Friedemann Spicker, Der deutsche Aphorismus im 20. Jahrhundert. Spiel, Bild, Erkenntnis. 2004
„Darf man über eine literarische Kleinigkeit wie den Aphorismus ein Buch von tausend Seiten schreiben?“ – Man darf, wenn man so viele Aphorismen-Bücher kennt, so viel Interessantes darüber zu sagen weiß und so gut darüber schreibt wie Friedemann Spicker. Was wäre die Aphorismus-Forschung ohne diesen (ich sage es nicht leicht, aber die Wahrheit muß heraus:) konkurrenzlos gründlichen Kenner und unermüdlichen wissenschaftlichen Durchpflüger des ganzen, noch immer überaus fruchtbaren Feldes? Neben einer vortrefflichen Anthologie zur aphoristischen Weltliteratur und zahlreichen, breit gestreuten Aufsätzen (im Buch S. 978 zusammengestellt) ist dies bereits die dritte Monographie, die Spicker unserem kleinen Liebling gewidmet hat: dem literarischen Aphorismus mit seiner großen Tradition. Die zweite Monographie, die deutlich schmalere, ist nun partiell im neuen Gesamtband aufgehoben (in anerkennenswerter Weise vom selben Verlag nach nur 4 Jahren akzeptiert!); und insgesamt darf die deutschsprachige Gattungsgeschichte damit als flächendeckend ausgeforscht gelten – nämlich zunächst „von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis 1912“ und nunmehr „im 20. Jahrhundert“, das heißt vom späten 19. bis ins frühe 21. hinein.
© Max Niemeyer Verlag, Tübingen 2005
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