Hegel-Jahrbuch Sonderband
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In der Reihe Hegel-Jahrbuch Sonderband (bis 2013 Hegel-Forschungen) werden Monographien, Editionen und Sammelbände publiziert, die Hegels philosophisches Werk und das seiner Schüler analysieren. Dabei wird zugleich die Aktualität der hegelschen Gedankenwelt diskutiert, wobei auch Bezüge zu anderen Wissenschaftsdisziplinen Beachtung finden.
Die hegelsche Staatsidee wurde oft mit einer ideologischen Begründung des preußischen Staates verwechselt, als ob sich eine Philosophie unmittelbar mit einer besonderen Gestaltung der realen Welt zufriedengeben könnte. Nakamura vertritt die These, dass die hegelsche Rechtsphilosophie einen kritischen Maßstab für die Analyse der modernen Staaten entwickelt. Eine vernünftige Verfassung muss nach Hegel vor allem objektive Garantien für die Verwirklichung der Rechte der subjektiven Besonderheit bieten. Die kritische Rechtsphilosophie von Marx lässt sich vernünftig begründen, wenn sie ausgehend von diesem Maßstab kritisch gegen die vormärzliche Entwicklung der sozialen und Verfassungsfrage gewendet wird. Aus dieser geschichtlichen Auseinandersetzung stellt Marx eine Idee der sozialen Freiheit dar, die sich von der hegelianischen Tradition unterscheiden lässt. Diese besagt, dass Freiheiten durch Teilnahme an sozialen Institutionen zu erlangen seien. Marx bezieht sich aber auf die sozialen Rechte, die Freiheiten gegenüber den Subsistenzrisiken in einer kapitalistischen Gesellschaft schaffen. Damit bietet er uns Anregungen zu einer Diskussion über die sozialen Rechte der modernen Sozialstaaten.
Trifft Jacobis unphilosophische Systemkritik auch Hegels Metaphysik absoluter Negativität? Dessen System gilt als Höhepunkt systematisch-systemischen Philosophierens. Als solches führt es ein Denken zur Vollendung, dessen Kern darin besteht, Inbegriff von Begründung zu sein. Somit aber besetzt es den gesamten Raum des Denkbaren, in dem schon alle Kritik im und am Denken durchgeführt ist. Sinnvolle Kritik am System scheint unmöglich, ohne dieses zugleich zu affirmieren oder aber selbst der Sinnlosigkeit anheim zu fallen. Jacobi unternimmt den Versuch, einen Modus der Kritik zu finden, der einerseits aus der Systemlogik selbst erwächst, zugleich aber darin nicht verhaftet bleibt. Ihm gelingt dieses Kunststück, indem er akkurate Rekonstruktion mit lebensweltlicher Erfahrung verschränkt und sich der Systemlogik mit einem Sprung entzieht. Das Sprunggeschehen der sogenannten Unphilosophie zu rekonstruieren und nun auch mit dem System des reifen Hegel zu konfrontieren, unternimmt diese Untersuchung. Die Leitfrage lautet dabei, ob Jacobi auch aus Hegels elaboriertem System gesprungen wäre oder aber der erweiterte Systembegriff seine Kritik obsolet gemacht hat.
“Hegel and scepticism” remains an intriguing topic directly concerning the logical and methodological core of Hegel’s system. A series of contributions is unfolding around a keynote paper by Klaus Vieweg, which tries to understand and restate the limits and the content of the relationship between Hegels philosophy and scepticism. Various Hegel readers with different concerns are dealing with Hegel’s strategy in a large range of theoretical areas.
In seiner Philosophie des subjektiven Geistes hat Georg Wilhelm Friedrich Hegel die Grundlagen einer Anthropologie und Psychologie entwickelt, die den Menschen im Blick auf Vernunft und Freiheit bestimmt. Was auf den ersten Blick hoffnungslos antiquiert zu sein scheint, gewinnt Brisanz und Aktualität dadurch, dass Hegel seine Auffassung in eindringlichen Auseinandersetzungen mit scheinbar widersprechenden Phänomenen begründet und den subjektiven Geist im Zusammenhang seiner natürlichen, gesellschaftlichen sowie geschichtlichen Bestimmtheit reflektiert.
Die Beiträge des vorliegenden Bandes gehen auf eine Tagung zurück, welche von der Hegel-Gesellschaft Zadar in Verbindung mit der Internationalen Hegel-Gesellschaft e.V. vom 23. bis 27. Februar 2011 an der Universität Zadar organisiert wurde. Auf der Grundlage einer historischen und systematischen Rekonstruktion der Hegelschen Anthropologie und Psychologie wird Hegels Konzept auch im Blick auf aktuelle philosophische Problematiken diskutiert, um Hegels Philosophie des subjektiven Geistes in ihrer thematischen Vielfalt für die gegenwärtigen Diskussionen zu erschließen.
„Die Lehre vom Wesen“, das 1813 erschienene zweite Buch des ersten Bandes („Die objektive Logik“) der „Wissenschaft der Logik“, gehört zu den schwierigsten und auch umstrittensten Texten nicht nur der Hegelschen Philosophie. Diskutiert wird zumeist nur der erste Abschnitt („Das Wesen als Reflexion in ihm selbst“), der Hegels Theorie des Widerspruchs enthält.
Der vorliegende Band, der aus einer Tagung im Frankfurter „Haus am Dom“ im Dezember 2013 hervorgegangen ist, umfasst dagegen Beiträge zu allen Abschnitten der Hegelschen Wesenslogik, ihrem Verhältnis zur vorausgehenden Seinslogik sowie zur nachfolgenden Lehre vom Begriff; beleuchtet wird auch ihre Rezeption durch Karl Marx. Das Buch bietet daher einen Kommentar, der Hegels „Lehre vom Wesen“ vollständig erschließt.
The collective focus of the essays here presented consists of the attempt to overcome the deadlock between metaphysical and non- (or anti-) metaphysical Hegel interpretations. There is no doubt that Hegel rejects traditional and influential forms of metaphysical thought. There is also no doubt that he grounds his philosophical system on a metaphysical theory of thought and reality. The question asked by the contributors in this volume is therefore: what kind of metaphysics does Hegel reject, and what kind does he embrace? Some of the papers address the issue in general and comprehensive terms, but from different, even opposite perspectives: Hegel's claim of a ‘unity’ of logic and metaphysics; his potentially deflationary understanding of metaphysics; his overt metaphysical commitments; his subject-less notion of logical thought; and his criticism of Kant's critique of metaphysics. Other contributors discuss the same topics in view of very specific subject-matter in Hegel's corpus, to wit: the philosophy of self-consciousness; practical philosophy; teleology and holism; a particular brand of naturalism; language's relation to thought; 'true' and ‘spurious’ infinity as pivotal in philosophic thinking; and Hegel's conception of human agency and action.
Die logische Frage ist eine der zentralsten, wenn nicht gar die zentralste Fragestellung der Philosophie des 19. Jahrhunderts. In ihr kristallisiert sich das Selbstverständnis der Philosophie, ihr Anspruch auf eine Deutungshoheit, ihre Stellung zu den ‚anderen‘ Wissenschaften. In seiner subjektiven Logik formuliert Hegel den Anspruch das „verknöcherte Material“ der klassischen Logik wieder in Bewegung zu bringen, um eine Neubestimmung der Logik und ihres Verhältnisses zu den Einzelwissenschaften zu ermöglichen. Die vorliegende Arbeit sucht Hegels subjektive Logik in den Kontext der das 19. Jahrhundert prägenden Logikreformdiskussion zu stellen. Es soll dabei nicht darum gehen, das Schicksal der Philosophie an das Schicksal der Hegelschen Philosophie zu knüpfen, wohl aber um die Möglichkeit, Hegelsche Argumente innerhalb der Philosophie als einer immer noch aktuellen Zeit- und Streitfrage am Leben zu erhalten. Die Erörterung der logischen Frage schließt deshalb mit einer Hegelschen Antwort ab, die einen Ausblick auf eine kritische Naturphilosophie eröffnen soll.
Hegel und Foucault, in der Forschung meist als Antipoden dargestellt, stellen beide die Frage nach der Geschichtlichkeit des Wissens. Die Studie erarbeitet diese These anhand eines Vergleichs der Phänomenologie des Geistes mit der Archäologie des Wissens: Vollzieht Foucaults diskursive Analytik der Historizität des Wissens tatsächlich einen vollständigen Bruch mit Hegels Konzeption der Geschichtlichkeit des Geistes oder bleibt sie ihr formal, inhaltlich oder konzeptuell verpflichtet?
Es wird dargelegt, inwiefern beide Konzeptionen kritisch auf Kants Vernunftkritik bezogen sind und in welchen Hinsichten sich ihre Theorien der Wissensentwicklung annähern. Inhaltlich werden Schnittstellen zwischen der phänomenologischen und der archäologischen Darstellung der Wissenskonstellation um 1800 herausgestellt.
Im Resultat entsteht ein differenziertes Bild beider Denker im Rahmen einer historisch-systematischen Wissensforschung.
Hegels Philosophie der Kunst knüpft an eine seinerzeit junge, erst Mitte des 18. Jahrhunderts von Baumgarten begründete Tradition der Ästhetik als philosophischer Disziplin an. Im Mittelpunkt seiner seit 1817 in der Enzyklopädie skizzierten und in seinen Heidelberger und Berliner Vorlesungen ausgeführten Philosophie der Kunst steht die „Idee des Schönen“. Jedes Kunstwerk verwirklicht als Schönes eine Einheit des Begriffs und seiner Realität im sinnlichen Scheinen. Diese Einheit wird jedoch dort brüchig, wo das Selbstbewusstsein des Geistes seinem Begriff adäquat wird und über den sinnlichen Schein hinausgeht. Die Schönheit ist daher eine in sich gebrochene, die das Selbstbewusstsein des Geistes letztlich nicht gültig darzustellen vermag. Hegels vieldiskutierte These vom „Ende der Kunst“ ist nur eine Konsequenz dieser geistesphilosophischen Begründung der Ästhetik. Sowohl diese Begründung als auch die Fokussierung der Philosophie der Kunst auf die Idee des Schönen werfen eine Reihe systematischer Probleme auf, die in dem vorliegenden Band im Blick auf Hegels Ästhetik, ihre historischen Kontexte und ihre Rezeptionen diskutiert werden.
Mit Beiträgen von: Andreas Arndt, Bernadette Collenberg-Plotnikov, Wolfram Bergande, Ivan Boldyrev, Brigitte Hilmer, Christian Iber, Walter Jaeschke, Günter Kruck, Dimitri Liebsch, Niklas Hebing, Ives Delija Trešcec, Jure Zovko, Wilhelm Voßkamp und Mirko Wischke.
Wie kann die Entstehung des kritischen Potentials der Hegelschen Philosophie historisch verständlich werden? In der Beantwortung dieser Frage wird Hegels Transformation der „Arbeit des Republikaners für das Allgemeine“ (1795) über die „allgemeine Arbeit des Krieges“ (1802) bis zur „Arbeit des Begriffes“ (1807) rekonstruiert. Diese Transformation erfolgt in Hegels Teilnahme an revolutionshistorischen Heroismusformen, die Citoyen-Substitute für die bourgeoise Hegemonie begründen. Für Hegels Übergang vom jakobinischen zum napoleonischen Substitut spielt zunächst die „höhere Aufklärung“ der „Vereinigung“ (Hölderlin) die Schlüsselrolle, sodann die durch Schellings „Anschauung“ ermöglichte Rezeption der manufakturbürgerlichen Ökonomie (A. Smith) im Unterschied zur handelsbürgerlichen Ökonomie (J. Steuart). Mit der Arbeit des Geistes beginnt die genuin Hegelsche Objektivierung des heroischen Idealismus durch die spekulativ-systematische Selbstbegründung des Begriffs. Daran konnte Marx in seiner Frage nach der Überwindung des Gegensatzes zwischen abstrakter und konkreter Arbeit durch Formen der „allgemeinen Arbeit“ und der „unmittelbar gesellschaftlichen Tätigkeit“ anschließen.