Imaginationen des Ozeans und atlantische Erkundungen im frühen Mittelalter
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Sebastian Kolditz
Abstract
Im frühmittelalterlichen geographischen Denken Europas bildete der Atlantik noch keine distinkte, wohldefinierte geographische Kategorie. Gleichwohl erkundeten die Normannen Zonen des Ozeans, die traditionell als undurchdringlich galten. Vor diesem Hintergrund untersucht der vorliegende Beitrag die Integration neuer Wissensbestände über den nördlichen Ozean und seine Inseln in etablierte Muster geographischer Beschreibung. Die als Basis dafür dienenden Texte reichen von karolingischen Traktaten über die Gestalt der Erde bis zu geographischen Abschnitten in der Historiographie, wie etwa bei Adam von Bremen. Einige Entdeckungen fanden auf diese Weise methodisch reflektiert Eingang in verschriftlichtes Wissen, doch führte das weder zu nachhaltigen Transformationen des Weltbildes noch zu neuen Entdeckungsdynamiken. Dazu dürfte sowohl die geringe, meist regionale Verbreitung der relevanten Texte beigetragen haben als auch die faktische Beschaffenheit des mittelalterlichen Atlantik als lockeres, veränderliches Gefüge beschränkter konnektiver Zonen.
Abstract
Im frühmittelalterlichen geographischen Denken Europas bildete der Atlantik noch keine distinkte, wohldefinierte geographische Kategorie. Gleichwohl erkundeten die Normannen Zonen des Ozeans, die traditionell als undurchdringlich galten. Vor diesem Hintergrund untersucht der vorliegende Beitrag die Integration neuer Wissensbestände über den nördlichen Ozean und seine Inseln in etablierte Muster geographischer Beschreibung. Die als Basis dafür dienenden Texte reichen von karolingischen Traktaten über die Gestalt der Erde bis zu geographischen Abschnitten in der Historiographie, wie etwa bei Adam von Bremen. Einige Entdeckungen fanden auf diese Weise methodisch reflektiert Eingang in verschriftlichtes Wissen, doch führte das weder zu nachhaltigen Transformationen des Weltbildes noch zu neuen Entdeckungsdynamiken. Dazu dürfte sowohl die geringe, meist regionale Verbreitung der relevanten Texte beigetragen haben als auch die faktische Beschaffenheit des mittelalterlichen Atlantik als lockeres, veränderliches Gefüge beschränkter konnektiver Zonen.
Kapitel in diesem Buch
- Frontmatter 1
- Inhalt 5
- Vorwort 7
- Einleitung 9
-
I. Erkundung und Eroberung der Meere
- Rezeption oder Innovation?: Archäologische Spuren hellenistischen Schiffbaus in Indochina 61
- Ozeanische Seewege nach Indien. Der große Traum des Westens in der Antike 81
- Als Indien das Römische Reich entdeckte: Exploration und Handel im Indischen Ozean vom Osten aus gesehen 109
- Der Atlantische Ozean und die griechischrömische Welt 121
- Die Integration Chinas in die Welt des Indischen Ozeans von der Antike bis zum Beginn der Song-Dynastie: Seewege, Verbindungen und Handel 137
- Imaginationen des Ozeans und atlantische Erkundungen im frühen Mittelalter 173
- Die Formierung der neuzeitlichen atlantischen Welt 205
-
II. Die räumliche Verortung des Neuen: Maritime Exploration und Geographie
- Entdeckungsfahrten und Kartographie: Anmerkungen zu einer problembefrachteten Beziehung im Altertum 223
- Neue Karten für die Neue Welt? Kartographische Praktiken der Exploration 243
- Die ersten Weltkarten Matteo Riccis in China 269
-
III. Fremde Völker an fernen Küsten – Konjunkturen und Methoden ethnographischer Welterfassung
- Neue Ethnien am Südmeer. Die Sicht des Agatharchides von Knidos 283
- Poseidonios von Apameia und die Ethnographie der Kelten im Westen der Oikumene 307
- Kaufleute als Ethnographen. Die Berichte über die Expeditionen zu den Kanarischen Inseln und an die Küste Westafrikas des 14. und 15.Jahrhunderts 335
- Frühneuzeitliche Indienwahrnehmung zwischen Empirie, Antike und Antiquarianismus. Die Briefe des Pietro della Valle (1586–1652) 361
- Abkürzungen und Siglen 391
- Verzeichnis der Autorinnen und Autoren 393
- Register 395
Kapitel in diesem Buch
- Frontmatter 1
- Inhalt 5
- Vorwort 7
- Einleitung 9
-
I. Erkundung und Eroberung der Meere
- Rezeption oder Innovation?: Archäologische Spuren hellenistischen Schiffbaus in Indochina 61
- Ozeanische Seewege nach Indien. Der große Traum des Westens in der Antike 81
- Als Indien das Römische Reich entdeckte: Exploration und Handel im Indischen Ozean vom Osten aus gesehen 109
- Der Atlantische Ozean und die griechischrömische Welt 121
- Die Integration Chinas in die Welt des Indischen Ozeans von der Antike bis zum Beginn der Song-Dynastie: Seewege, Verbindungen und Handel 137
- Imaginationen des Ozeans und atlantische Erkundungen im frühen Mittelalter 173
- Die Formierung der neuzeitlichen atlantischen Welt 205
-
II. Die räumliche Verortung des Neuen: Maritime Exploration und Geographie
- Entdeckungsfahrten und Kartographie: Anmerkungen zu einer problembefrachteten Beziehung im Altertum 223
- Neue Karten für die Neue Welt? Kartographische Praktiken der Exploration 243
- Die ersten Weltkarten Matteo Riccis in China 269
-
III. Fremde Völker an fernen Küsten – Konjunkturen und Methoden ethnographischer Welterfassung
- Neue Ethnien am Südmeer. Die Sicht des Agatharchides von Knidos 283
- Poseidonios von Apameia und die Ethnographie der Kelten im Westen der Oikumene 307
- Kaufleute als Ethnographen. Die Berichte über die Expeditionen zu den Kanarischen Inseln und an die Küste Westafrikas des 14. und 15.Jahrhunderts 335
- Frühneuzeitliche Indienwahrnehmung zwischen Empirie, Antike und Antiquarianismus. Die Briefe des Pietro della Valle (1586–1652) 361
- Abkürzungen und Siglen 391
- Verzeichnis der Autorinnen und Autoren 393
- Register 395