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Poetik einer Sprache der Toten
About this book
Nelly Sachs lesen – jenseits des Wunsches nach Beherrschbarkeit, der die Rezeption ihrer Dichtungen und Biographie bislang dominiert. Dieser Band entfaltet behutsame mikrologische Lektüren ihres fragilen und widerständigen Schreibens (Lyrik, szenische Dichtungen, Briefe). In den Texten der Nelly Sachs scheint die Figur einer Sprache der Toten auf. Ein solches - unmögliches - Sprechen re-präsentiert nichts und ist doch unausweichlich im Angesicht der Shoah zu lesen. Der ihm immanente Verlust betrifft auch die Dichotomie von Textinnen und -außen; die Grenzen zwischen Dichtung und Geschichte, Leben und Werk erweisen sich als porös. Die zentrale wie ortlose Gestalt der Autorin wird so zum Objekt eines Begehrens: Die Lektüren betreiben eine Kontaminierung des zu Lesenden mit Biographie – und mit Geschichte.
Author / Editor information
Christine Rospert (Dr. phil.) studierte Germanistik, Anglistik und Pädagogik in Hamburg und Edinburgh und arbeitet als Studienrätin mit den Fächern Deutsch und Englisch in Gießen. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Literatur und Psychoanalyse, Wahn und Wissen, Schreiben nach Auschwitz, Literaturtheorie, gender studies. Sie verfasste Arbeiten zu Celan, Hans Henny Jahnn, Kafka, Kleist und N. Sachs.
Reviews
»Prolog, Einleitung und Epilog dieser großen Arbeit gruppieren sich um drei Kapitel; das erste enthält genaueste Analysen einzelner Gedichte, das zweite geht den 'Verstrickungen von Biografie, Geschichte und poetischer Sprache' nach, im dritten wird die szenische Dichtung 'Der magische Tänzer' untersucht. Will man dem von Rospert vorgelegten Buch auch nur einigermaßen gerecht werden, so muss man sich gerade auf seine Detail-Studien einlassen. Erst so kann die Hauptintention der Verfasserin, die Poetik von Nelly Sachs als 'Poetik einer Sprache der Toten' nachzuzeichnen, wirklich in den Blick kommen. [...] Die letzten großen Produktionen der späten Moderne sind selber ein Moment ihrer Selbstauflösung. Sie verhindern sie nicht, sondern betreiben sie notwendig mit. Was bei Hofmannsthal, Trakl, Stefan George und Rilke begonnen wurde, mündet bei Nelly Sachs, Paul Celan, Günter Eich, Wilhelm Lehmann, Ingeborg Bachmann und Marie Luise Kaschnitz in ein bisher endgültiges Ende. Gegenwärtig scheint es, als sei die Verbindung zur Tradition der Moderne unterbrochen. Umso wichtiger sind Arbeiten, wie Christine Rosperts Buch, das ein doppeltes Zeugnis abgelegt: es schließt das Werk einer der bedeutendsten Lyrikerinnen des zwanzigsten Jahrhunderts auf - und dokumentiert zugleich, dass die philosophische und literaturwissenschaftliche Analysebasis der Gegenwart keine Weiterführung der unmittelbaren Vergangenheit darstellt, sondern, mit aller Gefahr des Missverstehens, diesseits eines Bruches ansetzt. Wie schwierig aber der Zugang zum Werk von Nelly Sachs heute auch sein mag, wie wenig auch immer sie zur Zeit gelesen wird, ihre Gedichte werden überdauern, gleichgültig ob die jetzige Generation sie zur Kenntnis nimmt oder nicht.«
Supplementary Materials
Topics
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Frontmatter
1 -
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INHALT
5 -
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Prolog. ‹Mailiches Buchenblatt›
9 -
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Zur Einleitung. Nelly Sachs lesen
17 - I. Figuren eines Sprechens der Toten in den Gedichten der Nelly Sachs
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1. Inszenierungen des Unmöglichen
39 -
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2. Abschied: Wort-Wunde
65 -
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3. Orte des Rückzugs
82 -
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Königsmantel Fülle und Fehl
114 -
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5. La Mer / Ia Mere. Stille, Stimme
138 -
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6. Entzug des Klangs
155 -
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7. Spuren
176 -
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II. Patho-logie - Verstrickungen von Biographie, Geschichte und poetischer Sprache
201 -
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III. ›...wo die Grenzen sich sprengten‹: Die szenische Dichtung Der magische Tänzer
263 -
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Epilog. ›Ich kann dich nicht ins Offene führen‹
371 -
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Literatur
399 -
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Backmatter
412