Rezeption oder Innovation?: Archäologische Spuren hellenistischen Schiffbaus in Indochina
-
Ronald Bockius
Abstract
Der Beitrag widmet sich dem frühen Güteraustausch und Ideentransfer zwischen dem hellenistischen Mittelmeerraum und Südostasien mit dem Schwerpunkt auf Indien, Indonesien und Indochina. Historische und archäologische Quellen bezeugen für das 3./2.Jahrhundert v.Chr. teils diplomatisch motivierte Kontakte, die dem regulären, über ägyptische Häfen abgewickelten römischen Seehandel mit Indien und der Einrichtung westlicher Faktoreien auf dem Subkontinent vorausgehen. Älteste Sachzeugen sind mediterrane Prestigegüter in China und ostägäische Weinamphoren des 2.Jahrhunderts v.Chr., die nach Indien gelangt sind. Dort werden hellenistische Keramikstile und -ornamentik in das regionale Produktportfolio aufgenommen, die sich bis nach Indonesien und Indochina, im Westen bis auf die Arabische Halbinsel und Ägypten verbreiten. Seit dem 1.Jahrhundert v.Chr. gelangten nicht nur Luxuswaren über Indien in das expandierende Han-China, sondern, vermittelt durch südostasiatische maritime Netzwerke, auch mediterran geprägte Schiffbauexpertise in das benachbarte Nordvietnam, das seit 111 v.Chr. unter dem Einfluss und der Kontrolle der Han stand. Für den griechisch-römischen Westen charakteristische Holzverbindungstechnik erscheint dort seit der Mitte des 1.Jahrhunderts v.Chr. als Exot innerhalb der regionalen Dong So’n-Kultur.
Abstract
Der Beitrag widmet sich dem frühen Güteraustausch und Ideentransfer zwischen dem hellenistischen Mittelmeerraum und Südostasien mit dem Schwerpunkt auf Indien, Indonesien und Indochina. Historische und archäologische Quellen bezeugen für das 3./2.Jahrhundert v.Chr. teils diplomatisch motivierte Kontakte, die dem regulären, über ägyptische Häfen abgewickelten römischen Seehandel mit Indien und der Einrichtung westlicher Faktoreien auf dem Subkontinent vorausgehen. Älteste Sachzeugen sind mediterrane Prestigegüter in China und ostägäische Weinamphoren des 2.Jahrhunderts v.Chr., die nach Indien gelangt sind. Dort werden hellenistische Keramikstile und -ornamentik in das regionale Produktportfolio aufgenommen, die sich bis nach Indonesien und Indochina, im Westen bis auf die Arabische Halbinsel und Ägypten verbreiten. Seit dem 1.Jahrhundert v.Chr. gelangten nicht nur Luxuswaren über Indien in das expandierende Han-China, sondern, vermittelt durch südostasiatische maritime Netzwerke, auch mediterran geprägte Schiffbauexpertise in das benachbarte Nordvietnam, das seit 111 v.Chr. unter dem Einfluss und der Kontrolle der Han stand. Für den griechisch-römischen Westen charakteristische Holzverbindungstechnik erscheint dort seit der Mitte des 1.Jahrhunderts v.Chr. als Exot innerhalb der regionalen Dong So’n-Kultur.
Chapters in this book
- Frontmatter 1
- Inhalt 5
- Vorwort 7
- Einleitung 9
-
I. Erkundung und Eroberung der Meere
- Rezeption oder Innovation?: Archäologische Spuren hellenistischen Schiffbaus in Indochina 61
- Ozeanische Seewege nach Indien. Der große Traum des Westens in der Antike 81
- Als Indien das Römische Reich entdeckte: Exploration und Handel im Indischen Ozean vom Osten aus gesehen 109
- Der Atlantische Ozean und die griechischrömische Welt 121
- Die Integration Chinas in die Welt des Indischen Ozeans von der Antike bis zum Beginn der Song-Dynastie: Seewege, Verbindungen und Handel 137
- Imaginationen des Ozeans und atlantische Erkundungen im frühen Mittelalter 173
- Die Formierung der neuzeitlichen atlantischen Welt 205
-
II. Die räumliche Verortung des Neuen: Maritime Exploration und Geographie
- Entdeckungsfahrten und Kartographie: Anmerkungen zu einer problembefrachteten Beziehung im Altertum 223
- Neue Karten für die Neue Welt? Kartographische Praktiken der Exploration 243
- Die ersten Weltkarten Matteo Riccis in China 269
-
III. Fremde Völker an fernen Küsten – Konjunkturen und Methoden ethnographischer Welterfassung
- Neue Ethnien am Südmeer. Die Sicht des Agatharchides von Knidos 283
- Poseidonios von Apameia und die Ethnographie der Kelten im Westen der Oikumene 307
- Kaufleute als Ethnographen. Die Berichte über die Expeditionen zu den Kanarischen Inseln und an die Küste Westafrikas des 14. und 15.Jahrhunderts 335
- Frühneuzeitliche Indienwahrnehmung zwischen Empirie, Antike und Antiquarianismus. Die Briefe des Pietro della Valle (1586–1652) 361
- Abkürzungen und Siglen 391
- Verzeichnis der Autorinnen und Autoren 393
- Register 395
Chapters in this book
- Frontmatter 1
- Inhalt 5
- Vorwort 7
- Einleitung 9
-
I. Erkundung und Eroberung der Meere
- Rezeption oder Innovation?: Archäologische Spuren hellenistischen Schiffbaus in Indochina 61
- Ozeanische Seewege nach Indien. Der große Traum des Westens in der Antike 81
- Als Indien das Römische Reich entdeckte: Exploration und Handel im Indischen Ozean vom Osten aus gesehen 109
- Der Atlantische Ozean und die griechischrömische Welt 121
- Die Integration Chinas in die Welt des Indischen Ozeans von der Antike bis zum Beginn der Song-Dynastie: Seewege, Verbindungen und Handel 137
- Imaginationen des Ozeans und atlantische Erkundungen im frühen Mittelalter 173
- Die Formierung der neuzeitlichen atlantischen Welt 205
-
II. Die räumliche Verortung des Neuen: Maritime Exploration und Geographie
- Entdeckungsfahrten und Kartographie: Anmerkungen zu einer problembefrachteten Beziehung im Altertum 223
- Neue Karten für die Neue Welt? Kartographische Praktiken der Exploration 243
- Die ersten Weltkarten Matteo Riccis in China 269
-
III. Fremde Völker an fernen Küsten – Konjunkturen und Methoden ethnographischer Welterfassung
- Neue Ethnien am Südmeer. Die Sicht des Agatharchides von Knidos 283
- Poseidonios von Apameia und die Ethnographie der Kelten im Westen der Oikumene 307
- Kaufleute als Ethnographen. Die Berichte über die Expeditionen zu den Kanarischen Inseln und an die Küste Westafrikas des 14. und 15.Jahrhunderts 335
- Frühneuzeitliche Indienwahrnehmung zwischen Empirie, Antike und Antiquarianismus. Die Briefe des Pietro della Valle (1586–1652) 361
- Abkürzungen und Siglen 391
- Verzeichnis der Autorinnen und Autoren 393
- Register 395