Das Moor in der deutschen Altertumskunde des 19. Jahrhunderts
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Philip Kraut
Zusammenfassung
In diesem Beitrag werden in quellendokumentarischer Absicht die einschlagigen Stellen der Forschungsliteratur zu germanischen Mooren und Sumpfen aus der Fruhzeit der germanischen Altertumskunde vorgestellt. Archaologische Funde wie Moorleichen und Grabbeigaben pragen heute das populare Bild des germanischen Altertums, doch in der ersten Halfte des 19. Jahrhunderts stand zunachst die Erforschung der schriftlichen Uberlieferung im Vordergrund. Die Forscher schopften ihr landschaftliches Bild des alten Germaniens zunachst aus antiken griechischen und romischen Quellen (vor allem aus Tacitus) und mit dem fortschreitenden Verstandnis der alt- und mittelgermanischen Sprachen auch aus einheimischen Texten. Im damaligen wissenschaftlichen Diskurs uber germanische Moore sind gegensatzliche Positionen erkennbar. Wahrend Adelung die antiken klimatheoretisch unterfutterten und abwertenden Topoi der rauen germanischen Landschaft tradierte, zeichneten spatere Philologen wie Grimm und Mullenhoff ein objektiveres Bild der germanischen Feuchtgebiete. Neben der Geographie und Ethnologie des Moores werden im Artikel auch archaologische, mythologische und rechtshistorische Moordiskurse angeschnitten.
Zusammenfassung
In diesem Beitrag werden in quellendokumentarischer Absicht die einschlagigen Stellen der Forschungsliteratur zu germanischen Mooren und Sumpfen aus der Fruhzeit der germanischen Altertumskunde vorgestellt. Archaologische Funde wie Moorleichen und Grabbeigaben pragen heute das populare Bild des germanischen Altertums, doch in der ersten Halfte des 19. Jahrhunderts stand zunachst die Erforschung der schriftlichen Uberlieferung im Vordergrund. Die Forscher schopften ihr landschaftliches Bild des alten Germaniens zunachst aus antiken griechischen und romischen Quellen (vor allem aus Tacitus) und mit dem fortschreitenden Verstandnis der alt- und mittelgermanischen Sprachen auch aus einheimischen Texten. Im damaligen wissenschaftlichen Diskurs uber germanische Moore sind gegensatzliche Positionen erkennbar. Wahrend Adelung die antiken klimatheoretisch unterfutterten und abwertenden Topoi der rauen germanischen Landschaft tradierte, zeichneten spatere Philologen wie Grimm und Mullenhoff ein objektiveres Bild der germanischen Feuchtgebiete. Neben der Geographie und Ethnologie des Moores werden im Artikel auch archaologische, mythologische und rechtshistorische Moordiskurse angeschnitten.
Chapters in this book
- Frontmatter I
- Inhalt V
- Zur Kulturpoetik des Moores 1
- Moore: Über ihre Entstehung, ihre Nutzung und ihren Schutz 17
- Arbeit an der natura lapsa: Das Moor als Ressource und Medium des Fortschritts im 18. Jahrhundert 31
- Das Moor in der deutschen Altertumskunde des 19. Jahrhunderts 53
- Das Moor als Phobotop und locus horribilis: Über das Unheimliche in der Moordichtung um 1850 85
- Gefährliche Vorräte: M. Prišvins Sonnenspeicher (1945) im sowjetischen Energiediskurs der 1930er und 1940er Jahre 107
- Ernst und Friedrich Georg Jüngers Moorpoetik 127
- Entremeios: Die bewegliche Landschaft des Pantanals bei João Guimarães Rosa 155
- Kulturwissenschaftliche Annäherungen an das Moor: Figurationen von Sumpf und Torf in der ostbelgischen Gegenwartsliteratur 179
- Chronik einer Moorlandschaft: Gelungene Interspezies-Begegnungen und anthropozäne Melancholie in Sarah Kirschs Allerlei-Rauh (1988) 195
- Kontaminierte Speicher: Sondagen in literarische Moore der Gegenwart 219
- „Der Knabe“ in den Moorgeistern: Eine intertextuelle Spurensuche im Moor in Angela Sommer-Bodenburgs und Annette von Droste-Hülshoffs Moortexten 237
- Torfmoos: Botanische Erkundungen bei Marion Poschmann und Klaus Modick 261
- Christoph Ransmayrs Morbus Kitahara als Morbus Moor 295
- Autor*innenverzeichnis 319
- Personenregister 323
Chapters in this book
- Frontmatter I
- Inhalt V
- Zur Kulturpoetik des Moores 1
- Moore: Über ihre Entstehung, ihre Nutzung und ihren Schutz 17
- Arbeit an der natura lapsa: Das Moor als Ressource und Medium des Fortschritts im 18. Jahrhundert 31
- Das Moor in der deutschen Altertumskunde des 19. Jahrhunderts 53
- Das Moor als Phobotop und locus horribilis: Über das Unheimliche in der Moordichtung um 1850 85
- Gefährliche Vorräte: M. Prišvins Sonnenspeicher (1945) im sowjetischen Energiediskurs der 1930er und 1940er Jahre 107
- Ernst und Friedrich Georg Jüngers Moorpoetik 127
- Entremeios: Die bewegliche Landschaft des Pantanals bei João Guimarães Rosa 155
- Kulturwissenschaftliche Annäherungen an das Moor: Figurationen von Sumpf und Torf in der ostbelgischen Gegenwartsliteratur 179
- Chronik einer Moorlandschaft: Gelungene Interspezies-Begegnungen und anthropozäne Melancholie in Sarah Kirschs Allerlei-Rauh (1988) 195
- Kontaminierte Speicher: Sondagen in literarische Moore der Gegenwart 219
- „Der Knabe“ in den Moorgeistern: Eine intertextuelle Spurensuche im Moor in Angela Sommer-Bodenburgs und Annette von Droste-Hülshoffs Moortexten 237
- Torfmoos: Botanische Erkundungen bei Marion Poschmann und Klaus Modick 261
- Christoph Ransmayrs Morbus Kitahara als Morbus Moor 295
- Autor*innenverzeichnis 319
- Personenregister 323