Home Social Sciences Leben beenden. Über kommunikative Formen des Tötens
Article Open Access

Leben beenden. Über kommunikative Formen des Tötens

  • Ekkehard Coenen

    Ekkehard Coenen, geb. 1987 in Jena. Studium der Soziologie, Musikwissenschaft, Medienkultur und kulturwissenschaftlichen Medienforschung in Weimar und Jena. Promotion an der Bauhaus-Universität Weimar; dort seit 2016 wissenschaftlicher Mitarbeiter.

    Forschungsschwerpunkte: Wissenssoziologie, Soziologie der Gewalt, Thanatosoziologie, Soziologische Theorie, Kultursoziologie und Methoden der qualitativen Sozialforschung.

    Wichtigste Publikationen: Communicative Constructivism and Relational Knowledge: What We Can Learn From the Study of Gore Videos. Distinktion, 2025 (online first); Contested Understandings of Violence. Refiguring Modern and Postmodern Perspectives. Society 61, 2024: 421–430; Forschen zum Lebensende. Überlegungen zu einer qualitativen Thanatosoziologie. Forum Qualitative Sozialforschung/Forum: Qualitative Social Research 22, 2021: Art. 2 (mit M. Meitzler); Vorüberlegungen zu einer Wissenssoziologie der Gewalt. Zeitschrift für Theoretische Soziologie 10, 2021: 168–195; Zeitregime des Bestattens. Thanato-, kultur- und arbeitssoziologische Beobachtungen, Basel und Weinheim: Beltz Juventa 2020.

    ORCID logo EMAIL logo
Published/Copyright: February 17, 2026
Become an author with De Gruyter Brill

Zusammenfassung

Dieser Beitrag untersucht gemeinsames Töten als kommunikatives Handeln. Im Zentrum stehen Situationen, in denen mehrere Akteure in körperlicher Ko-Präsenz absichtsvoll Leben beenden. Aufbauend auf dem Kommunikativen Konstruktivismus werden Tötungen als kommunikative Formen begriffen, die durch Interaktionen zusammengehalten werden und spezifische Probleme der Koordination adressieren. Anhand der Videoanalyse zweier Fallbeispiele – eines assistierten Suizids in der Schweiz und einer Massenexekution im syrischen Bürgerkrieg – werden drei Dimensionen kommunikativen Handelns herausgearbeitet: Legitimation, Handlungsorientierung und Ästhetik. Der Vergleich zeigt, dass diese Dimensionen je unterschiedlich ausgeprägt sind: Während sich Legitimation im Suizidfall auf Autonomie und rechtliche Verfahren stützt, beruht sie im Bürgerkrieg auf Gewaltwissen und Feindmarkierung; während die Handlungsorientierung im medizinischen Kontext kooperativ erfolgt, ist sie im Bürgerkriegsfall in weiten Teilen hierarchisch organisiert; und während die Ästhetik in der Umsetzung des assistierten Suizids eine Inszenierung von Würde und Ruhe umfasst, dient sie in der Exekution der Täterinszenierung und Machtdemonstration. Der Beitrag verdeutlicht damit, dass Töten nicht als punktuelles Ereignis, sondern als kommunikativ strukturierter Prozess zu verstehen ist, in dem Wissen über Tod und Gewalt in spezifischer Weise wirksam wird.

Abstract

This article examines collective killing as communicative action. It focuses on situations in which several actors, in bodily co-presence, intentionally end life. Drawing on Communicative Constructivism, killings are conceptualized as communicative forms that are sustained by interaction and address specific problems of coordination. Using video analysis of two case studies – an assisted suicide in Switzerland and a mass execution in the Syrian civil war – the article identifies three dimensions of communicative action: legitimation, action orientation, and aesthetics. The comparison shows that these dimensions are articulated in distinct ways: while legitimation in the assisted suicide relies on autonomy and legal procedures, in the civil war context it rests on violence knowledge and enemy framing; while action orientation is cooperative in the medical context, it is mainly hierarchical in war; and while the aesthetics of dying in assisted suicide emphasize dignity and calm, in execution they serve self-staging and displays of power. The article demonstrates that killing is not a singular event but a communicatively structured process in which knowledge of death and violence becomes effective in specific ways.

1 Einleitung: Töten als soziologischer Gegenstand

Töten lässt sich als „Manipulation des Todeszeitpunktes, der Todesart und -umstände“ (Feldmann 2010: 211) verstehen. In diesem Sinne ist es eine jederzeit mögliche Handlungsform. Der Mensch „muss nie, kann aber immer töten“ (Popitz 1992: 50). Dass dies nicht immer geschieht, liegt auch daran, dass das absichtsvolle Beenden von Leben ein Gegenstand sozialer Aushandlungsprozesse ist. In jeder Gesellschaft gibt es erlaubte, gebotene und verbotene Tötungsformen (Feldmann 2010: 212; Sofsky 2002). Zudem ist Töten eine enorm heterogene Handlungsform. Morde, Genozide, Tötungen im Krieg[1] und terroristische Anschläge lassen sich hierunter genauso subsumieren wie Selbsttötungen, Todesstrafen, Schlachtungen von Tieren oder Helden- und Märtyrertode.[2] Hierbei oszillieren die typischen verbalen Interaktionen im Rahmen der verschiedenen Tötungsformen auf diskursiver Ebene zwischen Trivialität und Faszination, Ein- und Ausschluss, Verdrängung und Akzeptanz, Abjektion und Idealisierung (vgl. Soeffner 2004; Waters 2007; Wulf & Zirfas 2011; Bartelmus 2020; Meis 2021).

In der Soziologie ist Tötungshandeln kein neues, wohl aber ein bislang unterbestimmtes Thema. Wie Klaus Feldmann (2020: 82) festhält, haben sich Soziolog*innen „[i]n merkwürdiger Ignoranz gegenüber der immensen gesellschaftlichen Bedeutung von Krieg und Genozid […] wenig mit diesen Themen beschäftigt, sondern dies anderen Disziplinen überlassen“. Zwar bezieht sich diese Aussage nur auf ‚Makrogewalt‘, jedoch behält dieser Befund auch für die soziologische Auseinandersetzung mit ‚Mikrosituationen‘ seine Gültigkeit. Nichtsdestotrotz haben viele Klassiker das Töten bereits in ihren Grundbegriffen berührt (vgl. Feldmann & Fuchs-Heinritz 1995; Thompson & Cox 2017). Beispielsweise fasst Émile Durkheim (1993) Selbsttötungen als „soziale Tatbestände“ auf, und er diskutiert, wie die gesellschaftliche Einbettung die Herbeiführung des eigenen Todes bestimmt. Max Weber (1922) verknüpft die Tabuisierung des Tötens mit der Genese verschiedener Religionen, und in seiner Herrschaftssoziologie lässt sich die Tötungsgewalt des Staates als Bestandteil des Kerns legitimer Herrschaft begreifen. Norbert Elias (1939; vgl. Meitzler 2021) beschreibt in seinen Studien über den Zivilisationsprozess das Zurückdrängen tödlicher Gewalt als zivilisatorischen Langzeitprozess, während Heinrich Popitz (1992) das letale Potential jeder Gewaltanwendung als anthropologische Grundkategorie hervorhebt. Dass in Gesellschaften getötet wird, taucht auch am Rande vieler Zeitdiagnosen auf, sei es als Beispiel für negative singuläre bzw. unverfügbare Ereignisse (vgl. Reckwitz 2017: 81 f.; Rosa 2018: 60–80), als unumgehbarer Bestandteil moderner Gesellschaften (Bauman 1992), als Folge technischer, militärischer oder biopolitischer Risikoproduktion (Beck 1968), als strukturprägender ‚Angstverstärker‘ (Bude 2014) oder als ein Phänomen, das im postheroischen Zeitalter zunehmend an Technik ausgelagert wird (Münkler 2006).

Doch trotz dieser verstreuten Auseinandersetzungen mit dem Töten ist es bisher nur unzureichend in den Mittelpunkt sozialwissenschaftlicher und insbesondere soziologischer Betrachtungen gerückt worden. Vor über einer Dekade stellten Christoph Wulf und Jörg Zirfas (2011: 11) fest, „dass die Affekte, Akte und Formen des Tötens kaum untersucht worden sind“. Diese Aussage hat nach wie vor ihre Gültigkeit. Dies mag unter anderem daran liegen, dass Töten ein sehr spezieller Modus der Lebensminderung (vgl. Feldmann 2010: 209 f.) und deshalb eher peripher positioniert ist. Zwar gibt es theoretische und konzeptionelle Angebote seitens der Gewalt- und Thanatosoziologie – jenen Spezialsoziologien, deren Forschungsbereiche sich in den Phänomenen des Tötens in weiten Teilen überschneiden –, jedoch wurden diese bisher kaum systematisiert (vgl. Coenen 2021). Zudem legen diese beiden Perspektiven ihren Schwerpunkt auf recht unterschiedliche Arten des Tötens: Erstere behandelt aufgrund der Gewaltförmigkeit das ungewollt-feindselige Töten, Letztere – gefördert durch die Debatten um den assistierten Suizid und Palliative Care – das freiwillig-unterstützende Töten.

Mit Blick auf die Gewaltsoziologie hat Trutz von Trothas (1997: 33) Kritik, dass Tod, Töten und Getötet-Werden „Leerstellen der Theorie der Gewalt“ sind, weiterhin Bestand. Es gibt zwar zahlreiche Untersuchungen, die Situationen analysieren, in denen Menschen das Leben genommen wird; seien es bspw. (Massen-)Hinrichtungen (z. B. Smith 1996; Hoebel 2014), Gruppen- und Lynchmorde (z. B. Klatetzki 2015; Asif et al. 2023; Hauffe 2024), Schlachtungen (Cudworth 2015; Sebastian 2021) Schießereien und Amokläufe (Muschert & Sumiala 2012; Braun 2015), militärische Auseinandersetzungen (Neckel & Schwab-Trapp 1999; Malešević 2010; Meyer & Wedelstaedt 2022) oder Terrorakte (Wieviorka 1993; Vertigans 2013). In all diesen Studien stellt der Tod die höchste Steigerung, das „Definitivum aller Gewalt“ (Popitz 1992: 52) dar. Er ist der Fluchtpunkt der „autotelischen Gewalt“ (Reemtsma 2008: 113–119), die auf die Zerstörung des Körpers gerichtet ist. Untersucht werden die Interaktionen und Prozesse tödlicher Gewalt (Trotha 1997; Paul & Schwab 2015; Hoebel & Knöbl 2019), deren Legitimationen (Hartmann 2019; Lindemann 2020), die damit verbundenen Diskurse und gesellschaftlichen Strukturen (Heitmeyer & Soeffner 2004; Ahrens 2017) sowie methodologische Aspekte der Gewaltforschung (Lewis et al. 2003; Cisneros Puebla 2022). Jedoch befassen sich diese Untersuchungen nicht mit der Frage, was eigentlich unter dem Tod und damit auch dem Töten – als Akt, der den Tod herbeiführt – zu verstehen ist. Als Beispiel lassen sich Randall Collins’ (2011, 2023) mikrosoziologische Studien zu Gewalt nennen, die einen großen Einfluss auf die aktuelle Gewaltforschung haben. Collins analysiert zwar Tötungssituationen, blendet aber weitgehend aus, welchen Einfluss die Todesdefinition und die Erkenntnis eines eingetretenen bzw. bevorstehenden Todes auf die Dynamik des Geschehens haben. Selbst Arbeiten, in denen das ‚Übertöten‘, d. h. das Fortführen letaler Gewalt über den Zeitpunkt des Todes hinaus, im Fokus steht (Fujii 2019, 2021), befassen sich nicht damit, wann das Leben endet und wann ein Handeln als Töten gedeutet wird. Es fehlt der Gewaltsoziologie an einer Skepsis gegenüber einem positivistischen Todesverständnis.

Für die Thanatosoziologie, die mittlerweile eine enge Verbindung zur Wissenssoziologie aufweist (Benkel & Meitzler 2021), ist das Problem der Todesdefinition hingegen zentral. Eng damit verknüpft ist die Annahme, dass die Grenzziehung zwischen Leben und Nicht-Leben als ein soziales Konstrukt zu verstehen und je nach zugrundeliegenden Deutungsmustern an anderer Stelle zu verorten ist (Benkel 2022; Nieder & Schneider 2007) – so wie es bspw. an der Debatte um den Hirntod ersichtlich wird (Schlich & Wiesemann 2001). Lindemann (2002) zeigt, dass die Hirntoddiagnose von vielen Ärzt*innen nicht lediglich als Feststellung eines bereits eingetretenen biologischen Endes, sondern als aktive Herbeiführung des Todes und somit als ‚Beinahe-Tötung‘ erlebt wird. Während beim Herzkreislaufstillstand der Tod als unabhängig von der Diagnose bestehende Tatsache gilt, umfasst die Hirntoddiagnostik ein ärztliches Handeln, das den Übergang in den Tod mitgestaltet. Die Aushandlungen darüber, inwiefern ein Mensch stirbt, lassen sich demgemäß als ein „Sterben-Machen“ (Schneider 2014: 62) beschreiben.[3] Die Gewissheit, dass sich jemand ‚im Sterben‘ befindet, wird durch das soziale Umfeld erzeugt (Glaser & Strauss 1965). Die Grenze zwischen Sterben und Töten wird also kommunikativ und interpretativ verhandelt.

Trotz dieser Feststellungen hat die Thanatosoziologie dem Töten bisher wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Sie weist ein Bias des ‚natürlichen‘ Sterbens auf. Während in der Sterbeforschung der Übergang zwischen Leben und Nicht-Leben vor allem als ein aus Krankheiten und Alterungsprozessen resultierendes Widerfahrnis verstanden wird (Kellehear 2007; Jakoby & Thönnes 2017), bleibt das absichtsvolle Beenden des Lebens als Kehrseite des Sterbens im Hintergrund. Allenfalls die Selbsttötung stellt einen bewährten Untersuchungsgegenstand dar (Ahrens 2001; Albrecht 2012; Lindner-Braun 1990). In den Blick geraten hierbei jedoch oftmals nur die Motivlagen und die gesellschaftlichen Auswirkungen von Suiziden (Hjelmeland 2016), während die konkreten situativen Abläufe zumeist außen vor bleiben (Joiner 2014). Bis auf einige wenige jüngere Publikationen, welche die Interaktionen in Tötungssituationen und deren Institutionalisierung (Coenen 2022b, 2024; Williams et al. 2023) und methodologische sowie forschungsethische Aspekte der soziologischen Tötungsforschung hervorheben (Benkel & Meitzler 2023; Meitzler 2024; Pierburg et al. 2023), wird das Tötungshandeln jedoch kaum in den Blick genommen. Im Gegensatz zur Gewaltsoziologie hat sich die Thanatosoziologie kaum mit den Situationen, Dynamiken und Legitimationen des Tötens auseinandergesetzt.

Der vorliegende Aufsatz stellt einen ersten Schritt dar, um die genannten gewalt- und thanatosoziologischen Perspektiven auf das Töten zusammenzubringen und die erwähnte Leerstelle der „Affekte, Akte und Formen des Tötens“ (Wulf & Zirfas 2011: 11) zu füllen. Im Zentrum der Betrachtung stehen hierfür Tötungsphänomene, in denen mehrere Akteure interagieren – Tötende, Getötet-Werdende und Dritte. Es geht hier also nicht um Tötungsformen, die auf den ersten Blick als individuelles Handeln verstanden werden können, sondern um Situationen, in denen gemeinsam getötet wird; oftmals nicht in Zustimmung, aber im kommunikativen Austausch der Beteiligten. Wenn sich diese Situationen als „ongoing accomplishments“ (Garfinkel 1967: 1) verstehen lassen, stellt sich die Frage: Wie koordinieren Akteure ihr Handeln, um gemeinsam ein oder mehrere Leben ‚erfolgreich‘ zu beenden? Worüber wird in diesen Situationen kommuniziert, und was muss artikuliert werden?

Um dieser Frage nachzugehen, werde ich im Folgenden zunächst meinen sozialtheoretischen und konzeptionellen Zugang erläutern. Aufbauend auf dem Kommunikativen Konstruktivismus verstehe ich das gemeinsame Töten als wechselseitiges Wirkhandeln. Dabei lassen sich seine Verläufe als „kommunikative Formen“ (Knoblauch 2021) verstehen, zu deren Umsetzung die Akteure notwendigerweise interagieren müssen. Kollektive Tötungsakte sind somit als Tötungsformen zu begreifen, um die herum sich kommunikative Handlungen aufspannen, die der Koordination der Akteure dienen (2). Anschließend gehe ich auf die Methode ein, die dieser Untersuchung zu Grunde liegt: die Video-Interaktions-Analyse (vgl. Knoblauch 2004; Tuma et al. 2013; Tuma 2018). Hierbei diskutiere ich die Herausforderungen, die mit der Analyse von Videodaten einhergehen, welche letale Handlungen zeigen (3). Daraufhin beschreibe ich nacheinander zwei Videobeispiele: einen assistierten Suizid und eine Massenexekution (4). Anhand dieser Daten arbeite ich drei Dimensionen des kommunikativen Handelns heraus, die an die Durchführung gemeinsamer Tötungen geknüpft sind: Legitimation, Handlungsorientierung und Ästhetik (5). Abschließend zeige ich, dass durch diese Dimensionen kommunikative Probleme ersichtlich werden, die eng an Formen des gemeinsamen und absichtsvollen Tötens geknüpft sind (6).

Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf westlich-moderne Gewalt- und Todeswissensformen. In diesen wird der Tod als finale Zäsur verstanden, die die kommunikativen Möglichkeiten der Getöteten beendet. Zugleich wird darin Gewalt in spezifischer Weise normativ gerahmt, etwa durch die Unterscheidung zwischen legitimer, illegitimer und ‚gewaltlos‘ erscheinender Lebensbeendigung. Solche Deutungsrahmen sind nicht universell, sondern Ausdruck eines historisch gewachsenen Vertrauens in Gewaltlosigkeit (vgl. Reemtsma 2008; Lindemann 2018) sowie spezifischer rechtlich-institutioneller Wissensformationen. Andere Gesellschaftsformen – etwa solche, in denen Verstorbene weiterhin als wirkmächtige Akteure gelten (vgl. Leenhardt 1983) – organisieren Tötung, Gewalt und Tod in abweichender Weise. Der vorliegende Beitrag versteht seine begrifflichen Setzungen daher als Zuspitzungen innerhalb eines spezifischen Bezugsrahmens. Er analysiert das kommunikative Handeln in Tötungssituationen, die in einer bestimmten Ordnung – nämlich der „modernen Verfahrensordnung der Gewalt“ (Lindemann 2017: 80) – als gewaltförmig bzw. nicht-gewaltförmig gelten.

2 Kommunikatives Handeln und Formen des Tötens

Die sozial- und erkenntnistheoretische Grundlage der vorliegenden Untersuchung bildet der Kommunikative Konstruktivismus (vgl. Keller et al. 2013; Knoblauch 2017; Reichertz & Tuma 2017).[4] Diese Weiterentwicklung des Sozialkonstruktivismus zeichnet sich durch eine wissenssoziologische Neuausrichtung aus, bei der das Subjekt dezentriert wird und die Objektivierungen in den Vordergrund gerückt werden. Die grundlegende Analyseeinheit stellt hierbei das kommunikative Handeln dar (vgl. Knoblauch 2017: 75–188), d. h. das wechselseitige Wirkhandeln, das die Materialität und Performanz der Kommunikation miteinbezieht. Vor diesem Hintergrund wird kollektives Tötungshandeln im Folgenden aus einer relationalen Perspektive betrachtet. Es ist ein kommunikatives Handeln[5], das im wechselseitigen Aufeinanderbezogensein der Akteure und ihrer sprachlichen wie körperlichen Artikulationen begründet liegt. Als kommunikatives Handeln, so lässt sich mit Hubert Knoblauch (2013: 31) festhalten, bezieht sich kollektives Tötungshandeln „auf Andere, auf das verkörperte Subjekt und schließlich auf die damit verknüpften Objektivierungen, die als Teil der gemeinsamen Umwelt wahrgenommen werden“. Drei Dimensionen sind hierfür zentral: Erstens die Sequenzialität – kommunikatives Handeln entfaltet sich in der zeitlichen Abfolge von Beiträgen, in denen sich Akteure wechselseitig aufeinander beziehen –, zweitens die Materialität – kommunikative Akte sind nicht nur sprachliche Äußerungen, sondern ebenso gestische, mimische oder mediale Hervorbringungen, die eine eigenständige Wirksamkeit entfalten –, und drittens die Körperlichkeit – Kommunikation ist immer leiblich situiert, sie geschieht durch verkörpertes Handeln, das sich in Ko-Präsenz oder medial vermittelten Formen realisiert (vgl. Knoblauch 2017: 75–188). Wie jegliches soziale Handeln erhalten somit auch Tötungen erst durch Kommunikation ihre Form, genauso wie auch das Wissen um diese Form erst zu spezifischen letalen Handlungen führt (vgl. Coenen 2022b). Es ist das kommunikative Handeln, durch das „die Menschen sich selbst, den Anderen und ihre Welt erst erschaffen und immer wieder aufs Neue an Andere weitergeben“ (Reichertz 2013: 51). Tötungshandeln lässt sich somit stets als sinnhaftes Handeln begreifen.

Auf diese Weise ist Töten nicht nur in einen Kontext von Bedeutungen eingebettet, sondern der Vollzug selbst – die Abfolge von Befehlen, Gesten, Blicken und körperlichen Bewegungen – ist kommunikativ strukturiert. Die Perspektive des Kommunikativen Konstruktivismus ermöglicht es daher, gerade jene Formen der Koordination sichtbar zu machen, die jenseits sprachlicher Verständigung liegen (vgl. Reichertz 2013) und dennoch für das Zustandekommen des Tötungsvollzugs unverzichtbar sind. Der Mehrwert dieses Ansatzes besteht darin, dass er auch dort analytisch fruchtbar wird, wo tödliche Handlungen wesentlich durch verkörperte Routinen, materielle Bedingungen oder visuelle Inszenierungen geprägt sind. Dadurch lassen sich Tötungssituationen nicht nur als sprachliche Verständigungsprozesse, sondern umfassender als kommunikative Arrangements erfassen, in denen Körper, Dinge und symbolische Deutungen gleichermaßen wirksam werden.[6]

Kollektives Töten als kommunikatives Handeln lässt sich jedoch nicht ohne Weiteres mit anderen Formen sozialer Interaktion gleichsetzen: Erstens ist Töten durch seine Irreversibilität gekennzeichnet (vgl. Wulf & Zirfas 2011): Der Vollzug des Aktes markiert – zumindest in der hier zugrunde gelegten modern-westlichen Wissensordnung – eine finale Zäsur, die alle weiteren kommunikativen Möglichkeiten des Getöteten ausschließt. Zweitens ist Töten durch die Grenzsetzung zwischen Leben und Nicht-Leben bestimmt. Diese Grenze wird in der Handlung selbst sozial hervorgebracht (vgl. Bartelmus 2020) und markiert damit ein Ereignis, das nicht nur individuell, sondern kollektiv und institutionell gerahmt ist. Drittens impliziert Töten fast immer die Anwesenheit oder Imagination Dritter (vgl. z. B. Lindemann 2017): sei es als Publikum, als rechtliche Instanz oder als moralisch relevantes Kollektiv, vor dem die Handlung gerechtfertigt, verborgen oder inszeniert wird. Diese drei Merkmale – Irreversibilität, Grenzsetzung, Drittbezug – machen Töten zu einer besonderen Form kommunikativen Handelns, das sich zwar in Sequenzialität, Materialität und Körperlichkeit realisiert, zugleich aber über andere Interaktionen hinausgeht, weil es das Fortbestehen von Kommunikation selbst an einem Körper endgültig unterbricht.

Gesellschaftlich haben sich dabei verschiedene Formen herausgebildet, durch die Leben in Koordination mehrerer Akteure beendet werden: Hinrichtungen, Exekutionen, Lynchmorde, Amokläufe, Attentate, Opferungen, Töten im Krieg, (assistierte) Suizide, Schlachtungen und viele mehr. Diese Tötungsformen sind äußerst heterogen und unterscheiden sich beispielsweise darin, ob es sich um Fremd- oder Selbsttötungen, legitime oder illegitime, einvernehmliche oder nicht-einvernehmliche, gewaltsame oder nicht-gewaltsame, ko-präsente oder translokale Handlungsformen handelt. Ihnen gemein ist jedoch, dass sie sich als „kommunikative Formen“ (Knoblauch 2021) begreifen lassen. Sie stellen, mit Thomas Luckmann (1975: 219 f.) formuliert, „Regelungen der kommunikativen Situationen“ dar. Es handelt sich um raum-zeitlich ausgedehnte Handlungssequenzen, um „Abläufe kommunikativer Sequenzen mit einer gewissen Kontur“ (Knoblauch 2021: 28), die einen bestimmten Anfang, einen bestimmten Verlauf und ein bestimmtes Ende aufweisen. Durch kommunikative Formen wird somit ein in sich geschlossener Handlungskomplex präskribiert (vgl. Knoblauch 2017: 218). Sie bauen auf einem Wissen auf, welches im Handeln zum Ausdruck kommt und in der Weise auf kommunikative Probleme reagiert.

Gemeinsame Tötungen sind dennoch kontingente Vorgänge. Sie sind weder linear noch einheitlich, und ihr Abschluss ist ungewiss. Sie sind ambivalente Geschehen: Einerseits scheint das Phänomen, auf das sich die Form bezieht, für die Akteure mit einer eigenen Handlungsfähigkeit ausgestattet, die teils unterstützend, teils antagonistisch erfahren wird. Als ‚prozesshaftes Gegenüber‘ prägt es sie und ihr Handeln durch seinen Verlauf. Andererseits wird jede Tötungsform überhaupt erst durch ihre Akteure vorangebracht, die den Verlauf der Dinge durch ihre Absprachen, Entscheidungen und Handlungen beeinflussen. Sie gibt somit einen Handlungsspielraum vor, der den Tötenden, Zu-Tötenden und Dritten nicht starr gegenübersteht, sondern ihnen Handlungsmöglichkeiten und -freiheiten eröffnet.

Der analytische Vorteil des Begriffs der kommunikativen Form ist ihr Fokus auf die Sequenzialität von Handlungsabläufen. Eine Form wird dadurch umgesetzt, dass vielzählige Handlungen und Interaktionen stattfinden und ineinandergreifen, die schrittweise zu dem angestrebten bzw. erwarteten Resultat führen. Dementsprechend handelt es sich auch bei einer gemeinsamen Tötung nicht um eine von außen oktroyierte Handlungssequenz, in der die verschiedenen Aufgaben den Handelnden ausschließlich vorgegeben werden, sondern vielmehr um ein Handeln, das auch die Organisation des Handlungsprozesses selbst beinhaltet. Um ihr Tun aufeinander abzustimmen, müssen sich die Akteure durch kommunikatives Handeln koordinieren. Sie tauschen sich über ihre Tätigkeiten aus, thematisieren Probleme und Abweichungen und benennen anstehende Aufgaben. Dadurch machen sie die Ereignisse, die für die kommunikative Form von Relevanz sind, wechselseitig für sich beobachtbar. Aus diesem Grund sind die kommunikativen Handlungen, die sich um einen Prozess des gemeinsamen Tötens herum aufspannen, ein geeigneter Analysepunkt, um der Frage nachzugehen, welche kommunikativen Probleme durch eine Tötungsform und während ihrer Umsetzung adressiert werden.

3 Das Töten erforschen: Zur Video-Interaktions-Analyse letalen Handelns

Tötungshandeln als kommunikatives Handeln zu verstehen ist mit entsprechenden methodisch-methodologischen Konsequenzen verknüpft. Der Kommunikative Konstruktivismus setzt seinen analytischen Schwerpunkt auf das zeichenhafte wechselseitige Wirkhandeln (vgl. Knoblauch 2017). Durch die Dezentrierung des Subjekts stehen nicht mehr Wissen und Handlungsmotivationen im Vordergrund, sondern die Performativität, Materialität und Sequenzialität des kommunikativen Handelns (vgl. Reichertz 2017). Damit verbunden ist eine Bevorzugung registrierend-konservierender Datensorten (z. B. Fotografien, Video- und Tonaufnahmen) gegenüber rekonstruierend-konservierender Datensorten (z. B. Interviews, Tagebücher) (vgl. Bergmann 1985).

Da nicht nur die lautsprachlichen, sondern auch die gestischen und mimischen Artikulationen, die im Kontext von gemeinsamen Tötungshandlungen erfolgen, näher betrachtet werden sollen, wurde in der vorliegenden Untersuchung auf audiovisuelle Daten zurückgegriffen. Diese haben den Vorteil, dass sie analytisch der Prozesshaftigkeit letalen Handelns entgegenkommen. Denn „Töten ist“, so schreibt Doris Schuhmacher-Chilla (2011: 276), „in seiner Dimension eines gewalttätigen Handlungsvollzugs, der die Zeitlichkeit des Lebensprozesses durchschneidet, bildhaft nicht darstellbar, es sei denn filmisch“. Die Daten, die dieser Untersuchung zugrunde liegen, sind also Tötungsvideos. In ihnen wird die Sequenzialität des Tötungshandelns analytisch beobachtbar.

Videoaufnahmen von letalen Handlungen sind heutzutage in einer nie dagewesenen Fülle zugänglich. Dies liegt zum einen begründet in der „Videorevolution“ (Collins 2011: 15), die zu einer großen Menge an videographischen Aufzeichnungen von Tötungssituationen geführt hat. Durch die massenindustrielle Produktion von Camcordern und Smartphones, den Einsatz von Überwachungskameras und Webcams im privaten und öffentlichen Raum sowie die damit verbundene videographische Praxis der Polizei, von Nachrichtensendern und Amateur*innen liegt eine enorme Fülle an audiovisuellen Aufzeichnungen von Tötungshandlungen vor (vgl. Hartmann & Hoebel 2020: 72–75). Zum anderen ist die enorme Zirkulation von Tötungsvideos auf die Entwicklung des Internets und vor allem auf das Aufkommen von Social-Media-Kanälen zurückzuführen (vgl. Astley 2016; Morse 2020). Videoaufnahmen von Tötungen werden sowohl im ‚Dark-‘ als auch im ‚Clearnet‘ verbreitet, mitunter – wie bei den Attentaten von Christchurch und Halle – live gestreamt und für eine (Teil-)Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Aufnahmen stammen zumeist von Akteuren, die am Geschehen beteiligt waren, oder von Überwachungskameras (vgl. Khayambashi 2021: 395 f.) und sind von unterschiedlicher Qualität. Es existieren entsprechende Videos, die von Smartphones mit einer niedrigen Bildqualität und mit nur einer Aufnahme aufgezeichnet wurden, aber auch aufwendig nachbearbeitete Filme, wie beispielsweise die mit hochwertiger Kameratechnik produzierten und Bildeffekten sowie Schnitten und Montagen versehenen Videos der Terrororganisation Islamischer Staat (vgl. Chouliaraki & Kissas 2018; Coenen 2024).

Erhoben wurden die Videos, auf die sich die folgenden Analysen stützen, im ‚Clearnet‘, d. h. auf Homepages, Social-Media-Plattformen, Nachrichtenportalen und in Foren, die frei zugänglich sind.[7] Die Recherche zeigte, dass entsprechende Daten ohne große Hürden durch einfache Schlagworteingabe (z. B. ‚Tötung‘, ‚killing‘ und ‚death video‘) in den jeweiligen Suchmaschinen und -feldern auffindbar sind. Durch ein theoretisches Sampling, bei dem Auswertungsprozess und Datenerhebung eng miteinander verzahnt werden (Glaser & Strauss 1967: 45–77; Dimbath, Ernst-Heidenreich & Roche 2018), konnte ein umfangreicher Datenkorpus erstellt werden, der Videos beinhaltet, in denen unterschiedliche Akteure bzw. Akteursgruppen (z. B. Soldat*innen, medizinisches Personal, organisierte Banden, Lynchmobs, Angestellte von Schlachthöfen), Tötungsformen (z. B. Hinrichtungen, Schießereien, Lynchmorde, Tötungen in kriegerischen Kontexten) und Tötungsmittel (z. B. Waffen, bloßer Körpereinsatz, Medikamente) zu sehen sind. ‚Töten‘ stellt hierbei einen an das Feld herangetragenen Ordnungsbegriff dar, wobei die erhobenen Daten durch zwei Merkmale zusammenhängen. Zum einen wurden solche Videos in das Sampling aufgenommen, in denen letale Handlungen an Wesen verübt werden, die innerhalb der Grenze des Sozialen zu verorten sind, d. h. die als moralisch relevant adressiert werden (vgl. Luckmann 1980; Lindemann 2009). Zum anderen handelt es sich um Situationen, in denen der Vollzug kommunikativ zwischen mehreren Akteuren koordiniert wird, in denen also Tötende, Zu-Tötende und/oder Dritte miteinander interagieren. Dieser doppelte Fokus – auf den Status der Getöteten und die Interaktionen der Handelnden – verbindet die erhobenen Videodaten miteinander und ermöglicht eine systematische vergleichende Analyse.[8]

Analysiert wurden die erhobenen Videodaten mit Hilfe der Video-Interaktions-Analyse (vgl. Knoblauch 2024; Tuma et al. 2013; Tuma 2018). Dieses Analyseverfahren zielt darauf, den „intrinsischen Zusammenhang“ (Knoblauch 2004: 132) von Situationen, d. h. die Verknüpfungen der aufgezeichneten Abläufe, in Betracht zu nehmen. Analytisch fokussiert werden nicht die psychischen Konstitutionen, die soziale Lage der Handelnden oder andere Motivationen, die außerhalb der Tötungssituation liegen. Stattdessen geht es um die Untersuchung des systematischen Zusammenhangs der videographisch festgehaltenen Abläufe von Tötungssituationen. Akzentuiert werden die Methodizität, Ordnung und Reflexivität tötungsbezogenen Handelns. In Betracht gerät also, wie letale Handlungen als solche vollzogen und entsprechende Deutungen ausgehandelt werden. Die Video-Interaktions-Analyse ermöglicht es, das Wissen und die praktischen Überlegungen zu bestimmen, die von den Akteuren in Tötungssituationen verfolgt werden, und deren Koorientierung und Koordinierung zu untersuchen. Sie akzentuiert, wie sich Akteure beim gemeinsamen Beenden von Leben austauschen; was sie sagen, wie sie es sagen, wie sie sich körperlich zueinander ausrichten, welche Bewegungen sie ausführen und welche Artefakte sie gebrauchen. Somit wird es möglich, die komplexe „Orchestrierung“ (vgl. Schnettler 2006) der leibkörperlich verfassten Subjekte und der Objektivierungen im gemeinsamen Tötungshandeln zu analysieren.

Die Forschung zum Lebensende im Allgemeinen und zum Töten im Speziellen weist einige grundlegende Merkmale auf (vgl. Coenen & Meitzler 2021): So ergeben sich epistemologische Grenzen daraus, dass der Tod nicht ‚an sich‘, sondern nur als soziale Konstruktion beforscht werden kann. Das biologische Geschehen des Sterbens entzieht sich empirischer Rekonstruktion, weil es nicht selbst kommuniziert wird. Beobachtbar und analytisch zugänglich sind lediglich jene kommunikativen Prozesse, durch die Akteure den Tod deuten, ihm Bedeutung zuschreiben und ihn in kulturelle Ordnungen einbetten (vgl. Charmaz 1980). Diejenigen, deren Leben beendet wurde, können nicht mehr nach ihren Motivationen, Empfindungen und Relevanzsetzungen befragt werden. Zudem sind jene Situationen, in denen gemeinsame Tötungen erfolgen, in vielen Fällen nur erschwert für Forschende zugänglich. Die gesellschaftlichen Bereiche, in denen (regelmäßig) Tötungen stattfinden, werden in der Regel gut bewacht. Dabei zeichnen sich viele letale Handlungen dadurch aus, dass sie außeralltäglich und alltäglich zugleich sind. Gewöhnlicherweise bleiben Tötungshandlungen den Blicken ‚Außenstehender‘ verborgen, wohingegen sie zugleich regelmäßig von professionellen Akteuren ausgeübt werden; sei es bei der Arbeit in Schlachthöfen (vgl. Sebastian 2021), der Umsetzung von Todesstrafen (vgl. Garland et al. 2011) oder letalem Handeln im Krieg (vgl. Sofsky 2002).

Besonders hervorgehoben scheint bei der Forschung mit Videodaten, die letale Handlungen zeigen, die Forschungsethik. Über Tod und Töten zu sprechen, macht nicht selten betroffen, und es ist Teil der entsprechenden Feldlogiken, dass ethisch-moralische Konventionen besonders akzentuiert werden. Die (noch lebenden) Feldakteure weisen in den meisten Fällen ein hohes Maß an Vulnerabilität auf, auf ihnen lastet ein hoher emotionaler Druck, und es liegt ein erhöhtes Risiko vor, bei ihnen durch die Forschung psychische, soziale oder gar körperliche Schädigungen zu verursachen. Es ist somit bei der Arbeit mit diesen sowohl sensiblen als auch auf unterschiedlichen Ebenen gefährlichen Daten wichtig, danach zu fragen, warum das letale Handeln gefilmt wurde, welche Bedeutung das Video hat, welchen Einfluss das Filmen auf das Tötungshandeln hatte, woher das Video stammt und wie die Forschenden damit umgehen sollen (vgl. Üngör 2019: 207). Drei Selektionskriterien zur Analyse von Tötungsvideos wären dementsprechend, dass keine Szenen tiefgehend interpretiert werden, deren Betrachtung für die Fragestellung unnötig ist, dass das Video vertrauenswürdigen Quellen entstammt und dass das Video informativ ist und zahlreiche Erkenntnisse verspricht (vgl. Üngör 2015). Auch die Forschenden und diejenigen, welche die Ergebnisse rezipieren, können im Zuge der Forschung zu Tötungsvideos starken psychischen Belastungen ausgesetzt sein (vgl. Benkel & Meitzler 2023; Cisneros Puebla 2022; Pierburg et al. 2023;). Dementsprechend bedarf es eines sensiblen Vorgehens während des gesamten Forschungsprozesses. Aufgrund dieser hervorgehobenen Relevanz der Forschungsethik wurde für das Projekt, dem der vorliegende Aufsatz entstammt, das Votum einer Ethikkommission eingeholt. Obwohl die hier verwendeten Videos durch ihre Beschreibung identifizierbar bleiben, erfolgten ihre Auswahl und Analyse unter Berücksichtigung forschungsethischer Standards. Die Veröffentlichung der Quellen ist durch ihre bereits bestehende öffentliche Zugänglichkeit sowie durch den wissenschaftlichen Analysezweck gedeckt. Sensible Details werden nur insoweit genannt, wie sie für die Argumentation unverzichtbar sind.

4 Fallanalyse

Im Folgenden werden zwei Fallbeispiele aus dem erhobenen Datenkorpus angeführt, auf deren Grundlage anschließend drei Dimensionen des kommunikativen Handelns herausgearbeitet werden, welches sich in Situationen ereignet, in denen gemeinsam getötet wird. Es handelt sich um die Aufnahme eines assistierten Suizids und ein Video einer Exekution mehrerer Personen. Die beiden Videos wurden auf Basis eines theoretischen Samplings (Glaser & Strauss 1967) ausgewählt. Es handelt sich nicht um repräsentative Fälle, sondern um solche, in denen sich die für das gemeinsame Beenden von Leben relevanten kommunikativen Prozesse besonders deutlich rekonstruieren lassen. Die Auswahl folgt einem Prinzip maximaler Kontrastierung: Während in dem ersten Fall ein todkrankes Ehepaar freiwillig sein Leben beendet, werden im zweiten Fall etliche gefesselte Menschen nacheinander erschossen. Im starken Gegensatz stehen hierbei eine – aus der Perspektive der Getöteten – freiwillige ‚humane‘ und eine erzwungene und gewaltsame Beendigung des Lebens. Zudem unterscheiden sich der assistierte Suizid und die massenhafte Erschießung hinsichtlich ihrer normativen, institutionellen und interaktiven Rahmenbedingungen fundamental. Doch gerade aufgrund dieser Unterschiede lassen sich durch die Fallbeispiele Dimensionen der kommunikativen Handlungen herausarbeiten, die stattfinden, wenn gemeinsam letal gehandelt wird. Denn gemeinsam ist ihnen, dass sie Situationen darstellen, in denen mehrere Akteure interagieren und dabei das Leben eines Wesens beenden, dem ein moralischer Status zugeschrieben wird (vgl. hierzu auch Lindemann 2014: 15). Genau in dieser Kombination – Koordination des Handelns und gesellschaftliche Relevanz der Getöteten – liegt die Vergleichbarkeit, die eine gemeinsame Analyse sinnvoll macht. Das Ehepaar, welches den assistierten Suizid ausübt, und die Gefangenen werden innerhalb der „Grenzen der Sozialwelt“ (Luckmann 1980) verortet – mit ihnen wird gesprochen und körperlich kommuniziert.

4.1 Fallbeispiel I: Der assistierte Suizid der Eheleute Seitz

Das erste Videobeispiel stammt aus der schweizerischen Reportage-Reihe Im Kontext und beinhaltet die Aufnahme eines assistierten Suizids. Konkret handelt es sich um die Folge mit dem Titel „Tödliche Hilfe. Zum Sterben ins Ausland“, welche am 29. November 2018 auf ServusTV erstausgestrahlt wurde.[9] In dieser Reportage wurde das Ehepaar Seitz beim assistierten Suizid begleitet – sowohl die Ehefrau als auch der Ehemann waren unheilbar an Krebs erkrankt. Sie wandten sich an Lifecircle, eine Sterbeorganisation in der Schweiz, und wurden dabei von einem Filmteam begleitet. Dieses Videobeispiel beinhaltet somit einerseits Aufnahmen, die für den Fernsehkontext gedacht sind und entsprechend durch Schnitte und Off-Kommentare bearbeitet wurden. Andererseits wurden im Zuge des assistierten Suizids auch durch die Sterbehilfeorganisation ‚natürliche‘ Videodaten erzeugt, um die Einwilligung der Patient*innen sowie den Ablauf des assistierten Suizids zu dokumentieren. Diese Aufnahmen wurden ebenfalls in die Reportage integriert.

Diese Tötungssituation ist untrennbar mit dem spezifischen rechtlichen und institutionellen Rahmen der Schweiz verbunden. Anders als in den meisten europäischen Staaten ist der assistierte Suizid hier seit Jahrzehnten unter klar definierten Bedingungen erlaubt: Er setzt einen ausdrücklichen, freiwilligen Sterbewunsch der betroffenen Person voraus und ist nur dann legal, wenn die Assistierenden nicht aus eigennützigen Motiven handeln (vgl. Feichtner & Wasl 2022). Diese Voraussetzungen strukturieren die Interaktion bereits vor der eigentlichen Tötungshandlung, da sie – wie in der Reportage zu sehen ist – in vorgelagerten Gesprächen, medizinischen Begutachtungen und durch die Mitwirkung von Sterbehilfeorganisationen überprüft werden. In der konkreten Situation selbst müssen daher kaum noch prozedurale Fragen geklärt werden; die Durchführung des assistierten Suizids kann als letzte Etappe eines längeren juristisch und organisatorisch abgesicherten Prozesses verstanden werden. Die Legitimität des Handelns speist sich in diesem Fall aus einem todesbezogenen Wissen, das auf Autonomie, Leidvermeidung und Würde im Sterben verweist, und ist zugleich durch rechtliche Kriterien stabilisiert (vgl. Kautz 2023). Damit wird deutlich: Das kommunikative Handeln in dieser Tötungssituation ist stark durch den vorausgehenden rechtlichen Rahmen und die institutionellen Verfahren geprägt, die den Verlauf der Interaktion eng vorstrukturieren.

In den Aufnahmen der Suizidsituation ist zu sehen, wie die Eheleute gemeinsam in einem Raum auf zwei Krankenbetten liegen. Ihre Köpfe ruhen auf Kissen, und ihre Körper sind mit Bettdecken zugedeckt. Auf einem Fensterbrett stehen zwei brennende Kerzen, daneben liegen zwei Kreuze sowie ein Bild mit christlicher Symbolik. Neben dem Arm der Ehefrau liegt ein christliches Kreuz. Der Ehemann hält ein Kreuz in seiner Hand.

Die Ärztin, mit der das Ehepaar das Vorabgespräch geführt hat, steht neben dem Bett des Ehemanns. Sie spricht zu den beiden: „Wenn jemand in dieser Situation, wo die Infusion schon liegt, plötzlich sich unsicher fühlen würde, könnte er immer noch sagen: ‚Ich gehe nach Hause‘.“ Darauf erwidert die Ehefrau: „Nein. Nein. Wir sind uns sehr sicher.“ Anschließend ist der Off-Kommentar der Reportage zu hören, der erklärt, dass dem Ehepaar durch die Ärztin noch letzte Fragen gestellt werden. Währenddessen ist ihr Assistent zu sehen, wie er das Geschehen mit einer Kamera aufnimmt. Er filmt die Hände des Ehemanns, in der sich der Auslöser für die Infusion befindet. Laut dem Off-Kommentar könne die Ärztin dadurch „belegen, dass es sich um eine freiwillige Entscheidung von urteilsfähigen Menschen handelt, die den letzten Schritt zur Selbsttötung eigenständig durchführen“.

Die Ärztin stellt sodann Fragen an das Ehepaar – zunächst an Frau Seitz, dann an ihren Ehemann: „Wann sind Sie zur Welt gekommen?“, „Können Sie mir sagen, warum Sie hierhergekommen sind zu Lifecircle?“, „Wissen Sie, was passiert, wenn Sie die Infusion öffnen?“ Frau Seitz antwortet unter anderem: „Ich hoffe, dass diese Infusion stark ist, dass ich schneller sterben kann, ohne Schmerzen.“ Herr Seitz gibt unter anderem folgende Antworten: „Ich bin sehr stark erkrankt und habe viele Menschen sterben gesehen mit dieser Krankheit. Und dieses Elend möchte ich nicht am eigenen Körper erleben“, und „Ich hoffe, dass ich einen schönen Tod erleide“.

Anschließend sagt die Ärztin: „Dann dürfen Sie jetzt aufmachen, Herr Seitz. Und, Frau Seitz, Sie warten noch. Ganz wichtig. Herr Seitz, Sie dürfen jetzt die Infusion öffnen.“ Die Kamera des Assistenten schwenkt vom Gesicht des Patienten auf dessen Hand, welche noch, bevor die Ärztin ihren Satz beendet hat – bei dem Wort ‚jetzt‘ –, den Schalter für die Infusion betätigt. Von der Ärztin ist ein bejahendes „Mh-hm“ zu vernehmen. Die Kamera des Assistenten schwenkt von der Hand des Patienten auf die Infusion, die an dem Gestell neben dem Bett befestigt ist. Es ist zu sehen, wie eine Flüssigkeit hineintropft.

Anschließend spricht die Ärztin: „Frau Seitz? Jetzt dürfen Sie auch öffnen. Ja.“ Die Hand der Patientin betätigt den Schalter. Die Ärztin sagt: „Ist oben. Einfach entspannen. Sie dürfen einander berühren. Sie dürfen die Infusion jetzt loslassen. Sie dürfen einander die Hand geben. Wie Sie möchten.“ Frau Seitz, die noch immer den Schalter der Infusion in der Hand hält, spricht: „Ich danke Ihnen, dass Sie uns helfen.“ Der Ehemann bewegt seinen Arm zu seiner Ehefrau, während die Ärztin sagt: „Und ich wünsche Ihnen beiden eine ganz, ganz gute Reise.“ Daraufhin spricht Herr Seitz: „Herzlichen Dank.“

Es ist zu sehen, wie Herr Seitz die Hand seiner Ehefrau hält. Der Assistent der Ärztin steht neben dem Ehemann und hat nun seine Hand auf dessen rechte Schulter gelegt. Herr Seitz gähnt, atmet sichtbar langsam und beginnt zu schnarchen. Der Assistent geht an das Kopfende des Patientenbetts, schließt mit einer sanften Bewegung den Kiefer von Herrn Seitz und streichelt ihm über den Kopf. Die Reportage fährt anschließend damit fort, wie die Ärztin die Polizei informiert, diese den Tod dokumentiert und die Körper des Ehepaars von einem Bestattungsunternehmen abgeholt werden.

Aus den im Video sichtbar gemachten Vollzugsformen treten drei zentrale Dimensionen des gemeinsamen Tötens hervor: Erstens die Legitimation, die sich im Suizidfall primär auf den dokumentierten Sterbewunsch und die medizinische Begleitung stützt, zweitens die Handlungsorientierung, die hier durch die enge Koordination zwischen Ärztin und Sterbewilligem bestimmt ist, und drittens die Ästhetik des Handelns, die in der ritualisierten und ruhigen Gestaltung der Szene zum Ausdruck kommt.

4.2 Fallbeispiel II: Die Massenerschießung von Tadamon

Das zweite Fallbeispiel ist ein geleaktes Video, das eine Massenerschießung[10] zeigt, die 2013 in Tadamon, einem Stadtteil in Damaskus, stattgefunden hat. Als das Video, welches von den Tätern selbst gefilmt wurde, an die Öffentlichkeit gekommen ist, in der Berichterstattung aufgearbeitet und in den Sozialen Medien geteilt wurde, hat es in Syrien für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Die Aufnahme ist noch immer auf diversen Plattformen, wie X, Telegram und reddit zu finden. Auch wurde es im Rahmen der Report-Mainz-Reportage Töten für Assad – Massenmord auf Video (Deutschland 2022, Eric Beres) aufgearbeitet und in Auszügen verfremdet auf ARD ausgestrahlt. Zudem liegen zu den Hintergründen dieses Videos bereits umfangreiche soziologische Recherchen durch Uğur Ümit Üngör vom Amsterdamer Institute for War, Holocaust, and Genocide Studies vor (vgl. Chulov 2022).

Die Tötungssituation entstand im Verlauf des syrischen Bürgerkriegs, in dem staatliche und paramilitärische Akteure systematisch extralegale Hinrichtungen als Mittel der Einschüchterung und Machtsicherung praktizierten (vgl. Human Rights Watch 2012). Die Opfer wurden in diesem Fall nicht durch eigene Intention oder Zustimmung in die Situation gebracht, sondern unter Zwang vorgeführt, gefesselt und vor Ort getötet. Anders als in einem rechtsstaatlich verfassten Kontext ist die Legalität dieser Taten nicht gegeben, doch innerhalb der Logik des autoritären Gewaltregimes erscheinen sie für die Täter als legitim und erwartbar. Der Befehl eines abwesenden Kommandeurs, die militärische Hierarchie sowie die Degradierung der Opfer – als Verräter, Feinde oder ‚Terroristen‘ – bilden den Rahmen, der das Töten aus Tätersicht rechtfertigt (vgl. Üngör 2015). Der Umstand, dass die Exekution per Video dokumentiert wird, verweist zudem auf eine doppelte Adressierung: zum einen nach innen als Nachweis der Befolgung von Befehlen, zum anderen nach außen als Machtdemonstration und Drohgebärde (vgl. Cambanis et al. 2019; Üngör 2019).

Im Kontext des syrischen Bürgerkriegs gehörten Massaker, Zwangsvertreibungen und systematische Exekutionen zum Repertoire der Herrschaftssicherung. Der Fall verweist damit weniger auf spontane Mikrogewalt in situativen Eskalationen, sondern auf Makrogewalt, die durch institutionalisierte Befehlslogiken, militärische Routinen und politische Zielsetzungen hervorgebracht wird (vgl. Imbusch 2005: 29–34). Die Täterseite ist folglich nicht als isolierte Gruppe zu begreifen, sondern als Teil eines staatlich-militärischen Gewaltapparates, dessen organisatorische Strukturen und Gewaltwissen die konkrete Durchführung der Massenexekution prägten. Konkret sind die Soldaten, die in dem Video zu sehen sind, der Abteilung 227 des syrischen Militärgeheimdienstes zuzuordnen. Die Logik der Legitimität unterscheidet sich hier fundamental vom ersten Fall: Während beim assistierten Suizid ein individueller Sterbewunsch und rechtliche Verfahren den Handlungsrahmen bilden, erfolgt die Legitimation im Bürgerkriegskontext durch ein gewaltbezogenes Wissen, das Feinde ihrer moralischen Subjektstellung beraubt und ihre Tötung als geboten erscheinen lässt (vgl. Koloma Beck 2012; Mayer 2019). Während beim assistierten Suizid die Legitimität des Tötungshandelns auf der Zustimmung der Sterbewilligen und einer rechtlich-ethischen Rahmung beruht, ist sie im Tadamon-Fall ausschließlich aus der Binnenperspektive der Tätergruppe erklärbar. Innerhalb der eigenen Konfliktpartei erscheint das Töten von Gegner*innen als angemessen oder gar moralisch geboten, während es für Außenstehende – gegnerische Gruppen oder die internationale Öffentlichkeit – als illegitime, kriminelle Gewalt erscheint (vgl. Fujii 2004; Imbusch 2005: 29–34).

Das Video ist insgesamt 6:43 Minuten lang und zeigt, wie nacheinander zehn Menschen an ein in einem zur damaligen Zeit unbewohnten Straßenzug ausgehobenes Loch geführt, hineingestoßen und darin erschossen werden. In dem Erdloch liegen neben etlichen Autoreifen auch bereits zahlreiche andere menschliche Körper.[11] Dem Video ist zu entnehmen, dass es sich bei den Tätern um drei Männer in Militäruniform handelt. Bei der Erschießung gehen sie arbeitsteilig vor. Anfangs werden die Männer, deren Arme hinter dem Rücken gefesselt und deren Augen mit durchsichtiger Folie verbunden sind, von einer Person an das Loch herangeführt und mit den Armen in die Grube gestoßen. Ihnen wird mitgeteilt, dass sie sich beeilen sollen, indem ihnen in arabischer Sprache „Los! Los!“ zugerufen wird. Sobald sie auf dem Boden der Grube gelandet sind, werden sie von einer weiteren Person mit einem Gewehr erschossen. Eine dritte Person filmt die Situation. Die Kamera fokussiert zum einen die Täter, zum anderen werden aber auch immer wieder übersichtsartige Aufnahmen von den Körpern in der Grube gemacht.

Nach der zweiten Erschießung, die in dem Video zu sehen ist, werden die Rollen zwischen den Tätern getauscht. Derjenige, der die Männer bisher zur Grube geführt hat, nimmt nun das Gewehr in die Hand und übernimmt die Rolle des Schützen, während der Täter, der zuvor geschossen hat, nun die Gefangenen an die Grube führt. Als die beiden Täter die Rollen wechseln, wendet sich derjenige, der in dem Video zuerst geschossen hat, der Kamera zu, und sagt lächelnd auf Arabisch: „Einen Gruß an den Boss. Für deine schönen Augen und deine olivfarbene Uniform, wenn du sie trägst“.

Nach dem Wechsel der beiden Täter ändert sich die Ausführung der Erschießung. Wurden die Opfer zunächst nur händisch in die Grube gestoßen, wird das dritte Opfer mit einem kräftigen Fußstoß in die Grube getreten. Weiteren Gefangenen wird mitgeteilt, dass sie Anlauf nehmen sollen. Hierbei werden die Opfer zum einen an ihren Armen gepackt und zur Grube geführt. Zum anderen zeigen ihnen die Täter mit ihren Händen, in welche Richtung sie springen sollen. Dabei wird bereits im Sprung auf sie geschossen. Bei einigen Opfern sind sich die Täter jedoch unsicher, ob sie noch leben. Die Täter tauschen sich darüber aus und teilen sich verbal und gestisch durch Fingerzeige einander mit, ob eines bzw. welches ihrer Opfer noch leben könnte. Anschließend wird erneut auf die entsprechenden Körper geschossen. Der zweite Schütze posiert dabei bisweilen mit seiner Waffe an der Grube, er gibt sich betont lässig, und gibt einige Schüsse auch offensichtlich nur mit einer Hand an der Waffe ab. Das Video endet, nachdem zehn Männer erschossen wurden.

Aus dem Videodatum treten ebenfalls die am Ende der ersten Fallbeschreibung genannte drei Dimensionen hervor: Erstens die Legitimation, die sich hier nicht auf individuelle Zustimmung, sondern auf den Verweis auf einen übergeordneten Befehl und die Feindmarkierung stützt, zweitens die Handlungsorientierung, die durch eine klar hierarchische Rollenverteilung geprägt ist – Täter und Opfer sind strikt getrennt, die Vollzugsakte folgen einer routinisierten Choreographie von Führen, Erschießen und Beseitigen –, und drittens die Ästhetik des Handelns, die in der kalkulierten Brutalisierung und der bewussten Inszenierung der Gewalt für die Kamera sichtbar wird.

5 Kommunikative Dimensionen des gemeinsamen letalen Handelns

Wie bereits zu Beginn des vergangenen Abschnitts erwähnt: Auch wenn – oder besser: Gerade weil – die beschriebenen Fälle sehr unterschiedlich sein mögen, gibt ihr Vergleich Auskunft über jene kommunikativen Handlungen, die im Zuge der Tötung ausgeübt werden. Konkret möchte ich im Folgenden auf die bereits am Ende der Fallbeschreibungen genannten drei Dimensionen des kollektiven Tötungshandelns eingehen: Legitimation, Handlungsorientierung und Ästhetik. Diese Analysekategorien werden nicht als vorgängig theoretisch festgelegte Merkmale verstanden, sondern als heuristische Differenzierungen, die aus der Analyse des videographischen Materials heraus entwickelt wurden. Sie spiegeln jene kommunikativen Probleme wider, die sich in der Sequenzialität, Materialität und Körperlichkeit letalen Handelns zeigen. Die Kategorien erheben daher keinen Anspruch auf Universalität, sondern beziehen sich auf jene Dimensionen, in denen sich die Akteure selbst wechselseitig Orientierung geben, sich rechtfertigen oder ihre Handlungen sinnlich und affektiv gestalten. Die drei Kategorien fassen damit empirisch beobachtbare kommunikative Anforderungen, die in beiden Fällen auftreten, aber je unterschiedlich realisiert werden. In den Videodaten treten sie jeweils als zentrale Unterschiede hervor: Erstens, wie das Töten im Vollzug begründet und gerechtfertigt wird, zweitens, wie die Akteure ihre Handlungen koordinieren, und drittens, wie diese Szenen visuell, körperleiblich und symbolisch gestaltet sind.[12]

5.1 Legitimation

Die Fallbeispiele zeigen, dass beim gemeinsamen letalen Handeln über die Legitimation des Tötens kommuniziert wird. Im Fall des assistierten Suizids werden bereits vorab Gespräche mit den Eheleuten geführt, in denen auch nach den Gründen gefragt wird, wegen denen sie ihr Leben beenden möchten. Im Zuge dessen werden auch Formulare ausgefüllt, welche die tödliche Erkrankung und den Willen zur Selbsttötung festhalten. Auch die abschließende Befragung der Eheleute auf dem Sterbebett sowie die videographische Dokumentation des assistierten Suizids, die durch den Assistenten der Ärztin erfolgt, zielt auf die Legitimation. Erstellt werden Videoaufnahmen, welche die Urteilsfähigkeit und den Sterbewillen der Eheleute wiedergeben. Beispielsweise gibt Frau Seitz an, sie sei mit ihrer Entscheidung „sehr sicher“, und Herr Seitz sagt, er „habe viele Menschen sterben sehen mit dieser Krankheit“ und möchte „dieses Elend […] nicht am eigenen Körper erleben“. Er hoffe auf einen „schönen Tod“, wobei das christliche Kreuz, das er fest in seiner Hand hält, auf eine christliche Jenseitsvorstellung und den Glauben an ein Weiterleben nach dem Tod hindeutet. Im Zentrum steht die moralische und rechtliche Begründung des Tötens: Der Sterbewunsch und das Leiden des Patienten legitimieren die Handlung, zugleich gestützt durch das Schweizer Recht.

Die massenhafte Tötung in Damaskus beinhaltet ebenfalls Momente der Legitimation. Üngör hat durch Recherchen gezeigt, dass das Massaker in eine militärische Befehlskette eingebettet war (vgl. Chulov 2022). Dem Tötungshandeln liegt demzufolge eine organisationale Legitimation zugrunde. Darauf verweist auch das Filmen des Geschehens. Nachweislich werden Videos von Massenexekutionen auch erstellt, um vor den Auftraggebern zu bezeugen, dass die Tötung ausgeführt wurden (vgl. Üngör 2019). Die Hierarchie zeichnet sich in der Situation nicht nur durch die militärische Kleidung ab, sondern auch dadurch, dass einer der Täter die Kamera adressiert und dabei „einen Gruß an den Boss“ ausrichtet. Zudem wird die Tötung auch durch die Inszenierung der „absoluten Macht“ (Sofsky 1993: 29 ff.) legitimiert, die auf organisationaler, asymmetrischer und ideologischer Gewalt aufbaut. Die Menschen, die getötet werden, befinden sich in einem Zustand der „absolute[n] Ohnmacht“ (ebd.: 36). Im Gegensatz zum assistierten Suizid beruht die Legitimation bei der Exekution nicht auf Zustimmung oder individueller Autonomie, sondern auf Gewaltwissen über Feindmarkierung und Befehlsketten. Die Opfer erscheinen im Regime-Diskurs als legitime Zielpersonen, deren Tötung nicht nur erlaubt, sondern gefordert ist. Legitimation ist hier – im Gegensatz zum Suizidfall – kollektiv-ideologisch, nicht individuell-moralisch. Die Frage der Legitimation verweist im Tadamon-Fall nicht auf Zustimmung oder Anerkennung der Opfer, sondern auf deren gezielte Delegitimierung. Forschungen zur Dynamik kollektiver Gewalt haben gezeigt, dass Massaker und Genozide nur dann möglich werden, wenn die Gegenseite zuvor systematisch degradiert und damit ihrer moralischen Subjektstellung beraubt wird. Lee Ann Fujii (2004) hat am Beispiel des ruandischen Genozids eindrücklich gezeigt, wie die Tutsi durch Pejorativa wie ‚Kakerlaken‘ symbolisch aus der moralischen Gemeinschaft ausgeschlossen wurden. Vergleichbar operierte das Gewaltregime in Syrien, indem es Gegner als ‚Terroristen‘ framte (vgl. Gaber 2021) und damit eine Grundlage schaffte, ihre Tötung als legitim oder gar notwendig erscheinen zu lassen.

In beiden Fällen wird also verbal und körperlich darüber kommuniziert, warum getötet wird und ob das letale Handeln legitim ist. Es handelt sich somit um Legitimationen, welche die Überschreitung der Grenze zwischen Leben und Nicht-Leben rechtfertigen sollen. ‚Legitimation‘ meint in diesem Sinn eine situativ und perspektivisch hergestellte Geltungsbehauptung, die – im Anschluss an Max Weber (1922) – an die Anerkennung innerhalb einer konkreten Akteurskonstellation gebunden ist. Die Analyse der syrischen Fallstudie bezieht sich folglich auf die Binnenperspektive der Tätergruppe, während im Fall des assistierten Suizids andere normative und institutionelle Bezugsrahmen wirksam werden. Wenn auf eine unheilbare Krankheit und ein zu erwartendes qualvolles Lebensende, auf ein bestehendes Leiden und die Sinnlosigkeit des Weiterlebens sowie auf militärische Anordnungen verwiesen wird, dient dies dazu, den transgressiven Akt des Tötens zu legitimieren. Hervorgehoben wird hierbei die normative Dimension der kommunikativen Form. Es wird kommuniziert, dass die Tötung – und dass sie in genau in dieser Form – gerechtfertigt sei.

Demgegenüber ließen sich nun auch Beispiele für Tötungen ohne Legitimation im Moment des Vollzugs finden; im Affekt begangene Morde, Amokläufe, ‚Family Annihilators‘, die ohne erkennbaren äußeren Anlass ihre gesamte Familie umbringen, und auch literarische Darstellungen, wie in Albert Camus’ Der Fremde (1948), in dem der Protagonist – womöglich durch zu viel Sonneneinstrahlung unzurechnungsfähig – einen anderen Mann tötet. Hierbei handelt es sich aber erstens um letale Handlungen, die von einem Individuum und nicht gemeinsam durchgeführt werden. Und zweitens ist Töten – zumindest aus soziologischer Perspektive – stets kommunikationsbedürftig, und es erzeugt Anschlussfragen nach dem ‚Warum‘. Situationen, in denen scheinbar ohne Grund getötet wird, werden aufgrund des gesellschaftlichen „Erklärungsbegehren[s]“ (Reemtsma 2017) nachträglich immer mit entsprechenden Deutungen versehen. Töten, welches gemeinschaftlich vollzogen wird, erfordert hingegen bereits im Vollzug eine Form von Legitimation, um das gemeinsame Handeln zu Koordinieren. Selbst Lynchmorde, Massaker im Krieg oder ‚Thrill Killings‘ in (Jugend-)Gruppen enthalten Momente der Legitimation, seien es beispielsweise spontane Schuldzuschreibungen, Gehorsam, affektive Dynamiken und Gruppendruck (vgl. Fujii 2019; Asif & Weenink 2022; Hauffe 2024). Selbst wenn die Lebensbeendigung im Nachgang als ‚grundlos‘ erscheint, wurde sie kommunikativ doch von einer augenblicklichen Legitimation getragen, die im Handlungsvollzug entsteht. Diese legitimatorischen Komponente bedarf es, da Töten an einer der fundamentalsten sozialen Differenzen operiert – an der Grenze zwischen Leben und Nicht-Leben (vgl. Lindemann 2018: 117–121). Gerade weil diese Grenze in allen Gesellschaften enorm reguliert ist (z. B. durch Tabus, Verbote, Ritualisierung oder Sakralisierung), erzeugt ihr Überschreiten einen Rechtfertigungsdruck (vgl. Benkel 2019). Dabei stabilisiert die Legitimation zugleich die soziale Ordnung, indem sie den Akteuren eine Erklärung bereitstellt, warum genau dieses Leben genommen werden darf oder muss.

Die Legitimation des Tötens verweist je nach Fall auf unterschiedliche Wissensbestände: Während im assistierten Suizid auf „Todeswissen“ (Benkel 2021) über Leiden und Sterbewunsch zurückgegriffen wird, beruht die Massenexekution auf „Gewaltwissen“ (Coenen 2021) über Feindmarkierung und Befehlsketten. Damit zeigt sich, dass Legitimation nicht nur eine Frage abstrakter Rechtfertigung ist, sondern auf geteilte Wissensordnungen verweist, die Handeln verständlich und erwartbar machen. Im Suizidfall gilt das Wissen um das Recht auf ein würdevolles Sterben als legitimierende Ressource; im Exekutionsfall gilt dies für die Anerkennung des Gegners als ‚tötbarer Feind‘. Gerade in dieser Differenz wird deutlich, wie eng Legitimation mit gesellschaftlich verankertem Gewalt- und Todeswissen verbunden ist.

5.2 Handlungsorientierung

Neben der Legitimation geben die kommunikativen Handlungen, die sich um die Durchführung der Tötungen herum zeigen, zudem eine Antwort auf die Frage, wie die Beendigung des Lebens vollzogen werden soll. So findet im Fall des assistierten Suizids zunächst ein Hinweis durch die Ärztin statt, die dem Ehepaar, welches Suizid begehen möchte, das weitere Vorgehen schildert. Auch nachdem Frau und Herr Seitz die Fragen der Ärztin nach dem Namen, dem Geburtsdatum und dem Wissen über die Konsequenzen ihres Handelns beantwortet haben, erhalten sie weiterhin Hinweise, was zu tun ist – wann wer die Infusion öffnen darf, dass sie sich entspannen sollen und sich einander die Hand geben können, während das Medikament wirkt. Besonders deutlich wird das Kommunizieren über das Vorgehen, als die Ärztin klare regieähnliche Anweisungen gibt: Herr Seitz dürfe die Infusion öffnen, es sei aber „ganz wichtig“, dass seine Ehefrau noch wartet. Erst als die Kamera des Assistenten auf Frau Seitz gerichtet ist, dürfe sie auch die Infusion öffnen. Die Akteure handeln in enger Koordination, wobei die Ärztin den Vollzug kontrolliert und absichert, während die Patient*innen aktiv in die Handlung einwilligen.

Auch in dem Video zu dem Massaker von Tadamon wird über das genaue Vorgehen kommuniziert. Zum einen stimmen die Täter untereinander ab, wo welcher Gefangene hingeführt werden soll, bevor er in die Grube gestoßen und erschossen wird. Zugleich tauschen sich die Täter darüber aus, ob die Menschen in der Grube noch leben. Sobald Unsicherheit darüber herrscht, ob jemand bereits tot ist, wird auf den entsprechenden Körper gezeigt, und es werden Anweisungen gegeben, dass noch einmal geschossen werden müsse. Zum anderen findet aber auch Interaktion zwischen den Tätern und Opfern statt. Die Gefangenen werden zumeist an den Armen und am Rücken gepackt, um ihnen zu signalisieren, wo sie hingehen sollen. Den Männern wird verbal mitgeteilt, dass sie sich beeilen sollen und – sowohl verbal als auch gestisch – dass und in welche Richtung sie in die Grube springen sollen. Im Gegensatz zum assistierten Suizid ist die Handlungsorientierung in dem Tadamon-Video strikt hierarchisch organisiert. Täter und Opfer sind scharf voneinander getrennt, die Vollzugsakte folgen einer routinierten Abfolge: Zuführung der Gefesselten, Hineinstoßen der Körper in die Grube, Erschießung, Zuschütten der Grube. Die Akteure handeln nicht in Kooperation, sondern in Unterordnung gegenüber Befehlen, wobei das Gewaltwissen über militärische Routinen Handlungssicherheit schafft. Das Töten erscheint so als eingeübter Vollzug innerhalb einer Ordnung, die Gehorsam und Routine an die Stelle individueller Entscheidung setzt.

In beiden Situationen tauschen sich die Akteure über das Vorgehen des Tötungsaktes aus. Dies lässt sich als eine Handlungsorientierung verstehen, die mit dem Fortgang der Tötungssequenz verbunden ist. Sie ist Ausdruck der „gewissen Kontur“ (Knoblauch 2017: 218) der kommunikativen Form. Durch sie wird befördert, dass das Leben auf eine bestimmte Art und Weise zu Ende geht. Kommuniziert werden die räumlichen, zeitlichen und sachlichen Aspekte des gemeinsamen Tötungshandelns: Wo das Leben beendet werden und wo sich dabei wer positionieren soll, wann und wie schnell eine (letale) Handlung erfolgen darf und was genau mit welchen Mitteln geschehen soll.

Zum einen verdeutlicht dieses auf Handlungsorientierung abzielende kommunikative Handeln, dass die Akteure ein entsprechendes Wissen über die jeweilige Form des Tötens haben. Indem Erläuterungen zum Vorgehen bzw. Anweisungen erfolgen, wird auf ein entsprechendes ‚Skript‘ rekurriert. Dieses kommunikative Handeln zielt darauf ab, dass die Form gewahrt bleibt. Schließlich soll der assistierte Suizid möglichst human und pietätvoll erfolgen und die Massenerschießung nicht zu lange und möglichst effizient ablaufen.

Zum anderen ist das Kommunizieren über das Vorgehen notwendig, da nicht alle Akteure das gleiche Maß an Vorwissen aufweisen. Insbesondere diejenigen, deren Leben beendet wird, können aus naheliegenden Gründen nur über ein vages Rollenwissen verfügen. Schließlich kann das eigene Leben eben nur einmal beendet werden. Somit bedarf es in Situationen, in denen es um Leben und Tod geht, einer entsprechenden Handlungsorientierung (vgl. Coenen 2022b). Allenfalls könnten diejenigen, deren Leben beendet wird, ihr Wissen aus anderen Kontexten erworben haben, z. B. aus Dokumentationen, Berichten oder der Beobachtung einer entsprechenden letalen Situation. Das Wissen um die Form des Tötens ist somit zwischen den Akteuren unterschiedlich verteilt. Einige mögen bereits ein ausgeprägtes ‚Know-how‘ (vgl. Ryle 1969) vorweisen – z. B. die Ärztinnen und Ärzte bei dem assistierten Suizid –, während andere nur wenig Kenntnisse über eine spezifische Tötungssituation haben.

Auch zur Handlungsorientierung greifen die Beteiligten auf verschiedene Wissensformen zurück. Im Suizidfall wird Todeswissen über medizinische Abläufe und rituelle Begleitung handlungsleitend, während im Exekutionsfall Gewaltwissen über Routinen des Erschießens und der Verbergung von Leichen das Handeln prägt. Hier zeigt sich, dass Akteure in hochgradig unterschiedlichen Wissenshorizonten agieren: auf der Basis professioneller, medizinischer Expertise einerseits (vgl. Bozzaro 2024) und militärischer Spezialisierung andererseits (vgl. Üngör 2021). Damit wird deutlich, dass letales Handeln nicht allein durch situative Entscheidungen bestimmt wird, sondern durch das Rückgreifen auf kollektive Wissensordnungen

5.3 Ästhetik

Schließlich erfolgen beim gemeinsamen und absichtsvollen Töten auch kommunikative Handlungen, die sich weder auf die Legitimation noch auf den Verlauf der Tötungsform beziehen, sondern dessen ästhetisch-affektive Dimension akzentuieren. Beispielsweise wird im Fall des assistierten Suizids durch die Kerzen und christliche Symbolik eine pietätvolle Atmosphäre geschaffen. Dass die Eheleute sich auf dem Sterbebett einander die Hände halten können, lässt sich ebenfalls als eine Art des ästhetischen Handelns verstehen. Auch dass der Assistent der Ärztin dem Sterbenden sanft über die Schulter und den Kopf streichelt, dabei dessen Kiefer schließt und dadurch das Schnarchen beendet, zielt auf eine ästhetische Dimension letalen Handelns. Die Szene ist geprägt von Ruhe und Ritualisierung – einer Ästhetik, die das Töten in einen Rahmen von Würde und Frieden stellt.

Im Fall der Massenexekution von Tadamon finden sich ebenfalls Handlungen, die die ästhetisch-affektive Dimension hervorheben, unter anderem an dem Punkt, als einer der Täter in die Kamera lächelt und seinen „Boss“ mit den „schönen Augen“ und der „olivfarbene[n] Uniform“ grüßt. Hier nimmt die Situation ausgelassene Züge an. Ästhetische Aspekte finden sich aber auch – quasi als Stilisierungen – auf performativer Ebene, wenn beispielsweise einer der Schützen am Rand der Grube posiert, einarmig auf die Körper in der Grube schießt oder dazu übergeht, die Gefangenen mit einem Tritt, statt mit seinen Armen in die Grube zu stoßen. Die ästhetische Gestaltung der Exekution ist durch kalkulierte Brutalisierung und theatralische Inszenierung geprägt. Die Kamera wird bewusst eingesetzt, um den Ablauf zu dokumentieren und die Tötung in Bilder zu übersetzen, die sowohl Schockwirkung entfalten als auch zur internen Dokumentation dienen (vgl. Üngör 2019).

Die genannten Beispiele können als ästhetische Komponenten begriffen werden. Es handelt sich um ein kommunikatives Handeln, das als „impression management“ (vgl. Goffman 1969) und „sentimental work“ (Strauss et al. 1982) fungiert. Es zielt auf das Hervorbringen bestimmter Gefühle, Wahrnehmungen und Sinneseindrücke bei den Tötenden, Zu-Tötenden und Dritten. Die Akteure rahmen die Tötungssituation aktiv so, dass bestimmte Deutungen nahegelegt und andere ausgeschlossen werden – sei es durch symbolische Objekte, räumliche Inszenierungen oder durch nonverbale Gesten (vgl. Goffman 1977). Die ästhetischen Komponenten sind dabei ausschlaggebend dafür, dass das Handeln, mit dem die Grenze zwischen Leben und Nicht-Leben überschritten wird, auch ausgeführt wird. Zugleich kommen in ihnen „feeling rules“ (vgl. Russell Hochschild 1979) zum Ausdruck, die an die kommunikative Form geknüpft sind. Dass es sich z. B. um einen assistierten Suizid, den Vollzug einer Todesstrafe, ein Lynchmord oder terroristischen Anschlag handelt, ist mit bestimmten Erwartungen an die Gefühlsäußerungen der Akteure und die Atmosphäre verbunden (vgl. Collins 2017; Malešević 2021).

Die ästhetische Dimension der Massenexekution unterscheidet sich grundlegend von dem Fall des assistierten Suizids. Dort ist die Gestaltung der Szene von einem Emotions- und Affektmanagement getragen, das den Sterbenden Ruhe, Würde und Schmerzlosigkeit garantieren soll. Im Tadamon-Video dagegen tritt an die Stelle dieser Fürsorge eine demonstrative Täterinszenierung auf Kosten der Opfer. Die Kamera rahmt nicht den Übergang ins Sterben, sondern die Machtausübung über Wehrlose; die Opfer werden gezwungen, in einer letzten Demütigung Teil einer gezielten Sichtbarmachung der Gewalt – eines „violent display“ (Fujii 2021) – zu sein. Diese Ästhetik des Erniedrigens und Zurschaustellens verweist darauf, dass die kommunikative Dimension hier nicht auf die Begleitung der Sterbenden, sondern auf die Selbststilisierung der Täter und die abschreckende Wirkung für ein Publikum zielt. Damit wird das Töten nicht verborgen, sondern spektakularisiert (vgl. Coenen 2023a), und die Getöteten werden nicht als Subjekte in ihrem Sterben, sondern als Objekte eines Gewalthandelns sichtbar gemacht.

Wie die Legitimation und die Handlungsorientierung, so knüpft auch die ästhetische Gestaltung in unterschiedlichem Maße an Wissensordnungen an. Der Suizidfall folgt einem Todeswissen, das Würde und Ruhe betont, die Exekution hingegen einer Ästhetik der Gewalt, die auf Abschreckung und Machtdemonstration zielt. Die ästhetischen Codes sind dabei keineswegs nebensächlich, sondern prägen die Wahrnehmung und Bewertung der Handlung maßgeblich. Indem das Töten ritualisiert oder brutalisiert dargestellt wird, wird es zugleich in eine symbolische Ordnung eingebettet. Diese Sinnzuschreibungen speisen sich wiederum aus kollektiven Wissensbeständen über den ‚guten Tod‘ (vgl. Bauer 2021) oder die ‚notwendige Gewalt‘ (vgl. Reemtsma 2008: 185 ff.; Coenen 2021). So werden in der ästhetischen Dimension des gemeinsamen Tötens Gewaltwissen und Todeswissen gleichermaßen wirksam.

6 Formen gemeinsamen und absichtsvollen Tötens und ihre kommunikativen Probleme

Es mag zunächst hochgradig unwahrscheinlich sein, dass ein Leben in einer ganz bestimmten, spezifischen Form beendet wird. Vieles spricht dagegen; seien es beispielsweise moralische Gründe, die Angst um die eigene Sicherheit – schließlich könnte das eigene Handeln sanktioniert werden – oder das geltende Recht. Ebenso ergeben sich etliche Probleme in der Umsetzung der Tötungsform: Handlungen müssen koordiniert werden, sie sind nicht zwingend allen Akteuren bekannt und das notwendige ‚Know-how‘ (vgl. Ryle 1969) kann fehlen. Schließlich kann die Form auch als unangemessen empfunden werden, das Tötungshandeln kann alle Akteure – diejenigen, denen das Leben genommen wird, diejenigen, die das Leben nehmen, und diejenigen, die dabei anwesend sind – hochgradig betroffen machen, und Emotionen, die währenddessen geäußert werden, können als unpassend gelten.

Ein genauer Blick auf das gemeinsame Tötungshandeln zeigt, dass sich die Akteure notwendigerweise austauschen und dabei jenen Unwahrscheinlichkeiten der Tötungsform entgegenwirken. Die Legitimation rechtfertigt, dass die Grenze zwischen Leben und Nicht-Leben auf eine konkrete Art und Weise überschritten wird, die Handlungsorientierung stabilisiert die Form des Tötungshandelns und die Ästhetik zielt auf die Gefühlsregeln, Wahrnehmungsweisen und Sinnlichkeit, die an eine Tötungsform geknüpft sind. Sie bilden drei Handlungstypen, durch die die Tötungsform zusammengehalten und die Umsetzung sowie Form der Lebensbeendigung gewährleistet wird.

Diese kommunikativen Handlungen sind notwendig, da sonst die Form der Lebensbeendigung nicht gewahrt werden kann. Doch sie resultieren nicht nur in eine kommunikative Form, sondern sind auch auf sie zurückzuführen. Kommunikative Tötungsformen sind Muster, die das letale Handeln bestimmen, die Bestandteil des gesellschaftlichen Wissensvorrats sind und das kommunikative Handeln anleiten. Kommunikativ sind diese Formen, da sie erst im kommunikativen Handeln realisiert und gedeutet werden können (Knoblauch 2017: 235). Die kommunikative Form des Tötens bestimmt den Ein- und Ausschluss unterschiedlicher Elemente aus den kommunikativen Codes. Ebenso wie die dokumentierenden Handlungen des Sterbewillens und der Urteilskraft bei assistiertem Suizid erwartbar sind, sind es auch im Rahmen einer Exekution Handlungen, welche die Schwelle zur Gewaltausübung senken (vgl. Collins 2017). Demgegenüber sind Akte der Grausamkeit bei einem assistierten Suizid nicht zu erwarten, ebenso wenig wie die Frage nach dem Sterbewillen der Opfer bei einer massenhaften Erschießung. Der Verlauf einer Tötungsform ist vor diesem Hintergrund also bis zu einem gewissen Grad voraussagbar.

Die herausgearbeiteten Handlungstypen verdeutlichen, dass Formen des gemeinsamen Tötens in ihrer je spezifischen Ausprägung maßgeblich auf drei kommunikative Probleme reagieren: die Legitimation, die Methodizität und die Affektivität des Tötens. In Tötungsformen ist somit kommunikativ eingeschrieben, wie sie zu legitimieren sind, wie sie umgesetzt werden und an welche Affekte sie geknüpft sind. Die Akteure machen im kommunikativen Handeln ‚accountable‘ (vgl. Garfinkel 1967), warum für sie die Beendigung eines Lebens in einer konkreten Form gerechtfertigt ist, sie machen wechselseitig für sich beobachtbar, wie diese Form umgesetzt wird, und sie positionieren sich zu dieser Form durch ästhetische Handlungen und die Um- und Durchsetzung von Gefühlsregeln.

Dies verdeutlicht wiederum, dass Formen des gemeinsamen Beendens von Leben nicht als punktuelle Ereignisse, sondern als koordinierte Prozesse zu begreifen sind, in denen unterschiedliche kommunikative Handlungen ineinandergreifen. Sie sind prozesshafte Geschehen, die ihren Anfang, Verlauf und ihr Ende dadurch erhalten, dass die Akteure füreinander darlegen, warum und wie letale Handlungen vollzogen werden. In kommunikativen Formen des Tötens wird einerseits ein spezifischer Wissenskomplex über das Beenden des Lebens wirksam, andererseits wird dieser durch die anschließende Diskursivierung geprägt und gesellschaftlich in Umlauf gebracht.

Für das Wissen über das Töten sind zwei Wissensdomänen von Bedeutung: Zum einen ist für Handlungen, die Leben beenden, ein „Todeswissen“ (Benkel 2021) notwendig, das sich darauf bezieht, durch welche Maßnahmen der Übergang vom Leben zum Nicht-Leben stattfindet und wie der Tod gedeutet und bewertet wird. Zum anderen stehen Tötungsphänomene in einem engen Verhältnis zu Gewalt und dem Zusammenspiel von Antun und Erleiden (vgl. Popitz 1992).[13] Aus diesem Grund sind sie an ein „Gewaltwissen“ (Coenen 2021) geknüpft, durch das Handlungen als Gewalt gedeutet, dergestalt performativ umgesetzt und legitimiert werden können. Dieses Tötungswissen ist wiederum mit einer Vorstellung verbunden, nach welchem ‚Skript‘ ein letales Handeln zu verlaufen hat.

Über die hier fokussierten Interaktionen hinaus wird das Töten auch in nachgelagerte kommunikative Prozesse eingebunden: Gerichte, Massenmedien und kollektive Erinnerungsgemeinschaften leisten eine gesellschaftliche ‚Reparaturarbeit‘, in der Tötungshandlungen neu gerahmt und in normative Ordnungen eingepasst werden (vgl. Leonhard & Dimbath 2021). Doch die Bedeutungsverschiebungen, die dort sichtbar werden, lassen sich nur dann angemessen verstehen, wenn die situativen Dynamiken des Tötens selbst berücksichtigt werden. Denn erst die Analyse der Tötungssituation zeigt, welche Legitimationen, Handlungsorientierungen und ästhetischen Ausdrucksweisen in ihr hervorgebracht werden – und diese bilden die Grundlage, auf die spätere Anschlusskommunikation aufbaut, sei es in Form von Bestätigung, Umdeutung oder Delegitimierung. In diesem Sinn eröffnet die Untersuchung letaler Situationen nicht nur Einblicke in das kommunikative Vollziehen des Tötens, sondern zugleich in die Bedingungen seiner nachträglichen gesellschaftlichen Bearbeitung.

Über den Autor / die Autorin

Ekkehard Coenen

Ekkehard Coenen, geb. 1987 in Jena. Studium der Soziologie, Musikwissenschaft, Medienkultur und kulturwissenschaftlichen Medienforschung in Weimar und Jena. Promotion an der Bauhaus-Universität Weimar; dort seit 2016 wissenschaftlicher Mitarbeiter.

Forschungsschwerpunkte: Wissenssoziologie, Soziologie der Gewalt, Thanatosoziologie, Soziologische Theorie, Kultursoziologie und Methoden der qualitativen Sozialforschung.

Wichtigste Publikationen: Communicative Constructivism and Relational Knowledge: What We Can Learn From the Study of Gore Videos. Distinktion, 2025 (online first); Contested Understandings of Violence. Refiguring Modern and Postmodern Perspectives. Society 61, 2024: 421–430; Forschen zum Lebensende. Überlegungen zu einer qualitativen Thanatosoziologie. Forum Qualitative Sozialforschung/Forum: Qualitative Social Research 22, 2021: Art. 2 (mit M. Meitzler); Vorüberlegungen zu einer Wissenssoziologie der Gewalt. Zeitschrift für Theoretische Soziologie 10, 2021: 168–195; Zeitregime des Bestattens. Thanato-, kultur- und arbeitssoziologische Beobachtungen, Basel und Weinheim: Beltz Juventa 2020.

Literatur

Ahrens, J., 2001: Selbstmord. Die Geste des illegitimen Todes. München: Fink.Search in Google Scholar

Ahrens, J., 2017: „Die unfassbare Tat“. Gesellschaft und Amok. Frankfurt/Main, New York: Campus.Search in Google Scholar

Albrecht, G., 2012: Suizid. S. 979–1173 in: G. Albrecht & A. Groenemeyer (Hrsg.), Handbuch soziale Probleme, Bd. 1. Wiesbaden: Springer VS.10.1007/978-3-531-94160-8_24Search in Google Scholar

Asif, M. & D. Weenink, 2022: Vigilante Ritual Theory. A Cultural Explanation of Vigilante Violence. European Journal of Criminology 19: 163–182.10.1177/1477370819887518Search in Google Scholar

Asif, M., D. Weenink & P. Mascini, 2023: Engineering Vengeful Effervescence. Lynching Rituals and Religious-Political Power in Pakistan. The British Journal of Criminology 63: 1441–1459.10.1093/bjc/azac106Search in Google Scholar

Astley, M., 2016: Snuff 2.0. Real Death Goes HD Ready. S. 153–170 in: N. Jackson, S. Kimber, J. Walker & T. J. Watson (Hrsg.), Snuff. Real Death and Screen Media. New York u. a.: Bloomsbury.10.5040/9781501304590.ch-009Search in Google Scholar

Bartelmus, M., 2020: Cultural Born Killers. Poetologie(n) des Tötens um 1900. Würzburg: Königshausen & Neumann.Search in Google Scholar

Bauer, A. W., 2021: Selbsttötung, Sterbehilfe, Tötung auf Verlangen: der ‚gute Tod‘ am Lebensende? S. 211–227 in: C. Bähr & M. Rothhaar (Hrsg.), Anthropologie und Ethik der Biomedizin. Grundlagen und Leitfragen. Wiesbaden: Springer VS.10.1007/978-3-658-34302-6_13Search in Google Scholar

Bauman, Z., 1992: Dialektik der Ordnung. Die Moderne und der Holocaust. Frankfurt/Main: Büchergilde Gutenberg.Search in Google Scholar

Beck, U., 1968: Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne. Berlin: Suhrkamp.Search in Google Scholar

Benkel, T., 2019: Fragwürdig eindeutig. Eine Exkursion in die Schattenzone des Wissens. S. 1–29 in: T. Benkel & M. Meitzler (Hrsg.), Zwischen Leben und Tod. Sozialwissenschaftliche Grenzgänge. Wiesbaden: Springer VS.10.1007/978-3-658-22277-2_1Search in Google Scholar

Benkel, T., 2021: Die Möglichkeit des Wissens – am Beispiel des Todes. S. 38–66 in: T. Benkel & M. Meitzler (Hrsg.), Wissenssoziologie des Todes. Weinheim, Basel: Beltz Juventa.Search in Google Scholar

Benkel, T., 2022: Jenseits von Tod und Leben? S. 153–160 in: T. Benkel & M. Meitzler (Hrsg.), Körper – Kultur – Konflikt. Studien zur Thanatosoziologie. Baden-Baden: Rombach.10.5771/9783968218281Search in Google Scholar

Benkel, T. & M. Meitzler, 2019: Materiality and the Body. Explorations at the End of Life. Mortality 24: 231–246.10.1080/13576275.2019.1585787Search in Google Scholar

Benkel, T. & M. Meitzler (Hrsg.), 2021: Wissenssoziologie des Todes. Weinheim, Basel: Beltz Juventa.Search in Google Scholar

Benkel, T. & M. Meitzler, 2023: Bilder, die schmerzen. Visuelle Herausforderungen der qualitativen Sozialforschung. Jahrbuch für Tod und Gesellschaft 2: 92–132.Search in Google Scholar

Bergmann, J. R., 1985: Flüchtigkeit und methodische Fixierung sozialer Wirklichkeit. Aufzeichnungen als Daten der interpretativen Soziologie. S. 299–320 in: W. Bonß & H. Hartmann (Hrsg.), Entzauberte Wissenschaft. Zur Relativität und Geltung soziologischer Forschung. Sonderband 3 der Zeitschrift „Soziale Welt“. Göttingen: Schwarz.Search in Google Scholar

Bozzaro, C., 2024: Der assistierte Suizid als sozialer Akt. S. 213–222 in: Hrsg. C. Bozzaro, G. Richter & C. Rehmann-Sutter (Hrsg.), Ethik des assistierten Suizids. Autonomien, Vulnerabilitäten, Ambivalenzen. Bielefeld: Transcript.10.1515/9783839467923-019Search in Google Scholar

Braun, A., 2015: Campus Shootings. Amok an Universitäten als nicht-intendierte Nebenfolge der Hochschulreform. Bielefeld: Transcript.10.14361/9783839431306Search in Google Scholar

Bude, H., 2014: Gesellschaft der Angst. Hamburg: Hamburger Edition.Search in Google Scholar

Cambani, T., D. Esfandiary, S. Ghaddar, M. W. Hanna, A. Lund & R. Mansour, 2019: Hybrid Actors. Armed Groups and State Fragmentation in the Middle East. New York: The Century Foundation Press.Search in Google Scholar

Camus, A., 1948: Der Fremde. Düsseldorf: Karl Rauch.Search in Google Scholar

Charmaz, K., 1980: The Social Reality of Death. Death in Contemporary America. Reading: Addisson-Wesley.Search in Google Scholar

Chouliaraki, L. & A. Kissas, 2018: The Communication of Horrorism: A Typology of ISIS Online Death Videos. Critical Studies in Media Communication 35: 24–39.10.1080/15295036.2017.1393096Search in Google Scholar

Chulov, M., 2022: Massacre in Tadamon: How Two Academics Hunted Down a Syrian War Crime. https://www.theguardian.com/world/2022/apr/27/massacre-in-tadamon-how-two-academics-hunted-down-a-syrian-war-criminal (05.01.2026).Search in Google Scholar

Cisneros Puebla, C. A., 2022: Microsociology of Killing in Mexican Video Executions. Historical Social Research 47: 289–308.Search in Google Scholar

Coenen, E., 2021: Vorüberlegungen zu einer Wissenssoziologie der Gewalt. Zeitschrift für Theoretische Soziologie 10: 168–195.10.3262/ZTS2102168Search in Google Scholar

Coenen, E., 2022a: Communicative Action, Objectifications, and the Triad of Violence. Human Studies 45: 447–468.10.1007/s10746-022-09639-1Search in Google Scholar

Coenen, E., 2022b: Hinrichten. Beobachtungen zu einer kommunikativen Form des Tötens. Jahrbuch für Tod und Gesellschaft 1: 105–125.Search in Google Scholar

Coenen, E., 2023a: Eventisiertes Töten. S. 373–389 in: H. Knoblauch & A. Singh, Kommunikative Gattungen und Events. Zur empirischen Analyse realweltlicher sozialer Situationen in der Kommunikationsgesellschaft. Wiesbaden: Springer VS.10.1007/978-3-658-41941-7_17Search in Google Scholar

Coenen, E., 2023b: Kommunikativer Konstruktivismus. Gewalt als wechselseitiges Wirkhandeln. S. 43–54 in: T. Benkel (Hrsg.), 10 Minuten Soziologie. Gewalt. Bielefeld: Transcript.10.1515/9783839461914-003Search in Google Scholar

Coenen, E. 2024: Tötungsvideos. Mediatisierung und Arenen. S. 285–304 in: T. Benkel, E. Coenen, M. Meitzler & M. Sitter (Hrsg.), Lebensende. Einblicke in die Gesellschaft. Baden-Baden: Rombach.10.5771/9783988580245-283Search in Google Scholar

Coenen, E., 2025: „Sterben einfach geschehen zu lassen, ist alles andere als modern.“ Ein Interview mit Werner Schneider. Jahrbuch für Tod und Gesellschaft 4: 178–192.Search in Google Scholar

Coenen, E. & M. Meitzler, 2021: Forschen zum Lebensende. Überlegungen zu einer qualitativen Thanatosoziologie. Forum Qualitative Sozialforschung 22: Art. 2.Search in Google Scholar

Coenen, E. & R. Tuma, 2022: Contextural and Contextual – Introducing a Heuristic of Third Parties in Sequences of Violence. Historical Social Research 47: 200–224.Search in Google Scholar

Coleclough, S., B. Michael-Fox & R. Visser (Hrsg.), 2024: Difficult Death, Dying and the Dead in Media and Culture. Cham: Palgrave Macmillan.10.1007/978-3-031-40732-1Search in Google Scholar

Collins, R., 2011: Dynamik der Gewalt. Eine mikrosoziologische Theorie, Hamburg: Hamburger Edition.Search in Google Scholar

Collins, R., 2017: Two Violent Trajectories on the Micro-Macro Continuum. Emotional Tipping-Point Conflicts, and Dispersed Attrition Conflict. International Journal of Conflict and Violence 11: 1–7.Search in Google Scholar

Collins, R., 2023: Explosive Conflict. Time-Dynamics of Violence. New York, London: Routledge.Search in Google Scholar

Cudworth, E., 2015: Killing Animals. Sociology, Species Relations and Institutionalized Violence. The Sociological Review 63: 1–18.10.1111/1467-954X.12222Search in Google Scholar

Dimbath, O., M. Ernst-Heidenreich & M. Roche, 2018: Praxis und Theorie des Theoretical Sampling. Methodologische Überlegungen zum Verfahren einer verlaufsorientierten Fallauswahl. Forum Qualitative Sozialforschung 19: Art. 34.Search in Google Scholar

Durkheim, E., 1993: Der Selbstmord. Frankfurt/Main: Suhrkamp.Search in Google Scholar

Elias, N., 1939: Über den Prozess der Zivilisation. Basel: Haus zum Falken.Search in Google Scholar

Feichtner, A. & M. Wasl, 2022: Assistierter Suizid in der Schweiz. S. 263–268 in: A. Feichtner, U. Körtner, R. Likar, H. Watzke & D. Weixler (Hrsg.), Assistierter Suizid. Hintergründe, Spannungsfelder und Entwicklungen. Berlin, Heidelberg: Springer.10.1007/978-3-662-64347-1_28Search in Google Scholar

Feldmann, K., 1998: Der soziale Tod und die sozialen Leichen. S. 97–103 in: N. Stefenelli (Hrsg.), Körper ohne Leben. Begegnung und Umgang mit Toten. Wien, Köln, Weimar: Böhlau.Search in Google Scholar

Feldmann, K., 2010: Tod und Gesellschaft. Sozialwissenschaftliche Thanatologie im Überblick. Wiesbaden: Springer VS.10.1007/978-3-531-92506-6Search in Google Scholar

Feldmann, K., 2020: Soziologie. S. 75–86 in: H. Wittwer, D. Schäfer & A. Frewer (Hrsg.), Handbuch Sterben und Tod. Geschichte – Theorie – Ethik. Berlin: J.B. Metzler.10.1007/978-3-476-05762-4_7Search in Google Scholar

Feldmann, K. & W. Fuchs-Heinritz, 1995: Der Tod als Gegenstand der Soziologie. 7–18 in: K. Feldmann und W. Fuchs-Heinritz (Hrsg.), Der Tod ist ein Problem der Lebenden. Beiträge zur Soziologie des Todes. Frankfurt/Main: Suhrkamp.Search in Google Scholar

Fujii, L. A., 2004: Transforming the Moral Landscape. The Diffusion of a Genocidal Norm in Rwanda. Journal of Genocide Research 6: 99–114.10.1080/1462352042000194737Search in Google Scholar

Fujii, L. A., 2019: Mehr als tödlich. Das Rätsel extraletaler Gewalt. Mittelweg 36 28: 70–98.Search in Google Scholar

Fujii, L. A., 2021: Show Time. The Logic and Power of Violent Display. Ithaca und London: Cornell University Press.10.7591/cornell/9781501758546.001.0001Search in Google Scholar

Gaber, S., 2021: Political Discourses of President Bashar Al-Assad After the Syrian Revolution. Journal of Humanities and Applied Social Sciences 3: 293–256.10.1108/JHASS-01-2020-0010Search in Google Scholar

Garfinkel, H., 1967: Studies in Ethnomethodology. Cambridge: Prentice-Hall.Search in Google Scholar

Garland, D., R. McGowen & M. Meranze (Hrsg.), 2011: America’s Death Penalty. Between Past and Present. New York: NYU Press.Search in Google Scholar

Glaser, B. & A. L. Strauss, 1965: Awareness of Dying. Chicago: Aldine.Search in Google Scholar

Glaser, B. & A. L. Strauss, 1967: The Discovery of Grounded Theory. Strategies for Qualitative Research. New York: Aldine.10.1097/00006199-196807000-00014Search in Google Scholar

Goffman, E., 1969: Wir alle spielen Theater. Die Selbstdarstellung im Alltag. München: Piper.Search in Google Scholar

Goffman, E., 1977: Rahmen-Analyse. Ein Versuch über die Organisation von Alltagserfahrungen. Frankfurt/Main: Suhrkamp.Search in Google Scholar

Habermas, J., 1981: Theorie des kommunikativen Handelns. Frankfurt/Main: Suhrkamp.Search in Google Scholar

Hartmann, E., 2019: Die Gewalttheorie von Jan Philipp Reemtsma. Programmatische Impulse für eine Allgemeine Soziologie der Gewalt. Zeitschrift für Theoretische Soziologie 8: 74–85.10.3262/ZTS1901074Search in Google Scholar

Hartmann, E. & T. Hoebel, 2020: Die Schweigsamkeit der Gewalt durchbrechen. WestEnd 17: 71–79.Search in Google Scholar

Hauffe, T., 2024: Die Leere im Zentrum der Tat. Eine Soziologie unvermittelter Gewalt. Hamburg: Hamburger Edition.Search in Google Scholar

Heitmeyer, W. & H.-G. Soeffner (Hrsg.), 2004: Gewalt. Entwicklungen, Strukturen, Analyseprobleme. Frankfurt/Main: Suhrkamp.Search in Google Scholar

Hjelmeland, H., 2016: A Critical Look at Current Suicide Research. S. 31–55 in: J. White, I. Marsh, M. J. Kral & J. Morris (Hrsg.), Critical Suicidology. Transforming Suicide Research and Prevention for the 21st Century. Vancouver, Toronto: UBC Press.10.59962/9780774830317-003Search in Google Scholar

Hoebel, T., 2014: Organisierte Plötzlichkeit. Eine prozesssoziologische Erklärung antisymmetrischer Gewaltsituationen. Zeitschrift für Soziologie 43: 441–457.10.1515/zfsoz-2014-0604Search in Google Scholar

Hoebel, T. & W. Knöbl, 2019: Gewalt erklären! Plädoyer für eine entdeckende Prozesssoziologie. Hamburg: Hamburger Edition.10.38070/9783868549669Search in Google Scholar

Honer, A., 2011: Kleine Leiblichkeiten. Erkundungen in Lebenswelten. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.10.1007/978-3-531-92839-5Search in Google Scholar

Human Rights Watch, 2012: „They Burned My Heart“. War Crimes in Northern Idlib during Peace Plan Negotiations. https://www.hrw.org/report/2012/05/02/they-burned-my-heart/war-crimes-northern-idlib-during-peace-plan-negotiations (05.01.2026).Search in Google Scholar

Imbusch, P., 2005: Moderne und Gewalt. Zivilisationstheoretische Perspektiven auf das 20. Jahrhundert. Wiesbaden: Springer VS.10.1007/978-3-322-80910-0Search in Google Scholar

Jakoby, N. & M. Thönnes (Hrsg.), 2017: Zur Soziologie des Sterbens. Aktuelle theoretische und empirische Beiträge. Wiesbaden: Springer VS.10.1007/978-3-658-11874-7Search in Google Scholar

Joiner, T., 2014: The Perversion of Virtue. Understanding Murder-Suicide. New York: Oxford University Press.Search in Google Scholar

Kautz, H., 2023: Assistierter Suizid. Zum gesellschaftlichen Diskurs und seinem Einfluss auf betagte und hochbetagte Menschen. Baden-Baden: Tectum.10.5771/9783828879935Search in Google Scholar

Kellehear, A., 2007: A Social History of Dying. Cambridge: Cambridge University Press.10.1017/CBO9780511481352Search in Google Scholar

Keller, R., H. Knoblauch & J. Reichertz (Hrsg.), 2013: Kommunikativer Konstruktivismus. Theoretische und empirische Arbeiten zu einem neuen wissenssoziologischen Ansatz. Wiesbaden: Springer VS.10.1007/978-3-531-19797-5Search in Google Scholar

Khayambashi, S., 2021: Blood and Guts in Living Color. A Study of the Internet Death Video Community. OMEGA – Journal of Death and Dying 83: 390–406.10.1177/0030222819855883Search in Google Scholar

Klatetzki, T., 2015: „Hang ’em high“. Der Lynchmob als temporäre Organisation. S. 147–172 in: A. T. Paul & B. Schwab (Hrsg.), Gewaltmassen. Über Eigendynamik und Selbstorganisation kollektiver Gewalt. Hamburg: Hamburger Edition.Search in Google Scholar

Knoblauch, H., 2004: Die Video-Interaktions-Analyse. Sozialer Sinn 5: 123–138.10.1515/sosi-2004-0107Search in Google Scholar

Knoblauch, H., 2013: Grundbegriffe und Aufgaben des kommunikativen Konstruktivismus. S. 25–47 in: R. Keller, H. Knoblauch & J. Reichertz (Hrsg.), Kommunikativer Konstruktivismus. Theoretische und empirische Arbeiten zu einem neuen wissenssoziologischen Ansatz. Wiesbaden: Springer VS.10.1007/978-3-531-19797-5_2Search in Google Scholar

Knoblauch, H., 2017: Die kommunikative Konstruktion der Wirklichkeit. Wiesbaden: Springer VS.10.1007/978-3-658-15218-5Search in Google Scholar

Knoblauch, H., 2021: Von kommunikativen Gattungen zu kommunikativen Formen: Konsequenzen des kommunikativen Konstruktivismus. S. 19–37 in: B. Weidner, K. König, W. Imo & L. Wegner (Hrsg.), Verfestigungen in der Interaktion. Konstruktionen, sequenzielle Muster, kommunikative Gattungen. Berlin: Walter de Gruyter.10.1515/9783110637502-002Search in Google Scholar

Koloma Beck, T., 2012. The Normality of Civil War. Armed Groups and Everyday Life in Angola. Frankfurt/Main: Campus.Search in Google Scholar

Leenhardt, M., 1984: Do Kamo. Die Person und der Mythos in der melanesischen Welt. Frankfurt/Main: Ullstein.Search in Google Scholar

Leonhard, N. & O. Dimbath (Hrsg.), 2021: Gewaltgedächtnisse. Analysen zur Präsenz vergangener Gewalt. Wiesbaden: Springer VS.10.1007/978-3-658-32142-0Search in Google Scholar

Lewis, R., R. E. Dobash, R. R. Dobash & K. Cavanagh, 2003: Researching Homicide. Methodological Issues in the Exploration of Lethal Violence. S. 49–65 in: R. M. Lee & E. A. Stanko (Hrsg.), Researching Violence. Methodology and Measurement. London: Routledge.Search in Google Scholar

Lindemann, G., 2002: Die Grenzen des Sozialen. Zur sozio-technischen Konstruktion von Leben und Tod in der Intensivmedizin. München: FinkSearch in Google Scholar

Lindemann, G., 2009: Das Soziale von seinen Grenzen her denken. Weilerswist: Velbrück Wissenschaft.Search in Google Scholar

Lindemann, G., 2014: Weltzugänge. Die mehrdimensionale Ordnung des Sozialen. Weilerswist: Velbrück Wissenschaft.Search in Google Scholar

Lindemann, G., 2017: Verfahrensordnungen der Gewalt. Zeitschrift für Rechtssoziologie 37: 57–87.10.1515/zfrs-2017-0004Search in Google Scholar

Lindemann, G., 2018: Strukturnotwendige Kritik. Theorie der modernen Gesellschaft. Weilerswist: Velbrück Wissenschaft.10.5771/9783845298887Search in Google Scholar

Lindemann, G., 2020: Die Ordnung der Berührung. Staat, Gewalt und Kritik in Zeiten der Coronakrise. Ein Essay. Weilerswist: Velbrück Wissenschaft.10.5771/9783748911869Search in Google Scholar

Lindner-Braun, C., 1990: Soziologie des Selbstmords. Opladen: Westdeutscher Verlag.10.1007/978-3-322-99822-4Search in Google Scholar

Luckmann, T., 1975: Kommunikation, das Individuum und die Gesellschaft. S. 213–229 in: M. Füting (Hrsg.), Reden und reden lassen. Rhetorische Kommunikation. Stuttgart: Gabler.Search in Google Scholar

Luckmann, T., 1980: Über die Grenzen der Sozialwelt. S. 56–92 in: T. Luckmann, Lebenswelt und Gesellschaft. Grundstrukturen und geschichtliche Wandlungen. Paderborn u. a.: Schoeningh.Search in Google Scholar

Malešević, S., 2010: The Sociology of War and Peace. Cambridge: Cambridge University Press.Search in Google Scholar

Malešević, S., 2021: The Act of Killing. Understanding the Emotional Dynamics of Violence on the Battlefield. Critical Military Studies 7: 313–334.10.1080/23337486.2019.1673060Search in Google Scholar

Mayer, L., 2019: Konfliktdynamiken – Kriegsdynamiken. Zur Konstitution und Eskalation innergesellschaftlicher Konflikte. Bielefeld: Transcript.10.1515/9783839446461Search in Google Scholar

Meis, M., 2021: Die Ästhetisierung und Politisierung des Todes. Handyvideos von Gewalt und Tod im Syrienkonflikt. Bielefeld: Transcript.10.1515/9783839450802Search in Google Scholar

Meitzler, M., 2021: Norbert Elias und der Tod. Eine empirische Überprüfung. Wiesbaden: Springer VS.10.1007/978-3-658-34654-6Search in Google Scholar

Meitzler, M., 2024: Darf ich das zeigen? Visuelle Leichenpräsenz als Irritationsquelle. S. 203–260 in: T. Benkel, E. Coenen, M. Meitzler & M. Sitter (Hrsg.), Lebensende. Einblicke in die Gesellschaft. Baden-Baden: Rombach.10.5771/9783988580245-201Search in Google Scholar

Meyer, C. & U. v. Wedelstaedt, 2022: Opening the Black Box. An Ethnomethodological Approach for the Video-Based Analysis of Violence. Historical Social Research 47: 58–87.Search in Google Scholar

Morse, T., 2020: Now Trending: #massacare. On the Ethical Challenges of Spreading Spectacular Terrorism on New Media. S. 125–140 in: M. H. Jacobsen (Hrsg.), The Age of Spectacular Death. Abingdon, New York: Routledge.10.4324/9780429351556-8Search in Google Scholar

Münkler, H., 2006: Der Wandel des Krieges. Von der Symmetrie zur Asymmetrie. Weilerswist: Velbrück Wissenschaft.Search in Google Scholar

Muschert, G. W. & J. Sumiala (Hrsg.), 2012: School Shootings. Mediatized Violence in a Global Age. Bingley: Emerald.10.1108/S2050-2060(2012)0000007004Search in Google Scholar

Neckel, S. & M. Schwab-Trapp (Hrsg.), 1999: Ordnungen der Gewalt. Beiträge zu einer politischen Soziologie der Gewalt und des Krieges. Wiesbaden: Springer.10.1007/978-3-663-10959-4Search in Google Scholar

Nieder, L. & W. Schneider (Hrsg.), 2007: Die Grenzen des menschlichen Lebens. Lebensbeginn und Lebensende aus sozial- und kulturwissenschaftlicher Sicht. Hamburg, Münster: Lit.Search in Google Scholar

Paul, A. T. & B. Schwab (Hrsg.), 2015: Gewaltmassen. Über Eigendynamik und Selbstorganisation kollektiver Gewalt. Hamburg: Hamburger Edition.Search in Google Scholar

Pierburg, M., T. Benkel, E. Coenen, M. Meitzler & M. Sitter, 2023: Autoethnografie in Todesnähe. Soziologische Arbeit an und mit herausfordernden Identifikationsprozessen. Forum Qualitative Sozialforschung 24: Art. 7.Search in Google Scholar

Popitz, H., 1992: Phänomene der Macht. Tübingen: Mohr Siebeck.Search in Google Scholar

Reemtsma, J. P., 2008: Vertrauen und Gewalt. Versuch über eine besondere Konstellation der Moderne. Hamburg: Hamburger Edition.Search in Google Scholar

Reemtsma, J. P., 2017: Erklärungsbegehren. Mittelweg 36 26: 74–103.Search in Google Scholar

Reichertz, J., 2017: Was ist neu am Kommunikativen Konstruktivismus? Oder: Braucht es neue Formen der Datenerhebung und Auswertung? S. 32–76 in: J. Reichertz & R. Tuma (Hrsg.), Der Kommunikative Konstruktivismus bei der Arbeit. Basel, Weinheim: Beltz Juventa.Search in Google Scholar

Reichertz, J. & V. Keysers (Hrsg.), 2018: Emotion. Eskalation. Gewalt. Wie kommt es zu Gewalttätigkeiten vor, während und nach Fußballspielen? Weinheim, Basel: Beltz Juventa.Search in Google Scholar

Reichertz, J. & R. Tuma (Hrsg.), 2017: Der Kommunikative Konstruktivismus bei der Arbeit. Basel, Weinheim: Beltz Juventa.Search in Google Scholar

Rosa, H., 2018: Unverfügbarkeit. Wien, Salzburg: Residenz Verlag.Search in Google Scholar

Russell Hochschild, A., 1979: Emotion Work, Feeling Rules, and Social Structure. American Journal of Sociology 85: 551–575.10.1086/227049Search in Google Scholar

Ryle, G., 1969: Der Begriff des Geistes. Stuttgart: Reclam.Search in Google Scholar

Schlich, T. & C. Wiesemann, Hrsg., 2001: Hirntod. Zur Kulturgeschichte der Todesfeststellung. Frankfurt/Main: Suhrkamp.Search in Google Scholar

Schneider, W., 2014: Sterbewelten: Ethnographische (und dispositivanalytische) Forschung zum Lebensende. S. 51–138 in: M. W. Schnell, W. Schneider & H. Kolbe (Hrsg.), Sterbewelten. Eine Ethnographie. Wiesbaden: Springer VS.10.1007/978-3-658-03434-4_3Search in Google Scholar

Schnettler, B., 2006: Orchestrating Bullet Lists and Commentaries. A Video Performance Analysis of Computer Supported Presentations. S. 155–169 in: H. Knoblauch, B. Schnettler, J. Raab und H.-G. Soeffner (Hrsg.), Video-Analysis: Methodology and Methods. Qualitative Audiovisual Data Analysis in Sociology. Frankfurt/Main: Peter Lang.Search in Google Scholar

Schuhmacher-Chilla, D., 2011: Tötung implizit. Fiktiver Zeuge Kamera. Paragrana 20: 276–291.10.1524/para.2011.0022Search in Google Scholar

Schütz, A., 1971: Symbol, Wirklichkeit und Gesellschaft. S. 311–411 in: A. Brodersen (Hrsg.), Alfred Schütz. Gesammelte Aufsätze. Bd. 1: Das Problem der sozialen Wirklichkeit. Den Haag: Martinus Nijhoff.10.1007/978-94-010-2858-5_11Search in Google Scholar

Schwab-Trapp, M., 2002: Kriegsdiskurse. Die politische Kultur des Krieges im Wandel 1991–1999. Wiesbaden: VS.10.1007/978-3-663-10560-2Search in Google Scholar

Sebastian, M., 2021: „Die denken immer, man ist ein Killer“ – Reaktionsweisen von Schlachthofarbeitern auf moralische Stigmatisierung. Österreichische Zeitschrift für Soziologie 46: 207–227.10.1007/s11614-021-00450-3Search in Google Scholar

Seibert, T.-M. 2001: Entfaltung des Zeichenlosen oder: Wie das Gericht mit tödlicher Gewalt umgeht. S. 235–256 in: F. Müller & R. Wimmer (Hrsg.), Neue Studien zur Rechtslinguistik. Berlin: Duncker & Humblot.Search in Google Scholar

Smith, P., 1996: Executing Executions. Aesthetics, Identity, and the Problematic Narratives of Capital Punishment Ritual. Theory and Society 25: 235–261.10.1007/BF00161142Search in Google Scholar

Soeffner, H.-G., 2004: Gewalt als Faszinosum. S. 62–85 in: W. Heitmeyer & H.-G. Soeffner (Hrsg.), Gewalt. Entwicklungen, Strukturen, Analyseprobleme. Frankfurt/Main: Suhrkamp.Search in Google Scholar

Sofsky, W., 1993: Die Ordnung des Terrors. Das Konzentrationslager. Frankfurt/Main: Suhrkamp.Search in Google Scholar

Sofsky, W., 2002: Zeiten des Schreckens. Amok, Terror, Krieg. Frankfurt/Main: S. Fischer.Search in Google Scholar

Strauss, A. L., S. Fagerhaugh, B. Suczek & C. Wiener, 1982: Sentimental Work in the Technologized Hospital. Sociology of Health and Illness 4: 254–278.10.1111/1467-9566.ep10487954Search in Google Scholar

Thompson, N. & G. R. Cox (Hrsg.), 2017: Handbook of the Sociology of Death, Grief, and Bereavement. A Guide to Theory and Practice. New York, London: Routledge.10.4324/9781315453859Search in Google Scholar

Trotha, T. v., 1997: Zur Soziologie der Gewalt. S. 9–56 in: T. v. Trotha (Hrsg.), Soziologie der Gewalt. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 37. Opladen: Westdeutscher Verlag.Search in Google Scholar

Tuma, R., 2018: Video-Interaktionsanalyse. Zur Feinauswertung von videographisch erhobenen Daten. S. 423–444 in: C. Moritz & M. Corsten (Hrsg.), Handbuch Qualitative Videoanalyse. Wiesbaden: Springer VS.10.1007/978-3-658-15894-1_22Search in Google Scholar

Tuma, R., B. Schnettler & H. Knoblauch, 2013: Videographie. Einführung in die interpretative Videoanalyse sozialer Situationen. Wiesbaden: Springer VS.10.1007/978-3-531-18732-7Search in Google Scholar

Üngör, U. Ü., 2015: Mass Murder on YouTube. How Should We Look at Syrian Video Clips? https://yourmiddleeast.com/2015/02/17/mass-murder-on-youtube-how-should-we-look-at-syrian-video-clips/ (18.10.2024).Search in Google Scholar

Üngör, U. Ü., 2019: On the Multiple Uses of Video Footage among Contemporary Perpetrators. Journal of Perpetrator Research 2: 207–215.10.21039/jpr.2.2.57Search in Google Scholar

Üngör, U. Ü., 2021: Organized Destruction. The Logic of Mass Violence in Genocide. https://d3mb4k8bvt6xe4.cloudfront.net/2021-10/Tekst-oratie-Ugur-Ungor-23-september-2021.pdf (05.01.2026).Search in Google Scholar

Vertigans, S., 2013: The Sociology of Terrorism. People, Places and Processes. Hoboken: Taylor and Francis.10.4324/9780203855812Search in Google Scholar

Waters, T., 2007: When Killing is a Crime. Boulder, London: Lynne Rienner.10.1515/9781685853709Search in Google Scholar

Weber, M., 1922: Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriss der verstehenden Soziologie. Tübingen: J. C. B. MohrSearch in Google Scholar

Wieviorka, M., 1993: The Making of Terrorism. Chicago: University of Chicago Press.Search in Google Scholar

Williams, P., L. White, S. Harris & R. Joseph-Salisbury, 2023: Omission, Erasure and Obfuscation in the Police Institutional Killing of Black Men. Mortality 28: 250–268.10.1080/13576275.2023.2190451Search in Google Scholar

Wittwer, H., D. Schäfer & A. Frewer (Hrsg.), 2020: Handbuch Sterben und Tod. Geschichte – Theorie – Ethik. Berlin: J. B. Metzler.10.1007/978-3-476-05762-4Search in Google Scholar

Wulf, C. & J. Zirfas, 2011: Editorial. Paragrana 20. 11–12.10.1524/para.2011.0001Search in Google Scholar

Online erschienen: 2026-02-17
Erschienen im Druck: 2026-02-27

© 2026 bei den Autorinnen und Autoren, publiziert von Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

Dieses Werk ist lizenziert unter der Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.

Downloaded on 12.3.2026 from https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/zfsoz-2026-2002/html
Scroll to top button