VI. Freedom of Testation in the Revolutionary and Napoleonic Legislation
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Valentin Pinel le Dret
Summary
Contrary to what one could have deduced from art. 2 and 17 of the Déclaration des droits de l’homme et du citoyen, where property had been elevated as a natural right, imprescriptible, inviolable, and sacred, and art. 537 and 544 of the Code civil, where the owners had been given the right to use in the most absolute way and dispose freely of their property, neither the Revolutionary nor the Napoleonic lawmakers thought of the right of disposing freely of one’s property upon death as self-evident. Although there had been a long tradition of testamentary succession in the South of France, the right to dispose freely of one’s properties by testament led to tensions as to its articulation with the pro-intestate customs of the Northern provinces – in 1789–1804 French private law(s) had indeed not yet been unified and the unification process had given rise to several rearguard arguments in favour of local idiosyncrasies –, but most importantly, it led to tensions as to its articulation with the institution of family, one of the pillars, along with property, of the new social order that had emerged from the ruins of the Ancien Régime: the bourgeois society.
Zusammenfassung
Anders als man angesichts von Art. 2 und 17 der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789, worin das Privateigentum als natürliche, unveräußerliche, unverletzliche und geradezu heilige Freiheit verankert ist, und Art. 537 und 544 Code civil, die dem Eigentümer das ausschließliche Recht zur Nutzung und Veräußerung seiner Eigentumspositionen geben, denken könnte, hielten weder die revolutionären noch der napoleonische Gesetzgeber die Gewährung letztwilliger Verfügungsfreiheit für selbstverständlich. Während es im Süden Frankreichs eine lange Tradition testamentarischer Erbfolge gegeben hatte, stand die Testierfreiheit im Kontrast zum Gewohnheitsrecht der nördlichen Provinzen, das ausschließlich Intestaterbfolge vorsah. Vor Schaffung des Code civil gab es noch kein vereinheitlichtes französisches Privatrecht, und der Vereinheitlichungsprozess von 1789 bis 1804 bot Raum für die Auseinandersetzung über derartige lokale Eigentümlichkeiten. Vor allem aber kam in ihm das spannungsreiche Verhältnis zwischen Eigentum und Familie zur Sprache: zwei Grundpfeilern der neuen sozialen Ordnung einer bürgerlichen Gesellschaft, die aus den Trümmern des Ancien Régime hervorgegangen war.
Résumé
Contrairement à ce que l’on aurait pu déduire des art. 2 et 17 de la Déclaration des droits de l’homme et du citoyen, où la propriété avait été élevée au rang de droit naturel, imprescriptible, inviolable et sacré, et des art. 537 et 544 du Code civil, où l’on avait donné aux propriétaires le droit d’user de la manière la plus absolue et de disposer librement de leurs biens, ni le législateur révolutionnaire ni le législateur napoléonien ne considérèrent le droit de disposer librement de ses biens par testament comme évident. Bien qu’il y ait eu une longue tradition de successions testamentaires dans le Sud de la France, le droit de disposer librement de ses biens par testament a soulevé des difficultés quant à son articulation avec les coutumes pro-intestat des “pays” du Nord – en 1789–1804 les droits privés français n’avaient en effet pas encore été unifiés et le processus d’unification avait donné lieu à plusieurs combats d’arrière-garde en faveur des particularismes locaux –, mais surtout, il a soulevé des difficultés quant à son articulation avec l’institution de la famille, l’un des piliers, avec la propriété, du nouvel ordre social qui avait émergé des ruines de l’Ancien Régime: la société bourgeoise.
© 2023 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston
Articles in the same Issue
- Frontmatter
- Aufsätze
- I. Uneheliche Söhne zwischen Erbrecht und Weiheverbot: Norm und Praxis von Illegitimität im ausgehenden Frühmittelalter
- II. Die Königsgerichtsbarkeit und das privilegium fori im deutschen Spätmittelalter (1273–1400)
- III. Mediatio und superioritas
- IV. Erzählen vor Gericht: Die Basler Zeugenverhörprotokolle der Jahre 1475–1480
- V. Securitas. Die Debatte um Unverletzlichkeit und Immunität in der politischen und Rechtstheorie der Diplomatie vom 13. bis zum 18. Jahrhundert
- VI. Freedom of Testation in the Revolutionary and Napoleonic Legislation
- VII. Entspricht das jetzt dem Volksgeist? Geltungsfragen im „Heutigen Römischen Recht“
- VIII Das Reichsoberhandelsgericht als Cour de Cassation für Elsass-Lothringen und seine Rechtsprechung in Zivilsachen (1871–1879)
- Miszellen
- Zur Identifikation von Extravagante 26 des Liber Papiensis in der Hs. Mailand, Biblioteca Ambrosiana O. 55 sup
- Das Hienrecht – ein unbekannter Begriff der mittelalterlichen Rechtssprache
- Ergänzungen zu „Deutsche Rechtsbücher des Mittelalters und ihre Handschriften“
- Ein Bruch mit der Tradition und eine Gefahr für den Reichsfrieden? Die Errichtung der Neunten Kur im Urteil des Reichshofratsconclusums vom April 1693
- Ius commune on the Periphery? A Study of Peasants’ Wills in Poland in the XV–XVII centuries
- Konrad Maurers Briefe in öffentlichen Sammlungen. Ein Nachtrag
- Agrarrechtsgeschichte – ein konstitutiver Gegenstand der Erforschung landschaftsbezogener Rechtsgemeinschaften
- Unter einem „neuen Himmel“? Wachstum und Wandel im juristischen Publikationswesen an der Wende zum 20. Jahrhundert
- In the shadow of Auschwitz … Jews before Special Courts of the ‘Third Reich’ 1933–1945
- Repository for Digital Editions of Legal Historical Sources: ‘IURA. Sources of Law from the Past’)
- Literatur
- 100 Jahre Bundes-Verfassungsgesetz. Verfassung und Verfassungswandel im nationalen und internationalen Kontext
- Andres, Hannah, Karl Peters (1904–1998)
- Authorities in Early Modern Law Courts
- Autonomie des Rechts nach 1945. Eine Veröffentlichung aus dem Arbeitskreis für Rechtswissenschaft und Zeitgeschichte an der Akademie der Wissenschaften und der Literatur /Mainz
- Der Bardewiksche Codex des Lübischen Rechts von 1294
- Barta, Heinz, Der Gabentausch. Eine verwirklichte Utopie? Zugleich ein Beitrag zur Unterscheidung der normativen Epochen „Gegenseitigkeit“ und „Recht“ sowie zur Rechtsgeschäftslehre und Rechtsethnologie
- Beginn der Gegenwart. Studien zur juristischen Zeitgeschichte der 1980er Jahre
- Buggeln, Marc, Das Versprechen der Gleichheit
- The Cambridge Companion to Hugo Grotius
- Decock, Wim, Le marché du mérite
- Douglas, Lawrence R., Späte Korrektur
- Durchbruch der Moderne? Neue Perspektiven auf das 19. Jahrhundert
- Emanzipation und Recht. Zur Geschichte der Rechtswissenschaft und der jüdischen Gleichberechtigung
- Flam, Helena, Juristische Expertise zwischen Profession und Protest
- Flechsig, Katharina, Von Causenflickern und Rittern der Rechte
- Fortini, Orsolina, Deutsche Einflüsse auf den italienischen Codice di Commercio von 1882
- Glossen zum Sachsenspiegel-Landrecht. Petrinische Glosse
- Gluth, Sophia, Der apokryphe Nietzsche
- Graeber, David/David Wengrow, Anfänge. Eine neue Geschichte der Menschheit
- Hachenburg, Max, Wie eine Riesenwoge rauscht das Schicksal auf uns zu – Kolumnen in der Deutschen Juristenzeitung 1918–1933
- Lischka, Julia, Umgang mit Unrecht – Die Aufhebung von während der NS- und DDR-Zeit ergangenen strafrechtlichen Unrechtsurteilen
- Haug, Tilman, Städtische Verwaltung und Justiz in der Frühen Neuzeit
- Hilscher, Désirée, Den Helden geschaffen
- Die Idee subjektiver Rechte
- Hermann Kantorowicz’ Begriff des Rechts und der Rechtswissenschaft
- Kikuchi, Shigeto, Herrschaft, Delegation und Kommunikation in der Karolingerzeit
- Lahusen, Benjamin, „Der Dienstbetrieb ist nicht gestört“
- Landau, Peter, Deutsche Rechtsgeschichte im Kontext Europas
- Martin, Pascal, Friedrich Ludwig Keller, théoricien et praticien du procès civil
- Martius, Carl Friedrich Philipp von, Von dem Rechtszustande unter den Ureinwohnern Brasiliens
- Zur Mühlen, Roland von, Mit schweren Schritten aufs Schafott
- Neumann, Volker, Volkswille
- Wilhelm von Ockham, De iuribus Romani imperii /Das Recht von Kaiser und Reich
- Priemel, Kim Christian, The Betrayal
- Vom Konzessions- zum Normativsystem. Materialien zur Aktienrechtsnovelle 1870
- Quellen zur Rechtsgeschichte der Stadt Kassel
- Schütz, Tim, „Hoffnungslose Kriminelle“ und „Neigungstäter“
- Philipp von Schweinitz, Justizbauten als sthetischer Ausdruck des Rechts
- Schweitzer, Doris, Juridische Soziologien. Recht und Gesellschaft von 1814 bis in die 1920er Jahre
- Sorge, Christoph, Abhngige Autoren
- Speich, Heinrich, Burgrecht
- Staudigl-Ciechowicz, Kamila Maria, Das Dienst-, Habilitations- und Disziplinarrecht der Universitt Wien 1848–1938
- Steinfels, Marc/Helmut Meyer, Vom Scharfrichteramt ins Zürcher Bürgertum
- Strafverfolgung in der Bundesrepublik Deutschland und in Berlin (West)
- Die Tiroler Landesordnungen von 1526, 1532 und 1573
- Urteiler, Richter, Spruchkörper. Entscheidungsfindung und Entscheidungsmechanismen in der Europäischen Rechtskultur
- Francisco de Vitoria, De iustitia. Über die Gerechtigkeit, Teil III
- Vorderfflik twistringhe unde twydracht. Städtische Konflikte im späten Mittelalter
- Welch gütiges Schicksal! Ernst-Wolfgang Böckenförde/Carl Schmitt: Briefwechsel 1953–1984
- Wilangowski, Gesa, Frieden schreiben im Spätmittelalter
- Zwischen Aufarbeitung und Geheimhaltung: Justiz- und Behördenakten in der Zeitgeschichtsforschung
- Neuerscheinungen
- Nachrufe
- Diethelm Klippel
- Das Mühlhäuser Rechtsbuch. Auf dem Weg zu einer Neuedition
- Zum 43. Rechtshistorikertag Zürich 2022
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