Einfluss des primär ausgeschiedenen Mg2Si-Anteils sowie dessen Verteilung auf die Eigenschaften von sprühkompaktierten AlMgSiCu-Legierungen*
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O. Stelling
, N. Ellendt , Stiftung Institut für Werkstofftechnik (IWT), BremenDipl.-Ing. Olaf Stelling , V. Uhlenwinkel , Fachbereich Produktionstechnik, Universität BremenDipl.-Ing. Nils Ellendt , P. Krug , Stiftung Institut für Werkstofftechnik (IWT), BremenDr.-Ing. Volker Uhlenwinkel , O. Keßler , PEAK Werkstoff GmbH, VelbertDr.-Ing. Peter Krug , H. W. Zoch , Fakultät für Maschinenbau und Schiffstechnik, Universität RostockProf. Dr.-Ing. habil. Olaf Keßler and B. Commandeur , Stiftung Institut für Werkstofftechnik (IWT), Bremen, Sprecher des SFB 570 „Distortion Engineering“Prof. Dr.-Ing. Hans-Werner Zoch , PEAK Werkstoff GmbH, VelbertDipl.-Ing. Bernd Commandeur
Kurzfassung
Legierungen auf Aluminiumbasis zeichnen sich durch eine geringe Dichte bei gleichzeitig guten mechanischen Eigenschaften aus. Die Verstärkung von Aluminiumlegierungen durch Mg2Si kann zu einer weiteren Verbesserung der Eigenschaften, insbesondere der Warmfestigkeit, bei gleichzeitiger Dichtereduzierung beitragen. Durch gängige Gießprozesse lassen sich lediglich geringe Mengen Mg2Si in die Aluminiummatrix einbringen. Das Verfahren des Sprühkompaktierens bietet die Möglichkeit, eine feine Verteilung der Mg2Si-Partikel im Gefüge auch für große Mengen (> 15 Ma.-% Mg2Si) zu erzielen. Eine Vergröberung der Partikel wird hierbei durch hohe Abkühlraten unterdrückt.
Aluminiumlegierungen mit Mg2Si-Gehalten von 22-34 Ma.-% konnten mittels Sprühkompaktieren erfolgreich hergestellt werden. Sie wurden anschließend stranggepresst und wärmebehandelt. Allen Legierungen wurde ca. 1,8 Ma.-% Kupfer beigegeben, um eine zusätzliche Steigerung der Festigkeit durch metastabile Al-Cu-Ausscheidungen zu erreichen.
Die Werkstoffe wurden zur Beurteilung der Ausscheidungsverteilung metallografisch untersucht. Es konnte gezeigt werden, dass für die untersuchten Legierungen die Mg2Si-Partikelgröße sowohl während des Umformens als auch während der Wärmebehandlung nahezu unbeeinflusst bleibt. Die Form und Verteilung der weiteren Phasen hingegen hängt wesentlich vom Wärmebehandlungszustand ab. Mittels Dichte- und Härtemessungen konnte die Gewichtsreduzierung bei gleichzeitiger Verbesserung der mechanischen Eigenschaften nachgewiesen werden. Die Warmfestigkeit der Werkstoffe wurde anhand von Zugversuchen bei erhöhter Temperatur bestimmt. Ein signifikanter Einfluss der durch Variation der Prozessführung beim Sprühkompaktieren eingestellten Mg2Si-Partikelgröße auf die mechanischen Eigenschaften konnte ausgemacht werden.
Anwendungen für diese neuartigen Aluminiumlegierungen sind in Bereichen zu erwarten, in denen geringe Dichten in Verbindung mit hoher Warmfestigkeit gefordert sind, z. B. in Verbrennungsmaschinen. ▪
Abstract
Aluminum based alloys equally exhibit low density and good mechanical properties. Reinforcement of such alloys with Mg2Si can lead to additional improvements in the mechanical properties, especially in thermal resistance, together with a reduction in density. Only a low Mg2Si-content can be reached in aluminium alloys using a common process. A fine distribution and high Mg2Si-content (> 15 mass-% Mg2Si) can be achieved by spray forming. Due to its higher solidification rate the formation of undesired phase morphologies is suppressed by this production technique.
Aluminum alloys with Mg2Si-contents of 22-34 mass-% were successfully spray formed and were subsequently extruded and heat treated. Additional alloying with 1.8 mass-% copper leads to a further increase in strength by metastable Al-Cu-phases.
The microstructure, density and mechanical properties of these new light-weight aluminum alloys have been investigated. The size of the primary Mg2Si-particles in the alloys was not influenced by extrusion or heat treatment while changes in the other phases were observed. An increase in Mg2Si-content reduces the density to below 2.5 g/cm3 while improving the mechanical properties. During tensile tests at elevated temperatures the material exhibits good thermomechanical resistance. The Mg2Si particle size, obtained by variations in the spray forming prozess, had a significant influence on the mechanical properties.
Applications for the new light-weight aluminum alloys can be expected wherever a reduced density together with high hot yield strength would lead to a more compact design in high temperature environments, such as in combustion engines. ▪
About the authors
Dipl.-Ing. Olaf Stelling , Stiftung Institut für Werkstofftechnik (IWT), Bremen
Dipl.-Ing. Nils Ellendt , Fachbereich Produktionstechnik, Universität Bremen
Dr.-Ing. Volker Uhlenwinkel , Stiftung Institut für Werkstofftechnik (IWT), Bremen
Dr.-Ing. Peter Krug , PEAK Werkstoff GmbH, Velbert
Prof. Dr.-Ing. habil. Olaf Keßler , Fakultät für Maschinenbau und Schiffstechnik, Universität Rostock
Prof. Dr.-Ing. Hans-Werner Zoch , Stiftung Institut für Werkstofftechnik (IWT), Bremen, Sprecher des SFB 570 „Distortion Engineering“
Dipl.-Ing. Bernd Commandeur , PEAK Werkstoff GmbH, Velbert
Literatur
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Diskussion /Discussion
P. Krug : Vielleicht einfach noch zur Motivationslage. Diese Legierungstypen besitzen Dichten um die 2,5, d. h. also es ist im Bereich von Aluminium-Lithium-Legierungen, sind allerdings sicherlich von der Herstellweise ähnlich aufwändig herzustellen wie die vorgenannten Legierungen. Die Tests der Dauerfestigkeit haben bislang ergeben, dass wir die höchsten bislang an Aluminiumlegierungen gemessenen Dauerfestigkeiten und der Temperatur darstellen können, also es ist ein recht interessanter Legierungstyp.
H. Vetters : Eine Frage bezüglich der Porosität. Sind diese Poren gasgefüllt und hat man das überprüft. Was wurde festgestellt?
K. Schimanski : Aufgrund meiner bisherigen Erfahrungen mit dem Sprühkompaktieren gehe ich davon aus, dass Gase in den Poren sind. Stickstoff konnten wir allerdings nicht nachweisen, soweit ich das zumindest aus älteren Untersuchungen weiß, und der Nachweis von Wasserstoff ist in dem Fall nicht ganz einfach, weil er doch sehr schnell flüchtig ist.
H. Vetters : Dieses Problem hätte ich dennoch angesprochen, denn eine Legierung ist ja in hohem Maße versprödet.
K. Schimanski : Wasserstoffporosität könnte ein Thema sein, aber ich weiß nicht, ob in dem Projekt noch Untersuchungen in dieser Richtung laufen.
P. Krug : Das ist eine alte Diskussion. Was ist denn in den Poren? Es ist auf jeden Fall kein Hohlraum, also kein Lunker in dem Sinn, sondern es ist wirklich gasgefüllt, das kann man über einen einfachen Blistertest hinterher herausfinden. Wasserstoff ist es aber zum überwiegenden Teil nicht, das haben wir auch über Analysen, Heißgasestraktion, feststellen können. Stickstoff besitzt aber eigentlich auch keine große Löslichkeit im flüssigen Aluminium, das kann aber nur durch den Zerstäubungsprozess und durch den etwas, sagen wir mal, ungewöhnlichen Erstarrungsprozess im Deposit zustande kommen. Letztendlich, wo dann der Stickstoff bleibt, vor allem nach dem Strangpressen, also ich habe noch nie etwas von der Zwangslösung von Stickstoff im Aluminiumgitter gehört, aber eigentlich haben wir nach dem Strangpressen ein dichtes Gefüge. Bleibt eine weitere philosophische Frage, wir sind zumindest ergebnisorientiert, nicht so erkenntnisorientiert als Firma, aber vielleicht fühlt sich ja einer vom IWT noch bemüßigt, der Ursache auf den Grund zu gehen.
H. Vetters : Vielleicht noch eine Frage. Diese Art von Restporosität ist eigentlich für den Werkstoff nicht sonderlich störend. Es sind geschlossene Poren und Sie sagen ja gerade, die Dauerfestigkeitswerte sind gut.
P. Krug : Ja, aber die Dauerfestigkeit ist nur gut im stranggepressten Zustand.
H. Vetters : Ja, ich denke auch nur an den stranggepressten Zustand, das habe ich vorausgesetzt.
B. Brenner : Ich habe eine Frage zur Größenordnung der Abschreckgeschwindigkeit. Sie verglichen zwei verschiedene Abkühlgeschwindigkeiten. Welche Größenordnung muss ich mir da vorstellen und wie unterscheiden die beiden sich?
P. Krug : Das waren die zwei unterschiedlichen Sprühzustände. Anfangs glaubten wir, dass es an der Zerstäubungsmethode liegt. Normalerweise arbeiten wir mit dem Twin-Atomizer (mit zwei Zerstäuber-Düsen). Am IWT hingegen mit einem Single-Atomizer, was aber bedeuten würde, dass da die höhere Abkühlgeschwindigkeit besteht. Tatsächlich scheint es aber am Gas-Metall-Verhältnis zu liegen. Wenn wir Twin-Atomizen, bekommen wir deutlich gröberes Gefüge und wir bekommen feineres Gefüge, wenn wir mit dem Single sprühen. Allerdings haben wir mittlerweile auch durch weitere Versuche festgestellt, dass die Zusätze von anderen Elementen durchaus eine kornfeinende Wirkung haben und das sind auch Elemente, die ab und an auch im verwendeten Rohmagnesium oder Rohaluminium oder im Silizium vorkommen können. Dem gehen wir gerade auf den Grund. Festgestellt wurde schon mal, dass Titan, Zirkon und Vanadium einen kornfeinenden Effekt haben, Phosphor hat es anscheinend auch. Die Phosphorgehalte von unserem verwendeten Silizium schwanken auch manchmal sehr stark hin und her und die seltenen Erdmetalle haben auch eine deutlich kornfeinende Wirkung auf diesen Legierungstyp. Hier besteht weiterhin großer Forschungsbedarf. Wir wissen aber zumindest, dass eine hohe Abkühlrate sich maßgeblich auf das Umformverhalten auswirkt.
P. Mayr : Ich habe noch eine Frage zum Ermüdungsverhalten von diesen Legierungen. Herr Krug, Sie haben von der Dauerfestigkeit gesprochen. Darf ich da annehmen, dass es eine echte Dauerfestigkeit ist oder ist es eine 2 x 106-Dauerfestigkeit?
P. Krug : Es ist also nicht von uns gemessen worden, sondern von der Fa. Mahle und es ging, glaube ich, auf 50 Mio. Lastwechsel. Eine echte Dauerfestigkeit kennen Aluminiumlegierungen nicht, Stähle auch nicht, mittlerweile, aber letztendlich muss man davon ausgehen, dass immer noch pro Dekade 5 % Abfall in der Festigkeit passieren, aber als Anhaltswert bei 350 °C hat diese Legierung noch bei R = –180 MPa Ermüdungsfestigkeit.
P. Mayr : Dann hätte ich noch eine Frage zum Anrissverhalten. Was ist eigentlich die Versagensursache von diesen Legierungen unter Ermüdungsbeanspruchung? Geht der Riss in der Matrix los oder geht es an den Mg2Si-Teilchen los?
P. Krug : Da diese Versuche nicht axial gefahren wurden, sondern im Umlaufbiegeverfahren, würde ich sagen, hat die Oberfläche da einen maßgeblichen Einfluss. Wir wollen diese Versuche aber mit Axialproben noch mal, um das genau zu untersuchen, nachfahren.
K. Schimanski : Aber vielleicht ergänzend dazu, soweit Herr Stelling mir mitgeteilt hat, zeigte eine Analyse der Bruchflächen aus quasistatischen Versuchen, dass auch in der Bruchfläche diese Mg2Si-Teilchen gebrochen sind, d. h. sie haben eine sehr gute Anbindung an die Matrix und da muss man eben gucken, wo der Riss wirklich losgeht.
Diskussionsteilnehmer :
Prof. Dr. phil. H. Vetters, IWT, Bremen
Prof. Dr. rer. nat. B. Brenner, Fraunhofer IWS, Dresden
Prof. Dr.-Ing. P. Mayr, IWT, Bremen
Dr. P. Krug, PEAK Werkstoff GmbH, Velbert
Dr.-Ing. K. Schimanski, IWT, Bremen
© 2008 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston, Germany
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