Nietzsche Heute
Der Schwerpunkt der neuen Reihe liegt auf herausragenden Beiträgen, die aktuelle Debatten innerhalb der Nietzsche-Forschung zur Sprache bringen und Nietzsches Bedeutung für gegenwärtige philosophische Fragestellungen erörtern. Die deutschsprachigen Bände erscheinen in der Reihe Nietzsche Heute, die englischsprachigen Bände in der Reihe Nietzsche Today. Die Bände sind peer-reviewed.
Das Konzept der Kritik in Nietzsches Philosophie ist eng mit dem Begriff der Transformation verbunden. Dekonstruktive wie auch rekonstruktive Kritik reagiert auf Probleme und Krisen und zielt darauf, Kultur, Politik, Systeme von Wissen und Macht sowie die Menschen selbst in ihren Beziehungen zu sich und zu anderen zu transformieren. Dieser Band widmet sich den analytischen, transformativen und polemischen Dimensionen der Nietzsche'schen Begriffe der Kritik und der Wirksamkeit seiner Kritik. Was bedeuten die Begriffe der Kritik bei Nietzsche und in welchem Verhältnis stehen sie zu traditionellen Kritik-Begriffen? Ist Nietzsches Kritik emanzipatorisch, romantisch, aristokratisch, reaktionär, liberal, humanistisch, posthumanistisch? Welche kritischen Bewegungen knüpfen an Nietzsche an? In welchem Sinne kommt Nietzsche als Verbündeter feministischer, ökologischer, konservativer, pro- oder antikapitalistischer und anderer Formen der Kritik in Betracht?
Namhafte Nietzsche-Forscher wie Luce Irigaray, Babette Babich, Christoph Türcke, Martin Saar, Herman Siemens und viele andere stellen Nietzsches Philosophie in ein Licht, das sein Denken über die Grenzen der Nietzsche-Forschung hinaus hoch relevant macht.
Die spezifischen Darstellungsformen und komplexen textuellen Inszenierungen von Friedrich Nietzsches veröffentlichten Schriften sind für deren Interpretation von entscheidender Bedeutung. Mit den hier versammelten philosophischen und literaturwissenschaftlichen Analysen internationaler Wissenschaftler wird ausgehend von Jenseits von Gut und Böse die Frage aufgegriffen, auf welche Weise „Form“ und „Inhalt“ des Textes ineinander verschränkt sind und inwiefern die literarisch-stilistischen Mittel Impulse für eine „Philosophie der Zukunft“ geben.
Das Spektrum der Beiträge erstreckt sich von Untersuchungen zur philosophischen Bedeutung der textuellen Komposition, der Aphoristik, über Detailanalysen von Nietzsches Schreibformen, Untersuchungen zur Präsentation von Konzepten wie des Willens zur Macht bis hin zur aktuellen Relevanz seines Denkens. Der Band versammelt somit aktuelle Forschungsperspektiven, deren Bedeutung über die Denk- und Schreibpraktiken Nietzsches hinausgehen.
Nietzsches Denken ist in seiner Wirkung beispiellos widersprüchlich und fortgesetzt aktuell. An ihm scheiden sich bis heute die Geister. Philosophien, Kunstströmungen und politische Ideologien schwankten im 20. Jahrhundert zwischen Euphorie oder Verdammung, Affirmation oder Totschweigen. Missbräuchliche Lektüre hat unter faschistischem und stalinistischem Vorzeichen seine Ideen und Utopien pervertiert. Nach 1945 geben historisch-kritisch fundierte Auseinandersetzungen in Philosophie, Künsten und Medien zunächst vorsichtig, zum Ende des Jahrhunderts verstärkt Einblicke in die Vielfältigkeit der Deutungen seines Denkens. In den Hauptströmungen von Philosophie, Ethik und Ästhetik und in den Kunsttheorien der Moderne und Postmoderne ist Nietzsches Denken impulsgebend. Naturwissenschaftliche und soziologische Interessen an seinen provozierenden Thesen zeigen die Unabgegoltenheit seines Denkens. Literarische und musikalische Adaptionen, seine Bedeutung für bildende Künstler vom Expressionismus bis zur Neuen Sachlichkeit, sein Einfluss auf die Entwürfe der modernen Architektur geben aus der Sicht gegenwärtiger internationaler Nietzsche-Forschung einen umfassenden Überblick über einen der einflussreichsten Denker auf das 20. Jahrhundert.
Der Band versammelt Aufsätze, die die Bedeutung der Kategorie des Unbewussten für Nietzsches Philosophieren facettenreich herausarbeiten und für Analysen dilemmatischer Bestimmungen des Humanen in der Moderne fruchtbar machen. Die Perspektiven der Beiträge reichen dabei von der Kritik an der Bewusstseinsphilosophie mit ihren Folgen für die Erkenntnis-, Moral-, Kultur- und Religionskritik bis hin zu Fragen der Literaturtheorie, Ästhetik und den psychischen Energien in den Künsten sowie zur Anthropologie, den Kognitionswissenschaften, Gender-Studies, zur Psychologie und Psychoanalyse.
Die Thematik des Großen durchzieht Nietzsches gesamtes Werk. Sowohl adjektivisch als „Große Vernunft“, „Große Gesundheit“, „Große Politik“ oder „Großer Mittag“ wird sie problematisiert, wie sie auch enthalten ist in Metaphern wie der „ewigen Wiederkehr des Gleichen“, des „Übermenschen“, des „Willen zur Macht“, der „Pfeile der Sehnsucht“ oder des ereignishaft einschlagenden „Blitzes“. Für Nietzsche gibt es keine Größe ohne den Sinn für das Kleine, die Kritik am Kleinen deutet auf kommende Größe.
Die Beiträge dieses Bandes widmen sich dem Komplex Nietzsche/Macht/Größe aus philosophischen, politischen, historischen, ästhetischen und kulturwissenschaftlichen Perspektiven.
Nach der Aufsatzsammlung Pathos und Distanz (1988), der Gesamtdarstellung der Philosophie Friedrich Nietzsches (1992, 4. Aufl. 2006) und der 1996 erschienenen Monographie Vom Willen zur Macht liefert der vorliegende Band Die Funken des freien Geistes eine Sammlung jüngerer Nietzsche-Studien des an der Humboldt-Universität zu Berlin lehrenden Philosophen Volker Gerhardt. Der Band vereint Originalbeiträge sowie bereits publizierte Aufsätze. In ihnen wird eine systematische Übersicht über die großen Themen Nietzsches gegeben und nicht selten kritisch Bilanz gezogen. Perspektivismus, Immoralismus und Ästhetizismus, das Denken am Leitfaden des Leibes, das Wort vom Tod Gottes, die Lehre vom „Willen zur Macht“, von der „ewigen Wiederkehr des Gleichen“ und von den „neuen Tugenden“ sind einige der Themen, an denen Gerhardt deutlich macht, welche Anregungen ein auf die Zukunft gerichtetes Philosophieren dem Denken Nietzsches abgewinnen kann.