Die ersten Weltkarten Matteo Riccis in China
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Yingyan Gong
Abstract
Die Weltkarten Matteo Riccis gehören zu den bedeutendsten Beispielen für Kulturtransfer im frühneuzeitlichen China. Die jüngere Forschung nimmt an, dass die erste 1584 in Zhaoqing erarbeitete, aber seit langem verschollene Karte den Titel Da-ying-quan-tu trug. Während seines Aufenthaltes in Nanchang 1595 bis 1598 erstellte Ricci weitere Weltkarten, zwei Kopien wurden in Zhang Huangs Tu-shu-bian übernommen, eine hieß Yu-di-shan-hai-quan-tu (YDSHQT), die andere Yu-di-tu (YDT), beide bestanden aus Karten der nördlichen und südlichen Hemisphäre. Bei ihnen handelt es sich um die ältesten erhaltenen Weltkarten Riccis. Yu-di-shan-hai-quan-tu beruht auf einer ellipsoiden Projektion mit ovaler Außenform und enthält siebzehn Ortsnamen. Sie geht wohl auf die Weltkarte des „Theatrum Orbis Terrarum“ des Abraham Ortelius aus dem Jahr 1570 zurück. Yu-di-tu basiert auf einer polständigen Projektion und zeigt die nördlichen und südlichen Hemisphären; sie enthält 425 eng geschriebene Ortsnamen: 300 auf der Karte der nördlichen, 125 auf der Karte der südlichen Hemisphäre. Von den 425 Ortsnamen stammen 68 aus chinesischen Karten und Dokumenten, 375 wurden von Namen übertragen beziehungsweise übersetzt, die aus europäischen Büchern oder Karten stammten. Bis heute kennen wir nicht die europäischen Quellen des Yu-di-tu. Fest steht jedoch, dass Ricci die Grundstruktur und Hauptinhalte der chinesischen Weltkarte während seines Aufenthaltes in Nanchang erarbeitete.
Abstract
Die Weltkarten Matteo Riccis gehören zu den bedeutendsten Beispielen für Kulturtransfer im frühneuzeitlichen China. Die jüngere Forschung nimmt an, dass die erste 1584 in Zhaoqing erarbeitete, aber seit langem verschollene Karte den Titel Da-ying-quan-tu trug. Während seines Aufenthaltes in Nanchang 1595 bis 1598 erstellte Ricci weitere Weltkarten, zwei Kopien wurden in Zhang Huangs Tu-shu-bian übernommen, eine hieß Yu-di-shan-hai-quan-tu (YDSHQT), die andere Yu-di-tu (YDT), beide bestanden aus Karten der nördlichen und südlichen Hemisphäre. Bei ihnen handelt es sich um die ältesten erhaltenen Weltkarten Riccis. Yu-di-shan-hai-quan-tu beruht auf einer ellipsoiden Projektion mit ovaler Außenform und enthält siebzehn Ortsnamen. Sie geht wohl auf die Weltkarte des „Theatrum Orbis Terrarum“ des Abraham Ortelius aus dem Jahr 1570 zurück. Yu-di-tu basiert auf einer polständigen Projektion und zeigt die nördlichen und südlichen Hemisphären; sie enthält 425 eng geschriebene Ortsnamen: 300 auf der Karte der nördlichen, 125 auf der Karte der südlichen Hemisphäre. Von den 425 Ortsnamen stammen 68 aus chinesischen Karten und Dokumenten, 375 wurden von Namen übertragen beziehungsweise übersetzt, die aus europäischen Büchern oder Karten stammten. Bis heute kennen wir nicht die europäischen Quellen des Yu-di-tu. Fest steht jedoch, dass Ricci die Grundstruktur und Hauptinhalte der chinesischen Weltkarte während seines Aufenthaltes in Nanchang erarbeitete.
Chapters in this book
- Frontmatter 1
- Inhalt 5
- Vorwort 7
- Einleitung 9
-
I. Erkundung und Eroberung der Meere
- Rezeption oder Innovation?: Archäologische Spuren hellenistischen Schiffbaus in Indochina 61
- Ozeanische Seewege nach Indien. Der große Traum des Westens in der Antike 81
- Als Indien das Römische Reich entdeckte: Exploration und Handel im Indischen Ozean vom Osten aus gesehen 109
- Der Atlantische Ozean und die griechischrömische Welt 121
- Die Integration Chinas in die Welt des Indischen Ozeans von der Antike bis zum Beginn der Song-Dynastie: Seewege, Verbindungen und Handel 137
- Imaginationen des Ozeans und atlantische Erkundungen im frühen Mittelalter 173
- Die Formierung der neuzeitlichen atlantischen Welt 205
-
II. Die räumliche Verortung des Neuen: Maritime Exploration und Geographie
- Entdeckungsfahrten und Kartographie: Anmerkungen zu einer problembefrachteten Beziehung im Altertum 223
- Neue Karten für die Neue Welt? Kartographische Praktiken der Exploration 243
- Die ersten Weltkarten Matteo Riccis in China 269
-
III. Fremde Völker an fernen Küsten – Konjunkturen und Methoden ethnographischer Welterfassung
- Neue Ethnien am Südmeer. Die Sicht des Agatharchides von Knidos 283
- Poseidonios von Apameia und die Ethnographie der Kelten im Westen der Oikumene 307
- Kaufleute als Ethnographen. Die Berichte über die Expeditionen zu den Kanarischen Inseln und an die Küste Westafrikas des 14. und 15.Jahrhunderts 335
- Frühneuzeitliche Indienwahrnehmung zwischen Empirie, Antike und Antiquarianismus. Die Briefe des Pietro della Valle (1586–1652) 361
- Abkürzungen und Siglen 391
- Verzeichnis der Autorinnen und Autoren 393
- Register 395
Chapters in this book
- Frontmatter 1
- Inhalt 5
- Vorwort 7
- Einleitung 9
-
I. Erkundung und Eroberung der Meere
- Rezeption oder Innovation?: Archäologische Spuren hellenistischen Schiffbaus in Indochina 61
- Ozeanische Seewege nach Indien. Der große Traum des Westens in der Antike 81
- Als Indien das Römische Reich entdeckte: Exploration und Handel im Indischen Ozean vom Osten aus gesehen 109
- Der Atlantische Ozean und die griechischrömische Welt 121
- Die Integration Chinas in die Welt des Indischen Ozeans von der Antike bis zum Beginn der Song-Dynastie: Seewege, Verbindungen und Handel 137
- Imaginationen des Ozeans und atlantische Erkundungen im frühen Mittelalter 173
- Die Formierung der neuzeitlichen atlantischen Welt 205
-
II. Die räumliche Verortung des Neuen: Maritime Exploration und Geographie
- Entdeckungsfahrten und Kartographie: Anmerkungen zu einer problembefrachteten Beziehung im Altertum 223
- Neue Karten für die Neue Welt? Kartographische Praktiken der Exploration 243
- Die ersten Weltkarten Matteo Riccis in China 269
-
III. Fremde Völker an fernen Küsten – Konjunkturen und Methoden ethnographischer Welterfassung
- Neue Ethnien am Südmeer. Die Sicht des Agatharchides von Knidos 283
- Poseidonios von Apameia und die Ethnographie der Kelten im Westen der Oikumene 307
- Kaufleute als Ethnographen. Die Berichte über die Expeditionen zu den Kanarischen Inseln und an die Küste Westafrikas des 14. und 15.Jahrhunderts 335
- Frühneuzeitliche Indienwahrnehmung zwischen Empirie, Antike und Antiquarianismus. Die Briefe des Pietro della Valle (1586–1652) 361
- Abkürzungen und Siglen 391
- Verzeichnis der Autorinnen und Autoren 393
- Register 395