Zusammenfassung
Der Aufsatz untersucht einen Ausschnitt der informellen fachlichen Kommunikation unterhalb der Publikationsschwelle. Er fragt, welche Sozialität in einem Fachurteil steckt. Zwei Komplexe lassen sich identifizieren. 1. In einem Urteil überschneiden sich drei soziale Kreise: Neben der Bindung an ihre intellektuellen Herkunftsmilieus, die Lesern eine gewisse Voreinstellung gegenüber allen Texten gibt, findet sich zum einen ein in der lesenden Auseinandersetzung mit dem Text entwickelter Eindruck von diesem, zum anderen eine posthoc gesprochene, rationalisierende Stellungnahme gegenüber einer Gremienöffentlichkeit. 2. Diese mehrstufigen Urteile über wissenschaftliche Güte werden im Peer Review nun vervielfältigt, so dass sie sich in ihrer eigenen Güte laufend selbst beobachten. Manuskripte werden entschieden, indem über die Urteile aller Beteiligten entschieden wird: das des Autors über Geltungsanspruch und Entwicklungsstand seines Textes; das von Gutachtern und Herausgebern über die Kompetenz ihres eigenen Urteils, und das über die Beurteilungspositionen der jeweils anderen Gutachter und Mitherausgeber. Der ›Review‹ liegt nicht primär in einer asymmetrischen Prüfungsbeziehung, in der ein Leser auf einen Text ›schaut‹, sondern in einer wechselseitigen Beobachtungen von Urteilen, die in Ergänzung und Konkurrenz zueinander treten und sich wechselseitig kontrollieren. Im Peer Review werden Urteile beurteilt und publik gemacht.
© 2005 by Lucius & Lucius, Stuttgart
Articles in the same Issue
- Inhalt
- Einleitung
- »Die Endform der Vorläufigkeit«. Ansichten aus der Praxis der Theorie
- Strukturwandel im wissenschaftlichen Verlag
- Publizierte Fachurteile. Lektüre und Bewertungspraxis im Peer Review
- Über die fast leere Mitte der Disziplin. Soziologinnen über Funktionen und Eigenwerte sozialwissenschaftlicher Zeitschriften
- »Die Zeiten sind vorbei, in denen man nicht mehr laut sagen durfte, dass man besser ist als andere« - oder: Zur neuen Logik der (sozial-)wissenschaftlichen Mediennutzung
- Publish or Stay Behind and Perhaps Perish: Stability of Publication Practices in (Some) Social Sciences
- Journalismus und Wissenschaft: Gemeinsame Sinnhorizonte trotz funktionaler Autonomie?
- Die Darstellung der Wahrheit und ihre Probleme
- Medienkonflikt in der modernen Wissenschaft?
- Abstracts
- Über die Autoren
- Hinweise für unsere Autoren
Articles in the same Issue
- Inhalt
- Einleitung
- »Die Endform der Vorläufigkeit«. Ansichten aus der Praxis der Theorie
- Strukturwandel im wissenschaftlichen Verlag
- Publizierte Fachurteile. Lektüre und Bewertungspraxis im Peer Review
- Über die fast leere Mitte der Disziplin. Soziologinnen über Funktionen und Eigenwerte sozialwissenschaftlicher Zeitschriften
- »Die Zeiten sind vorbei, in denen man nicht mehr laut sagen durfte, dass man besser ist als andere« - oder: Zur neuen Logik der (sozial-)wissenschaftlichen Mediennutzung
- Publish or Stay Behind and Perhaps Perish: Stability of Publication Practices in (Some) Social Sciences
- Journalismus und Wissenschaft: Gemeinsame Sinnhorizonte trotz funktionaler Autonomie?
- Die Darstellung der Wahrheit und ihre Probleme
- Medienkonflikt in der modernen Wissenschaft?
- Abstracts
- Über die Autoren
- Hinweise für unsere Autoren