Zusammenfassung:
In dieser Übersicht werden Studien und evidenzbasierte Behandlungsempfehlungen zu Schilddrüsenerkrankungen zusammengefasst. Im Einzelnen handelt es sich um Diagnostik und Therapie des Morbus Basedow einschließlich der endokrinen Orbitopathie, die laborchemische und klinische Definition einer hypothyreoten Stoffwechsellage und Besonderheiten der Hypothyreosetherapie, sowie um Neuerungen zur Risikoeinschätzung bei Schilddrüsenknoten und zur Behandlung von Schilddrüsenkarzinomen.
Abstract:
This review summarizes recent studies and evidence-based recommendations on management of thyroid disorders, including Graves’ disease and Graves’ orbitopathy, laboratory and clinical issues on hypothyroidism and its treatment as well as risk assessment of thyroid nodules and novel concepts for risk adapted management of thyroid cancer.
Rezensierte Publikation:
Bidlingmaier M. Kratzsch J.
Morbus Basedow und endokrine Orbitopathie
Unterschiede in der Primärbehandlung des Morbus Basedow
Beim Morbus Basedow handelt es sich um eine systemische Autoimmunerkrankung, deren Verlauf durch ein komplexes, bislang nur unvollständig verstandenes Netzwerk von zellulären und humoralen Faktoren bestimmt wird. Der Morbus Basedow stellt in Ländern mit ausreichender Jodversorgung die häufigste Ursache der Hyperthyreose dar. Vermittelt durch TSH-Rezeptor-Antikörper kommt es zu einer Stimulation der Schilddrüse. Darüber hinaus zeigen viele Arbeiten, dass der TSH-Rezeptor ein pathogenetisch wichtiges Bindeglied zu den extrathyreoidalen Manifestationen des Morbus Basedow, insbesondere der endokrinen Orbitopathie, darstellt. Die Herausforderungen in der Therapie eines Morbus Basedow bestehen
in dem oft variablen Verlauf der Hyperthyreose und der Notwendigkeit, über konservatives thyreostatisches Management vs. eine Schilddrüsenablation (Radiojodtherapie oder Operation) zu entscheiden
der Notwendigkeit zur Prävention und frühzeitigen adäquaten Therapie einer endokrinen Orbitopathie
der Behandlung eines Morbus Basedow in der Schwangerschaft im Hinblick auf den Schwangerschaftsverlauf und die Entwicklung einer fetalen/neonatalen Hyperthyreose.
In einer aktuellen Umfrage unter Schilddrüsenexperten der amerikanischen, europäischen und japanischen Schilddrüsengesellschaften [1] zeigt sich, dass zur Primärtherapie eines Morbus Basedow sehr unterschiedliche Behandlungsschemata Anwendung finden. In Europa erfolgt die Primärtherapie mit Thyreostatika (86%). Eine Radiojodtherapie erfolgt primär lediglich bei ca. 13%, eine Schilddrüsenchirurgie bei 1% der Patienten. Hingegen stellt in den USA die Radiojodtherapie das am meisten praktizierte primäre Behandlungsverfahren dar (59%). Lediglich 41% der US Patienten werden primär thyreostatisch behandelt.
Die thyreostatische Therapie wurde mit Thiamazol oder seltener Carbimazol durchgeführt. Propylthiouracil findet aufgrund der Warnhinweise zur erhöhten Hepatotoxizität kaum mehr Verwendung. Die bevorzugte Startdosis für Thiamazol betrug 20–30 mg 1x/Tag. Nach Beginn der thyreostatischen Therapie wurde von den meisten Schilddrüsenexperten nach 4–6 Wochen eine erste Verlaufskontrolle durchgeführt. Bei Erreichen einer Euthyreose wurden Kontrollintervalle im Dreimonatsabstand empfohlen. In der Regel wurden bei den Verlaufskontrollen auch Untersuchungen der Leberparameter sowie des kleinen Blutbildes durchgeführt. Kam es unter Thyreostatika zum Auftreten eines Pruritus oder Exanthems, wurde zunächst eine Therapie mit Antihistaminika begonnen. Bei fehlendem Therapieansprechen wurde von 55% der Experten ein Wechsel des Thyreostatikums empfohlen, 38% würden alternativ eine ablative Schilddrüsentherapie durchführen. 19% der Thyreoidologen empfahlen eine thyreostatische Therapie für 24 Monate, 35% für 18 Monate, 30% für 12 Monate und 14% für <1 Jahr bis zur Entscheidung, ob eine Remission des M. Basedow eingetreten ist.
Einen wesentlichen Einfluss auf die therapeutische Vorgehensweise hatte das Auftreten einer endokrinen Orbitopathie. In diesem Fall sprachen sich die meisten Experten für eine thyreostatische Primärtherapie (63%) gefolgt von der Schilddrüsenchirurgie (18,5%) aus, während eine Radiotherapie (17%) unter Steroiden durchgeführt wird [1].
Im Vergleich der aktuellen Umfrageergebnisse mit früheren Erhebungen zur Behandlung des Morbus Basedow zeigte sich insgesamt eine deutliche Zunahme der in Europa schon seit langem favorisierten primär thyreostatischen Therapie beim Morbus Basedow.
Klinische Bedeutung der TSH-Rezeptor-Antikörper-Bestimmung
Die Hyperthyreose bei Morbus Basedow wird durch eine direkte Stimulation der Thyreozyten über Interaktion von TSH-Rezeptor-Antikörpern (TRAK) mit dem membranständigen TSH-Rezeptor verursacht. Die gängigen Assays zum Nachweis von TRAK weisen lediglich eine kompetitive Bindung von TRAK aus Patientenseren am TSH-Rezeptor (sog. TBI-Assays) nach. Für die Beurteilung der biologischen Aktivität der TRAK (stimulierend, blockierend, neutral) ist die Verwendung von Bioassays (sog. TSI-Assays) erforderlich, diese stehen allerdings nicht flächendeckend zur Verfügung.
Barbesino und Tomer diskutieren in einem Übersichtsartikel den diagnostischen und prognostischen Stellenwert der TRAK-Bestimmung in verschiedenen klinischen Konstellationen [2]. Drittgenerations-TBI-Assays weisen eine Spezifität von 99% und Sensitivität von 97% für die Diagnose eines Morbus Basedow bei Patienten mit unbehandelter Hyperthyreose auf. Die TRAK-Bestimmung ist nicht hilfreich, sofern schon klinisch bei Vorliegen einer endokrinen Orbitopathie ein Morbus Basedow diagnostiziert werden kann. Sie hilft jedoch in der Differentialdiagnose unklarer Hyperthyreosefälle, u.a. De Quervain-Thyreoiditis, medikamentös induzierte Thyreoiditis, Postpartum-Thyreoiditis, Hyperthyreose in der Schwangerschaft. Des Weiteren ist die TRAK-Bestimmung bei unklaren Fällen eines euthyreoten Exophthalmus hilfreich.
Eine prognostische Bedeutung der TRAK-Bestimmung wird in der Risikoeinschätzung für ein Hyperthyreoserezidiv nach Absetzen der thyreostatischen Therapie gesehen. In zwei Studien waren TRAK-Titer >3,8 IU/L bzw. 5 IU/L gegen Ende der thyreostatischen Therapie prädiktiv für ein Rezidiv des Morbus Basedow, so dass in diesen Fällen den Patienten eher die Schilddrüsenablation als ein Thyreostatika-Auslassversuch empfohlen werden sollte. Diese Studien sowie deutsche Untersuchungen haben auch Eingang in die Empfehlung der Sektion Schilddrüse der DGE zur Bestimmung der TRAK gegen Ende der thyreostatischen Therapie gefunden. Darüber hinaus können klinische Einflussfaktoren (Vorliegen einer endokrinen Orbitopathie, einer Struma, hoher Thyreostatikabedarf, Nikotinabusus) auch die Empfehlung zugunsten einer frühzeitigen Schilddrüsenablation beeinflussen. Hohe TRAK-Titer scheinen zudem auch mit einem ungünstigeren Verlauf einer endokrinen Orbitopathie zu korrelieren.
Einen hohen prognostischen Stellenwert nimmt die TRAK-Bestimmung bei Schwangeren mit Morbus Basedow ein. Bei etwa 1%–5% aller Neugeborenen von Müttern mit Morbus Basedow (akute oder frühere Basedow-Erkrankung mit Schilddrüsenablation) muss mit dem Auftreten einer neonatalen Hyperthyreose aufgrund der transplazentaren Passage von TRAK gerechnet werden. Es wird deshalb empfohlen, bei Schwangeren mit bekanntem bzw. anamnestisch bekanntem Morbus Basedow in der 24. bis 28. Schwangerschaftswoche TRAK zu bestimmen. Sofern TRAK-Werte (dreifach) oberhalb des Normalbereichs vorliegen, wird ein engmaschiges Monitoring des Fetus empfohlen.
Zusammenfassend ergeben sich somit drei definitive Indikationen zur TRAK-Bestimmung: 1. Differentialdiagnose der Hyperthyreose, 2. prognostische Einschätzung der Remissionswahrscheinlichkeit zum Ende der thyreostatischen Therapie und 3. Einschätzung des Risikos für eine fetale Hyperthyreose bei Frauen mit Morbus Basedow [2].
Endokrine Orbitopathie
Die endokrine Orbitopathie (EO) stellt die häufigste und für den Patienten oft schwerwiegendste Komplikation eines Morbus Basedow dar, mit in zahlreichen Studien belegtem gravierenden negativen Einfluss auf die Lebensqualität (u.a. auch Arbeitsfähigkeit; [3]). Dank der EUGOGO (European Group On Graves’ Orbitopathy) stehen inzwischen sehr hilfreiche Kriterien für die standardisierte Beurteilung der Aktivität und des Schweregrades der endokrinen Orbitopathie zur Verfügung. Diese können über die EUGOGO-Homepage eingesehen werden (www.eugogo.eu).
Prävalenz und Spontanverlauf der endokrinen Orbitopathie bei neu manifestiertem Morbus Basedow
In einer italienischen Untersuchung wurden 346 Patienten mit neu manifestierter Hyperthyreose bei Morbus Basedow hinsichtlich des Vorliegens und des Spontanverlaufs der endokrinen Orbitopathie untersucht [4]. Es handelt sich hierbei um eine Erhebung, die an einem primären universitären Zuweisungszentrum über eine Zeit von acht Jahren durchgeführt wurde. Bei 74% der Patienten lag zum Zeitpunkt der Manifestation des Morbus Basedow keine endokrine Orbitopathie vor. 20% wiesen eine milde inaktive EO auf, 6% eine behandlungsbedürftige moderat bis schwere aktive EO und in lediglich einem Fall lag eine visusbedrohende EO (dysthyreote Optikusneuropathie, DON) vor.
Von 237 Patienten, die thyreostatisch behandelt und über einen Zeitraum von 18 Monaten nachverfolgt wurden, zeigten die meisten auch im Verlauf keine endokrine Orbitopathie. Lediglich in 5 Fällen (2,6%) trat eine moderat bis schwere EO auf. Von 43 Patienten, die zum Zeitpunkt der Erstmanifestation des Morbus Basedow eine milde und inaktive EO aufwiesen, entwickelte nur 1 Patient eine moderate bis schwere EO, bei mehr als der Hälfte der Patienten kam es zur kompletten Remission der EO.
Die Autoren schlussfolgern, dass entgegen der gängigen Lehrmeinung die meisten Patienten mit Erstmanifestation des Morbus Basedow keine klinischen Zeichen einer endokrinen Orbitopathie aufweisen und dass das Vorliegen oder Neuauftreten einer moderaten bis schweren, behandlungsbedürftigen EO selten ist. In den meisten Fällen tritt bei Erreichen einer Euthyreose unter thyreostatischer Therapie eine Remission der EO ein: deswegen hat die Normalisierung der Schilddrüsenfunktion oberste Priorität. Patienten mit aktiver moderat bis schwerer EO und umso mehr mit einer dysthyreoten Optikusneuropathie bedürfen einer unverzüglichen Behandlung an einem spezialisierten Augenzentrum. Hierfür stehen in Deutschland z. B. die EUGOGO-Zentren in Essen und Mainz als Ansprechpartner zur Verfügung.
Vergleich unterschiedlicher Protokolle zur intravenösen Steroidtherapie bei aktiver moderat bis schwerer endokriner Orbitopathie
Entsprechend der EUGOGO-Empfehlungen erfolgt bei aktiver moderat bis schwerer endokriner Orbitopathie die Behandlung ausschließlich mittels intravenöser Methylprednisolon-Gabe. Die ideale Dosierung von Methylprednisolon ist jedoch unklar. In einer multizentrischen EUGOGO-Studie (8 Zentren) wurden insgesamt 159 Patienten in drei Methylprednisolon-Therapiearmen (Vergleich kumulative Dosis von 2,25 g vs. 4,98 g vs. 7,4 g Methylprednisolon) behandelt [5]. Es handelte sich dabei um 1x wöchentliche Infusionen (250 mg vs. 540 mg vs. 830 mg in den ersten sechs Wochen, halbierte Dosis in den folgenden sechs Wochen). Die Behandlungseffizienz wurde nach 12 Wochen überprüft. Der ophthalmologische Behandlungserfolg lag bei rund 52% in der Hochdosis-, 35% in der mittleren Dosis- und 28% in der Niedrigdosis-Gruppe. Die Verbesserung betraf insbesondere die okuläre Motilität und den klinischen Aktivitätsscore. Eine dysthyreote Optikusneuropathie (DON) trat in allen drei Behandlungsgruppen auf und war der Grund, warum zum Nachbeobachtungszeitpunkt (24 Wochen) keine signifikanten Unterschiede mehr zwischen den drei Behandlungsarmen festgestellt werden konnten.
Die Lebensqualität verbesserte sich in allen drei Behandlungsarmen (deutlichster Trend zur Verbesserung in der Hochdosis-Gruppe). Milde Nebenwirkungen (Flushsymptomatik, Cushing-Zeichen, moderater Anstieg des Blutdrucks ohne Therapieintervention) traten in 21% der Patienten in der Hochdosis-Gruppe, 30% in der mittleren Dosis- und 26% in der Niedrigdosis-Gruppe auf. Schwerwiegende Nebenwirkungen (behandlungsbedürftiger Diabetes mellitus, Infektion, Psychose, Muskelschwäche, Myokardinfarkt) traten bei 5 Patienten in der Hochdosis-Gruppe, bei 3 Patienten in der mittleren Dosisgruppe und bei 2 Patienten in der Niedrigdosis-Gruppe auf. 24 Wochen nach Behandlungsbeginn war eine Verschlechterung der EO bei 33% in der Hochdosis-Gruppe, 21% in der mittleren Dosisgruppe und 40% in der Niedrigdosis-Gruppe eingetreten.
Die multizentrische Untersuchung zeigt (an einem kleinen Kollektiv mit behandlungsbedürftiger akuter moderat bis schwerer endokriner Orbitopathie), dass die intravenöse Methylprednisolon-Gabe nur in einem Teil der Patienten zu einer objektiven und subjektiven Verbesserung der endokrinen Orbitopathie führt und mit Nebenwirkungen zu rechnen ist. Auch wenn die Hochdosis-Therapie scheinbar kurzfristig zu einem besseren Therapieansprechen führt, ist dieser Effekt vorübergehend und geht mit einer erhöhten Toxizität einher. Die EUGOGO-Gruppe schlussfolgert daraus, dass am ehesten eine moderate Dosis (ca. 4,5–5 g) mit wöchentlichem Infusionsintervall (Behandlungsdauer 12 Wochen) weiter zu favorisieren ist, die Therapieindikation sorgfältig zu stellen ist und zusätzlich dringlich bessere Konzepte zur antiinflammatorischen Therapie der EO erforderlich sind [5].
Bei aktiver moderat bis schwerer endokriner Orbitopathie steht neben der intravenösen Steroidtherapie alternativ oder zusätzlich auch die Retrobulbärbestrahlung zur Verfügung. Tanda und Bartalena fassen die Studienlage zusammen [6]. Die Retrobulbärbestrahlung scheint v.a. bei frischer Augenmuskelbeteiligung erfolgversprechend und hat wahrscheinlich auch einen günstigen Effekt auf die Weichteilbeteiligung. Hingegen sprechen ein Exophthalmus und eine länger bestehende Augenmuskelbeteiligung schlecht an.
Die Datenlage zur Optikusneuropathie ist unsicher. Die Kombinationstherapie (Retrobulbärbestrahlung mit oraler Steroidtherapie) ist effektiver als die jeweilige alleinige Behandlungsoption. Eine Studie zum kombinierten Einsatz von intravenöser Steroidtherapie und Retrobulbärbestrahlung liegt bislang nicht vor. Die Autoren empfehlen auf der Basis der verfügbaren Daten den Einsatz der Retrobulbärbestrahlung als Second-Line-Therapie bei Patienten mit aktiver moderat bis schwerwiegender endokriner Orbitopathie, die auf eine intravenöse Glukokortikoid-Therapie nach dem 1. Behandlungszyklus (über sechs Wochen) unzureichend angesprochen haben. Kontraindikationen sind eine diabetische Retinopathie und eine schwere arterielle Hypertonie. Obwohl das Risiko für strahleninduzierte Malignome gering ist, wird eine lebenslange Nachsorge empfohlen, so dass aktuell weiter Zurückhaltung in der Indikation bei jüngeren Patienten (Empfehlung <35 Jahre) geboten ist [6].
Perspektiven für die Therapie des Morbus Basedow und der endokrinen Orbitopathie
Da der TSH-Rezeptor der wichtigste pathogenetische Angriffspunkt beim Morbus Basedow ist und ein zumindest sehr wichtiger Faktor in der Entstehung der endokrinen Orbitopathie, scheint es folgerichtig, über eine pharmakologische Modulation der TSH-Rezeptor-Aktivierung nachzudenken. Hierfür wurden von verschiedenen Arbeitsgruppen in den letzten Jahren sog. inverse TSH-Rezeptor-Agonisten entwickelt. Für diese kleinen Moleküle wurde experimentell an Schilddrüsenzellen gezeigt, dass sie die Aktivität des TSH-Rezeptors inhibieren können. In einer US-amerikanischen Untersuchung wurden diese Moleküle nun an Orbita-Fibroblasten von Basedow-Patienten untersucht. Orbita-Fibroblasten sind u.a. Ausgangspunkt für eine unkontrollierte Adipogenese sowie vermehrte Hyaluronsäureproduktion. Es konnte gezeigt werden, dass über einen neutralen TSH-Rezeptor-Antagonisten eine Inhibition der funktionellen und biologischen Aktivität (Hyaluronsäureproduktion) der Orbita-Fibroblasten erzielt werden kann. Perspektivisch könnte über die Moleküle eine gezielte Beeinflussung eines Morbus Basedow und/oder einer endokrinen Orbitopathie in einem frühen Krankheitsstadium möglich sein [7].
Fazit: Die Datenlage zur Behandlung des Morbus Basedow und der endokrinen Orbitopathie ist nach wie vor heterogen und unterscheidet sich länderspezifisch. Oberstes Ziel ist das Erreichen einer euthyreoten Stoffwechsellage. In den meisten Fällen gelingt dies effizient durch eine thyreostatische Therapie mit Thiamazol oder Carbimazol. In Deutschland ist es gängige Praxis, diese über 12 bis 18 Monate durchzuführen. Zur Einschätzung des Rezidivrisikos unter thyreostatischer Therapie kann die Bestimmung der TSH-Rezeptor-Antikörper sinnvoll sein. Eindeutig empfohlen wird die TRAK-Bestimmung zur Risikobeurteilung für das Auftreten einer fetalen Hyperthyreose bei Schwangeren mit bekanntem oder früherem Morbus Basedow.
Eine endokrine Orbitopathie liegt bei Erstmanifestation des Morbus Basedow nur bei einem kleinen Teil der Patienten vor. Hinsichtlich der Beurteilung der endokrinen Orbitopathie (Schweregrad und Aktivität) sollte unbedingt den Empfehlungen der EUGOGO (www.eugogo.eu) gefolgt werden. Eine behandlungsbedürftige moderat bis schwere EO oder eine DON sind selten und entwickeln sich auch nur selten im Verlauf eines Morbus Basedow. Die Indikation zur antiinflammatorischen Therapie einer aktiven EO, heute ausschließlich mittels intravenöser Methylprednisolon-Gabe Methlyprednisolon-Gabe oder neuerdings mittels immunmodulatorischer Therapie (Rituximab nach Kassenanfrage), muss sorgfältig gestellt werden. Perspektiven für neue Therapieverfahren beim Morbus Basedow und der endokrinen Orbitopathie ergeben sich durch TSH-Rezeptor-Antagonisten. Untersuchungen hierzu befinden sich derzeit aber noch in einem experimentellen Stadium.
Hypothyreose
Ende 2012 wurden von der Amerikanischen Schilddrüsengesellschaft (ATA) und der Vereinigung Amerikanischer Endokrinologen (AACE) Empfehlungen zur Diagnostik und Behandlung der Hypothyreose herausgegeben. Es werden insgesamt 52 Empfehlungen mit Evidenzgrad festgehalten [8].
Der aussagekräftigste Laborparameter zur Diagnose einer Hypothyreose ist der TSH-Wert. Wichtigste Ausnahme hiervon ist die zentrale Hypothyreose (Hypothalamus bzw. Hypophysenerkrankung), bei der die Diagnose aufgrund eines erniedrigten fT4-Wertes gestellt wird.
Sofern ein TSH-Wert oberhalb des Referenzbereichs vorliegt, wird die Bestimmung des freien T4 zur Unterscheidung zwischen einer latenten und manifesten Hypothyreose empfohlen. Wesentlich ist die Ursachenklärung bei Nachweis einer TSH-Erhöhung. Hierfür kommt neben der Anamnese (einschl. Medikamentenanamnese!), der Schilddrüsensonographie und der Bestimmung der TPO-Antikörper eine besondere Bedeutung zu. Die Hashimoto-Thyreoiditis stellt die häufigste Ursache für eine Hypothyreose dar.
Ausführlich setzen sich die Empfehlungen mit der Kontroverse zum TSH-Referenzbereich auseinander. Derzeit gibt es keine Evidenz für den Benefit einer Schilddrüsenhormonsubstitution bei nur mäßig erhöhten TSH-Werten (etwa TSH 5–7 mU/L). Ca. 50% aller Patienten mit latenter Hypothyreose zeigen bei einer erneuten Kontrolle, z. B. nach einem Jahr, eine Normalisierung des TSH-Wertes [8]. Hingegen ist bei TSH-Werten >10 mU/L die Studienlage eindeutiger, und hier wird auch bei latenter Hypothyreose eine Schilddrüsenhormonsubstitution empfohlen. Eine Ausnahmesituation stellt die Schwangerschaft dar. Laut Endocrine Society sollte in der Schwangerschaft auch bei TSH-Werten >2,5 mU/L im 1. Trimenon trotz TPO-Antikörper-Negativität eine Substitution erfolgen.
Eine britische Arbeitsgruppe um C. Dayan ist der Frage nachgegangen, inwieweit TSH-Werte im „Referenzbereich“ mit unterschiedlichen biologischen Endpunkten assoziiert sein können [9]. Hierzu wurde eine umfangreiche MedLine- und Cochrane-Database-Analyse durchgeführt. Die Autoren kommen zu dem Ergebnis, dass auch innerhalb des Referenzbereichs höhere TSH-Werte (bzw. niedrigere Schilddrüsenhormonspiegel) mit ungünstigeren Stoffwechselparametern (u.a. Gewicht, Lipiden) assoziiert sind, während niedrigere TSH-Werte (bzw. höhere Schilddrüsenhormonspiegel im Referenzbereich) eher mit einer verminderten Knochendichte und einem erhöhten Frakturrisiko assoziiert sind. Während die Datenlage nach Autorenansicht für kardiovaskuläre und metabolische Endpunkte gut ist, können keine zuverlässigen Aussagen zu einer Assoziation mit neurologischen oder psychologischen Endpunkten gemacht werden. Diese Ergebnisse stehen scheinbar im Gegensatz zu den oben genannten Empfehlungen zur Hypothyreosetherapie. Wesentlich ist, dass es sich hierbei um Assoziationen, nicht aber um kausale Zusammenhänge handelt. Vielmehr könnte eine zukünftige Bedeutung in der prognostischen Einschätzung bestimmter Schilddrüsenhormonkonstellationen für eine Risikobeurteilung bestehen (analog Low-T3-Syndrom bei schwerer Allgemeinerkrankung). Keinesfalls darf hieraus aber eine Behandlungsindikation mit Schilddrüsenhormonen abgeleitet werden.
Von der gleichen Arbeitsgruppe wurde das Verordnungsverhalten für Levothyroxin im Zeitraum von 2001–2009 analysiert. Es wurden Daten von 52,298 Patienten ausgewertet. Dabei zeigte sich, dass die Verordnung von LT4 zunehmend bei niedrigeren TSH-Werten erfolgte und oft lediglich auf der Basis einer einmaligen TSH-Messung. Bei 5,8% der Patienten kam es unter LT4-Verordnung sogar zu einer TSH-Suppression [10].
In einem Editorial wird von Biondi die Frage „Der normale TSH-Referenzbereich – was hat sich in den letzten zehn Jahren verändert?“ diskutiert [11]. Ausgangspunkt der Kontroversen um den normalen TSH-Referenzbereich war die NHANES III-Studie, in der an einer US-Amerikanischen Population gezeigt wurde, dass 95% der Probanden ohne vorbekannte Schilddrüsenerkrankung TSH-Werte zwischen 0,45 und 4,12 mU/L aufwiesen. Weitere Untersuchungen zeigten, dass die TSH-Werte nicht normal verteilt waren und sich in der Population auch Patienten mit Autoimmunthyreopathie (aber negativen TPO-Antikörpern) befanden. Darauf wurde 2005 von der National Academy of Clinical Biochemistry (NACB) ein oberer TSH-Referenzwert von 2,5 mU/L festgelegt. Nachfolgend zeigte sich aber, dass die Situation weitaus komplexer ist. U.a. unterscheiden sich TSH-Assays in Sensitivität und Spezifität (u. a. auch durch Detektion von biologisch inaktiven TSH-Isoformen). Zusätzliche Einflussfaktoren waren die Zusammensetzung der Referenzpopulationen (sicherer Ausschluss einer Autoimmunität, Altersverteilung, ethnische Herkunft und Jodversorgung). Zudem konnte in zahlreichen epidemiologischen Studien gezeigt werden, dass die TSH-Werte mit zunehmendem Lebensalter ansteigen, so dass vermutlich altersabhängige „TSH-Referenzwerte“ existieren. In der Leiden-Studie, in der Probanden >80 Jahre untersucht wurden, waren „erhöhte“ TSH-Spiegel beispielsweise nicht mit einem schlechteren kognitiven Outcome assoziiert, sondern zeigten sogar ein geringeres Mortalitätsrisiko an. Ähnliche Daten liegen auch aus anderen Kohorten vor. In der aktuellen Auswertung der schottischen Thyroid Epidemiology Audit and Research Study (TEARS) zeigte sich eine signifikante Zunahme sowohl der medianen als auch der oberen Referenz-TSH-Werte (97,5 Perzentile von 3,98 auf 5,94 mU/L) mit zunehmendem Lebensalter [12].
Fazit für die Praxis: Die Einschätzung der Schilddrüsenfunktion und die Entscheidung zu einer Behandlungsindikation ist insbesondere bei der latenten Hypothyreose, einer oft rein laborchemischen Konstellation, nicht einfach. Die bislang verfügbare Evidenz legt bei einem Patienten ohne Schilddrüsenvorerkrankung eine gewisse Zurückhaltung bei nur moderat erhöhten TSH-Werten (>4, <10 mU/L) und unbedingt eine Berücksichtigung von Einflussvariablen wie Geschlecht, Komedikation, Komorbidität, Lebensumstände nahe. Gleichzeitig muss zukünftig stärker auf den altersabhängigen TSH-Referenzbereich geachtet werden, um Fehldiagnosen und Fehlbehandlungen zu vermeiden.
Sind natürliche Schilddrüsenhormone dem Levothyroxin-Präparat überlegen?
Manche Patienten beklagen unter Levothyroxin-Substitution eine eingeschränkte Lebensqualität. In einer randomisierten Doppelblindstudie wurde der Einfluss einer LT4-Substitution im Vergleich zu einem Schilddrüsenhormonextrakt (Armour Thyroid®) auf Symptome und neurokognitive Endpunkte verglichen [13]. Die Patienten erhielten die Medikation über 16 Wochen, danach erfolgte ein Behandlungswechsel im Cross-Over-Design. Im Vergleich beider Behandlungsintervalle ließen sich keine statistisch signifikanten Unterschiede bei Symptomen und neurokognitiven Endpunkten feststellen. Allerdings wurde unter Schilddrüsenhormonextrakt eine moderate Gewichtsabnahme (1,5–2 kg) beobachtet und nahezu jeder zweite Patient präferierte die Schilddrüsenhormonextrakt-Therapie gegenüber der Levothyroxin-Therapie.
Die Autoren schlussfolgern, dass die Therapie mit Schilddrüsenhormonextrakt möglicherweise für einige Hypothyreose-Patienten sinnvoll sein könnte [13].
Von der Europäischen Schilddrüsengesellschaft (ETA) erfolgte aktuell eine Bewertung der Möglichkeiten der Schilddrüsenhormonsubstitution (Vergleich LT4- mit LT4+LT3-Kombinationstherapie). Die Levothyroxin-Therapie wird unverändert als Standardtherapie empfohlen und eine Kombinationstherapie bei fehlender gesicherter Evidenz allenfalls als individueller Heilversuch diskutiert. Die derzeit verfügbaren Kombinationspräparate (auch Armour Thyroid®) weisen ein unphysiologisches LT4/LT3-Verhältnis auf (empfohlenes Verhältnis lt. ETA-Guideline LT4/LT3 20:1). Ein T3-Retard-Präparat steht derzeit nicht zur Verfügung (www.eurothyroid.com).
Sind verschiedene Levothyroxin-Präparate gleichwertig?
Seit Jahren werben einige Hersteller von Schilddrüsenhormonpräparaten für die Verordnung per aut idem unter dem Hinweis, dass die Bioverfügbarkeit der kommerziell erhältlichen LT4-Präparate unterschiedlich ist. Aus der klinischen Erfahrung können Schwankungen im Schilddrüsenlabor bei Patienten mit LT4-Substitution durchaus bei Wechsel verschiedener Levothyroxin-Präparate beobachtet werden. In einer US-amerikanischen Studie wurde die Stabilität der Schilddrüsenhormonsubstitution bei Kindern mit angeborener Hypothyreose im Vergleich von Synthyroid® zu einem generischen LT4-Präparat untersucht. Es handelte sich um eine retrospektive Analyse an 62 Kindern mit connater Hypothyreose, die über einen Zeitraum von fünf Jahren (Alter 0–36 Monate) verlaufsbeobachtet wurden. 35 Patienten erhielten exklusiv Synthyroid®, 27 Patienten ein generisches LT4-Präparat. Zwischen beiden Behandlungsgruppen konnten keine wesentlichen Unterschiede in der TSH-Varianz beobachtet werden. Vielmehr zeigten Kinder, die mit dem generischen LT4-Präparat therapiert wurden, geringere Schwankungen der TSH-Werte als Kinder der Synthyroid®-Gruppe. Die Häufigkeit der LT4-Dosisanpassung unterschied sich ebenfalls nicht zwischen beiden Gruppen (im Mittel zwei Dosisanpassungen in der generischen Gruppe vs. drei Dosisanpassungen unter Synthyroid). In einer weiteren Studie wurde bei Kindern mit Hypothyreose (schwere connatale Hypothyreose und erworbene Hypothyreose) ein Marken-Levothyroxinpräparat im Vergleich zu einem Generikum untersucht. Unter dem Markenpräparat wurden insgesamt niedrigere TSH-Werte beobachtet [14, 15].
Welche Schlussfolgerungen lassen diese beiden Studien zu? Möglicherweise ist die Bioverfügbarkeit auch der Generikapräparate inzwischen qualitativ besser geworden. In keiner der Studien wurde jedoch untersucht, welchen Einfluss ein wohlmöglich unfreiwilliger Wechsel zwischen verschiedenen Levothyroxin-Präparaten auf die Qualität der Schilddrüseneinstellung hat. Deshalb sollte weiter den Empfehlungen der ATA/ETA/AACE [8] gefolgt werden und eine Aufklärung der Patienten zu folgenden Aspekten erfolgen:
Das Präparat ist konstant, möglichst nüchtern einzunehmen, d. h. mindestens 30 Minuten vor der Nahrungszufuhr, Einnahme mit Wasser.
Der Apotheker kann einen Wechsel des Levothyroxin-Präparates vornehmen. Die Patienten sollten aber darauf dringen, Präparate eines Herstellers beizubehalten.
Für den Fall eines Präparatewechsels und in jedem Fall auch bei Dosisänderungen sollte eine Überprüfung des TSH-Wertes erfolgen (etwa 6–8 Wochen nach Veränderung).
Bedeutung der Jodversorgung für die Schilddrüsenfunktion
Die Jodversorgung ist der wichtigste exogene Einflussfaktor in der Entstehung von Schilddrüsenpathologien. Jodmangel ist eng mit dem Auftreten einer Struma, knotiger Schilddrüsenveränderungen sowie der Schilddrüsenautonomie korreliert, während eine sehr hohe Jodzufuhr eher mit einem erhöhten Auftreten von Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse in Verbindung gebracht wird. In der DanThyr-Kohorte einer dänischen Populationskohorte von 9,274 Personen wird der Einfluss einer verbesserten Jodversorgung auf die Schilddrüsenfunktionsparameter untersucht [16]. Es handelt sich hierbei um eine Longitudinal-Untersuchung an 2,203 Probanden mit Beginn 1997/1998 und Follow-Up im Jahr 2008–2010. Eine Veränderung der Jodversorgung trat im Jahr 2000 ein. Im 11-Jahres-Follow-Up zeigte sich eine Zunahme des mittleren TSH-Wertes von 1,27 mU/L auf 1,83 mU/L. Die größten Veränderungen im TSH-Wert wurden in der Population mit höchster Jodzufuhr beobachtet (TSH 1,30 mU/L zum Zeitpunkt 0; 1,49 mU/L im 11-Jahres-Follow-Up). In der Region mit niedriger Jodzufuhr wurde keine signifikante Veränderung des TSH-Wertes festgestellt. Die Veränderung des TSH-Wertes war assoziiert mit dem Vorhandensein von TPO-Antikörpern in der Ausgangsuntersuchung und korrelierte invers mit dem Vorliegen einer Struma bzw. multinodösen Schilddrüse. Die Autoren schlussfolgern, dass sich selbst kleine Veränderungen in der Jodversorgung in einer Veränderung des TSH-Wertes in der Normalbevölkerung niederschlagen. Eine multinodöse Schilddrüsenerkrankung zum Ausgangszeitpunkt war mit der geringsten TSH-Veränderung assoziiert, möglicherweise bedingt durch das Vorliegen einer Schilddrüsenautonomie [16].
Kommentar: In der Bewertung der DanThyr-Studienergebnisse bleibt leider ein wichtiger Einflussfaktor unberücksichtigt: Der Einfluss des Alters. Über einen Beobachtungszeitraum von 11 Jahren ist durchaus auch eine altersbedingte Verschiebung der TSH-Werte zu erwarten, zumal die Kohorte Altersgruppen von 20 bis 65 Jahren beinhaltet.
In Großbritannien, das bislang als Gebiet mit adäquater Jodversorgung galt, wurde in der Avon-Longitudinal Study of Parents and Children (ALSPAC) untersucht, welchen Einfluss die Jodversorgung in der Schwangerschaft auf das neurokognitive Outcome der Kinder im Alter von 8 und 9 Jahren hat [17]. Hierzu wurden 4,040 Schwangere untersucht und die Jodurin-Ausscheidung im ersten Trimenon analysiert. Die Kinder der Mütter wurden im Alter von 8 Jahren hinsichtlich des IQ und im Alter von 9 Jahren hinsichtlich ihrer Lesefähigkeiten untersucht. Mögliche Confounder-Effekte wurden ebenfalls berücksichtigt. Auf der Basis der geltenden WHO-Kriterien wurde bei den Schwangeren im 1. Trimester überraschenderweise eine Jodmangelsituation nachgewiesen, die mediane Urin-Jod-Konzentration lag bei 91 μg/L. Kinder von Frauen mit geringer Jodausscheidung (<150 μg/g) wiesen niedrigere verbale IQ-Werte, niedrigere Lesegenauigkeit und ein niedrigeres Leseverständnis auf im Vergleich mit Kindern der Mütter mit höherer Jodausscheidung (>150 μg/g). Eine Subgruppenanalyse zeigte, dass die Ergebnisse der neurokognitiven Testung bei den Kindern direkt mit dem Grad der Jodurie bei der Mutter im 1. Trimenon assoziiert waren.
Die Ergebnisse dieser Arbeit sind wichtig. Sie zeigen, dass der Jodmangel auch in hochzivilisierten Industrieländern zu wenig Beachtung findet und dass dringlicher Handlungsbedarf besteht. Hierzu gehört auch, die seit langem geltende WHO-Empfehlung einer konsequenten Jod-Supplementation bei schwangeren und stillenden Frauen zum Erzielen einer Jodzufuhr von mindestens 250 μg Jodid pro Tag umzusetzen.
Zentrale Hypothyreose
Die zentrale Hypothyreose resultiert aus einer ungenügenden TSH-Stimulation einer normalerweise intakten Schilddrüse. Ursache ist eine anatomische oder funktionelle Störung von Hypothalamus und/oder Hypophyse. Vordergründig handelt es sich hierbei um Raumforderungen der Hypophysenregion oder einen Zustand nach neurochirurgischer Intervention oder Radiotherapie. Seltenere Ursachen stellen Gefäßveränderungen, Trauma, Autoimmunerkrankungen, Stoffwechselerkrankungen (Hämochromatose), granulomatöse Entzündungen, infektiöse Ursachen oder angeborene genetische Defekte (PROP-1-Mutation, TSH-Beta-Mutation, etc.) dar. Die zentrale Hypothyreose ist sehr selten. Die geschätzte Prävalenz liegt bei 1:1,000 hypothyreoten Patienten in der Allgemeinbevölkerung bzw. 1:116,000–160,000 bei Neugeborenen. Die meisten Patienten mit zentraler Hypothyreose weisen TSH-Werte im Referenzbereich trotz niedriger fT4-Werte auf. Dies zeigt das Vorhandensein von biologisch minderaktiven TSH-Molekülen an [18].
Die Behandlung der zentralen Hypothyreose erfolgt mit Levothyroxin. Allerdings kann der TSH-Wert nicht als Zielparameter für die Qualität der Substitution verwendet werden. Es empfiehlt sich, vor Behandlungsbeginn eine Nebenniereninsuffizienz auszuschließen (insbesondere bei Patienten mit bekannter Hypothalamus- oder Hypophysenerkrankung) und bei kortikotroper Insuffizienz zunächst mit der Hydrocortison-Substitution zu beginnen. Mit Ausnahme alter Patienten und Patienten mit vorbekannter Herzerkrankung sollte eine gewichtsadaptierte Substitutionsdosis (1,2–1,7 μg/kg KG) verordnet werden. Der fT4-Wert wird zur Überprüfung der Substitutionstherapie verwendet. Hierbei erfolgt ausnahmsweise (nie bei Patienten mit primärer Hypothyreose!) die Blutabnahme vor Einnahme der morgendlichen Levothyroxin-Dosis. Bei Veränderung der Komedikation (insbesondere Beginn einer Wachstumshormon- oder Östrogen-Substitution) muss eine Überprüfung und ggf. Anpassung der Levothyroxin-Substitution vorgenommen werden. Bei TSH-Werten >0,5 mU/L bzw. fT4-Werten im unteren Referenzbereich muss von einer Untersubstitution ausgegangen werden.
Schilddrüsenknoten
Die Prävalenz von Schilddrüsenknoten in der Allgemeinbevölkerung ist unverändert sehr hoch. In zwei Populationsstudien (SHIP- und KORA-Kohorten aus Mecklenburg-Vorpommern bzw. Region um Augsburg) wurde eine Knotenprävalenz von 21% (SHIP) bzw. 41% (KORA) bei >40-Jährigen und von 53% (SHIP) bzw. 70% (KORA) bei Patienten >65 Jahren nachgewiesen. Als Knoten wurden sonographisch festgestellte Schilddrüsenveränderungen >1 cm bezeichnet. In beiden Kollektiven zeigten sich keine signifikanten Unterschiede der Knotenprävalenz zwischen Männern und Frauen! [19].
Die Herausforderung in der Differentialdiagnostik und Therapie von knotigen Schilddüsenveränderungen besteht unverändert in der Frage, ob es sich um einen klinisch relevanten Knoten handelt. Hierunter können verschiedene Aspekte subsumiert werden (das Vorliegen einer Schilddrüsenautonomie, ein Schilddrüsenmalignom, eine mechanische Beeinträchtigung, eine individuelle Beeinträchtigung, z. B. durch die Angst vor Schilddrüsenkrebs). Während die Frage nach dem Vorliegen einer Schilddrüsenautonomie, durch Bestimmung des TSH-Wertes, Durchführung einer Schilddrüsenszintigraphie und ggf. Suppressionsszintigraphie, einfach zu beantworten ist, gestaltet sich die Dignitätsabklärung weiter schwierig. Hierbei muss unterschieden werden zwischen prognostisch bedeutsamen Schilddrüsenkarzinomen (eher <1% aller Schilddrüsenknoten) und den meist indolenten Mikrokarzinomen (papilläre Mikrokarzinome bis zu 30% im Autopsiegut). In der Praxis helfen Anamnese und klinische Untersuchung meist nicht weiter, da beide im positiven Fall wegweisend für ein bereits fortgeschrittenes Schilddrüsenmalignom sind. Das Calcitonin ist hilfreich zur Frühdiagnostik eines medullären Schilddrüsenkarzinoms. In allen anderen Fällen muss heute vorrangig unter Einsatz der Schilddrüsensonographie und ggf. Elastographie eine Risikobeurteilung des Knotens vorgenommen werden [20].
In einer französischen Studie wurde die 2009 erstmals vorgeschlagene TI-RADS-Klassifikation hinsichtlich der Interobserver-Variabilität und ihres Nutzens zur Knotenselektion für die Feinnadelaspiration (FNA) untersucht. Es handelt sich um eine prospektive Studie, in der über zwei Jahre insgesamt 4,550 Schilddrüsenknoten (n=3,543 Patienten) mittels Flowchart und 6 Punkte-Skala beurteilt wurden und nachfolgend eine Ultraschall-kontrollierte FNA erfolgte. Die FNA-Beurteilung erfolgte nach Bethesda-Kriterien. Zusätzlich erfolgte eine Knotenbeurteilung mittels Elastographie. Die Interobserver-Übereinstimmung hinsichtlich der TI-RADS-Skala und Empfehlung zur FNA war hoch. Mittels TI-RADS konnte die Zahl der FNA-Indikationen um 1/3 gesenkt werden. Die Kombination von Elastographie und Ultraschall verbesserte weiter die Sensitivität und Spezifität zur Detektion eines SD-Karzinoms [21]. wobei der zusätzliche Nutzen der Elastographie gering war.
Welchen Stellenwert haben molekulare Marker in der Untersuchung von Schilddrüsenpunktaten?
In den letzten Jahren war der Wissenszuwachs zur molekularen Pathogenese von Schilddrüsentumoren, insbesondere Schilddrüsenkarzinomen, immens. In nahezu 70% aller Schilddrüsenkarzinome lassen sich inzwischen Mutationen in bekannten Onkogenen nachweisen. Zudem stehen über Transkriptom-Untersuchungen eine Vielzahl sog. molekularer Marker zur Verfügung. Besonders umfänglich wird die Relevanz einer somatischen BRAF-Mutation (BRAF V600E) diskutiert, welche die häufigste genetische Veränderung beim papillären Schilddrüsenkarzinom darstellt. Diese Mutation spielt in einer Vielzahl von Malignomen eine Rolle und hat auch therapeutische Relevanz (u. a. Zelboraf® beim malignen Melanom mit BRAF V600E-Mutation). Sie kann problemlos aus Punktionsmaterial nachgewiesen werden. Gegenwärtig kann die Analyse der BRAF-Mutation dem Zytopathologen in der Befundung einer unsicheren Zytologie weiterhelfen und zeigt bei positivem BRAF-Nachweis das Vorliegen des Punktats aus einem papillären Schilddrüsenkarzinom an. Die prognostische Relevanz einer BRAF-Mutation (in vielen aktuellen Untersuchungen als Hinweis auf einen aggressiven Tumor mit Neigung zur Radiojodrefraktärität interpretiert) muss jedoch kritisch hinterfragt werden. Beispielsweise liegen BRAF-Mutationen auch in papillären Mikrokarzinomen vor, die meist indolent sind und eher nicht einer FNA zugeführt werden sollten.
Problematisch bleiben Schilddrüsenpunktate, in denen sich der Befund einer follikulären Neoplasie zeigt. Für solche „indeterminante“ Zytologien, ca. 20%–30% aller FNA Befunde, wurde von der amerikanischen Firma Veracyte ein mittlerweile kommerziell erhältlicher Array entwickelt (Afirma®), der eine Gen-Expressionsanalyse aus dem Punktatmaterial ermöglicht.
In der von Alexander et al. [22] durchgeführten Evaluation des Afirma-Arrays wurden Feinnadelpunktate von 265 Knoten mit follikulärer Neoplasie analysiert und mit dem Ergebnis der endgültigen Histologien verglichen. 78 der 85 Schilddrüsenmalignome wurden mittels Gene-Classifier erkannt, 93 der 180 benignen Tumore wurden mittels Afirma-Array als benigne eingestuft. Die Autoren zeigen, dass durch den Einsatz des Afirma-Arrays die Zahl „unnötiger Schilddrüsenoperationen“ aufgrund eines Malignomverdachts halbiert wird. Allerdings betrug die Rate der falsch-negativen Befunde 10%.
Die Kosten des Arrays (ca. 4,200U$) müssen abgewogen werden gegenüber den Kosten der Schilddrüsenchirurgie, der Komplikationsrate, der Einschränkung der Lebensqualität sowie der ggf. Notwendigkeit zur lebenslangen Schilddrüsenhormonsubstitution.
Von den gleichen Autoren wurden nachfolgend weitere Qualitätsanalysen durchgeführt. Zum einen wurde die Inter-Observer-Variabilität in der Beurteilung der zytologischen Befunde untersucht [23]. Hierbei zeigten sich erhebliche Diskrepanzen in der Beurteilung der Schilddrüsenzytologie nach Bethesda-Kriterien, welche die Sensitivität und Spezifität jeglicher molekularer Methoden einerseits kritisch hinterfragen, andererseits die Notwendigkeit zum Einsatz verlässlicher Beurteilungskriterien (zytologisch und/oder molekulargenetisch) unterstreichen [24]. Inzwischen sind in den USA mehrere Arrays anderer Anbieter erhältlich, welche auf dem Nachweis von verschiedenen Oncogen-Mutationen in den Feinnadelpunktaten beruhen und dadurch die Entscheidung zum Ausmaß der Schilddrüsenchirurgie (Hemithyreoidektomie, totale Thyreoidektomie) beeinflussen sollen. Auch diese Arrays (u.a. miRInformThyroid® Asuragen Inc., Quest Diagnostics Thyroid Cancer Mutation Panel) sind sehr kostenintensiv und daher bleibt ihr Einsatz in der Versorgung von Patienten mit Schilddrüsenknoten in Deutschland derzeit fraglich.
Fazit: Die Identifikation eines Schilddrüsenkarzinoms bleibt unverändert eine Herausforderung, insbesondere auch vor dem Hintergrund der außerordentlich hohen Knotenprävalenz in der Allgemeinbevölkerung. Während die Inzidenz von Mikrokarzinomen zunimmt, diese meist indolent sind und deshalb eigentlich keiner Diagnostik oder Therapie zugeführt werden sollten, konzentrieren sich die Untersuchungen zunehmend darauf, ein klinisch bedeutsames Schilddrüsenmalignom möglichst frühzeitig zu identifizieren. Hierfür sollten standardisierte Ultraschallkriterien, am ehesten unter Einsatz der TI-RADS-Klassifikation, zum Einsatz kommen. Zusätzlich kann die Elastographie hilfreich sein. Der Fokus ist die ultraschallbasierte Selektion von Risikoknoten und die gezielte Feinnadelaspiration dieser. Molekulare Marker sind erstmals in kommerziell erhältlichen Arrays verfügbar sind, bedürfen jedoch noch weiterer Evaluation und auch Modifikation der dafür anfallenden Kosten.
Schilddrüsenkarzinome
Schilddrüsenkarzinome stellen die häufigsten endokrinen Malignome dar. Die Prävalenz und Inzidenz von Schilddrüsenkarzinomen hat in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen. Insbesondere ist eine eindrucksvolle Zunahme des papillären Karzinoms zu verzeichnen. Die Ursachen hierfür werden kontrovers diskutiert. Einflussfaktoren sind aber zweifelsohne die verbreitete und verbesserte Schilddrüsendiagnostik und die hohe Rate an papillären Mikrokarzinomen als Zufallsbefund. Damit vereinbar hat die Mortalität des Schilddrüsenkarzinoms tendenziell abgenommen.
In den letzten Jahren ist deshalb ein Paradigmenwechsel in der Einschätzung und Therapie des Schilddrüsenkarzinoms eingetreten. Im Vordergrund steht nunmehr eine Einteilung in Karzinome mit niedrigem, intermediärem oder hohem Risiko für einen komplizierten Verlauf, wobei eine endgültige prognostische Einschätzung erst nach ablativer Therapie erfolgt. Hinzu kommt die kritische Überprüfung bisher unumstößlicher Dogmen (Ausmaß der Schilddrüsenchirurgie, Art und Notwendigkeit der Radiojodablation, und die Abweichung von einer lebenslangen obligat TSH-suppressiven Therapie bei Patienten mit niedrigem Risiko).
Aktuelle Kontroversen, insbesondere in der Behandlung des Niedrigrisiko-Schilddrüsenkarzinom-Patienten werden ausführlich in einer exzellenten Übersicht im Lancet diskutiert [25]. Diese Patienten werden zukünftig vor allem vom Internisten weiterbetreut werden.
Eine weitere, neue Aufgabe für den Internisten stellen Patienten mit Radiojod-refraktärem Schilddrüsenkarzinom dar [26–28]. Eine Radiojodrefraktärität liegt bei etwa 5%–10% aller Patienten mit einem differenzierten Schilddrüsenkarzinom vor. Seit Juni 2014 steht mit Sorafenib ein erster Tyrosinkinaseinhibitor (TKI) zur Therapie des radiojodrefraktären nicht-medullären Schilddrüsenkarzinoms zur Verfügung. Die Zulassung erfolgte auf der Basis der DECISION Studie, in der Sorafenib bei 417 Patienten mit progredientem radiojodrefraktären Schilddrüsenkarzinom untersucht wurde. Das mediane progressionsfreie Überleben (PFS) lag im Sorafenib-Arm (800 mg/d) bei 10,8 Monaten vs. 5,8 Monaten im Placebo-Arm. In 2015 wurden Ergebnisse einer weiteren Phase III Studie mit dem TKI Lenvatinib publiziert: In der SELECT Studie wurde Lenvatinib (24 mg/d) bei 392 Patienten mit progredientem radiojodrefraktärem Schilddrüsenkarzinom untersucht [28]. Das mediane PFS lag unter Lenvatinib bei 18,3 Monaten vs. 3,6 Monaten unter Placebo. Lenvatinib wurde Ende Mai 2015 von der EMA zugelassen und ist seit Juli 2015 verfügbar. Für verschiedene, teils unter anderen onkologischen Indikationen in Deutschland zugelassene TKI (u.a. Axitinib, Cabozantinib, Pazopanib, Sunitinib, Vandetanib) liegen Daten aus Phase I und II Studien für das radiojodrefraktäre Schilddrüsenkarzinom vor [26–28]. Die molekular zielgerichteten Therapien sind darauf ausgerichtet, spezifisch aktivierte Signalwege (MAPK und/oder PI3K/AKT Kaskade) im Tumor zu antagonisieren. Die meisten TKI inhibieren auch die VEGF Signaltransduktion, so dass zusätzlich eine antiangiogenetische Behandlungskomponente besteht (=Multikinaseinhibitoren).
Perspektive
Einen hochinnovativen derzeit aber noch rein experimentellen Behandlungsansatz stellt die Redifferenzierung eines radiorefraktären Schilddrüsenmalignoms durch Inhibition der MAP-Kinase-Kaskade dar. Ho et al. [29] konnten in einer Pilotstudie an 20 Patienten zeigen, dass unter Selumetinib eine Wiederherstellung des Radiojod-Uptakes in Schilddrüsenkarzinommetastasen möglich wird. Bei 8 der 12 Patienten war nachfolgend sogar eine Radiojodtherapie möglich. Hierdurch wurde bei 5 Patienten eine partielle Response, bei 3 Patienten eine Krankheitsstabilisierung erreicht. Prinzipiell sollte eine Redifferenzierungstherapie auch unter anderen BRAF oder MEK-Inhibitoren möglich sein, so dass sich durch die molekulargenetisch determinierte Behandlung wahrscheinlich interessante Therapieoptionen in der Zukunft ergeben werden.
Aufgrund der besonderen Biologie von Schilddrüsenkarzinomen und des erheblichen Nebenwirkungsprofils sollte die Verordnung von TKI nur durch einen in der Behandlung von Schilddrüsenkarzinomen erfahrenen Arzt erfolgen. In Analogie zu den ETA-Empfehlungen zum Beginn der TKI-Therapie beim fortgeschrittenen medullären Schilddrüsenkarzinom sollten ein nachgewiesener Progress und/oder eine symptomatische fortgeschrittene Erkrankung bei gesicherter Radiojodrefraktärität vorliegen.
Fazit: Schilddrüsenmalignome werden heute hinsichtlich des Risikos für einen ungünstigen Verlauf entsprechend der ATA-Empfehlungen in drei Gruppen eingeteilt. Vor dem Hintergrund der insgesamt außerordentlich guten Prognose der meisten Schilddrüsenkarzinome ist ein Paradigmenwechsel hin zu einer weniger aggressiven Therapie (chirurgisch, nuklearmedizinisch, TSH-Suppression bzw. Schilddrüsenhormonsubstitution) eingetreten. Bei Hochrisikopatienten gelten unverändert die alten Dogmen der radikalen Chirurgie, der Radiojodablation und der Notwendigkeit zur TSH-suppressiven Therapie. 2014 und 2015 wurden die Ergebnisse der ersten Phase III-Studien zum Einsatz von TKI (Sorafenib bzw. Lenvatinib) bei radiojodrefraktärem metastasiertem differenziertem Schilddrüsenkarzinom publiziert. Unter beiden TKI, die inzwischen zur Therapie zugelassen sind, konnte eine Verlängerung des progressionsfreien Überlebens, nicht jedoch der Überlebensrate (bei dafür auch nicht ausgelegtem Studiendesign) gezeigt werden. Weitere TKI stehen als Off-Label-Therapie (mit anderen Zulassungen in Deutschland, z.B. Vandetanib beim MTC, Sunitinib beim RCC und Pankreas NET sowie Pazopanib beim RCC) zur Verfügung und ermöglichen eine palliative Behandlungsoption bei Patienten mit radiojodrefraktären Schilddrüsenkarzinomen. Neue Perspektiven eröffnen sich möglicherweise durch die pharmakologische Redifferenzierungstherapie mit MEK-Inhibitoren. Aufgrund des teilweise erheblichen Nebenwirkungsprofils der einzelnen Substanzen und der besonderen Biologie von Schilddrüsenkarzinomen, welche diese von anderen Malignomen unterscheidet, sollten Patienten mit fortgeschrittenem Karzinom möglichst in spezialisierten Zentren therapiert werden. Für eine Übersicht zu aktuellen Behandlungsempfehlungen beim differenzierten Schilddrüsenkarzinom wird auf die ATA-Empfehlungen ([30], Veröffentlichung der aktualisierten ATA Leitlinien am 14 Oktober 2015) und die deutsche chirurgische Schilddrüsenkarzinom-Leitlinie verwiesen [31].
Autorenbeteiligung: Die Autorin trägt Verantwortung für den gesamten Inhalt dieses Artikels und hat der Einreichung des Manuskripts zugestimmt.
Forschungsförderung: Keine.
Interessenkonflikt: Kein Interessenkonflikt.
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