Die Mädchenfrage. Zum historischen Bezugsproblem von Gabriele Reuters Aus guter Familie
Gabriele Reuters Roman Aus guter Familie (1895) wurde im Rahmen der feministischen Literaturkritik vornehmlich als literarischer Ausdruck der Frauenbewegung verstanden. Der vorliegende Beitrag rekonstruiert einen bislang unberücksichtigten diskursgeschichtlichen Kontext des Romans, der sich in den Rezeptionszeugnissen und der zeitgenössischen Ratgeber- und Sachliteratur abzeichnet. Unter dem Titel der ›Mädchenfrage‹ wurden im ausgehenden 19. Jahrhundert die besorgniserregende demographische Beobachtung eines statistischen Frauenüberschusses und die dadurch verminderten Heiratschancen bürgerlicher Mädchen diskutiert. Eine Berücksichtigung dieses Problemdiskurses ermöglicht es, hinter einige Übergeneralisierungen im heutigen Verständnis des Romans zurückzusetzen und sein Sujet historisch so zu spezifizieren, dass seine makrostrukturelle Anlage transparent wird.
In feminist literary criticism Gabriele Reuter's novel Aus guter Familie (1895) was primarily understood as a literary expression of the women's liberation movement. The present contribution reconstructs one discourse-historical context of the novel that has not been considered up to now, and which can be observed in contemporary reception, non-fiction and companion books. At the end of the 19th century, under the title of the »Mädchenfrage«, discussions were held on the worrying observation of a statistical surplus of women and the resulting diminished chances of marriage for bourgeois girls. Taking this problem discourse into consideration allows us to reassess some of the over-generalisations in today's understanding of the novel and historically specify its subject in such a way that its macrostructural composition becomes transparent.
Articles in the same Issue
- Die Mädchenfrage. Zum historischen Bezugsproblem von Gabriele Reuters Aus guter Familie
- Schau-Ereignisse der Großstadt. Theaterwissenschaftliche Überlegungen zur räumlichen Ordnung Berlins in der Kaiserzeit
- Erzählen vor dem Schaufenster. Zu einem literarischen Topos in Thomas Manns Gladius Dei und anderer Prosa um 1900
- Die Fabrikation des Menschen. Literarische Imaginationen von tissue engineering, Reproduktionstechnologien und Transplantationsmedizin im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts
- Vorwort
- Der Genia-Effekt oder Schnitzlers Umgang mit den strukturellen Lücken im Verhältnis der Geschlechter
- Schnitzlers Anfänge. Was Anatol wollen soll
- Arthur Schnitzler und der Verlag Stock
- »Eleganzen und Eitelkeiten, und draußen der Krieg«. Arthur Schnitzler und die propagandistisch überformte Medienlandschaft während des Ersten Weltkriegs
- Arthur Schnitzler's Challenge to the Government Radio Monopoly, September 1927–February 1928
- Über einige Missverständnisse und andere Fragwürdigkeiten in Anke-Marie Lohmeiers Aufsatz »Was ist eigentlich modern?«
- Liste der Rezensionen IASLonline
- Anschriften der BeiträgerInnen
Articles in the same Issue
- Die Mädchenfrage. Zum historischen Bezugsproblem von Gabriele Reuters Aus guter Familie
- Schau-Ereignisse der Großstadt. Theaterwissenschaftliche Überlegungen zur räumlichen Ordnung Berlins in der Kaiserzeit
- Erzählen vor dem Schaufenster. Zu einem literarischen Topos in Thomas Manns Gladius Dei und anderer Prosa um 1900
- Die Fabrikation des Menschen. Literarische Imaginationen von tissue engineering, Reproduktionstechnologien und Transplantationsmedizin im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts
- Vorwort
- Der Genia-Effekt oder Schnitzlers Umgang mit den strukturellen Lücken im Verhältnis der Geschlechter
- Schnitzlers Anfänge. Was Anatol wollen soll
- Arthur Schnitzler und der Verlag Stock
- »Eleganzen und Eitelkeiten, und draußen der Krieg«. Arthur Schnitzler und die propagandistisch überformte Medienlandschaft während des Ersten Weltkriegs
- Arthur Schnitzler's Challenge to the Government Radio Monopoly, September 1927–February 1928
- Über einige Missverständnisse und andere Fragwürdigkeiten in Anke-Marie Lohmeiers Aufsatz »Was ist eigentlich modern?«
- Liste der Rezensionen IASLonline
- Anschriften der BeiträgerInnen