Zusammenfassung
Dieser Artikel basiert auf einer Analyse zum Diskurs „Scheitern als Lerngelegenheit“ in deutsch- und englischsprachigen Bibliothekscommunities zwischen 2012 bis 2021. Es handelt sich um die erste systematische Auseinandersetzung mit diesem Themenfeld in der Bibliothekwissenschaft. Grundlage ist dabei eine Perspektive, die das Scheitern als Lerngelegenheit sieht, die Menschen und Institutionen weiterbringt. Die zugrundeliegende Forschung schafft eine Übersicht, wie ein gesellschaftlich traditionelles Tabuthema in bibliothekarischen Fachgemeinschaften offen zu etwas Gewinnbringendem umgedeutet wird.
Abstract
This article is based on an analysis of the discourse “Failure as a Learning Opportunity” in German- and English-speaking library communities between 2012 and 2021. This is the first systematic review of this topic in library and information sciences. It draws from a perspective that sees failure as a learning opportunity to further personal and institutional growth. The underlying research creates an overview of how a traditional taboo topic is openly reinterpreted as learning opportunity in professional library communities.
1 Einleitung
Deutschsprachige Bibliotheksfachcommunities leben einen offenen, reflektierten, vielleicht auch humorvollen, aber in jedem Fall auf Wissensweitergabe fokussierten Umgang mit Niederlagen, Fehlschlägen und Misserfolgen. Noch vor zehn Jahren stellte die LIBREAS-Redaktion in ihrem Heft zum Scheitern fest, dass in der deutschen Bibliothekskultur bisher wenig nach dem Grund für das Scheitern oder dem Weg zum Misserfolg gefragt werde – anders als im amerikanischen Raum. Dennoch waren die Redakteur*innen sich sicher, dass auch in der deutschen Bibliothekswelt zahlreiche Menschen ihre Erfahrungen zum Scheitern teilen könnten und sollten. Sie plädierten für einen positiven Umgang mit dem Scheitern und vermissten insbesondere in deutschen Bibliotheken „nicht nur eine Kultur der Akzeptanz von Scheitern, sondern auch ein soziales Netz, um problemlos zu scheitern – und neu zu beginnen.“[1] Wie aber findet seitdem der Umgang mit dem Scheitern in deutsch- und englischsprachigen Bibliotheksfachcommunities statt? Was wird daraus gelernt oder weitergegeben? Gab es in den letzten zehn Jahren herausragende Ereignisse, zum Beispiel Konferenzen oder Sammelbände, die sich exklusiv dem Scheitern als Lerngelegenheit in Bibliotheken widmeten?[2]
2 Theoretische Grundlage
Die wissenssoziologische Diskursanalyse bot im Rahmen des Projekts ein Set von Instrumenten, um das Vorhaben zu strukturieren.[3] So wurden Äußerungen zum Diskurs „Scheitern als Lerngelegenheit“ in deutsch- und englischsprachigen Bibliothekscommunities zwischen 2012 und 2021 aufgefunden und untersucht. Hier handelte es sich um Publikationen und Diskussionsergebnisse in Form von Konferenzpräsentationen, Blogbeiträgen und Social-Media-Posts, Zeitschriftenartikeln, Artikeln in Sammelbänden und Monografien.[4] Dabei wurden Personen und Institutionen identifiziert, die Äußerungen hervorbringen (sog. Träger*innen) bzw. von denen sie wahrgenommen werden (sog. Adressat*innen).[5] Auf dieser theoretischen Grundlage ergaben sich mehrere Forschungsfragen, von denen zwei in diesem Artikel näher beleuchtet werden:
Wo und in welchen Zusammenhängen wird vom eigenen oder institutionellen Scheitern berichtet?
Welche Zielsetzungen werden damit verfolgt?
3 Über das Scheitern sprechen
Charakterisiert wird der Diskurs unter anderem durch die Aneignungsweise, in der das Tabu des Scheiterns zu einer positiv konnotierten Lerngelegenheit umgedeutet wird. Dabei spielt der Einsatz von Humor und die Wissensweitergabe in Form von Geschichten eine große Rolle. Gleichzeitig ist die konstante Wiederholung, das Tabu überwinden zu wollen, ein Hinweis darauf, dass auch nach vielen Jahren der Auseinandersetzung der Bedarf an Enttabuisierung weiterhin besteht und der bisherige Umfang des Diskurses zum Thema nicht bekannt ist.
3.1 Was sind die Gründe?
Durch die Analyse wurde insbesondere erkennbar, dass diejenigen, die am Diskurs teilnehmen und ihn prägen, die Zielsetzung verfolgen, den offenen Umgang mit dem Scheitern zu befördern und dieses zur positiven Lerngelegenheit umzudeuten. Alle untersuchten Aussageereignisse lassen die gleiche positive Grundhaltung gegenüber dem Scheitern erkennen, die es überhaupt erst möglich machen soll, jenes zu enttabuisieren und produktiv zu machen. Das Scheitern kann die Folge von Fehlentscheidungen, Unkenntnis, ungenügender Erfahrung, fehlenden Strukturen oder äußeren Umständen sein. Die Auseinandersetzung mit dem Scheitern bietet das Potenzial, die Arbeitsergebnisse zu verbessern, kann Projekte erfolgreicher machen und zu wichtigen Lernerfahrungen führen.[6] Von den Gesprächen und dem Austausch über das Scheitern können alle profitieren, wie Garza treffend formuliert: „If libraries could capitalize on the disappointments as well as the successes of other libraries, the information about initiatives and best practices in the library profession at large would be greatly increased.“[7]
Für das Innovationsmanagement in Bibliotheken wird empfohlen: „Angesichts dessen, dass das Scheitern von Innovationen eher die Normalität widerspiegelt, ist es gut, sich mit dieser Tatsache gewissermaßen ,anzufreunden‘ und auseinanderzusetzen.“[8]
Der Umgang mit dem Scheitern wird dennoch nach wie vor als herausfordernd gesehen. Das gilt für Institutionen, Communities und Individuen: „It’s easy to point out what went wrong and vow to take a different approach in the future, but successfully following through can be challenging, especially if it involves breaking with long-held traditions.“[9] Es wird daher bestärkt, sich dem Thema zu stellen: „It’s only by normalizing the experience of failure that we can gain the most from it; in so doing, we make failure more productive, we accelerate our successes, and we make ourselves more resilient.“[10]
Das Scheitern macht sich auf verschiedene Weisen bemerkbar und wird von unterschiedlichen Erklärungen und Rechtfertigungen begleitet. So tritt der Misserfolg aufgrund fehlender Strukturen und unklarer Aufgabenverteilung ein, durch Verständigungsschwierigkeiten und unterschiedliche Perspektiven.[11] Gescheiterte Projekte, Prozesse und Planungen werden zudem auf nicht ausreichende „finanzielle, personelle, technische und Wissens-Ressourcen“[12] zurückgeführt.
In Projekten können eine unklare Rollenverteilung oder fehlende Strukturierung der Projektaufgaben sowie Versuche, im Rahmen begrenzter Projektressourcen Software selbst neu zu entwickeln, anstatt auf bestehende Produkte aufzubauen, Gründe für den Misserfolg sein.[13] Als weitere Gründe werden technische Schwierigkeiten angegeben, die den Abbruch von Tätigkeiten oder Projekten erzwingen und im Kleinen und Großen zum Scheitern führen.[14] Insbesondere im Innovationsmanagement sind Ursachen gleich auf mehreren Ebenen zu finden. Nicht nur hier, auch in vielen der oben genannten Fälle, liegen die Gründe zum Teil auf individueller bzw. auf der Ebene der Gesamtorganisation im Diktum: „Nicht-Wollen, Nicht-Dürfen, Nicht-Können, Nicht-Machen“.[15] Der richtige Weg liege aber vielmehr in der offenen Kommunikation: „Open discussions and communication on the topic of failure lead naturally to failure’s perceived opposite: success.“[16]
3.2 Wer spricht darüber?
Die Träger*innen der analysierten Aussagen sprechen in unterschiedlichen Zusammenhängen und sind dabei Teil unterschiedlicher Communities – in der Regel besteht auch die Assoziation mit Communities über den Diskurs des Scheiterns als Lerngelegenheit hinaus. Die Texte lassen durch ihre Entstehungskontexte Adressat*innenkreise erkennen und sind in der Regel schneller für diese Personen auffindbar, die Teil der Community sind, aus der die Texte stammen. Gleichwohl sind die Texte aber in keinem Fall exklusiv an Angehörige einer spezifischen Community adressiert und in jedem Fall auf andere Bibliotheksfachgemeinschaften übertragbar. Aussageereignisse sind dabei schnell auf andere Kontexte übertragbar und können so jenseits ihres Entstehungszusammenhangs Anwendung finden. Die Träger*innen bei unterschiedlich ausgerichteten sowie personell und finanziell ausgestatteten Institutionen tätig oder mit diesen assoziiert. Insgesamt lässt sich aber feststellen, dass sich für den untersuchten Zeitraum bis auf die jährlich stattfindende Tagung Fail4Lib[17] weder im deutsch- noch im englischsprachigen Raum (auch nicht übergreifend) eine regelmäßig zusammentreffende Community identifizieren lässt. Damit bleibt auch nach zehn Jahren die Auseinandersetzung mit dem Scheitern als Lerngelegenheit vorwiegend eine „Begleiterscheinung“ bestehender Diskussionen.
3.3 Wie wird darüber gesprochen?
Es wird vom Scheitern erzählt, damit andere etwas aus diesen Erfahrungen lernen können. Die Schilderungen sind den Adressat*innen leicht verständlich, enthalten aber in ihren Aussagen eine komplexe Agenda, die das Ziel verfolgt, Reflexionsmomente anzustoßen und Lernerfahrungen zu vermitteln. Dabei lassen sich eine implizite und mehrere explizite Diskursebenen beobachten. Die implizite Ebene begründet sich darin, dass der fachliche Austausch mittels Netzwerkbildung, mittels Teilnahme an Konferenzen und mittels Veröffentlichung von Zeitschriftenartikeln, Monografien, Blogposts oder Social-Media-Beiträgen für die professionelle Weiterentwicklung (individuell und auf Organisationsebene) grundlegend ist. Die expliziten Diskursebenen sind die, die ausdrücklich als Zielsetzungen benannt werden. Zunächst gibt es hier die Ebene, auf der die Träger*innen Aussagen über eigene Erfahrungen des Scheiterns machen.[18] Hinzu kommt die Ebene, auf der Träger*innen die Adressat*innen zu eigenen Aussagen zu deren Scheitern ermutigen.[19] Diese Ebene wird mit einer weiteren verschränkt, die das Gespräch über das Scheitern und seine Lernpotenziale an sich zu einem wichtigen Teil der Fachkommunikation erklärt.[20] Auf einer zusätzlichen Ebene werden zudem Aussagen dazu gemacht, wie das Gespräch über das Voneinanderlernen zur individuellen und gemeinschaftlichen professionellen Weiterentwicklung beiträgt.[21]
Das Darübersprechen und -schreiben führt in der Regel dazu, dass gewährleistet wird, den Fachdiskurs weiterführen zu können. Auf diese Weise kann auch auf Fachgespräche, die zeitlich früher oder an anderen Orten und in anderen Communities stattgefunden haben, zurückgegriffen werden. Obwohl sich der informelle Austausch auf Tagungen und sein Effekt nicht rekonstruieren lässt, kann dennoch gesagt werden, dass genau diese Formen der Interaktion und die Vernetzung im Fachgespräch wichtige Modalitäten des Diskurses sind, die auf einer informellen, expliziten Ebene stattfinden. Sie haben manifeste Auswirkung auf den weiteren Fortlauf des Diskurses und zukünftige Publikationen. Das zeigt die Wahl der Gesprächsformate, die wesentlich in Kommunikation und Austausch bestehen: Workshops[22], Konferenzen bzw. Vorträge[23] sowie Postserien in Sozialen Medien[24].
Es fällt auf, dass häufig sehr persönliche Erfahrungen des Scheiterns mit der Reflexion professioneller Weiterentwicklung verbunden werden.[25] Ebenso werden im Zusammenhang mit dem Moment der Erkenntnis des Scheiterns in vielen Fällen starke Emotionen ausgedrückt. Damit wird auf eine persönliche Betroffenheit hingewiesen, die sich in Erschrecken, Frustration, Besorgnis oder Unsicherheit ausdrücken kann. Wie einschneidend die Erfahrung des Scheiterns ist und wie schockierend der Moment der Erkenntnis sein kann, wird auch über den Ausdruck tiefgreifender Gefühle wie zum Beispiel Scham verdeutlicht.[26] Frustration und Enttäuschung sind häufig auftretende Gefühle, die in zahlreichen Texten explizit benannt werden.[27] Das zeigt, dass die Auseinandersetzung mit den eigenen Fehlentscheidungen und dem eigenen Unvermögen während des Darübersprechens und -schreibens eine Selbstoffenbarung ist, die Mut erfordert.[28] So gelingt es den Sprechenden, zu verdeutlichen, wie gewinnbringend Misserfolgsstories für die berufliche Weiterentwicklung sind – die eigene und die der anderen.
Ein diskursprägendes sprachliches Mittel ist der Ausdruck von Humor.[29] Aussagen zum Scheitern und Schilderungen eigener Erfahrungen werden sowohl in sachlicher Fachsprache[30] als auch in Form von emotional gefärbten, subjektiven Erzählungen gemacht.[31] Darunter gibt es Texte, die sich in ihrer Wortwahl stark in der Umgangssprache bewegen und sehr humorvoll und selbstironisch formuliert sind, aber dabei das Ziel eines fachlichen Austausches und des gegenseitigen Lernens verfolgen.[32]
Über einen humorvollen Umgang wird das Scheitern verarbeitet und reflektiert. Es ist dabei im besten Fall eine Station auf dem Weg zum Erfolg, im schlimmsten Fall einfach eine Lernerfahrung.[33] Über den eigenen Misserfolg zu lachen, ermöglicht es, dem Scheitern die Schwere zu nehmen und eine Distanz herzustellen, die es verarbeitbar macht. Darüber hinaus ist es über einen humorvollen Umgang erst möglich, das Scheitern offen und angstfrei in den Lernprozess zu integrieren. Die humorvolle Sichtweise führt zum Perspektivwechsel: Das Scheitern bzw. die Fehlentscheidungen oder Unkenntnisse, die zu seinem Entstehen geführt haben, sind nicht länger negativ konnotiert, sondern werden in ein positives Ereignis umgedeutet – für sich und für andere. Die humorvolle Auseinandersetzung mit dem Scheitern steht auch im Zusammenhang mit einer Organisationskultur, die Fehlern freundlich und konstruktiv begegnet. Der Erfahrungsaustausch mit anderen ist ebenso Teil dieser positiven Fehlerkultur.
Erzählt werden die Situationen des eigenen oder institutionellen Scheiterns in Form von Geschichten und Anekdoten. In diesen Misserfolgsstories wird häufig zunächst ein Rahmen geschaffen, der mit der Schilderung einer Ausgangssituation beginnt. Je nach Situation werden bereits Probleme angedeutet, die den Protagonist*innen in diesem Moment noch nicht bewusst, aber eigentlich erkennbar waren und zu einem späteren Zeitpunkt in der Geschichte wesentlich zum Scheitern beitragen werden. Der Moment der Erkenntnis des Scheiterns wird dabei zum entscheidenden Wendepunkt der Stories, die so ausgelegt sind, dass die Überwindung der Krise darin besteht, einen Ausweg aus der eigenen misslichen Lage zu finden. Ob eine Lösung gefunden werden kann oder akzeptiert werden muss, dass es keine Lösung gibt und als einzige Option bleibt, beim nächsten Mal vorbereitet zu sein – in jedem Fall ist die Phase nach der Eskalation der Teil der Geschichte, in der der Erkenntnisgewinn geschildert wird. Diese Phasen folgen dabei einem tradierten Muster beim Aufbau von Erzählungen. Auf die anfängliche Festlegung von Rahmenbedingungen folgt die Beschreibung von Schlüsselereignissen als Höhepunkten der Geschichte, deren Dramatik im Nachgang abfällt und zu einem Ende der Erzählung führt.[34]
Im Moment des Erzählens dauert die Phase der Reflexion an oder ist bereits abgeschlossen und es kann das aus der Erfahrung gewonnene Wissen weitervermittelt werden. Es wird immer aus einer Position erzählt, in der es möglich ist, zu reflektieren und zu evaluieren, zu einem Zeitpunkt also, bei dem das Erlebnis des Scheiterns bereits in der Vergangenheit liegt. Dabei wird der Spannungsbogen der Stories verschärft, wenn die Aufzählung äußerer Faktoren deutlich macht, dass die Handlungsmöglichkeiten stark begrenzt sind und es umso herausfordernder ist, effizient und effektiv eine Lösung herbeizuführen. Das ist insbesondere der Fall bei Zeitdruck, fehlender personeller Unterstützung oder wenn das angenommene oder tatsächliche Ausmaß der Krise die Erfolgschancen auf ein Minimum reduziert. Die Reflexion der Misserfolge und deren positive Umdeutung zu einer Lerngelegenheit sind Kernbotschaften der Erzählungen.[35]
Diese Failure Stories[36] sind dabei Erzählformen, in denen eine Person einen Irrweg beschreibt, der schließlich zum Misslingen der Unternehmung führt.[37] Dabei wird das Ziel verfolgt, eigene Erfahrungen für andere leicht nachvollziehbar zu machen und auf einfache Weise diese Erfahrungen auch in die Kontexte der Adressat*innen übertragbar zu machen. Mithilfe von Storytelling wird innerhalb von Fachgemeinschaften implizites Wissen durch das Teilen mit anderen explizit gemacht.[38] So sind diese Geschichten mehr als reine Unterhaltung und als Werkzeug des Wissenstransfers sehr ernst zu nehmen. Durch den informellen Austausch von Erfahrungen über Geschichten kann die berufliche Praxis weiterentwickelt und verbessert werden.[39] Dabei stärkt der offene Umgang mit solchen Failure Stories die Handlungsfähigkeit der Organisation und Einzelner. Denn aus diesen Stories resultiert idealiter die Einsicht, dass zusätzliches Wissen das eingetretene Scheitern hätte vermeiden können.
4 Fazit
Nach über einer Dekade des Diskurses innerhalb der bibliotheksfachlichen Communities gibt es noch viele Anknüpfungspunkte für weitere Diskussionen zum Thema. Es empfiehlt sich jedoch, Konferenzen und Publikationen innerhalb der Fachcommunities mit einer gewissen Portion Skepsis zu begegnen, die noch heute mit der Prämisse beginnen, dass das Sprechen über das Scheitern nach wie vor ein Tabuthema darstellt. Die diesem Artikel zugrundeliegende Forschungsarbeit macht deutlich, dass das Thema sich im Wandel befindet. Daher sollte die vorliegende Literatur zum Thema Scheitern besser rezipiert und eingebunden werden.
Ebenso lassen sich die Misserfolgsstories nicht auf bloße Unterhaltung reduzieren, wie bei „Fuck Up“-Events möglicherweise auf den ersten Blick angenommen werden könnte. Diese Formate stellen nur einen kleinen – aber den fachübergreifend erfolgreichsten – Teil dar, den fachlichen Austausch zum Scheitern zu befördern und persönliche, aber vor allem auch institutionelle (Selbst-)Reflexion anzuregen. Dabei besteht in ganz unterschiedlichen Bereichen innerhalb der einzelnen Institutionen und der Fachcommunities Handlungs- und Diskussionsbedarf zum Umgang mit dem Scheitern als Lerngelegenheit. So vielfältig die Herkunft der Texte aus zahlreichen Communities ist, so vielfältig sind auch die Möglichkeiten, im Rahmen dieser Gemeinschaften die Chance zu nutzen, ins Gespräch zu kommen und sich in weiteren Netzwerken zusammenzuschließen, um den Austausch über das Scheitern zur Grundlage des Voneinanderlernens zu machen.
Über den Autor / die Autorin

Sara Melchior
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