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Als Indien das Römische Reich entdeckte: Exploration und Handel im Indischen Ozean vom Osten aus gesehen

  • Eivind Heldaas Seland
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Maritime Entdeckung und Expansion
This chapter is in the book Maritime Entdeckung und Expansion

Abstract

Wer die Integration des Indischen Ozeans in die Netzwerke der antiken Welt beschreiben will, tut dies üblicherweise aus einer mediterranen Perspektive. Diese Herangehensweise wird durch die Quellenlage und die historiographische Tradition gestützt. Sie führt jedoch implizit ein Narrativ der Frühen Neuzeit fort, die in den antiken Seefahrern aus dem Mittelmeerraum lediglich Vorläufer der modernen Expansion der Europäer in den Indischen Ozean sah. Damit wird jedoch die Rolle maritimer Gemeinschaften in der Welt des Indischen Ozeans marginalisiert, die bereits lange vor dem Aufbau griechisch-hellenistischer und römischer Netzwerke in diesem Raum aktiv waren. Dieser Beitrag vertritt die entgegengesetzte Perspektive, um die „indische Entdeckung des Römischen Reiches“ darzustellen. Er zeigt, wie das Quellenmaterial, das bisher durchweg dazu diente, die Entdeckung des Indischen Ozeans durch mediterrane Zivilisationen zu beschreiben, auch eine andere Geschichte erzählen kann: nämlich wie sich Wissen und Netzwerke aus dem Bereich des Indischen Ozeans in die Mittelmeerwelt ausbreiteten. Ohne die Bedeutung mediterraner Akteure zu unterschätzen, erlaubt dies ein ausgewogeneres Verständnis der Dynamiken, die zu einer beispiellosen Dichte an integrativen Kontakten und Verbindungen über die gesamte antike Welt in der Zeit um Christi Geburt führten.

Abstract

Wer die Integration des Indischen Ozeans in die Netzwerke der antiken Welt beschreiben will, tut dies üblicherweise aus einer mediterranen Perspektive. Diese Herangehensweise wird durch die Quellenlage und die historiographische Tradition gestützt. Sie führt jedoch implizit ein Narrativ der Frühen Neuzeit fort, die in den antiken Seefahrern aus dem Mittelmeerraum lediglich Vorläufer der modernen Expansion der Europäer in den Indischen Ozean sah. Damit wird jedoch die Rolle maritimer Gemeinschaften in der Welt des Indischen Ozeans marginalisiert, die bereits lange vor dem Aufbau griechisch-hellenistischer und römischer Netzwerke in diesem Raum aktiv waren. Dieser Beitrag vertritt die entgegengesetzte Perspektive, um die „indische Entdeckung des Römischen Reiches“ darzustellen. Er zeigt, wie das Quellenmaterial, das bisher durchweg dazu diente, die Entdeckung des Indischen Ozeans durch mediterrane Zivilisationen zu beschreiben, auch eine andere Geschichte erzählen kann: nämlich wie sich Wissen und Netzwerke aus dem Bereich des Indischen Ozeans in die Mittelmeerwelt ausbreiteten. Ohne die Bedeutung mediterraner Akteure zu unterschätzen, erlaubt dies ein ausgewogeneres Verständnis der Dynamiken, die zu einer beispiellosen Dichte an integrativen Kontakten und Verbindungen über die gesamte antike Welt in der Zeit um Christi Geburt führten.

Chapters in this book

  1. Frontmatter 1
  2. Inhalt 5
  3. Vorwort 7
  4. Einleitung 9
  5. I. Erkundung und Eroberung der Meere
  6. Rezeption oder Innovation?: Archäologische Spuren hellenistischen Schiffbaus in Indochina 61
  7. Ozeanische Seewege nach Indien. Der große Traum des Westens in der Antike 81
  8. Als Indien das Römische Reich entdeckte: Exploration und Handel im Indischen Ozean vom Osten aus gesehen 109
  9. Der Atlantische Ozean und die griechischrömische Welt 121
  10. Die Integration Chinas in die Welt des Indischen Ozeans von der Antike bis zum Beginn der Song-Dynastie: Seewege, Verbindungen und Handel 137
  11. Imaginationen des Ozeans und atlantische Erkundungen im frühen Mittelalter 173
  12. Die Formierung der neuzeitlichen atlantischen Welt 205
  13. II. Die räumliche Verortung des Neuen: Maritime Exploration und Geographie
  14. Entdeckungsfahrten und Kartographie: Anmerkungen zu einer problembefrachteten Beziehung im Altertum 223
  15. Neue Karten für die Neue Welt? Kartographische Praktiken der Exploration 243
  16. Die ersten Weltkarten Matteo Riccis in China 269
  17. III. Fremde Völker an fernen Küsten – Konjunkturen und Methoden ethnographischer Welterfassung
  18. Neue Ethnien am Südmeer. Die Sicht des Agatharchides von Knidos 283
  19. Poseidonios von Apameia und die Ethnographie der Kelten im Westen der Oikumene 307
  20. Kaufleute als Ethnographen. Die Berichte über die Expeditionen zu den Kanarischen Inseln und an die Küste Westafrikas des 14. und 15.Jahrhunderts 335
  21. Frühneuzeitliche Indienwahrnehmung zwischen Empirie, Antike und Antiquarianismus. Die Briefe des Pietro della Valle (1586–1652) 361
  22. Abkürzungen und Siglen 391
  23. Verzeichnis der Autorinnen und Autoren 393
  24. Register 395
Downloaded on 29.11.2025 from https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/9783110670547-005/html
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