Article Open Access

Editorial

Published/Copyright: November 22, 2025
Become an author with De Gruyter Brill

Die ARBEIT begrüßt ein neues Mitglied im Herausgebendenkreis: Norbert Huchler vom ISF München, der im Jahr des 60. Jubiläums des arbeits- und industriesoziologischen Forschungsinstituts diese Funktion übernommen hat.

Das vorliegende Heft bietet drei Forschungsbeiträge:

Stefanie Büchner und Katharina Braunsmann berichten in ihrem Beitrag Professionsgetriebene Digitalisierung — Ethnografie der Softwareentwicklung und konzeptuelle Herausforderungen über die professionsgetriebene Entwicklung einer Software für die Kinder- und Jugendhilfe. Professionsgetrieben, das bedeutet hier: Die Gründer des Software-Unterehmens, das die Entwicklung verantwortete, stammten selbst aus der Sozialarbeit und verfügten über berufliche Erfahrungen auf dem Gebiet der Sozialen Hilfe. Damit war der Anspruch verbunden, Jugendliche aktiv an der Softwareentwicklung partizipieren zu lassen. Die ethnografische Untersuchung des Entwicklungsprozesses zeigt, dass dieser Anspruch ernsthaft und robust verfolgt wurde, so aber nicht realisiert werden konnte. Die Autorinnen arbeiten detailliert die „mehrdeutigen Rekonfigurationen des Verhältnisses von Organisation, Profession und digitaler Technologie“ heraus, die im Verlauf der Entwicklung zu beobachten waren. Zwar prägte der Partizipationsanspruch besonders die frühe und mittlere Phase des Entwicklungsprozesses, dann aber fanden die die organisationalen Erwartungen der Träger gegenüber denen der Klient:innen stärkere Berücksichtigung.

Die beiden anderen Beiträge des Hefts behandeln Arbeit in der Arbeitsverwaltung, nämlich in der Bundesagentur für Arbeit. Stefan Feldens und Philipp Fuchs wenden sich in ihrem Beitrag Neue Perspektiven auf die Organisation der Beratung arbeitsmarktferner Arbeitsloser — Mittlere Führungskräfte im Spagat zwischen Beratungspraxis und Kennziffernerfüllung der Rolle der Teamleitungen zu, die in einer „Sandwich-Position“ zwischen der oberen Leitungsebene und den Beratungsfachkräften agieren (müssen). Dies geschieht am Beispiel eines spezialisierten Beratungsprogramms, INGA (Interne ganzheitliche Integrationsberatung), das sich an arbeitsmarktferne Arbeitslose mit komplexen Problemlagen richtet. Anhand von problemzentrierten Interviews, Fallerhebungen von Beratungsdyaden und passiv-teilnehmender Beobachtung analysieren die Autoren exemplarisch an zwei Teamleitungen, wie Führungskräfte mit dem grundlegenden Konflikt zwischen Beratungspraxis und Kennziffernerfüllung umgehen.

Holger Bähr und Martin Dietz untersuchen in ihrem Beitrag Informationsaustausch unter Arbeitslosen und sein Nutzen für die Arbeitsverwaltung ein Modellprojekt, die sogenannte Digitale Peer-Gruppen-Beratung. Es handelt sich um einen moderierten Online-Chat für Arbeitslose, die damit die Gelegenheit erhalten, Informationen untereinander auszutauschen. Die Untersuchung steht unter der Fragestellung: „Inwiefern kann die öffentliche Arbeitsverwaltung Informationen, die arbeitslose Arbeitsuchende haben und austauschen, nutzen, um Arbeitslose in eine Erwerbsarbeit zu vermitteln?“ Methodisch basierte sie auf leitfadengestützten Interviews mit je zehn Arbeitslosen und Fach- und Führungskräften der Arbeitsagentur, behandelt wurden zwei verschiedene Chats. Das Ergebnis war eher ernüchternd: Der Austausch von Informationen unter Arbeitslosen trug nur wenig zur Stellensuche bei und brachte damit nur recht geringen Nutzen für die Arbeitsverwaltung. Andererseits war der aufzubringende Aufwand für die Chats ebenfalls recht gering und so kommen die Autoren zu dem Fazit, dass die Digitale Peer-Gruppen-Beratung zwar „keine effektive, aber durchaus eine effiziente Ergänzung für Stellensuche und Arbeitsvermittlung bieten“ konnte.

Das nächste und letzte Heft dieses Jahrgangs wird dem Schwerpunktthema „Zukunft der Industriearbeit“ gewimet sein. Den Gastherausgebern Hartmut Hirsch-Kreinsen, Peter Ittermann und Jonathan Falkenberg, einschlägig ausgewiesen durch die beiden Auflagen ihres Standardwerks Digitalisierung industrieller Arbeit (2016 und 2018), ist es gelungen, eine bemerkenswerte Auswahl von Beiträgen für dieses Zukunftsthema zusammenzustellen. Wir wünschen schon im Voraus erkenntnisfördernde Lektüre.

Online erschienen: 2025-11-22
Erschienen im Druck: 2025-09-25

© 2025 Redaktion, publiziert von De Gruyter

Dieses Werk ist lizenziert unter der Creative Commons Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitung 4.0 International Lizenz.

Downloaded on 11.1.2026 from https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/arbeit-2025-0010/html
Scroll to top button