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Eigentum und Metapher: Überlegungen zu Franz Kafkas „Der Bau“

  • Ansgar Mohnkern
Published/Copyright: November 19, 2022
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Abstract

Franz Kafka’s “Der Bau” is, among others, a story about dwelling and real estate. This essay makes visible how Kafka’s late fragment considers aspects of law, narration, and metaphor in order to establish a (bourgeois) form of property. The character of this proprietary order is explored in the text. Particularly the often-neglected framework of property that Kafka assigns to the burrow and its monologuing resident reveals a connection to a well-known problem in Kafka’s literature, namely the problem of the institution. The reading of Kafka’s “Der Bau” therefore becomes – also in dialogue with aspects of Kant’s philosophy of law – a categorical contribution to the (metaphorical) institution of property itself.

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Walter Benjamins Bemerkung, dass man „die Tiergeschichten Kafkas auf eine gute Strecke lesen [könne], ohne überhaupt wahrzunehmen, daß es sich gar nicht um Menschen handelt“ („Franz Kafka“ 419), ist so berühmt wie sie zugleich schlagend ist. Denn ganz gleich ob es sich um „Die Verwandlung“, um den „Bericht für eine Akademie“, um die „Forschungen eines Hundes“, den „Bau“ oder auch um den letzten aller literarischen Texte, die der todsieche Kafka veröffentlicht, „Josefine, oder die Sängerin“, handelt: Sie alle verhandeln in tierischer Weise zutiefst menschliche Themen. So aber wie die Tiergeschichten auf der einen Seite Menschengeschichten sind, so umkreisen auf der anderen Seite selbst auch die Menschengeschichten Kafkas – angezeigt wohl am deutlichsten durch das berühmte „Wie ein Hund!“ (Kafka, Der Proceß 312), das Josef K.s Sterben im Proceß begleitet – ein latent Tierisches. Dass dabei Spuren des Menschlichen und des Tierischen überhaupt verwischen und Kafka, wie wohl kein zweiter Klassiker in der deutschsprachigen Literatur, schon früh jene Fragen anspült, die heute unter dem Label ‚Animal Studies‘ zur Diskussion stehen und sich dabei an einer schwierigen, bisweilen unmöglichen begrifflichen Unterscheidung des Menschlichen und Tierischen abarbeiten,[1] ist bekannt.[2] Frappierend an Kafkas Tiergeschichten ist jedoch nicht allein, dass ihnen immer auch ein allgemein Menschliches eignet, sondern sich darüber hinaus an ihnen auch ein spezifisch historisches Element zeigt, durch welches diese Tiergeschichten allesamt auch ihren (menschen-)geschichtlichen Ort ausweisen. Entgegen einer anderen Vorstellung Benjamins nämlich, dass Kafka in „Weltaltern“[3] denke und seine Literatur in eine vor-, ja vielleicht ungeschichtliche „Vorwelt“ (Benjamin, „Franz Kafka“ 410) zurückführe, haben Kafkas Tiere oft Interessen, Bedürfnisse und vor allem Lebenswelten, die den konkreten geschichtlichen Schauplatz markieren, auf dem sie jeweils agieren. Bei genauer Betrachtung scheinen sie dabei viel weniger die Agenten „absolute[r] Deterritorialisierung“ (Deleuze und Guattari 19) zu sein, als die sie Gilles Deleuze und Félix Guattari in ihrer wilden und unscharfen Fantasie über Kafka zu entdecken glaubten. Vielmehr ist ihnen allen gemein, dass sie im weitesten Sinne Tiergeschöpfe mit bürgerlichen Eigenschaften sind. So ist Gregor Samsa bekanntlich in Die Verwandlung das Kind einer bürgerlichen Familie und hört auch nach seiner Verwandlung „zu einem ungeheueren Ungeziefer“ (Kafka, Drucke zu Lebzeiten 115) nie ganz auf, sich vor einer Welt von „Chef[s]“ und „Angestellten“ (116) rechtfertigen zu müssen. Auch der Affe Rotpeter hat im „Bericht für eine Akademie“ „die Durchschnittsbildung eines Europäers erreicht“ (312) und ist im Begriff, sich – sei es auch wider Willen – in einer Welt einzurichten, in der bürgerliche Leitideen von „Weiterkommen“ (305), „Fortschritt[ ]“ (312) und „Entwicklung“ (312) ihre Geltung haben. Und selbst noch Josefines „Macht des Gesanges“ (350) ist in eben dem Sinne die allegorische Verhandlung einer Welt des Politischen, als sich an ihr wesentlich auch jener „letzte[ ] Kampf um ihre Anerkennung“ (372) zeigt, der sich an einer beinahe hegelschen, in jedem Sinne aber bürgerlichen Vorstellung einer politisch-gesellschaftlichen Ordnung abarbeitet, die auf den Prinzipien von bürgerlicher Repräsentation und der (immer nur) konventionellen Anerkennung von Souveränen und Institutionen fußt.[4]

Als bürgerlichste unter den Tiergeschichten muss aber wohl gerade diejenige gelten, von der es dem ersten Anschein nach am wenigsten zu vermuten steht, weil sie sowohl ihrem Thema wie auch ihrem Stil nach die kargste von allen überlieferten Arbeiten Kafkas ist: „Der Bau“. Dabei spricht schon der erste Satz jenes in Handschrift – und ohne Titel – überlieferten Prosastücks eben jene Fantasie aus, die einem modernen Bürgertum von jeher die eigenste ist, nämlich die Fantasie der Wohnbarmachung der Welt. So als meditiere das Tier über das behagliche Interieur eines Wohnzimmers heißt es nämlich: „Ich habe den Bau eingerichtet und er scheint wohlgelungen.“ („Der Bau“ 576) – Einrichten und Wohlgelingen: Beides sind Marker einer Formel, an der noch heute die bürgerliche Familie den Neubezug einer Wohnung oder eines Einfamilienhauses zu messen hat. „Lebst du noch oder wohnst du schon?“, lautete in diesem Sinne denn auch vor wenigen Jahren die Anrufung, in der eine IKEA-Kampagne die Idee der Wohnbarmachung vor sich hertrug, indem das Wohnen – zumal als bürgerliche Idee und Praxis – der Vorstellung und der Realität eines „nackte[n] Leben[s]“ (Agamben, Homo Sacer 85) gegenübergestellt wurde und vielleicht gerade in dieser Art der ‚Auslöschung‘ von Leben ihren bürgerlich-ideologischen Kern zur Schau stellte. Gerade die Hoffnung auf ein mit glücklicher Hand eingerichtetes Interieur setzt aber den travestierenden Ton zu Beginn von Kafkas „Der Bau“, denn wüsste man nicht, dass es sich um Kafka handelt, so ließe sich der Satz ebenso lesen wie ein Stück aus einem bürgerlichen Tagebuch, in dem der Augenblick nach dem Neubezug einer Neubauwohnung beschrieben wird. Doch auch wenn die Fragment gebliebene Erzählung insgesamt eine von jener Art ist, in der sich die Hoffnung auf Wohnen wie auch das Wohnen selbst immer nur unter den Bedingungen der Vorläufigkeit am Leben hält, so zeigt sich an diesem ersten Satz eben auch die bis heute dringende anthropologische Frage: Wie richten wir uns ein und wie organisieren wir ein Bleiben?

Vom Eingerichtetsein zu sprechen heißt dabei auch immer davon zu sprechen, was es einzurichten gilt, nämlich vom Haus. Nicht nur gibt es eine „uralte Korrespondenz zwischen Haus und Schrank“ (Benjamin, Passagen-Werk 284), was es Benjamin im Passagen-Werk möglich macht, die Frage nach dem Interieur als ein dialektisches Bild zu rahmen, in dem sich das geschichtlich Widersprüchliche zumal an der gesellschaftlichen Konstellation des bürgerlichen 19. Jahrhunderts zeigt.[5] Vielmehr ist es gerade die eigentümliche Vorläufigkeit von Wohnen und Eingerichtetsein, wie sie auch über dem Anfang von Kafkas „Der Bau“ schwebt, die zum einen vom historischen Drängen der Frage nach dem Wohnen im Allgemeinen zeugt, zum anderen aber auch Spuren einer spezifischen Krise sowohl von Wohnen im Allgemeinen als auch von seinem Schauplatz (dem Haus) im Besonderen ausweist. Denn wenn es dem alles in allem angstvollen Tier zunächst einmal darum geht, sich in einer Form von Häuslichkeit einzurichten, so kann kaum ein Zweifel sein, dass es dabei nicht um ein irgendwie urwüchsiges Wohnen im Sinne Martin Heideggers geht, nach dem „im Wohnen das Menschsein beruht und zwar im Sinne des Aufenthalts der Sterblichen auf der Erde“ (Heidegger 143), sondern vielmehr darum, was Vilém Flusser einmal als „Wohnung beziehen in der Heimatlosigkeit“ (247) bezeichnete.

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Im widersprüchlichen Interesse an Haus und Wohnung zeigt sich auch das Erbe der bürgerlichen Literatur des 19. Jahrhunderts, das in Kafkas „Der Bau“ auf thematischer Ebene ein entferntes Echo findet.[6] Diese latente Widersprüchlichkeit bespielt zum einen die Fantasie von Haus und Wohnen, wie sie das 19. Jahrhundert vor sich her trägt, stellt aber zum anderen immer auch die (historische) Vorläufigkeit sowie die Gefahren einer latenten Unmöglichkeit des Wohnens aus, die ja zumal die bürgerliche Klasse immer als Angst begleitet. Die Möglichkeit eines Umschlagens von behaglichem Wohnen in das Gefühl von Bedrängung und Bedrohung zeigt sich im „Bau“ dabei deutlich an der prekären Situation der „Stille“, die vielfach angerufen, aber nie erreicht wird. Solche „Stille“ gehört ja – wer einmal in der Nähe einer vielbefahrenen Straße oder eines stark frequentierten Flughafens gewohnt hat, wird es wissen – bis heute zur Idealvorstellung des Wohnens und stellt von jeher einen elementaren Bestandteil im bürgerlichen Modell eines befriedeten Wohnens dar, das eine Form von Privatheit ungestört einzuhegen strebt und darin so etwas wie die Möglichkeit einer „‚Un-Heim-lichkeit‘ des Wohnens“ (Rötzer 10) abzuwehren sich bemüht. In Kafkas Fragment heißt es in diesem Sinne:

Das schönste an meinem Bau ist aber seine Stille, freilich sie ist trügerisch, plötzlich einmal kann sie unterbrochen werden und alles ist zu ende, vorläufig aber ist sie noch da, stundenlang kann ich durch meine Gänge schleichen und höre nichts als manchmal das Rascheln irgendeines Kleintiers, das ich dann gleich zwischen meinen Zähnen auch zur Ruhe bringe, oder das Rieseln der Erde, das mir die Notwendigkeit irgendeiner Ausbesserung anzeigt, sonst ist es still. („Der Bau“ 579)

Das Eigentümliche an Kafkas Fabulieren über solche „Stille“ ist, dass sie sich nur vor der Folie einer zumeist latenten, gelegentlich aber auch konkreten Nicht-Stille dokumentieren lässt, als derer Differenz sie ja allererst wahrnehmbar wie zugleich bedeutend wird. Denn es sind sowohl „das Rascheln irgendeines Kleintiers“ als auch „das Rieseln der Erde“ solche Momente, die die Vorstellung von der Abwesenheit eines Geräuschs, das die „Stille“ wäre, überhaupt erst ermöglicht. Dazu liefert das lapidare „sonst ist es still“ die Formel, die ja auch besagt, dass eine Stille nur denkbar ist, sofern es gegen die Wirklichkeit ihres Gegenteils zu halten ist. „Stille“ bildet in diesem Sinne das „sonst“ des Geräuschs, wird aber von diesem zugleich auch immer wieder überdeckt. Dabei ist das semantisch reziproke Feld von Stille und Geräusch natürlich eines, das zu den Kernthemen der Erzählung gehört.[7] Schließlich ist es ja gerade der Punkt, der sich zwischen die im Ansatz utopische Erfahrung totaler Stille auf der einen Seite – „Und alles, alles still und leer.“ (579) – und dem plötzlichen Vernehmen jener grundsätzlichen Irritation, die die Erzählung als „ein kaum hörbares Zischen“ markiert, auf der anderen Seite schiebt, an denen die Visionen der Stille jäh und plötzlich in einen Teppich von Geräuschen oder gar in Lärm umschlägt. Zu lesen ist von diesem Punkt des Umschlags an vom „Rauschen der Stille auf dem Burgplatz“ (612) sowie von einem „leichte[n] Zischen, in langen Pausen nur hörbar, ein Nichts, an das man sich, ich will nicht sagen, gewöhnen könnte“ (615). Und selbst wenn es „scheint [...], als habe das Geräusch aufgehört“ (618), so ist es in Wirklichkeit bloß „stärker geworden“ (619). Denn über die „[t]iefe Stille“ (621) legt sich und bleibt „plötzlich ein Geräusch in der Ferne“ (626).

Als Marker jener bisweilen fetischhaften Obsessionen, die das Tier – ganz gleich ob paranoid oder nicht (vgl. Fuchs) – vom „Geräusch“ befällt, dient der Erzählung die Sprache vom „Horchen“[8]. Durch dieses ist „der Lärm der Welt und ihrer Gefahren“ („Der Bau“ 621) allerdings nicht zu bannen und wohl schon gar nicht zu verstehen. Doch im Horchen wird das Spiel der (zischenden) Zeichen zu einer epistemologischen Herausforderung, von denen es fast gleichgültig erscheint, ob sie noch im eigentlichen Sinne bedeutend ist oder aber, wie eine Vielzahl von Kafka-Lektüren aus dem Dunstkreis der Dekonstruktion in immer wieder neuen Weisen nahelegte,[9] ihren Status als bedeutendes Zeichen selbst ausstellt. Denn hier schwankt das Tier im „flüchtigen Hinhorchen“ (619) zwischen der Verführung nach einer „Ursache“ (622) zu forschen oder aber dem Versuch, sich in den Stand dessen zu versetzen, was ein Zeitgenosse Kafkas, Edmund Husserl, als die Idee von einer „phänomenologische[n] Reduktion“ (Idee der Phänomenologie 5, Kursivschrift im Original) verhandelte. Husserl dachte dabei über ein grundsätzlich neues Verhältnis zu Dingen und Welt nach, die unter jedwedem „Ausschluß aller transzendenten Setzungen“ (5, Kursivschrift im Original) keine präsuppositiven Annahmen über Gründe, Zwecke und Ursachen macht, die von den berühmten „Sachen selbst“ (Husserl, Logische Untersuchungen 10) her nicht verfügbar sind. Im Sinne gerade solcher „Reduktion“, die zumal ja auch von der stilistischen Kargheit in Kafkas Prosa komplementiert scheint, bemerkt „Der Bau“ darum auch in der Spekulation über die Herkunft und die Verbindungen zu einem möglichen „Rinnen, welche das Kleinzeug gräbt“ (Kafka, „Der Bau“ 622):

Und wenn es gar nicht mit ihnen zusammenhängen sollte, dann läßt sich von vornherein wohl gar nichts annehmen und man muß warten bis man die Ursache wirklich findet oder sie selbst sich zeigt. Mit Annahmen spielen könnte man freilich auch noch jetzt, es ließe sich z. B. sagen daß irgendwo in der Ferne ein Wassereinbruch stattgefunden hat und das, was mir Zischen oder Pfeifen scheint wäre dann eigentlich ein Rauschen. (622)

Hier zeigt sich das Schwanken in den Fantasien des Tiers, das seinen Bau, sich selbst und seine Umwelt einzugrenzen, zu bestimmen, zu verstehen sucht. Dieses Schwanken ist eines, das vielleicht die einfachste Art darstellt, die Verhandlungsmasse der Erzählung – denn mehr als das Nachzeichnen eines monologisch vorgetragenen Hin und Her ‚passiert‘ ja streng genommen nicht – auf einen einzigen Begriff zu bringen. Auf der einen Seite finden sich dabei die in ihrem Kern vielleicht schon phänomenologischen Träumereien von einer Form der (säkularen) Offenbarung, die sich nicht auf ein immer nur vages, gleichsam spekulatives System des Setzens, Annehmens und Präsupponierens gründet, sondern sich rein vom Phänomen, ja vom Gegenstand her bildet: „bis man die Ursache wirklich findet oder sie sich selbst zeigt“. Auf der anderen Seite aber zeigt sich schon an dieser Fantasie, dass sie immer auch nur für den Preis eines Rückfalls in eben dieses Spekulieren zu haben ist, dem das monologisierende Tier sich hingibt, und das zugleich auch so etwas wie den Garanten der Kontinuität der Erzählung bildet. So liegt im „Horchen“ also nicht bloß die Wahrnehmung jenes „kaum hörbare[ ] Zischen[s]“ (606), sondern vielmehr zugleich die Spekulation über seine Herkunft, seinen Grund, ja vielleicht sogar sein ‚Wesen‘, womit sich die Erzählung als das breite Aufspannen eines Feldes am Leben hält, das bevölkert wird von Begriffen und Formulierungen über Angelegenheiten wie „angenommene[ ] Herkunft“ (607), „ursprüngliche[ ] Annahme (609), „neue[ ] Annahme“ (609), „Theorien“ (614), „Vorstellbarkeit“ (623) oder auch nur „meine bestimmte Meinung“ (622). Gerade aus diesem spekulativen Element ergibt sich dabei jener für den späten Kafka typische Stil einer „Bedenkenprosa“ (Stach 589), in der nicht mehr nur Gegenstände verhandelt werden, sondern immer auch ein Nach- und Bedenken des begrifflichen Erfassens von diesen Gegenständen im Hintergrund arbeitet.

Die Kargheit von Kafkas später Prosa hat das im Kern realistische Problem einer Literatur des 19. Jahrhunderts aufgegeben, nach der ein „Wirklichkeitseffekt“ (Barthes, „Der Wirklichkeitseffekt“) das Resultat von Beschreibung und Denotation darstellt. Dieses hatte Kafka in seinen frühen Schriften, die ja noch zumindest die Sprache eines Realismus zu sprechen vorgeben, ja immerhin noch parodiert. In „Der Bau“ hingegen ergibt sich aus den abstrakten Meditationen, die zwischen den vielen Fantasien über die „Annahme“ eines ‚wirklichen‘ Grundes für das „Zischen“ oder „Rauschen“ sowie über die vielen Versuche, diesen Annahmen eigentlich zu entsagen, eine Form dessen, was sich als ‚Unwirklichkeitseffekt‘ bezeichnen ließe. Denn, so teilen die vielen Gesten der Erzählung mit, über die Herkunft dieser Geräusche sind ja im Grunde immer nur solche Annahmen zu machen, die nicht die Wirklichkeit, sondern eben vielmehr die Unwirklichkeit eines Grundes oder einer Ursache zum Ergebnis haben. Darum steht am Ende die bloße „Annahme der Existenz des großen Tiers“ als das Ergebnis der (stets unbefriedigenden) Einsicht, dass die präsuppositiven Operationen, die das Erzählen selbst stets von Neuem von einer Annahme zur nächsten tragen, bloß Nicht-Wirklichkeit und damit Nicht-Wissen produzieren, nie aber tatsächlich gültige Erkenntnis. So Kafka:

Gewiß, zuerst mußte man eher dazu neigen viele kleine Tiere anzunehmen, da ich sie aber bei meinen Grabungen hätte finden müssen und nichts gefunden habe, bleibt nur die Annahme der Existenz des großen Tieres, zumal das was der Annahme zu widersprechen scheint, bloß Dinge sind, welche das Tier nicht unmöglich, sondern nur über alle Vorstellbarkeit hinaus gefährlich machen. (Kafka, „Der Bau“ 623)

Das heißt: Aus der Neigung, „viele kleine Tiere anzunehmen“, resultieren Grabungen, die keine Art von Verifizierung haben leisten können, woraus ein System (metonymischer) Verschiebungen hervorgeht, das immer bloß eine weitere Annahme – „die Annahme der Existenz des großen Tieres“ – hervorbringt, nie aber die Erkenntnis derselben. Damit kreuzt sich die erzählerische Kette dessen, was Peter Brooks in seinem klassischen Beitrag zu narrativen Ordnungen als „word-to-word connections of metonymy“ bezeichnete, mit der die Kraft der Erzählung einer Art des Namens („name“) entgegensteuert, den es, als dem Objekt seines Begehren („desire“), stets von Neuem verfehlt.[10] Diese erzählerische Ordnung, die auf der einen Seite mit den Versuchen korrespondiert, sie (und das heißt auch: Kafka überhaupt) zu lesen,[11] bringt auf der anderen Seite wohl auch immer wieder jene Abbrüche an Kafkas Fragmenten hervor, die in einer Art Endlosschleife gleichsam erschöpft steckenbleiben. Um es in Computersprache zu sagen: In „Der Bau“ ‚hängt‘ sich die Maschine der Erzählung darum genau an jenem „Horchen“ auf, das ja beides zugleich ist, Versuch der (phänomenologischen) Befriedung wie auch sensueller Motor der Maschine von immer wieder neuen metonymischen Verschiebungsketten.[12]

Analog zu dieser narrativen Endlosschleife würde sich die Frage in einem Netz hermeneutischer Unlösbarkeit verfangen, die nach dem gegenständlichen Status des Baus selbst fragt. Denn nichts an dieser sich von Annahme zu Annahme bewegenden Erzählordnung des Fragments könnte die Wirklichkeit dieses Baus wie auch seiner Umwelt verbürgen. So ergibt sich zumindest von einem realistischen Standpunkt aus, der nach einer dinglichen Referenz der Erzählung Ausschau hält, eine, wie Bettine Menke es nannte, „Allegorie der Unlesbarkeit“ (32). Denn die immer wieder neuen Annahmen machen sowohl den Text als auch sein referentielles System alles in allem opak, weil sie das in den Annahmen Versprochene immer wieder nur von Neuem hinauszögern, aussparen, aufschieben. Zugleich fordert aber solche „Unlesbarkeit“ in einem zu einer Form des gleichsam endlosen Weiterlesens auf, weil ja, solange die Erzählung nicht abbricht, die Hoffnung auf Referenz am Leben gehalten wird, die sie zugleich immer wieder enttäuscht.

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Derweil wirft die immanente Unwirklichkeit des Baus auch wieder auch ein Licht auf den Status nicht nur des Baus im Allgemeinen, sondern des Baus als eine Form der Wohnung, die das „resident animal“ (Wegmann), wie das Tier auch genannt wurde, sein Zuhause nennen könnte. Denn schon lange bevor das Tier der Obsession des Geräuschs verfällt, ist es mit der Markierung der Grenzen seines Baus beschäftigt. Diese Markierung bezeichnet – ganz gemäß jenes ‚Unwirklichkeitseffekts‘, der in Kafkas Prosa am Werk ist – keinen dinglichen Territorialanspruch, sondern greift in symptomatischer Weise eine bestimmte gesellschaftliche Kategorie auf, wodurch das Fragment den historischen Stand, den es verhandelt, nämlich den bürgerlichen, dezidiert benennt. Kafka nämlich schreibt:

Alle hundert Meter habe ich die Gänge zu kleinen runden Plätzen erweitert, dort kann ich mich bequem zusammenrollen, mich an mir wärmen und ruhen. Dort schlafe ich den süßen Schlaf des Friedens, des beruhigten Verlangens, des erreichten Zieles, des Hausbesitzes. Ich weiß nicht ob es eine Gewohnheit aus alten Zeiten ist oder ob doch die Gefahren auch dieses Hauses stark genug sind mich zu wecken, regelmäßig von Zeit zu Zeit schrecke ich auf aus tiefem Schlaf und lausche, lausche in die Stille, die hier unverändert herrscht bei Tag und Nacht, lächle beruhigt und sinke mit gelösten Gliedern in noch tiefern Schlaf. (Kafka, „Der Bau“ 579–580)

Der „süße[ ] Schlaf des Friedens, des beruhigten Verlangens, des erreichten Zieles, des Hausbesitzes“: hier liegt die eigentümlich bürgerliche Wendung, die jene Frage nach der „Stille“ noch über das Wohnen selbst hinaus bestimmt. Denn sie bindet jene zugleich an die Frage nach dem proprietären Status des Baus – und zwar als Haus im bürgerlichen Sinne. So ist die „Stille“ dabei Marker auch eines „Hausbesitzes“, an dem das bürgerliche Tier im Bau – „eingerichtet“ und „wohlgelungen“ – das Ge- oder Missglücken seines Wohnens misst. Andersherum aber heißt dies auch: Wohnen ist in dieser Fantasie immer nur dann „wohlgelungen“, sofern es von der Idee des „Hausbesitzes“ her definiert ist, in dessen „Frieden[ ]“ ein wesentlicher Grund dieses Gelingens liegt. Kurz, Kafkas „Der Bau“ ist zuletzt auch eine Allegorie für die Welt des Immobilienbesitzes, in die sich das Tier – als bürgerlich wohnendes – einzufinden, einzuleben, eben einzurichten sucht.

Ist aber nun die Frage des „Hausbesitzes“ einmal in die begriffliche Architektonik des „Baus“ eingelassen, so spannt sich in der Erzählung zugleich auch jene Institution auf, die schon die großen Romanfragmente, vor allem den Proceß und das Schloß, so eindringlich prägte: die Institution des Rechts nämlich. Es besteht kein Zweifel, dass sich Kafka, Jurist und Konzipist der Prager „Arbeiter-Unfallversicherungs-Anstalt“, gut auf die elementare Bedeutung von Besitz und Eigentum für die gesetzlichen Institutionen seit ihren Anfängen im Römischen Recht verstand.[13] Denn trotz allen Alleinseins des Tieres und trotz aller Kargheit von Prosa und Bau: „[I]n meinem Haus zu sein“ (578) heißt nicht bloß zu wohnen, sondern bedeutet vielmehr auch, unerwähnt und ungefragt, sich unter der unhintergehbaren Gewissheit der Herrschaft eines Rechts einzufinden, in dessen Rahmen alles, was im Erzählfragment ‚geschieht‘, zu bemessen, ja zu instituieren ist. Bemerkte Rüdiger Campe über den Proceß, „daß K.’s Leben ein einziges institutionelles Faktum ist“ (Campe, „Kafkas Institutionenroman“ 198), so muss dies auch von jenem Tier gelten, das sich in seinen Fantasien gleich zu Beginn in Eigentumsverhältnisse setzt und sich damit auch in dem unsichtbaren, aber geltenden Rahmen einer Rechtsordnung wiederfindet, die die eigentliche Erzählung im Fragment von ihrem ersten Moment betritt. Mit dem Beginn des „Baus“ wird somit, wie überhaupt in Kafkas Literatur, kein „Gang des Subjekts durch die institutionellen Instanzen“ (199) aufgezeichnet, sondern dieses Subjekt findet sich – wenn überhaupt noch von einem Subjekt im emphatischen Sinne zu sprechen ist – in der Institution (des Rechts) wieder. Diese Institution ist aber immer schon (vor ihm) da und lässt sich – anders als etwa im Bildungsroman – nicht entwickeln, entfalten oder gar ausbilden. Der Bau ist somit Immobilie in dem Sinne, als die Arbeit an ihm nicht nur (oder vielleicht sogar: überhaupt nicht) die Arbeit an einem festen, soliden, fundamentierten Gebäude darstellt, sondern am Ende die Arbeit an einer Rechtsordnung, in die er hineingesetzt wird und die er im Vorhinein, ohne diese Rechtsordnung selbst variieren zu können, akzeptiert, anerkennt und somit, im höheren Sinne, gar von Neuem (re-)instituiert. Denn diese Immobilie ist immer auch, mit Campe gesprochen, „unmittelbar in die Beziehung zur Institution verstrickt“ (201).[14]

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Dass Kafkas „Der Bau“ zumal mit den Fundamenten einer bürgerlichen Rechtsordnung zu verbinden ist, erklärt sich allerdings nicht von selbst. Erhellt wird diese Verbindung aber insbesondere durch den Blick auf eine ‚Geburtsstunde‘ des im engeren Sinne bürgerlichen Rechtsverständnisses, wie sie in Kants Metaphysik der Sitten zu finden ist. Hier verhandelt der späte Kant nicht nur jene „metaphysische[n] Rechtsgründe der Rechtslehre“ (Kant, Metaphysik der Sitten 309), die sich der Aufgabe ausgesetzt finden, die moralphilosophischen Prinzipien (allen voran den kategorischen Imperativ) konkret in eine Rechtsordnung zu übersetzen. Vielmehr geht es auch darum, dies nach vernünftigen Maßstäben in dem Sinne zu leisten, dass vernünftige Gesetze „keine andere[n] als formale Gesetze“ (354) sein können, die gleichsam referenzlos ohne Gegenstände, ohne Dinge und Inhalte auszukommen haben, um das Prinzip der Allgemeingültigkeit nicht zu beschädigen. Daraus ergibt sich im Kontext der Rechtsordnung eine juridische Kargheit in dem Sinne, als die einzelnen Dinge und Gegenstände, die sich in der Rechtsordnung finden, nie prinzipielles Kriterium für einen „Rechtsgrund“ selbst sein können, sondern immer nur in den Rahmen des Rechts sich eingliedern oder sich diesem unterordnen müssen. So wie sich Subjekte und Dinge auch bei Kafka immer schon an den Anfängen seiner (kargen) Prosa in einer Institution des Rechts wiederfinden, so ergeht es auch den Subjekten und Dingen bei Kant. Das Recht ist die institutionelle Form, in die sie hineinfallen, und es ist immer schon vor ihnen da.

Zugleich aber entwirft Kant ein System des Rechts, das eine bemerkenswerte Eigentümlichkeit besitzt. Entgegen eines Instinkts, der zumal im Sinne von Kants (protestantischer) Prinzipientreue das Öffentliche vor das Private stellen würde, steht nämlich am Anfang der Rechtslehre nicht die Verhandlung des öffentlichen Rechts. Vielmehr eröffnet Kant seine eigentliche Diskussion des Rechts mit der Abhandlung über das Privatrecht. Mehr noch: Kant beginnt nicht mit der begrifflichen Frage, was das Private denn eigentlich sei, sondern eröffnet das Feld seiner Erörterungen, an dessen Ende ja die Verstellung einer „bürgerlichen Verfassung“ (374) steht, mit eben jener Frage, was es heißt „etwas äußeres als das Seine zu haben“ (353). Am Anfang aller Rechtsordnung steht also, zumindest in der Ordnung der Erzählung, in der Kant sie präsentiert, die Frage nach „Besitz“ (353). Vielleicht ist Kants Anordnung bloß redlich in dem Sinne, als sie ohne Umwege zum Kern einer bürgerlichen Rechtsordnung, nämlich der Regulierung von Besitz und Eigentum vorstößt, die bis heute das Grundgerüst des Privatrechts zumal im Kontext kapitalistischer Gesellschaften bildet.[15] Wichtig aber an Kants Idee des Besitzes sind vor allem zwei Aspekte, die, bringt man sie auch für Kafkas „Der Bau“ in Anschlag, von prinzipieller Bedeutung für den Charakter der Institution sind, in der sich – bei Kafka – zuletzt auch das wohnende Tier befindet. Erstens nämlich handelt es sich um ein Eigentumsrecht, das nicht von den Objekten oder Gegenständen her gedacht wird, sondern vielmehr einen „intelligible[n] Besitz“ (357) bildet, also einen Besitz, der nicht als wirklich, sondern bloß „als möglich vorausgesetzt werden [muß], wenn es ein äußeres Mein oder Dein geben soll“ (357). Dies heißt, dass im Begriff des Besitzens immanent eine Kargheit der Abstraktion vorherrscht, die ein kontinuierliches Verhältnis von ‚Subjekt‘ und ‚Objekt‘ abbildet, nicht aber ein Subjekt oder Objekt selbst darzustellen in der Lage ist. Zweitens schließt diese Besitzordnung immanent – darin verleiht Kant seiner Rechtslehre auch einen grundsätzlich sozialen Charakter – die Vorstellung von einem zweiten ‚Subjekt‘ mit ein, das zwar wie das erste abstrakt bleibt, aber trotzdem allem notwendig mitzudenken ist, sofern die Ordnung des Besitzes überhaupt als möglich zu denken ist. Denn:

Es ist aber klar, daß ein Mensch, der auf Erden ganz allein wäre, eigentlich kein äußeres Ding als das Seine haben, oder erwerben könnte; weil zwischen ihm, als Person, und allen anderen äußeren Dingen, als Sachen, es gar kein Verhältnis der Verbindlichkeit gibt. Es gibt also, eigentlich und buchstäblich verstanden, auch kein (direktes) Recht in einer Sache, sondern nur dasjenige wird so genannt, was jemanden gegen eine Person zukommt, die mit allen anderen (im bürgerlichen Zustande) im gemeinsamen Besitz ist. (371–372)

Geteilt wird also das Rechtssystem, nicht aber das konkrete und singuläre „Ding als das Seine“. Und die Vorstellung, dass dieses Ding wiederum Gegenstand von Besitz wird, ist nicht ihm selbst zu verdanken, sondern einzig der Tatsache, dass das Recht im Kern ein mit einem anderen geteiltes ist. Dieses Teilen – unzählige Prozesse um Eigentumsfragen zeigen das an – ist keines, das notwendigerweise auf Freiwilligkeit beruht, sondern kann „allen anderen“ gleichsam der Gewalt von Gerichten aufgezwungen werden. Schließlich „muß [...] auch dem Subjekt erlaubt sein, jeden anderen, mit dem es zum Streit des Mein und Dein über ein solches Objekt kommt, zu nötigen, mit ihm zusammen in eine bürgerliche Verfassung zu treten.“ (366) Bezugspunkt dieser Besitzordnung ist somit immer bloß eine abstrakte Verfassung, in der sich zwar das Verhältnis von zwei Subjekten ausdrücken lässt, nicht aber so etwas wie das ‚Wesen‘ entweder eines dieser Subjekte oder des in Besitz genommenen Gegenstandes.

Nun hat also eine solche abstrakte „bürgerliche“ Rechtsordnung, in der sowohl der besessene Gegenstand wie auch „alle anderen“ in erster Linie vorgestellt werden, ein entschieden fiktives Element. Das hat schon Jacques Derrida in seiner Lektüre von Kafkas Vor dem Gesetz dargelegt.[16] Und eben diese Spur des Fiktiven findet sich bei Kant eben auch auf der Ebene der Objekte. Denn zum einen gilt, dass Besitz auch ohne Präsenz bzw. Gegenwart eines Objekts funktioniert.[17] Zum anderen aber bezieht sich Kant in der Diskussion des Besitzes noch dazu auf gerade jenes Element, von dem man doch eigentlich glauben würde, dass es das beständigste und vor allem festeste unter allen möglichen Gegenständen im Besitz ist, nämlich „die Besitzung eines absonderlichen Bodens“ (359). Kant merkt an:

Der Besitzer fundiert sich auf dem angebornen Gemeinbesitze des Erdbodens und dem diesem a priori entsprechenden allgemeinen Willen eines erlaubten Privatbesitzes [...] und erwirbt durch die erste Besitzung ursprünglich einen bestimmten Boden, indem er jedem andern mit Recht (iure) widersteht, der ihn im Privatgebrauch desselben hindern würde, obzwar als im natürlichen Zustande nicht von rechtswegen (de iure), weil in demselben noch kein öffentliches Gesetz existiert. (359)

Besitz wird solcher „Boden“ also nur auf der Basis eines Rechts, das ein Element von Fiktion, von Erfindung vor sich her trägt. Das muss zugleich für diesen „Boden“ selbst gelten, denn darin unterscheidet er sich nicht von einem „Apfel“, der, wenn man ihm seinem Eigentümer auch „aus der Hand reißt“ (358) und von ihm trennen würde, immer noch zweifach im Besitz fortlebt, nämlich als ein Apfel, der ganz im Allgemeinen vorgestellt werden kann, und als Apfel, der im Spezifischen als Besitz vorgestellt wird.[18] Boden also ist eben nicht das Feste und Solide, sondern besteht in der Rechtsordnung, in der ‚Institution‘ (immer nur) als Vorstellung, als – wenn man so möchte – Erzählung von einem Boden, von dem es nach Maßstäben des Rechts gleichgültig erscheint, welche konkreten Eigenschaften er abbildet.

Wenn es nun aber so ist, dass noch nicht einmal auf den Boden im gegenständlichen Sinne Verlass ist, sondern er innerhalb der Rechtsordnung – wie das Recht selbst – nichts anderes als einen gleichsam fiktiven Ort besetzt, so muss dies zumal auch von jenen Dingen gelten, die sich auf einem solchen Boden befinden. Das gilt insbesondere für alles, was Kant paradoxerweise das „Immobile“ nennt und von dem, wie für den Boden selbst, gilt, dass er auf der Idee einer immer nur vorläufigen Annahme fußt.[19] So merkt Kant an:

Der Boden (unter welchem alles bewohnbare Land verstanden wird) ist, in Ansehung alles beweglichen auf demselben, als Substanz, die Existenz des letzteren aber nur als Inhärenz zu betrachten und so, wie im theoretischen Sinne die Akzidenzen nicht außerhalb der Substanz existieren können, so kann im praktischen das Bewegliche auf dem Boden nicht das Seine von jemanden sein, wenn dieser nicht vorher als im rechtlichen Besitz desselben befindlich (als das Seine desselben) angenommen wird. Denn setzet, der Boden gehöre niemanden an: so werde ich jede bewegliche Sache, die sich auf ihm befindet, aus ihrem Platze stoßen können, um ihn selbst einzunehmen, bis sie sich gänzlich verliert, ohne daß der Freiheit irgend eines anderen, der jetzt gerade nicht Inhaber desselben ist, dadurch Abbruch geschieht; alles aber, was zerstört werden kann, ein Baum, Haus u.s.w. ist (wenigstens der Materie nach) beweglich, und wenn man die Sache, die ohne Zerstörung ihrer Form nicht bewegt werden kann, ein Immobile nennt, so wird das Mein und Dein an jener nicht von der Substanz, sondern dem ihr Anhängenden verstanden, welches nicht die Sache selbst ist. (372)

Drei Aspekte ergeben sich aus dieser Konfiguration, die das „Immobile“ umgibt: Erstens ist es umrahmt von einem grundsätzlich präsuppositiven Umfeld von Annahme und Vorstellung, wie sie in den Formulierungen „angenommen“ und „[d]enn setzet“ aufschimmert. Zweitens befindet es sich auf einem „Boden“, der ja seinerseits bloß ein vorgestellter ist, also nicht zwingend jenen gegenständlichen Charakter ausweist, der von ihm – erdhaft und fest – eigentlich zu erwarten wäre. Und drittens zeigt sich, dass solches „Immobile“ am Ende gerade das Gegenteil dessen ist, was als unbeweglich gedacht wird, sofern es als das, „was zerstört werden kann“, auch als „(wenigstens seiner Materie nach) beweglich“ bezeichnet wird. Darin besitzt es also eben jene Qualität der Vorläufigkeit von Annahme, Vorstellung, Fiktion und Präsupposition, die auf der einen Seite schon der „Boden“ kennt, auf der anderen Seite aber eben auch dem gesamten Rechtssystem eignet, in dem es seinen Ort hat bzw. (im Sinne von Gegenständlichkeit) nicht hat.[20]

Legt man nun solchen Rechtsgrund, der in seinen Subjekten und Objekten, aber eben auch in seinem Wesen selbst grundsätzlich fiktive Elemente hat, auch als Maßstab jener Institution an, in der sich Kafkas Figuren in je neuer Weise wiederfinden und in der zumal jenes so eigentümlich bürgerliche Tier in „Der Bau“ seinen Ort mit den Meditationen vom „Hausbesitz[ ]“ bestimmt, so wird über einen Umweg (Kant) lesbar, wie jede Arbeit „an meinem Bau“ eben auch immer eine Arbeit an der stets wiederholt zu leistenden Erfindung desselben als Besitz zu verstehen ist. Das Ringen um den Bau und seine Begrenzungen ist nämlich – in der Sprache Kants – auch das Ringen um denselben als „Mein“, das sich in der Opposition gegen ein „Dein“ (das nämlich das „irgend eines anderen“ wäre) abgrenzt und zugleich selbst bestimmt. Genau in dieser gleichsam notwendigen Abgrenzung gegen ein grundsätzlich imaginäres und fiktives Anderes, das ja auch an der ‚erhorchten‘ Fantasie von jenem „kaum hörbare[n] Zischen“ haftet, kommt eben der Sinn der proprietären Struktur des Baus zum Ausdruck. Diese lässt sich – wenn es auch auf den ersten Blick naheliegt – nicht bloß mit dem Verweis auf Carl Schmitts „Begriff des Politischen“ und der Idee des Freund-Feind-Schemas reduzieren.[21] Denn der Konflikt ist vielmehr einer, der innerhalb der bürgerlichen Rechtsordnung des Besitzens selbst seinen Ort hat und diese bürgerliche Rechtsordnung nicht sprengen will und vor allem nicht sprengen kann. So merkt Kafka über Geräusch, „Feinde“ und Besitz an:

Dieses Geräusch ist übrigens ein verhältnismäßig unschuldiges; ich habe es gar nicht gehört, als ich kam, trotzdem es gewiß schon vorhanden war; ich mußte erst wieder völlig heimisch werden, um es zu hören, es ist gewissermaßen nur mit dem Ohr des wirklichen sein Amt ausübenden Hausbesitzers hörbar. (Kafka, „Der Bau“ 606)

Und:

[E]s kommt jemand heran. Wie kam es nur daß so lange Zeit alles still und glücklich verlief? Wer hat die Wege der Feinde gelenkt, daß sie den großen Bogen machten um meinen Besitz? Warum wurde ich so lange beschützt, um jetzt so geschreckt zu werden? Was waren alle kleinen Gefahren, mit deren Durchdenken ich die Zeit hinbrachte gegen diese eine! Hoffte ich, als Besitzer des Baues die Übermacht zu haben gegen jeden der käme? Eben als Besitzer dieses großen empfindlichen Werkes bin ich wohlverstanden gegenüber jedem ernsteren Angriff wehrlos, das Glück seines Besitzes hat mich verwöhnt, die Empfindlichkeit des Baues hat mich empfindlich gemacht, seine Verletzungen schmerzen mich als wären es die meinen. (625)

„Feinde“ also verstehen sich nicht allein im politischen Sinne, sondern – sie sind ja jene, die „den großen Bogen machten um meinen Besitz“ – auch mit Bezug auf die proprietäre Ordnung. Und das Geräusch, das ja seinen Ursprung in der Annahme findet, von diesen Feinden her zu stammen, hat seinen Sinn erst darin, dass seine Fiktion eben auf der einen Seite vom Bau-Tier als eine Bedrohung sowohl von sich selbst als auch von seinem „Hausbesitz[ ]“ wahrgenommen wird, auf der anderen Seite aber zugleich auch eine innere Notwendigkeit darstellt. Denn erst die Vorstellung eines (gesellschaftlich) Anderen überhaupt legt die Möglichkeit von solchem „Hausbesitz[ ]“ frei. Das heißt: Das „Zischen“ und die damit verbundenen „besessenen Vorstellungen vom Anderen“ (Liska 341), die in „Der Bau“ die Meditationen und Fantasien des Tieres tragen, sind in diesem Sinne ebenso Bedingung der Möglichkeit, den Bau als „Mein“ zu bezeichnen und ihn von einem „Dein“ zu scheiden, wie zugleich Bedingung jener Vorstellung des Tiers von sich selbst als einem „sein Amt ausübenden Hausbesitzer[ ]“.[22] Dieses „Zischen“ eines im strengen Sinn immer bloß abstrakten Anderen ist, wenn man so will, das notwendige Element, dass die Besitzanordnung bedroht wie zugleich aber auch am Leben erhält. Daraus ergibt sich zum Schluss auch die Erschöpfung, die in der „Verzweiflung körperlicher Ermüdung“ (Kafka, „Der Bau“ 580) des armen Tieres ihren Ausdruck hat und die sich stets von Neuem aus der schwierigen, beinahe unmöglichen Spannung schöpft, die zwischen Garantie und Gefahr, zwischen Stabilisierung und Destabilisierung jener Rechtsordnung des Besitzes ihren Ursprung hat. In jedem Fall ist dieses Schwanken zwischen beidem in eben dem Sinne unabschließbar, als sich daran ja nicht nur ein (mit Gerhard Neumann gesprochen) „gleitendes Paradox“ (Neumann) des Zischens ausbildet, sondern schließlich eben auch ein immanentes Paradox, ja der Widerspruch an der Rechtsordnung selbst hervordringt, in die das arme Tier – nämlich als bürgerliches – geraten ist. Diese ist unauflösbar und, wenn sie von der Erzählung auch am Leben gehalten wird, findet sie ihre notwendige Folge in einem jähen Abbruch des Fragments, das zwar keine Versöhnung, aber doch immerhin so etwas wie (theologisch gesprochen) Erlösung verspricht.

5

Vermeintlich abseits all solcher Fragen nach Eigentum und Besitz hat „Der Bau“ wie keine andere von Kafkas Erzählung oder Fragmenten den Begriff der „Metapher“ auf sich gezogen. So spricht Vivian Liska ganz allgemein von einer „Bau-Metaphorik“ (Liska 340) und folgt dabei Bemerkungen, wie jenen von Henry Sussman, der von einer „all-embracing metaphor“[23] spricht, von Stanley Corngold, der von einer „the spatial metaphor of the ‚construction‘“ (285) schreibt, oder selbst noch von Hans H. Hiebel, bei dem von einem „Beispiel für das Prozeßhafte der Sinngebung Kafkas, d. h. für die changierende, gleitende, prozessierende Metapher“ (26) die Rede ist. Irgendetwas, so scheint es, muss also an dem Fragment ein spezifisch Metaphorisches haben, das sich der Lektüre als ein solches aufdrängt. Dies hat womöglich mit der Weise zu tun, wie Kafka vom eigentlichen Bau zu Beginn seines Fragments erzählt. Denn kaum war von der Fantasie die Rede, dass der Bau „eingerichtet“ und „wohlgelungen“ sei, ist über ein System doppelter Zugänge zu lesen:

Von außen ist eigentlich nur ein großes Loch sichtbar, dieses führt aber in Wirklichkeit nirgends hin, schon nach paar Schritten stößt man auf natürliches festes Gestein, ich will mich nicht dessen rühmen diese List mit Absicht ausgeführt zu haben, es war vielmehr der Rest eines der vielen vergeblichen Bauversuche, aber schließlich schien es mir vorteilhaft, dieses eine Loch unverschüttet zu lassen. Freilich manche List ist so fein, daß sie sich selbst umbringt, daß weiß ich besser als irgendwer sonst und es ist gewiß auch kühn, durch dieses Loch überhaupt auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, daß hier etwas Nachforschungswertes vorhanden ist. Doch verkennt mich wer glaubt daß ich feige bin und etwa nur aus Feigheit meinen Bau anlege. Wohl tausend Schritte von diesem Loch entfernt liegt von einer abhebbaren Moosschicht verdeckt der eigentliche Zugang zum Bau, er ist so gesichert, wie eben überhaupt auf der Welt etwas gesichert werden kann, gewiß, es kann jemand auf das Moos treten oder hineinstoßen, dann liegt mein Bau frei da und wer Lust hat – allerdings sind wohlgemerkt auch gewisse nicht allzuhäufige Fähigkeiten dazu nötig – kann eindringen und für immer alles zerstören. (Kafka, „Der Bau“ 576–577)

Die Erscheinung des Baus lässt sich also wie folgt nachzeichnen: Es gibt zwei Eingänge. Zum einen bietet sich von außen ein sichtbarer dar, der aber zugleich bloß „ein großes Loch“ bildet, bevor „ein natürliches festes Gestein“ hervortritt. Dieser Eintritt, so lässt sich wohl sagen, ist also kein „Zugang“, sondern vielmehr eine Attrappe, die bloß in der Erscheinung jenen „Zugang“ (der er selbst nicht ist) nachstellt, imitiert, simuliert. Der „eigentliche Zugang“ aber, der von dieser Simulation gemeint ist, liegt abseits „wohl tausend Schritt von diesem Loch entfernt“, wobei schon das „wohl“ die Vagheit und Ungenauigkeit in der genauen Ortung dieses Zugangs anzeigt, die auch das Element eines „[A]bhebbaren“ an der Moosdecke, die ihn „verdeckt“, nicht beheben kann. Somit muss in den Augen eines „jemand“, der sich dem Bau von Ferne her nähert, gelten, dass er zwar durch einen Zufall durch diese Moosdecke in dieses Loch stürzen und in den Bau „eindringen“, ja „für immer alles zerstören“ kann. Aber heißt das auch, dass der Bau selbst zerstört würde? Oder ist nicht vielmehr bloß gesagt, dass sich diese Zerstörung auf den Bau als ein „Hausbesitz[ ]“ richtet, weil sich die Zerstörung ja gerade auf jene kaum später angesprochene „Stille“ richtet, die den Bau ja eben zu „meinem Bau“ erst macht? Gemeint wäre in diesem Sinne, dass es sich nicht um eine irgendwie physische Zerstörung handelt, auf die sich die Furcht seines Bewohners und Eigentümers obsessiv richtet, sondern vielmehr spezifisch um die Zerstörung des Eigentumsverhältnisses. Denn mit dem Eindringen eines „jemand“, der – als der Andere im Schema des Eigentums – zur Stabilisierung der proprietären Ordnung entfernt und abwesend zu denken ist, bräche in die Vermitteltheit und Abständigkeit dieser Ordnung ein konkretes und vor allem präsentes und gegenwärtiges Individuum ein, welches das seinem Wesen nach abstrakte Verhältnis des Besitzens jäh beendete. Das Eindringen dieses „jemand“ nämlich beschädigte den Bau nicht allein nach physischen Maßstäben, sondern vernichtete vielmehr die viel grundsätzlichere Möglichkeit, dass er – wie auch das Tier selbst, das dem „jemand“ ja seinerseits ein entfernt Anderer ist – aus der bloßen Latenz der im Idealtypus der Rechtsstruktur endlos wiederholten Annahmen herausgerissen würde, und somit zuletzt dem Besitzverhältnis, ja vielleicht der Institution der Rechtsordnung selbst Schaden zufügte oder sie gar zerstörte.

Ist dabei die Praxis des Wohnens, wie sie im Bau schon im ersten Satz zutage tritt, tatsächlich intim mit dem Zustand der Angst verbandelt,[24] so ist diese Angst nicht auf die Bewahrung des Wohnens, sondern ebenso auf die Bewahrung des Eigentums und zumal auf die Bewahrung der Verhältnisse des Eigentums gerichtet. Kurz, diese Angst wäre kein individual-psychologisches Phänomen, sondern sie wäre wohl auch so etwas wie die Position einer Klasse, nämlich der (bürgerlichen) Klasse der Besitzenden. Hier, in der Orchestrierung jener Abständigkeit, die die Rechtsform wie auch die Praxis des Besitzens selbst am Leben erhält, verrichtet nun aber gerade jene Metapher ihre Arbeit, von der so oft die Rede ist. Diese Arbeit kommt im Namen der „List“ und sie organisiert das Verhältnis eines Abstands, in dem die Camouflage des Zugangs auf der einen Seite und die Simulation des (abwesenden) Zugangs auf der anderen Seite das Verhältnis zwischen einem unechten und uneigentlichen „Loch“ hier sowie einem „eigentlichen Zugang“ dort ins Leben rufen und also – in allgemein tropologischem Sinne – die Erscheinungsform des Zugangs gleichsam metaphorisieren. Der „Zugang“ zum Bau nämlich ist, im Sinne der Rechtsordnung, bloß metaphorisch gewünscht, denn „jemand“ hat in eben jenem ersten Zugang, den er erblickt, bloß so etwas wie ein (entferntes) metaphorisches Abbild dessen vor Augen, worüber er doch „eigentlich“ nicht verfügt und wohin er vor allem nicht gelangt, weil er von ihm – als Nicht-Eigentümer – ausgeschlossen ist. In diesem Sinne wird die metaphorische Konstruktion, die den „Zugang“ zum „Bau“ in doppelter Hinsicht, nämlich als Erzählung wie auch als proprietäres Objekt prägt, zur Organisationsform, durch die jene prinzipielle Abständigkeit im Verhältnis sowohl von eigentlichem und uneigentlichem Zugang als auch vom (bürgerlichen) Tier und einem „jemand“ in Szene gesetzt wird. Diese formal metaphorische Organisationsform ist notwendig, um nicht allein den Bau selbst, sondern vor allem eben seinen Status als den eines „Hausbesitzes“ zu sichern und zu erhalten.

Kant spricht in §59 der Kritik der Urteilskraft im Zusammenhang mit der Erörterung dessen, was er die „symbolische Vorstellungsart“ (Kant, Kritik der Urteilskraft 459) nennt, von der „Übertragung der Reflexion über einen Gegenstand der Anschauung auf einen ganz andern Begriff, dem vielleicht nie eine Anschauung direkt korrespondieren kann“ (460). Er meint damit im Wesentlichen dasjenige, wofür sich heute der Begriff der Metapher eingebürgert hat. Kein Zufall ist dabei, dass auch Derrida in seiner Untersuchung über Wesen und Ursprung des Rechts auf diesen §59 Bezug nimmt, um nachzuvollziehen, wie Kant „Narrativität und Fiktion ins Herz selbst des Denkens des Gesetzes einführte“ (Derrida, Préjugés 43–44), die vielleicht in noch viel grundsätzlicherem Sinne eben mit jener funktionalen ‚Als-ob-heit‘ zusammenhängt, welche auch einer Metapher anhaftet. Denn es ist dasjenige, was Derrida meint, eben jenes Hypotypotische im Sinne eine Vor-Augen-Stellens,[25] das viel allgemeiner als Funktionieren einer Metapher zu bezeichnen ist. Mit diesem wird zuletzt eben auch – darum stellt Kant allem anderen Recht ja das Recht des Besitzens voran – so etwas wie ein „Rechtsgrund“ ausgebildet, in welchem Besitz nur dadurch möglich ist, dass in ihm sowohl Objekt als auch ein „anderer“ vorgestellt werden, derweil beide doch streng genommen immer abwesend sind und bleiben. Das heißt also, dass es schon bei Kant eine indirekte Verbindung zwischen der Idee des Besitzens und dem Symbol bzw. der Metapher gibt. Ist nämlich im Uneigentlichen „vielleicht nie eine Anschauung direkt“ zu finden, so heißt dies auch, dass es das Eigentliche zwar meint, aber es eben auch immer verdeckt, ja es camoufliert und in diesem Sinne in eine Form von Abwesenheit drängt, indem es eine solche „Anschauung“ nicht nur nicht leisten kann, sondern wohl auch gar nicht erst leisten will. Bei Kafka finden sich die beiden Elemente von Metaphorizität und (Haus-)Besitz gleichsam zusammengeführt, denn es liegt zwar nicht die Übertragung einer Anschauung auf „einen ganz andern Begriff“ vor, aber doch auf einen anderen Zugang. Damit verbürgt das „Loch“, das eben so viel ist wie ein Nichts an Gegenständlichkeit, eben jenen Zugang bloß „symbolisch“, d. h. metaphorisch. Doch leistet es – und das ist die Kernfunktion der metaphorischen Ordnung dieses Anfangs – zugleich die Gewähr dafür, dass eine tatsächliche „Anschauung“ ausbleibt, weil „der eigentliche Zugang“ verschleiert wird und somit unentdeckt und ungesehen bleibt. Nur sein metaphorisches Erscheinen als „Loch“, also als Substanzloses und in jedem Sinne Unfestes, Ungegenständliches, ja Leeres, stabilisiert damit paradoxerweise auf funktionaler Ebene die proprietären Fundamente des Baus. Kurz, der Bau erscheint als Metapher darum, weil seine Unversehrtheit, seine Existenz erhalten bleibt als das, was er, bei allem Widerspruch, am Ende vor allem ist: „Hausbesitz[ ]“.

6

So wie im „Bau“ vermeidet die Kargheit der späten Prosa Kafkas in zunehmendem Maße insgesamt den Gebrauch der kleinen und zumal verzierenden Metaphern. Dies, so scheint es, geschieht aus Prinzip. Dies hat wohl zuletzt auch damit zu tun, dass Kafka selbst der Metapher gegenüber gehöriges Misstrauen hegte. So merkt er in einem späteren Tagebucheintrag vom 6. Dezember 1921 an:

Aus einem Brief: „Ich wärme mich daran in diesem traurigen Winter.“ Die Metaphern sind eines in dem Vielen, was mich am Schreiben verzweifeln läßt. Die Unselbständigkeit des Schreibens, die Abhängigkeit von dem Dienstmädchen das einheizt, von der Katze, die sich am Ofen wärmt, selbst vom armen alten Menschen, der sich wärmt. Alles dies sind selbständige, eigengesetzliche Verrichtungen, nur das Schreiben ist hilflos, wohnt nicht in sich selbst, ist Spaß und Verzweiflung. (Kafka, Tagebücher 875)

Hier spricht sich im Stillen ein zweifaches Leiden und „[V]erzweifeln“ aus. Zum einen teilt Kafka die Erfahrung eines Schreibens mit, das – als Produktion ästhetisch-symbolischer Ordnung – wesentlich unter dem Regime der Metapher steht, dem es zugleich forciert zuarbeitet, weil es sich ihm gegenüber in „Unselbstständigkeit“ und „Abhängigkeit“ befindet. Schreiben nämlich, sei es noch so karg und so behutsam in der Vermeidung von Metaphern, kann nie ganz ohne diese Metapher und fällt zuletzt immer wieder von Neuem auf diese zurück, ja steht insgesamt vielleicht auf deren Grund. Zum anderen schöpfen sich aus dieser „Abhängigkeit“ aber auch jene „selbständige[n], eigengesetzliche[n] Verrichtungen“, an denen das Schreiben sich gleichsam parasitär nährt, aber durch dessen Eigengesetzlichkeit es eben nie aus seiner „Abhängigkeit“ zu entrinnen vermag. Dies ist zumal auch darum der Fall, weil Metaphern selbst ein Eigenleben entfalten und damit ihnen selbst ein „Spaß“ wird, was dem Schreibenden in „Verzweiflung“ umschlägt.

So ist es ja auch bei Kafkas „Der Bau“ der Fall. Dieser Bau nämlich, an dem das Tier Wohnung und Eigentum zugleich hat, ist „allegorical burrow of writing“ (Corngold 283) auch darum, weil solches Schreiben („writing“) immer metaphorisch funktioniert und damit notwendigerweise auch jenes System produziert, von dem es, kaum dass es ins Werk gesetzt wird, wiederum abhängt. Denn die symbolische Ordnung des Schreibens steht in dem Fragment auf den Füßen einer solchen Metapher, an der nicht nur das Schreiben selbst „verzweifel[t]“ klebt, sondern darüber hinaus auch eine Ordnung des „Hausbesitzes“, die das Schreiben im Fall des Baus metaphorisch herstellt und der das Schreiben zuarbeitet. So wie das Schreiben dabei „nicht in sich selbst [wohnt]“, so geht es auch dem Tier, das in übertragenem Sinne nicht in seinem Bau „selbst“, sondern nur in dem Besitz desselben eine (immer nur vorläufige) Wohnstätte hat. Als Effekt einer metaphorischen Konstellation, wie sie vom „eigentliche[n]“ und uneigentlichen „Zugang“ zu Beginn des Erzählfragments hervorgebracht wird, zielt jene proprietäre Ordnung auch darauf, „eigengesetzlich[ ]“ ein selbstbezügliches Eigenleben zu installieren und diesem vor allem ganz in jenem Sinne Dauer zu verleihen, wie es die Ketten von Annahmen und Präsuppositionen für die Struktur der Erzählung tun. Nicht umsonst konfluieren in Kafkas „Der Bau“ ja zumal gegen Ende die Realität von Bedrohung und „Gefahren“ mit einer langen Serie von „vielleicht[s]“[26], die das Unstete und Unfeste nicht nur am Bau selbst, sondern auch am Status desselben als Eigentum markieren. Die proprietäre Ordnung ist dabei – wie Besitz überhaupt – zwar eine Form von historischer wie auch gesellschaftlicher Annahme, versucht aber, getragen durch das Eigenleben, das den Metaphern anhängt, sich gleichsam zu naturalisieren, d. h. sich den Schein von Natürlichkeit zu geben, wo er doch eigentlich ‚nur‘ geschichtlich ist. Darum ist sie im Grunde eine mythische.[27] Am Leben erhält sich diese metaphorische Besitzanordnung aber nicht nur als einmalige Camouflage des Zugangs, wodurch von außen her der Blick auf eine Metapher freigegeben wird. Auch von innen her hat diese metaphorische Anordnung ihren Ausdruck in den Fantasien und Spekulationen über jenes „kaum hörbare[ ] Zischen“, die dem Tier – immer abständig zu einem Anderen, vor dessen Folie es seinen Besitz (ganz nach Kant) ja nur denken kann – zur angsthaft, ermüdenden Obsession werden, die aber zugleich in ihrem obsessiven Charakter erst dem Anspruch auf „Hausbesitz[ ]“ bleibende Gültigkeit verleihen. Diese Ordnung ist so allumfassend, dass sie selbst ihr Gegenteil mit einschließt, wenn sie nur immerhin das Prinzip des Eigentums mit einschließt und am Leben erhält.[28] In jedem Fall ist die Vorstellung von einer „Verteidigung des Baues“ (Kafka, „Der Bau“ 625) aber immer und vor allem die von einer Verteidigung desselben als Eigentum, ja einer Verteidigung des Prinzips des Eigentums selbst. Nimmt man dabei etwa Louis Althussers Ideologiebegriff als „Repräsentation des imaginären Verhältnisses der Individuen zu ihren realen Existenzbedingungen“ (Althusser 75) beim Wort, so sind es gerade die (von der Metapher produzierten und getragenen) imaginären Elemente an der Situation des Tieres im „Bau“, durch die sich die Szene zuletzt wohl auch als eine der Ideologie lesen lässt. In jedem Fall spiegelt Kafkas Prosastück das heikle, weil im Kern gespalten-widersprüchliche Selbstbewusstsein des „Besitzer[s]“ ganz allgemein sowie das spezifisch Bürgerliche am Tier (wie auch vielleicht Tierische am Bürgerlichen), in dessen Kern eine angsthafte Obsession steht, in der, eingekleidet in die Institution und Reproduktion der proprietären Rechtsform, das Glück des „Hausbesitzes“ zu einem verfehlten wird. Bei aller Obsession und allem Fetisch des Imaginären nämlich behauptet am Ende als Kommentar vielleicht nur der alte, aber mit Blick auf den „Bau“ nicht weniger valide Satz Theodor W. Adornos seine überraschende Gültigkeit: „Eigentlich kann man überhaupt nicht mehr wohnen.“ (42)

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Online erschienen: 2022-11-19
Erschienen im Druck: 2022-11-03

© 2022 Ansgar Mohnkern, publiziert von Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

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