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Zehn Jahre rheinland-pfälzisches Digitalisierungsportal dilibri

  • Christoph Mayr

    Stellv. Fachbereichsleiter Wissenschaftliche Bibliotheken, Abteilungsleiter Bestand, Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz, Otto-Mayer-Str. 9, 67346 Speyer, Deutschland

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Published/Copyright: August 23, 2017
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Zusammenfassung

Dilibri ist ein kooperativ angelegtes Digitalisierungsportal für landeskundliche Werke aus Rheinland-Pfalz und für Bestände aus rheinland-pfälzischen Bibliotheken. Es wurde vor zehn Jahren vom Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz (LBZ) in enger Zusammenarbeit mit der UB Trier aufgesetzt und wird heute organisatorisch und technisch durch das LBZ betreut. Der Artikel beschreibt kurz die Entwicklung des Portals, die technische Infrastruktur und die Auswahl der Werke. Außerdem werden besondere Sammlungen des Portals vorgestellt und ein Ausblick auf zukünftige Projekte und Entwicklungen von dilibri gegeben.

Abstract

Based on co-operative principles, dilibri is a digitisation portal for works of the regional studies sector and library collections from Rhineland-Palatinate. Ten years ago, is has been set up by the state library centre of Rhineland-Palatinate (LBZ) in close co-operation with the library of Trier University. Today, the LBZ is in charge of organisational and technical tasks. The article briefly describes the portal’s development, technical infrastructure and the range of works. Moreover, special collections are presented which are accessible through the portal, and a prospect on dilibri’s future projects and development is given.

1 Einleitung

Das kooperativ angelegte Digitalisierungsportal dilibri stellt seit nunmehr zehn Jahren landeskundliche Werke und Bestände aus rheinland-pfälzischen Bibliotheken in digitaler Form zur Verfügung. Damit trägt dilibri maßgeblich dazu bei, das schriftliche kulturelle Erbe von Rheinland-Pfalz der Öffentlichkeit durch komfortable Recherchemöglichkeiten zur Verfügung zu stellen. Die grundlegende Idee hinter dilibri war außerdem, die digitalisierte Literatur aus und über Rheinland-Pfalz in einem landesweiten Portal zu sammeln, um den Nutzern die Suche in verschiedenen Bibliotheken und unterschiedlichen Systemen zu ersparen.

Ein weiteres Ziel war es, die Originale durch die Digitalisierung dauerhaft zu schützen und zu bewahren, da sie nicht mehr so häufig in der Benutzung beansprucht werden.[1] Digitalisiert werden i. d. R. urheberrechtsfreie Werke unterschiedlichster Publikationsformen. Das Spektrum umfasst dabei u. a. mittelalterliche Handschriften, Inkunabeln, alte Drucke, Karten, Musikalien, Schulschriften, Einblattdrucke sowie Zeitschriften und Zeitungen. Seit kurzem können in dilibri auch Autographen eingebunden werden. Hierfür wurde eine Schnittstelle zum Kalliope-Verbundkatalog eingerichtet, um die Metadaten aus dem Kalliope-Verbund in dilibri zu übernehmen.

Heute sind in dilibri rund 7.500 Werke mit ca. 1,4 Millionen Scans zu finden. Im Jahr 2016 wurden über 6,6 Millionen Seiten (2015: 5,48 Millionen) in dilibri aufgerufen. Die hohe Zahl an Zugriffen und die vielen Anfragen nach Abdruckgenehmigungen, die von Wissenschaftlern, Verlagen und Privatpersonen an dilibri herangetragen werden, zeigen die Beliebtheit des Portals und das steigende Interesse an dessen Inhalten.

Der Aufbau von dilibri und die Entwicklung des Projektes bis zum Jahr 2013 wurden von Dr. Barbara Koelges und Elmar Schackmann im Bibliotheksdienst ausführlich vorgestellt.[2] Im Folgenden wird daher nur kurz auf diesen Zeitraum sowie die bisher digitalisierten Sammlungen eingegangen. Im Mittelpunkt dieses Artikels stehen die Weiterentwicklung von dilibri seit 2013 und ein Ausblick auf die nähere Zukunft des rheinland-pfälzischen Digitalisierungsportals.

2 dilibri: ein kooperatives Portal

Von Beginn an war dilibri als ein kooperatives Digitalisierungsportal geplant.[3] Die Universitätsbibliothek Trier und das Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz (LBZ) bauten das Angebot 2007 in Zusammenarbeit mit den Firmen semantics Kommunikationsmanagement GmbH und der Walter Nagel GmbH und Co. KG gemeinsam auf. Als technische Basis des Portals wird die Software „Visual Library“ verwendet.

Anfang 2008 schlossen sich die Stadtbibliotheken Mainz und Trier dilibri als Teilnehmer an. Mit dem DFG-Projekt zur Erschließung und Bereitstellung im deutschen Sprachraum erschienener Drucke des 16. und 17. Jahrhunderts kamen die Stadtbibliothek Koblenz und Worms sowie die Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars Trier als weitere Partner hinzu.

Das LBZ versteht sich als Kompetenzzentrum für alle Fragen der Medien- und Informationsvermittlung in Rheinland-Pfalz und sieht es als eine zentrale Aufgabe an, rheinland-pfälzische Bibliotheken auf diesem Gebiet zu unterstützen. Neben fachlicher Expertise stellt das LBZ daher die Server sowie das Speichersystem für dilibri zur Verfügung und übernimmt die laufenden Kosten für die Software Visual Library. Die Partner tragen die Kosten für die Visual Library-Mandantenlizenz, die vor Ort eingesetzte Hardware und das eigene Personal.

An dilibri können sich auch andere rheinland-pfälzische Institutionen, wie z. B. Archive, kleinere Bibliotheken, Museen und Vereine, beteiligen. Werke, die nicht im Bestand der drei LBZ-Bibliotheken vorhanden sind, werden durch das LBZ digitalisiert und in dilibri unter Hinweis auf die besitzende Einrichtung eingestellt.[4]

Auch Bibliotheken außerhalb von Rheinland-Pfalz stellen freundlicherweise landeskundlich relevante Werke für dilibri zur Verfügung und helfen damit, Lücken im Bestand des LBZ „virtuell“ zu schließen. Zuletzt konnten auf diese Weise z. B. 24 Jahrgänge des „Zirkulare des Königlichen Bezirksamtes Zweibrücken“ mithilfe der Saarländischen Universitäts- und Landesbibliothek ergänzt werden.[5]

3 Technische Infrastruktur

Die Erstinstallation der dilibri-Hardware erfolgte 2007 im LBZ-Standort in Koblenz. Dort wurde ein Linux-Server (Open Suse) eingerichtet und mit der Software Visual Library Server versehen. Daran angeschlossen war ein dediziertes und flexibel erweiterbares Speichersystem mit einer Grundausstattung von 5,7 Terabyte (TB). Ein Backup-System wurde im LBZ / Pfälzische Landesbibliothek in Speyer aufgestellt.

Die Bearbeiter der teilnehmenden Bibliotheken laden die Images über ein FTP-Programm auf den Koblenzer Server und greifen anschließend über einen Terminalserver auf die Client-Software „Visual Library Manager“ zu. Der Terminalserverzugriff bietet außerdem den Vorteil, dass die Scans zur weiteren Bearbeitung auf dem Server verbleiben können und nicht in die bearbeitenden Bibliotheken heruntergeladen werden müssen. Damit wird vermieden, dass es durch den Download zu einer zeitlichen Verzögerung in der Bearbeitung kommt.

Nach acht Jahren und einigen Erweiterungen des bestehenden Systems, wurde die komplette technische Infrastruktur erneuert. Am Standort Koblenz wird der Visual Library Server (dilibri) nun virtuell betrieben, womit eine höhere Ausfallsicherheit besteht. Die Software wird auf Basis des Betriebssystems Red Hat Enterprise Linux (RHEL) betrieben, welches über einen Wartungsvertrag für Updates und Hersteller-Support verfügt. Als Datenspeicher ist das dilibri-System mit einem DELL Fibre-Channel SAN verbunden. Dieses für kontinuierliche Hochgeschwindigkeitsübertragungen von großen Datenmengen ausgelegte Speichersystem, verfügt über eine Kapazität von 42 TB. Dort werden neben den Original-Scans auch die weboptimierten Grafiken abgelegt. Für eine regelmäßige Datensicherung sorgt ein neuer physischer Server (räumlich getrennt) mit einer Speicherkapazität von 70 TB. Dort werden zukünftig auch die Zip-Kapseln zur Langzeitarchivierung von Original-Scans abgelegt. Somit erfüllt das neu eingerichtete System die technischen Bedürfnisse von dilibri für die nächsten Jahre und bietet ein hohes Maß an Ausfallsicherheit.

4 Auswahl der Werke und Workflow

Eine wichtige Grundlage für dilibri ist eine gemeinsame Vereinbarung (Policy), die von den teilnehmenden Bibliotheken am Anfang des Projektes erstellt und 2015/2016 überarbeitet wurde.

Folgende Kriterien gelten dabei für die Auswahl der Werke:

  1. landeskundlicher Bezug und Pflichtexemplare,

  2. besonderer Wert für Forschung und Bildung,

  3. Singularität.

  4. schlechter Erhaltungszustand,

  5. Anfragen von Benutzern.

Außerdem ist in der Vereinbarung festgelegt, dass in erster Linie gemeinfreie Werke bereitgestellt werden, die nicht bereits von anderen Bibliotheken digitalisiert wurden. Hiervon ist in besonders starkem Maße die Pfälzische Landesbibliothek betroffen, da aufgrund der früheren Zugehörigkeit der Pfalz zum Königreich Bayern, umfangreiche Bestände an pfälzischer Literatur in der Bayerischen Staatsbibliothek (BSB) vorhanden sind. Diese wurden größtenteils in einem Digitalisierungsprojekt der BSB mit der Firma Google online gestellt. Um Doppeldigitalisierung in diesen Fällen zu vermeiden und dennoch die pfälzische Literatur des 19. Jahrhunderts in dilibri anbieten zu können, wird seit zwei Jahren eine neue Funktionalität der Visual Library genutzt: die Übernahme von Fremddigitalisaten. Das Katalogisat der Bayerischen Staatsbibliothek wird in den Verbundkatalog des Hochschulbibliothekszentrums des Landes Nordrhein-Westfalen (hbz) eingespielt und an dessen Anforderungen angepasst. Anschließend wird die eineindeutige ID-Nummer des neuen Katalogisates für den Import in die Visual Library verwendet. Die Metadaten der Titelaufnahme werden durch die Angabe der besitzenden Bibliothek ergänzt, formalen sowie gegebenenfalls sachlichen Kategorien (s. 5.1 Thematische Sammlungen) zugeordnet und dann freigeschaltet. Dieses Verfahren ist eine ideale Lösung, um bereits digitalisierte Werke personal- und ressourcenschonend in dilibri zu verankern, da der Aufwand für das Scannen entfällt und kein Speicherplatz für die Images benötigt wird.

Natürlich können auch die Katalogisate anderer Bibliotheken auf diese Weise nachgenutzt werden. Die Grundvoraussetzung ist jedoch, dass in der MAB-Kategorie 655 ein Uniform Resource Name (URN) enthalten ist, damit das Dokument persistent adressiert werden kann. Da bei den digitalisierten Zeitschriften der BSB URNs nur auf Band- aber nicht auf Titelebene vergeben werden, können derzeit leider nur die monographischen Werke der BSB in dilibri übernommen werden. Eine technische Lösung für dieses Problem wäre aus Sicht des LBZ sehr wünschenswert und soll in Zusammenarbeit mit der Firma semantics angegangen werden.

Abb. 1: Darstellung eines „Fremddigitalisates“ in dilibri.
Abb. 1:

Darstellung eines „Fremddigitalisates“ in dilibri.

Die Doppeldigitalisierung ist in Ausnahmefällen gestattet, wenn die Digitalisate eine schlechte Qualität aufweisen, z. B. bei bitonalen Scans, oder bei Werken mit Falttafeln oder -karten, die beim Scannen nicht ausgeklappt wurden. Im Rahmen der dilibri-Policy kann jede Bibliothek frei entscheiden, welche Werke aus ihrem Bestand sie einstellen möchte. Für die Erstellung der Scans dienen die Praxisregeln „Digitalisierung“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) als Orientierung.[6] Die Scans werden in Farbe und mit 300 dpi erzeugt, bei Karten und Illustrationswerken werden 600 dpi verwendet. Durch die möglichst hohe Qualität der Scans wird sichergestellt, dass die Werke in ein paar Jahren nicht erneut digitalisiert werden müssen. Dafür werden ein etwas längerer Scanprozess und ein größerer Speicherplatzbedarf in Kauf genommen.

Gescannt wird in der Regel in den Teilnehmerbibliotheken. Sehr große Karten, die über das Vorlagenformat der hauseigenen Scanner hinausgingen, wurden in der Vergangenheit im Landesamt für Vermessung und Geobasisinformation Rheinland-Pfalz in Koblenz digitalisiert, da dort die geeigneten technischen Geräte und das nötige Fachwissen vorhanden waren.

Mit Einführung des Lizenzierungsservice Vergriffene Werke (VW-LIS) der Deutschen Nationalbibliothek, können auch viele monographische Werke, die noch nicht gemeinfrei sind, digitalisiert und veröffentlicht werden. Um eine Nutzungslizenz zu erhalten, müssen allerdings einige Voraussetzungen erfüllt sein. So muss das Werk vor dem 1. Januar 1966 in Büchern, Fachzeitschriften, Zeitungen, Zeitschriften oder in anderen Schriften veröffentlicht worden sein und sich im Bestand der Bibliothek befinden, die eine Lizenz erhalten möchte. Außerdem darf das betreffende Werk im Buchhandel nicht mehr erhältlich sein.[7] Das Landesbibliothekszentrum nutzt den komfortablen Lizenzierungsservice seit Anfang 2016, um vergriffene Werke, an denen aus Sicht der Benutzer oder der Bibliothek ein starkes Interesse besteht, in dilibri anbieten zu können. So wurde z. B. die Sammlung „Das Hambacher Fest und sein Umfeld“, die in erster Linie Quellenmaterial enthält, um vergriffene Sekundärliteratur zu diesem Thema ergänzt.

Im weiteren Geschäftsgang, der hier nur stark verkürzt wiedergegeben wird, werden die TIFF-Dateien mit einem FTP-Programm auf den Visual Library Server geladen, mit den notwendigen Titeldaten sowie den technischen Daten verknüpft und im Visual Library Manager (VLM) zur weiteren Bearbeitung bereitgestellt. Dort finden dann die Paginierung, die Strukturierung und die Qualitätskontrolle statt. Schnittstellen für den Import der Titeldaten existieren zu den Verbundkatalogen des hbz, zu HeBIS und zu Kalliope. Den Abschluss des Geschäftsganges bilden die Freigabe des digitalisierten Werkes und die damit verbundene Veröffentlichung in dilibri.

5 Sammlungen in dilibri

Im Folgenden werden einige besondere Sammlungen des rheinland-pfälzischen Digitalisierungsportals sowie das im Zeitraum zwischen 2010 und 2012 durchgeführte DFG-Projekt VD 16 und VD 17 kurz vorgestellt.

5.1 Adressbücher und Staatskalender

Mit Aufnahme des Echtbetriebes von dilibri wurden im LBZ / Rheinische Landesbibliothek verstärkt die Adressbücher aus der Region Koblenz digitalisiert, um diese, vor allem für Familienforscher wichtigen Quellen, unabhängig von Ort und Zeit zur Verfügung zu stellen. Damit konnte auch die Benutzung der Originale, die teilweise durch starken Papierzerfall geschädigt sind, deutlich reduziert werden. Bis heute sind 326 Jahrgänge von Adressbüchern aus ganz Rheinland-Pfalz digitalisiert. Sie decken einen Zeitraum von 1794 bis 1940 ab.

In einem zweiten Schritt wurden die Hof- und Staatskalender von Kurmainz, Kurpfalz und Kurtrier digitalisiert. Die Staatskalender beinhalten i. d. R. Namensverzeichnisse der Beamten und eine Darstellung des Hof- und Staatswesens eines Staates. Hinzu kommen Angaben über lebende Familienglieder des regierenden Hauses eines Staates sowie statistische Notizen über das jeweilige Land, seine Bevölkerung und die Administration.

Die Sammlung der o. g. Staatskalender umfasst 90 Jahrgänge und einen Zeitraum von 1740 bis 1797.

5.2 Illustrierte Rheinbeschreibungen und Karten

Die in dilibri präsentierten Karten stammen überwiegend aus Besitz des Wirtschaftshistorikers Prof. Dr. Fritz Hellwig, der über Jahrzehnte hinweg Landkarten, Stiche, Schriften und Bücher über die Region Saar-Lor-Lux und anschließende Gebiete gesammelt hat. In den Jahren 1997 und 1998 erwarb die Rheinische Landesbibliothek mit finanzieller Unterstützung der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur rund 360 illustrierte Rheinbücher, zehn Jahre später folgte der Ankauf von über 300 Karten (16. Jh. bis 19. Jh.). Diese zeigen den kompletten Rheinlauf mit seinen unterschiedlichen Abschnitten, der Schwerpunkt liegt auf dem Gebiet des Mittelrheines unter Einbeziehung seiner Nebenflüsse wie Mosel, Ahr und Lahn. Die Digitalisierung der o. g. Kartenwerke ist inzwischen abgeschlossen. Die zahlreichen historischen Karten, die sich im Bestand des LBZ / Pfälzische Landesbibliothek befinden und die zum großen Teil aus der Sammlung des Historischen Vereins der Pfalz stammen, sollen in den nächsten Jahren ebenfalls digitalisiert werden. Im Vorfeld ist noch eine Revision nötig, um einen genauen Überblick über den in Frage kommenden Bestand zu erhalten.

Von den ca. 320 illustrierten Rheinbüchern und Reiseführern der Sammlung Hellwig ist inzwischen die Hälfte digitalisiert, die restlichen Rheinbeschreibungen werden mittelfristig folgen.

5.3 Historische Schulprogramme

Mit dem Beginn von dilibri wurde eine ganze Reihe historischer Schulprogramme bzw. Schulschriften höherer Schulen digitalisiert. Diese stellen unter anderem eine wichtige Quelle zur Erforschung des Schulwesens dar. Sie enthalten neben den Jahresberichten der Schulen auch wissenschaftliche Abhandlungen der Lehrer und dienten als Rechenschaftsbericht über das zurückliegende Schuljahr.

Bislang wurden 208 Schulschriften aus rheinland-pfälzischen und anderen deutschen Gymnasien bereitgestellt. Sie sind in dilibri nach Orten systematisiert abgelegt, was einen schnellen Zugriff auf die Schulschriften der einzelnen Städte und Gemeinden ermöglicht.

Das Engagement in diesem Bereich wurde 2009 zurückgefahren, als die Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf damit begann, ihre bedeutende Sammlung von knapp 40.000 Schulschriften zu digitalisieren.[8] Nach Abschluss des Projektes im Oktober 2014 werden für dilibri wieder Schulprogramme digitalisiert, die nicht im Bestand der ULB Düsseldorf vorhanden sind. Perspektivisch ist angedacht, das umfangreiche Düsseldorfer Digitalisierungsprojekt für dilibri zu nutzen und die Metadaten der rheinland-pfälzischen Schulschriften in das Portal einzuspielen.

5.4 Weinkarten

Ein besonderer Sammelschwerpunkt des LBZ ist die Weinliteratur. Erworben wird vor allem Literatur über den Weinbau in Rheinland-Pfalz und anderen deutschen Anbaugebieten.

Mit Unterstützung der Gesellschaft für die Geschichte des Weines e. V.[9] katalogisierte und digitalisierte das LBZ 2015 über 200 gastronomische Weinkarten aus dem Besitz des Wuppertaler Sammlers Manfred Rauscher. Die wirtschaftshistorisch und kulturwissenschaftlich interessanten Weinkarten der Jahre 1856 bis 1966 geben z. B. Auskunft über die Preisentwicklung und den Weingeschmack der damaligen Zeit. Die größtenteils künstlerisch aufwendig gestalteten Karten (Abb. 2) sind als ehemalige Gebrauchsgegenstände heutzutage sehr selten und entsprechend wertvoll.

Abb. 2: „Officier Maitre Rotisseur Erhard Wirths empfiehlt …“ In Form einer Drehscheibe gestaltete Weinkarte aus den 1920er Jahren. Zum ausgewählten Gericht wird der passende Wein vorgeschlagen.
Abb. 2:

„Officier Maitre Rotisseur Erhard Wirths empfiehlt …“ In Form einer Drehscheibe gestaltete Weinkarte aus den 1920er Jahren. Zum ausgewählten Gericht wird der passende Wein vorgeschlagen.

5.5 Thomas-Nast-Sammlung

Mitte der 80er Jahre überließ das Land Rheinland-Pfalz der Pfälzischen Landesbibliothek über 2.000 Karikaturen des Landauer Karikaturisten Thomas Nast.[10]

Nast wurde am 26. September 1840 als fünftes Kind des Militärmusikers Joseph Thomas Nast und Apollonia Abriss geboren. Die ärmlichen Lebensverhältnisse zwangen die Familie 1846 dazu, in die USA nach New York auszuwandern. Erste Zeichnungen fertigte er mit 15 Jahren für „Frank Leslie’s Illustrated Newspapers“ an. Seit März 1859 arbeitete er hauptsächlich für die Zeitschrift „Harper’s Weekly“, der er bis 1886 als Zeichner treu blieb. Nast gilt als der Vater der amerikanischen politischen Karikatur und erschuf u. a. Parteisymbole, wie den Elefanten (Republikanische Partei) und machte den Esel, der für die Demokratische Partei steht, populär (s. Abb. 3).[11] Bekannt ist er auch für seine Darstellung des Weihnachtsmanns (engl.: Santa Claus), der u. a. auf seine Erinnerungen an den pfälzischen „Belzenickel“ zurückgeht und bis heute das Bild des amerikanischen Weihnachtsmanns prägt (s. Abb. 3).

Abb. 3: Linke Seite: Senator Thomas Bayard versucht den demokratischen Esel davon abzuhalten, in den Abgrund des finanziellen Chaos zu springen. Der republikanische „Elefant“ liegt träge daneben. Hinter ihm steht Finanzminister John Sherman. Aus: Harpers Weekly, Nr. 1200, 27.12.1879, S. 1001. Rechte Seite: Merry old Santa Claus Aus: Harpers Weekly, Nr. 1253, 01.01.1881, S. 8–9.
Abb. 3:

Linke Seite: Senator Thomas Bayard versucht den demokratischen Esel davon abzuhalten, in den Abgrund des finanziellen Chaos zu springen. Der republikanische „Elefant“ liegt träge daneben. Hinter ihm steht Finanzminister John Sherman. Aus: Harpers Weekly, Nr. 1200, 27.12.1879, S. 1001. Rechte Seite: Merry old Santa Claus Aus: Harpers Weekly, Nr. 1253, 01.01.1881, S. 8–9.

In den Jahren 1992/93 behandelte man die Zeitschriftenblätter konservatorisch, um sie zu stabilisieren und benutzbar zu machen. Sie wurden gewässert, entsäuert und Fehlstellen angefasert bzw. mit Japanpapier ergänzt. Im Anschluss an die Restaurierung katalogisierte ein wissenschaftlicher Mitarbeiter die einzelnen Blätter in einer askSam-Datenbank. Dabei versuchte er auch das Thema und den Kontext zu jeder Karikatur sowie die dargestellten Personen zu erfassen.

Der Vorstand des in Landau ansässigen Thomas-Nast-Vereins kam Mitte 2014 auf das LBZ zu und bot an, die 2.000 Karikaturen des LBZ auf eigene Kosten scannen zu lassen.[12] Die Digitalisierung der Karikaturen führte ein externer Dienstleister in den Räumen des LBZ / Pfälzische Landesbibliothek durch, da die Blätter zu groß für die hauseigenen Scanner waren. Seit August 2016 werden die Karikaturen im hbz-Verbundkatalog erfasst und mit den Informationen aus der askSam-Datenbank angereichert. Anschließend werden die Karikaturen einzeln in säurefreie Mappen verpackt und in Planschränken im Rara-Magazin gelagert. In dilibri wurde eine „Thomas-Nast-Sammlung“ eingerichtet, in der die Digitalisate nach Erscheinungsjahren sortiert abgelegt sind. Außerdem wurde für diese Sammlung ein eigener Kalender angelegt, der einen tagesgenauen Zugriff auf die in „Harper’s Weekly“ veröffentlichten Karikaturen ermöglicht.

5.6 Mainzer Fastnachtszeitungen

Wissenschaftlern und Laien, die sich für die „Mainzer Fastnacht“ interessieren, stehen die historischen Fastnachtszeitungen der Stadtbibliothek Mainz in dilibri als eigene Sammlung zur Verfügung. Darunter ist auch die „Narrhalla“, das publizistische Organ des Mainzer Carneval-Vereins (MCV), der 1838 als erster Karnevalsverein der Stadt Mainz gegründet wurde, zu finden. Weitere 22 Fastnachtszeitungen, die den Zeitraum von 1838 bis 1903 umfassen, sind heute in dilibri veröffentlicht. Für die Zukunft ist geplant, weitere Literatur zum Thema „Mainzer Fastnacht“ einzustellen.

5.7 Alte Drucke: DFG-Projekt VD 16, VD 17 und VD 18

Der dilibri-Teilnehmerkreis konnte 2009 im Rahmen eines von der DFG geförderten Digitalisierungsprojektes deutlich erweitert werden. Der Antrag, der maßgeblich von der Universitätsbibliothek Trier erarbeitet wurde, umfasste die Erschließung und Bereitstellung von Drucken des 16. bis 18. Jahrhunderts aus dem deutschen Sprachraum.[13] Um die Bestände der rheinland-pfälzischen Bibliotheken möglichst umfassend einzubringen, beteiligten sich neben der UB Trier und dem LBZ mit seinen Bibliotheken auch die Stadtbibliotheken in Koblenz, Trier und Worms sowie die Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars in Trier an dem Projekt.

Zwischen 2010 und 2012 wurden rund 2.200 Drucke[14] mit über 400.000 Seiten digitalisiert und auf dilibri bereitgestellt. Das Scannen erfolgte kooperativ. Das LBZ digitalisierte nicht nur die eigenen Bestände, sondern übernahm diese Aufgabe für die Stadtbibliotheken Koblenz und Worms mit. Auf gleiche Weise unterstützten die UB Trier und die Stadtbibliothek Trier die Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars. Im LBZ / Pfälzische Landesbibliothek wurde für die besonders eng gebundene Drucke, ein spezieller V-Scanner mit einem Öffnungswinkel von 90 Grad angeschafft. Zwischen fünf und zehn Prozent der projektrelevanten Bestände, die Zahlen variieren je nach Bibliothek, konnten aus konservatorischen Gründen nicht digitalisiert werden.

Die Werke des 16. und 17. Jahrhunderts wurden außerdem bibliographisch erschlossen und an die Verzeichnisse VD16 und VD17 gemeldet. In dilibri werden die Werke in eigenen Sammlungen nach den besitzenden Bibliotheken sortiert und präsentiert.

6 Thematische Sammlungen

Von Beginn an verfügt dilibri über eine Metadaten- und eine Volltextsuche, die auf der Suchmaschinentechnologie Apache Lucene basiert. Zusätzlich wurde in der linken Navigationsleiste ein Sucheinstieg nach formalen Kriterien, wie z. B. Bücher, Karten, Einblattdrucke, Zeitschriften und Zeitungen eingerichtet. Diese Recherchemöglichkeiten können durch die Auswahl eines vorgegebenen Zeitraums verfeinert werden. Da die meisten digitalisierten Werke nicht mit intellektuell vergebenen Schlagwörtern versehen sind, ergibt sich das Problem, dass eine inhaltliche Recherche in dilibri in vielen Fällen unbefriedigende Ergebnisse liefert. Die nachträgliche Verschlagwortung der Werke nach den Regeln für den Schlagwortkatalog (RSWK) ist aus personellen Gründen nicht realisierbar und fallweise auch nicht sinnvoll, da nach den RSWK das Prinzip des engsten Schlagworts greift und Oberbegriffe nur selten vergeben werden dürfen. So kann z. B. eine regierungskritische Flugschrift, die sich mit Themen wie nationaler Einheit, Freiheit und Volkssouveränität auseinandersetzt und dem Umfeld des Hambacher Festes zuzuordnen ist, nicht mit dem Schlagwort „Hambacher Fest“ versehen werden. Die Folge war, dass zahlreiche unikale Flugschriften aus dem Bestand des LBZ / Pfälzische Landesbibliothek zwar in dilibri eingestellt, aber über die zur Verfügung stehenden Suchmöglichkeiten nur zufällig zu finden waren.

Um das o. g. Problem zu mildern und einen zusätzlichen Mehrwert in Form einer inhaltlichen Strukturierung anzubieten, wurde in dilibri begonnen sogenannte thematische Sammlungen anzulegen, die über die linke Navigationsleiste zu erreichen sind. Die Inhalte werden intellektuell ausgewählt und in der Software Visual Library der jeweiligen thematischen Sammlung hinzugefügt (Abb. 4).

Abb. 4: Ansicht der Thematischen Sammlung „Hambacher Fest“ in der Software Visual Library Manager (Backend).
Abb. 4:

Ansicht der Thematischen Sammlung „Hambacher Fest“ in der Software Visual Library Manager (Backend).

Im Fall der Sammlung „Hambacher Fest und sein Umfeld“ wurden auf diese Weise Zeitdokumente, wie oppositionelle Zeitungen, Flugblätter, Musikalien, ein Skizzenbuch mit Porträts von Teilnehmern, aber auch wissenschaftliche Sekundärliteratur bereitgestellt. Diese Zusammenstellung aus Quellenmaterial und gemeinfreier Sekundärliteratur wird, so weit möglich, bei allen Sammlungen realisiert, um den Nutzern ein möglichst umfassendes Angebot an Werken zum ausgewählten Thema zu bieten.

Bislang wurden in dilibri neben dem „Hambacher Fest“ folgende Themen aufbereitet:

  1. Thomas Nast (Landauer Karikaturist und „Vater“ der US-amerikanischen politischen Karikatur),

  2. Johannes Trithemius – Benediktiner, Humanist und Kirchenreformer,

  3. Wein,

  4. Preußische Rheinprovinz,

  5. Burgen und Festungen in Rheinland-Pfalz.

Die bereits bestehenden Kollektionen können jederzeit durch neue Digitalisate ergänzt und ausgebaut werden. Weitere Themen, wie z. B. Kaiserin Augusta in Koblenz oder das Reichskammergericht in Speyer sind in Planung, um dieses Angebot in dilibri zu erweitern und einen schnellen, unkomplizierten Zugriff auf ausgewählte Inhalte zu ermöglichen.

7 Fazit und Ausblick

In den vergangenen zehn Jahren hat sich dilibri als das rheinland-pfälzische Digitalisierungsportal etabliert. Als großer Vorteil erwies sich der kooperative Aufbau, der es auch weniger finanzstarken Bibliotheken und Partnern ermöglichte, Digitalisierungsprojekte umzusetzen. Der kooperative Grundgedanke soll auch in Zukunft fortgeführt und neue Teilnehmer gewonnen werden.

So wird sich dilibri ab Herbst 2017 auch auf das Gebiet der Zeitungsdigitalisierung wagen, das bisher weitgehend unberücksichtigt blieb. Als Partner für ein erstes Projekt in diesem Bereich konnten das Museum der Stadt Alzey und der Altertumsverein für Alzey und Umgebung e. V. gewonnen werden. In Zusammenarbeit mit den beiden Institutionen wird die „Alzeyer Zeitung“ digitalisiert, die zwischen 1851 und 1935 herausgegeben wurde. Von dieser Zeitung sind nur noch wenige Jahrgänge in drei deutschen Bibliotheken vorhanden. Es bietet sich daher an, den ab 1876 weitgehend erhaltenen Bestand der Zeitung, der sich im Besitz des Museums Alzey befindet, zu digitalisieren, der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen und die Originale, die durch fortgeschrittenen Papierzerfall geschädigt sind, zukünftig zu schonen. Um die Zeitungsdigitalisierung angehen zu können, wurde für das LBZ / Rheinische Landesbibliothek ein Scanner angeschafft, der Aufnahmen bis zum Format DIN A1 erzeugen kann.

Ein weiteres zukünftiges Digitalisierungsfeld für dilibri stellen die Autographensammlungen des Landesbibliothekszentrums Rheinland-Pfalz dar. Die Autographen werden im Kalliope Verbundkatalog[15] erschlossen, die zugehörigen Metadaten über eine neu eingerichtete Schnittstelle in den Visual Library Manager von dilibri eingespielt und dort mit den Digitalisaten verknüpft. Es ist geplant mit Briefen aus dem Nachlass der Familie Baedeker zu beginnen; weitere werden sukzessive folgen.

In einem Projekt zur Georeferenzierung der dilibri-Karten, das von der UB Trier durchgeführt wird, sollen die in dilibri enthaltenen Karten georeferenziert und im internationalen Kartenportal „Old Maps Online“[16] zur Verfügung gestellt werden. Auch über eine weitere Verwendung der so gewonnenen Koordinatenangaben für dilibri wird derzeit nachgedacht. Hierfür wäre es notwendig, das Georeferenzierungsmodul der Firma semantics in die Visual Library von dilibri einzubinden und somit einen zusätzlichen Sucheinstieg über eine interaktive Karte zu ermöglichen.

Ein lange gehegtes Desiderat soll im vierten Quartal 2017 angegangen werden: die regelmäßige Datenlieferung an die Deutsche Digitale Bibliothek (DDB) über eine OAI-Schnittstelle.[17] Damit wird auch die Datenlieferung an die Europeana wieder aufgenommen, die zuletzt 2011 im Projekt „Europeana local“ erfolgte.[18]

Mit den oben genannten Projekten wird die erfolgreiche Arbeit von dilibri in den kommenden Jahren fortgesetzt. Dabei steht die Literatur aus und über Rheinland-Pfalz weiterhin im Mittelpunkt unseres Interesses. Neue Kooperationspartner, die sich an dilibri beteiligen und weitere landeskundliche Literatur beitragen möchten, sind daher jederzeit herzlich willkommen.

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Christoph Mayr

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Stellv. Fachbereichsleiter Wissenschaftliche Bibliotheken, Abteilungsleiter Bestand, Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz, Otto-Mayer-Str. 9, 67346 Speyer, Deutschland

Published Online: 2017-08-23
Published in Print: 2017-09-01

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