Erste zielgerichtete Therapie bei Ovarialkarzinom für BRCA1/2-Mutationsträgerinnen zugelassen
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Rita Katharina Schmutzler
and Alfons Meindl
Zusammenfassung
Olaparib (Lynparza™) ist ein Poly-(ADP-ribose)-polymerase (PARP)-Inhibitor, der zur Behandlung von soliden Tumoren oral eingenommen wird. Die primäre Indikation, für die Olaparib durch die EMA im Dezember 2014 zugelassen wurde, ist das platin-sensitive, seröse Ovarialkarzinomrezidiv, G3 mit einer Keimbahn- oder somatischen Mutation in den Genen BRCA1 oder BRCA2. Um beide Arten der Mutation zu identifizieren, wird deshalb eine initiale Untersuchung der Tumor-DNA, die aus Paraffingewebe isoliert werden muss, diskutiert. Diese in der Indikationsstellung zur Therapie begründete Verlagerung des Nachweises von Mutationen aus Blut-DNA in Tumor-DNA bringt sowohl technische wie auch gesundheitsökonomische und -rechtliche Herausforderungen mit sich: Die Sensitivität des Mutationsnachweises ist in der Tumor-DNA (derzeit noch?) geringer. Der Anteil somatischer Varianten mit unklarer Bedeutung (variant of unknown significance, VUS) ist vermutlich hoch und die meisten der im Tumormaterial nachweisbaren Mutationen stellen Keimbahnmutationen dar. Aus Letzterem ergibt sich ferner die Frage, wie der Schutz vor Benachteiligung und die Sicherstellung des informationellen Selbstbestimmungsrechts der Patientinnen angesichts der unklaren bzw. fehlenden Abbildung dieses Sachverhaltes im Gendiagnostikgesetz gewährleistet werden kann.
Aus unserer Sicht lassen sich die vielfältigen und dringlichen Fragestellungen, einhergehend mit einer Lynparza-Indikationsstellung, nur durch eine qualitätskontrollierte sektorenübergreifende Zusammenarbeit im Rahmen einer begleitenden systematischen Verlaufsstudie zur Erfassung der genetischen, histopathologischen und klinischen Verlaufsdaten beantworten.
Abstract
Olaparib (Lynparza™) is an oral, small-molecule, poly (ADP-ribose) polymerase (PARP) inhibitor being developed by AstraZeneca for the treatment of solid tumours. The primary indication for which olaparib is being developed is BRCA1/2 mutation-positive ovarian cancer. A capsule formulation of the drug has received approval for use in this setting in the EU by the European Medicines Agency (EMA). The application of olaparib has been indicated for germline and somatic mutations in BRCA1 and/or BRCA2 in patients with platinum-sensitive recurrence of serous high-grade ovarian cancer. This requires the analysis of DNA isolated from fresh frozen paraffin-embedded (FFPE) material rather than DNA isolated from blood. However, this therapy-driven switch raises profound technical challenges and intriguing problems in medical care and counselling. For example, decreased sensitivity in mutation detection and a reduced possibility in the evaluation of the variant of unknown significance (VUS) may correlate with inadequate medical care of the patients and their families. Therefore, prospective studies, including the collection of genetic, histopathological and clinical data, are mandatory.
© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2015
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