Streitvermeidung beim Austritt von GmbH-Gesellschaftern
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Christian Rosner
Ein Recht zum Austritt eines GmbH-Gesellschafters aus der GmbH ist gesetzlich nicht normiert. Deswegen wird es meist gesellschaftsvertraglich geregelt. Der BGH hat für den Gesellschafteraustritt in dem Urteil vom 30. 6. 2003 – II ZR 326/01, GmbHR 2003, 1062, eine Gestaltungsalternative zur Disposition gestellt, die bislang zu Unrecht wenig Beachtung gefunden hat. Bereits im Gesellschaftsvertrag können die (Gründungs-)Gesellschafter für den Austrittsfall die Teilung des Geschäftsanteils des austretenden Gesellschafters und die Abtretung der so entstehenden Teilgeschäftsanteile an die verbleibenden Gesellschafter regeln. In diesem Beitrag werden mehrere Klauselvorschläge untersucht und gezeigt, dass diese Gestaltung mehrereVorteile hat: Zum einen entfällt die Beschlussfassung über die Folgemaßnahmen der Kündigung, also der Gesellschafterbeschluss über die Einziehung oder die Abtretung des Geschäftsanteils des Austretenden an die Gesellschaft oder einen Dritten. Der austretende Gesellschafter läuft nicht Gefahr, dass die verbleibenden Gesellschafter die Umsetzung seines Austritts verzögern. Unwägbarkeiten darüber, wie die Abwicklung der Kündigung gegenüber der Gesellschaft gerichtlich durchzusetzen ist, werden vermieden. Zum anderen verursacht die Übertragung der nach Teilung entstehenden (Teil-)Geschäftsanteile keine weiteren Notarkosten. Aufgrund des rechtgeschäftlichen Charakters der Übertragung sind zudem im Gegensatz zur Einziehung die schenkungsteuerlichen Verschonungsvorschriften einschlägig.
The right of a GmbH shareholder to retire from a GmbH (private limited company organized under German law) has not been standardized by statute. Hence, this question is mostly dealt with in the shareholders' agreement (articles of association). In a judgment dated 30. 6. 2003 – II ZR 326/01, GmbHR 2003, 1062, Germany's supreme court (BGH) discussed an alternative for dealing with the retirement of a shareholder that has sadly been largely ignored hitherto. In the shareholders' agreement already, the (original) shareholders may provide that, in the event of a retirement, the business share of the retiring shareholder be divided and that the resulting part business shares be distributed among the remaining shareholders. This article examines various proposals for clauses and shows that this option has several merits: In the first place, there is no longer a need to adopt a resolution on follow-up measures after the notice of retirement, i.e. a resolution of the shareholders on the withdrawal of the retiring shareholder's business share or its assignment to the company or a third party. The retiring shareholder does not run the risk of the remaining shareholders delaying the implementation of his retirement. Imponderables concerning the way the notice to the Company is to be enforced judicially are avoided. Secondly, the transfer of the (part) business shares emerging after the division does not give rise to any further notary's fees. Also, in view of the transactional character of the transfer, the gift-tax exemption rules apply – unlike the withdrawal option.
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