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VI. Freedom of Testation in the Revolutionary and Napoleonic Legislation

  • Valentin Pinel le Dret
Published/Copyright: June 28, 2023

Summary

Contrary to what one could have deduced from art. 2 and 17 of the Déclaration des droits de l’homme et du citoyen, where property had been elevated as a natural right, imprescriptible, inviolable, and sacred, and art. 537 and 544 of the Code civil, where the owners had been given the right to use in the most absolute way and dispose freely of their property, neither the Revolutionary nor the Napoleonic lawmakers thought of the right of disposing freely of one’s property upon death as self-evident. Although there had been a long tradition of testamentary succession in the South of France, the right to dispose freely of one’s properties by testament led to tensions as to its articulation with the pro-intestate customs of the Northern provinces – in 1789–1804 French private law(s) had indeed not yet been unified and the unification process had given rise to several rearguard arguments in favour of local idiosyncrasies –, but most importantly, it led to tensions as to its articulation with the institution of family, one of the pillars, along with property, of the new social order that had emerged from the ruins of the Ancien Régime: the bourgeois society.

Zusammenfassung

Anders als man angesichts von Art. 2 und 17 der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789, worin das Privateigentum als natürliche, unveräußerliche, unverletzliche und geradezu heilige Freiheit verankert ist, und Art. 537 und 544 Code civil, die dem Eigentümer das ausschließliche Recht zur Nutzung und Veräußerung seiner Eigentumspositionen geben, denken könnte, hielten weder die revolutionären noch der napoleonische Gesetzgeber die Gewährung letztwilliger Verfügungsfreiheit für selbstverständlich. Während es im Süden Frankreichs eine lange Tradition testamentarischer Erbfolge gegeben hatte, stand die Testierfreiheit im Kontrast zum Gewohnheitsrecht der nördlichen Provinzen, das ausschließlich Intestaterbfolge vorsah. Vor Schaffung des Code civil gab es noch kein vereinheitlichtes französisches Privatrecht, und der Vereinheitlichungsprozess von 1789 bis 1804 bot Raum für die Auseinandersetzung über derartige lokale Eigentümlichkeiten. Vor allem aber kam in ihm das spannungsreiche Verhältnis zwischen Eigentum und Familie zur Sprache: zwei Grundpfeilern der neuen sozialen Ordnung einer bürgerlichen Gesellschaft, die aus den Trümmern des Ancien Régime hervorgegangen war.

Résumé

Contrairement à ce que l’on aurait pu déduire des art. 2 et 17 de la Déclaration des droits de l’homme et du citoyen, où la propriété avait été élevée au rang de droit naturel, imprescriptible, inviolable et sacré, et des art. 537 et 544 du Code civil, où l’on avait donné aux propriétaires le droit d’user de la manière la plus absolue et de disposer librement de leurs biens, ni le législateur révolutionnaire ni le législateur napoléonien ne considérèrent le droit de disposer librement de ses biens par testament comme évident. Bien qu’il y ait eu une longue tradition de successions testamentaires dans le Sud de la France, le droit de disposer librement de ses biens par testament a soulevé des difficultés quant à son articulation avec les coutumes pro-intestat des “pays” du Nord – en 1789–1804 les droits privés français n’avaient en effet pas encore été unifiés et le processus d’unification avait donné lieu à plusieurs combats d’arrière-garde en faveur des particularismes locaux –, mais surtout, il a soulevé des difficultés quant à son articulation avec l’institution de la famille, l’un des piliers, avec la propriété, du nouvel ordre social qui avait émergé des ruines de l’Ancien Régime: la société bourgeoise.

Published Online: 2023-06-28
Published in Print: 2023-06-27

© 2023 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

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Downloaded on 29.11.2025 from https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/zrgg-2023-0006/pdf
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