Religiöse Positionierungen in Judentum, Christentum und Islam
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Herausgegeben von:
Christian Wiese
und Nina Fischer
Die Reihe Religiöse Positionierungen in Judentum, Christentum und Islam ist aus dem gleichnamigen hessischen Exzellenzprojekt an der Goethe-Universität Frankfurt und der Justus-Liebig Universität Gießen erwachsen. Das interdisziplinäre Projekt widmet sich der Erforschung von Prozessen der wechselseitigen Positionierung der drei Religionen angesichts des Faktums von religiös-kultureller Pluralität und Differenz unter dem Einfluss spezifischer historischer, politischer und kultureller Konstellationen. Ausgehend von der Annahme, dass Religionen aufgrund ihrer Geltungsansprüche stets positionell sind und deshalb in Konflikt miteinander geraten können, Konflikte aber nicht grundsätzlich destruktiv sein müssen, fragt es, über welche Ressourcen jüdische, christliche und islamische Traditionen verfügen, um differenten Positionen und Konflikten dialogisch und mit Achtung zu begegnen. Es möchte damit einen Beitrag zu den öffentlichen Diskursen über Fundamentalismen, Multireligiosität, Migration, die Begegnung von Religionen und den Umgang mit religiös motivierten Konflikten leisten.
Die Reihe richtet sich an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in den Fachrichtungen Geschichte, Religionswissenschaft, Religionsphilosophie, Jüdische Studien, Islamwissenschaft, Theologie, Erziehungs- und Politikwissenschaften.
This book brings the interdependencies of antiquity and (post)modernity into an interdisci-plinary discussion. How should we understand feelings at all? This book explores the ap-proaches to emotions as portrayed and understood in various sources and disciplines. The contributors share their perspectives on methodological questions concerning research on the emotions. Scholars in religious studies and theology from different traditions—Jewish, Christian, Islamic—enter into dialogue with other disciplines, such as psychology, literary studies, sociology, cultural studies, philosophy, and historiography.
Im Zentrum der Studie stehen die Wissenschaft des Judentums in Italien, ihre Bildungsinstitutionen und bedeutsamen Repräsentanten. Sie untersucht die Beziehungen zur deutsch-jüdischen Wissenschaftsbewegung, den Wissens- und Kulturtransfer sowie die Motive der wechselseitigen Verflechtung zwischen den jüdischen Gelehrten. Aufgrund eines kritischen, z.T. stark stereotypen Bildes des italienischen Judentums traten die Repräsentanten der Wissenschaft des Judentums im Deutschland ihren italienischen Kollegen aus einer hegemonialen Position entgegen. Das Verhältnis zwischen der Wissenschaft des Judentums in Italien und jener in Deutschland war in vielerlei Hinsicht asymmetrisch, etwa wenn es um die strukturellen Voraussetzungen oder Publikationsmöglichkeiten ging. Der tatsächliche, intensive Wissenstransfer zwischen den jüdischen Gelehrten beider Länder verrät jedoch ein aufrichtiges Interesse aneinander und die wechselseitige Bereitschaft zur Förderung aller jüdisch-literarischen Bestrebungen. Die Studie unternimmt es, eine empfindliche Forschungslücke im Bereich der jüdischen Geistesgeschichte des 19. Jahrhunderts zu füllen, indem sie die Entwicklung der Wissenschaft des Judentums (der Vorläuferin der modernen historischen Judaistik), ihrer Institutionen, Publikationsorgane und zentralen Figuren in Italien mit jener im deutschen Sprachraum in Verbindung setzt und auf die komplexe Interaktion der beiden nationalen Wissenschaftskulturen hin untersucht.
Erstmals wird hier der protestantische Pastor und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) mit dem jüdischen Religionsphilosophen und Aktivisten Abraham J. Heschel (1907-1972) biographisch-werkgenetisch verglichen und nachgezeichnet, dass beide ein zunehmend relationales Denken antreibt, welches sie mithilfe ihrer Bibelhermeneutik aus hebräischer Perspektive ableiten.
Teil 1 analysiert die Frühphase Bonhoeffers und Heschels. Mithilfe von Phänomenologie, Existentialismus, Dialogik und Tatsächlichkeit der Offenbarung Gottes etablieren beide einen dritten Weg – sog. "relationales Denken" –, der ihre (pietistische resp. chassidische) Herzensfrömmigkeit mit wissenschaftlich-akademischer Argumentation versöhnt. Teil 2 zeichnet die Mittelphase beider nach, in der die spirituelle Praxis durch Bibel und Gebet das relationale Denken erweitern. Teil 3 zeichnet schließlich nach, wie Bonhoeffer und Heschel dadurch hin zu praktisch-prophetischem Aktivismus gelangen, für den beide gleichermaßen bekannt geworden sind – deren Wurzeln bereits in ihrer Frühphase liegen.
Somit gibt diese Untersuchung neue Perspektiven auf Bonhoeffer und Heschel individuell, jedoch auch Gedankenanstöße für den christlich-jüdischen Dialog, biblische Hermeneutik, Spiritualität uvm.
The Aqedah, i.e., the story of the 'binding' of Isaac by Abraham, is a core text in all three Abrahamic religions and has been widely discussed in Judaism, Christianity and Islam for centuries. It still represents an intellectual, moral, and spiritual challenge for anyone who claims to be able to link morality and faith in God in a reasonably comprehensible way. The contributions in this anthology address this challenge from philosophical, theological and literary perspectives, by considering exemplary problems, epochs and authors pertaining to all three Abrahamic religions. The first part contains seven contributions exploring the epistemic and/or philosophical dimensions of the Aqedah. The second part contains nine essays on the (history of the) interpretation of the Aqedah from Israelite/Jewish, Christian and Islamic perspectives. The three texts in the third and final part discuss narratological issues and reflections of the problem within modern Hebrew literature. The volume complements and expands the existing scholarship on the subject, above all through its consistently interreligious approach and the inclusion of current philosophical and literary sources and debates.
Dieses Buch bietet eine Untersuchung von Gershom Scholems frühen Schriften zur Frage der Sprache und entwickelt eine neue Methodologie, um Texte des modernen jüdischen Denkens in Bezug auf Gender-Fragen zu lesen. Scholems Texte (1916-1928) verbinden philosophische Fragen mit Diskussionen über die hebräischen Schriften und Sprache. In den Kapiteln werden Scholems Texte über die Klagelieder, das Hohelied und das Buch Jona sowie seine Gedanken über die Säkularisierung des Hebräischen behandelt. Die vorliegende Arbeit beschreibt, wie Scholems Schriften eine "Ökonomie des Lesens" darstellen: bestimmte Aspekte der religiösen Texte werden aufdeckt, andere verborgen. Scholem findet in den jüdischen Quellen Antworten auf Fragen nach dem Wesen der Sprache. Sein deutscher Hintergrund und seine philosophischen Motivationen hindern ihn jedoch daran, die Heterogenität des liturgischen Textes wahrzunehmen, insbesondere die weiblichen und mütterlichen Stimmen. Durch die Konfrontation von Scholems Thesen mit den biblischen Texten und ihren traditionellen Kommentaren bietet das Buch eine "großzügige Leseart", die seine Argumente erweitert und sie für aktuelle Diskussionen über Geschlechterfragen inklusiver und relevanter macht.
Der römische Adlige Pietro Della Valle (1586-1652) verbrachte auf seiner Orientreise mehr als vier Jahre am Hof von Šāh ʿAbbās I. in Isfahan, wo er sich sowohl für ein anti-osmanisches Bündnis als auch für eine Nuova Roma di Oriente engagierte, um die christlichen Denominationen in Isfahan unter katholischer Herrschaft zu vereinen. Das schuf politische Allianzen zur safawidischen Gesellschaft, die sich im Prozess der Schiitisierung befand. Inter- und intrareligiöse Debatten am Hof zeigen frappante katholisch-schiitische Affinitäten. 1621 nahm Della Valle indes an einem katholisch-schiitischen Streitgespräch teil, bei dem schiitische Theologen klassische Topoi islamisch-christlicher Kontroversen hitzig debattierten. Das veranlasste seine persische Risāla, von der sich zwei Manuskripte in der Vatikanischen Bibliothek befinden. Die Studie bietet die erste deutsche Übersetzung des edierten Textes mit Kommentar und zielt darauf, seine religiöse Positionierung im Umfeld differenter christlicher und islamischer Akteure zu erläutern. Die Bedeutung des Textes liegt u.a. darin, dass der schiitische Theologe Sayyid Aḥmad ʿAlawī auf die Risāla Della Valles in kurzer Zeit mit Lawāmiʿ-i rabbānī antwortete, die weitere Polemiken nach sich zog.