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Syntaktische Variation: Unterspezifikation und Skalen

  • Gisbert Fanselow
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Grammatische Variation
This chapter is in the book Grammatische Variation

Abstract

In der Syntaxtheorie gibt es verschiedene Ansätze, um die grammatische Variation zwischen Sprachen zu erfassen. Grundsätzlich lassen sich diese auch auf die grammatische Variation innerhalb einer Sprache anwenden, etwa bei der Beschreibung zweier Dialekte. Innersprachliche Variation weist aber Eigenschaften auf, die nahelegen, eine andere Modellierung vorzunehmen: Die Syntax der Sprache ist unterspezifiziert für die Strukturen, bezüglich derer Variation vorliegt. Sie erzeugt eine Menge von Konstruktionen, die allesamt zur passiven Kompetenz der Sprecher gehören. Im soziolinguistischen Regelsystem der Sprache können dann einige dieser Konstruktionen regionalen oder sozial konstituierten Sprechergruppen oder bestimmten Registern zugeordnet werden, und (nur) diese Zuordnung definiert Dialekte, Soziolekte oder Register. Die Syntax selbst sagt dazu nichts. Neben der Variation durch Auswahl aus einer Konstruktionsmenge liegt auch Variation vor, die aus unterschiedlicher Flexibilität im Umgang mit Konstruktionen resultiert, und - weil verarbeitungsbezogenen - nicht Gegenstand soziolinguistischer Etikettierungen sein kann.

Abstract

In der Syntaxtheorie gibt es verschiedene Ansätze, um die grammatische Variation zwischen Sprachen zu erfassen. Grundsätzlich lassen sich diese auch auf die grammatische Variation innerhalb einer Sprache anwenden, etwa bei der Beschreibung zweier Dialekte. Innersprachliche Variation weist aber Eigenschaften auf, die nahelegen, eine andere Modellierung vorzunehmen: Die Syntax der Sprache ist unterspezifiziert für die Strukturen, bezüglich derer Variation vorliegt. Sie erzeugt eine Menge von Konstruktionen, die allesamt zur passiven Kompetenz der Sprecher gehören. Im soziolinguistischen Regelsystem der Sprache können dann einige dieser Konstruktionen regionalen oder sozial konstituierten Sprechergruppen oder bestimmten Registern zugeordnet werden, und (nur) diese Zuordnung definiert Dialekte, Soziolekte oder Register. Die Syntax selbst sagt dazu nichts. Neben der Variation durch Auswahl aus einer Konstruktionsmenge liegt auch Variation vor, die aus unterschiedlicher Flexibilität im Umgang mit Konstruktionen resultiert, und - weil verarbeitungsbezogenen - nicht Gegenstand soziolinguistischer Etikettierungen sein kann.

Chapters in this book

  1. Frontmatter I
  2. Vorwort V
  3. Inhalt VII
  4. Einleitung XI
  5. Variationsdimensionen
  6. Standarddeutsch – die beste aller möglichen Sprachen 3
  7. Grammatik und Variation im Spannungsfeld von Sprachwissenschaft und öffentlicher Sprachreflexion 23
  8. „Das ist nicht falsch, klingt aber irgendwie komisch“ 47
  9. „Mit eynre ander manier dan nu“ – Historische Variation bei Vergleichskonstruktionen 65
  10. Areale grammatische Variation in den Gebrauchsstandards des Deutschen 85
  11. Grammatische Variation in Gespräch, Text und internetbasierter Kommunikation 105
  12. Empirische Zugänge – empirische Methoden
  13. Variationistische Korpusstudien 129
  14. Syntaktische Variation: Unterspezifikation und Skalen 145
  15. Psycho-/Neurolinguistik: Neuronale Korrelate der Verarbeitung grammatischer Variation 161
  16. Empirie und Theorie in der Grammatikschreibung
  17. Die allophonischen Frikative in der Standardsprache und in den hessischen Dialekten 181
  18. Genusvariation: Was offenbart sie über die innere Dynamik des Systems? 203
  19. Perspektiven auf syntaktische Variation 229
  20. Grammatische Variation und realistische Grammatik 255
  21. Theory, data, and the epistemology of syntax 283
  22. Methodenmesse
  23. Wie Wörter Wellen werden Die Untersuchung von Sprachverarbeitung mittels EEG 301
  24. Multimodale Daten für die empirische Analyse grammatischer Variation in Übersetzungen 309
  25. Möglichkeiten der Erforschung grammatischer Variation mithilfe von KorAP 319
  26. Induktive Topikmodellierung und extrinsische Topikdomänen 331
  27. Standardisierte statistische Auswertung von Korpusdaten im Projekt „Korpusgrammatik“ (KoGra-R) 345
Downloaded on 28.1.2026 from https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/9783110518214-010/html?lang=en
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