Abstract
Current calls for the social relevance of research in the humanities increasingly shift attention to the question of normative forms of guidance, such as those set by funding institutions, and to their relation to disciplinary autonomy. Using debates in literary studies as an example, it becomes clear how political objectives, sometimes described as ›activism from above‹, reshape the tension between knowledge-driven research and administratively supported transformation agendas. Two kinds of unpredictability meet here: the structural openness of literary research processes and the difficult-to-predict effects of activist interventions. Both resist common methods of forecasting and evaluation, which raises doubts about whether administrative models of control can be applied to the practices of the humanities at all. The article first clarifies its main terms: internal and external refer to the origin of impulses, while top and bottom describe their hierarchical mode of implementation. Based on this, a heuristic framework is proposed that combines both dimensions and adds the difference between affirmative and repressive modes. This framework helps to distinguish between disciplinary self-mobilisation, gatekeeping, agenda setting in research policy, and intervention through sanctions, and to define more precisely in what limited sense the term activism can be applied. The paper argues that external, hierarchical and repressive interventions are not forms of activism in the narrow sense but rather mechanisms of control and direction that come into tension with the autonomy of epistemic practices. This distinction underlines the need to define the criteria of scholarly relevance more clearly. The relevance of research in the humanities does not lie in supposed direct causal effects but in forms of public resonance and traces of internal disciplinary transformation. The paper aims to encourage a more differentiated view of the relations between activism, governance and academic practice.
Was bedeutet es, wenn etwa der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung explizit eine Wissenschaft fordert, die gesellschaftlich transformierend wirken soll? Diese Frage, die Eva Geulen in ihrer Einführung im Jahr 2022 auf der Tagung »Aktivismus und Wissenschaft I: Zur Theorie, Geschichte und Aktualität einer Provokation« aufwirft, markiert einen fundamentalen Aspekt im Selbstverständnis wissenschaftlicher Arbeit und stellt insbesondere die Geisteswissenschaften vor eine strukturelle wie epistemische Herausforderung. In eben diesem Vortrag verwendet Eva Geulen den Begriff des ›Aktivismus von oben‹. Sie schlug ihn als tentativen Begriff für die Überlegungen ihres Teams am Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung in Berlin (ZfL) vor, ohne selbst behaupten zu wollen, dass es solch einen Aktivismus gibt, geben kann oder geben sollte. In ihrem Beitrag »Wiedergänger der Geistesgeschichte« in der Deutschen Vierteljahrsschrift greift Geulen den Begriff des ›Aktivismus von oben‹ 2023 erneut und dieses Mal also auch schriftlich in einem renommierten literaturwissenschaftlichen Publikationsorgan auf. Dabei zeigt sie sich besorgt über gegenwärtige Entwicklungen in den Wissenschaften und Förderorganisationen (vgl. Geulen 2023, 93). Gemeint sind Vorgaben von etwa der Politik oder Förderorganisationen, deren Umsetzung pejorativ als ein ›Aktivismus von oben‹ benannt wird. Dieser Aktivismus sei nicht intrinsisch, nicht aus großer Tugendhaftigkeit herbeigeführt, nicht moralisch motiviert, sondern ein ›von oben‹ gesteuerter und vorgegebener Aktivismus in der Wissenschaft und damit im Prinzip das Gegenteil von dem, was mitunter als »scientific political activism« (Germann/Held/Wulz 2022, 437) bezeichnet wird. Am ZfL will man sich bei der Definition oder Explikation von Aktivismus nicht auf eine einzelne Auslegung des Begriffs festlegen (vgl. BR50 Podcast 2022). Die Entscheidung für konzeptuelle Offenheit wirkt auf den ersten Blick insbesondere bei diesem Begriff plausibel, wirft jedoch Fragen nach der begrifflichen Trennschärfe und analytischen Produktivität auf. Die hier beobachtbare begriffliche Offenheit wird im weiteren Verlauf der Argumentation im Kontext vom ›Aktivismus von oben‹ als analytischer Bezugspunkt noch einmal diskutiert werden. Es ist zu erörtern, ob es sich dabei überhaupt um eine Form von Aktivismus handelt und unter welchen Bedingungen ein solcher Eingriff in die Wissenschaft möglich wäre bzw. durch welche institutionellen und epistemischen Hürden er begrenzt wird und welche Gegenkonzepte für diese Art des Eingriffs von Bedeutung sind. Die hier anschließenden Überlegungen betreffen diese Aspekte. Der Beitrag verfolgt dabei drei miteinander verschränkte Ziele. Erstens werden die in der Debatte konkurrierenden Bezeichnungspaare intern und extern sowie oben und unten begrifflich geschieden, um die Herkunft von Impulsen einerseits und Modi ihrer Durchsetzung andererseits zu unterscheiden. Zweitens wird ein heuristisches Raster entwickelt, das beide Achsen systematisch kreuzt und um die Unterscheidung zwischen affirmativen und repressiven Modi ergänzt. Dieses Raster dient dazu, disziplininterne Selbstmobilisierung, Gatekeeping, förderpolitische Themensetzung und sanktionsförmige Eingriffe analytisch auseinanderzuhalten und begründet zugleich, in welchem engen Sinn von Aktivismus gesprochen werden kann. Drittens werden anhand ausgewählter, in der Debatte bereits diskutierter Konstellationen die Grenzen und Folgen eines sogenannten ›Aktivismus von oben‹ skizziert, und zwar in Bezug auf literaturwissenschaftliche Fragestellungen, auf institutionelle Verfahren der Wissenssteuerung und auf deren Verhältnis zu gesellschaftlicher Resonanz.
1 Heuristisches Raster zur Bestimmung von Einflussnahme auf die Wissenschaft
Ein zentrales Problem bei diesem Konzept des ›Aktivismus von oben‹ betrifft die Verwendung der Metaphern oben/unten in Abgrenzung zu intern/extern. Beide Begriffspaare sind in der aktuellen Debatte um Wissenschafts- und Förderpolitik präsent, beschreiben jedoch unterschiedliche Dimensionen. Während die Unterscheidung von intern und extern auf die Herkunft eines Impulses verweist, also darauf, ob ein bestimmtes Steuerungs- oder Aktivismusmoment aus der Disziplin selbst oder aus ihrem gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Umfeld stammt, markiert die Rede von oben und unten den Grad der Hierarchisierung beziehungsweise den Modus der Durchsetzung. Also intern/extern verweist auf den Ursprung eines Impulses, oben/unten auf seine soziale Form. Während also Ersteres die Frage stellt, ob ein Impuls aus dem Inneren der Disziplin oder aus ihrem gesellschaftlich-politischen Umfeld stammt, markiert Letzteres, ob er hierarchisch durchgesetzt oder basisnah getragen wird.
Aus der Kreuzung beider Achsen ergibt sich ein heuristisches Raster (siehe Tab. 1), das verschiedene Formen wissenschaftlicher Steuerung oder Selbstmobilisierung unterscheidbar macht. Mit diesem heuristischen Modell (viele Fälle werden zwischen den Kategorien liegen) lassen sich acht Idealtypen benennen. Intern/unten verweist auf basisnahe Initiativen innerhalb der Disziplin, etwa studentische Bewegungen oder thematische Netzwerke; extern/unten bezeichnet Impulse aus der Zivilgesellschaft, wie sie von NGOs oder sozialen Bewegungen ausgehen; intern/oben verweist auf disziplinäre Gatekeeping-Prozesse, die sich in Curricula, Fachgesellschaften oder im Peer-Review-System manifestieren; extern/oben beschreibt förderpolitische Steuerungen durch Ministerien oder Stiftungen, die über thematische Ausschreibungen und Ressourcenzuteilungen Forschungsrichtungen beeinflussen. Die Kategorie extern/oben/repressiv lässt sich auch außerhalb des deutschen Kontexts belegen. In den USA zeigen etwa jüngere Eingriffe in Hochschulpolitik und Curricula, dass förderpolitische Umsteuerung und sanktionsförmige Ausschlüsse häufig zusammenfallen;[1] die Grenze zwischen thematischer Setzung und politisch motivierter Exklusion verwischt hier deutlich. Der Befund stützt die Notwendigkeit, affirmativ und repressiv als unterschiedliche Modi in der Matrix gesondert auszuweisen.
Wenn allerdings der Begriff ›Aktivismus‹ in einem engeren Sinn verstanden wird, so lässt er sich lediglich für basisnahe, partizipative und emanzipatorische Bewegungen gebrauchen, also für das, was in der Matrix (siehe Tab. 1) als affirmativ von unten bezeichnet wurde, so eine These dieses Beitrags. Mit Aktivismus ist also basisnahe, affirmativ-emanzipatorische Selbstmobilisierung gemeint, nicht aber hierarchische Steuerung oder politische Sanktionierung. Formen hierarchischer Steuerung oder repressiver Eingriffe geraten schnell in den Bereich von Disziplinierung, Propaganda oder gar autoritären Strukturen. Insofern stellt sich die Frage, ob es sinnvoll ist, auch diese Phänomene unter die Kategorie ›Aktivismus‹ zu fassen, oder ob damit nicht vielmehr unterschiedliche Phänomene (emanzipatorische Selbstmobilisierung auf der einen, autoritäre Lenkung auf der anderen Seite) in einer problematischen Weise begrifflich vermischt werden. In vielen Debatten wird Aktivismus als universelles Konzept verstanden, das auf Inklusion, Partizipation und zivilgesellschaftliches Engagement abzielt. In diesem Verständnis geht es um den Anspruch, Strukturen zu öffnen, Teilhabe zu ermöglichen und gesellschaftliche Vielfalt sichtbar zu machen. Demgegenüber lässt sich das Handeln der Exekutive nur schwer als Aktivismus begreifen. Das Handeln der Exekutive verfolgt eine andere Logik: Es ist an institutionelle Vorgaben gebunden, orientiert sich an bereits etablierten Entscheidungsprozessen und dient der Umsetzung politischer Programme. Damit unterscheidet sich exekutives Handeln kategorial von aktivistischen Bewegungen, die sich durch partizipative und emanzipatorische Zielsetzungen auszeichnen. Diese Differenzierung verdeutlicht zudem, dass ›Aktivismus von oben‹ keineswegs deckungsgleich mit externer Einflussnahme ist. Auch innerhalb einer Disziplin lassen sich hierarchische Steuerungsformen identifizieren, während externe Impulse durchaus basisnah und partizipativ verfasst sein können. Interne Begutachtungsverfahren wirken etwa: Sie können Arbeiten abwerten, wenn diese als aktivistisch oder advokatorisch gelesen werden, obwohl sie methodisch innovativ sind. Solche inkonsistenten Grenzziehungen erschweren laut aktuellen Studien eine kumulative Weiterentwicklung der Forschung (vgl. Bashiri/Vico/Hymlö 2025).
Das in Tabelle 1 skizzierte Modell versteht sich als heuristische Typologie und nicht als starre Taxonomie. Es erlaubt zugleich, affirmative, also themensetzende und offene, von repressiven, das heißt sanktionsbasierten und exkludierenden, Modi zu unterscheiden. In Geulens Überlegungen wird insbesondere die Kategorie extern/oben problematisiert, also die förderpolitische Steuerung durch etwa Ministerien und Stiftungen, die den Rahmen wissenschaftlicher Autonomie neu vermisst.[2]
Heuristisches Raster zur Bestimmung von Einflussnahme auf die Wissenschaft
|
intern affirmativ |
intern repressiv |
extern affirmativ |
extern repressiv |
|
|
unten (basisnah, partizipativ) |
Möglichkeit der Selbstmobilisierung (Netzwerke, Nachwuchsinitiativen, informelle Arbeitskreise, thematische Kolloquien etc.) |
Mikro-Mechanismen: Peer Review, Gatekeeping auf Ebene einzelner Projekte |
zivilgesellschaftliche Impulse (NGOs, soziale Bewegungen etc. setzen neue Themen auf Agenda) |
Boykottkampagnen oder Cancel-Aufrufe, die wissenschaftliche Themen oder Personen delegitimieren; öffentlicher Druck durch zivilgesellschaftliche Gruppen |
|
oben (hierarchisch, steuernd) |
Einrichtung und Anerkennung von Forschungsfeldern, Curricula, Öffnung für neue Felder |
Makro-Mechanismen: Berufungspolitik, Fachgesellschaften, Curricula, größere Redaktionen |
förderpolitische Steuerung (Ministerien, Stiftungen, Fördergesellschaften etc.), z. B. Förderlinien zur Inklusion und Klimaforschung |
politische Sanktionen gegen kritische Forschung, Streichung von Geldern von unliebsamen Projekten |
Im Rahmen der in Tabelle 1 skizzierten Matrix stehen ein tatsächlicher Aktivismus und der von Geulen beschriebene Steuerungsmechanismus denkbar weit auseinander. Während Ersterer im Feld des basisnahen und partizipativen Handelns (intern/unten) zu verorten ist, erscheint Letzterer im Bereich der hierarchisch-externen Steuerung (extern/oben). Der Versuch, solche Matrizes zu modellieren, ist nicht neu. Der oben unterbreitete Vorschlag einer Matrix soll dem spezifischen Fall des ›Aktivismus von oben‹ in der Literaturwissenschaft dienen. Insbesondere in der Feldtheorie bei Pierre Bourdieu finden sich Ideen solcher Taxonomien. Die Gegenüberstellungen von intern/extern (autonom/heteronom) oder unten/oben (dominierende/dominierte) Position sind auch durch ihn verbreitet. Die Sozialbewegungsforschung unterscheidet zudem beispielsweise zwischen basisnahem (grassroots) und institutionellem Einfluss. Eine ausführliche Synthese dieser Theorien bleibt allerdings weiterführenden und umfangreicheren Studien vorbehalten. Diese Anmerkung verweist darauf, dass bereits ein breites Forschungsfeld vorliegt, dessen detaillierte Rekonstruktion hier nicht möglich ist.
2 Relevante Literaturwissenschaft?
Die Forderung nach gesellschaftlicher Relevanz der Literaturwissenschaft ist nicht neu (vgl. Kim 2022). Sebastian Truskolaski etwa erinnert in diesem Kontext auf dem Blog des ZfL an die Marx’sche Forderung, dass Wissenschaft die Welt nicht nur beschreiben, sondern verändern soll (vgl. Truskolaski 2024). Was sich jedoch in den letzten Jahren bemerkbar verändert hat, ist unter anderem die Art und Weise, wie diese Relevanz eingefordert, verwaltet, kanalisiert und zudem explizit als Aktivismus benannt wird:
Neu scheint jedoch zu sein, dass die Wissenschafts- und Förderorganisationen, die Geldgeber und also letztlich (in Deutschland und der EU) die Politik, die oft Zielscheibe aktivistischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler waren, nun ihrerseits einen solchen Aktivismus einfordern: Kein DFG-Antrag, in dem nicht die Frage zu beantworten ist, was das Projekt zum Problem der Geschlechterungleichheit beiträgt (oder nicht). […] Die Volkswagenstiftung hat nach einer externen Evaluierung ihr Förderportfolio kürzlich umstrukturiert und thematisch ausgerichtet: Wer nicht über die Pandemie, soziale Ungleichheit, den Klimawandel oder Digitalisierung forscht, braucht sich gar nicht erst zu bewerben. (Geulen 2023, 93)
Solch ein ›Aktivismus von oben‹ ist ein paradoxes, zunächst fast widersinniges Konzept. Gemeint ist ein staatlich oder institutionell gelenkter Transformationswille, der auf die Wissenschaft wirken soll und ihr ein politisches Mandat zuweisen soll, das nicht mehr ausschließlich aus akademischer Autonomie oder disziplinärer Eigenlogik erwächst. Im Zentrum steht dabei so eine paradoxe Bewegung: Während Wissenschaft sich durch solch einen Eingriff gesellschaftlich öffnet oder öffnen soll, wird sie zugleich durch politische Steuerung, Förderlogiken und neue Relevanzdiskurse administrativ gebunden. Dieser Steuerungsmechanismus, der bei Geulen ›Aktivismus‹ heißt, wäre damit, da ist Geulen zuzustimmen, nicht primär inhaltlich-programmatisch, sondern verfahrensbezogen. Dabei ist doch, wie Geulen in einem verschriftlichten Interview sagt, das »Schöne an unserem Fach, oder unseren Fächern […], dass keiner gezwungen ist, sich mit bestimmten Dingen zu beschäftigen« (Geulen/Martus/Spoerhase 2024). Übertragen ließe sich das auf alle öffentlichen Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen in Deutschland.
3 Förderungen vs. politische Sanktionierung
Während der vorliegende Text im Entstehen ist, ist der aktuellste Beitrag Geulens zum ›Aktivismus von oben‹ im Vorwort der ZfL-Publikationsreihe »Interjekte« mit dem Themenfokus »Schlaglichter auf den aktuellen Nahostkonflikt« zu finden (Geulen 2025).[3] Dort geht sie auf einen aktuellen Fall ein, der im weitesten Sinne mit dem Nahostkonflikt zusammenhängt und der in ihrer Argumentation eine andere Facette des ›Aktivismus von oben‹ offenlegen soll: die Diskussion um den möglichen Entzug von Fördergeldern für Berliner Wissenschaftseinrichtungen, nachdem im Mai 2024 einzelne wissenschaftliche Mitarbeiter*innen einen offenen Brief im Kontext von pro-palästinensischen Protesten auf dem Campus der Berliner Universitäten unterzeichnet hatten, um sich für das Recht auf friedlichen Protest von Student*innen einzusetzen (vgl. Geulen 2025, 5). In diesem Fall wird nicht thematisch-positive Steuerung sichtbar, sondern eine von Politiker*innen angedrohte restriktive Reaktion auf politisches Verhalten innerhalb der akademischen Sphäre. Hierzu schreibt Geulen:
Bis zu diesem Zeitpunkt war ›Aktivismus von oben‹ eine Formel gewesen, mit der wir in unseren ZfL-internen Diskussionen um »Aktivismus und Wissenschaft« tentativ der Beobachtung Ausdruck verleihen wollten, dass private und staatliche Geldgeber nicht nur ihre Erwartungen an die unmittelbare Verwertbarkeit wissenschaftlicher Erkenntnis für Krisenlösungen merklich schärfer formulierten, sondern unter dem Druck der vielen Krisen die Forschung z. T. auch sehr direkt mitbestimmen möchten. Mit der sogenannten Fördergeldaffäre gewann ›Aktivismus von oben‹ überraschend und definitiv ›von oben‹ eine neue Dimension, denn hier sollte eine politische ›Staatsräson‹ bzw. deren Auslegung durch die Ministerin direkte Folgen für Förderentscheidungen haben. (Geulen 2025, 5)
Diese Art von Steuerungsmechanismen, die bei Geulen im Kontext von ›Aktivismus von oben‹ Erwähnung finden, operieren nicht affirmativ, sondern repressiv und sanktionierend. Gerade dieser Gegensatz ist analytisch bedeutsam: Während ihre vorherigen Beispiele des ›Aktivismus von oben‹ mit positiven (Priorisierung von Klimaforschung, Inklusion, Diversität etc.) normativen Zielsetzungen operieren (›Fördern durch Lenken‹), deutet sich hier eine Verschiebung hin zu einer politischen Sanktionierung kritischer oder nicht-konformer Stimmen an. Dabei geht es nicht um eine Infragestellung staatlicher Positionierungen, sondern um die Frage, inwieweit diese in förderpolitische Verfahren eingreifen dürfen, ohne dabei die Autonomie wissenschaftlicher Einrichtungen zu gefährden. Unabhängig von der politischen Bewertung der im offenen Brief vertretenen Positionen konzentriert sich sowohl die vorliegende Analyse als auch diejenige Geulens auf die institutionellen Reaktionen und deren Implikationen für die Wissenschaftsfreiheit.
Diese Dimension verschärft das Verhältnis zwischen Forschungsfreiheit und externer Einflussnahme, das unter dem Schlagwort ›Aktivismus von oben‹ neu konturiert werden muss. Diese Form der disziplinierenden Intervention darf allerdings nicht vorschnell unter den Begriff Aktivismus subsumiert werden. Denn während ›Aktivismus von oben‹ zunächst eine diskursive Steuerung über Anreizstrukturen bezeichnet, etwa durch thematische Priorisierungen oder ideologisch gerahmte Förderlinien, handelt es sich im vorliegenden Fördergeldfall um eine mögliche Einschränkung von wissenschaftlicher Arbeit. Wird hier über Förderpolitik indirekt auf politische Haltung oder institutionelles Verhalten reagiert, nähert sich dies eher einer politisch-administrativen Lenkung, deren Legitimität nicht nur wissenschaftsethisch, sondern auch rechtlich fragwürdig erscheint. Solche Maßnahmen sollten deshalb tendenziell eher nicht unter Aktivismus eingeordnet werden, da sie weniger auf Transformation durch Teilhabe als auf Regulation durch Ausschluss abzielen. Sie markieren keine politische Initiative innerhalb eines offenen Diskurses, sondern verweisen auf einen Kontrollimpuls, der die Autonomie akademischer Institutionen im Kern berührt.
Dass dieser Berliner Fall im Kontext eines ›Aktivismus von oben‹ thematisiert wird, ist insofern bemerkenswert und für die Diskussion ein bereichernder Einfall, als er eine grundlegende Ambivalenz sichtbar macht: Die Frage nach politischer oder institutioneller Lenkung impliziert stets auch die Frage nach dem Gegenmodell. Wenn nicht politische Instanzen oder förderpolitische Akteure Impulse zur inhaltlichen Ausrichtung wissenschaftlicher Diskurse setzen, muss eine andere Zuständigkeit deklariert werden. Eine Instanz, ein Milieu, eine epistemische Formation muss die Funktion übernehmen, gesellschaftlich relevante Themen in den wissenschaftlichen Raum einzuspeisen. Diese Überlegung verweist auf ein fundamentales Dilemma: zwischen der idealisierten Vorstellung einer in sich autonomen, sich selbst regulierenden Wissenschaft einerseits und der Realität eines durch politische, ökonomische und gesellschaftliche Faktoren mitgesteuerten Forschungsbetriebs andererseits. Gerade an dieser Schnittstelle wird deutlich, wie voraussetzungsreich die Frage ist, ob externe Lenkung problematisch, notwendig oder vielleicht beides zugleich ist.
Geulen reflektiert in diesem Zusammenhang auch die institutionelle Zurückhaltung ihrer eigenen Einrichtung gegenüber öffentlichen politischen Stellungnahmen und die Debattenkultur in solch einer Einrichtung, die es sich zur »hausinterne[n] Regel« gemacht hat (was nach Geulens Argumentation auch als eine Art ›Aktivismus von oben‹ benannt werden kann), Petitionen nicht mit ZfL-Institutsmails zu unterzeichnen (vgl. Geulen 2025, 7). Sie verweist auf ein Klima, in dem wissenschaftliche Institutionen zunehmend Gefahr laufen, zur Projektionsfläche politischer Konflikte zu werden, und zwar unabhängig davon, ob sie sich artikulieren oder schweigen. Die Entscheidung zur Zurückhaltung sei daher weniger Ausdruck von Indifferenz als von strategischer Sensibilität. Mit den Worten »Rücksichtnahme und Vorsicht angesichts großer Empfindlichkeiten« (Geulen 2025, 7) beschreibt sie ein institutionelles Selbstverständnis, das die gegenwärtige politische Atmosphäre als von gesteigerter Polarisierung geprägt wahrnimmt und die eigene Positionierung darin als potenziell riskant einschätzt. In diesem Zusammenhang tritt eine grundlegende Ambivalenz im Wissenschaftsdiskurs zutage: Die Aufforderung zur politischen Verantwortung kollidiert mit der Einsicht in die politische Verletzlichkeit wissenschaftlicher Akteur*innen. Die wissenschaftliche Öffentlichkeit erscheint, wie viele andere auch, zunehmend als konfliktgeladene Zone, in der bereits die Geste der Stellungnahme und Solidarität trotz eines bedeutenden sozialen Kapitals im Diskurs nicht organisch erscheint oder erfolgt.
Diese institutionelle Vorsicht, wie sie etwa von Eva Geulen im Kontext des ›Aktivismus von oben‹ beschrieben wird, lässt sich assoziativ mit einem ZEIT-Artikel von Anna-Maria Scholz aus dem Jahr 2016 verbinden, der unter dem Titel »Prof. Dr. Mutlos« eine verbreitete politische Zurückhaltung insbesondere im Fach Germanistik diagnostiziert (vgl. Scholz 2016). Scholz beschreibt eine Disziplin, deren Vertreter*innen sich (ihren persönlichen Beobachtungen zufolge) nur zögerlich auf öffentlich relevante oder gesellschaftlich virulente Themen einlassen. Die geringe mediale Präsenz und gesellschaftliche Wahrnehmbarkeit der Germanistik sei dabei nicht primär Ausdruck mangelnden Interesses von außen, sondern vielmehr Ergebnis einer selbstgewählten Zurückhaltung, also einer institutionellen Haltung, die politische Sichtbarkeit zunächst zurückstellt, und das ist eine Einordnung, mit der die Geisteswissenschaften wiederholt konfrontiert werden (vgl. Martus/Spoerhase 2022, 17). Scholz’ Beitrag ist zwar keine empirische Studie, entfaltet jedoch durch seine Veröffentlichung in einer der auflagenstärksten deutschen Zeitungen erhebliche Reichweite und vermittelt persönliche Eindrücke in einem breiten öffentlichen Forum. In dieser Beschreibung überkreuzen sich zwei Tendenzen: Einerseits wird die Germanistik für ihr Schweigen im öffentlichen Diskurs kritisiert, andererseits offenbart sich hierin auch die institutionelle Zerrissenheit, die Geulen im Kontext von ›Aktivismus von oben‹ thematisiert: Die Furcht, durch politische Positionierungen zur Projektionsfläche oder gar Zielscheibe zu werden, führt zu einem Rückzug, zu einem Nicht-Handeln, einem Nicht-Aktiv-Werden, einem Ausbleiben des Aktivismus aus institutioneller Klugheit oder Vorsicht.
Vor dem Hintergrund gegenwärtiger Forderungen nach politischer Positionierung von Wissenschaft (vgl. Allmendinger/Wilkoszewski 2019) wird jedoch deutlich, dass eine entpolitisierte Germanistik, wie Scholz zuspitzt, langfristig keine tragfähige Option darstellt. Der von Geulen beschriebene ›Aktivismus von oben‹ adressiert gerade diese Konstellation: Er reagiert auf das vermeintliche Vakuum wissenschaftlicher Selbstverantwortung mit externer Steuerung, deren affirmativer Impuls jedoch nicht selten in disziplinierende Eingriffe umzuschlagen droht. Die Herausforderung besteht somit darin, Räume für wissenschaftliche Selbstpositionierung zu schaffen, ohne sich entweder einem paternalistischen Steuerungsregime zu unterwerfen oder in die akademische sowie gesellschaftliche Bedeutungslosigkeit zu verfallen. Geulen selbst, tätig sowohl an einer Universität als auch an einer außeruniversitären Forschungseinrichtung, verweist darauf, dass Transferleistungen (etwa im Rahmen forschungsbasierter Lehre) durchaus zum wissenschaftlichen Selbstverständnis gehören können (vgl. Geulen 2021). Sie betont jedoch zugleich, dass darüber hinausgehende Formen des Transfers nicht zur institutionellen oder persönlichen Pflicht von Wissenschaftler*innen erhoben werden dürfen. In dieser Unterscheidung liegt ein wichtiger Hinweis auf die Grenzen politischer Funktionalisierung: Während wissenschaftliche Erkenntnisse gesellschaftlich wirksam werden können, folgt aus dieser Möglichkeit nicht automatisch ein Anspruch auf aktive Intervention. Der Ort der Wissenschaft wird so als Ort des Fragens, der Reflexion und der methodisch kontrollierten Verlangsamung gedacht, der aktivistisches Handeln zulässt, aber nicht dazu verpflichtet.
4 Emanzipatorische Traditionen und Autonomiegrenzen
Der Aktivismus in der Wissenschaft, so Marcel Lepper, sei »gegenwärtig ein großes Thema. […] Die Grundidee, dass Wissenschaft unpolitisch sei, ist bereits instrumentell und funktionalisierbar. Die Politisierung ist immer schon da« (Lepper/Encke/Weiß 2024, 730). Literaturtheorien, die gesellschaftliche Machtverhältnisse kritisch hinterfragen, sind den Geisteswissenschaften schon seit langem vertraut. So haben bekanntlich die Postkolonialstudien einen Wendepunkt in der Literaturwissenschaft markiert, indem sie neue Perspektiven auf Machtstrukturen und Diskurse eröffneten. Ebenso sind emanzipatorische Momente in der Literaturwissenschaft, die die politisch-soziale Dimension von Literatur anerkennen, längst etabliert, beispielsweise durch queer-theoretische oder feministische Ansätze. Alle diese Ansätze wollten das Versprechen einlösen, die Forschung zu diversifizieren, inklusiver zu gestalten und durch die Abbildung der auch in der Gesellschaft tatsächlich vorhandenen Vielfalt zugleich eine plural gedachte und qualitativ hochwertigere Forschung zu betreiben. Diese Bewegungen entstanden aber nicht, weil sie ›von oben‹ gefordert wurden. Diese Entwicklungen gingen nicht auf top-down verordnete Maßnahmen zurück, sondern entstanden aus innerfachlichen Dynamiken und politischen Notwendigkeiten heraus. Sie haben sich aus disziplininternen Impulsen sowie gesellschaftspolitischen Erfordernissen herausgebildet. Ihre Etablierung war oft auch kontingent und abhängig von bestimmten Akteur*innen, individuellen Netzwerken, intellektuellen Allianzen, institutionellen Freiräumen und manchmal schlicht günstigen historischen Momenten. Damit wird deutlich: Auch wissenschaftlicher Wandel ist nicht bloß das Resultat rationaler, notwendiger Erkenntnisprozesse, sondern immer auch in Machtverhältnisse und personelle Konstellationen eingebunden. Wenn hier von ›politischen Notwendigkeiten‹ die Rede ist, so soll damit nicht ein deterministischer Verlauf von Disziplinentwicklung behauptet werden. Gemeint ist vielmehr, dass bestimmte gesellschaftliche und theoretische Problemlagen von den beteiligten Akteur*innen als dringlich empfunden wurden und dadurch Handlungsdruck erzeugten. Aktivismus entsteht in diesem Sinne weder rein spontan noch rein notwendig: Er ist häufig organisiert und geplant, bleibt aber in seinen Wirkungen kontingent und in seinen Ergebnissen schwer prognostizierbar. Gerade diese Spannung ist konstitutiv für wissenschaftlichen Aktivismus.
Eva Geulen äußert in ihren Überlegungen die These, dass dort, wo diese Prozesse von ›oben‹ gesteuert werden, die Legitimität der Forschung infrage steht (vgl. Geulen 2023). Diese Frage führt zu einem zentralen Punkt der kritischen Theorie: Es gilt zu fragen, wer das Privileg hat, die gesellschaftlichen Normen und ›wahren‹ Wissensdiskurse zu bestimmen und mitzubestimmen. Es gilt, die hegemonialen Strukturen, die auch die Literaturwissenschaft prägen, tatsächlich zu überwinden. Machtverhältnisse, die darüber bestimmen, was beispielsweise an Universitäten durch autorisiertes wissenschaftliches Personal mitbestimmt, was als literarisch wertvoll gilt und was nicht, gilt es zu beschreiben. Im nächsten Schritt ist die Grenze zwischen notwendiger politischer Verantwortung und problematischer Diskurslenkung zu bestimmen. Gerade vor dem Hintergrund aktueller rechter Bewegungen in der Literaturwissenschaft (vgl. Busch/Hoffmann/Kempke 2024) stellt sich mit neuer Dringlichkeit die Frage nach der angemessenen Reaktion seitens der Wissenschaft, eine Reaktion, die weder in normative Übersteuerung noch in unreflektierte Neutralität verfällt. Gefordert ist vielmehr eine Haltung, die sich ihrer politischen Verstricktheit bewusst bleibt, ohne die wissenschaftliche Urteilskraft und methodische Offenheit preiszugeben. Dabei wird durch einzelne Instanzen (Förderorganisationen, Fachgesellschaften, Universitäten etc.) die Mitgestaltung im wissenschaftlichen Feld organisiert. Die Herausforderung liegt darin, diese verschiedenen Akteur*innen in ein Spannungsverhältnis von Steuerung und Autonomie einzubetten, das wissenschaftliche Freiheit wahrt.
›Aktivismus von oben‹ klingt zunächst nach Lenkung, nach einer potenziellen Einschränkung wissenschaftlicher Freiheit, die dadurch einen pluralen und offenen Diskurs gefährdet. Sicherzustellen ist allerdings, dass zentrale gesellschaftliche Herausforderungen (wie die Analyse marginalisierter Literaturen, der Umgang mit kolonialen Machtverhältnissen in der Literaturwissenschaft oder die literaturwissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Klimakrise) in unserer Gegenwart genügend Aufmerksamkeit erhalten. Wissenschaftliche Selbststeuerung und gesellschaftliche Verantwortung müssen in ein produktives Verhältnis gebracht werden. Eine völlige Themenoffenheit, auch gegenüber problematischen oder antidemokratischen Positionen, erweist sich als kaum tragfähige Option. Eine gewisse normative Rahmung wissenschaftlicher Praxis scheint daher unvermeidlich, nicht zuletzt um den in der akademischen Lehre verankerten Auftrag zur Vermittlung demokratischer Werte zu gewährleisten.[4] Als denkbare Form bietet sich, wie Caroline Levine in »The Activist Humanist« vorgeschlagen hat, eine ›ethische Selbstmobilisierung‹ an (Levine 2023). Beispiele wie Levines »The Activist Humanist« zeigen, dass es auch Formen des Aktivismus innerhalb der Geisteswissenschaften gibt, die nicht von außen gesteuert, sondern als methodisch begründete, ethisch motivierte Selbstreflexion der Disziplin gedacht sind. Ein solcher Ansatz steht nicht im Gegensatz zu wissenschaftlicher Autonomie, sondern versteht sie gerade als Verantwortung gegenüber Gegenwart und Zukunft. Gleichwohl wirft auch diese Form von aktivistischer Ausrichtung die Frage auf, wo der schmale Grat zwischen Selbstverpflichtung und normativer Überformung verläuft.
Möglicherweise offenbart sich hier ein grundlegendes Strukturproblem dessen, was unter Aktivismus gefasst wird: Der Erfolg oder das Gelingen des Aktivismus entzieht sich in mehrfacher Hinsicht klarer Prognostizierbarkeit wie auch belastbarer Evaluierbarkeit. Weder lässt sich im Vorfeld verlässlich bestimmen, welche Interventionen tatsächlich diskursverändernd wirken, noch existieren standardisierte Maßstäbe, anhand derer sich ein etwaiger Erfolg eindeutig bemessen ließe. Aktivismus bleibt somit nicht nur kontingent in seinen Wirkungen, sondern auch prekär in seiner Bewertung. In dieser Konstellation erscheint ein ›Aktivismus von oben‹ zunächst als pragmatische Antwort auf die beobachtete und beschriebene politische Zurückhaltung innerhalb einzelner Disziplinen, also als Versuch, normative Orientierung dort zu stiften, wo Selbstpositionierung ausbleibt. Zugleich aber ist dieses Modell in sich paradox: Es setzt auf externe Steuerung, um politische Wirksamkeit zu erzeugen, untergräbt dabei jedoch genau jene Unvorhersehbarkeit dessen, was die Natur des Aktivismus ist.
Wenn hier betont wird, dass die Wirkung geisteswissenschaftlicher Forschung kaum prognostizierbar und der Einfluss des Aktivismus nur schwer evaluierbar ist, so bezieht sich dies auf direkte kausale Effekte. Dem ist hinzuzufügen, dass sich Formen öffentlicher Resonanz durchaus beobachten lassen. Ob und wie literaturwissenschaftliche Forschung in gesellschaftliche Debatten einspeist, kann als Indikator von Relevanz gelten, auch wenn dies nicht mit der Messbarkeit von gesellschaftspolitischen Wirkungen gleichzusetzen ist. Wenn Relevanz in den Geisteswissenschaften nicht über direkte Kausaleffekte, sondern über Resonanz und disziplininterne Lernprozesse sichtbar wird, stellt sich beispielsweise für Gutachten die Frage, welche Evidenzen dafür gelten dürfen: z. B. dokumentierte Formen von Kooperation, Zugänglichkeit von Ergebnissen für nicht-akademische Öffentlichkeiten oder reflektierte Positionalität. Die jüngste Übersichtsarbeit zur Scholar-Activism-Literatur konstatiert gerade hier blinde Flecken und fordert klarere, pluralere Begutachtungsmaßstäbe (vgl. Bashiri/Vico/Hymlö 2025).
5 Folgen für Gegenstandsbezug und Verfahren
Im Zeichen ›relevanter‹ Forschung (z. B. zu Diversität, Ökologie, Gender oder sozialer Gerechtigkeit) würde die Literaturwissenschaft zunehmend daraufhin befragt, was sie ›bringt‹, für wen sie spricht, und wofür sie einsteht. Die vielleicht folgenreichste Veränderung durch einen ›Aktivismus von oben‹ betreffe in diesen Diskussionen das Verhältnis von Literaturwissenschaft zu ihrem Gegenstand. Dabei ergeben sich Konfliktlagen zwischen Erkenntnisinteresse und politischem Mandat. Die Literaturwissenschaft steht dabei exemplarisch im Spannungsfeld von Verantwortung, Bürokratisierung und epistemischer Entgrenzung. Themen wie Diversität, Gender, Migration oder Klimawandel, die in diesen Debatten wiederholt genannt werden (vgl. Bashiri/Vico/Hymlö 2025), würden sodann nicht mehr nur als Gegenstände wissenschaftlichen Interesses, sondern zunehmend auch als administrative Förderkategorien erscheinen.
Zwar beschreibt sich die Geisteswissenschaft in der Bundesrepublik häufig als Ort reflexiver Distanz und kritischer Ambivalenz, doch handelt es sich hierbei eher um eine normative Selbstzuschreibung als um eine historisch eingelöste Autonomie. Die Wissenschaftsgeschichte zeigt vielmehr, dass politische, ökonomische und gesellschaftliche Verflechtungen stets gegeben waren. Geulen verweist in ihrer eingangs erwähnten Eröffnungsrede so auf Hannah Arendt und Jürgen Habermas, mit denen man für eine Wissenschaft argumentieren könnte, die bewusst eine kritische Distanz zur Macht wahrt. Wenn im vorliegenden Text von einem Dilemma zwischen Autonomie und Steuerung die Rede ist, so bezeichnet dies keine historische Realität einer jemals völlig autonomen Wissenschaft, sondern eine normative Selbstbeschreibung, die sich in der Wissenschaftsgeschichte wiederholt artikuliert hat. Die Vorstellung einer ›reinen‹ Wissenschaft gehört zu den Illusionen des wissenschaftlichen Feldes (vgl. Bourdieu 1992). Tatsächlich waren politische, ökonomische und gesellschaftliche Verflechtungen immer gegeben, und zwar auch im deutschen Kontext, von der Humboldt’schen Universitätsidee bis zu den massiven Eingriffen in NS- und DDR-Zeit.
Durch einen ›Aktivismus von oben‹ würde die Kritik im Prinzip normativ gerahmt. Kritik würde dadurch nicht unmöglich, aber sie würde in einem gewissen Rahmen vordefiniert werden. Für die Literaturwissenschaft hieße das, dass Erkenntnisprozesse (in den Förderlogiken) nicht mehr als offen, kontingent und kritisch reflektierend gedacht werden, sondern als steuerbare und zielgerichtete Instrumente gesellschaftlicher Transformation. Ihnen wird damit eine Planbarkeit unterstellt. Dabei zeichnet sich die Disziplin eher weniger durch lineare und prognostizierbare Reflexionsprozesse aus. Planbarkeit würde suggerieren, dass bestimmte Ergebnisse vorweggenommen oder systematisch herbeigeführt werden können. Das widerspricht dem offenen, reflexiven Charakter der geisteswissenschaftlichen Forschung. Dies gehört zu den grundlegenden Annahmen hermeneutischer Erkenntnistheorie. Auch ohne an dieser Stelle die komplexen Theorien von etwa Wilhelm Dilthey, Hans-Georg Gadamer oder Jacques Derrida im Detail zu rekapitulieren, lässt sich festhalten: In den Geisteswissenschaften gilt Erkenntnis nicht als linearer, methodisch exakt steuerbarer Vorgang, sondern als offener, prozesshafter Akt des Verstehens, der sich stets neu aus historischen und kulturellen Kontexten heraus entfaltet. Diese Auffassung ist tief in der geisteswissenschaftlichen Selbstbeschreibung verankert, sie versteht Erkenntnis als zudem prinzipiell unabgeschlossen. Die Forschungsfragen in den Geisteswissenschaften sind im Kontrast zu empirisch-analytisch verfahrender Natur- oder Sozialwissenschaft eher kontingent und kulturell sowie historisch eingebettet. Zudem ist die Erkenntnis der Geisteswissenschaften weniger messbar und macht es für ein Instrument einer politischen Agenda damit zum Problem. Dem könnte man entgegenhalten, dass durch die Identifizierung von ›Lücken‹ eine gewisse Steuerung durchaus möglich ist. Ob sich aber durch die Erweiterung eines Lesekanons,[5] wie er bei dem Wunsch nach Diskursveränderung oft diskutiert wird, eine messbare Veränderung verzeichnen oder erwirken lassen wird, ist nicht abschließend geklärt. Eine inhaltliche Steuerung, verstanden als gezielte Förderung bislang marginalisierter Wissensbestände, kann aber durchaus mit dem Selbstverständnis einer kritischen und aktivistischen Literaturwissenschaft vereinbar sein. An dieser Stelle ließe auch auf die Idee eines »literary activism« (z. B. Karmakar 2024) verweisen, die auf die transformatorische Kraft literarischer Narrative zielt. Diese Perspektive führt zwar über das hier verhandelte Thema hinaus, macht aber deutlich, dass Literatur selbst aktivistische Potenziale entfalten und für eine entsprechend engagiert ausgerichtete Literaturwissenschaft Anlass sein kann. Dies gilt nicht nur für Forschung, sondern auch für die Lehre: Literaturdidaktik kann als Raum verstanden werden, in dem Studierende nicht nur interpretieren, sondern zugleich ethische und gesellschaftliche Fragen reflektieren (vgl. Karmakar 2024).
6 Akteur*innen, Alternativen und Selbststeuerung
Der ›Aktivismus von oben‹ suggeriert, dass die Entscheidungsträger*innen ›da oben‹ die richtigen seien, legitimiert durch Kompetenz, Verantwortung oder moralische Autorität. Es wird unterstellt, angenommen oder vorausgesetzt, dass ihre Eingriffe wissenschaftlichen oder demokratischen Grundprinzipien nicht widersprechen, sondern sie bewahren. Dass sie bestimmte Maßnahmen einfordern, um die Wissenschaft vor ideologischer Vereinnahmung, Bedeutungsverlust oder der Gefahr ihrer eigenen Entwertung zu schützen. Eine Idee, die beim Autor Kurt Hiller, der sich selbst als Aktivist und Pazifist bezeichnet, Logokratie genannt wird und eine eher weniger demokratische Idee war (vgl. Hiller 1916). In seinem »Bund der Geistigen« sollte eine Gruppe Ausgewählter für die ganze Menschheit denken und gar vordenken, um den Weltfrieden herzustellen, aber nicht despotisch werden, nicht autoritär herrschen, sondern das Ziel bei Hiller ist die Aufklärung aller; wenn dieser, wie er es nennt, paradiesische Zustand erreicht ist, dann braucht es auch keine Anführer*innen mehr. Diese Vision einer epistemischen Elite am Anfang des 20. Jahrhunderts, die der Gesellschaft durch geistige Lenkung dient, wirkt aus heutiger Perspektive beinahe dystopisch. Zugleich verweist sie auf ein wiederkehrendes Motiv: die Vorstellung, dass Wissenschaft und intellektuelle Arbeit eine Schutzfunktion gegenüber gesellschaftlicher Irrationalität übernehmen könnten oder müssten. Dass die Gruppe um Hiller letztlich politisch marginal blieb, nimmt diesem Konzept jedoch nicht seine ideengeschichtliche Relevanz, vielmehr eröffnet es einen kritischen Vergleichshorizont zur Gegenwart. Wissenschaftler*innen als Expert*innen werden in unserer Gegenwart meist
erst aufgrund eines spezifischen Auftrags von politischer, das heißt hier zumeist staatlicher Seite aktiv […]. Für viele Aktivitäten von Wissenschaftler*innen, wie sie sich insbesondere seit den 1960er Jahren in Formen eines politischen oder gesellschaftlichen Aktivismus beobachten lassen, scheint aber weder die Form staatlicher Expertengremien noch die Rolle des kritischen Intellektuellen eine angemessene Beschreibung darzustellen. (Germann/Held/Wulz 2022, 436)
Alternativen zu einer von oben verordneten Agenda liegen etwa in der Selbststeuerung durch Fachgesellschaften, in der Offenheit von Peer-Review-Verfahren für neue Themen oder in der curricularen Erweiterung durch engagierte Lehrstühle. Auch zivilgesellschaftlicher Druck hat in der Vergangenheit eine Rolle gespielt, er ist jedoch nicht die einzige Triebkraft. Gerade die Kombination von innerfachlicher Dynamik und öffentlicher Resonanz hat wiederholt dazu beigetragen, dass etwa Randthemen in den Kanon aufgenommen wurden. Es muss über die Eigeninitiative des Fachs, über seine Selbstreflexion, seine Offenheit, seine Verantwortung diskutiert werden. Und diese Diskussionen markieren sodann keinen Abschluss, sondern den Beginn einer dringend notwendigen Selbstverständigungsdebatte innerhalb des Fachs, über seine Impulse, seine Versäumnisse und die Bedingungen seiner eigenen zukünftigen Relevanz. In den derzeitigen Abhandlungen über activist scholars liest man so etwa: »reflexivity is essential, according to some scholar-activism literature. This involves continuously questioning one’s biases, assumptions, and positionality to uncover uneven power-knowledges« (Bashiri/Vico/Hymlö 2025, 7).
Ein ›Aktivismus von oben‹, der versucht, die Offenheit geisteswissenschaftlicher Forschung und die Unvorhersehbarkeit von Aktivismus in festgelegte Bahnen zu lenken, läuft Gefahr, sowohl das Wesen geisteswissenschaftlicher Erkenntnis als auch das Potenzial von Aktivismus zu verfehlen. Denn weder lässt sich die Wirkung kritischer Reflexion sicher garantieren, noch kann ihre gesellschaftliche Relevanz extern determiniert werden. Die zentrale Aufgabe der Literaturwissenschaft liegt daher vermutlich nicht in der Umsetzung vorgegebener politischer Agenden, sondern in der kritischen Auseinandersetzung mit ihrer eigenen epistemischen Verantwortung auch und gerade im Angesicht gesellschaftlicher Transformationsprozesse. Wenn hier von ›der Literaturwissenschaft‹ die Rede ist, so meint dies nicht eine homogene Instanz, sondern ein Geflecht aus Akteur*innen und Institutionen: Fachgesellschaften, Universitäten, Berufungskommissionen, Förderorganisationen und nicht zuletzt zivilgesellschaftliche Resonanzräume. Gerade in diesen Kontexten kann und muss die kritische Auseinandersetzung mit ›Aktivismus von oben‹ erfolgen. Entscheidend ist dabei nicht die Umsetzung vorgegebener politischer Agenden, sondern die Reflexion darüber, wie Förderentscheidungen, curriculare Weichenstellungen und disziplinäre Selbstverständigungen miteinander verschränkt sind. Eine solche institutionell verankerte Verantwortung unterscheidet sich deutlich von Hillers Idee einer geistigen Elite, da sie deliberativ, plural und transparent organisiert ist.
In diesem Sinne erscheinen die von Eva Geulen geäußerten Vorbehalte gegenüber einem genuinen ›Aktivismus von oben‹ als berechtigt, insofern es sich hierbei um restriktive Eingriffe machtvoller Instanzen handelt. Zugleich ist damit nicht bestritten, dass steuernde Impulse notwendig sein können; im engeren Sinne lassen sie sich jedoch nur dann als aktivistisch bezeichnen, wenn sie affirmativ und von unten ausgehen. Eine produktive Alternative zu einem restriktiven ›Aktivismus von oben‹ läge darin, dass die eben genannten Akteur*innen selbst Verantwortung übernehmen und in deliberativen Verfahren Impulse setzen, und zwar nicht als externe Vorgaben, sondern als Ausdruck disziplinärer Selbstreflexion und mit dem Ziel Pluralität, Diversität und inklusive Partizipation zu fördern.
7 Fazit
Im Anschluss an die hier skizzierten Überlegungen lässt sich vorläufig festhalten, dass ›Aktivismus‹ im engeren Sinn wohl eher dort anzusiedeln ist, wo er affirmativ und von unten getragen wird, also als Form basisnaher Selbstmobilisierung. Formen hierarchischer Steuerung, externe Eingriffe oder gar sanktionsförmige Maßnahmen lassen sich demgegenüber eher als politische oder administrative Einflussnahmen beschreiben, deren Nähe zu aktivistischen Praktiken zumindest fragwürdig bleibt. Das heuristische Raster, das intern und extern mit oben und unten sowie affirmativ und repressiv kombiniert, kann dazu beitragen, diese unterschiedlichen Modi systematisch voneinander zu unterscheiden. Zugleich erlaubt es, die Spannungsfelder sichtbar zu machen, in denen Förderlogiken, Gatekeeping oder auch Sanktionen wirken und die Autonomie der Forschung berühren. Für die Literaturwissenschaft ergibt sich in diesem Zusammenhang weniger eine eindeutige Handlungsanweisung, sondern vielmehr eine Orientierung, die den Blick auf das Verhältnis von gesellschaftlicher Relevanz und disziplinärer Eigenlogik lenkt. Relevanz dieser Forschung zeigt sich dabei nicht in vermeintlich klar messbaren Kausaleffekten, sondern eher in Resonanzen öffentlicher Debatten sowie in disziplininternen Lernprozessen.
Danksagung
Der Beitrag wurde gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) im Rahmen der Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder innerhalb des Exzellenzclusters Temporal Communities: Doing Literature in a Global Perspective – EXC 2020 – Projekt-ID 390608380. Ein Dank für den Austausch und Feedback gilt Alrik Daldrup, Anna Jurgan und Stefanie Messner. Lilly Welz danke ich für die großzügige redaktionell Unterstützung. Die Anmerkungen der anonymen Gutachter*innen haben wesentlich dazu beigetragen, die Argumentation zu schärfen.
Literatur
Aktivismus in der Wissenschaft – Geht das?, Folge 8, BR50 Podcast (Berlin Research – Forschung in Berlin), 2022, https://www.br50.org/podcast (01.06.2025).Search in Google Scholar
Aktivismus und Wissenschaft I. Zur Theorie, Geschichte und Aktualität einer Provokation, Konferenz vom 27.–29.10.2022 am Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung in Berlin in Kooperation mit dem Deutschen Literaturarchiv Marbach (Organisation: Patrick Eiden-Offe/Eva Geulen/Henning Trüper), https://www.zfl-berlin.org/veranstaltungen-detail/items/aktivismus-und-wissenschaft-i-zur-theorie-geschichte-und-aktualitaet-einer-provokation.html (01.06.2025).Search in Google Scholar
Allmendinger, Jutta/Harald Wilkoszewski, Sagt was, Wissenschaftler! Zurückhaltung bei Klimaschutz und Gleichstellung wäre fatal, Tagesspiegel, 02.10.2019, https://www.tagesspiegel.de/wissen/zuruckhaltung-bei-klimaschutz-und-gleichstellung-ware-fatal-5342236.html (01. 06. 2025).Search in Google Scholar
Bashiri, Farzana/Eugenia Perez Vico/Anders Hymlö, Scholar-Activism as an Object of Study in a Diverse Literature. Preconditions, Forms, and Implications, Humanities and Social Sciences Communications 12:1 (2025), 1–14, https://doi.org/10.1057/s41599-025-05573-6.10.1057/s41599-025-05573-6Search in Google Scholar
Bourdieu, Pierre, Homo academicus, übers. von Bernd Schwibs, Frankfurt a.M. 1992.Search in Google Scholar
Busch, Nicolai/Torsten Hoffmann/Kevin Kempke (Hg.), Neurechte Literatur und Literaturpolitik, Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 98:4 (2024).10.1007/s41245-024-00259-4Search in Google Scholar
Germann, Pascal/Lukas Held/Monika Wulz, Scientific Political Activism – eine Annäherung an das Verhältnis von Wissenschaft und politischem Engagement seit den 1960er Jahren, NTM Zeitschrift für Geschichte der Wissenschaften, Technik und Medizin 30:4 (2022), 435–444, https://doi.org/10.1007/s00048-022-00345-8.10.1007/s00048-022-00345-8Search in Google Scholar
Geulen, Eva, Geisteswissenschaften heute. Ihr Sollen, Wollen, Können – und ihr Unvermögen, Vortrag im Rahmen der Reihe Transfer neu denken. Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften in der Gesellschaft an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, 25.03.2021, https://www.youtube.com/watch?v=GoiQa0gCJns (01.06.2025).Search in Google Scholar
Geulen, Eva, Wiedergänger der Geistesgeschichte, Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 97:1 (2023), 87–94, https://doi.org/10.1007/s41245-023-00159-z.10.1007/s41245-023-00159-zSearch in Google Scholar
Geulen, Eva, Vorwort – Wenn Wirklichkeit Wissenschaft einholt und wie Wissenschaft sprechfähig bleibt, Interjekte 15 (2025), 4–8, https://doi.org/10.13151/IJ.2025.15.01.Search in Google Scholar
Geulen, Eva/Steffen Martus/Carlos Spoerhase, JLT-Gespräch: Die Praxis der Literaturtheorie, Journal of Literary Theory 18:2 (2024), 121–147, https://doi.org/10.1515/jlt-2024-2006.10.1515/jlt-2024-2006Search in Google Scholar
Hiller, Kurt, Philosophie des Ziels, Das Ziel. Aufrufe zu tätigem Geist (1916), 187–217.Search in Google Scholar
Karmakar, Goutam, Literature, Activism and Transformative Learning, Current Writing. Text and Reception in Southern Africa 36:2 (2024), 101–108, https://doi.org/10.1080/1013929X.2024.2410067.10.1080/1013929X.2024.2410067Search in Google Scholar
Kim, David D. (Hg.), Wer hat Angst vor Aktivismus?, Jahrbuch der Deutschen Schillergesellschaft 66 (2022), 429–462.Search in Google Scholar
Lepper, Marcel/Julia Encke/Volker Weiß, Stellung beziehen? Zum journalistischen und wissenschaftlichen Umgang mit der Neuen Rechten. Ein Podiumsgespräch mit Marcel Lepper und Volker Weiß, moderiert von Julia Encke, Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 98:4 (2024), 727–737, https://doi.org/10.1007/s41245-024-00263-8.10.1007/s41245-024-00263-8Search in Google Scholar
Levine, Caroline, The Activist Humanist. Form and Method in the Climate Crisis, Princeton, NJ/Oxford 2023, https://doi.org/10.1515/9780691250854.10.1515/9780691250854Search in Google Scholar
Martus, Steffen/Carlos Spoerhase, Geistesarbeit. Eine Praxeologie der Geisteswissenschaften, Berlin 2022.Search in Google Scholar
Middelhoff, Paul/Ron DeSantis, Feindliche Übernahme, Die Zeit, 02.06.2023, https://www.zeit.de/2023/23/ron-desantis-new-college-florida-republikaner-queere-community/seite-2 (21.09.2025).Search in Google Scholar
Rahbari, Ladan et al., Activism and Academia. An Interdisciplinary Dialogue on Academic Freedom and Social Engagement, Journal of Higher Education Policy and Management 47:1 (2025), 73–89, https://doi.org/10.1080/1360080X.2024.2390197.10.1080/1360080X.2024.2390197Search in Google Scholar
Scholz, Anna-Lena, Prof. Dr. Mutlos, Zeit Campus, 20.10.2016, https://www.zeit.de/2016/42/geisteswissenschaftler-kongresse-germanisten-historiker (01.06.2025).Search in Google Scholar
Truskolaski, Sebastian, Aktivismus, offensiv und polemisch. Randbemerkung zur Frühgeschichte eines Begriffs, ZfL Blog, 07.03.2024, https://doi.org/10.13151/ZFL-BLOG/20240307-01 (01.06.2025).Search in Google Scholar
© 2026 bei den Autoren, publiziert von Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston
Dieses Werk ist lizenziert unter der Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.
Articles in the same Issue
- Titelseiten
- Editorial
- Literature, Politics, and the Ethics of Otherness
- Literary Criticism as Political Practice: Responsibility, Engagement, Solidarity
- Literary Studies and the Politics of Indirectness
- »When Your Democracy Is on Fire, It’s All Hands on Deck«
- The Politics of Disruption
- What Makes Cultural Studies Political
- Zur Unterscheidung von kognitivem und aktivistischem Stil
- The Dangers of Militant Identity in the Humanities
- The Critic as Producer (?)
- Archimedes und Argus. Wissenschaftlicher Anspruch und literarische Wirklichkeit (Archimedes and Argus. Scientific Ambition and Literary Reality)
- ›Aktivismus von oben‹ in der Literaturwissenschaft
- Implicit Seminars: Intellectual Collectives and the Humanities in Socialist Poland
- Articles
- The Supreme Music: Philosophy and Poetry According to Giorgio Agamben
- Der Reiz des Bekannten – Überlegungen zur Relevanz transtextueller Figuren am Beispiel Marias von Nazareth
- A Three-Dimensions Model of Literary Reading: First- and Second-Generation Approaches, and Shared Conceptualisations
Articles in the same Issue
- Titelseiten
- Editorial
- Literature, Politics, and the Ethics of Otherness
- Literary Criticism as Political Practice: Responsibility, Engagement, Solidarity
- Literary Studies and the Politics of Indirectness
- »When Your Democracy Is on Fire, It’s All Hands on Deck«
- The Politics of Disruption
- What Makes Cultural Studies Political
- Zur Unterscheidung von kognitivem und aktivistischem Stil
- The Dangers of Militant Identity in the Humanities
- The Critic as Producer (?)
- Archimedes und Argus. Wissenschaftlicher Anspruch und literarische Wirklichkeit (Archimedes and Argus. Scientific Ambition and Literary Reality)
- ›Aktivismus von oben‹ in der Literaturwissenschaft
- Implicit Seminars: Intellectual Collectives and the Humanities in Socialist Poland
- Articles
- The Supreme Music: Philosophy and Poetry According to Giorgio Agamben
- Der Reiz des Bekannten – Überlegungen zur Relevanz transtextueller Figuren am Beispiel Marias von Nazareth
- A Three-Dimensions Model of Literary Reading: First- and Second-Generation Approaches, and Shared Conceptualisations