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Open Access Green und ResearchGate – Wie sollten Bibliotheken damit umgehen?

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Published/Copyright: April 8, 2024
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Zusammenfassung

ResearchGate ist eine der erfolgreichsten Webseiten der Wissenschaftskommunikation. Ein wesentlicher Aspekt ist das Bereitstellen von wissenschaftlichen Publikationen durch die Wissenschaftler selbst. Anliegen des Beitrags ist es ein Verständnis für den Erfolg von ResearchGate zu entwickeln, um Erkenntnis für die Verbesserung der eigenen Dienste im Bereich Green Open Access zu erlangen.

Abstract

ResearchGate is one of the most successful science communication websites. A key aspect is the provision of scientific publications by scientists themselves. The article advocates a better understanding of ResearchGate‘s success story in order to gain more insights for further improvements and optimization of our library services in the area of Green Open Access.

1 Einleitung

Ein wichtiger Baustein von Open Access sind Zweitveröffentlichungen. Es gibt Initiativen, wie Deep Green; fachspezifische Repositorien stehen zur Verfügung, fast jede wissenschaftliche Institution besitzt mittlerweile einen eigenen Schriftenserver oder ist an einem größeren Projekt beteilig. Mehr oder weniger gut und engagiert wird damit neben anderen Dingen die grüne Variante verfolgt. Wissenschaftler sollen ihre Beiträge, meistens nach Ablauf der Embargofrist, noch ein zweites Mal veröffentlichen und ihre Forschungen über diesen Weg Open Access stellen.

Wenn man auf Zweitveröffentlichungen aber nicht nur im engen institutionellen Rahmen schaut, sondern darüber hinaus, stößt man schnell auf ResearchGate. Im Rahmen einer Erfassung der Publikationsdaten der Hochschule Magdeburg-Stendal (h2) für das Jahr 2022 wurde deutlich, dass ein nicht unerheblicher Teil der Publikationen auch bei ResearchGate zu finden war, also dort von den Wissenschaftlern parallel zur Erstveröffentlichung zugänglich gemacht wurden.

Der Beitrag wertet die genannte Publikationserfassung aus, setzt diese ins Verhältnis zu den an der h2 durchgeführten Umfragen aus den Jahren 2019 und 2023, um daran anschließend die Fragen zu stellen, welche Gegebenheiten bei ResearchGate anzutreffen sind, warum es Erfolg hat, und was eine Institution daraus ableiten und lernen sollte.

ResearchGate als allgemeines Phänomen der Wissenschaftskommunikation soll hier nicht analysiert werden. Einzelaspekte, die für die Green Open Access-Thematik von Relevanz sind, werden im Text näher beleuchtet. Anderes, wie Open Review, der ResearchGate-Score, Spam-Mails sowie automatisch angelegte und fehlerhafte Profile, wird nicht oder nur in geringem Maße, wenn es zum engeren Kontext gehört, behandelt.

2 Umfragen, Datenerhebung und Erkenntnisse zu Green Open Access

An der Hochschule Magdeburg-Stendal wurden in den Jahren 2019 und 2023 Umfragen zum Thema Open Access durchgeführt. Ziel der Umfragen war es, den Stand von Open Access an der h2 zu evaluieren. Leitende Fragen waren: Wie hoch ist die Akzeptanz von Open Access? Wie hoch ist der Anteil der Wissenschaftler, die Open Access publizieren? Wie ist das Nutzungsverhalten und auf welchen Wegen wird publiziert? Welche Unterstützungsangebote werden benötigt?

Ergänzend zu den Umfragen wurde ebenfalls 2023 zum ersten Mal eine Publikationsübersicht für das vorangegangene Jahr erstellt. Aus Datenquellen der Hochschule selbst – die Angaben der Wissenschaftler für die leistungsorientierte Mittelvergabe und Publikationsübersichten der Mitarbeiter auf ihren Hochschulwebseiten – und dazu Recherchen im Internet, beispielsweise im Forschungsportal Sachsen-Anhalt, konnten insgesamt 202 Publikationen für das Jahr 2022 erfasst werden.

Neben der allgemeinen Ableitung weiterer Schritte, sowohl was die Verbesserung der Datenbasis, die Nachnutzung der Daten, den effizienten Einsatz von Finanzmitteln für Open Access und das Etablieren neuer Services betrifft, enthielten die Umfragen und die Erhebung interessante Erkenntnisse zum Thema Green Open Access und die Akteure in diesem Feld.

Der Vergleich der Umfragen macht zunächst deutlich, dass 2023 weit mehr Wissenschaftler Open Access als sehr wichtig einschätzen als noch 2019. Von 45 Prozent stieg der Wert auf 67 Prozent.

Parallel dazu stieg auch der Anteil für Open Access Green-Veröffentlichungen; waren es 2019 lediglich 18 Prozent, die zusätzlich und parallel im Internet kostenfrei veröffentlicht hatten, waren es 2023 schon 42 Prozent (Abbildung 1).

Abb. 1: Umfragen 2019 und 2023, kostenfreie Parallelveröffentlichungen.
Abb. 1:

Umfragen 2019 und 2023, kostenfreie Parallelveröffentlichungen.

Was hingegen in etwa gleichgeblieben ist, ist die Nutzung von Open Access Green-Dienstleistungen im Speziellen. So kann man feststellen, dass der institutionelle Dokumentenserver so gut wie gar nicht genutzt wurde. Auch für Hochschulseiten trifft die ähnliche Aussage zu. Demgegenüber gibt es ein klares Übergewicht für fachspezifische Dokumentenserver beziehungsweise für ResearchGate (Abbildungen 2 und 3).

Abb. 2: Umfrage 2019, Ort der kostenfreien Veröffentlichung.
Abb. 2:

Umfrage 2019, Ort der kostenfreien Veröffentlichung.

Abb. 3: Umfrage 2023, Ort der kostenfreien Veröffentlichung.
Abb. 3:

Umfrage 2023, Ort der kostenfreien Veröffentlichung.

Diese Aussage wird unterstützt durch die Ergebnisse der Erhebung für das Publikationsjahr 2022. 35 Prozent der Publikationen wurden noch einmal über ResearchGate veröffentlicht. PubMed Central hatte noch einen merklichen Anteil von 4 Prozent; es folgen 3 Prozent Andere, darunter das von der h2 genutzte Landesrepositorium Sachsen-Anhalt. Freilich fällt der größte Anteil mit 58 Prozent in den Bereich „keine bekannte Zweitveröffentlichung“ (Abbildung 4).

Abb. 4: Anteil Zweitveröffentlichungen 2022.
Abb. 4:

Anteil Zweitveröffentlichungen 2022.

3 Interpretationen und Ableitungen

Aufgrund dieser Erkenntnisse stellen sich mehrere Fragen. Was macht ResearchGate so erfolgreich? Welche Vor- und Nachteile gibt es? Was können wir daraus lernen bzw. was können wir als Bibliotheken besser machen?

3.1 Was macht ResearchGate anders und/oder besser?

Zunächst einmal muss man sich bewusst sein, dass ResearchGate zumindest zwei Dinge miteinander verbindet. Es ist einerseits ein soziales Netzwerk, gern auch als Facebook für Wissenschaftler bezeichnet. Man stellt sich und seine Forschung vor, pflegt sein Profil und vernetzt sich auf unterschiedlichen Wegen mit anderen Wissenschaftlern. Darüber hinaus bietet ResearchGate eine Reihe von Bewertungsmetriken an, von Reads und Citations bis hin zur Eigenentwicklung, dem ResearchGate-Score.

Andererseits gibt es die Möglichkeit, eigene Forschungsergebnisse im Volltext verfügbar zu machen bzw. eine Privatkopie hochzuladen. Man kann Preprints genauso hochladen wie bereits veröffentlichte Arbeiten oder auch Poster, Präsentationen und Daten. Mittlerweile nutzen über 20 Millionen Forscher aus über 190 Ländern ResearchGate.

ResearchGate ist zunächst erfolgreich, weil es diese beiden genannten Aspekte miteinander verbindet. Der Erfolg rührt aber auch daher, dass es ResearchGate den Autoren und Wissenschaftlern so einfach wie möglich macht. Das Design ist klar und verständlich. Die Volltexte sind einfach zu finden. Das Hochladen der Daten erreicht man mit wenigen Klicks; oftmals werden die Metadaten schon korrekt aus der hochgeladenen Datei direkt gezogen. Es gibt keine komplizierten Eingabemasken inkl. Fragen, die man ohne Hintergrundwissen zu Open Access oder dem Urheberrecht im Zweifelsfall nicht beantworten kann. Auch Fragen nach einer Lizenz gibt es nicht.

Bezüglich der Informationen zum Urheberecht bzw. der Bestätigung eigener Rechte fährt ResearchGate „zweigleisig“. Nachdem man eine Datei hochgeladen hat, erscheinen nicht mehr als drei kurze Sätze, die man mittels Anhakens zu betätigen hat: Man versichert, dass die Datei überprüft und verifiziert wurde; das Recht hat, die Datei zu teilen oder eine private Kopie anzulegen und stimmt schließlich den Upload-Bedingungen zu. Diese Upload-Bedingungen kann man sich direkt in einem kleinen Kästchen anzeigen lassen. Dort wird wiederum die Bestätigung dafür gefordert, dass man über die erforderlichen Rechte zum Hochladen verfügt und keine Rechte Dritter verletzt werden. Darüber hinaus wird ResearchGate das Recht erteilt, Daten zu extrahieren und anzuzeigen. Diese Funktion kann in den Datenschutzeinstellungen deaktiviert werden.

Wenn man den Haken an dieser Stelle ohne Weiteres gesetzt hat, kann man zum nächsten Schritt gehen; dort werden noch einige Metadaten eingegeben oder korrigiert und schon ist die Publikation online.

Aber nochmal einen Schritt zurück, zum Anhaken der Konditionen. Dort ist noch das „Kleingedruckte“ zu finden. Dort kann man mittels Weiterleitung auf eine separate Webseite mehr zum Urheberrecht und ResearchGate erfahren. Diese Seite ist sehr umfangreich. Es wird Wesentliches erklärt oder spezifiziert, so beispielsweise:

  • ResearchGate wurde von Wissenschaftlern entwickelt

  • Unterschied zwischen öffentlicher und privater Kopie

  • Verantwortlichkeit für die Inhalte, die man hochlädt und teilt

  • Verlagsrechte und die Verpflichtung zur selbstständigen Prüfung (dazu steht ein überschaubares Verzeichnis mit bis jetzt [Stand Januar 2024] fünf Verlagen zur Verfügung)

  • Hinweise zur Unterscheidung von Preprint, akzeptiertes Manuskript und Version of Record

  • Urheberrechtsverletzungen und etwaige Verfahrensweisen

  • Hinweise und Verfahren bei Unsicherheiten zu den eigenen Rechten

  • Sperrung und Entfernung von Inhalten

  • Einschränkung oder Sperrung des Kontos

  • Plagiatsmeldungen

  • Verhältnis der Co-Autoren

Neben den Informationen, die direkt beim Hochladen einer Datei erscheinen und abrufbar sind, gibt es noch eine gesonderte Richtlinien-Seite, die eine Unterkategorie zum Urheberrecht enthält. Dort heißt es, ResearchGate respektiere das Recht am geistigen Eigentum und bittet dementsprechend alle anderen um Einhaltung beim Hochladen von Dokumenten. ResearchGate werden keine Rechte übertragen, allerdings können Inhalte gesperrt werden. Der Autor soll die Prüfung seiner Rechte gewissenhaft durchführen, im Zweifelsfall beim Verlag direkt anfragen. Weiterhin enthält die Seite einen Ansprechpartnerkontakt und umfangreiche Informationen zum Verfahren bei Beschwerden über Inhalte, die über ResearchGate veröffentlicht wurden.

Eine Studie zur Einhaltung und Verletzung von Urheberechten bei ResearchGate hat mittels einer Zufallsstichprobe gezeigt, dass von 500 englischsprachigen Zeitschriftenartikeln immerhin 40 Prozent gegen geltendes Urheberecht verstießen, also Verlagsvorgaben verletzten. Interessant ist weiterhin, dass eine Zweitveröffentlichung nicht per se von den Verlagen ausgeschlossen war, sondern, dass die Autoren oftmals nur die falsche Version ihres Artikels hochgeladen hatten.

3.2 Welche Vor- und Nachteile gibt es?

Institutionen, die sich mit Zweitveröffentlichungen beschäftigen oder entsprechende Dienste anbieten, sollten die Vor- und Nachteile im Gegensatz zu ihren eigenen Entwicklungen und Diensten kennen und auch deutlich machen können. Darüber hinaus sollte man sich nüchtern fragen, was man bei ResearchGate lernen kann, um seine eigenen Services besser zu machen.

Ganz klar muss man sagen, so sehr das Urheberrecht ein schwieriges und zähes Feld ist, Bibliotheken und institutionelle Dienstleister können dieses Thema nicht aussparen oder im Kleingedruckten verstecken. Einerseits würde man sich als Betreiber eines Repositoriums möglicherwiese selbst schaden. Andererseits wäre es unverantwortlich gegenüber den Wissenschaftlern, die im Zweifelsfall von Verlagen belangt werden.

Aufgrund des Vorwurfs massenhafter Urheberechtsverletzungen wurde ResearchGate in der Vergangenheit bereits von den Verlagen American Chemical Society (ACS) und Elsevier verklagt. Später schlossen sich weitere Verlage an; es wurde sogar eine Initiative gegründet. Im Ergebnis musste ResearchGate 1,7 Millionen Artikel entfernen bzw. die öffentliche Zugangsmöglichkeit sperren. Verlage, wie Wiley und SpringerNature, kooperieren demgegenüber mit ResearchGate und erlauben in Teilen die Weiternutzung von Publikationen. Jüngst kam es zwischen ResearchGate auf der einen Seite und ACS sowie Elsevier auf der anderen Seite zu einem Vergleich. Die konkreten Bedingungen sind vertraulich, es heißt jedoch, dass man sich auf eine technische Lösung geeinigt habe, die es Autoren, die Forschungsartikel bei ACS oder Elsevier veröffentlicht haben, ermöglicht, ihre Arbeit auf ResearchGate urheberrechtskonform zu teilen.

Wichtig ist auch zu wissen, dass ResearchGate ein kommerzielles Unternehmen ist; der ökonomische Aspekt steht über kurz oder lang an erster Stelle. Verschiedene Investoren haben sich in der Vergangenheit beteiligt, so auch Bill Gates. Einnahmequellen sind Werbung, eine Frage-Antwort-Datenbank, Stellenanzeigen und Konferenzannoncen.

Auch wenn es 2008 von Ijad Madisch, Sören Hofmayer und Horst Fickenscher mit viel Idealismus gegründet wurde, ökonomisch gesehen sind Dinge so lange wichtig, wie sie gewinnbringend verwertet werden können. Das kann sich negativ auf die Langzeitverfügbarkeit und die Nachhaltigkeit auswirken. Ein Unternehmen kann in Zukunft andere Strategien verfolgen, den Besitzer wechseln – wie geschehen bei der Übernahme von Mendeley durch Elsevier – und auch einfach verschwinden. Dagegen sind Institutionen wie Forschungseinrichtungen, Hochschulen und Bibliotheken Orte, denen Offenheit, Nachhaltigkeit, Langzeitverfügbarkeit und Rechtssicherheit ein natürliches Anliegen ist. Zudem genießen vor allem Bibliotheken den Ruf, vertrauenswürdig zu sein, keinen ökonomischen Einzelinteressen zu dienen und damit ein verlässlicher Partner auf vielen Ebenen zu sein.

Ob nun ein Geschäftsinteresse dahintersteht oder nicht, ob das Urheberecht angemessen beachtetet wird oder nicht: ResearchGate hilft dabei, wissenschaftliche Forschung leichter zugänglich zu machen. Es gehört zu einer der Top-Quellen für Volltextdateien, die über Google Scholar gefunden werden. Zweitveröffentlichte Texte im Volltext sind somit einfach und unkompliziert im Internet zu finden und zu nutzen. Genuine Closed Access-Artikel stehen ohne Weiteres zur Verfügung. Damit wird der Kern und das Grundanliegen von Green Open Access erfüllt.

3.3 Was können wir daraus lernen bzw. was können wir besser machen?

Die Erkenntnisse zum Verfahren bei ResearchGate plus der Ergebnisse aus den Umfragen lässt die Interpretation zu, dass es grundsätzlich eine positive Einstellung bei vielen Wissenschaftlern zu Open Access gibt und entsprechende Dienste gern angenommen werden, wenn diese die Bedürfnisse der Wissenschaftler erfüllen und nicht zu mehr administrativer Arbeit führen. Die Wissenschaftler wollen die Sichtbarkeit ihrer Publikation erhöhen, mindestens intuitiv ist ihnen bewusst, dass Open Access-Zweitveröffentlichungen das leisten können. Dem gegenüber besteht wenig Neigung, sich mit Open Access-Farben, Vergabe und Nutzen von Persistent Identifier, wie DOI, oder Archivierungsstrategien und auch Urheberrecht zu beschäftigen. Mehrfachmeldungen der eigenen Publikation in unterschiedlichen Eingabemasken, Beantwortung verschiedenster Fragen bei wechselndem Design ist ebenfalls nichts, was man gern macht.

Dazu kommt das Paradox, dass der beschriebene Umgang mit dem Urheberrecht wahrscheinlich eine Stärke von ResearchGate ist. Man kann vermuten, dass nicht alle Autoren sich damit beschäftigt haben, welche Rechte sie noch an ihrem Text haben und ob eine Zweitveröffentlichung überhaupt erlaubt ist.

Was lernen wir nun für unsere eigenen Dienste daraus? Bestimmte Aspekte von ResearchGate kann und sollte man nicht nachahmen. Das Urheberecht ist so wie es ist und wir müssen damit verantwortungsvoll umgehen. Das Implementieren eines wirkungsvollen sozialen Netzwerks, auch für Forscher, ist keine Aufgabe für eine einzelne Wissenschaftsinstitution.

Wenn man die Erkenntnis nun aber ernst nimmt, dass Open Access zwar grundsätzlich befürwortet, parallel aber die damit zusammenhängende Arbeit abgelehnt wird, sollte man sich überlegen, welche Arbeit wirklich notwendig ist und wie und von wem diese erledigt werden sollte. Eine erste Grundannahme wäre: Der Erfolg eines institutionellen Dienstes lässt sich nur herstellen, wenn den Forschern so wenig Arbeit wie möglich gemacht wird. Entweder es gibt einen Service, der einerseits relevante Publikationen und andererseits die entsprechenden Gegebenheiten zur Zweitveröffentlichung schon ohne den Forscher identifiziert hat und dann nur die Frage stellen muss, ob ein Beitrag rechtskonform auf das institutionelle Repositorium abgelegt werden kann. Wenn weitere Arbeit des Forschers notwendig ist, dann so wenig Angaben wie möglich – keine Fragen, die nur Bibliothekare verstehen, keine komplizierten Eingabemasken und nur Fachtermini verwenden, wenn es wirklich notwendig ist.

Zu empfehlen ist es sicherlich, die Autoren anzusprechen, die bereits viele Publikationen vorweisen können. Tendenziell ist dort Hintergrundwissen zu Open Access sowie Interesse am Thema vorhanden. Eine Vielzahl an Publikationen kann effektiver zu bearbeiten sein und, wenn es funktioniert, ist eine vorzeigbare Anzahl erreicht; ein Umstand, der helfen kann, weitere Autoren zu überzeugen.

4 Fazit

Ist es tatsächlich Open Access, was bei ResearchGate hinterlegt ist? Wenn man strenge Kriterien anlegt, sicherlich nicht: Es werden keine Lizenzen vergeben. Artikel werden nicht „in einem gesichteten, standardkonformen und offenen Archiv zur Verfügung gestellt“. In dem Beitrag ist aber nicht die Frage wichtig, was ist Open Access, sondern die Frage, was wir von erfolgreichen Diensten lernen können.

Wie auch immer man zu ResearchGate steht, man muss den Erfolg anerkennen. Ein wenig fühlt man sich an Google oder Wikipedia erinnert; Dienste, vor deren Allmacht, Unzulänglichkeiten und Gefahren stets und ständig gewarnt wird und die doch einen riesigen Marktanteil bzw. eine übergroße Reichweite aufweisen. Es geht also nicht darum, Werbung für irgendjemanden zu machen, auch nicht zwielichtige Dinge nachzuahmen, weil es erfolgsversprechend ist. Es geht darum zu verstehen, warum etwas erfolgreich ist, auch wenn man es aus einer bestimmten Perspektive ablehnt. Es geht darum zu lernen, zu antizipieren und es für seine eigenen Dienste besser zu machen.

Der Erfolg von ResearchGate sollte dazu führen, Verbesserungen in den eigenen Angeboten in die Wege zu leiten; sich an dem Guten ein Beispiel zu nehmen und gleichzeitig über das Fragwürdige zu informieren.

Online erschienen: 2024-04-08
Erschienen im Druck: 2024-04-25

© 2024 bei den Autoren, publiziert von Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

Dieses Werk ist lizensiert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.

Downloaded on 30.4.2026 from https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/bd-2024-0034/html?lang=en
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