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Poseidonios von Apameia und die Ethnographie der Kelten im Westen der Oikumene

  • Julian Gieseke
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Maritime Entdeckung und Expansion
This chapter is in the book Maritime Entdeckung und Expansion

Abstract

Poseidonios von Apameia bereiste Anfang des 1.Jahrhunderts v.Chr. den Süden Galliens und verfasste als erster Grieche eine detaillierte Beschreibung der keltischen Lebenswelt. Der Aufsatz ordnet seine Reise in den historischen Kontext der römischen Expansion im westlichen Mittelmeerraum ein. Die Einrichtung der Provinz Gallia Narbonensis bildete eine wesentliche Voraussetzung für seine Erkundungen, sie formte ein Glacis zwischen Land und Meer, von dem aus das Landesinnere Galliens erschlossen werden konnte. Am Beispiel der Beschreibungen gallischer Bankette zeigt der Aufsatz auf, wie sehr ethnographische und philosophische Traditionen die Arbeit des Poseidonios prägten. Einerseits werden die Kelten durch Vergleiche mit den Heroen der homerischen Epen idealisiert, andererseits durch die Verwendung bekannter Barbarentopoi als rückständiges Naturvolk gezeichnet. Poseidonios’ Darstellung geht dabei jedoch auch im Hinblick auf ihren Detailreichtum über ältere Versuche hinaus und würdigt (Süd-)Gallien als Teil der griechisch-römischen Welt. Abschließend fragt der Artikel danach, welche Rolle römische Interessen in der Schrift des Poseidonios spielten.

Abstract

Poseidonios von Apameia bereiste Anfang des 1.Jahrhunderts v.Chr. den Süden Galliens und verfasste als erster Grieche eine detaillierte Beschreibung der keltischen Lebenswelt. Der Aufsatz ordnet seine Reise in den historischen Kontext der römischen Expansion im westlichen Mittelmeerraum ein. Die Einrichtung der Provinz Gallia Narbonensis bildete eine wesentliche Voraussetzung für seine Erkundungen, sie formte ein Glacis zwischen Land und Meer, von dem aus das Landesinnere Galliens erschlossen werden konnte. Am Beispiel der Beschreibungen gallischer Bankette zeigt der Aufsatz auf, wie sehr ethnographische und philosophische Traditionen die Arbeit des Poseidonios prägten. Einerseits werden die Kelten durch Vergleiche mit den Heroen der homerischen Epen idealisiert, andererseits durch die Verwendung bekannter Barbarentopoi als rückständiges Naturvolk gezeichnet. Poseidonios’ Darstellung geht dabei jedoch auch im Hinblick auf ihren Detailreichtum über ältere Versuche hinaus und würdigt (Süd-)Gallien als Teil der griechisch-römischen Welt. Abschließend fragt der Artikel danach, welche Rolle römische Interessen in der Schrift des Poseidonios spielten.

Chapters in this book

  1. Frontmatter 1
  2. Inhalt 5
  3. Vorwort 7
  4. Einleitung 9
  5. I. Erkundung und Eroberung der Meere
  6. Rezeption oder Innovation?: Archäologische Spuren hellenistischen Schiffbaus in Indochina 61
  7. Ozeanische Seewege nach Indien. Der große Traum des Westens in der Antike 81
  8. Als Indien das Römische Reich entdeckte: Exploration und Handel im Indischen Ozean vom Osten aus gesehen 109
  9. Der Atlantische Ozean und die griechischrömische Welt 121
  10. Die Integration Chinas in die Welt des Indischen Ozeans von der Antike bis zum Beginn der Song-Dynastie: Seewege, Verbindungen und Handel 137
  11. Imaginationen des Ozeans und atlantische Erkundungen im frühen Mittelalter 173
  12. Die Formierung der neuzeitlichen atlantischen Welt 205
  13. II. Die räumliche Verortung des Neuen: Maritime Exploration und Geographie
  14. Entdeckungsfahrten und Kartographie: Anmerkungen zu einer problembefrachteten Beziehung im Altertum 223
  15. Neue Karten für die Neue Welt? Kartographische Praktiken der Exploration 243
  16. Die ersten Weltkarten Matteo Riccis in China 269
  17. III. Fremde Völker an fernen Küsten – Konjunkturen und Methoden ethnographischer Welterfassung
  18. Neue Ethnien am Südmeer. Die Sicht des Agatharchides von Knidos 283
  19. Poseidonios von Apameia und die Ethnographie der Kelten im Westen der Oikumene 307
  20. Kaufleute als Ethnographen. Die Berichte über die Expeditionen zu den Kanarischen Inseln und an die Küste Westafrikas des 14. und 15.Jahrhunderts 335
  21. Frühneuzeitliche Indienwahrnehmung zwischen Empirie, Antike und Antiquarianismus. Die Briefe des Pietro della Valle (1586–1652) 361
  22. Abkürzungen und Siglen 391
  23. Verzeichnis der Autorinnen und Autoren 393
  24. Register 395
Downloaded on 29.11.2025 from https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/9783110670547-014/html
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