Wie und zu welchem Ende werden Seuchen erzählt? Zur kulturellen Funktion literarischer Seuchendarstellung
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Rudolf Käser
Literarische Darstellungen ansteckender Krankheiten werden in diesem Beitrag in einen Zusammenhang mit sozialgeschichtlichen und systemtheoretischen Ansätzen der Seuchengeschichte gestellt. Einleitend werden ausgewählte Forschungsansätze diskutiert, die den kulturwissenschaftlichen Umgang mit literarischen Seuchendarstellungen in den letzten Jahren um neue Perspektiven bereicherten. Im Anschluß daran werden Vorschläge zur (Re-)Lektüre einiger literarischer Textzeugnisse im Licht systemtheoretischer Ansätze unterbreitet. Literatur wird dabei als funktionaler Teil der Kommunikationsprozesse verstanden, durch welche das System Gesellschaft sich konstituiert und selbststabilisierend auf pathogene Irritation reagiert. Um möglichen Mißverständnissen vorzubeugen, wird abschließend versucht, den Begriff des »operativen Schemas« gesellschaftlicher Kommunikation auf methodologischer Ebene vom ontologischen Konzept »anthropologischer Konstanten« abzugrenzen.
This essay links literary representations of contagious diseases with socio-historical and systems-theoretical approaches to the history of epidemics. First, it discusses select research approaches that have enriched the cultural-scientific treatment of literary representations of epidemics in recent years by opening up new perspectives. It then proposes several ways of (re-)reading certain literary texts using systems theory approaches. Here, literature is understood as a functional part of the communication process, through which the system ›society‹ constitutes itself and reacts to pathogenic irritation in a self-stabilising way. In order to avoid possible misunderstandings, the paper finally attempts to distinguish the term ›operative scheme‹ of social communication from the ontological concept of ›anthropological constants‹ on a methodological level.
© Max Niemeyer Verlag GmbH, Tübingen 2004
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