Historische Zeitschrift / Beihefte
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Herausgegeben von:
Andreas Fahrmeir
und Julia Hillner
Die Beihefte der Historische Zeitschrift werden in Neuer Folge von Andreas Fahrmeir und Julia Hillner herausgegeben. Die Beihefte enthalten Essays und Monographien zu Themen der deutschen und europäischen Geschichte sowie Sammelbände zu herausragenden Themenbereichen. In ihnen äußern sich die ausgewiesenen Sachkenner/-innen ihres Fachgebiets.
Fachgebiete
Welche Bedeutung hat die Gliederung der Geschichte in Epochen für die historische Forschung und welche Differenzierungen können als plausibel gelten? Die Beiträge des Bandes gehen davon aus, dass Epocheneinteilungen – oder ihr Fehlen – die Perspektive auf die Quellen und ihre Interpretation maßgeblich beeinflussen können. Die Basis für diese Argumentation bieten die in den Beiträgen diskutierten Definitionen und Kriterien für Epocheneinteilungen. Bei aller Unterschiedlichkeit votieren die Texte für die „Vormoderne" als Epochenbezeichnung für den Zeitraum vor 1800 und relativieren damit die übliche Differenzierung zwischen Mittelalter und Früher Neuzeit. Beteiligt sind Kolleg*innen mit Forschungsschwerpunkten in Antike, Mittelalter und Früher Neuzeit. Drei Kolleg*innen mit Expertise im 19. und 20. Jahrhundert haben die Beiträge kommentiert und aus ihrer Perspektive eingeordnet. Der Band verdankt sich einer Vortragsreihe, in der Bielefelder Kolleg*innen sich anlässlich der Einrichtung des Profilbereichs ‚Vormoderne‘ an der Universität Bielefeld zu dem Konzept Stellung bezogen. Im Ergebnis zeigen die Beiträge, dass ein differenziertes Bild der Gesellschaft der Gegenwart ganz wesentlich in ihrer Bezogenheit zur Vormoderne gewinnen lässt.
„Ich denke primär historisch." Diese Selbstbeschreibung Niklas Luhmanns steht in einem merkwürdigen Gegensatz zu dem weitgehenden Desinteresse der gegenwärtigen Geschichtswissenschaft an seiner universal angelegten, für ihre Komplexität bekannten Systemtheorie. Im vorliegenden Band kommen historisch interessierte Systemtheoretiker der modernen Welt mit systemtheoretisch interessierten modernen Historikern der vormodernen Welt zusammen. Thematisches Zentrum bildet die griechisch-römische Antike, der Luhmann selbst eine besondere Bedeutung für die Entstehung und gegenwärtige Situation der modernen Gesellschaft zuschrieb. Die quellennahen Studien zur griechischen und römischen Antike, zur chinesischen Geschichte und zur europäischen Geschichte der Frühen Neuzeit bieten dabei neue Perspektiven zur Beantwortung der Frage: Was kommt in den Blick, wenn man mit systemtheoretischen Konzeptualisierungen die Vergangenheit analysiert – und was gerät aus dem Blick?
Der vorliegende Band geht auf die Sektion „Deutungskämpfe um die antike Divination im Spiegel spätrepublikanischer und kaiserzeitlicher Texte“ zurück, die auf dem 53. Deutschen Historikertag in München stattfand. In den hier vorgelegten Vorträgen der Sektion, die um Beiträge von Ursula Bittrich, Sara Chiarini, Tanja Itgenshorst, Meret Strothmann und Gregor Weber ergänzt sind, wird der Versuch unternommen, am Beispiel ausgewählter Autoren und Texte des 1. bis 3. Jahrhunderts n. Chr. zu diskutieren, wie diese mit dem Thema der Divination umgingen, und herauszuarbeiten, welche konkreten sozialen und kulturellen Rahmenbedingungen zur Auseinandersetzung mit diesem Anlass gaben. Dabei soll insbesondere aufgezeigt werden, welche Deutungskonflikte sich im Laufe der frühen Kaiserzeit entwickelten und wie diese zur Entwicklung (oder Problematisierung) von Expertenwissen beitrugen.
Die Auseinandersetzung mit politischer Belastung gehört zu den zentralen Herausforderungen von Transformationsgesellschaften. Für die Nachkriegsdemokratien der 1940er- und 1950er-Jahre stellte sich daher die Frage, wie mit Personen verfahren werden sollte, die sich durch ihre Vergangenheit in Krieg und Diktatur kompromittiert hatten. Wer aus welchem Grund als wie schwer „belastet" angesehen wurde und welche Schlussfolgerungen sich daraus ergaben, war das Ergebnis komplexer Zuschreibungs- und Aushandlungsprozesse.
Die Studie nimmt diese Aushandlungsprozesse in Frankreich, Österreich und Westdeutschland in den Blick. Sie untersucht politische Diskurse um die Sanktionierung und Amnestierung NS- und kollaborationsbelasteter Personen und fragt nach dem Zusammenhang von Be- und Entlastungsdiskursen mit demokratischen und nationalen Transformationsprozessen. Dabei wird gezeigt, dass sich politische Belastungsdiskurse in den Nachkriegsdemokratien nicht primär um individuelle Verantwortung drehten. Die Opfer spielten kaum eine Rolle. Stattdessen ging es um das Wohl der Nation und den Erfolg der Demokratie. Darauf stützten sich sowohl die Anhänger:innen als auch die Gegner:innen politischer Sanktionen.
Essentialisierung und Biologisierung von Geschlecht hat in den letzten Jahren eine zunehmende Aktualisierung erfahren. Entgegen den Ergebnissen von 40 Jahren Geschlechterforschung ist eine Rückkehr der These von der geschlechtlichen Bi-polarität zu beobachten. In den überwiegend diskursanalytisch ausgerichteten Beiträgen wird die Sichtbarkeit der Gegenanalyse erhöht und versucht, es den »Vereinfachern der Welt so schwer wie möglich zu machen«.
Anders als die englischsprachige hat sich die deutschsprachige Historiographie zur Freiwilligenarbeit noch nicht als eigenes Feld etabliert und es fehlt bislang eine systematische Debatte. Um eine solche anzuregen, bringt das Beiheft aktuelle Studien zum Thema zusammen. Es schlägt dafür eine Brücke zwischen der angelsächsischen Voluntary Action History einerseits und den neueren Forschungen zur Freiwilligenarbeit und zum gemeinnützigen Sektor in Deutschland und anderen europäischen Ländern andererseits. Die Beiträge demonstrieren die fruchtbare Spannbreite unterschiedlicher Herangehensweisen an das Thema und diskutieren verschiedene konzeptionelle Ansätze. Ein besonderes Augenmerk gilt dem Bedeutungswandel freiwilligen Engagements, seinem Verhältnis zu Staat und Markt sowie seiner transnationalen Dimension.
Der Band wirft damit neues Licht auf für das Verständnis freiwilligen Engagements zentrale Fragen. Dies ist nicht nur für die Geschichtswissenschaft von Interesse.
Ausgehend von der für das 14. Jh. einzigartigen Karriere Wilhelms – Herzog von Jülich und Earl von Cambridge – werden fürstliche Erhebungen im röm.-dt. Reich und in England vergleichend untersucht. Die Analyse zeigt, wie der Rang eines Reichsfürsten/Earls kenntlich wurde, wie soziale Differenz zwischen adligen Rängen eingeübt wurde und über welche Bilder man die Rolle der Großen/des Königs in den jeweiligen politisch-sozialen Ordnungen darstellte
Der Sammelband stellt zunächst Elemente der demokratischen Ideologie in Athen vor; ferner werden systematische Aspekte des demokratiekritischen bzw. antidemokratischen Diskurses erörtert. Fünf Fallstudien behandeln Schriften – von Pseudo-Xenophon bis Aristoteles –, deren Autoren der Demokratie feindlich oder zumindest kritisch gegenüberstanden. Zwei abschließende Aufsätze verfolgen Argumente und Traditionslinien antidemokratischen Denkens, bis hin zum Postulat einer angeblich natürlichen Ungleichheit und eines Rechts des Stärkeren, bis ins 19. Jahrhundert bzw. die Zeit vor und nach dem 1. Weltkrieg.
Insgesamt ergibt sich ein neues, wesentlich differenzierteres Bild der argumentativen Verschränkung von Verteidigern und Gegnern der (athenischen) Demokratie. Das ist auch für die Diskussion um eine Krise der modernen Demokratien von Bedeutung, die häufig historisch unzureichend geerdet erscheint.
Ende des 19. Jahrhunderts verbesserte sich die Verfügbarkeit von Lebensmitteln in Industrieländern derart, dass die zuvor periodisch wiederkehrenden Hungersnöte überwunden waren. Nicht-Essen stand nicht länger allein für Knappheit und Armut, sondern bekam als Ausdruck bewussten Handelns eine neue Bedeutung. Gesellschaften begannen, sich entlang des Essensverzichts sozial und kulturell zu organisieren. Diäthalten und Schlanksein, Hungerstreik und Vegetarismus, Knappheit und Mangel, Gesundheitsvorsorge und Rationalisierung sind nur einige der im Band behandelten Themen, in denen das Nicht-Essen historisch relevant wurde. Alle Spielarten des Nicht-Essens erhellen Praktiken der Selbstverantwortung, staatliche Regulierung sowie individuelle und kollektive Sinnbildung und ermöglichen so, gesellschaftliche Wandlungsprozesse zu entziffern.
Der Band schreibt mit seinem kulturhistorischen Zugriff auf das „Nicht-Essen“ ein neues Kapitel der Essensgeschichte. Er richtet sich sowohl an Historiker und Historikerinnen als auch an all diejenigen Leserinnen und Leser, die sich für das Verhältnis von Individuum, Nahrung und Gesellschaft interessieren.
Es wird untersucht, welche Güter erzeugt wurden und welche Verwendung sie fanden. War die Landwirtschaft rein auf die Selbstversorgung ausgerichtet oder gab es, lange vor dem Einfluss europäischer Kaufleute, bereits innerafrikanische Handelsbeziehungen? Welche Entwicklungspfade schlugen die Agrarsysteme ein, oder müssen sie als statisch betrachtet werden? Trotz starker externer Einflüsse, etwa im Rahmen des Sklavenhandels, wird die Rolle der internen Akteure, der Ackerbauern, Viehhalter und Fischer, besonders hervorgehoben. Im Ergebnis zeigt sich das Bild eines vielgestaltigen Wirtschaftslebens, das sich immer wieder an geänderte äußere Bedingungen anpasste. Bis zum Einsetzen der Kolonialherrschaft wies es viele der Charakteristika auf, die auch von anderen vorindustriellen Gesellschaftsformationen bekannt sind.
Entscheidungen über die Vergabe begehrter, einflussreicher oder lukrativer Positionen werden ständig getroffen. Sie sind teilweise kontingent, da ihre Folgen erst im Rückblick klar werden. Trotzdem müssen sie in einer Weise erfolgen, die sowohl für Gesellschaften als Ganzes als auch für die Unterlegenen akzeptabel ist; dafür sind ganz unterschiedliche Mechanismen möglich, die der Band in einem epocheübergreifenden Vergleich diskutiert.
Adel hat die Geschichtswissenschaft in den letzten Jahrzehnten beschäftigt. Antike, Mittelalter, Neuzeit – die Nachfrage hat die Sichtweisen in den vergangenen Jahren allerorts geschärft und manche Diskussion über Epochengrenzen hinweg ermöglicht. Die chronologische Annäherung der Adelshistoriografie an die Gegenwart dagegen ist im Wesentlichen noch zu leisten. Diesen noch ausstehenden Schritt unternimmt der vorliegende Band.
Der Band verhandelt ein hochaktuelles Thema in historischer Perspektive. Erstmals werden Kriegskindheiten epochenübergreifend von der Antike bis in die Gegenwart in Augenschein genommen und historische Gemeinsamkeiten, Unterschiede, Kontinuitäten sowie Wandlungsprozesse beleuchtet. Das Interesse gilt Fragen von Erziehung und Propaganda, kindlichem Alltag, Kriegsprägungen und transgenerationalen Folgen.
Innerhalb der lateinischen Kirche wurden Synoden einerseits als Orte der religiösen Wahrheitsfindung, andererseits als politische Ereignisse mit eigenen Regeln der Konfliktlösung gesehen. Der vorliegende Band diskutiert resultierende Dynamiken in Spätantike, Mittelalter und Früher Neuzeit und bringt Forschungsansätze zu Konzilien, zur Konfliktbewältigung und zu rechtlichem und politischem Entscheiden in der Vormoderne zusammen.
Schenken, Spenden und Stiften sind gesellschaftliche Praktiken, die in fast allen Kuturen anzutreffen sind. Der Band vereint zwölf Aufsätze von Autoren aus Geschichte, Altertumswissenschaften, Islamistik, Politologie, Soziologie, Theologie und Wirtschaftswissenschaften und versucht, gemeinsame Grundlagen für eine interdisziplinäre Stiftungsforschung zu legen. Im Zentrum steht die Verbindung von Wirtschaft, Politik und Ethik, die sich in allen Stiftungswesen auffinden lässt. Die Autoren diskutieren, wie Stiftungen öffentliche Räume geprägt haben und noch prägen, wie sich Stiftungen öffentlich, politisch und religiös legitimieren und legitimiert haben und in welcher Form sich scheinbar rein ethisch motiviertes Stiften mit wirtschaftlichen Investitionen vereinen und als sektorübergreifende soziale Investition verstehen lässt. In einem breiten Panorama von Beispielen, dass von der Antike bis zur Moderne reicht und sowohl transatlantische als auch andere außereuropäische Beispiele der Moderne und Vormoderne einbezieht, entsteht ein Bild der Heterogeneität von Stiftungspraktiken und ihren Resultaten, aber auch von methodischen Ansätzen, mit denen Stiftungen und Spenden in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen gegenwärtig untersucht werden.
Wenn es um so scheinbar einfache Phänomene in der Geschichte geht, wie Ereignisse, die Wandel herbeigeführt haben, dann fehlen dem Historiker oftmals die Worte dafür, wie ein solcher historischer Bruch zu erklären ist. Denn Wandel ist auf den zweiten Blick ein doch überaus kompliziertes historiographisches Konstrukt, das nicht nur im Nachhinein als solches erscheint, sondern auch von Zeitgenossen als einschneidende Veränderung der Lebenswelt wahrgenommen wird. Die Hauptthese dieses Essays lautet, dass es insbesondere nicht-intentionale Nebenfolgen sind, deren bewusste Reflexion eine besondere Form von Zeitwahrnehmung konstituieren, die - unabhängig von der chronologischen Verortetheit eines solchen Ereignisses - einen Modernisierungsprozess darstellt. An vier historischen Umbruchsereignissen - der Krise des Historismus um 1900, der Französischen Revolution, der Reformation Luthers und der Entstehung der Athener Demokratie im 5. Jahrhundert v.Chr. - werden die strukturellen Ähnlichkeiten aufgezeigt, bei denen Nebenfolgen eine entscheidende Rolle spielen. Auf diese Weise wird für eine Verbindung von gegenwärtigen Theorien der Soziologie mit der Geschichtswissenschaften geworben, die Vergangenheit und Moderne in eine neue Beziehung miteinander bringen soll.
Seuchen sind gesellschaftliche Bedrohungen - bis heute. Im 20. Jahrhundert zog die "Spanische Grippe" durch die Welt, wüteten Geschlechtskrankheiten wie Syphilis und AIDS, schürten Ebola, SARS, Vogel- oder Schweinegrippe Ängste der Europäer. Die Rückkehr altbekannter oder das Auftreten "Neuer Seuchen" stellten gesellschaftliche Sicherheitsvorstellungen ebenso in Frage wie die Wirksamkeit staatlicher Maßnahmen. Sie markierten die engen Grenzen politischer Planungsutopien und dämpften moderne Fortschrittseuphorien.
Die Autoren des Bandes machen sich auf eine Spurensuche in die Sozial- und Kulturgeschichte von Seuchen im "langen 20. Jahrhundert". Sie spüren den Aushandlungen kollektiver Bedrohungen und Sicherheitsvorstellungen nach, sie erkunden Aufklärungs-, Vorsorge- und Bekämpfungsmaßnahmen und fragen nach dem Zusammenhang von Seuchen und sozialen Ordnungen. Diese Spurensuche operiert auf unterschiedlichen Ebenen. Mit ihren biographischen, regionalen, transnationalen und vergleichenden Ansätzen eröffnen die Aufsätze daher neue Einblicke in die europäische Sozial- und Kulturgeschichte.
Der Band bietet erstmals einen fundierten Überblick über die Seuchengeschichte der Moderne und Postmoderne und über den Wandel gesellschaftlicher Ängste, Sicherheits- und Ordnungsvorstellungen im "Zeitalter der Extreme".
Aquädukte und Kanäle, Häfen und Staudämme, Wassermühlen und repräsentative Brunnen: Wasserinfrastrukturen gehören über die Epochen hinweg zu den teuersten, aber auch nutzbringendsten Bauten, die Gesellschaften errichten können. Sind sie mehr als scheinbar rein technische Großprojekte: In ihnen wird politische Macht sichtbar oder auch verschleiert. Zugleich legen sie Entscheidungsträgern enorme Kosten und Verantwortlichkeiten auf. Daher können einmal etablierte Wasserinfrastrukturen auf lange Zeit festlegen, in welche Richtung sich Gesellschaften entwickeln. Der Zugang zu diesen Systemen entscheidet über gesellschaftliche Teilhabe, wer von ihnen ausgeschlossen wird, gerät ins Abseits. Denn oft bieten sie enorme wirtschaftliche Entwicklungschancen und bringen gerade auch neu entstehende hydraulische Experten in dominante Positionen.
Der Band beleuchtet die soziale Dimension wasserbautechnischer Systeme und wirft neues Licht auf die Frage, wie Machtfragen durch keineswegs neutrale Technik verhandelt werden. Dazu werden aus der Geschichtswissenschaft und Archäologie Beispiele hydraulischer Systeme und ihres gesellschaftlichen Kontextes von der Antike bis ins 20. Jahrhundert ins Auge gefasst, die auch außerhalb Europas gesucht werden.
Die Frühe Neuzeit zeigte, öffentlichkeitswirksam, den heroischen Monarchen im vollen Glanz seines Ruhmes: Als Ritter, als königlichen Feld- bzw. als Kriegsherrn – über die Unterscheidung wird zu reden sein – oder aber vielmehr, so läßt es sich in mehr als einem Fall interpretieren, als gekrönten Schlachtenbummler, Militärschauspieler, dessen Heldentaten sorgsam inszeniert wurden.
Das Spannungsverhältnis zwischen diesen beiden Polen soll hier, soll in diesem Band vermessen werden. Die Fragen lauten dabei: Wieviel und welchen Heroismus brauchte ein frühneuzeitlicher Monarch? Welche Darstellungsformen ließen sich dafür nutzbar machen? Und inwiefern mußte dieser Heroismus überhaupt kriegerisch sein? Im übrigen, wenn es denn um das ritterlich-militärische Moment des monarchischen Heroismus geht: Wieviel ritterlich-heroische Expertise, wieviel individuelles feldherrliches Talent, gar „Genie“ war überhaupt gefordert? Wieviel davon brauchte die Monarchie, wieviel davon vertrug sie aber auch? Gewiß war Krieg und Eroberung fest mit dem Fürstenbild jener Zeit verbunden. Doch die Frage nach dem heroischen Übermaß beim Monarchen ist ebenso zu stellen wie die nach dem Defizit. Und sie wurde natürlich auch schon von den Zeitgenossen gestellt. Nicht nur in Frankreich und nicht nur in Preußen gab es Könige, die den Krieg zu sehr liebten. Die Antworten, die die Frühe Neuzeit selbst gab auf die Fragen nach Art und Ausmaß monarchischen Heroismus’, nach seiner Rolle und seinem Stellenwert im Geschäft der Monarchie, konnten daher höchst unterschiedlich ausfallen.
Der Sammelband vereint wichtige Aufsätze von Luise Schorn-Schütte aus Anlass ihres 65. Geburtstages. Mit ihrem Oeuvre hat die Jubilarin sowohl der Frühneuzeitforschung wie auch der Historiographiegeschichte zentrale Impulse vermittelt. Viele ihrer Texte verdienen es, auch künftig im Zentrum der Diskussion präsent zu sein. Aus dem reichen Schaffen ausgewählt wurden Studien zur Geschichte der historischen Wissenschaften des 19. Jahrhunderts, Abhandlungen zur politischen und religiösen Kultur der Frühen Neuzeit sowie Beiträge zu aktuellen wissenschaftspolitischen Debatten.
Die „Verkehrte Welt“ gehört zu den seit langem eingeführten Deutungsmustern rituellen Verhaltens. Wie alle Klassiker bedarf auch sie zuweilen der Überprüfung. Diesem Unternehmen ist der vorliegende Band mit seinen Beiträgen zu Verkehrungsritualen von der Antike bis zur Frühen Neuzeit gewidmet. Sie zielen darauf, das Erklärungsmuster „Inversion“ anhand bekannter und unbekannter Quellen kritisch zu prüfen, seine Reichweite zu bestimmen, es gar, wenn nötig, am Objekt zu falsifizieren. So können sich neue Perspektiven auf die Phänomene entwickeln und alte Festlegungen aufgebrochen werden.
Die Untersuchung führt über drei Schritte. Im ersten Schritt beschreibt der Autor die Verbindung der postulierten Gleichheit der Souveräne mit der Völkerrechtssubjektivität der Belligerenten nach den bis gegen 1800 vorliegenden Völkerrechtstheorien. Im zweiten Schritt werden die Wandlungen dieser Theorien während des 19. und frühen 20.Jahrhunderts dargelegt, die die Aberkennung der Völkerrechtssubjektivität und der souveränen Staatlichkeit der Opfer von Kolonialherrschaft durch die europäischen Kolonialregierungen und die Regierung der USA begründen sollten. Im dritten Schritt folgt die Analyse der zeitgenössischen Theorien des Kolonialkriegs als „totaler“ Krieg jenseits der Grenzen des Kriegsvölkerrechts.
Die Beiträge in diesem Band versuchen aus unterschiedlichen kulturwissenschaftlichen Perspektiven heraus die soziale Figur des Experten in der Vormoderne zu verorten. Ausgangspunkt bildet die Annahme, dass Experten im erhöhten Maße die soziale Verteilung und Hierarchisierung von Wissen repräsentieren und durchsetzen. Sie treten als Träger besonderen Wissens auf, an die sich Akteure in bestimmten Problemsituationen wenden können. Experten versprechen, maßgeschneidertes Wissen zur Problemlösung bereitzustellen oder zu vermitteln. Dies erleichtert einerseits die Wirklichkeitsbewältigung, da man weiß, dass man nicht alles wissen muss und es eben Experten gibt, an die man sich in prekären Situationen wenden kann. Doch so sehr Akteure den Experten vertrauen, wächst andererseits auch das Empfinden, die eigene Handlungsautonomie aufzugeben und fremdbestimmt zu werden. Experten sind deswegen die geborenen Sündenböcke: Man verlangt von ihnen, die Welt einfach zu machen und weist ihnen dafür einflussreiche soziale Sonderrollen zu. Doch wenn sich die Wirklichkeit dann doch nicht so einfach gestalten lässt oder wenn sie durch das Wirken der Experten sogar noch komplizierter wird, werden sie zu Zielscheiben der Kritik. Diese Kritik kann dabei kulturell äußerst produktiv sein. So kann man in der Expertenkritik einen Reflexionsmodus erkennen, in dem sich über Wissensordnungen, Machtverteilungen oder bestimmte Institutionen auseinandergesetzt wird und zugleich neue Rollentypen und Institutionen entwickelt werden. Der Band zeigt die unterschiedlichen Momente dieser sozialen Dynamik. Er trägt damit neue Sichtweisen in die Erforschung von Expertenkulturen hinein, die bislang von feuilletonistischen Debatten dominiert wird. Ziel des vorliegenden Bandes ist es, vor allem die zeitlich verengte Perspektive aufzubrechen, die den Experten unter Beschränkung auf das 20. und 21. Jahrhundert zu verstehen versucht. Die aus unterschiedlichen Disziplinen stammenden Beiträge zeigen, dass spätestens seit dem 12. Jahrhundert im lateinischen Europa das ambivalente Verhältnis von Expertenvertrauen und Expertenkritik wirkmächtig ist.
Anstelle einer Untersuchung von "Modernisierungstendenzen", wie sie in den letzten Jahrzehnten im Zentrum geschichtswissenschaftlichen Arbeitens gestanden haben, geht es den Autoren dieses Bandes um die Selbstbeschreibung politischer Ordnungen durch die Zeitgenossen. Den Zugang dazu eröffnet der Fokus auf die politische Kommunikation. Wiegt man die verschiedenen Herrschaftskonzeptionen gegeneinander ab, dann tritt Überraschendes zu Tage: Die Frühe Neuzeit kannte einen kräftigen Republikanismus ebenso wie starke Strömungen zur Begrenzung von Herrschaft, die in Mischverfassungssystemen organisiert waren. Die Beiträge erfassen Ost- und Westeuropa gleichermaßen.
Judaistik, Byzantinistik, Arabistik, Osteuropäische Geschichte und die "mainstream"-Mittelalterhistoriographie haben ihren je eigenen Zugang zur europäischen Epoche des Mittelalters entwickelt. Die Beiträge dieses Bandes klopfen ab, inwiefern eine Verknüpfung dieser verschiedenen Disziplinen möglich und sinnvoll wäre, und zeigen Wege zur Zusammenarbeit auf.
Wie viele Akten- und Dokumenteneditionen braucht der Historiker? Wie und von wem sollten sie aufbereitet werden? Warum stellt man sie nicht nur einfach ins Internet? Lohnt sich der finanzielle Aufwand? - Diese und ähnliche Fragen begleiten alle Editionsvorhaben vom Mittelalter bis zur Neuzeit. In ihren Beiträgen stellen Rudolf Schieffer, Erich Meuthen, Konrad Repgen, Lothar Gall, Horst Möller, Friedrich P. Kahlenberg und Arnold Esch die spezifischen Probleme dar, die sich den Bearbeitern und den Benutzern von Editionen stellen. Dabei wird deutlich, daß die Erschließung von Quellen in Form von kritischen Editionen eine der zentralen Aufgaben der Historiker ist, die der Forschung ständig neue Felder eröffnet.
Gemeinden gehören zu den institutionellen Grundfiguren des Alten Europa und haben in allen europäsichen Ländern auf den Staat Einfluß zu nehmen versucht. Exemplarische Studien am deutschen, englischen und französischen Material untersuchen die Bedeutung der Gemeinde als politische Institution und deren Einfluß auf die Prägung des Staates. Das geschieht einerseits über eine Analyse von Beschwerden und Suppliken und deren Auswirkungen auf die staatliche Verwaltung und Gesetzgebung und andererseits über Untersuchungen, welche Rolle die Gemeinden in zeitgenössischen theoretischen Erörterungen einnehmen. Da Gemeinden gleichermaßen Erscheinungen der städtischen und der ländlichen Lebenswelt sind, kommt die gestaltende Kraft der Bürger und Bauern für das Spätmittelalter und die Frühe Neuzeit stärker in den Blick und ergänzt so das herkömmliche Bild von Herrschaft und Obrigkeit.
Einführung:
Peter Blickle: Mit den Gemeinden Staat machen Teil I: Gemeinde und Staat - eine Europäische Erfahrung
Beat Hodler: Doléances, Requêtes und Ordonnances. Kommunale Einflußnahme auf den Staat in Frankreich im 16. Jahrhundert
Rosi Fuhrmann: Amtsbeschwerden, Landtagsgravamina und Supplikationen in Württemberg zwischen 1550 und 1629
Andreas Würgler: Desideria und Landesordnungen. Kommunaler und landständischer Einfluß auf die fürstliche Gesetzgebung in Hessen-Kassel 1650-1800
Beat Kümin: Parish und local-government. Die englische Kirchengemeinde als politische Institution 1350-1650 Teil II: Die Formbarkeit des Staates - Experimente mit Suppliken
Renate Blickle: Laufen gen Hof. Die Beschwerden der Untertanen und die Entstehung des Hofrats in Bayern. Ein Beitrag zu den Varianten rechtlicher Verfahren im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit Rosi Fuhrmann,
Beat Kümin und Andreas Würgler: Supplizierende Gemeinden. Aspekte einer vergleichenden Quellenbetrachtung
André Holenstein: Bittgesuche, Gesetze und Verwaltung. Zur Praxis "guter Policey" in Gemeinde und Staat des Ancien Régime am Beispiel der Markgrafschaft Baden(-Durlach) Teil III: Gemeinde - eine Herausforderung der Theorie
Beat Kümin: Gemeinde und Revolution. Die kommunale Prägung der englischen Levellers Sibylle Hunziker: Die ländliche Gemeinde in der juristischen Literatur 1300-1800
Ausgehend von einem als Vergleichsgröße dienenden idealtypischen Modell des Hofes in der europäischen Geschichte des Mittelalters und der frühen Neuzeit werden die hellenistische Königshöfe, die aristokratischen Haushaltungen zur Zeit der späten römischen Republik sowie die römischen Kaiserhöfe der Prinzipatszeit und der Spätantike systematischen Analysen unterzogen. Diese zielen einerseits auf die individuellen Besonderheiten der jeweiligen Phänomene im antiken Vergleich, andererseits auf die im epochenübergreifenden Vergleich deutlich werdenen generellen Differenzen und unterschiedlichen evolutionären Kontexte antiker gegenüber mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Höfen.
Die "Wende" in Deutschland stellt eine wertbezogene Wissenschaft wie die Historie vor die Aufgabe einer kritischen Revision derjenigen Forschungsleistungen, die in der Zeit der Teilung erbracht wurden. Dies gilt keineswegs bloß für die Aufarbeitung der marxisitisch-leninistischen, sondern auch für die der westdeutschen Geschichtswissenschaft; denn es ist zu prüfen, in welchem Maße die Existenz der jeweils anderen Seite die freie Entfaltung der Historiographie in den letzten Jahrzehnten behindert hat .
Mit seinem Buch eröffnet Michael Borgolte die Diskussion über diese Frage am Beispiel der sozialgeschichtlichen Erforschung des Mittelalters. Sozialgeschichte eignet sich für den nach beiden Seiten skeptischen Blick besonders gut, weil sie in den deutschen Staaten der Nachkriegszeit mit vergleichbarer Intensität und Reichweite betrieben wurde. Das Buch bietet durch seine Anlage zugleich eine Einführung in alle wichtigen Themenfelder der Sozialgeschichte und verbindet die Analyse des jeweiligen Forschungsstandes mit Perspektiven für künftige Aufgaben.
Der Band gibt einen Überblick über die geschichtswissenschaftliche Forschung zur europäischen Integration und zeigt eine Reihe von neuen Wegen und Perspektiven auf, die in der neueren Forschung von Historikern aufgegriffen werden.
Beiträge von: Hartmut Kaelble, Peter Krüger, René Girault, Michael Mitterauer, Rainer Hudemann, Gilbert Trausch, Armin Heinen, Marlis Steinert, Klaus Schwabe, Wilfried Loth, Hanns Jürgen Küsters, Hans Boldt
Dieser Titel aus dem De Gruyter-Verlagsarchiv ist digitalisiert worden, um ihn der wissenschaftlichen Forschung zugänglich zu machen. Da der Titel erstmals im Nationalsozialismus publiziert wurde, ist er in besonderem Maße in seinem historischen Kontext zu betrachten. Mehr erfahren Sie hier.
Dieser Titel aus dem De Gruyter-Verlagsarchiv ist digitalisiert worden, um ihn der wissenschaftlichen Forschung zugänglich zu machen. Da der Titel erstmals im Nationalsozialismus publiziert wurde, ist er in besonderem Maße in seinem historischen Kontext zu betrachten. Mehr erfahren Sie hier.
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Der Band untersucht, warum die Karibik in der Sattelzeit zwischen 1775 und 1825 besonders geeignet ist, um Unsicherheiten und Methoden der Versicherheitlichung im Kontext des Transimperialismus zu untersuchen und das heuristische Potenzial dieser theoretischen Ansätze für die Kolonialgeschichtsforschung nutzbar zu machen. Die sechs Fallstudien (die britischen, niederländischen, französischen, spanischen und portugiesischen Kolonialreiche und die Wahrnehmung kolonialer Probleme aus der Sichtweise sesshafter europäischer Gelehrter) zeigen, wie die Rezeption von Unsicherheit sowohl national als auch international miteinander verflochten war und wie die Kolonialmächte sowohl im Wettbewerb miteinander als auch in Zusammenarbeit handelten. Unsicherheiten, Krisen und Gefahren konnten in Form von Schiffbrüchen, Piraterie, Meutereien, Hungersnöten, Stürmen, Naturkatastrophen, Epidemien, Schmuggel, Rebellionen und Fluchtversuchen auftreten. Aus der Perspektive der Kolonien wurde der britische Abolitionismus als große Herausforderung wahrgenommen. Durch die Fokussierung auf die wichtigsten Akteursgruppen in der Welt der karibischen Plantageninseln (Versklavte, Militärangehörige, Gouverneure und Plantagenverwalter, Stimmen aus der Metropole) macht der Band die unterschiedlichen Wahrnehmungen von Unsicherheit und die unterschiedlichen Sicherheitsdispositionen sichtbar. Insgesamt besaß keines der europäischen Kolonialreiche im Zeitalter der atlantischen Revolutionen ein standardisiertes Rezept oder einen Masterplan.