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Die Formierung der neuzeitlichen atlantischen Welt

  • Jürgen Elvert
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Maritime Entdeckung und Expansion
This chapter is in the book Maritime Entdeckung und Expansion

Abstract

Ausgangspunkt für die Erschließung des neuzeitlichen Atlantikraums war der Mittelatlantik, also der Raum zwischen den Kapverden, Kanaren, Madeira und den Azoren. Dabei ging es um die Etablierung maritimer Handelsrouten nach Südostasien. Da Portugal im Vertrag von Tordesillas das Privileg zur Nutzung der Route um das Kap der Guten Hoffnung bis nach Indien und dem Malaiischen Archipel zugesprochen worden war, blieb für die spanischen Monarchen nur die Westroute über den Atlantik. Mit der Einsicht, dass auf der Westroute Richtung China, Japan und Indien ein bis dahin in Europa unbekannter Kontinent lag, begann die Erschließung des Atlantischen Raumes. Der Handlungsrahmen der Europäer in Amerika unterschied sich grundlegend von dem in Südostasien: In Amerika stellte die Eroberung des Raumes die Voraussetzung für dessen Beherrschung dar, während in Südostasien die Etablierung von Handelsstützpunkten genügte, um die begehrten Handelsgüter Südostasiens nach Europa zu transportieren. Die Eroberung und Kolonisierung Amerikas schufen zudem die Rahmenbedingungen, unter denen sich der transatlantische Sklavenhandel für mehrere Jahrhunderte zu einem äußerst lukrativen Geschäft entwickelte. Die transatlantischen Geschäftsbeziehungen, die in diesem Zeitraum entstanden, bildeten wiederum die Voraussetzung für die Entstehung eines weltweiten Seehandelsnetzes, in dem zumindest im 19.Jahrhundert europäische Reeder und Überseekaufleute führend tätig waren.

Abstract

Ausgangspunkt für die Erschließung des neuzeitlichen Atlantikraums war der Mittelatlantik, also der Raum zwischen den Kapverden, Kanaren, Madeira und den Azoren. Dabei ging es um die Etablierung maritimer Handelsrouten nach Südostasien. Da Portugal im Vertrag von Tordesillas das Privileg zur Nutzung der Route um das Kap der Guten Hoffnung bis nach Indien und dem Malaiischen Archipel zugesprochen worden war, blieb für die spanischen Monarchen nur die Westroute über den Atlantik. Mit der Einsicht, dass auf der Westroute Richtung China, Japan und Indien ein bis dahin in Europa unbekannter Kontinent lag, begann die Erschließung des Atlantischen Raumes. Der Handlungsrahmen der Europäer in Amerika unterschied sich grundlegend von dem in Südostasien: In Amerika stellte die Eroberung des Raumes die Voraussetzung für dessen Beherrschung dar, während in Südostasien die Etablierung von Handelsstützpunkten genügte, um die begehrten Handelsgüter Südostasiens nach Europa zu transportieren. Die Eroberung und Kolonisierung Amerikas schufen zudem die Rahmenbedingungen, unter denen sich der transatlantische Sklavenhandel für mehrere Jahrhunderte zu einem äußerst lukrativen Geschäft entwickelte. Die transatlantischen Geschäftsbeziehungen, die in diesem Zeitraum entstanden, bildeten wiederum die Voraussetzung für die Entstehung eines weltweiten Seehandelsnetzes, in dem zumindest im 19.Jahrhundert europäische Reeder und Überseekaufleute führend tätig waren.

Chapters in this book

  1. Frontmatter 1
  2. Inhalt 5
  3. Vorwort 7
  4. Einleitung 9
  5. I. Erkundung und Eroberung der Meere
  6. Rezeption oder Innovation?: Archäologische Spuren hellenistischen Schiffbaus in Indochina 61
  7. Ozeanische Seewege nach Indien. Der große Traum des Westens in der Antike 81
  8. Als Indien das Römische Reich entdeckte: Exploration und Handel im Indischen Ozean vom Osten aus gesehen 109
  9. Der Atlantische Ozean und die griechischrömische Welt 121
  10. Die Integration Chinas in die Welt des Indischen Ozeans von der Antike bis zum Beginn der Song-Dynastie: Seewege, Verbindungen und Handel 137
  11. Imaginationen des Ozeans und atlantische Erkundungen im frühen Mittelalter 173
  12. Die Formierung der neuzeitlichen atlantischen Welt 205
  13. II. Die räumliche Verortung des Neuen: Maritime Exploration und Geographie
  14. Entdeckungsfahrten und Kartographie: Anmerkungen zu einer problembefrachteten Beziehung im Altertum 223
  15. Neue Karten für die Neue Welt? Kartographische Praktiken der Exploration 243
  16. Die ersten Weltkarten Matteo Riccis in China 269
  17. III. Fremde Völker an fernen Küsten – Konjunkturen und Methoden ethnographischer Welterfassung
  18. Neue Ethnien am Südmeer. Die Sicht des Agatharchides von Knidos 283
  19. Poseidonios von Apameia und die Ethnographie der Kelten im Westen der Oikumene 307
  20. Kaufleute als Ethnographen. Die Berichte über die Expeditionen zu den Kanarischen Inseln und an die Küste Westafrikas des 14. und 15.Jahrhunderts 335
  21. Frühneuzeitliche Indienwahrnehmung zwischen Empirie, Antike und Antiquarianismus. Die Briefe des Pietro della Valle (1586–1652) 361
  22. Abkürzungen und Siglen 391
  23. Verzeichnis der Autorinnen und Autoren 393
  24. Register 395
Downloaded on 29.11.2025 from https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/9783110670547-009/html
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