahrzehnte betrachteten Entwurfsproblem gemacht haben.

Abb. 3 Detailliertes Blockschaltbild einer Fahrzeugkolonne mit ACC.
Abb. 3

Detailliertes Blockschaltbild einer Fahrzeugkolonne mit ACC.

2 Ideale Fahrzeugkolonne

Dieser Abschnitt zeigt, wie sich die geregelten Fahrzeuge idealerweise verhalten sollen, um die Güteforderungen (R1)–(R5) zu erfüllen. Um den Sollabstand (2) permanent einzuhalten

(6)di(t)=α+βivi(t),t0,i=1,2,...,N

müssen sie diese Forderung zur Zeit t=0 erfüllen

(7)di(0)=α+βivi(0),i=1,2,...,N,

was im Folgenden vorausgesetzt wird. Um die Gültigkeit von (6) auch zukünftig zu sichern, muss die Beziehung

(8)d˙i(t)=βiv˙i(t),t0

gelten. Für den Fahrzeugabstand

(9)di(t)=si1(t)si(t)d˙i(t)=vi1(t)vi(t).

ist Gl. (8) erfüllt, wenn

βv˙i(t)=vi1(t)vi(t)

und

(10)V¯i:v˙i(t)=1βivi(t)+1βivi1(t),vi(0)=vi0di(t)=βivi(t)+αi

(i=1,2,...,N) gilt, womit folgender Satz bewiesen ist:

Satz 1 (Permanente Einhaltung des Zeitabstands).

Eine Fahrzeugkolonne mit dem anfänglichen Fahrzeugabstand (7) erfüllt die Forderung (6) für einen beliebigen Geschwindigkeitsverlaufv0(t)des Führungsfahrzeugs genau dann, wenn alle geregelten FahrzeugeV¯idie Dynamik (10) haben.

Diese Fahrzeuge halten stets den Abstand di(t)=diref(t) ein, so dass die in (R4) geforderte Kollisionsfreiheit der Fahrzeugkolonne für alle Zeitpunkte t0 gewährleistet ist. Da es sich bei Gl. (10) um ein System erster Ordnung mit positiver Zeitkonstante βi handelt, sind die geregelten Fahrzeuge asymptotisch stabil, haben die statische Verstärkung ks=1 und erfüllen deshalb auch die Forderungen (R1)–(R3) und (R5). Somit beschreibt der Satz 1 das ideale Verhalten der geregelten Fahrzeuge in Bezug zu den im Abschn. 1.2 gestellten Güteforderungen.

Wenn man also keine technischen Randbedingungen einzuhalten hat, die aus der Fahrdynamik, der Dynamik des Antriebsstrangs der Fahrzeuge, den Verzögerungen der Kommunikationsverbindungen und weiteren technischen Umständen entstehen, muss man den Fahrzeugen die durch Gl. (10) beschriebene Dynamik aufprägen und kann damit die Kollisionsvermeidung garantieren. Gleichzeitig kann man den durch βi beschriebenen Zeitabstand zwischen den Fahrzeugen soweit wie technisch möglich reduzieren. Die Herausforderungen für den Entwurf der Abstandsregler entstehen aus den bisher nicht betrachteten technischen Randbedingungen, die sich in den folgenden Abschnitten in den Modellannahmen der Fahrzeuge und in den Reglern niederschlagen.

3 Fahrzeugkolonnen mit dezentraler Abstandsregelung

3.1 Modell

Der nachfolgende Teil dieses Beitrags beschäftigt sich mit der dezentralen Abstandsregelung (ACC) und untersucht, welche Anforderungen an die geregelten Fahrzeuge aus den Güteforderungen (R1) bis (R5) entstehen.

Eine Fahrzeugkolonne mit dezentraler Regelung wird mit der Modellstruktur aus Bild 3 dargestellt. Das Modell (10) des geregelten Fahrzeugs V¯i legt es nahe, die Geschwindigkeit vi1(t) des vorausfahrenden Fahrzeugs als Koppelgröße zum i–ten Fahrzeug zu verwenden. Anstelle des Fahrzeugabstands di(t) wird mit dem reduzierten Abstand

d˜i(t)=di(t)αi

gerechnet, bei dem αi die Fahrzeuglänge beinhaltet.

Die Fahrzeuge sind durch Modelle der Form

(11)V¯0:V0(s)=G¯0(s)Vref(s)
(12)V¯i:Vi(s)=G¯i(s)Vi1(s)D˜i(s)=F¯i(s)Vi1(s),i=1,2,...,N
mit den Übertragungsfunktionen G¯i(s) and F¯i(s) und den Signalen Vi(s)vi(t) und D˜i(s)d˜i(t) beschrieben. Die Laplacetransformation wird durch das Symbol gekennzeichnet und die Signale im Laplacebereich haben wie üblich große Buchstaben. Wegen Gl. (9) gilt

(13)F¯i(s)=1s(1G¯i(s)).

Im Unterschied zum Modell (10) können die geregelten Fahrzeuge V¯i jetzt eine beliebige Dynamik G¯i(s) besitzen. Das Modell (12) gilt allerdings nur für Fahrzeuge mit dem Anfangszustand

(14)vi(0)=0,d˜i(0)=0.

Entsprechend den Güteforderungen (R1) und (R2) müssen die Pole der Übertragungsfunktionen G¯i(s) und F¯i(s) negativen Realteil haben und für die statische Verstärkung muss gelten

(15)G¯i(0)=1.

Beides wird im Folgenden als erfüllt vorausgesetzt.

3.2 Asymptotische Sollwertfolge

Entsprechend der Güteforderung (R3) sollen die geregelten Fahrzeuge stationär den Abstand (3) einnehmen. Um Bedingungen dafür anzugeben, wird das in [10] eingeführte Verzögerungsmaß

(16)Δi=0(1h¯i(τ))dτ

betrachtet, bei dem h¯i(t) die zur Übertragungsfunktion G¯i(s) gehörende Übergangsfunktion bezeichnet. Es kann entsprechend der Beziehung

(17)Δi=F¯i(0)

aus F¯i(s) berechnet werden [14]. Die folgenden Untersuchungen werden zeigen, dass dieses Maß eine wichtige Rolle spielt, wenn man ein Beschleunigungsmanöver betrachtet, bei dem sich die Geschwindigkeit des (i1)–ten Fahrzeugs und damit die Eingangsgröße des i–ten Fahrzeugs vom Wert v¯0 auf den Wert v¯1 verändert:

(18)vi1(t)=vi(t)=v¯0,t0
(19)vi1(t)=v¯1,tt1>0.

Abb. 4 Interpretation des Verzögerungsmaßes Δi{\Delta _{i}}.
Abb. 4

Interpretation des Verzögerungsmaßes Δi.

Entsprechend Bild 4 passt sich die Geschwindigkeit vi(t) dieser Veränderung an, allerdings mit einer Verzögerung, die durch Δi beschrieben wird. Für die im Bild grau hinterlegte Fläche gilt nämlich nach [13]

(20)Ji=0vi1(τ)vi(τ)dτ=(v¯1v¯0)Δi.

Diese Fläche bestimmt die Änderung des stationär erreichten Fahrzeugabstands für das Manöver (18), (19), denn aus den Gln. (9) und (20) erhält man

limtdi(t)=di(0)+0vi1(τ)vi(τ)dτ=di(0)+(v¯1v¯0)Δi.

Wenn der Sollabstand zur Zeit t=0 eingehalten wird

(21)di(0)=αi+βiv¯0,

ist die Forderung (3) genau dann erfüllt, wenn das geregelte Fahrzeug V¯i das Verzögerungsmaß

(22)Δi=βi

besitzt.

Satz 2 (Asymptotische Einhaltung des Sollabstands [12]).

Eine Kolonne dezentral geregelter Fahrzeuge mit der EigenschaftG¯i(0)=1und dem Anfangsabstand (21) erfüllt die Güteforderung (3) genau dann, wenn alle geregelten Fahrzeuge das VerzögerungsmaßΔi=βi, (i=1,2,...,N) besitzen.

Die dezentralen Fahrzeugregler können also getrennt voneinander mit dem Ziel (22) entworfen werden. Kolonnen, die aus beliebigen Fahrzeugen dieser Art zusammengesetzt sind, erfüllen dann die Güteforderung (R3). Darüber hinaus halten sie den Abstandssollwert diref(t) näherungsweise für alle Zeiten t0 ein, wenn sie sich ähnlich wie das Modell (10) verhalten.

3.3 Kollisionsfreiheit

Dieser Abschnitt zeigt, dass die geregelten Fahrzeuge auch die Güteforderungen (R4) und (R5) erfüllen, wenn sie eine extern positive Dynamik besitzen. Es wird zunächst der Begriff der positiven Systeme erläutert.

Extern positive Systeme. Ein lineares System mit der Übertragungsfunktion G¯(s) heißt extern positiv, wenn es aus dem Ruhezustand für beliebige nichtnegative Eingangsgrößen u(t)0 nichtnegative Ausgangsgrößen y(t)0 erzeugt:

u(t)0,t0y(t)0,t0.

Wie in [4] gezeigt ist, ist ein lineares System Y(s)=G¯(s)U(s) genau dann extern positiv, wenn die Gewichtsfunktion g¯(t)G¯(s) nichtnegativ ist:

(23)g¯(t)0,t0.

Die zugehörige Übergangsfunktion h¯(t) erreicht ihren statischen Endwert limth¯(t)=1 ohne Überschwingen.

Da das geregelte Fahrzeug (12) zwei Ausgänge besitzt, ist es für die Überprüfung dieser Eigenschaft wichtig zu wissen, dass wegen Gl. (13) die externe Positivität bezüglich des Ausgangs vi(t) auch die externe Positivität bezüglich des Ausgangs d˜i(t) nach sich zieht [14]:

(24)g¯i(t)0,t0f¯i(t)0,t0

mit g¯i(t)G¯i(s) und f¯i(t)F¯i(s).

Kollisionsvermeidung und kontinuierliche Progression. Die Erfüllung der Güteforderungen (R4) und (R5) durch extern positive Fahrzeuge kann schnell bewiesen werden, wenn man die Fahrzeugschlange vom Führungsfahrzeug beginnend betrachtet. Für nichtnegative Funktionen vref(t)0 und g¯0(t)0 ist die Geschwindigkeit des Führungsfahrzeugs nichtnegativ

v0(t)=g¯0(t)vref(t)0,t0,

wobei der Stern die Faltungsoperation kennzeichnet. Damit erhält das Fahrzeug V¯1 eine nichtnegative Eingangsgröße und antwortet mit nichtnegativen Ausgängen

v1(t)=g¯1(t)v0(t)0,t0d˜1(t)=f¯1(t)v0(t)0,t0.

Dieselbe Überlegung gilt nacheinander für alle folgenden Fahrzeuge.

Satz 3 (Kollisionsvermeidung und korrektes Fahrverhalten [12]).

Eine Kolonne dezentral geregelter Fahrzeuge (12) erfüllt die Güteforderungen (R4) und (R5), wenn alle Fahrzeuge eine extern positive Dynamik besitzen.

Die Forderung nach externer Positivität ist strenger als die nach Kolonnenstabilität. Sie ist in verschiedenen Situationen auch notwendig für die Einhaltung der Forderungen (R4) und (R5), beispielsweise, wenn alle Fahrzeuge dieselbe Dynamik aufweisen

(25)G¯i(s)=G¯(s)undF¯i(s)=F¯(s),i=0,1,2,...,N,

denn dann kann man andernfalls leicht eine Sollvorgabe vref(t) finden, für die das Führungsfahrzeug rückwärts fährt oder der Abstand zwischen den ersten beiden Fahrzeugen negativ wird.

3.4 Zusammenfassung der Forderungen an die geregelten Fahrzeuge

In den vorangegangenen Abschnitten wurden Bedingungen an die geregelten Fahrzeuge abgeleitet, unter denen Fahrzeugkolonnen mit ACC die Güteforderungen (R1) bis (R5) erfüllen. Diese Bedingungen können als Entwurfsforderungen für die Regelungen der individuellen Fahrzeuge formuliert werden:

  1. Stabilität: Jedes geregelte Fahrzeug V¯i muss E/A-stabil sein.

  2. Sollwertfolge: Jedes geregelte Fahrzeug muss bezüglich des E/A-Paares (vi1(t),vi(t)) die statische Verstärkung G¯i(0)=1 haben.

  3. Verzögerungsmaß: Jedes geregelte Fahrzeug muss das Verzögerungsmaß βi haben: Δi=βi.

  4. Extern positive Dynamik: Jedes geregelte Fahrzeug muss eine extern positive Dynamik aufweisen: g¯i(t)0.

Diese Liste zeigt, dass man die Güteforderungen an die Fahrzeugkolonne aus dem Abschn. 1.2 in vier Forderungen überführen kann, die sämtliche Fahrzeuge in der Kolonne unabhängig voneinander erfüllen müssen. Geregelte Fahrzeuge, die den Forderungen (D1) bis (D4) genügen, können beliebig zu Kolonnen zusammengestellt werden und es ist stets die Kollisionsfreiheit bei beliebigem Fahrprofil vref(t) des Führungsfahrzeugs gesichert.

Die abgeleiteten Bedingungen zeigen auch, wann dezentrale Fahrzeugregler (ACC) ausreichen. Der kritische Punkt ist die gemeinsame Erfüllung der Forderungen (D3) und (D4), die besagen, dass das Fahrzeug seine Geschwindigkeit mit einer durch βi beschriebenen Verzögerung der Geschwindigkeit des Vorgängers anpassen muss und dabei nicht überschwingen darf. Es ist einerseits einfach, die externe Positivität dadurch zu erzeugen, dass der Regler sehr langsam eingestellt wird. Andererseits kann man die Forderung Δi=βi dadurch erfüllen, dass sich die Übergangsfunktion h¯i(t) schnell genug ihrem Endwert nähert. Beides gleichzeitig zu erfüllen, ist die eigentliche Herausforderung für den Reglerentwurf.

Ob man diese Herausforderung erfüllen kann entscheidet, ob eine dezentrale Regelung ausreicht oder ob man eine vernetzte Regelung braucht. Wie dann die Kommunikationsstruktur aussehen muss, beschreibt Abschn. 5.

4 Fahrzeugregler

4.1 Fahrzeugmodell

Dieser Abschnitt zeigt an drei Beispielen, mit welchen Reglerstrukturen man die Entwurfsforderungen (D1) bis (D4) erfüllen kann. Während die bisherigen Untersuchungen von einer beliebigen Struktur der geregelten Fahrzeuge V¯i ausgingen und die Fahrzeuge einschließlich ihrer Regelung als Einheit betrachteten, wird nun untersucht, inwieweit man mit typischen Fahrzeugmodellen und typischen Reglerstrukturen den Entwurfsforderungen (D1)–(D4) genügen kann. Da die Untersuchungen für die Fahrzeuge einzeln durchgeführt werden, wird der Index i weggelassen.

Das Fahrzeug (ohne Regler) hat das Modell

(26)V(s)=G(s)U(s)

mit U(s) als Stellglied für den Antriebsstrang und V(s) als Fahrzeuggeschwindigkeit. Die Übertragungsfunktion G(s) hat typischerweise integrales Verhalten

(27)G(s)=G˜(s)1smitG˜(0)=1,

wobei in der Literatur für G˜(s) oft ein Verzögerungsglied erster Ordnung eingesetzt wird:

(28)G˜(s)=1Ts+1.

Es wird jetzt für drei Regler untersucht, inwieweit die Entwurfsforderungen (D1) bis (D4) durch geeignete Parameterwahl erfüllt werden können.

4.2 Fahrzeuge mit Geschwindigkeitsregler

Im ersten Fall wird ein Geschwindigkeitsregler

(29)C:U(s)=Kv(s)(Vi1(s)V(s))

eingesetzt, der die Geschwindigkeit V(s) des betrachteten Fahrzeugs der Geschwindigkeit Vi1(s) des vorausfahrenden Fahrzeugs anpasst. Für den proportionalen Anteil gelte die Beziehung Kv(0)=kv0. Das Fahrzeugmodell (12) hat damit die Übertragungsfunktionen

(30)G¯(s)=Kv(s)G˜(s)s+Kv(s)G˜(s)
(31)F¯(s)=1s(1G¯(s))
(32)=1s+Kv(s)G˜(s),
aus denen hervorgeht, dass die Entwurfsforderung (D2) für beliebige Reglerparameter eingehalten wird und die Forderung (D3) für kv=1/β. Die Forderung (D4) nach einem extern positiven Verhalten kann nicht allgemein überprüft werden, denn wie das folgende Beispiel zeigt ist hierfür eine zweckmäßige Wahl der Reglerparameter und gegebenenfalls eine zusätzliche Reglerdynamik erforderlich.

Beispiel 1 (Fahrzeug mit Geschwindigkeitsregler).

Wenn der Antriebsstrang sehr schnell ist (G˜(s)=1), erhält man für einen proportionalen Geschwindigkeitsregler Kv(s)=kv die Übertragungsfunktionen

(33)G¯(s)=kvs+kvundF¯(s)=1s+kv,

die für kv=1/β mit den Übertragungsfunktionen des idealen Fahrzeugs (10) übereinstimmen und damit den Forderungen (D1)–(D4) genügen. Eine Kolonne aus solchen Fahrzeugen erfüllt permanent die Güteforderungen (R1)–(R5).

Wenn der Antriebsstrang eine Dynamik (28) erster Ordnung aufweist, erhält man mit dem proportionalen Regler die Beziehungen

(34)G¯(s)=kvTs2+s+kvundF¯(s)=Ts+1Ts2+s+kv.

Die geregelten Fahrzeuge sind E/A-stabil für alle kv>0 und haben die geforderte Verzögerung D=β für kv=1/β. Um eine extern positive Dynamik zu erhalten, muss die Zeitkonstante T des Antriebsstrangs hinreichend klein sein. Die Schranke Tβ/4 erhält man aus der Forderung, dass sämtliche Pole von G¯(s) reell sind, was für ein positives Verhalten notwendig ist. Diese Ungleichung zeigt, dass für die Erfüllung der Entwurfsforderung (D4) der Antriebsstrang hinreichend schnell sein muss im Vergleich zum Zeitabstandskoeffizienten β.

Abb. 5 Gewichtsfunktion des Fahrzeugs und Fahrzeugabstand bei einem Bremsmanöver.
Abb. 5

Gewichtsfunktion des Fahrzeugs und Fahrzeugabstand bei einem Bremsmanöver.

Der obere Teil von Bild 5 vergleicht die Gewichtsfunktion des geregelten Fahrzeugs mit der Zeitkonstanten T=0.5s und der Reglerverstärkung kv=1/β=0.51/s (durchgezogene Linie) mit der Gewichtsfunktion g¯(t) des idealen Fahrzeugs (10) (gestrichelte Linie). In beiden Fällen ist das Fahrzeug extern positiv. Wenn man die Zeitkonstante T erhöht, nimmt die durchgezogene Kurve negative Werte an und die Entwurfsforderung (D4) ist nicht mehr erfüllt.  □

Die Ergebnisse dieses Abschnitts zeigen, dass sämtliche Entwurfsforderungen an die Fahrzeugkolonne durch eine Anpassung der Fahrzeuggeschwindigkeit an die Geschwindigkeit des vorausfahrenden Fahrzeugs erfüllt werden können. Allerdings gilt diese Aussage nur unter der Voraussetzung (14), dass die Fahrzeuge die Forderungen zum Zeitpunkt t=0 einhalten. Mit den beiden nachfolgend betrachteten Reglern können auch anfängliche Abstandsfehler ausgeglichen werden.

4.3 Fahrzeuge mit Abstandsregler

Fahrzeuge mit Abstandsregler

(35)C:U(s)=Kd(s)(βV(s)D˜(s))

haben die im Bild 6 gezeigte Struktur. Die Regelabweichung E(s)=βV(s)D˜(s) wird über den Regler Kd(s) zurückgeführt. Bei der Implementierung kann man anstelle der Geschwindigkeit vi1(t) des vorausfahrenden Fahrzeugs den Fahrzeugabstand di(t) messen, aber das Blockschaltbild ist in der zuvor verwendeten Weise gezeichnet, bei der wie im Bild 3 die Geschwindigkeiten die Koppelgrößen der Fahrzeuge darstellen.

Abb. 6 Fahrzeug mit Abstandsregler.
Abb. 6

Fahrzeug mit Abstandsregler.

Mit dem Regler (35) erhält man für das Modell (12) des geregelten Fahrzeugs die Übertragungsfunktionen

G¯(s)=G˜(s)Kd(s)s2sG˜(s)Kd(s)βG˜(s)Kd(s)F¯(s)=sG˜(s)Kd(s)βs2sG˜(s)Kd(s)βG˜(s)Kd(s),

die zeigen, dass jeder Regler mit der Proportionalverstärkung Kd(0)=kd0 die Entwurfsforderungen (D2) und (D3) erfüllt. Eine extern positive Dynamik kann man wie im folgenden Beispiel erhalten.

Beispiel 2 (Fahrzeug mit Abstandsregler).

Für einen schnellen Antriebsstrang mit G˜(s)=1 und dem häufig in der Literatur eingesetzten PD-Abstandsregler

(36)Kd(s)=kDs+kP

hat das geregelte Fahrzeug das Modell

G¯(s)=kDskP(1kDβ)s2(kPβ+kD)skPF¯(s)=(1kDβ)skPβ(1kDβ)s2(kPβ+kD)skP.

Es ist für die Parameterbereiche kD0, kP<0 stabil, erfüllt die Forderungen (D2) und (D3) und erzeugt eine extern positive Dynamik für geeignet gewählte Reglerparameter, wobei für kD=5 und kP=1.5 wieder fast ideales Verhalten nach Gl. (10) entsteht. Für Antriebsstränge mit nicht vernachlässigbarer Verzögerung (28) muss der Regler die externe Positivität des Fahrzeugs herstellen, was nur bei hinreichend kleinen Zeitkonstanten möglich ist.

Abb. 7 Fahrzeugabstände in einer Kolonne mit Abstandsreglern.
Abb. 7

Fahrzeugabstände in einer Kolonne mit Abstandsreglern.

Bild 7 zeigt das Fahrverhalten von identischen Fahrzeugen mit Abstandsregler. Der Geschwindigkeitssollwert des Führungsfahrzeugs steigt von vref(t)=20km/h für t<0 auf vref(t)=30km/h für t0. Die Fahrzeugabstände sind anfangs zu groß, werden aber durch die Abstandsregler an die gestrichelt dargestellte Sollgröße d˜i(t)=2vi(t) herangeführt. In dieser Eigenschaft erweist sich der Abstandsregler dem Geschwindigkeitsregler aus dem vorhergehenden Abschnitt als überlegen.  □

4.4 Fahrzeuge mit kombiniertem Geschwindigkeits-Abstandsregler

Die Kombination beider zuvor dargestellter Regler führt auf die Struktur im Bild 8, wobei der Block Gv das Fahrzeug mit dem Geschwindigkeitsregler Kv(s) enthält und das Signal v˜s den Sollwert dieses Reglers vorgibt. Der kombinierte Regler hat das Reglergesetz

(37)U(s)=Kv(s)(V˜s(s)V(s))+Kv(s)Kd(s)(βV(s)D˜(s)).
Abb. 8 Fahrzeug mit Geschwindigkeits-Abstandsregler.
Abb. 8

Fahrzeug mit Geschwindigkeits-Abstandsregler.

Der Regelkreis mit den Übertragungsfunktionen

G¯(s)=sGv(s)Gv(s)Kd(s)s(1Gv(s)Kd(s)β)Gv(s)Kd(s)F¯(s)=1Gv(s)(1+Kd(s)β)s(1Gv(s)Kd(s)β)Gv(s)Kd(s)

erfüllt wieder die Forderungen (D2) und (D3), sofern für den Geschwindigkeitsregelkreis die Beziehung Gv(0)=1 gilt. Dies ist auch dann der Fall, wenn proportionale Regler Kv(s)=kv>0 und Kd(s)=kP verwendet werden, wobei derartige Regler bei schnellen Antriebssträngen auch ausreichen, um die externe Positivität der geregelten Fahrzeuge zu erzeugen.

Wenn der Geschwindigkeitsregelkreis Gv(s) näherungsweise das ideale Verhalten aus Gl. (10) hat, entstehen nur kleine Signalwerte vd(t) und der Abstandsregelkreis ist wenig wirksam. Andererseits beeinflusst der Regler Kd(s) das Fahrzeugverhalten entscheidend, wenn Gv(s) vom idealen Verhalten erster Ordnung stark abweicht oder wenn sich der Fahrzeugabstand zur Zeit t=0 stark vom Sollwert (2) unterscheidet.

4.5 Zusammenfassung der Ergebnisse zur dezentralen Abstandsregelung

Der erste Teil des Beitrags hat auf systematischem Wege die Entwurfsforderungen für die Fahrzeugregler abgeleitet, mit denen Kollisionsfreiheit in Fahrzeugkolonnen beliebiger Zusammensetzung und bei beliebigem Geschwindigkeitsprofil des Führungsfahrzeugs garantiert ist. Wenn die geregelten Fahrzeuge die Forderungen (D1) bis (D4) erfüllen, können sie in beliebiger Weise zu Fahrzeugkolonnen zusammengesetzt werden und erfüllen gemeinsam die Güteforderungen (R1) bis (R5).

Das Verhalten derartiger Kolonnen wird in den Bildern 9 und 10 für Fahrzeuge veranschaulicht, die zum Zeitpunkt t=0 stehen und deren Führungsfahrzeug die durch die gestrichelte Linie im oberen Teil vom Bild 9 gezeigte Sollgeschwindigkeit vref(t) erhält. Die nachfolgenden Fahrzeuge folgen der Bewegung des ersten ohne Überschwingen und haben deshalb immer einen positiven Abstand.

Abb. 9 Geschwindigkeit und Fahrzeugabstände von 30 Fahrzeugen.
Abb. 9

Geschwindigkeit und Fahrzeugabstände von 30 Fahrzeugen.

Abb. 10 Position der 30 Fahrzeuge aus Bild 9.
Abb. 10

Position der 30 Fahrzeuge aus Bild 9.

5 Kooperative Abstandsregelung

5.1 Ziel der Vernetzung der Regelung

Dieser Abschnitt zeigt, dass man durch eine Vernetzung der bisher betrachteten Fahrzeuge Kolonnen zusammenstellen kann, in denen die Fahrzeuge mit einem Sollabstand fahren, dessen Abstandskoeffizient βi kleiner ist als die Verzögerung Δi der Fahrzeuge. Es geht also darum, aus langsamen Fahrzeugen Kolonnen mit engem Abstand herzustellen, ohne die Sicherheit zu gefährden. Durch die kommunizierten Informationen sollen die Fahrzeuge früher über Geschwindigkeitsänderungen informiert werden und deshalb wie ein vorausschauend fahrender Fahrer früher auf Störungen reagieren können.

Die jetzt erläuterte Vorgehensweise ist immer dann hilfreich, wenn Fahrzeuge aufgrund ihres beschränkten Beschleunigungsvermögens der Geschwindigkeit des vorausfahrenden Fahrzeugs nicht schnell genug folgen können und somit die im Bild 4 grau hinterlegte Fläche größer als βi wird. In dieser Situation überschreitet der Fahrzeugabstand nach einem Beschleunigungsmanöver den Sollwert und unterschreitet ihn bei einem Bremsmanöver. Vor allem die zweite Situation ist sicherheitskritisch und muss durch eine kooperative Fahrweise verhindert werden.

So haben die Experimente in [19] gezeigt, dass die Beschleunigung von Personenfahrzeugen bei etwa 1,8m/s2 begrenzt ist. Bezogen auf die hier verwendeten linearen Modelle führt diese Limitierung auf eine untere Grenze für das Verzögerungsmaß Δi. Durch die Vernetzung der Regler soll erreicht werden, dass Fahrzeuge mit einem kleineren Sicherheitsabstand βi fahren können, als es ihr durch Δi beschriebenes Beschleunigungsvermögen zulässt.

5.2 Kumulative Verzögerung in Fahrzeugkolonnen

Die durch die Wolke im Bild 2 verdeutlichte Vernetzung der Fahrzeuge wird dadurch dargestellt, dass die Koppeleingangsgröße vi1(t) des i–ten Fahrzeugs in den Bildern 1 und 3 durch die lokale Referenzgröße vsi(t) ersetzt wird, die aus den über das Kommunikationsnetz übermittelten Geschwindigkeiten vj(t) benachbarter Fahrzeuge berechnet wird:

(38)vsi(t)=j=0i1aˆijvj(t),i=1,2,...,N.

Die in dieser Gleichung stehenden die Koeffizienten aˆij0 sind die Elemente der Adjazenzmatrix des Kommunikationsgraphen, die die Beziehungen

(39)j=0i1aˆij=1undaˆij=0,ji

erfüllen und von denen i. Allg. wenige von null verschieden sind. Die Summation geht bis i1, weil nur von vorausfahrenden Fahrzeugen Informationen verwendet werden sollen.

Die in den Abschnitten 4.2 bis 4.4 beschriebenen Regler erhalten demzufolge anstelle des Eingangssignals vi1(t) jetzt die Referenzgröße vsi(t) aus Gl. (38) und die Regelungsstruktur wird damit für alle beschriebenen Regler wie im Bild 11 gezeigt erweitert.

Abb. 11 Vernetzte Fahrzeugregelung.
Abb. 11

Vernetzte Fahrzeugregelung.

Abb. 12 Verkürzte Fahrzeugkolonne.
Abb. 12

Verkürzte Fahrzeugkolonne.

Die nachfolgenden Erläuterungen dienen der Wahl der normierten Adjazenzmatrix Aˆ, so dass die Fahrzeuge mit vorgegebenen Abstandskoeffizienten βi fahren. Aufgrund der Vernetzung reicht es nicht mehr aus, das i–te Fahrzeug isoliert für sich zu betrachten, sondern es muss die vom ersten bis zum i–ten Fahrzeug verkürzte Fahrzeugkolonne untersucht werden (Bild 12). Dieses System hat ein ähnliches Modell wie das isolierte Fahrzeug (12):

(40)V¯i0:Vi(s)=G¯i0(s)V0(s)D˜i0(s)=F¯i0(s)V0(s),i=1,2,...,N

mit

(41)F¯i0(s)=1s(1G¯i0(s)),i=1,2,...,N.

Es beschreibt den Zusammenhang zwischen der Geschwindigkeit v0(t) des Führungsfahrzeugs und der Geschwindigkeit vi(t) des i–ten Fahrzeugs bzw. dem Abstand di0(t) des i–ten Fahrzeugs vom Führungsfahrzeug. Jedes Fahrzeug in der Kolonne folgt jetzt dem Modell

(42)V¯i:Vi(s)=G¯i(s)Vsi(s)D˜i(s)=F¯i(s)Vsi(s),i=1,2,...,N,

in dem im Unterschied zu Gl. (12) die lokale Referenzgröße vsi(t) als Eingangsgröße steht, aber Vi(s) und D˜i(s) weiterhin die Geschwindigkeit und den Abstand des i–ten Fahrzeugs zum vorausfahrenden Fahrzeug beschreiben. Die Gln. (38) und (42) führen auf die folgenden Beziehungen für die Übertragungsfunktionen der verkürzten Fahrzeugkolonne (40):

(43)G¯00(s)=1G¯i0(s)=G¯i(s)·j=0i1aˆijG¯j0(s),i=1,2,...,N.

Die Übertragungsfunktionen F¯i0(s) ergeben sich daraus entsprechend Gl. (41).

Das Modell (40) wird nun in Analogie zum Abschn. 3.2 verwendet um herauszufinden, unter welchen Bedingungen die Fahrzeuge asymptotisch die geforderten Abstände einhalten. Dafür wird die Definition (16) für das Verzögerungsmaß auf dieses Modell angewendet und als kumulatives Verzögerungsmaß bezeichnet

Δi0=0(1h¯i0(τ))dτ,

in dem mit h¯i0(t) die zur Übertragungsfunktion G¯i0(s) gehörende Übergangsfunktion steht. Δi0 beschreibt die Verzögerung, mit der das i–te Fahrzeug dem Führungsfahrzeug folgt. Es kann in Analogie zu Gl. (17) aus

(44)Δi0=F¯i0(0),i=1,2,...,N

berechnet werden. Verwendet man nun die Gln. (41) und (43) zur Darstellung von F¯i0(s), so erhält man für die kumulativen Verzögerungen die Beziehungen

(45)Δ00=0Δi0=Δi+j=0i1aˆijΔj0,i=1,2,...,N,

wobei Δi wieder das Verzögerungsmaß des i–ten Fahrzeugs ist und aˆij die Elemente der normierten Adjazenzmatrix Aˆ sind. Mit der Gl. (45) kann man schrittweise die kumulativen Verzögerungsmaße aller Fahrzeuge entlang der Kolonne ermitteln.

5.3 Strukturentwurf der kooperativen Geschwindigkeitsregelung

Da der mit dem Modell (40) berechnete Abstand d˜i0(t) die Summe der Abstände zwischen allen vorausfahrenden Fahrzeugen darstellt

(46)d˜i0(t)=j=1id˜i(t),

bewegen sich die Fahrzeuge asymptotisch mit dem geforderten Abstand diref(t) nach Gl. (2), wenn für die kumulativen Verzögerungen die Beziehungen

(47)Δi0=j=1iβj,i=1,2,...,N

gelten. Es wird im Folgenden gezeigt, wie die Elemente der Adjazenzmatrix Aˆ so bestimmt werden, dass diese Bedingungen erfüllt sind. Dabei wird die Fahrzeugkolonne schrittweise mit dem ersten Folgefahrzeug beginnend betrachtet und es wird sich herausstellen, dass zu jedem Fahrzeug von höchstens zwei vorausfahrenden Fahrzeugen Informationen übertragen werden müssen.

Aus den Gln. (45) und (47) erhält man die Forderung

(48)j=1iβjΔi=j=1i1aˆijΔj0,i=1,2,...,N,

die nur erfüllt werden kann, wenn die Verzögerungen Δi der Fahrzeuge den Ungleichungen

(49)β1=Δ1
(50)βiΔij=1iβj,i=2,3,...,N
genügen. Da das erste Fahrzeug Informationen nur vom Führungsfahrzeug bekommen kann, muss es die Bedingung (49) für eine dezentrale Regelung erfüllen, die man auch so interpretieren kann, dass der Sollabstand mit dem durch β1=Δ1 gegebenen Abstandskoeffizienten festgelegt ist. Für die weiteren Fahrzeuge gibt es Spielräume in dem Sinne, dass Verzögerungen Δi, die größer als die zugehörigen Abstandskoeffizienten βi sind, durch Kommunikation „verkleinert” werden können. Für das zweite Fahrzeug muss entsprechend Gl. (50) die Ungleichung

β2Δ2β1+β2

gelten. Für β2=Δ2 wählt man aˆ21=1 und aˆ20=0 wie bei einer dezentralen Regelung (ACC), um die Beziehung (47) zu erfüllen, denn dann gilt entsprechend Gl. (45)

(51)Δ20=Δ2+j=01aˆ2jΔj0

und, wie gefordert,

(52)Δ20=β1+β2.

Für Δ2>β2 und Δ2β1+β2 kann man die Koeffizienten aˆ21 und aˆ21 folgendermaßen berechnen. Gleichung (51) wird mit Δ20 aus (52) in

β1+β2Δ2=aˆ20Δ00+aˆ21Δ10=aˆ21β1aˆ21=β1+β2Δ2β1

umgeformt, was immer eine positive Zahl ergibt, und mit Hilfe von (39) durch

aˆ20=1aˆ21=Δ2β2β1

komplettiert.

Abb. 13 Verhalten der Fahrzeugschlange mit CACC (links) und ACC (rechts).
Abb. 13

Verhalten der Fahrzeugschlange mit CACC (links) und ACC (rechts).

Wenn man in dieser Weise für die nächsten Fahrzeuge fortfährt, kommt man zu dem folgenden Ergebnis:

Satz 4 (Verhalten von Fahrzeugkolonnen mit kooperativer Regelung [11], [13]).

Betrachtet wird eine Fahrzeugkolonne, deren geregelte FahrzeugeV¯idie Forderungen (49) und (50) erfüllen. Wenn die vernetzte Regelung die Geschwindigkeitssollwerte entsprechend Gl. (38) mit den Koeffizienten

(53)aˆ10=1
(54)aˆili=j=liiβjΔiβli,i=2,3,...,N
(55)aˆi,li1=1aˆili,i=2,3,...,N
(56)aˆij=0,jli,jli1,
bildet, wobei der Indexlidie Beziehung

(57)0j=liiβjΔiβli,i=2,3,...,N
erfüllt, dann erreichen alle Fahrzeuge asymptotisch ihren Abstandssollwert (2).

Dieser Satz ist auch für die Theorie vernetzter Regelungen insgesamt sehr interessant, denn er zeigt, dass man in einem wichtigen Anwendungsfeld die Kommunikationsstruktur des Reglers auf systematische Weise aus den geforderten Eigenschaften des Gesamtsystems und den Eigenschaften der geregelten Teilsysteme ableiten kann. Es muss weder ein ganzzahliges Optimierungsproblem gelöst werden, um die unter allen möglichen Kommunikationsstrukturen zweckmäßigste Lösung herauszusuchen, noch muss man heuristische Kriterien bemühen, um die Komplexität einer derartigen Aufgabe einzuschränken. Gleichzeitig wird die bereits früher beschriebene Notwendigkeit einer Vernetzung der Regelung herausgestellt. Jedes Fahrzeug, das die Beziehung Δi=βi erfüllt, braucht nur von seinem unmittelbaren Vorgänger Informationen, während sich langsamere Fahrzeuge auch mit den davor fahrenden Fahrzeugen verbinden müssen.

Beispiel 3 (Fahrzeugkolonne mit vernetzter Regelung).

Sechs Folgefahrzeuge mit den Verzögerungsmaßen

Δ1=2,Δ2=3,Δ3=4,Δ4=2,Δ5=4.5,Δ6=3

sollen sich stationär mit einem einheitlichen Abstand (2) mit βi=2, (i=1,...,6) bewegen. Die Bedingungen (49) und (50) sind erfüllt. Für die Ermittlung der Kommunikationsstruktur wird die Beziehung (57) zur Bestimmung des Indexes li umgeformt

0(ili)βΔiliβ,i=2,3,...,N,

so dass li die kleinste ganze Zahl ist, die größer als iΔiβ ist (dritte und vierte Spalte der Tabelle). Dann ergeben sich die Elemente der Adjazenzmatrix aus den Gln. (53)–(56).

Abb. 14 Kommunikationsgraph der kooperativen Fahrzeugregelung.
Abb. 14

Kommunikationsgraph der kooperativen Fahrzeugregelung.

Bild 14 zeigt die auf diese Weise ermittelte Struktur der vernetzten Regelung.

Im Bild 13 ist links das Verhalten der Fahrzeugschlange mit der hier ermittelten vernetzten Regelung dargestellt, wobei für die Fahrzeugdynamik ein Modell zweiter Ordnung mit den angegebenen Verzögerungsmaßen angesetzt wurde. Die Fahrzeuge stehen zur Zeit t=0 im Abstand α=1m voneinander entfernt und folgen dem Fahrprofil des Führungsfahrzeugs. Der gleichmäßige, durch den Faktor βi=2s beschriebene Abstand entsteht aufgrund der Vernetzung der Fahrzeuge.

Zum Vergleich zeigt der rechte Teil von Bild 13 das Verhalten mit dezentraler Regelung. Die Sollabstände müssen bei dieser Regelung mit den Faktoren βi=Δi gebildet werden und sind deshalb unterschiedlich groß. Dabei folgen insbesondere die Fahrzeuge 3 und 5 ihren Vorgängern mit sehr großem Abstand.  □

Die kooperative Regelung der Kolonne setzt sich aus dezentralen Teilreglern zusammen, die für beliebige Fahrzeugreihenfolgen zu einer vernetzten Regelung verbunden werden können. Das Ausscheiden von Fahrzeugen aus der Kolonne oder das Hinzukommen weiterer Fahrzeuge ist problemlos möglich und erfordert lediglich die Ankopplung der neuen Teilregler entsprechend dem hier vorgestellten Verfahren, womit die Skalierbarkeit der Regelung sichergestellt ist. Das Vorgehen ist anwendbar, ohne das ein Fahrzeug oder Elemente der Infrastruktur koordinierend eingreifen muss.

5.4 Überprüfung der Kollisionsfreiheit

Im vorhergehenden Abschnitt wurde nur das stationäre Verhalten der Fahrzeuge für die Wahl der Kommunikationsstruktur der vernetzten Regelung herangezogen. Es muss noch überprüft werden, ob die Güteforderungen (R4) und (R5) nach Kollisionsfreiheit und korrektem Fahrverhalten bei beliebiger extern positiver Eigendynamik der Fahrzeuge erfüllt sind.

Da der kooperative Regler nach Satz 4 nur von zwei vorausfahrenden Fahrzeugen Informationen erhält, kann die Beziehung (43) folgendermaßen vereinfacht werden

(58)G¯00(s)=1
(59)G¯10(s)=G¯1(s)
(60)G¯i0(s)=G¯i(s)(aˆi,liG¯li,0(s)+aˆi,li1G¯li1,0(s))
(i=2,3,...,N) und für den Fahrzeugabstand erhält man die Gleichung

(61)D˜i(s)=1s(G¯i1,0(s)G¯i0(s))Gdi(s)V0(s).

Daraus erkennt man:

Satz 5 (Kollisionsfreiheit in Fahrzeugkolonnen mit kooperativer Regelung [13]).

Betrachtet wird eine Fahrzeugkolonne, deren geregelte FahrzeugeV¯idie Forderungen (D1), (D2) und (D4) sowie (49) und (50) erfüllen und deren Regler entsprechend Satz4verkoppelt sind. Wenn die Fahrzeuge zur Zeitt=0den Abstandd˜i(0)=βivi(0)haben und die Übertragungsfunktionen

(62)Gdi(s)=1s(G¯i1,0(s)G¯i0(s)),i=1,2,...,N
der verkürzten Fahrzeugkolonnen extern positive Systeme beschreiben, dann erfüllt die Fahrzeugkolonne die Güteforderungen (R4) und (R5).

Beispiel 4 (Test der Kollisionsfreiheit).

Die sieben Fahrzeuge aus dem Beispiel 3 werden durch die Modelle

(63)G¯i(s)=1TiΔis2+Δis+1=1Ni(s),i=0,1,...,6

mit den bereits angegebenen Verzögerungen beschrieben. Um die Bedingung aus Satz 5 zu überprüfen, werden nach Gln. (58)–(60) die Übertragungsfunktionen

G¯00(s)=1G¯10(s)=1N1(s)G¯20(s)=1N2(s)aˆ21N1(s)+aˆ20G¯30(s)=1N3(s)aˆ31N1(s)usw.

gebildet und daraus die zu testenden Funktionen bestimmt:

Gd1(s)=1s11N1(s)=T1Δ1s+Δ1T1Δ1s2+Δ1s+1Gd2(s)=0.5(T1Δ1s+Δ1)(T1Δ1s2+Δ1s+1)(T2Δ2s2+Δ2s+1)usw.
Abb. 15 Gewichtsfunktionen zu den Übertragungsfunktionen (62), (i=2,...,6)(i=2,...,6).
Abb. 15

Gewichtsfunktionen zu den Übertragungsfunktionen (62), (i=2,...,6).

Bild 15 zeigt, dass die Gewichtsfunktionen zu den Übertragungsfunktionen Gdi(s), (i=2,...,6) für die einheitlich gewählte Zeitkonstante Ti=0.4s nichtnegativ sind und damit die Bedingung aus Satz 5 für die Kollisionsfreiheit der vernetzten Fahrzeugkolonne erfüllt ist.  □

Vereinfachter Test bei identischen Fahrzeugen. Entsprechend Satz 5 muss die Übertragungsfunktion Gdi(s) aus den Modellen der verkürzten Fahrzeugkolonnen gebildet werden. Da man einerseits daran interessiert ist, lokale Kriterien zu bekommen, in denen nur Informationen über das i–te Fahrzeug und über wenige Vorgänger vorkommen, und andererseits eine die Einzelfahrzeuge betreffende Bedingung anschaulicher ist, wird im Folgenden die Aussage von Satz 5 für Kolonnen mit identischen Fahrzeugen vereinfacht. An den Größen G¯(s), Δ und β werden deshalb die Indizes weggelassen.

Es werden Fahrzeuge betrachtet, die die Ungleichung

(64)β<Δ2β

erfüllen und folglich eine vernetzte Regelung benötigen. Gleichung (57) mit li=i1 führt auf die Ungleichung

(65)02βΔβ,

die unter der Annahme (64) erfüllt ist. Der kooperative Abstandsregler arbeitet folglich mit den Referenzsignalen

(66)vs1(t)=v0(t)vsi(t)=aˆ1vi1(t)+aˆ2vi2(t),i=2,3,...,N

mit den Koeffizienten

(67)aˆ1=aˆi,i1=2Δβundaˆ2=aˆi,i2=Δβ1,
(i=2,3,...,N). Die angegebenen Koeffizienten sind für alle Folgefahrzeuge dieselben, so dass man sie ohne Index i schreiben kann. Alle Fahrzeuge bis auf das erste Folgefahrzeug haben den durch β festgelegten Sollabstand, das erste Folgefahrzeug den größeren durch Δ bestimmten Abstand vom Führungsfahrzeug.

Satz 6 (Kollisionsfreiheit von identischen Fahrzeugen [13]).

Betrachtet wird eine Fahrzeugkolonne mit identischen Fahrzeugen, die die Forderung (65) erfüllen, die extern positiv sind und deren Regler entsprechend Gln. (66), (67) verkoppelt sind. Wenn die Fahrzeuge zur Zeitt=0den Abstandd˜i(0)=βvi(0)haben, erfüllt die Fahrzeugkolonne die Güteforderungen (R4) und (R5).

5.5 Schrittweise Vernetzung einer Fahrzeugkolonne

Die in den vorhergehenden Abschnitten angegebenen Bedingungen und Entwurfsvorgehen müssen unter der praktischen Randbedingung eingesetzt werden, dass eine Fahrzeugkolonne keine koordinierende Einheit besitzt, die beispielsweise die Bedingungen für die Kollisionsfreiheit überprüft, sondern dass alle Bedingungen durch einzelne Fahrzeuge geprüft werden müssen. Die folgenden Betrachtungen gehen von der Situation aus, dass eine Fahrzeugkolonne beginnend mit dem Führungsfahrzeug schrittweise aufgebaut wird, wobei nach und nach neue Fahrzeuge die Kolonne nach hinten verlängern. Dabei wird vorausgesetzt, dass die geregelten Fahrzeuge die Entwurfsforderungen (D1), (D2) und (D4) erfüllen und ihr Verzögerungsmaß Δi kennen.

Um anschaulich darzustellen, dass die Struktur und die Parameter der vernetzten Regelung in der Entwurfsphase schrittweise durch die Fahrzeuge festgelegt werden, bevor die Regelung aktiviert wird, wird angenommen, dass jedes Fahrzeug einen Entwurfsagenten besitzt, also eine Einheit, die die im Folgenden angegebenen Modellinformationen sowie Algorithmen besitzt, um die angegebenen Bedingungen zu überprüfen und Reglerparameter festzulegen.

Die Entwurfsagenten der bereits in der Fahrzeugkolonne eingeordneten Fahrzeuge mit dem Index j, (j=0,1,...,i1) sollen über die folgenden Modellinformationen verfügen:

  1. Fahrzeugmodell mit den Übertragungsfunktionen G¯j(s) und F¯j(s),

  2. Verzögerungsmaß Δj,

  3. Zeitabstandskoeffizient βj,

  4. Übertragungsfunktion G¯j0(s).

Die Ankopplung des i–ten Fahrzeugs an die bestehende Fahrzeugschlange erfolgt dann in den folgenden Schritten:
  1. Voraussetzung: Der Entwurfsagent des i–ten Fahrzeugs besitzt die folgenden Modellinformationen: G¯i(s), F¯i(s), Δi, βi.

  1. Festlegung der Kommunikationsstruktur: Der Entwurfsagent des i–ten Fahrzeugs bestimmt den Index li aus Satz 4. Beginnend bei li=i1 erfragt er schrittweise vom Entwurfsagenten der vorausfahrenden Fahrzeuge den Parameter βli und überprüft die Ungleichung (57), bis diese erfüllt ist.

  2. Festlegung der Wichtungsfaktoren: Der Entwurfsagent legt die Elemente aˆij, (j=0,1,...,i1) der Adjazenzmatrix entsprechend der Gln. (53)–(56) fest.

  3. Bestimmung der ÜbertragungsfunktionG¯i0(s): Zur Anwendung von Gl. (43) muss der Entwurfsagent des i–ten Fahrzeugs entsprechend Gl. (60) von den Entwurfsagenten der Fahrzeuge li und li1 die entsprechenden Übertragungsfunktionen erfragen.

  4. Überprüfung der Kollisionsfreiheit: Der Entwurfsagent des i–ten Fahrzeugs berechnet die Übertragungsfunktion Gdi(s) mit Gl. (62) und überprüft diese entsprechend Satz 5.

Wenn im letzten Schritt eine Übertragungsfunktion Gdi(s) entsteht, die kein extern positivs System repräsentiert, muss der Zeitabstandskoeffizient βi, mit dem sich das i–te Fahrzeug an das letzte Fahrzeug der bisherigen Kolonne anschließen will, vergrößert werden. „Spätestens“ für βi=Δi ist der Test erfolgreich, weil das i–te Fahrzeug dann mit einer dezentralen Regelung fährt, für die die Kollisionsfreiheit nach Satz 3 gesichert ist.

6 Zusammenfassung

Der Beitrag hat eine Übersicht über die Methoden zur Strukturierung und zum Entwurf von vernetzten Abstandsregelungen gegeben und dabei betont, dass unter praktischen Randbedingungen derartige Regelungen an den Einzelfahrzeugen entworfen und realisiert werden müssen und dabei Kriterien zu erfüllen sind, die Fahrzeugkolonnen mit beliebiger Reihung der Fahrzeuge nachweislich kollisionsfrei fahren lässt. Die in der Theorie der Multiagentensysteme häufig angewendete Vorgehensweise, die Güteforderungen an das Gesamtsystem in Forderungen an die geregelten Teilsysteme und an die Kommunikationsstruktur zu zerlegen, hat von den Güteforderungen (R1) bis (R5) für die Fahrzeugkolonne auf die vier Entwurfsforderungen (D1) bis (D4) geführt.

Ein wichtiges Ergebnis, auch für die Theorie der vernetzten Regelungssysteme, besteht in der im Abschn. 5 beschriebenen Methode zur systematischen Auslegung der Kommunikationsstruktur, die aus den Güteforderungen und den durch das eingeführte Verzögerungsmaß dargestellten Fahrzeugeigenschaften abgeleitet wird. Dabei zeigt sich, unter welchen Bedingungen überhaupt eine Kommunikation zwischen den Fahrzeugreglern notwendig ist und, wenn dies so ist, zwischen welchen Fahrzeugen eine Kommunikationsverbindung aufzubauen ist.

Die hier betrachtete Abstandsregelung kann mit weiterführenden Steuerungssystemen zusammengeführt werden, beispielsweise mit Algorithmen zur kooperativen Einfädelung von Fahrzeugen an Fahrbahnzusammenführungen [18], [25].

About the author

Prof. Dr.-Ing. Jan Lunze

Prof. Dr.-Ing. Jan Lunze ist Leiter des Lehrstuhls für Automatisierungstechnik und Prozessinformatik der Ruhr-Universität Bochum. Arbeitsgebiete: vernetzte Regelungen, hybride dynamische Systeme, fehlertolerante Steuerungen, ereignisdiskrete Systeme.

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Received: 2019-06-24
Accepted: 2019-09-06
Published Online: 2019-11-30
Published in Print: 2019-11-18

© 2019 Lunze, publiziert von De Gruyter

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Downloaded on 20.4.2026 from https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/auto-2019-0071/html
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