Ästhetischer Pantheismus, Wille zur Kunst, schwebende Gestalt. Georg Simmels Naturalismus-Rezeption zwischen Kultursoziologie und Lebensphilosophie
Der Beitrag rekonstruiert erstmals Georg Simmels lebenslange Rezeption des Naturalismus zwischen früher Kultursoziologie und später Lebensphilosophie, wobei besonderes Gewicht auf den Nachlasstexten der Jahre 1913/14 liegt. Inhaltlich besteht die Signifikanz von Simmels Naturalismus-Beschäftigung darin, dass er – anders als die bereits früh einsetzenden Tendenzen zu seiner ›Überwindung‹ (Hermann Bahr, Samuel Lublinski) – Naturalismus und ästhetische Moderne durchgängig auf ihre komplementären Momente hin deutet. Diese Deutung weist in zwei Richtungen: zum einen in eine kultursoziologische Analyse der modernen Wahrnehmung, zum anderen in die Formreflexionen der fortgeschrittenen ästhetischen Moderne nach 1900.
The essay offers a first reconstruction of Georg Simmel's lifelong reception of Naturalism from his early cultural sociology to his later life philosophy, placing special emphasis on the literary estate texts from the years 1913 and 1914. With regard to content, Simmel's views on Naturalism are significant because – contrary to relatively early efforts to ›overcome‹ Naturalism (Hermann Bahr, Samuel Lublinski) – he continually points toward complementary moments between Naturalism and aesthetic Modernism. This interpretation leads in two directions: first, to a cultural-sociological analysis of modern perception, and second, to the reflections on form of advanced aesthetic Modernism after 1900.
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