Peter Philipp Riedl, Epochenbilder – Künstlertypologien. Beiträge zu Traditionsentwürfen in Literatur und Wissenschaft 1860 bis 1930. 2005
Die Habilitationsschrift des Regensburger Germanisten Peter Philipp Riedl beschäftigt sich mit dem Phänomen der Epochenkonstruktion und ihrer ideologischen Instrumentalisierung am Beispiel der Renaissance Rezeption um 1900. Deren Ausgangspunkt stellt Jacob Burckhardts buchstäblich epochemachendes Werk Die Kultur der Renaissance in Italien aus dem Jahr 1860 dar, das jahrzehntelang einflußreich, aber nicht unwidersprochen blieb. Als paradigmatisches Kontrastkonzept setzt ihr Riedl Johan Huizingas Herbst des Mittelalters (1919) entgegen. Diese zwei prominenten Beispiele bilden den Nukleus all jener zeitgenössischen Typologisierungsversuche, die nicht nur bemüht waren, Ordnung in die Vergangenheit zu bekommen, sondern vor allem auch Vorbilder für die geistigen Kämpfe ihrer eigenen Gegenwart zu schaffen. Die Beschäftigung mit der Renaissance ging weit über die Frage hinaus, mit welchen Argumenten sie vom Mittelalter abzugrenzen sei; die Epochenmerkmale wurden zu Antagonismen: Gotik oder Renaissance, „Rembrandtdeutscher“ oder „Renaissancemensch“ – die dualistisch aufgebauten Definitionen liefen auf Bekenntnisse hinaus, die sich nicht nur auf stilistische Geschmacksrichtungen, sondern auf anthropologische Überzeugungen oder politische Haltungen beriefen.
© Max Niemeyer Verlag, Tübingen 2006
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